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FRANKFURT: DIE WALKÜRE / 1. Akt beim Konzert des HR-S.O. unter Marc Minkowski

23.10.2015 | Konzert/Liederabende

Frankfurt: „DIE WALKÜRE –  1. AKT“

                    HR-S.O. – MARC MINKOWSKI 22.10.2015

Konträr besonders reizvoll wie die Programm-Gestaltung  beim heutigen Abo-Konzert des HR-Sinfonie Orchester auch der Gastdirigent Marc Minkowski, einem Meisterinterpreten und Kenner spezifisch des barocken Musikgenres  und Gründers des Ensembles „Les Musiciens du Louvre“.

Mit der leider sehr selten gespielten „Symphonie in d“ von César Franck wurde der Abend eingeleitet, mit diesem Werk erlangte der Komponist zu Lebzeiten niemals Ruhm. Seine einzige Symphonie entstand während der letzten zehn Jahre der Schaffensperiode und bildet heute einen lyrischen, kontemplativen Ausgangspunkt symphonischer Musik. Wie ein tönender Spiegel seines an Verzicht und Enttäuschungen so reichen Künstlerdaseins erscheint uns heute dieses wunderbare Werk.

Marc Minkowski verstand es vorzüglich die Chromatik der Melodien mit ihren mannigfaltigen Harmonien und Modulationen, meisterhaft zu interpretieren.  Vielversprechend erklang der erste Satz dem Lento einer Art Reprise der wechselnden folgenden einprägsamen Themen. Wie in einem Frage- und Antwortspiel ergibt sich das folgende Allegro ma non troppo vom bravourös aufspielenden HR-S.O. mit seinen akkuraten Instrumentalgruppen bestens kontrastiert dargeboten. Gleichsam einem Hoffnungsschimmer lässt der Dirigent das Schicksalsmotiv durchsetzen. Für meinen Geschmack betonte Maestro leichte Dehnungen der Partitur und überproportionierte detailverliebt manches Forte – doch schmälerte dieser Einwand keineswegs die höchst qualitative Darbietung.

Gleich einem Trauermarsch ertönt das Allegretto gefolgt von der melancholischen Weise, in der das Englischhorn und die Pizzicati der Streicher vorherrschen. Herrlich entfaltete sich die Klarinetten-Kantilene, bevor der Satz im pianissimo endet.

Das Allegro des letzten Symphoniesatzes nimmt alle vorangegangenen Motive wieder auf, das Orchester entfaltete sich in glanzvoller Pracht. Zum heiteren Marsch in D-dur gesellen sich zwei weitere Themen: das erste für Blechinstrumente (in Brillanz dargeboten), das zweite für Streicher und die Holzfraktionen, vortrefflich intoniert. Umsichtig vereint Marc Minkowski das Orchester zur brillanten Apotheose , die wie ein ergreifender Ruf nach Klarheit und Erleuchtung anmutet. Große Begeisterung des Publikums.

Nach der Pause folgte sodann der erste Akt aus „Die Walküre“ von Richard Wagner. Bedingt durch die Nähe an der Rampe, wurden die orchestralen Register zusätzlich abgestuft im Gegensatz zum Graben und somit ergab sich natürlich auch bedingt durch Minkowskis Dirigat ein wesentlich differenziertes Instrumentalbild. Bedacht wählte der versierte Dirigent die Tempi, spannungsvoll bereits die Einleitung der „Gewittermusik“, wunderbar betont die warme Grundierung des Klangs durch das Holz und der Kontrabässe. Minkowski erwies sich als exzellenter Sängerbegleiter, dirigierte das hessische Ausnahme-Orchester engagiert, setzte weniger auf knallige Kontraste, beleuchtete mehr die Magie des Details, so auch das leidenschaftliche Engagement der Protagonisten.

Christiane Libor konnte als enorm darstellerisch präsente, vollblütige Sieglinde mit ihrer herrlich weichen Mittellage, den zarten, schier mädchenhaften Zwischentönen, ihren bestens fokussierten, klangvollen Höhen punkten und bot zweifellos die vokale Bestleistung des Abends. Von Beginn an bis zur ekstatischen, finalen Steigerung erschien sie einem Sopran-Leuchtturm gleich.

Als stimmstarker Siegmund erwies sich Endrik Wottrich mit seinem kernigen, dunkel getönten Heldentenor. Frisch wirkte sein resonanzreiches Höhenpotenzial, verlor jedoch zuweilen an Präsenz und Intonations-Konzentration, welche die zahlreichen Blicke in die Partitur, statt zu seiner liebevollen Partnerin rechtfertigten.

In individueller Charakterzeichnung, sonoren Bassqualitäten sang Georg Zeppenfeld einen imponierenden Hunding. Langanhaltende herzliche Zustimmung des Auditoriums für die spannende, unter die Haut gehende Interpretation.

Gerhard Hoffmann

 

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