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FRANKFURT/ Bockenheimer-Depot: L’INCORONAZIONE DI POPPEA. Premiere

21.12.2014 | Allgemein, Oper

Frankfurt: L’incoronazione di Poppea von Claudio Monteverdi  20.12.2014

Unbenannt
Gaelle Arquez und Naomi O’Connell. Foto: Monika Rittershaus

 Die Frankfurter Oper spielt die letzte und wohl berühmteste Oper von C. Monteverdi in seiner Zweitspielstätte Bockenheimer Depot. Die Regisseurin Ute Engelhardt betont, ihr käme die Location des früheren Straßenbahndepots entgegen, da alles viel intimer sei und die Bewegungen, Mimik und Gestik ihrer Protagonisten vom Publikum immer in Einzelheiten mitbekommen werden könnten. Dem ist aber nicht so, da sich vor der „Bühne“ noch der ‚Orchestergraben‘ befindet zwar nicht für klassisch sinfonisches Orchester, aber umfangreiches Barockorchester. Dann kommt noch ein 3-4 Meter breiter Durchgang, bevor die Sitzreihen anfangen. Es ist also gar nicht anders als in der Oper, und es werden auch nicht andre mögliche Stellmöglichkeiten fürs Orchester gesucht. Dahinter ist ein weiterer Graben, in den immer wieder 2 blockartige Stege von den Seiten hereingeschoben werden, auf denen sofort das flotte Comedia dell‘ Arte Spiel (Dienerschaft und Leibgarde) stattfindet (Bühnenb.: Julia Müer). Auf den seitlichen Vorbühnen bieten Luken weitere schnelle Auftrittsmöglichkeiten von unten. Dahinter eine Wand voller Verstrebungen, aus hohen versetzt gestellten Leitern, auf denen die Götterallegorien Amore, Fortuna und Virtù sich bewegen, aber auch herabsteigen und ins Bühnengeschehen eingreifen. Der Raum dahinter wird nur einmal genutzt, wenn die verstoßene Ottavia in einem Kahn auf dem Meer fährt. Als Requisiten gibt’s auch eine „Skyline‘ des antiken Roms im Kleinformat (Tempel), und Seneca führt einen Wagen mit trichterartigen Röhren, die später als Kerzenständer fungieren, und beschrifteten Papierrollen mit sich. Es ergibt sich ein Widerspiel aus chaotisch hatzender Dienerschaft/Soldatesca und formal zelebrierten kaiserlichen Auftritten, wobei das Liebesspiel zwischen Nero und Poppea auch heftig gezeigt wird. Die lustigen Kostüme mit furchterregenden Masken für die Soldaten, heutige Mode von der Stange für Drusilla und Ottavia, antik inspirierte Seidengewänder für das neue Kaiserpaar sowie köstlich prächtige Röcke für die männlichen Ammen stammen von Katharina Tasch.

Musikalisch wir Monteverdi weitgehend schön authentisch wiedergegeben, die süßlich traurigen und die spritzigen Allegro Passagen wechseln sich in immer schnelleren Runden ab. Trotzdem kommt unter der Leitung von Simone Di Felice das wirklich besondere Monteverdi Feeling nicht so recht auf, und es entstehen Längen. Auch die Sängerinnen passen sich diesem Niveau eher an, vielleicht hätte man in der Oper doch bessere Ergebnisse erzielt.

 In den Kleinrollen ergänzen Francisco Brito, Jurij Samoilov, Aljoscha Lennert und Julian Habermann, die auch mehrere Chargen übernehmen. Als Mitglied des Opernstudios singt Jessica Strong Virtú und Pallade und fügt sich in das Sopranterzett der drei Allegorien gut ein. Die Amme der Drusilla gibt Martin Wölfel mit fein prononciertem Countertenor äußerst ironisch. Anna Ryberg gibt ganz verschmitzt ihre Rolle als Einspringerin bei Ottone für Poppea und singt dabei einen angenehmen Sopran. Auch Nora Friedrichs steht als Fortuna/Damigella ein netter Sopran zur Verfügung und erfüllt sich in einer köstlichen Dienerliebe mit Valletto, der in Gestalt von Elizabeth Reiter mit schön timbriertem Sopran auch den Amore gibt und die ganze Oper über am wuseligsten unterwegs ist. Hans-Jürgen Lazar gibt mit gestemmtem, manchmal etwas brüchigem Tenor (wohl Indisposition) aber äußerst witzig die Arnetta, Amme der Poppea. Den Seneca singt mit sonor tiefem  Baß, groß und introvertiert wirkend, Alfred Reiter. William Towers ist Ottone mit larmoyant leise und flach wirkendem Counter, aber doch wieder sehr charakteristisch ironisch gezeichnet. Die Poppea der Naomi O’Connell singt einen guten Sopranpart, wenn ihr auch das elektrisierende Etwas fehlt, das in ähnlicher Sopranlage Gaelle Arquez als Nerone jederzeit stimmlich versprüht und damit als elegantes Wesen mit schwarzem Kurzhaar von ihren bösen Amtshandlungen ablenkt. Aber Ottavia, seine Ex, ist auch nicht besser, indem sie den Mord an Poppea anstiftet. Gesungen wird sie mit großer Mezzostimme und großer Geste von Claudia Mahnke.

 Friedeon Rosén

 

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