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FRANKFURT/ Bockenheimer Depot: LE CANTATRICI VILLANE von Valentino Fioravanti

30.01.2016 | Oper

Frankfurt: Le cantatrici villane  29.1.2016


Copyright: Oper Frankfurt/ Barbara Aumüller

 Im Bockenheimer Depot wurde jetzt eine Neapolitanische Buffooper ausgegraben: Le cantatrici villane (Aufstieg der Sängerinnen) von Valentino Fioravanti. Dieser lebte Ende des 18.Jahrhunderts und war in ganz Europa unterwegs, schrieb zumeist Buffoopern, aber auch einige Opere Serie und war zu Lebzeiten gut im Geschäft. Mit Mozart gab es eine wechselseitige Beeinflussung. So komponiert Fioravanti 7 Jahre nach dessen „Schauspieldirektor“ seine ‚Cantatrici‘, die auch duirchgehend  Theater auf dem Theater beinhalten, und die Eifersuchtsarien aus den Cantatrici strahlen auch auf die späteren Mozart’sche ‚Cosi`fan tutte‘- Arien ab. Le cantatrici sind weitgehend in musikalisch flottem Duktus gehalten und stehen zumeist in Durtonart, eine Differenzierung findet eher in oft aufgefächerter Instrumentation statt. Ein kleines Ensemble des Frankfurter Orchesters spielt das ganz kongenial unter der akribisch involvierten Leitung von Karsten Januschke .

 Es geht um vier ländliche Sängerinnen, die am Theater in der Vorstadt Roms reussieren möchten, und die dort einen Kapellmeister finden, der bei allen „Material“ feststellt, aber auch interessiert ist, unter ihnen Witwen zu finden, auf die er ein Auge werfen kann. Den Sängerinnen werden auch prachtvolle Kostüme in Aussicht gestellt, und der Kapellmeister fängt mit Privatstunden für seine Favoritin neben den Proben an, an denen auch ein Regieassistent, Garderobiere und Requisiteur präsent sind. Das nötige Kleingeld bringt der Schüler des Maestros, Don Marco ein, dem auch das das Cembalo gehört, und der zum Schluss als ‚Intendant‘ eine der Sängerinnen ehelichen will. Auf der Bühne ist auch immer ein seltsamer Ritter anwesend, der sich am Ende als der nicht verstorbene Ehemann Carlino der Primadonna erweist, so dass die Verbindung des Maestros mit seiner ‚Witwe‘ fehlschlägt.

Das ist alles ganz lustig und flott in Szene gesetzt von Caterina Panti Liberovici. Es erschien ihr wichtig zu zeigen, dass die Primadonna Rosa aber doch gut singen kann und hat ihr deshalb im 2.Akt eine Arie aus „Ezio“ von C.W.Gluck verpaßt, die aber gar nicht besonders herausstach. Eine dramaturgische Nummer-Umstellung gaben der Oper vielleicht tatsächlich mehr Spannung. Das Bühnenbild stellt einen nach oben ansteigenden Zuschauerraum mit roten Sesseln dar, als Kulissen werden öfter silbergraue Holzlatten für den Ritter sowie besagtes Cembalo hereingefahren (Bb.: Sergio Marotti). Eine große Kostümvielfalt brachte Caterina Botticelli ein, die die Damen in weißer Unterwäsche, bunter heutiger Montur bis zu stilvollen Roben, auch als Kämpferinnen mit schneidigem Helm drapiert. Kapellmeister und Regieassistent natürlich ganz in heutigem schwarz, der Intendant in ‚braunem‘ 40er Jahre- Stil.

 Die Kleinrolle der Nunziella füllte Katharina Ruckgaber mit feinem Sopran aus. Die Giannetta der Maren Favela sowie di Agata der Karen Vuong (beide Sopran) sehen sich stärker in Konkurrenz zur bevorzugten Primadonna, und bringen dies, auch mal als schwarze Pagen gekleidet, in schönen Koloraturarien zum Ausdruck. Thomas Faulkner ist als Don Marco als Baßbariton zu erleben. Den Carlino gibt Michael Porter tenoral mit gefühlvollem, fein timbriertem Timbre, wenn er auch böse den Rivalen D. Bucefalo ans Leben trachtet und sich durch zwei weitere Ritter verstärken lässt. Jessica Strong gibt mit einem elastischem wohlklingendem Sopran die Rosa und setzt sich auch gekonnt in Positur, z.B. auf dem Cembalo. Björn Bürger gibt mit äußerst virtuosem dabei viril wohlklingendem Bariton den Maestro Bucefalo und ist dabei auf der Szene immer flott unterwegs, wenn sich final seine Wünsche auch nicht erfüllen.                                           

Friedeon Rosén

 

 

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