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FRANKFURT/ Alte Oper: „SOL GABETTA-TSCHECHISCHE PHILHARMONIE-JAKUB HRUSA“

04.03.2020 | Konzert/Liederabende


Copyright: Pro Arte/Awiszus

Frankfurt / Alte Oper: „SOL GABETTA-TSCHECHISCHE PHILHARMONIE-JAKUB HRUSA“ – 03.03.2020

Zur Reihe „Internationale Orchesterkonzerte“ präsentierte Pro Arte im großen Saal der Alten Oper Gastsolisten von hohem Rang mit einer Programm-Auswahl tschechischer Komponisten.

Im Mittelpunkt stand das „Cello-Konzert“ von Antonin Dvorak welches in der letzten Schaffensperiode des Komponisten während seines dreijährigen Amerika-Aufenthalts im Winter 1894/95 entstand.

Eine ausgedehnte Tutti-Einleitung eröffnete den ersten Satz Allegro zu welchem Klarinetten und Streicher den lyrisch-verhaltenen Grundton anstimmten, sequente Steigerungen leiteten zum prächtig aufblühenden Hauptthema, welches von der Solistin Sol Gabetta elegisch herrlich eingefärbt übernommen, im thematisch-variierten Wechselspiel der Holzbläser zum satt-sonoren Ton ihres Cellos in impressionistischer Klang-Formation ausmusiziert wurde. Zu schlanker Tongebung und rhythmischer Konfiguration formte die exzellente Cellistin transparente, gefühlvolle, prächtig ausbalancierte Klangfarben von hinreißender Akkuratesse.

Wunderbare Klangschattierungen zauberte Gabetta mit ihrem Instrument zum betörenden Adagio. In sensibler Weise passte sich Jakub Hrusa mit der äußerst sinnfällig aufspielenden Tschechischen Philharmonie dem süffisanten Musizierstil der Cellistin an, instrumentierte  die orchestralen Soli subtil austariert.

Ausgefeilt, in klanglich tiefgründiger Intensität, zu farbenreichen Tönen voll Herz und Gefühl beleuchtete Sol Gabetta das finale Allegro moderato mit seinen folkloristischen Elementen.

In glühender Expressivität hob die brillante Interpretin die wundervollen Sehnsuchts-Momente des Werkes hervor, kehrte die traumverlorene Romantik bedeutungsvoll nach außen im Kontrast des eruptiven Genesis zu Dvoraks Klangsinnlichkeit.

Mit einem Bravosturm bedankte sich das begeisterte Publikum und Sol Gabetta gewährte eine Zugabe: Elegisch von ihrer Singstimme untermalt erklang „Dolcissimo“ von Peteris Vasks.

Josef Suk (1874-1935) war tschechischer Geiger, Komponist sowie Antonin Dvoraks Schwiegersohn und hinterließ eine große Anzahl symphonischer Werke, Konzerte, Lieder etc. In Bezug zu seinem berühmten Schwiegervater kam heute sein „Scherzo fantastique op. 25“ aus dem Jahre 1903 zur Aufführung. Josef Suk war eine echt böhmische Musikantennatur, eingeschworen auf Dvorak und Brahms und nutzte zunehmend die neueren Mittel seiner Zeit welche sich natürlich in seinem kurzen Scherzo ebenfalls widerspiegeln.

Imposant, agil, mit Esprit, raumergreifender Musizierfreude begegnete das vorzüglich disponierte Orchester unter Hrusas Stabführung dem Werk mit den charakteristisch sämig-schweren Klangformationen, deren weltenlos dunkle Abgründe sich auf faszinierende Weise instrumental lichteten in rhythmisch-tänzerischen Episoden und dynamischer Prachtentfaltung.

Zum Finale boten die tschechischen Gäste die symphonische Rhapsodie „Taras Bulba“ von Leos Janacek in sehr authentischer Interpretation dar. Bulba nach der altrussischen Sage ein tragischer Held, ein Kosakenführer welcher seinen Sohn tötet, als sich dieser in eine schöne Polin verliebt und sein Volk zu verlassen droht. In vortrefflich farbenprächtiger Instrumentation illustrierten die Philharmoniker das dramatisch-leidenschaftliche Musik-Epos in drei Teilen. Samtweiche dunkle Streicher eröffneten das Liebesmotiv um Andrijs Tod  voll Lyrik und Harmonie die Zwiesprache der unglücklich Liebenden, stets von Kampfgetümmel umrahmt. Auch der zweite Sohn verliert sein Leben zur Episode Ostaps Tod  in drei kurzen Orchesterschlägen intoniert, während die Sieger zu wilder Mazurka feiern. Prophezeiung und Taras Bulbas Tod erfuhr eine instrumentale hymnische Apothese von verklärter Schönheit. Vorzüglich formte Jakub Hrusa die plastische Tonsprache Janaceks in ihrer dynamischen Schroffheit mit dem bestens disponierten und akkurat aufspielenden Orchester zu optimaler Klangrhetorik.

Das Publikum war hingerissen und feierte die Gäste lautstark mit großer Begeisterung.

Gerhard Hoffmann

 

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