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FRANKFURT/ Alte Oper: „PORGY AND BESS-SZENEN“

Saisonkonzert des hr-sinfonieorchesters

13.09.2019 | Konzert/Liederabende

Frankfurt / Alte Oper: „PORGY AND BESS-SZENEN“ – 12.09.2019

Im ersten Saisonkonzert des hr-sinfonieorchesters unter der Leitung seines Chefdirigenten Andrés Orozco-Estrada erklangen ausschließlich Werke amerikanischer Komponisten des 20. Jahrhunderts.

„The Artist in Residence“ Iveta Apkalna, die lettische Organistin von Weltruf eröffnete die Programmfolge mit der “Toccata für Orgel und Orchester” von Samuel Barber. Das kurze einsätzige Werk umreißt konträr hauchzarte transparente Klänge sowie stürmische Klanggesten von lyrischer Expressivität, unter der sensiblen Leitung von Andrés Orozco-Estrada und seinem hr-sinfonieorchester erfuhr das Werk eine unglaublich intensive Wiedergabe. Großartig zog Iveta Apkalna  alle (Orgel)Register ihres Könnens in sorgfältiger austarierter Virtuosität ganz besonders während des brillanten Solos vor dem Finale.

Die imposante Konzert-Suite „Ein Amerikaner in Paris“ (George Gershwin) als Ouvertüre zur Szenerie aus seiner Oper nach der Pause. Unter Einbindung von Jazz in populäre symphonische Musik traf Gershwin den typischen Zeitgeist des Jahres 1928, die Verkörperung des neuen Amerikas. In Paris entstand die Grundidee zur Studie eines amerikanischen Reisenden welcher durch Paris schlendert und dessen Eindrücke sich in musikalischer Vielfalt widerspiegeln.

Verblüffend mit welcher Akkuratesse der famose hessische Klangkörper unter der Stabführung seines temperamentvollen Leiters dieses grell-bunte Mosaik französischer „Straßen“-Atmosphäre musikalisch umsetzte und widerspiegelte. Gleich ob im lasziven Schlenderschritte des Slowfox, dem instrumentalen Paradox der futuristisch-originalen Pariser Taxi-Hupen oder den Blues- und Charleston-Rhythmen, das gesamte Orchester traf stets den richtigen Nerv und vermittelte klangmalerisch furios das Spiegelbild einer Welt-Metropole.

Ähnlich schuf Gershwin seine Oper „Porgy and Bess“ gleich einem Kaleidoskop der schwarzen Bevölkerung Nordamerikas. Es ist eine Geschichte aus dem Volk mit Musik die die Leute darin machen bzw. mit welcher sie verwurzelt sind. Weil ich die Musik ganz aus einem Guss haben wollte, komponierte ich meine eigenen Spirituals und Volkslieder, also Elemente welche es bisher in noch keiner Oper gab – so die Worte Gershwins.

Adina Aaron sang die Bess mit dem typischen ihr zu eigenen Timbre (ich hatte die Sopranistin noch in guter Erinnerung als „Aida“) authentisch sehr emotional mit wunderbar  samtweicher Mittellage und prächtigem Höhenpotenzial. Sehr berührend erklang Claras Summertime, bewegend und dramatisch kamen The Promise´ Lan´ sowie My´man´s  gone now herüber. Ausgezeichnet formierte sich Ihr Sopran mit dem tiefen Bassbariton des Porgy im Duett Bess you is my woman now.

Der südafrikanische Sänger Musa NGqungwana erwies sich als Idealpartner und interpretierte  vortrefflich Jakes Szene A woman is a somtime thing, Porgys I got plenty sowie die Songs des Sporting Life mit dem Chor I ain´t got no shame und überwältigend There´s a boat dat´s leavin´. Hier vereinten sich Timbre, Volumen, Ausdruck des Sängers zu prachtvoller ausdrucksstarker Vokalise.

Großartig fügte sich der Cape Town Opera Chorus (Marvin Kernelle) mit seinen herrlichen Chor-Solisten ins Geschehen. Viril, atemberaubend rhythmisch swingend, kein Mitglied stand still, von hoher Klangkultur geprägt absolvierte das vortreffliche Ensemble seine unter die Haut gehenden Parts.

Wie bereits vor der Pause zur Gershwin-Suite verstand es Andrés Orozco-Estrada wiederum mit ureigenem Temperament sein prädikatives  hr-sinfonieorchester zu Höchstleistungen zu animieren. Voluminös, teils lyrisch beispiellos intonierend präsentierte sich das exzellente Instrumentarium mit seinen brillanten Blechbläsern und bot  Klangperspektiven  der Sonderklasse. Da ging salopp formuliert „die Post ab“! Bravo – welch  sensationeller Saison-Auftakt, in dieser Formation hätte man sich gut und gerne die komplette Oper „Porgy and Bess“ gewünscht.

Kaum war das Finale Lawd, I´m on my way verklungen, schlugen allen Beteiligten lautstarke Ovationen entgegen wie ich sie in der AOF noch nie erlebte. Das Publikum schrie, tobte, pfiff vor Begeisterung.

Im Video Livestream auf hr-sinfonieorchester.de sowie im Rundfunk auf hr2-Kultur können Sie liebe Leser am 15. + 24. September jeweils um 20:04 h das spektakuläre Konzert nochmals nachhören bzw. sehen.

Gerhard Hoffmann

 

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