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FRANKFURT/ Alte Oper: „PIERRE-LAURENT AIMARD – HR-SINFONIEORCHESTER – ALAIN ALTINOGLU“

29.04.2022 | Konzert/Liederabende

Frankfurt / Alte Oper: „PIERRE-LAURENT AIMARD – HR-SINFONIEORCHESTER – ALAIN ALTINOGLU“  –  28.04.2022

In der Reihe der vielzähligen Solo-Klavier-Kompositionen von Claude Debussy erscheint die „Fantasie für Klavier und Orchester“ des 28jährigen Komponisten gewissermaßen als Aufbruch eines neuen Stils. Die Thematik der musikalischen Gestaltung wurde von Rahmensätzen durch ein gemeinsames Kernmotiv zusammengefügt. Im träumerischen Zwischensatz dringen die für Debussy in seinen Werken berühmten instrumentalen Couleurs vortrefflich hervor, schienen die Impressionen mit zarten Pinselstrichen zu malen. Man könnte die Fantasie auch Klavierkonzert mit drei Sätzen nennen. Transparent in weichem schwebendem Farbenspiel erhob sich der von Holzbläsern intonierte Kopfsatz, Pierre-Laurent Aimard zeichnete das Thema fragil nach und verstand es prächtig sich im ständig einmischenden Orchester die pianistische Oberhand zu verteidigen. Mit kräftigen konturierten Einwürfen verlieh der französische Pianist dem Allegro giusto elegante, dennoch dominante beherzte Akzente. Die zarten Farben schwanden im schillernden instrumentalen Gebilde und leiteten über in den vergnüglichen, kobolthaften Finalsatz. Mit Esprit und sicherem Gespür für ästhetische Formation verstand es Alain Altinoglu den typischen Flair dieser  impressionistischen Musik auf das hervorragend disponierte hr-sinfonieorchester inspirierend zu transponieren. In  feinen Nuancen, prägnanten Anschlägen bestach Aimard während dem stürmischen abrupt endenden Finale.

Herzlichen Beifall und Bravos bedankte der Künstler mit dem „Albumblatt As-Dur“ Ankunft bei den schwarzen Schwänen welches Wagner 1861 in Paris komponierte.

Umrahmt wurde bekennende Wagner-Verehrer Debussy von zwei Werken Richard Wagners

als Entree erklang die Ouvertüre zu „Tannhäuser“. Selten ist der Grundgedanke einer ganzen Oper so klar und ausdrucksvoll in einem Orchester-Vorspiel zusammengefasst worden wie in dieser Ouvertüre. Der Kampf zwischen Glut der Sinne und Glauben der Seele zwischen Verlockung und Erlösung wird in diesen Tönen dieser glanzvoll instrumentierten Ouvertüre geradezu bildlich vorgeführt. Ein zartgetönter Pilgerchor erhob sich aus den Holzbläsern und Hörnern, anschwellend in Posaunen eingebettet in ein flirrendes Geflecht schimmernder Violinen kündeten vom Ruf der Gläubigkeit, wieder allmählich verklingend. Ein erregendes Gleißen im Orchester hob sich an kündete zu schwirrenden Geigen, lockenden Bratschen, betörenden Holzbläsern die schwüle Sinnlichkeit des Venusberges an, Schmachtende Klarinetten kündeten vom Auftritt der Liebesgöttin, die Violinen jubeln Tannhäusers Beteuerungen, immer wilder, berauschender verlieren sich die Ekstasen und erneut meldete sich das fromme Thema der Pilger zurück. Alain Altinoglu hatte seinen famos muszierenden Klangkörper fest im Griff, entlockte dem HR.SO. betörende Farbenspiele von dynamischer Spannweite, welche vom Pianissimo bis zu Forte-Eruptionen überquollen.

Nach der Pause erklangen symphonische Motive zu Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“ Donners Hammerschwung-Klagelied der törichten Rheintöchter-Einzug der Götter nach Walhall aus „Das Rheingold“, sodann ein gewaltiger Sprung zum Ring-Finale mit Morgendämmerung-Siegfrieds Rheinfahrt und dem überwältigenden Trauermarsch. Generalpausen und Geblätter im Notenwald kündeten sodann Waldweben aus „Siegfried“ sowie den Ritt der Amazonen-Streitmacht Wotans aus „Die Walküre“ an. Mit sensiblem Gespür akribischer Orchesterführung, großartiger Variabilität leitete Alain Altinoglu das prächtig aufspielende hessische Spitzenorchester. Ob nun zu flirrenden Streicherklängen, den schwelgerischen Passagen, dem süffisanten naturrealistischen „Vogelgezwitscher“ der Flöten, den superben Qualitäten der Holz- und Blechbläserfraktionen, alle leithematischen Zitate erklangen in exzellenter dynamischer Differenzierung.

Das Publikum war begeistert und jubelte.

Gerhard Hoffmann

 

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