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FRANKFURT/ Alte Oper: MATTHIAS GOERNE – HR SINFONIE-  ORCHESTER-ANDRÈS OROZCO-ESTRADA“

11.09.2020 | Konzert/Liederabende

Andrés Orozco-Estrada noch bis zur Spielzeit 2020/21 in Frankfurt |  hr-sinfonieorchester.de
Andrès Oroczo-Estrada. Foto: Werner Kmetitsch

Frankfurt / Alte Oper: „MATTHIAS GOERNE – HR SINFONIE-  ORCHESTER-ANDRÈS OROZCO-ESTRADA“

 

                      Saison-Auftakt 10.09.2020

Auch das HR Sinfonieorchester kehrte zum Konzertbetrieb in die Alte Oper zurück und Andrés Orozco-Estrada eröffnete die Saison 2020/21 mit einem interessanten Kontrast-Programm. Jedoch mit Wehmut im Herzen und einer Träne im Knopfloch nehme ich sowie sicherlich eine große Anzahl der regionalen Musikfreunde gewahr, dass der geniale Chef-Dirigent sein letztes Engagements-Jahr einleitete, Frankfurt in Richtung Wien verlässt.

Der Pandemie-Einschränkungen wegen und lediglich der zugelassenen ca. 600 Zuhörern erweiterte man die ursprünglichen Doppelabende auf vier Konzerte und zwar mit Beginn um 18 h sowie 20:30 h mit jeweiligen Erweiterungen der Mozart-Symphonien Nr. 40 + 41.


Matthias Goerne. Foto: Carolin de Bon

Im Mittelpunkt des heutigen Eröffnungs-Abends standen „Ernste Gesänge“ von Hanns Eisler deren Sujet sich ironisch gesehen für unser momentanes Zeitgeschehen geradezu prädestinieren. Die Gesänge bekunden Traurigkeit, Asyl, Verzweiflung aber auch Hoffnung und der Komponist hüllte sie in teils expressive Instrumentalklänge jedoch auch in  elegische Impressionen wunderschöner Melodik. Matthias Goerne den Solisten des Abends würde ich als Ideal-Interpreten nennen, imponierend zu vernehmen wie der expansive Künstler seinen herrlich timbrierten Bariton diesem Liedgut inkorporierte. Zu rezitativischer  Stimmführung entlockte Goerne seinem melodischen warmen Timbre teils tenorales Kolorit und beeindruckte in fesselnder Ausdrucksgestaltung. Ein Jammer nach 13 Minuten war der Zauber vorbei, zu gerne hätte man der Stimme länger gelauscht.

Elegischen Schönklang und dramatische Aufschwünge steuerte Andrés Orozco-Estrada mit den traumhaft aufspielenden Streichern des hr sinfonieorchesters bei und wurde analog in den herzlichen Applaus mit einbezogen.

Eröffnet wurde der Abend mit einer UA  „Zug der Schatten (Scherzo Oscuro)“ des anwesenden jungen Komponisten Michael Langemann. Expressionistische Schatten zogen da vorüber und erinnerten sehr an die Tanz-Formationen aus Bernsteins „West-Side-Story“. Nach 7 Minuten hatte der Spuk ein Ende und Orozco-Estrada mit seinem prächtig muszierenden Klangapparat widmete sich diesen eruptiven Orchesterwogen in bestechender Brillanz.

Wie bereits erwähnt folgte zum Abschluss die „Symphonie Nr. 39“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Die Erste seiner  „Trias“-Wiener-Symphonien gehört zu den Gattungen der letzten Werke des genialen Komponisten und erhielt im 19. Jahrhundert oft die Betitelung „Schwanengesang“.  Jedenfalls erlebte die Es-Dur-Symphonie unter der Stabführung von Andrés Orozco-Estradas heute eine elegante und zugleich temperamentvolle Wiedergabe.

Pointierte Lebensfreude versprühte bereits das Adagio-Allegro des Kopfsatzes mit einem Hauch von Dramatik versehen. In dynamischen Abstufungen formierte der temperamentvolle Chefdirigent sein akkurat musizierendes Orchester von herrlich austranchierten Streicher-Linien zu prächtigen Tutti. In wunderbar kontrastreicher Transparenz erklang der dritte Satz zum federnd-leicht gestalteten Menuetto. Großartig instrumentiert in dynamischer Rasanz zog das finale Allegro vorüber, zuweilen vernahm man Vogelgezwitscher in den leicht dunklen Untertönen welche vehement die variablen wiederkehrenden Hauptthemen delikat unterstrichen.

Das Publikum zeigte sich begeistert und applaudierte heftig dem Orchester und seinem Dirigenten. Orozco-Estrada dankte in herzlicher Zuneigung seinen Musikern und ebenso freudig den anwesenden Besuchern.

Gerhard Hoffmann

 

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