Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

FRANKFURT/ Alte Oper: LONDON SYMPHONY ORCHESTRA /Daniel Harding

Frankfurt: „LONDON SYMPHONY ORCHESTRA“ 04.10.2013

 Große Resonanz erhielt das neue Musikfest „Le Sacre du Printemps“ in der Alten Oper mit über 20.000 Besuchern und den Gastspielen internationaler Orchester (Berichte Online-Merker) innerhalb der letzten 3 Wochen. Bedingt durch die spürbare Nachfrage des Publikums wird in den folgenden Jahren jeweils zum Saisonbeginn dieses neu konzipierte Festival, in dessen Zentrum künftig ein Musikwerk stehen wird und aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden soll.

Mit einem kräftigen Bläsermisston bereits nach den ersten Takten, eröffnete das London Symphony Orchestra unter der Leitung von Daniel Harding mit der Urfassung „ Johannisnacht auf dem kahlen Berge“ (Modest Mussorgsky) sein Gastspiel in der AOF. Faxende Musiker schienen zu nächst unkonzentriert, fanden jedoch allmählich zu ernsthaftem Musizieren, transparent und präzise erklang sodann in gewohnter Qualität dieses Spitzenorchester der britischen Insel. Unheimlich düster bekunden in Brachialgewalt die Bläsersegmente den ekstasischen Hexensabbat, deren Gekeife, in breiter Dynamik und farbenreich erklang der Zug des Satans sowie dessen Verherrlichung. Tief dunkel malt Harding mit dem Klangapparat Unsagbares in erschreckend aber auch verklärten Tönen, die Scheidewand zwischen Sinn und Wahnsinn dieses elementaren Werkes.

Für die erkrankte Lisa Batiashvili Solistin des „Violinkonzert“ (Peter I. Tschaikowsky) wurde kurzfristig Julia Fischer verpflichtet und die junge, deutsche,  renommierte Geigerin erwies sich als höchst erfreulicher Glücksfall. Weiche, frauliche Akzente setzte Julia Fischer, ihr Tschaikowsky wirkte gezügelt, domestiziert, sehr bewusst geführt besonders der erste Satz und die Kadenz, Frau Fischer veredelte die Musik, ihr Spiel lebt zunächst entscheidend in der Kunst des Schattierens, doch zum Finale des Allegro moderato wurde auch die perfekte Technik der jungen Dame offenbar und forderte den einsetzten Applaus geradezu heraus. Mit einer Portion gesunder Resonanz folgte die Canzonetta und Fischer vermochte in prägnantem, schönem Spiel zu betören, faszinierend gestaltete sie souverän in bester Virtuosität, in rhythmischem Zugriff, atemberaubender Tonbildung das finale Allegro vivacissimo. In Daniel Harding hatte die famose Solistin mit dem konzentriert begleitenden Orchester einen sensiblen Partner zur Seite, innig verhalten im seelenvollen Spiel, entfesselt in den schnellen, temperamentvollen Sequenzen. Für die Beifallsstürme bedankte sich die Gefeierte mit dem dritten Satz der „d-moll-Sonate“  (Paul Hindemith).

Als Konzertabschluss brachten die Gäste aus London die von Igor Stravinsky vertonte Ballettmusik „L´oiseau de Feu“ zu Gehör, frisch, spontan ja draufgängerisch ließ Daniel Harding mit dem prächtig musizierenden und bestens disponierten London S.O. aufspielen. Somit spiegelten sich bereits die Stimmungsbilder des kompletten Werkes bereits im einleitenden Kastschejs Zaubergarten  jene zarten Farben, sowie der sinnbetörende Tanz des Feuervogels, die gestisch-plastische Formierung der Partitur wider. Harding ließ keinesfalls den Notentext nüchtern referieren, sondern jedes Detail dieses phantastischen Werkes, die begleitenden, folgenden, programmatischen Abläufe dieses Handlungsballetts  in den Nuancen Morgendämmerung, Wiegenlied etc. in rhythmischer Abweichung oder dynamischer Schroffheit beredet ausmusizieren. Die bezwingend orchestrale, treffliche Balance aller Instrumentalgruppen im gesamten Klangbild löste natürlich überschäumende Begeisterung der Zuhörer aus und wurde mit einer „Mussorgsky-Zugabe“ belohnt.

Gerhard Hoffmann

 

Diese Seite drucken