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FRANKFURT/ Alte Oper: Frankfurt: „HARRIET KRIJGH-ACADEMY OF ST. MARTIN- SIR NEVILLE MARRINER

31.10.2015 | Konzert/Liederabende

Frankfurt: „HARRIET KRIJGH-ACADEMY OF ST. MARTIN-  SIR NEVILLE MARRINER” 30.10.2015

Krijgh-Marriner@AOF-honorarfrei
Harriet Krijgh,  Sir Neville Marriner . Foto: AOF

Zum  Slogan “very british” eröffnete Pro Arte seine Konzertsaison in der Alten Oper und hatte dazu einer der besten Klangkörper des UK geladen, der seit Jahrzehnten bewährten Academy of St. Martin in the Fields. Es war mir schon öfters das Glück beschieden, diesem exzellenten Orchester zu lauschen jedoch meist unter der Leitung der Konzertmeisterin Iona Brown, doch nun war mir Fortuna hold und ich durfte nochmals dieses großartige Ensemble unter der Stabführung seines Begründers (1958) Sir Neville Marriner erleben.

Der Konzertabend wurde mit zwei Werken des englischen Komponisten Edward Elgar eingeleitet, zunächst erklang „Introduktion und Allegro für Streichorchester op. 47“. Feinnervig, in farbig harmonischer Sprache, klanglicher Raffinesse, dicht in der motiviert thematischen Verknüpfung musizierte das prächtig disponierte Orchester diese elegisch anmutende Musik.

Als bereits Cellistin von großem Format stellte sich die junge Niederländerin Harriet Krijgh vor. Die Künstlerin besitzt bereits ein tonlich, gestalterisches Potenzial das aufhorchen lässt und erwies sich als Solistin des „Violoncello-Konzert e-moll“  als sensible, facettenreiche Gestalterin. Traumhafte, satte, warme Klangregister in melancholischer Grundstimmung entlockt Krijgh ihrem Instrument, sich emotionell schier verausgabend. Beim Adagio wähnte ich, ein Seraph sei vom Himmel herab gestiegen.

Energiegeladen, höchst brillant begleitete die Academy in vollkommener Kommunikation unter des Klangzauberers Sir Neville Marriners Leitung, in geradezu optimaler Tonsprache es Werkes im angemessenen Orchestersound.

Die jauchzend, begeisterte Zustimmung des Publikums wurde mit der betörend interpretierten Sarabande aus der „Cello-Suite Nr. 1“ (Bach) belohnt.

Nach der Pause brachten die britischen Gäste die „Achte Symphonie“ mit dem Beinamen die „Englische“ von Antonin Dvorak zu Gehör. Jahrzehntelang wurde die G-dur-Symphonie als „Vierte“ bezeichnet jedoch ist sie chronologisch dennoch die „Achte“. Das in nur zwei Monaten komponierte Werk erlebte 1890 in Prag seine UA und feierte noch im gleichen Jahr in London einen sieghaften Erfolg.

Sir Neville lässt mit der grandios aufspielenden Academy diese gefühlsgetränkte Musik, dem musikalischen Gemälde mit Eindrücken der böhmischen Landschaft im Allegro con brio so eindrucksvoll aufleuchten. Wie eine mittelalterliche Ballade erscheint dagegen leicht verträumt, melancholisch das Adagio.

In Grazie, umwerfender Lebensfreude erklingen die Themen des Allegretto grazioso, gleich einer Aufforderung zum Tanz, so wunderbar rhythmisch orchestral aufspielend. Mit Fanfaren der prächtig disponierten Blechformation wurde das Allegro, ma non troppo eingeleitet bevor es zum energischen Hauptthema ansetzt, das später in immer erneuerten Variationen lebhaft abgewandelt wurde. Jubelnd endet das herrliche Werk in welchem die tschechischen Anklänge keineswegs fehlen und in raffinierter Harmonik ausklingen.

Mit großer Begeisterung feierte man Sir Neville und seine Academy und erhielt zum Dank die orchestrale Version des Irish Songs Oh, Danny Boy.

Gerhard Hoffmann

 

 

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