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FRANKFURT/ Alte Oper: FRANCESCO PIEMONTESI – HESSISCHES RUNDFUNKSINFONIE – ORCHESTER – MAREK JANOWSKI“

17.11.2017 | Konzert/Liederabende

Frankfurt / AOF: „FRANCESCO PIEMONTESI – HR S.O. – MAREK JANOWSKI“ – 16.11.2017

Zum Abo-Konzert des hr-sinfonieorchester in der Alten Oper waren der Gastdirigent Marek Janowski sowie der Schweizer Pianist Francesco Piemontesi geladen. Im Zentrum des Abends stand das „Zweite Klavierkonzert“ von Franz Liszt. Von Robert Schumann stammt die Formulierung zu dieser Komposition in einem Brief an Clara Wieck: eine gänzlich neue musikalische Gattung, ein Mittelding zwischen Symphonie, Konzert und großer Sonate. Liszt selbst nannte sein A-Dur-Konzert vorab Concert Symphonique.

Gegenüber dem stählernen, rhythmischen ersten Es-Dur-Konzert bildet nun das Zweite einen auffallenden Gegensatz. Es ist in weicheren Farben gehalten, mehr aus der Stimmung als aus der Bewegung geboren. Francesco Piemontesi betonte die frei schwingenden, tiefsinnigen Harmoniewendungen ganz besonders, verlieh seinem Spiel changierende Raffinessen der Diktion. Silbern schimmerten die Töne des leichten Anschlags, farbig nuanciert setzte der Pianist mehr auf Nonchalance denn zu kraftvoller Dynamik, sein Spiel wirkte nie extrem vordergründig sondern beleuchtete mehr den romantischen Aspekt des Werkes.

Den kurzen fünf Solokadenzen in formal gegliederten Funktionen schenkte Piemontesi virtuose impressionistische Couleurs ohne donnerende Fortissimo. Herrlich erklangen die phantastischen Umformungen der Intervallfolgen, das ungarische Thema sowie die markant punktierten rhythmischen Varianten. Eine vorzügliche Interpretation im herrlichen Einklang mit dem begleitenden hr-sinfonieorchester unter der umsichtig-sensiblen Leitung von Marek Janowski. In verschwenderisch farbiger Instrumentation unterstrich der Dirigent die kompositorische Charakteristik der Melodienabläufe, den dunkel drohenden Marsch, die leidenschaftliche Kontroverse mit dem Solisten und last not least die versöhnlich-emotionale Zwiesprache von Cello und Piano.

Die herzliche Zustimmung des Publikums bedankte Piemontesi mit einer lyrisch-empfindsam interpretierten Liszt-Zugabe.

Nicht nur mit Gewitter und Sturm eröffnete die Ouvertüre zu „Der Fliegende Holländer“ (Richard Wagner) den Konzertabend, nein höchst subtil ohne überbordende Knalleffekte ließ der erfahrene Wagner-Dirigent trefflich detailliert musizieren. Bestens austariert, transparent und dennoch mitreißend erklangen die Motive delikat aufblühend, aber Janowski ließ es auch sausen und brausen waren wuchtige Klänge gefordert. Hier war dank des hervorragend disponierten hr-sinfonieorchesters hoch entwickelte Klangkultur zu erleben.

Zum Finale erklang die „Zweite Symphonie“ (Robert Schumann). Der Frühling (der Ersten) ist vergangen, die lähmende Krankheit des Komponisten wird spürbar, Geniales kontrastiert neben Mattem, Erschütterndes neben Schmerz und Resignation. Das C-Dur-Werk und längste Symphonie Schumanns als tragisches Zeugnis des Kampfes eines Genies mit seinem Dämon.

Pathetisch geisterte das melancholische Motiv der langsamen Einleitung fortwährend durch das Allegro und Janowski schien mit dem hervorragend aufspielenden hessischen Elite-Orchester die gewisse Monotonie, die verquälte Stimmung durchbrochen von gelegentlichen Ausrufen echten Schmerzes noch zu verstärken. In frisch klangvoller farbenreicher Orchestrierung erklang das Allegro ma non troppo in wehmütigem Flair, dem freudvollen Scherzo starke ausdrucksstarke Impulse. In süßem Wohllaut verwebenden Gesangs evolvierten die Violinen das Adagio zum samtenen Nachklang der Holzbläser, eine Romanze sanften Schwermuts. Nun muss ich allerdings gestehen, dass ich Schumanns Zweite in derart rasanter Abfolge noch nie hörte, Janowski legte Tempi vor als gelte es Rekorde zu brechen. Somit erhielt das Werk, bedingt der exzellenten Instrumental-Akkuratesse völlig neue positive akustische Dimensionen.

Heroisch lichtdurchströmt die vorausgegangenen Satz-Motive variiert zitierend verlieh dem Allegro molto eine gewisse formale Gestalt. Janowski mobilisierte nochmals den orchestralen Grundgedanken dieser zu Herzen gehenden Komposition, dem musikalischen Gleichnis eines Sieges über dunkle Mächte, welchen den Tonsetzer bedrohten.

Bravos und donnernder Applaus für die wunderbare Wiedergabe.

Gerhard Hoffmann

 

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