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FRANKFURT/ Alte Oper: EIN DEUTSCHES REQUIEM – HR-Sinfonieorchester/ Zinman

11.10.2019 | Konzert/Liederabende

Frankfurt / Alte Oper: „EIN DEUTSCHES REQUIEM“ – 10.10. 2019

Mit Leidenschaft und höchst effizienter musikalischer Spielkultur präsentierte das hr-sinfonieorchester unter der Stabführung des Gastdirigenten David Zinman das interessante Chorwerk „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms in der Alten Oper.

Von dessen Struktur Johannes Brahms anfangs selbst nicht so recht wusste wohin sich sein Projekt entwickeln würde. Requiem? Damit verbindet man in der Musikgeschichte die Dies irae-Wuchten wie bei Mozart und Verdi. Doch Brahms dachte anders, er wollte nicht die Vorstellung eines Weltgerichts musikalisch demonstrieren, nicht die Schrecken des Todes, nicht existential ein Leben nach dem Tode besingen, sondern sah seine Komposition mehr oder weniger als Tor zur Ruhe zur Heimkehr.

Mit dem Zitat aus der Bergpredigt Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden – die mit Tränen säen werden mit Freuden ernten eröffnete die Chorpassage das Grundthema des Werkes. In architektonisch anmutender Chronik des vokalen Klangs glänzte der MDR-Rundfunkchor (Nicolas Fink) in organisch stimmiger Phrasierung. Der tänzerisch anmutende Dreierrhythmus im 2. Satz Denn alles Fleisch es ist wie Gras erklang nicht als unerbittliches Schlachtfeld der Elemente, sondern eher als extrem getragenes endloses Meer an Traurigkeit und erinnerte an den klagenden Auftritt der Gralsritter im 3. Parsifal-Akt. Chor und Orchester verschmolzen in großer dynamischer Bandbreite, in sorgsam facettenreicher Harmonie der vortrefflichen Klangbalance dieser qualitativen Chorgemeinschaft. Natürlich gilt das besondere Lob den Damen und Herren hatten sie schließlich das größte Vokal-Pensum des Abends zu bewältigen und in der Tat mit Bravour.

Weg vom typisch Brahms-Bleiernen unterstrich David Zinman mit dem prächtig aufspielenden hr-sinfonieorchester diese Wesenszüge und rückte die Partitur in lichte Gefilde, beleuchtete die dissonanten Schärfen des einleitenden Akkord-Knäule transparenter, weniger dominant und gab ebenso den Streichern eine weiche versöhnliche Note. Im  vortrefflichen Mischideal artikulierten sich stets die Fortissimo-Akzente der Blechbläser und formierten sich in sinnfälliger Balance zum wohldosierten orchestralen Gesamtklang.

Wunderbar artikulierten die beiden Solisten ihre Parts: die Sopranistin Christiane Karg bezauberte mit ihrem kurzen, aber gerade deshalb so heiklen Auftritt zum Satz Ihr habt nun Traurigkeit mit ihrem herrlich weich strömenden Legato, im natürlich schwebenden betörenden Edel-Timbre.

Gestalterische Schattierungen schenkte Michael Nagy dem Soli Herr, lehre doch mich, eindringlich kultiviert erklang dank seiner noblen, wundervoll dahinfließenden dunklen Bariton-Stimme Denn wir haben hier keine bleibende Statt und vorzüglich harmonierte das weitausschwingende Legato im Dialog mit dem Chor.

Ein kleiner Moment der Stille, sodann entlud das Publikum seine Begeisterung und feierte ganz besonders die Wiederbegegnung mit seinen „einstigen“ Frankfurter Lieblingen Karg und Nagy.

Gerhard Hoffmann

 

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