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FRANKFURT/ Alte Oper: „BATIASHVILI-G. CAPUCON- TONHALLE-ORCHESTER-BRINGUIER. Konzert in der AOF

22.04.2016 | Konzert/Liederabende

Frankfurt: „BATIASHVILI-G. CAPUCON-

                    TONHALLE-ORCHESTER-BRINGUIER. Konzert in der AOF 21.04.2016

Wiederum servierte PRO ARTE seinen Hörern in der Alten Oper einen Ohrenschmaus der besonderen Art mit den Weltklasse-Solisten Lisa Batiashvili (Violine) und Gautier Capucon (Cello).

Batiashvili-Capucon-Bringuier (c) AOF

Dazu erklangen zwei seltener gespielte Werke von Johannes Brahms und zwar zunächst das „Doppel-Konzert a-moll“. Nach kurzer Orchestereinleitung führten sich im Allegro die Solisten mit einer Kadenz ein, sodann entwickeln sich Themen in einer Fülle für beide Soli, bei welchen  sich beide wechselseitig führen und begleiten. Lisa Batiashvilis Violinton zeichnet sich durch homogene Klangreinheit aus, fein tönend in jeder Lage, verhalten, in beseelter Musikalität vermittelt die Violinistin unverkennbar individuelle Akzente.

In Gautier Capucon hat sie einen hochrangigen Partner zur Seite dessen herrlich strömend weicher Celloklang von überlegen musikalischem Format auf höchstem Niveau zeugt. Das Andante mit seinem weit ausschwingenden sanglichen Thema wurde zur Parallelführung der Soli in Oktaven. Brahms unterstreicht hier den melodischen Charakter, trotz kantabler Momente fanden beide Solisten in so wunderbarer Weise wie in einem Instrumententon  zusammen.

Im scherzoähnlichen Rondo des Vivace non troppo wandert das Hauptthema vom Cello zur Violine, es folgt sodann ein musikalisch zweiter gegensätzlicher Seitengedanken, teils von den Bläsern, von den Soli intoniert um sich zum formativen Ganzen zu verbinden. Man gewann den Eindruck absoluter weitgehender Harmonie beide Künstler zogen an einem Strang.

Dynamisch Flossen die Dialoge der Violine, variabel in differenzierten Läufen bereicherte das Cello die rhythmische Prägnanz der Kontraste. Dieses außergewöhnlich-einprägsame Spiel von virtuosem Können wurde wie selbstverständlich vom Tonhalle-Orchester Zürich unter der umsichtigen Stabführung von Lionel Bringuier auf gleicher Symmetrie unterstützt und trug somit zur vollendeten Deutung der Brahms`schen Seelendeutung bei.

Die Künstler wurden herzlich gefeiert und bedankten sich mit „Zingaresca“ aus dem „Duo für Violine und Cello“ (Erwin Schulhoff), rasant und hervorragend virtuos musiziert.

Als Johannes Brahms 1861 seinem ungarischen Freund Joseph Joachim die Partitur seines g-moll-Klavierquartetts mit dem Rondo á la Zingarese übersandte, gestand der Magyar dem Hanseaten neidlos zu, er habe ihm auf eigenem Territorium „eine ganz tüchtige Schlappe versetzt“. Brahms wusste um die Popularität ungarisch inspirierter Zigeunermusik in der Donaumetropole und wählte darum eben jenes Quartett aus um damit 1862 als Komponist und Pianist in Wien zu debütieren.

In orchestraler Fassung erklang nun das besagte „Klavier-Quartett g-Moll op. 25“ in höchst beeindruckender Form. Lionel Bringuier animierte das prädestinierte Tonhalle-Orchester  zur feinfühligen und präzisen Darstellung, eingebettet in wunderbar seidigem Klang-Fundament. In Akkuratesse vermittelte das bestens disponierte Orchester dem Allegro symphonische Charaktere, dem Intermezzo herrlich duftige Klangnuancen. Breit sanglich kontrastierten die Begleitfiguren der Streicher im Andante con moto, herrlich aufschwingend im Überschwang von Rubato und Ornamentik formierten sich alle Orchesterfraktionen mit den brillanten Bläsern zum grandiosen finalen Rondo.

Nun lässt sich darüber streiten über Sinn oder Unsinn solcher Orchester-Fassungen von feinnervigen kammermusikalischen Preziosen? In dieser  von Arnold Schönberg arrangierten Version kann man jene Bedenken zweifellos ausräumen, erhielt die Komposition doch einen geradezu symphonischen Charakter, dazu noch in so akkurater Delikatesse vorgetragen. Dem Sog pastoser Konsistenz und kräftigen Farbwirkung konnte man sich schwerlich entziehen, dieser Meinung schien ebenso das begeisterte Publikum. Die Züricher Gäste bedankten sich mit einem „schwyzer“ Dessert,  amüsant mit Kuhglocken-Soli und temperamentvoll gespielt „Peterer Galopp“ (Walter Weiser arr.).

Gerhard Hoffmann

 

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