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FRANKENWEENIE

20.01.2013 | FILM/TV

Ab 25. Jänner 2013 in den österreichischen Kinos
FRANKENWEENIE
USA  /  2012 
Regie: Tim Burton
Stop Motion Animation

Keine Frage, dass Tim Burton eine besondere – und eine besonders seltsame Erscheinung im Filmbusiness ist. Entsprechen schon die Filme, die er mit Menschen dreht, keinesfalls einem kinoüblichen Realismus (da hat man zwischen „Edward mit den Scherenhänden“ und zuletzt „Dark Shadows“ allerhand Schräges gesehen), so wendet er sich von Zeit zu Zeit auch dem Animationsfilm zu, wobei er die ungemein arbeitsaufwendige und schwierige Stop-Motion-Technik bevorzugt (so wie 2005 mit der seltsamen „Corpse Bride“, deren „Leichenbraut“-Thema dem neuen Film nicht unähnlich ist).

„Frankenweenie“ ist die Überarbeitung eines Kurzfilms, den Burton schon 1984 – damals noch als Bittsteller bei den großen Produzenten –  als „Frankenstein“-Variation gedreht hat und den er nun, da er berühmt ist, ungehindert realisieren konnte. Wenn die Geschichte, die er übrigens schwarz/weiß gehalten hat, unter Kindern spielt, heißt das nicht unbedingt, dass es ein Kinderfilm ist. Tatsächlich können die Erwachsenen die Satire auf menschliches Verhalten am ehesten „genießen“ – wenn sie denn für Filme solcher Art etwas übrig haben.

Es ist, der „Franken“ à la Frankenstein im Titel deutet es an, eine Schauergeschichte. Zu Beginn sieht man den kleinen Victor mit seinem geliebten Hund Sparky, die besten Kameraden, wenn sie sich gemeinsam Filme ansehen. Die Liebe zum Tier begreift man, wenn Burton anschließend das Leben in einer kleinen Vorstadt schildert – die Nachbarn (zumal der Bürgermeister) sind reine Monster, die Mitschüler sind Ekel, der Alltag grausig. Der Regisseur beschwört hier in gewohnt satirischer Manier seinen üblichen Horror, der hier „gezeichnet“ fast noch stärker wirkt, als wenn er reale Menschen damit betraut.

Als Sparky überfahren wird, ist Victor im Horrorland unter den bösen Groteskmenschen allein. Wenn  im Schulunterricht Elektrizität an die Reihe kommt, hat er die erlösende Idee – er gräbt die Hundeleiche aus, bringt sie unter schaurigem Gewitter nach Hause, und nach einer dramatischen Prozedur mit Elektroschocks bringt er Sparky wieder zum Leben.

Aber natürlich muss er ihn am Dachboden verstecken, da ja jeder weiß, dass das Tierchen tot ist – und es kommt, wie es kommen muss: Ein böser Mitschüler entdeckt Victors Geheimnis, erpresst ihn, und  dieser muss seine Frankenstein-Künste preisgeben… und wie Burtons Phantasie schon so arbeitet, erscheinen dann Dinosaurier, Riesenameisen, ein Inferno beängstigender Monster ersteht. Nur um zur Schlussweisheit zu gelangen, dass man besser keine Toten auferstehen lassen soll…

Und nur, weil Burton sich in allerletzter Sekunde doch noch zu einem Happyend entschließt (angeblich haben die Disney-Produzenten darauf bestanden), könnte es ein „Kinderfilm“ sein, in den man aber besser kein Kind schickt. Hat es eine lebhafte Phantasie, bekommt es Alpträume. Und findet es alles, was da passiert, am Ende cool und toll und geil, dann müsste man ja fürchten, was aus einem solchen Sprössling wird…

Renate Wagner

 

 

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