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Wiener Staatsoper: Roščić startet mit zehn Premieren und bringt Currentzis | Seite 8 | OnlineMerker | Forum

 

 

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Wiener Staatsoper: Roščić startet mit zehn Premieren und bringt Currentzis
20. September 2019
7:53
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UwePaul
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28. Februar 2018
sp_UserOnlineSmall Online

Gurnemanz meine volle Zustimmung.

Es kommt noch eines dazu, das ständig geschrieben, wie es vor 50 Jahren usw. war. Die Zeiten sind vorbei, damit muss man sich abfinden, so schwer es manchmal auch fällt.

Was mir auch oft auffällt, das von denjenigen, die von der Vergangenheit schwelgen, kaum oder keine Beiträge zu Besuchen in heutigen Aufführungen kommen.

20. September 2019
4:38
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Gurnemanz
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29. September 2018
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alcindo sagt
zu Gz: die Wiener Salome gefällt fast allen, da sie ästhetisch ist und da die jugendstilelemente perfekt zur musik und zum text passen

zu ao: Sie bestätigen ja genau meinen Beitrag: Geschrieben habe ich: "Das lässt mich zum Schluss kommen, dass es vielen ausschließlich um das Genießen einer persönlich gewohnten Ästhetik geht, dass generell das persönlich Liebgewonnene auf der Bühne gebracht werden soll oder etwas, das mit diesen Gewohnheiten im Einklang steht oder ihnen zumindest nicht gänzlich widerspricht." Genau das gleiche (Ästhetik!) schreiben Sie ja auch!

Damit es zu keinen Missverständnissen kommt: Ich schätze die besagte Salome-Inszenierung auch! Aber genau an Ihrem Beitrag sieht man ja, dass es nicht um eine angebliche Werktreue geht, sondern um einen bestimmten Inszenierungsstil. Dieses Bühnenbild ist historisch völlig inkorrekt, um die Zeitenwende hat es den Jugendstil noch lange nicht gegeben. Aber genauso wie in eine Opernrealisierung auch die Zeit der Entstehung der Oper einfließt bzw. einfließen kann (Jugendstil!), fließt auch die Gegenwart ein - denn Theater ist kein Museum, sondern befindet im ständigen Dialog mit der Gesellschaft.

Ich versuche noch ein anderes Beispiel: Es ist, wie alle hier wissen, Brauch, dass in der Fledermaus regelmäßig (mäßig lustige) Anspielungen auf das Tagesgeschehen eingebaut werden. Was hat das jetzt mit Johann Strauß zu tun? Wieso gibt es in einer in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts uraufgeführten Operette Anspielungen auf Ibiza, auf die Hypo-Alpe-Adria, auf das Rauchverbot oder auf weiß der Kuckuck was? Ist das "werktreu"???? Die Antwort: Selbstverständlich ist es werktreu, denn in einer Aufführung im Jahre 2019 spielt auch das Jahr 2019 eine Rolle. Eine im Jahre 2019 aufgeführte Fledermaus MUSS eine andere sein als eine im Jahre 1980 aufgeführte oder gar eine im Jahre 1874 uraufgeführte. Wenn ich 2019 erwarte, einen Abklatsch der 1874-Version zu bekommen (alles andere ist ja nicht werktreu!!!!!!!! horribile dictu), dann habe ich einiges nicht verstanden.

Damit will ich sagen: THEATER IST LEBENDIG!!! Wer glaubt, ein Recht zu haben, immer dasselbe in der Oper zu sehen, der hat den Sinn eines Theaters nicht verstanden. Man tut sich SO viel leichter im Leben, wenn man ein bisschen aufgeschlossen ist gegenüber Unbekanntem und nicht immer erwartet, dass die eigenen Erwartungshaltungen erfüllt werden - was jedoch nicht heißt, dass man neuen Unsinn nicht als Unsinn bezeichnen darf!

 

alcindo sagt
ganz anders die letzte Salome in SZB, wo gleich einmal , um nicht neger zu sagen, ein schwarzer jude auftaucht.....was soll das eigentlich?? auch die geschichte mit dem pferd am schluss braucht erklärung. zur Wiener Salome 1972, die hatte ja auch eine wunderbare besetzung mit Leonie Rysanek, Hans Hopf und Wächter unter Karl Boehm  

Ich weiß zwar nicht, was das mit dem Thema zu tun hat, aber okay...
(Ich will und kann zwar niemandem verbieten, worüber man schreibt, aber vielleicht wäre es der Debatte zuträglich, wenn es jetzt nicht wieder seitenlange Diskussionen gibt, ob man den Begriff Neger verwenden darf/soll oder nicht)

20. September 2019
3:38
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alcindo
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Forumsbeiträge: 320
Mitglied seit:
27. Februar 2018
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zu Gz: die Wiener Salome gefällt fast allen, da sie ästhetisch ist und da die jugendstilelemente perfekt zur musik und zum text passen, ganz anders die letzte Salome in SZB, wo gleich einmal , um nicht neger zu sagen, ein schwarzer jude auftaucht.....was soll das eigentlich?? auch die geschichte mit dem pferd am schluss braucht erklärung. zur Wiener Salome 1972, die hatte ja auch eine wunderbare besetzung mit Leonie Rysanek, Hans Hopf und Wächter unter Karl Boehm

20. September 2019
1:44
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 663
Mitglied seit:
29. September 2018
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Michta sagt
Danke Meister Gurnemanz für Ihre netten Worte! Ja, ich bin auch sehr oft nicht Ihrer Meinung - aber entgegen meinen wohlbekannten "Freunden" hier ( mir würde da das abgedroschene Kindersprüchlein: "Wers sagt, ists selber !" einfallen ), begründen Sie IMMER ausführlich Ihre Meinungen und Beweggründe - und haben auch mir altem "Reaktionär" dadurch schon einige Denkanstöße gegeben. Und obwohl ich Britten und Janacek nicht unbedingt zu den bedeutendsten Komponisten zähle, und es mir manchmal weh tut, wie Sie über von mir geliebte Werke sprechen, schätze ich Ihren Einsatz dafür und daß Sie wirklich einiges auf sich nehmen in die Provinz zu fahren und für Sie interessante Abende zu besuchen - und auch quasi  zu rezensieren. Danke!

Wow, diese Zeilen haben mich sehr gefreut. Herzlichen Dank dafür! Das ist sicher der schönste Text, der in den letzten Jahren an mich im Merkerforum gerichtet wurde.
Ich möchte ja "nur" meine Meinung darlegen und (wenn notwendig kontroversiell) diskutieren, aber wenn ich anderen (die in mancher Hinsicht naturgemäß anders als ich denken und andere Erwartungshaltungen haben) Denkanstöße geben kann, dann ist das weit mehr als ich beabsichtigt habe und sehr schön zu erfahren!
Es tut mir leid, dass Sie sich offenbar mehrmals durch meine Beiträge persönlich beleidigt gefühlt haben - so war es nicht gemeint!

--------

Außerdem besten Dank an Kotozzo für die EXTELLENTEN Beiträge 30, 38 und 39. Sie sprechen mir aus der Seele und haben die Sachen um ein Vielfaches besser formuliert, als ich es kann! Genauso sehe ich es auch. Und bei der Gelegenheit gleich mal Willkommen im Merkerforum!

--------

Die Unterschiede zwischen Gemälde+Buch und einer Theateraufführung haben wir doch schon oft besprochen. Aber gerne nochmals: Ein Gemälde oder ein Buch ist ein abgeschlossenes Kunstwerk. Ein Opernlibretto oder eine Partitur ist zwar auch für sich genommen ein Kunstwerk, aber die Aufführung entsteht ja erst durch die Inszenierung, daher sind für mich alle - auch heute wieder abermals gebrachten - Argumente, die eine Operninszenierung mit einem Gemälde oder einem Buch vergleichen, völlig verfehlt.

Bitte: Schaut euch mal an, wie Wagner-Opern im 19. und im beginnenden 20. Jahrhundert auf die Bühne gestellt wurden (oder der Freischütz oder jede andere Oper), würde das heutzutage nicht völlig absurd wirken?

Und noch was: Wie gefällt den Traditionalisten denn die Wiener Salome von Boleslaw Barlog und Jürgen Rose aus dem Jahre 1972? Bitte um Antwort!! Ich vemute mal, dass Sie gut ankommt - OBWOHL SIE EINDEUTIG JUGENDSTIL-ELEMENTE ENTHÄLT, die zur Zeit Johannes des Täufers ganz bestimmt noch nicht vorhanden waren!!!!!! Der Ausstatter hält sich somit eindeutig NICHT an die Zeit, in welcher die Handlung spielt - sondern er stellt einen Bezug zur Entstehungszeit der Oper her. Wie kommt es also, dass diese Inszenierung unter traditionell eingestellten Publikumsschichten gut ankommt, obwohl - nur scheinbar! - die Intentionen des Librettos missachtet werden?? Bitte darüber ein bisschen nachdenken. (und ganz nebenbei: Mir gefällt besagte Inszenierung auch sehr!)

Das lässt mich zum Schluss kommen, dass es vielen ausschließlich um das Genießen einer persönlich gewohnten Ästhetik geht, dass generell das persönlich Liebgewonnene auf der Bühne gebracht werden soll oder etwas, das mit diesen Gewohnheiten im Einklang steht oder ihnen zumindest nicht gänzlich widerspricht. Dagegen ist ja auch nichts einzuwenden!!! Jeder hat natürlich auch ein Recht, die Vorstellungen zu besuchen, die ihm gefallen, und die zu meiden, die ihm missfallen (deswegen geh ich heute in das Neeme-Järvi-Konzert in Wien und demnächst ganz sicher nicht zum Thielemann-Konzert!). Aber dann seid bitte ehrlich und sagt: "Es geht mir darum, die Opern ungefähr so zu sehen, wie ich sie jahrzehntelang gesehen habe".

Schon allein die Behauptung Weil anscheinend Menschen nicht gut gelaunt sein dürfen, sich nicht amüsieren dürfen ist ja rein sachlich komplett falsch und nichts anderes als ein vollkommen unzutreffendes Pauschal-Vorurteil über das "PÖHSE Regietheater". Wer schon mal eine gute (!) Barockoper in einer guten (!) Inszenierung im Theater an der Wien gesehen hat, weiß vermutlich, dass es dort mehr zu lachen gibt als in einer xbeliebigen Schenk-Inszenierung (eine Kostprobe: Platée von Rameau in einer Robert-Carsen-Inszenierung). Viel zu lachen hatte ich letztens übrigens auch an der Staatsoper, allerdings über die szenisch völlig verunglückte Frau ohne Schatten, für die man die berührende Robert-Carsen-Produktion weggeschmissen hat - DAS war eine riesige Verschwendung von Steuergeld!!! Wie auch fast alles andere, das der Meyer seit 2010 gebracht hat. Womit wir wieder beim Thema des Threads wären: ICH begrüße es SEHR, dass endlich mal frischer Wind in die Staatsoper kommt (genauso wie ich die Ablöse des Musikvereinschefs Angyan für überfällig halte - der Nachfolger Stephan Pauly lässt ja Positives erwarten!)!

--------

Und noch eine kurze Anmerkung zum Eintrag 45: Ganz ehrlich, man muss den Grafen in Le nozze di Figaro nicht für sympathisch halten, aber seine Erscheinung ist doch eine ganz andere als die des wohlbekannten Herrn ....... Der Graf ist doch eindeutig so ein Bill-Clinton-Typ hinsichtlich der Ausstrahlung.

Anmerkung des Moderators: Den "Lokalpolitiker" habe ich noch durchgehen lassen, aber eine Ortsangabe ist zuviel.

19. September 2019
23:11
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alcindo
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27. Februar 2018
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liebe Susanna, Sie schreiben

Wenn ich ein Gemälde aus dem 17 Jahrhundert sehe bewundere ich den Maler der in diesem Jahrhundert mit seinen Augen die Welt gesehen hat. Und erkenne wenn ich will, wenn er es in seinem Bild ausgedrückt hat Kritik an der damals herrschenden Missstände etc.

heute wird vergleichsweise bei manchen RTinsz einem Velazquez oft ein fluoreszierender tuerkiser kunststoffrahmen verpasst, weil der barocke rahmen nicht zeitgemäß ist.....ablenkung vom wesentlichen, von der musik und dem sänger ist zeitgemäß.....

mit gruss alcindo

19. September 2019
22:38
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Karl
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7. August 2019
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klar ist jedenfalls: für Chenier gilt dasselbe wie für den Troubadour - man geht hinein, um die besten Sänger der Welt zu hören, da inhaltlich wenig bis gar nichts da ist (obwohl ich mich schon freue, wenn Emma Kirkby mit Ian Bostridge unter Currentzis den Chenier bringen und Simon Stone die Inszenierung besorgt).

zum leidigen Thema Figaro: das ius primae noctis ist ein anti-katholischer Mythos, und der Rest der Geschichte politisch heute nicht mehr spannend (außer man möchte einen Lokalpolitiker auf der Bühne sehen, der sich an Weinköniginnen vergeht) - deshalb konzentriert man sich jetzt auf den Eros und 'Machtgefälle'...

auch wenn es hier wenige wahr haben wollen: der größte Teil der Mensche geht wegen der Stimmen in die Oper - die 'Kenner' (oder was sich dafür hält) füllen velleicht den Stehplatz...

19. September 2019
21:55
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Lohengrin2
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28. Februar 2018
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ganz ehrlich: Sie gehe in Chenier, um etwas über das revolutionäre Frankreich zu lernen?

Ist unausweichlich, da die wahre Geschichte in der Revoltion spielt. Klar ist jedenfalls, dass ie imme frisch gebügelten und frisierten Revolutionäre blanker Unsinn sind. Dann kann die Oper auch konzertant aufgeführt werden und die Wirkung der Musik machts alleine.

....einfach einen schönen Abend genießen....

Wenn das in der Oper so einfach wäre. Da herrscht Intrige, Mord, Selbstmord und Totschlag. Wegen eines schönen Abends kann man höchstens in eine musikalisch Komödie gehen; meistens geht es aber um tiefgreifende Konflikte und Entwicklungen, die eine aktualisierte Viualisierung sehr gut vertragen, ja oft (siehe meine Beispiele) zum besseren Verständnis heute transformiert werden sollten.
Nicht selten haen die Autoren und Komponisten (Mozart, Verdi....) ihre Opern als Gesellschaftkritik geschrieben, die geradezu danach schreit, akuell angepasst zu werden. Figaros Hochzeit ist mitnichten eine lustige Geschichte.......

19. September 2019
21:52
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Christine
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7. September 2019
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An Lohengrin 2: Sie schreiben: "Beispiel Andrea Chenier: die Inszenierungen in Wien und London sind zwar historisch kostümiert und mit historisch anmutenden Möbeln dekoriert, erzählen aber weder von dem Grauen der Revolution, noch stellen sie einen Bezug zum hier und heute her. Stölzl hat in München (bis hin zu den Fahnenfarben) alles sehr genau recherchiert und ein packendes realistisches und historisch genaues Bild der Revolitionsdiktatur gezeichnet, was an aktuelle Situationen in (leider) vielen Ländern denken lässt......." Ich glaube, hier wird der unterschiedliche Zugang zu einer Opernaufführung sehr deutlich. Ich kenne die Münchner Aufführung nicht, aber "das packende realistische Bild der Revolutionsdiktatur" würde bei mir bei einem Opernabend von Andrea Chenier nicht im Vordergrund stehen. Diese Oper hat eine herrliche Musik, hat drei großartige Rollen für großartige Sänger und spielt in einer anderen Zeit als in der Gegenwart. Ich kann aber auch mit historisch kostümierten Menschen einen Bezug zur Gegenwart herstellen.

19. September 2019
21:37
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Christine
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7. September 2019
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An UwePaul: was ist unehrlich an der Diskussion? "Wollen einige damit sagen, das Opern so inszeniert werden sollen, wir sie in den Jahren der Entstehung dargeboten wurden?" Das wird schwer möglich sein, bei der Entstehung der meisten Opern gab es ja weder Film noch Fernsehen, also hat man höchstens Bilder. Nach Lohengrins Interpretation der Bilder müssen das schreckliche Inszenierungen gewesen sein, ich kann das nicht beurteilen. Meiner persönlichen Meinung nach haben sich früher die Regisseure in den Dienst des Werkes gestellt und heute stellen sie sich vor das Werk, versuchen den Zuschauern ihre Meinung überzustülpen, aufzudrängen, ihn damit zu beglücken oder aufklären(wie immer man das nennen will). Sie trauen den Zuschauern nicht mehr zu, dass diese 1) sich eine eigene Meinung bilden können, und/oder 2) einfach einen schönen Abend genießen wollen. Ich bin auch gerne bereit mich überraschen zu lassen, aber nur angenehm, nicht unangenehm. Wenn ein Regisseur erst seitenweise darlegt, was er meint, ist es schon für mich suspekt. Seine Arbeit sollte jeder Zuschauer selbst nachvollziehen können. Ich ging zunächst eher ins Burgtheater und die Volksoper, erst etwas später in die Staatsoper. Aber auch als junge Schülerin bzw. Studentin habe ich mich immer ausgekannt bei dem, was auf der Bühne gezeigt wurde und bin nach der Vorstellung begeistert zum Bühnentürl gegangen. Es waren sehr schöne Abende. Aber seit sich die Regie so wichtig nimmt und vieles auf den Kopf gestellt wird, gehe ich viel seltener, denn ich möchte mich im Theater oder in der Oper nicht ärgern.

19. September 2019
21:28
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Karl
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7. August 2019
sp_UserOfflineSmall Offline

ganz ehrlich: Sie gehe in Chenier, um etwas über das revolutionäre Frankreich zu lernen?

19. September 2019
21:08
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Lohengrin2
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28. Februar 2018
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"in unserer Realität spielt" habe ich nicht geschrieben, sondern "mit unserer Realität zu tun haben" - das bedeutet etwas ganz anderes!

Das ist der Knackpunkt!

Beispiel Andrea Chenier: die Inszenierungen in Wien und London sind zwar historisch kostümiert und mit historisch anmutenden Möbeln dekoriert, erzählen aber weder von dem Grauen der Revolution, noch stellen sie einen Bezug zum hier und heute her. Stölzl hat in München (bis hin zu den Fahnenfarben) alles sehr genau recherchiert und ein packendes realistisches und historisch genaues Bild der Revolitionsdiktatur gezeichnet, was an aktuelle Situationen in (leider) vielen Ländern denken lässt.......

Beispiel: Manon Lescaut. Bevor ich in meine erste Vorstellung dieser Oper ging, hab ich mir eine historisch ausgestattete Aufzeichnung auf YT angeschaut. Ich hab den Konflikt nicht verstanden. Dann (in Kino) die Londoner Version und ein halbes Jahr später (live) die Neuenfels-Inszenierung in München. Da kam jeweils die ganze Verzweiflung und Leidenschaft rüber, trotz oder wegen der weit weg von barocker Deko  gestalteten Inszenierungen ....

19. September 2019
21:01
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kotozzo
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ad. 33: Leider lauter Missverständnisse. Der Vergleich mit dem Lokal und Essen sollte eine Analogie zum Argument einer eins zu eins Erwartung einer Opernaufführung sein und nicht ein Vergleich für eine "interessante Aufführung". Die erwarte ich mir gerade. Und der Schluss meines Postings war doch Ironie! Wusste nicht, dass man das hier dazuschreiben muss.

19. September 2019
20:47
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kotozzo
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Guests

ad.32: Auf wen soll sich Ihre Antwort beziehen? Bei mir haben Sie ordentlich daneben gelesen. "in unserer Realität spielt" habe ich nicht geschrieben, sondern "mit unserer Realität zu tun haben" - das bedeutet etwas ganz anderes!
Der Unterschied zwischen einem Gemälde und einer Theateraufführung wurde doch schon oft genug definiert: eine Theateraufführung ist die Realisierung einer Vorlage im Hier Und Jetzt und vor zahlreichem gleichzeitig anwesenden Publikum, die genauso nicht wiederholbar ist.
"für jeden Schwachsinn herhalten" ist eine völlig verallgemeinernde Behauptung; sinnvoll unterhalten kann man sich nur über konkrete Aufführungen.
Zwischen Unterhaltung (natürlich ist Oper auch Unterhaltung) und Amüsement ist aber ein großer Unterschied. Und wie kommen Sie auf den albernen Vergleich mit einer Reality-Show? Nichts liegt mir ferner, als Oper in diese Richtung zu schieben. Das habe ich nirgends auch nur angedeutet.
Was schön und hässlich ist, liegt im Auge des Betrachters, das sind keine objektiven Kategorien.
"Vorgekaut" will ich schon gar nichts haben; wie kommen Sie auf diese absurde Idee? Ich habe doch vom "Überrascht werden" geschrieben. Vielleicht versuchen Sie meinen Text nochmals zu lesen und sich argumentativ damit auseinanderzusetzen, statt Ihre üblichen Verallgemeinerungen aufzuzählen.

19. September 2019
20:46
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Lohengrin2
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Forumsbeiträge: 599
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28. Februar 2018
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Ich besitze einige alte Klavierauszüge mit Bildern der Erstinszenierungen........ Oje!

19. September 2019
20:44
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UwePaul
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Forumsbeiträge: 969
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28. Februar 2018
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Och, Lohengrin, gehe jede Wette ein, das es da so einige geben würden, die das so sehen möchten.

Dieser Dirigent, der im Augenblick hier auch diskutiert wird, würde sich sicherlich auch freuen  :-))

19. September 2019
20:34
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Lohengrin2
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Forumsbeiträge: 599
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28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

.......Opern so inszeniert werden sollen, wir sie in den Jahren der Entstehung dargeboten wurden?.....

Da würde ich mich bei Wagner schön bedanken, dieser "Germanenkitsch" ist heute nicht mehr anzuschauen....

Rekonstruierte Barockopern haben ihren Reiz, dann muss es aber wirklich üppig sein. Es gab in Graz einen Xerxes und in Zürich auch mal was in der "Originalausstattung".

19. September 2019
20:28
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UwePaul
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Forumsbeiträge: 969
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28. Februar 2018
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Christine,

ich verstehe die jetzt aufflammende Diskussion nicht so ganz. Da wird mit vielen Worten von einigen verschwurbelt etwas ausgedrückt.

Finde irgendwie die Wortmeldungen unehrlich. Wollen einige damit sagen, das Opern so inszeniert werden sollen, wir sie in den Jahren der Entstehung dargeboten wurden? Dann sollen die doch es direkt sagen und nicht so rumeiern, wie das, was Sie hier gerade thematisieren.

19. September 2019
20:08
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Christine
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Forumsbeiträge: 51
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7. September 2019
sp_UserOfflineSmall Offline

Kotozzo, Ihr Beitrag ist sehr polemisch und ich weiß nicht, was Sie damit bezwecken. Vermutlich wollen Sie besonders originell sein. " Ich gehe ja auch nicht in ein Haubenlokal und verlange dort McDonalds-Burger, weil ich weiß, wie es schmeckt." Was hat das mit der Inszenierung einer Oper zu tun? Wer will sich in einer Oper von Verdi amüsieren? Wissen Sie, was das Wort bedeutet? Vermutlich nicht, sonst wüssten Sie, dass man sich bei einer Verdi Oper, den Falstaff vielleicht ausgenommen, kaum amüsieren kann. "Wer wissen will, was ihn erwartet und diese Erwartung befriedigt haben will, hat die Haltung eines Heftchen-Roman-Lesers." Was soll das bedeuten? Wenn ich in die Oper gehe und mir einen interessanten Opernabend erwarte und den auch erleben darf, habe ich die Haltung eines Heftchen-Roman-Lesers? Wie kommen Sie zu dieser Unterstellung?

19. September 2019
19:01
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susana
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Forumsbeiträge: 159
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16. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

kotozzo sagt
 Ein bisschen sollte Oper schon mit unserer Realität zu tun haben und nicht nur billiges Amüsement sein.  

Warum ??? und warum ist es wenn es nicht in unserer Realität spielt "nur billiges  Amüsement" und was genau ist daran schlecht ???Warum wird das so abwertend gesagt ?

Wenn ich ein Buch lese das eindeutig im 19. Jahrhundert spielt, dann kann ich als intelligenter Leser ohne Probleme den Inhalt, die Problematik, die Gedanken in die aktuelle Welt umsetzten.

Wenn ich ein Gemälde aus dem 17 Jahrhundert sehe bewundere ich den Maler der in diesem Jahrhundert mit seinen Augen die Welt gesehen hat. Und erkenne wenn ich will, wenn er es in seinem Bild ausgedrückt hat Kritik an der damals herrschenden Missstände etc.

Warum muss immer Oper für jeden Schwachsinn herhalten, warum muss Oper genauso aussehen, dargestellt werden  wie jede beliebige Reality Show im TV .. Oper ist in einer bestimmten Zeit entstanden, drückt die Gedanken des Autors mit der vertonten Musik des Komponisten dieser Zeit aus. Wer intelligent genug ist kann für sich etwas herauslesen, und wer es nicht will, und einfach nur musikalische Unterhaltung haben will, macht es eben nicht. Oper war immer genauso Unterhaltung wie Operesste oder Konzerte . War immer als Unterhaltung gedacht ..

Oper muss meiner Meinung nach nicht mit Reality Shows im Tv konkurieren, ganz im Gegenteil. Auch wenn man mir nicht glaubt, ich rede mit sehr vielen Menschen die ins Theater und in die Oper gehen (beruflich) und mit der Zeit werden Leute einfach nur noch abgestossen von den Hässlichkeiten.

Aber ja .. es gibt halt Leute die alles "vorgekaut haben wollen" weil ihnen sonst zu langweilig in der Oper wird.. ich verstehe es nicht, aber ich akzeptiere selbstverständlcih dass es andere Meinungen gibt.

19. September 2019
18:53
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Lohengrin2
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28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Besten Dank, das hat gut getan !!!

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