Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

Wiener Staatsoper: Roščić startet mit zehn Premieren und bringt Currentzis | Seite 6 | OnlineMerker | Forum

 

 

Anleitung Registrieren: 

Klicken Sie hier rechts unten auf den Button "Registrieren". Sie werden aufgefordert Ihre E-Mail Adresse und einen Benutzernamen einzugeben. Danach erhalten Sie ein E-Mail mit einem Link zum Erstellen des Passwortes. Danach können Sie sich mit Ihrer E-Mail Adresse oder dem Benutzernamen und dem Passwort einloggen. Ihre Profilseite erscheint. Danach gehen Sie wieder auf die Online Merker Forum Seite und sind dann im Forum angemeldet.

 

Dieses Forum ermöglicht in erster Linie an Kultur interessierten Lesern des Online-Merker ihre Meinung auszutauschen und durchaus auch kontroversiell zu diskutieren. Dies soll allerdings in einer höflichen und vernünftigen Umgangsform geschehen. Nicht gestattet sind diskriminierende, rassistische, fremden- und staatsfeindliche Inhalte und Formulierungen. Diese werden ebenso wie persönliche Beleidigungen und Herabwürdigungen anderer Personen vom Moderator gelöscht. Weiters ist das Forum keine Tauschbörse für Ton- und Bildaufnahmen.

Avatar

Bitte denke über eine Registrierung nach
guest

sp_LogInOut Login sp_Registration Registrieren

Registrieren | Passwort vergessen?
Erweiterte Suche

— Forumbereich —




— Übereinstimmung —





— Forum Optionen —





Minimale Suchwortlänge beträgt 3 Zeichen - die maximale 84

sp_Feed RSS (Beitrag) sp_TopicIcon
Wiener Staatsoper: Roščić startet mit zehn Premieren und bringt Currentzis
24. September 2019
12:49
Avatar
lavoce
Member
Members
Forumsbeiträge: 35
Mitglied seit:
10. Mai 2019
sp_UserOfflineSmall Offline

@Gurnemanz:

"Außerdem: Halten Sie die Pamina NICHT für eine "emanzipierte, starke, junge Frau, die sich gegen System auflehnt"? Ich schon. Pamina ist doch der Motor der Handlung, ohne Pamina würde Tamino schön aus der Wäsche schauen. Die Zauberflöte ist doch keine Kinderoper, sondern eine berührende Parabel des Triumphs der Menschlichkeit, des Aufbruchs veralteter Traditionen und des Sieges des Guten über das Böse - finde zumindest ich. Und Pamina hat im Grunde genommen den größten Anteil daran. Das ändert aber nichts darin, dass die g-moll-Arie tatsächlich ein Ausdruck tiefer Traurigkeit ist und auch dementsprechend gestaltet werden sollte. Letzlich muss das aber jede Interpretin selbst entscheiden bzw. in Absprache mit den übrigen Ausführenden (Dirigent, ...)."

 

Ich halte die Pamina sehr wohl für eine starke, junge Frau.Die Problematik liegt im WIE. Wie das darzustellen.Da kommen wir zum Unterschied in der Interpretation. Modernes Theater (wenn Ihnen der Begriff Regietheater nicht gefällt) nimmt für den Ausgang der Interpretation  das Stichwort " Pamina ist starke, emanzipierte Frau" und stülpt diese Idee über ale Szenen  in denen Pamina vorkommt drüber .Womöglich statiert sie auch noch in Szenen, in denen sie laut Libretto nichts zu suchen hat.   Da wird einem Konzept alles untergeordnet.

Meiner Meinung wäre aber der richtige Weg zu inszenieren : die einzelnen Szenen so zu gestalten, dass die Pamina am Ende der Oper als starke Frau in Erscheinung tritt. Was ihre Gefühle der Verzweiflung, Traurigkeit, Schwäche, Wut usw. in einzelnen Szenen NICHT ausschliesst. 

Modernes Theater reduziert so eine Rolle oft auf eine Eigenschaft des Charakters. Das finde ich ziemlich platt.

 

Gruß, lavoce

    

24. September 2019
1:30
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 665
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

kotozzo sagt

Zu Warlikowski: FoS und B habe ich nicht gesehen, G fand ich auch eher langweilig. Faszinierend dagegen der Pariser „Don Carlos“.

1. 5 Weltstars zu einem derartig homogenen Ensemble zu formen, ist auch die Leistung des Regisseurs.

2. Ich habe noch keinen DC gesehen, der eine derartig präzise psychologische Herausarbeitung der Figurenkonstellation gezeigt hat.

3. Vor allem die Figur des Posa wurde zu einer viel komplexeren Figur als üblich, indem er alle Beteiligten für seine Ziele zu manipulieren versucht und gegeneinander ausspielt, sich dabei aber völlig verheddert (v.a. weil er die Schwäche des Prinzen falsch einschätzt) und tragisch scheitert.

4. Zahlreiche kleine Details bei den Figuren zeigten die Phantasie des Regisseurs, z.B. Figuren, die Macht ausüben wollen, haben ein Laster (der König trinkt zu viel, Eboli raucht, Posa raucht und trinkt [heimlich aus einem Flachmann!], die beiden passiven Figuren verweigern beides; erstes Treffen Carlos – Posa (C. emotional, P. förmlich mit warnendem Blick zu einem Höfling im Hintergrund, C. begreift und antwortet ebenso, Höfling verschwindet und die Szene wird emotional.) Nicht einmal im Sprechtheater habe ich diese Szene so interpretiert gesehen. Ich könnte noch eine Menge aufzählen, es macht Spaß, so sorgfältig durchdachtes Theater zu sehen.

5. Das Bühnenbild (modern) machte die bedrückend enge Atmosphäre und die Gefahr des ständig Überwachtwerdens sehr deutlich (hohe, dunkle Holzpaneele mit kaum sichtbaren Türen).

Im Ganzen ein spannendes und kluges Musiktheatererlebnis. Hinzufügen muss man, das solch detailreiche Inszenierungen (etwa auch Stölzl) bei Aufzeichnungen nie adäquat rüberkommen, weil die Bildregie meist einen Ausschnitt wählt oder noch schlimmer eisern am gerade Singenden klebt.  

Besten Dank für die genaue Beschreibung! Ich müsste die Produktion natürlich persönlich live (!!) sehen, aber aufgrund Ihrer Beschreibung kann ich mir gut vorstellen, dass es sich um eine kluge und sorgfältig durchdachte Inszenierung handelt. Dann kommt Warlikowski doch nicht auf meine schwarze Liste Laugh

kotozzo sagt
Übrigens, eine homoerotische Komponente gibt es schon bei Schiller, man muss eben genau lesen. Und kein Dramatiker und schon gar nicht ein Librettist schreibt alle Möglichkeiten, die eine Figur charakterisieren können, in den Text. Da bleiben viele weiße Stellen, die bei einer Aufführung gefüllt werden sollten. Nochmals: Sprache ist immer mehrdeutig! Schon einmal etwas von Interpretation gehört?  

RICHTIG! Das kann man nicht oft genug betonen!

Christine sagt
Was das "Gönnen" von anderen Einsichten betrifft: Meiner Meinung nach sollte ein Werk nicht verfälscht und gegen die Intentionen des Komponisten inszeniert werden. Wenn jemand als langjähriger Opernbesucher seine Freude daran hat einen Posa zu sehen, der mit dem König und Carlo homoerotische Gefühle auslebt, ausgiebig dem Alkohol zuspricht und Ähnliches, nur damit er/sie einmal eine neue Interpretation erlebt, sei's drum. Aber was ist mit jungen Menschen, die Musik begeistert sind, in der Schule vielleicht den Don Carlos gelesen haben (der kommt allerdings im Unterricht nur mehr selten vor), nun auch die Oper kennenlernen möchten und sich Verdi erwarten? Ich kenne solche Leute, aber ist das nur mehr eine kleine Minderheit?  

Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, dass junge, potentiell interessierte Leute durch Inszenierungen abgeschreckt werden, jedenfalls nicht viele. Ich hab in der Schule auch eine "konservative" Freischütz-Produktion ausschnittsweise auf Videocassette gesehen und war dann in der Volksoper bissl irritiert, dass der Marelli-Freischütz ziemlich abstrakt war - aber abgeschreckt hat es mich nicht.

Meiner Erfahrung nach ist insbesondere Publikum < 25 interessiert, auf die Bühne zu schauen und die Aufführung unmittelbar zu erleben anstatt sich im vorhinein zu informieren, was genau passieren soll, und sich dann im nachhinein zu beschweren, das davon nur vordergründig wenig zu sehen war. Eine Produktion, die spannende und gut durchdachte Interaktion zwischen den Figuren hat, ist doch viel spannender als Stehtheater in schönen Kulissen!!

Christine sagt
In den 70er und 80er Jahren haben junge Leute die sich für den Stehplatz angestellt haben noch ihre Hausübungen während des Anstellens gemacht. Bei gefragten Vorstellungen - diese waren vor allem dann gefragt wenn bekannte und beliebte Sängerinnen und Sänger auftraten - gab es großen Andrang.

Hausaufhaben habe ich vor ein paar Jahren zu meinen Schulzeiten auch noch während des Anstellens erledigtLaugh Aber ja, ich kenne keinen regelmäßigen Stehplatzgeher, der jünger als ich ist, und ich behaupte doch, dass ich die meisten Stehplatz-Stammbesucher zumindest vom Sehen kenne. Insofern halte ich es durchaus für angebracht, sich Gedanken über den Fortbestand des Musiktheaters zu machen. Ich frage mal in die Runde: Was kann man dafür tun?

Meine Idee wäre, dass Oper geöffnet und modernisiert werden muss, vor allem muss sich das "Image" der Kunstform Oper dramatisch ändern. Oper ist eben (in der Meinung vieler Leute) etwas für Verstaubte, Reiche, Komische - und genau da muss man ansetzen und kommunizieren, dass man in der Oper auch um wenig Geld spannende und schöne Geschichten erzählt bekommen kann, aber dann halt wirklich in spannenden/eindrucksvollen Inszenierungen und nicht in solchen, die kilometerweit nach Staub riechen Cool

Darüber hinaus muss natürlich auch die Musikausbildung in Österreich massiv ausgebaut werden (für so viel sinnlosere Sachen ist ja auch Geld da). In Niederösterreich ist das mit den ganzen Blaskapellen und Musikschulen eh ziemlich gut, aber Instrumentalunterricht / Gesangsunterricht sollten (auch in Wien) alle Kinder erhalten können und nicht nur solche, die entweder gut genug für den Aufnahmetest an einer (preiswerten) öffentlichen Musikschule sind oder deren Eltern es sich leisten können/wollen.

Man sollte sich auch die Frage stellen, wieso die absolute Mehrheit zu Musik abwandert, bei deren Anhören man sich geistig nicht anstrengen muss oder kein großes Sitzfleisch haben muss (Musical, Pop, Rock, Jazz, ...). Letzlich sind auch jene zeitgenössischen Komponisten mitschuldig, die massenhaft Musik produzieren, die nix taugt (dass der Staud für so einen Blödsinn wie die "Weiden" mit Förderungen bedacht wurde, ist ja wirklich unsinnig), die wenigen guten zeitgenössischen Komponisten werden somit auch gleich unter den Teppich gekehrt. Trotzdem finde ich:

Eine Kunstform, die sich großteils rückwärtsgewandt und elitär darstellt, KANN doch gar nicht interessant sein!! (außer für ein geringes Publikum)

23. September 2019
18:12
Avatar
Lohengrin2
Member
Members
Forumsbeiträge: 599
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOnlineSmall Online

Mit der Erwähnung der Figur des Jago bin ich vielleicht zu weit gegangen, mir war das Manipulative wichtig. Posa versucht alle zu manipulieren; beste Absichten vorausgesetzt aber nicht garatiert.

23. September 2019
17:48
Avatar
kotozzo
Gast
Guests

Missverständnis: Jago ist ein Nihilist als Manipulator, Posa dagegen versucht für seine Ideale zu manipulieren. Das ist ein großer Unterschied. Übrigens, eine homoerotische Komponente gibt es schon bei Schiller, man muss eben genau lesen. Und kein Dramatiker und schon gar nicht ein Librettist schreibt alle Möglichkeiten, die eine Figur charakterisieren können, in den Text. Da bleiben viele weiße Stellen, die bei einer Aufführung gefüllt werden sollten. Nochmals: Sprache ist immer mehrdeutig! Schon einmal etwas von Interpretation gehört?

23. September 2019
16:18
Avatar
Michta
Member
Members
Forumsbeiträge: 197
Mitglied seit:
6. März 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Danke Christine, dem ist nichts hinzuzufügen!     ( Wenn ers so gewollt hätte, hhätt ers hingeschrieben - oder der Librettist! ).

23. September 2019
13:55
Avatar
Christine
Member
Members
Forumsbeiträge: 51
Mitglied seit:
7. September 2019
sp_UserOfflineSmall Offline

In den 70er und 80er Jahren haben junge Leute die sich für den Stehplatz angestellt haben noch ihre Hausübungen während des Anstellens gemacht. Bei gefragten Vorstellungen - diese waren vor allem dann gefragt wenn bekannte und beliebte Sängerinnen und Sänger auftraten - gab es großen Andrang. Touristen sind mir nicht besonders aufgefallen, sie waren aber sicher auch dabei. Vielleicht waren in den 60er Jahren noch mehr Leute, das kann ich nicht beurteilen. Ab den 90er Jahren ging ich nicht mehr auf Stehplatz, nur mehr auf Sitzplatz und das seltener. Damals begannen (für mich) Inszenierungen, deren Sinn ich nicht mehr nachvollziehen konnte (z.B. beim Trovatore. Es ist auch erstaunlich, dass viele Künstler von denen ich eigentlich eine größere und längere Karriere erwartet hätte, still und leise verschwunden sind. Dafür singen die beiden Haudegen Domingo und Nucci noch mit über 75 Jahren Hauptrollen, Nucci zumindest in seinem Fach und nur mehr Väter. Ich möchte weder einen 75jährigen, noch einen schwulen, noch einen intriganten dem Alkohol stark zugeneigten Posa auf der Bühne sehen oder hören, da ich mir nicht vorstellen kann, dass Verdi ihn sich so vorgestellt hat. Und das gilt für viele andere Rollen in ähnlicher Weise.

23. September 2019
9:08
Avatar
Lohengrin2
Member
Members
Forumsbeiträge: 599
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOnlineSmall Online

.......aber ist das nur mehr eine kleine Minderheit.

Das war schon zu meiner Schulzeit so und die liegt viele Jahrzehnte zurück.
Damals hat mich eine total "traditionelle" Meistersinger-Insenierung zu der Meinug veranlasst, Wagner sei langweilig und uninteressant. Viel späer habe ich gemerkt, dass das Öde nur die Präsentation war, nicht das Werk.

Verdi hat die Schiller-Stücke, die er als Vorlagen für Opern verwendet hat, mehr als frei neu interpretiert. Da ist mir keine Literatur-Erhaltungs-Initiative bekannt, die sich dagegen gewendet hätte.......

Was immer in der Musik steckt, kann, ja: muss immer wieder interpretatorisch hinterfragt werden. Was ist der Graf im Figaro für einer: ein Grapscher, ein von seinen Hormonen zu einem Trottel degradierter, ein sich seiner Machtposition Gewisser ? Alles in Musik und Figur drin, schaut aber sehr unterschiedlich auf der Bühne aus. So gehts quer durch die Opern-Literatur.

Ich mag es, wenn Regisseure ud Dirigenten die Bandbreite erforschen und umsetzen.

23. September 2019
8:35
Avatar
Christine
Member
Members
Forumsbeiträge: 51
Mitglied seit:
7. September 2019
sp_UserOfflineSmall Offline

Lohengrin, Posa ist durch Verdis Musik charakterisiert. "Für Posa gibt es zahlreiche Interpretationen, bis hin zu homoerotischen Beziehungen zu König oder Carlo, zu einem Verhältnis mit Eboli oder als ein selbstloser Retter der armen Seelen."Ja, leider gibt es diese seltsamen Interpretationen, die alle nicht mit Verdi, Schiller und den Textbuchautoren Mery und du Locle übereinstimmen sondern der Phantasie einiger Regisseure entspringen, die sich selbst verwirklichen wollen. Homoerotische Beziehungen zum König und ein Verhältnis mit Eboli sind ja nur lächerlich, und in der heutigen Zeit ist für manche Menschen eine tiefe Männerfreundschaft ohne sexuelle Beziehung vermutlich unglaubwürdig. Da muss der Regisseur "nachhelfen". Was das "Gönnen" von anderen Einsichten betrifft: Meiner Meinung nach sollte ein Werk nicht verfälscht und gegen die Intentionen des Komponisten inszeniert werden. Wenn jemand als langjähriger Opernbesucher seine Freude daran hat einen Posa zu sehen, der mit dem König und Carlo homoerotische Gefühle auslebt, ausgiebig dem Alkohol zuspricht und Ähnliches, nur damit er/sie einmal eine neue Interpretation erlebt, sei's drum. Aber was ist mit jungen Menschen, die Musik begeistert sind, in der Schule vielleicht den Don Carlos gelesen haben (der kommt allerdings im Unterricht nur mehr selten vor), nun auch die Oper kennenlernen möchten und sich Verdi erwarten? Ich kenne solche Leute, aber ist das nur mehr eine kleine Minderheit?

23. September 2019
1:54
Avatar
alcindo
Member
Members
Forumsbeiträge: 320
Mitglied seit:
27. Februar 2018
sp_UserOnlineSmall Online

zu mme Lohengrin und Posa:  die Musik Verdis charakterisiert Posa sicher nicht so, also ist es eine interpretation gegen die musik, opernsnob: so hab ich das noch nie gesehen.....richtig, weil es falsch ist

Christine liegt hier vollkommen richtig

22. September 2019
22:24
Avatar
Lohengrin2
Member
Members
Forumsbeiträge: 599
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOnlineSmall Online

Christine, dann bleiben Sie bei den alhergebrachten Interpretationen und gönnen andren andere Einsichten in Opern.

Mein Hinweis auf Jago klingt in Ihrem Beitrag als Typologie, die in DC nicht so zu erleben war, sondern eine gewisse Zwiespältigkeit, die das Vertrauen nicht unbedingt rechtfertigen.

Für Posa gibt es zahlreiche Iterpretationen, bis hin zu homoerotischen Beziehungen zu König oder Carlo, zu einem Verhältnis mit Eboli oder als ein selbstloser Retter der armen Seelen.

22. September 2019
21:54
Avatar
Christine
Member
Members
Forumsbeiträge: 51
Mitglied seit:
7. September 2019
sp_UserOfflineSmall Offline

Dass der Eindruck zwischen live und TV Aufzeichnung unterschiedlich ist, ist klar. Aber eine gute Inszenierung sollte auch im Fernsehen wirken, denn nicht jeder Mensch hat die Möglichkeit zu allen ihn interessierenden Vorstellungen hinzufahren. Dass der Posa als eine Art Jago dargestellt wird, hat für mich nichts mit fein ausgearbeiteter Psychologie zu tun. Die Musik die ihm Verdi zugedacht hat, weist jedenfalls nicht darauf hin. Die Szene zwischen Carlos und Posa habe ich nie als Auseinandersetzung gesehen. Warum in der Oper geraucht und getrunken werden muss, erschließt sich mir auch nicht. Findet sich alles nicht in der Musik, meiner Ansicht nach. Aber es gehört alles in die Kategorie: "Den Carlos haben alle schon so oft gesehen, da muss eine neue Deutung her, ich mache etwas ganz Neues!"

22. September 2019
21:14
Avatar
Lohengrin2
Member
Members
Forumsbeiträge: 599
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOnlineSmall Online

Tut mir leid, da muss ich widersprechen.

Vorausgeschickt: ich war live in Opera Bastille ud kenne auch die Kino-Version.
Der Eindruck ist jeweils doch recht anders.

Die fein herausgearbeitete Psychologie braucht keine Mantel-und Degen-Inszenierung. Der zum Nichtstun verurteilte Carlo spielt Tennis und greift mit beden Händen zu, als der Manipulator Posa (hier fast eine Art Jago) ihm eine Perspektive bietet. Filippo ist schwach, nur mit voller Uniform kann er sich aufrecht halten. Die Eboli spielt ihre Spielchen und weiss wohl, dass sie nichts gewinnen kann, sondern sich nur die Zeit vertreibt. (Da passte die spürbare Kälte der EG ausgezeichnet.) Elisabetta ist am schlechtesten dran, sie hat gar keine Hoffnung.

Gesanglicher Höhepunkt war die Auseinandersetzung zwischen Posa und Carlo im Gefängnis. EG und SY konnten mich nicht ganz überzeugen. IA bot eine insgesamt rollendeckende Interpretation.

22. September 2019
20:18
Avatar
UwePaul
Member
Members
Forumsbeiträge: 969
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Christine, ich habe die im Fernsehen gesehen, die war wirklich zum großen Teil läppisch, besonders peinlich und lächerlich fand ich das Autodafe. Dieser Kritik kann ich eigentlich zustimmen, auch was die musikalische Seite betrifft

https://www.nmz.de/online/an-schiller-gescheitert-an-verdi-gewachsen-verdis-don-carlos-an-der-opera-bastille

22. September 2019
20:13
Avatar
Christine
Member
Members
Forumsbeiträge: 51
Mitglied seit:
7. September 2019
sp_UserOfflineSmall Offline

Es geht um diese Don Carlos Inszenierung vermute ich:

https://bachtrack.com/de_DE/review-don-carlos-warlikowski-kaufmann-yoncheva-tezier-garanca-abdrazakov-paris-october-2017

Da gibt es Menschen, die das gar nicht so positiv sehen. Aber die Sänger waren wohl großartig ...

22. September 2019
19:09
Avatar
Lohengrin2
Member
Members
Forumsbeiträge: 599
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOnlineSmall Online

Danke Kotozzo für die vorzügliche Aalyse der DC Inszenierung. Ich habs genau so in Paris erlebt.

Auch Stölzl habe ich mit Cav/Pag in Salzburg und Andra Chenier in München so empfunden.

22. September 2019
18:47
Avatar
kotozzo
Gast
Guests

Zu Warlikowski: FoS und B habe ich nicht gesehen, G fand ich auch eher langweilig. Faszinierend dagegen der Pariser „Don Carlos“.

1. 5 Weltstars zu einem derartig homogenen Ensemble zu formen, ist auch die Leistung des Regisseurs.

2. Ich habe noch keinen DC gesehen, der eine derartig präzise psychologische Herausarbeitung der Figurenkonstellation gezeigt hat.

3. Vor allem die Figur des Posa wurde zu einer viel komplexeren Figur als üblich, indem er alle Beteiligten für seine Ziele zu manipulieren versucht und gegeneinander ausspielt, sich dabei aber völlig verheddert (v.a. weil er die Schwäche des Prinzen falsch einschätzt) und tragisch scheitert.

4. Zahlreiche kleine Details bei den Figuren zeigten die Phantasie des Regisseurs, z.B. Figuren, die Macht ausüben wollen, haben ein Laster (der König trinkt zu viel, Eboli raucht, Posa raucht und trinkt [heimlich aus einem Flachmann!], die beiden passiven Figuren verweigern beides; erstes Treffen Carlos – Posa (C. emotional, P. förmlich mit warnendem Blick zu einem Höfling im Hintergrund, C. begreift und antwortet ebenso, Höfling verschwindet und die Szene wird emotional.) Nicht einmal im Sprechtheater habe ich diese Szene so interpretiert gesehen. Ich könnte noch eine Menge aufzählen, es macht Spaß, so sorgfältig durchdachtes Theater zu sehen.

5. Das Bühnenbild (modern) machte die bedrückend enge Atmosphäre und die Gefahr des ständig Überwachtwerdens sehr deutlich (hohe, dunkle Holzpaneele mit kaum sichtbaren Türen).

Im Ganzen ein spannendes und kluges Musiktheatererlebnis. Hinzufügen muss man, das solch detailreiche Inszenierungen (etwa auch Stölzl) bei Aufzeichnungen nie adäquat rüberkommen, weil die Bildregie meist einen Ausschnitt wählt oder noch schlimmer eisern am gerade Singenden klebt.

22. September 2019
17:00
Avatar
UwePaul
Member
Members
Forumsbeiträge: 969
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Mir war es, als wenn Sie es waren, war nur zu faul zum suchen.

Hab gestern mal reingeschaut und durchgezappt, die Musik hört sich gut an, aber die Ausführung, glaube ich, sehr gewöhnungsbedürtig, um mich vorsichtig auszudrücken. Mal sehen, wann ich es anschaue

22. September 2019
16:55
Avatar
Christine
Member
Members
Forumsbeiträge: 51
Mitglied seit:
7. September 2019
sp_UserOfflineSmall Offline

An UwePaul:"Irgend jemand wollte sich demnächst Halka anschauen"

Danke für den Link! Bei der Oper in Posen wurde ich vor Jahren auf die Oper aufmerksam, die Bilder und die Beschreibungen gefielen mir, aber leider wurde sie zu einem Zeitpunkt gespielt als wir die Stadt schon wieder verlassen hatten. Jetzt hoffe ich auf Wien.

22. September 2019
11:24
Avatar
susana
Member
Members
Forumsbeiträge: 159
Mitglied seit:
16. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Ich habe beschlossen mein Posting zu löschen, es ist die Mühe nicht wert ..

somit wünsche ich allen Diskutanten von Wien bis Berlin.. und anderswo einen angenehmen Sonntag !

22. September 2019
3:01
Avatar
alcindo
Member
Members
Forumsbeiträge: 320
Mitglied seit:
27. Februar 2018
sp_UserOnlineSmall Online

Gz meint auf #70

Wie bitte?

na, geh!

Zeitzone des Forums: Europe/Berlin

Am meisten Mitglieder online: 10

Zurzeit Online: alcindo, Lohengrin2
3 Gast/Gäste

Momentan betrachten diese Seite:
1 Gast/Gäste

Top Autoren:

UwePaul: 969

Gurnemanz: 665

Lohengrin2: 599

Chenier: 579

alcindo: 320

Michta: 197

susana: 159

dalmont: 113

Kapellmeister Storch: 79

michael koling: 58

Mitgliederstatistiken

Gastbeiträge: 128

Mitglieder: 54

Moderatoren: 0

Administratoren: 3

Forumsstatistiken

Gruppen: 1

Foren: 1

Themen: 390

Beiträge: 6002

Neuste Mitglieder:

bonniechristy7, sheryl15i8687, dr geraldmueller, tenorissimo, timtheotinn, karlaeuler4, Klassikpunk, alenanickson9, Miguel, ericalycett0697

Administratoren: HaaSon: 2, ac: 73, Moderator 16: 33

 

Diese Seite drucken