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Tosca an der Wiener Staatsoper
8. Februar 2019
9:38
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Christine
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Forumsbeiträge: 42
Mitglied seit:
3. Oktober 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Da waren Sie doch tatsächlich in der "absurden" Oper Tosca und das um eine Sängerin zu hören! Das hätte ich Ihnen gar nicht zugetraut, Gurnemanz. Haben Sie den - meiner Meinung nach - verdienten Jubel auch absurd oder sagen wir besser, unverdient, empfunden? Ihre Meinung weicht von der von Frau Dr. Wagner einigermaßen ab, das liegt vielleicht auch am unterschiedlichen Alter. Was Herrn Beczala betrifft, bin ich eher der Meinung von Frau Wagner, bei Frau Radvanovsky stimmen sie beide ja weitgehend überein und ich teile diese Meinung. Mit dem Scarpia von Thomas Hampson kann ich mich auch nicht anfreunden, da haben mir andere Sänger wesentlich besser gefallen. Aber es ist gut, dass es verschiedene Interpretationen gibt. Nach der Sternenarie hat es immer Applaus gegeben, da müsste ein Sänger schon katastrophal sein damit dieser ausbliebe. Da geht es um eine Tradition und es ist egal, ob eine Arie leicht oder schwer ist. Dass ich - was die Inszenierung betrifft - auch mit Frau Wagner übereinstimme, liegt vielleicht auch am Alter. Ich kenne aber auch jüngere Menschen, die die Oper nicht unbedingt "neu" interpretiert sehen wollen.

8. Februar 2019
9:21
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Chenier
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Forumsbeiträge: 310
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Ich kann erst nach dem 10. etwas dazu sagen, aber die Erwartungen sind hoch.

Mir fällt auf, Gurnemanz, dass Sie ungern ein gutes Haar an großen Sängern lassen. Die Protagonisten gehören zweifellos zum Besten, was dieser Planet für das Genre aufzubieten hat, aber Sie meckern herum. Radvanovsky hat Defizite bei Pianostellen und kann scheinbar nicht singen, Beczala macht nichts aus der Rolle und Hampson ist überhaupt fehl am Platz als Scarpia. Warum tun Sie sich das dann überhaupt an oder gehen Sie schon in der Absicht der unkonstruktiven Kritik hin? Warum genießen Sie nicht ganz einfach die wunderbare Musik im eleganten Umfeld mit Weltklasseleuten? Angemessene Kritik ist ok, aber die Ausführungen erinnern mich an Masochismus. Und Sadismus, denn wenn man einen Hund prügeln will, findet sich bekanntlich ein Prügel.

Ab nach Brünn, Gurnemanz, der einzige Ort, wo es scheinbar noch das Prinzip der gepflegten Vorstellung mit makellosen Sängern gibt.

7. Februar 2019
23:54
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 301
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Di., 7. Feber 2019

In eine Tosca bringen mich normalerweise nur zehn Pferde (vor allem in dieser verstaubten "Inszenierung"), und diese zehn Pferde war heute Sondra Radvanovsky in der Titelrolle. Ich hatte einiges sehr Positive von ihr gehört, und da ich heute ohnehin Zeit hatte, wollte ich mich persönlich davon überzeugen. Und das Ergebnis war großteils erfreulich! Die Stimme ist wirklich groß und laut genug, aber auch ausreichend schön. Radvanovsky macht das meiste richtig, hin und wieder könnte sie allerdings mehr Piano zeigen (ob man singen kann oder nicht, zeigt sich ja im Piano). Dennoch ein wirklich gelungenes Wien-Rollendebüt, und dank ihr hat sich der Besuch dieser absurden Oper auch gelohnt. Piotr Beczała sang seinen ersten Cavaradossi, und das Ergebnis war genauso, wie ich es erwartet hatte. Beczała ist fleißig und besitzt eine wirklich gute Stimme, aber was er daraus NICHT macht, ist schade. Mir fällt eine Ähnlichkeit zu Andreas Schager auf, nur dass Beczała nicht so dermaßen ungenau singt. Seine Höhen sind ja wirklich imposant, er ist schon lang genug im Geschäft, baut seine Karriere klug auf, macht daher einiges richtig, aber dass die Technik mangelhaft ist, ist leicht hörbar. Es ist lang nicht so schlimm wie bei Jonas Kaufmann, aber die Höhen werden alle gewaltsam hinausgestemmt, das tut mir weh. Darüber hinaus war seine Leistung mit einem Wort langweilig, alles klingt gleich, die Stimme hat keine Farben/Schattierungen. Schauspielerisch versprüht er den Charme eines Buchhalters. Er bräuchte einen guten Regisseur, der ihm sagt, was er zu tun hat (und dass er im dritten Akt nicht ganz so theatralisch fallen darf). Leute, fahrt nach Bratislava und hört Euch dort Boldizsár László an, der macht das besser! Thomas Hampson ist ein wirklich guter Liedsänger. Er ist auch ein wirklich guter Simon Boccanegra. Aber vom Scarpia sollte er die Finger lassen. Freilich, ich kann mir gut vorstellen, dass die Rolle Spaß macht, und Hampson bietet auch eine hervorragende schauspielerische Leistung: Öffentlich ist er ganz Gentleman und plaudert jovial mit Tosca, er weidet sich sadistisch an den Schmerzensschreien Cavaradossis, gibt fies grinsend den Befehl "Nel pozzo, nel giardino" und tritt kurz vor seiner Ermordung Tosca erwartungsvoll entgegen - schauspielerisch passt alles, er verkörpert im Gegensatz zu anderen Rollenvertretern einen scheinbar noblen, aber hinterhältigen Scarpia, stimmlich geht es sich jedoch hinten und vorne nicht aus. Zahlreiche Phrasen wie "Un tal baccano in chiesa! Bel rispetto!" oder "Mario Cavaradossi, qual testimone il Giudice vi aspetta!" konnte er nur stark forciert über die Bühne bringen. Diesem Sänger, der in einem anderen Fach wirklich gut eingesetzt ist, wird somit eine Partie zugemutet, die er stimmlich nicht einmal ansatzweise erfüllen kann. (Und es stellt sich die Frage, wieso Tomasz Konieczny diese Rolle in Wien nur zweimal (für Falk Struckmann einspringend) gesungen hat und nicht öfter, er ist dafür ideal!). Die Nebenrollen stellten der Wiener Staatsoper überhaupt kein gutes Zeugnis aus. Am besten war noch Ayk Martirossian als etwas grölender Schließer, aber diese Rolle ist so klein, da kann man eigentlich nix falsch machen. Die Darbietung von Ryan Speedo Green (Angelotti) war nicht anhörbar, was qualifiziert den Mann, schon das fünfte Jahr in unserem Ensemble zu sein?! Sein Italienisch ist übrigens grauenhaft, da müsste es jedem Muttersprachler die Schuhe ausziehen. Ebenso schlecht waren Alexandru Moisiuc als Mesner (den man nicht so gemütlich anlegen soll wie Alfred Šramek, aber auch nicht so gelangweilt wie Moisiuc spielen darf, außerdem muss man dafür mehr haben als Stimmreste) und Benedikt Kobel als Spoletta (ein Kommentar hierzu erübrigt sich). Der beste Mann des Abends stand im Orchestergraben: Ich bin kein besonderer Fan von Marco Armiliato, aber das heute war wirklich gut. Zwar verzeihe ich ihm die Applauspause nach dem "E lucevan le stelle" nicht (hier gehört kein Applaus hin, außerdem ist diese Arie viel leichter als das "Recondita armonia", also wieso danach in Jubelstüme ausbrechen?), aber es war ein rücksichtsvoll und sensibles Dirigat. Die Erkenntnis des heutigen Abends: Mit dem richtigen Mann am Pult ist sogar die Tosca halbwegs erträglich.

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