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Tosca an der Wiener Staatsoper
23. Februar 2019
20:05
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kotozzo
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Ich habe mich jetzt endlich durch die vielen Seiten diese Threads gelesen, der immer wieder Seitenwege eingeschlagen hat, möchte aber zunächst mit ein paar Gedanken an den Ursprung zurückkehren. Ein Ereignis oder doch vielleicht langweilig?

Zunächst hat B. viele Fans in Wien, die sein Debüt entsprechend feierten, und das überträgt sich natürlich auf andere Besucher. Wer aber nicht dazu gehört, der hört und sieht wohl auch die Defizite bei B. und teilt die Begeisterung nicht völlig. Ich schließe mich Gurnemanz an: eine schöne Stimme, saubere Intonation, aber fast ausschließlich Gesang im mezzo forte mit den Höhen im forte, kein p oder pp, kein Diminuendo, kein Crescendo, keine richtige voix mixte, keine unterschiedlichen Stimmfarben, bei gefühlvollen Stellen ein larmoyanter Tonfall, der über den Gesang gestülpt wird (das mag wohl subjektiv unterschiedlich empfunden werden), da wird selbst schöner Gesang u.U. eintönig. Wenn dazu noch die steife Bühnenpräsenz kommt, dann hilft das auch nicht gerade. Das habe ich auch im Haus nicht anders erlebt. Hinzu kam in dieser Tosca-Serie die Kombination der Protagonisten, 3 typische Einzelstars (jeder macht sein Ding, egal wer die Partner sind): R. liebt Volumen, B. setzt auf seine Stimme und H. muss notgedrungen auf Nuancen und Spiel setzen. Das passte nicht wirklich zusammen und es fehlte etwas die theatralische Spannung auf der Bühne. G+K+T sind alle drei differenziert Singende und engagierte Darsteller, das war eine homogene Zusammenstellung und ergab spannendes Musiktheater, die jetzige Serie war Oper. Wer sich das wünscht, ist beglückt, wer mehr erwartet (gerade bei dem „Reißer“ Tosca), der ist vielleicht etwas enttäuscht. So erklären sich mir die unterschiedlichen Beurteilungen.

ad. 83) Ich mag auch keinen Applaus nach dieser Arie, macht die ganze Stimmung kaputt und zerstört den wunderschönen Übergang, den Puccini zum Auftritt Toscas hin komponiert hat. Und nein, es wird nicht immer nach dieser Arie applaudiert (höchstens in Wien), in London fast nie, in München hat Petrenko einfach weiter dirigiert; wenn die Arie entsprechend gesungen wird, dann vergisst man auf den Applaus – außer der Dirigent bricht ostentativ ab. Natürlich ist Oper auch Unterhaltung, natürlich ist sie auch manchmal Zirkus – aber alles hat seinen Platz.

Das war's für jetzt. Vielleicht finde ich später noch Zeit, auf ein paar andere interessante Aspekte dieses Threads einzugehen.

22. Februar 2019
0:55
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Gurnemanz
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Chenier sagt
Ich glaube, Gurnemanz, dass die Kunstform Musik und da speziell Oper die emotionalste ist, im Gegensatz zur Literatur, die vorwiegend rational ist, oder Malerei oder Architektur, wo ein Zugang auf beiden Ebenen möglich ist. Deshalb steht für mich die Unterhaltung, der Genuss, der Hedonismus, wenn Sie so wollen, in der Oper im Vordergrund. Aber das ist meine persönliche Interpretation und ich erhebe keinen Anspruch auf Absolutismus. Wenn Sie es anders sehen, lassen wir es ohne weitere Diskussion so stehen, ich habe kein Problem damit, vielleicht ein wenig Erklärungsbedarf ihrerseits.

Wir können das gerne so stehenlassen. Wir sind uns einig, dass wir uns nicht einig sind Laugh

Zu den Beiträgen 102 und 105: Über Inszenierungen kann man natürlich anderer Meinung sein. Dass Ihnen widerspreche, wundert Sie wahrscheinlich nicht. Ich hoffe, es ist in Ordnung, dass ich Ihre Beiträge so zerstückle.

Ich bin überhaupt der Meinung dass es im Mutterland der Oper, in Italien, primär immer zuerst um die Stimme gegangen ist. Ein schönes Bühnenbild hat erfreut, gut gespielt sollte auch werden, aber das wichtigste ist wie es Cappucilli ausdrückte - Voce, Voce Voce!

Kann sein, aber wir leben im Jahr 2019, und weil Oper kein Museum ist, sollen wir Stücke nach aktuellen Kriterien interpretieren.

Die Oper ist meiner Meinung nach vorwiegend eine Kunstform die auf die Gefühle abzielt, das innerste des Menschen berühren soll.

Seh ich auch so. Steht aber nicht im Widerspruch zu aktuellem Musiktheater.

Leider glauben viele der heutigen, von einigen Leuten hochgelobten Regisseure anscheinend nicht an die Kraft der Musik, da genügt es nicht mehr die Geschichte in einem passenden Rahmen zu erzählen, nein, es muß über die Handlung noch eine weitere konstruierte Handlung drübergestülpt werden. So wird halt dann aus dem Max im Freischütz halt ein Komponist, etc.

Kraft der Musik - sollen wir alle Opern konzertant spielen? JEDE Aufführung ist eine Interpretation, egal ob der Regisseur Schenk oder Bieito heißt. Was ein "passender Rahmen" ist, ist eine subjektive Wertung. Ich denke, es kann für ein Stück sehr hilfreich sein, die Handlung aus dem traditonellen Rahmen herauszulösen und in einen anderen Kontext zu stellen. Das kann unter gewissen Umständen sehr hilfreich sein, um das Werk besser verstehen zu können und tiefer in das Kunstwerk vorzudringen.
Den Räth-Freischütz halte ich für Mist, aber nicht wegen des Konzepts, sondern wegen der dilettantischen Durchführung. Völlig stümperhaft. Spätestens als der Eremit im Kronleuchter (!) herabgeschwebt ist, haben alle nur mehr gelacht.

Oper ist halt nun einmal nicht logisch. Jemand wird erstochen und singt dann kurz vor seinem oder ihrem Tod noch die schönsten Melodien???

Unter anderem deshalb halte ich viele gängige Opern für minderwertigen Unsinn. Opern, die ich mag, bilden das Leben ab, wie es ist, ohne derartigen Holler wie das Singen schöner Melodien kurz vor einem brutalen Tod. Das ist einfach ein Blödsinn, der vielen Leuten den Zugang zur Oper erschwert.

Die meisten Kritiker scheinen nicht gerade Stimmexperten zu sein.

Stimmt leider, das ist ein Problem. Es gibt leider wirklich wenig Kritiker, die kritisch genug sind.

Heute habe ich mir angeschaut, wie das Preisniveau an der STOP zur Zeit ist, und ich bin erschrocken. Mein letzter Besuch dort liegt schon einige Jahre zurück, damals konnte man noch um 120 euro einen vernünftigen Platz finden, damit scheint es vorbei zu sein. Gut verkauft ist jedoch allemal.....

Wie bitte? Was ist für Sie ein "vernünftiger Platz"? Ich geh in die Staatsoper auf Stehplatz, das kostet 1,60 Euro pro Besuch. Das heißt, um 120 Euro kann ich 75mal in die Oper gehen. Natürlich hat jeder das Recht, für einen einzigen Opernbesuch 120 Euro aufwärts auszugeben, aber man darf sich dann halt nicht beschweren, dass die Vorstellung das Geld nicht wert war. Wenn man es doch tut, kann ich nur sagen: selber schuld.
Und es soll auch Sitzplätze geben, an denen man bedeutend weniger zahlt und trotzdem gut sieht/hört.

Über die gute alte Wallmann- Sache wurde schon genug gesagt, möge sie uns und unseren Enkeln noch lange erhalten bleiben, so können wir ihnen zeigen, wie es "auch" gehen kann.

Die Wallmann-Tosca ist mittlerweile so etwas wie eine Institution. Von mir aus, soll sein, sofern sich davon abgesehen qualitativ hochwertiges Musiktheater abspielt. Das ist aber derzeit leider nicht der Fall, da kann ich nur auf den Roščić hoffen.

Soo, jetzt hab ich mich mit diesem Beitrag wieder in die Nesseln gesetzt :-))) Macht aber nix.

21. Februar 2019
22:45
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walter
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Ich bin nie ein Premierengeher gewesen, aber bei diesem Attila (Ghiaurov, Cappuccilli, Zampieri, und ein kurz danach verschwundener Tenor namens Visconti, Dirigent Sinopoli) war ich ausnahmsweise dabei. Nachdem der ORF die Sache irgendwann gesendet hat, habe ich sie auch auf Kassette und freue mich immer, weil ich weiß, einer der Beifallspender war ich.....

Toni, es ist ein Kreuz, aber irgendwann in den 90ern begann diese Entwicklung, und sie ist noch nicht zu Ende, leider. Man kann sich nur behelfen, indem man auf alte Sachen zurückgreift. Den Vorwurf, ein "Rückwärtsgewandter" zu sein, muss man dann eben wegstecken. 

Irgendwann wurde mir klar, dass es nicht nur die Regisseure sind, sondern auch die Bühnenbildner und Ausstatter, obwohl das natürlich Hand in Hand geht. An einem Repertoirehaus schwindet die Handschrift des Regisseurs schnell dahin, was im Gedächtnis bleibt sind die Bilder, die uns geboten werden. An die erinnert man sich noch viele Jahre danach, nicht daran, ob jemand von rechts kam oder von links, und welches Gesicht er dabei machte. Manchmal stößt man auf Interviews von Kostümbildnern, in denen sie monieren, dass heute sowieso alle nur in Straßenkleidung auftreten. 

Eine Besonderheit sind die Filmeinspielungen. Ich habe mich selbst viele Jahre privat mit Film beschäftigt und sah darin immer ein großes Potential für die Oper, und es wird auch meist guter Gebrauch davon gemacht. Allerdings kreuzt sich die Sache mit dem Gesang, singende Menschen sind nun mal ein Unikum, und die Videohersteller tun des Guten oft zu viel, womit ich beim Gesang lande, dem Herz des Ganzen. 

Gute Stimmen gibt es auch heute, ich meine sogar besser ausgebildete als früher. Die Ochsentour durch die Provinz ist zwar heute nicht mehr so ganz en vogue, aber an den Sängern liegt es nicht, und auf Grund seiner Größe und der Qualität der musikalischen Ausbildung beschert uns Osteuropa einen schier endlosen Strom an Talenten. 

Heute habe ich mir angeschaut, wie das Preisniveau an der STOP zur Zeit ist, und ich bin erschrocken. Mein letzter Besuch dort liegt schon einige Jahre zurück, damals konnte man noch um 120 euro einen vernünftigen Platz finden, damit scheint es vorbei zu sein. Gut verkauft ist jedoch allemal.....

Als Diskutant bin ich zwar neu hier, aber eigentlich sprengt das, was ich sagen will, den Tosca- Faden bei weitem. Über die gute alte Wallmann- Sache wurde schon genug gesagt, möge sie uns und unseren Enkeln noch lange erhalten bleiben, so können wir ihnen zeigen, wie es "auch" gehen kann. Ob wohl jemand den richtigen Einstieg in ein neues Thema findet, welches der Sache ganz allgemein gewidmet sein könnte? Ein wenig so wie in der Politik: Die Bilderstürmer lassen etwas Dampf ab, und die Konservativen erweitern ihren Horizont? An mir soll's nicht liegen...…….

walter

21. Februar 2019
22:07
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toni
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Danke Alcindo, war natürlich ein B.

Gruß Toni

21. Februar 2019
20:55
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alcindo
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ad toni: ich denke, was Cappucilli im Attila einlegte war ein B und nicht ein D, sonst sprechen Sie vielen aus der seele

mit gruss alcindo

21. Februar 2019
20:06
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toni
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Hallo Walter,

ihrem Statement kann ich voll inhaltlich zustimmen.

Erinnere mich an die Luisa Miller Premiere wo Franco Bonisolli ein phänomenales hohes C gesungen hat das in der Partitur nicht vorgesehen ist und in der anschliessenden Cabaletta ein D, ja wenn man`s kann.

Cappucilli hat in der Atila Premiere die Cabaletta mit einem D abgeschlossen und wiederholt.

Ich bin überhaupt der Meinung dass es im Mutterland der Oper, in Italien, primär immer zuerst um die Stimme gegangen ist. Ein schönes Bühnenbild hat erfreut, gut gespielt sollte auch werden, aber das wichtigste ist wie es Cappucilli ausdrückte - Voce, Voce Voce!

Ich glaube dass Oper, so wie man seit Jahren in Deutschland meint intelektuell aufbereiten zu müssen der falsche Zugang ist. Die Oper ist meiner Meinung nach vorwiegend eine Kunstform die auf die Gefühle abzielt, das innerste des Menschen berühren soll.

Leider glauben viele der heutigen, von einigen Leuten hochgelobten Regisseure anscheinend nicht an die Kraft der Musik, da genügt es nicht mehr die Geschichte in einem passenden Rahmen zu erzählen, nein, es muß über die Handlung noch eine weitere konstruierte Handlung drübergestülpt werden. So wird halt dann aus dem Max im Freischütz halt ein Komponist, etc.

Oper ist halt nun einmal nicht logisch. Jemand wird erstochen und singt dann kurz vor seinem oder ihrem Tod noch die schönsten Melodien???  Aber die Musik geht zu Herzen. Der szenische Ablauf sollte kein Ärgernis sein und nicht stören.

Wenn ich von Zeit zu Zeit meine alten Zeitungskritiken hervorkrame dann stelle ich fest dass hauptsächlich darüber berichtet wurde wie di Stefano gesungen hat, oder Corelli, oder die Nilsson oder Bonisolli oder Ghiaurov. Heute scheint man sich auf das Konzept des Regisseurs zu konzentrieren, der um überhaupt in der Presse bemerkt zu werden natürlich etwas völlig verrücktes auf die Bühne bringt und mit einem veritablen Skandal in aller Munde ist.

Die meisten Kritiker scheinen nicht gerade Stimmexperten zu sein.

VERKEHRTE WELT.

Vielleicht liegt es aber auch daran dass es diese  aussergewöhnlichen Stimmen heute nicht mehr in dem Maße gibt wie früher. Wenn ein Grigolo heute als Startenor bezeichnet wird so wäre er früher bestenfalls 2. Garnitur gewesen.

21. Februar 2019
18:56
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Chenier
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Ich glaube, Gurnemanz, dass die Kunstform Musik und da speziell Oper die emotionalste ist, im Gegensatz zur Literatur, die vorwiegend rational ist, oder Malerei oder Architektur, wo ein Zugang auf beiden Ebenen möglich ist. Deshalb steht für mich die Unterhaltung, der Genuss, der Hedonismus, wenn Sie so wollen, in der Oper im Vordergrund. Aber das ist meine persönliche Interpretation und ich erhebe keinen Anspruch auf Absolutismus. Wenn Sie es anders sehen, lassen wir es ohne weitere Diskussion so stehen, ich habe kein Problem damit, vielleicht ein wenig Erklärungsbedarf ihrerseits.

Aber für heute steige ich aus, weil ich jetzt weg muss (nein, heute nicht in die Oper).

21. Februar 2019
18:03
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Gurnemanz
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Ich hab Camarena laut meinen Aufzeichnungen 2011 (!) das letztemal gehört (und davor auch nur 2mal 2010), also keine Ahnung, wie er sich seitdem entwickelt hat. Ich verbinde aber etwas Positives mit seinem Namen.
Chenier, wenn Sie Zeit haben, würde mich interessieren, was Sie zu meinem Beitrag 91 sagen, vielleicht haben Sie den übersehen.

21. Februar 2019
17:27
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walter
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Sehe ich es richtig, wenn ich eine direkte Verbindung herstelle zwischen der da capo- Sitte (oder auch Unsitte) und einer Musiktheaterkultur, die bis zu 250 Jahre zurückliegt? Ist das nicht ein letzter Überrest aus einer Zeit, als das Virtuosentum dem Publikum wichtiger war als die theatralische Ernsthaftigkeit eines Stückes? Da gab es doch Sänger, die vor allem mit ihren Trillern und Kadenzen um die Welt gingen und die Leute hinrissen.....

Es gibt da auch sowohl von Seiten der Sänger als auch vom Publikum her eine gewisse sportliche Herausforderung. Gestört hat es mich eigentlich nie, und vorkommen wird es wohl immer nur Virtuosenstücken, bei einem Parsifal wär's undenkbar. Was haben die Komponisten dazu gesagt? Ich müsste nachlesen. Da fällt mir R. Strauss ein, der einem Sänger auf die Frage, ob er an einer bestimmten Stelle einen höheren Ton singen dürfe, geantwortet haben soll: "Na, wenn Sie's können!"

Erinnert sich noch jemand an den Gesichtsausdruck von Cappucilli, Kraus oder Bonisolli in Vorstellungen, wo so etwas vorkam? Die waren einfach nur stolz und nahmen die Herausforderung an. Es braucht dafür gewiss eine "circensische" Stimmung im Publikum, damit tun sich die Südländer leichter, obwohl Muti so weit ich weiß das gar nicht mag. In den 70er und 80er-Jahren erlebte ich Toscas mit Domingo, Carreras und Pavarotti, wo es im 3. Akt immer ein da capo gab. Es "menschelt" einfach, und ja, für manchen zerreißt es den Schleier des Zauberhaften, aber besser kann man doch einem Künstler nicht zu verstehen geben, dass man ihn liebt. Das Buh steht auf der anderen Seite...….

walter

21. Februar 2019
16:06
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UwePaul
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Chenier, ich wundere mich eh über die Besessenheit nach ca Capos. Wie schon geschrieben, würden mich die sehr stören, gerade auch bei der Tosca... Ich habe nur einmal eines erlebt, bin mir aber nicht mehr sicher, ob es Domingo in der Gioconda war, aber das störte es auch nicht so, wie in einer Aufführung, in der er wenige Minuten später stirbt.

21. Februar 2019
15:46
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tenorissimo
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@Chenier: Camarena singt so ziemlich das gleiche Fach wie Flórez, wobei mir persönlich Cameras Stimme mehr gefällt (da voller als Flórez). Flórez sehe ich mehr bei Rossini zu Hause, Camarena bei Donzetti. Wobei man noch anmerken muss dass Camarena zum Unterschied zu Flórez auch noch die extrem hohe Lage drauf hat (also D, Es) und die Cs beim Tonio sind auch sensationell. Florez hat ein sehr sicheres C, darüber wird es eng (beim ersten Duca hat er das D gesungen, mittlerweile macht er es nicht mehr), ob er den Tonio noch singt?!

Ich empfehle allen sich die beiden Lucia anzuhören und selbst zu urteilen (Flórez letzte Woche in Wien, Camarena vor ca. Einem Jahr in Madrid).

21. Februar 2019
15:27
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Chenier
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28. Februar 2018
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Er ist stimmlich ein wenig gewöhnungsbedürftig, UwePaul, deshalb wundert mich das da capo.

21. Februar 2019
14:23
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UwePaul
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28. Februar 2018
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Chenier, ich auch nicht, habe ihn im Mai letzten Jahres in der Maria Stuarda neben Damrau und Kurocova gehört, war gut, anfangs sehr laut, dann ging es, aber nen bleibenden Eindruck hat er bei mir auch nicht hinterlassen

21. Februar 2019
14:16
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Chenier
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28. Februar 2018
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Weiß man, wie sich der Camarena an der Met insgesamt aus der Affäre gezogen hat, HansLick2? Ich habe ihn 2 mal live gehört und war nicht wirklich begeistert, in letzter Zeit dürfte er ganz gut unterwegs sein.

21. Februar 2019
14:03
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HansLick2
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@ 90 wiederholungen gibt es aber rundum genug!

verweise auf die chorszenen im nabucco und i lombardi. in italien sehr beliebte wiederholungen.

die tonio arie in der " fille" nicht vergessen, florez in wien, letzte woche camarena an der met.

anna pirozzo wiederholte vor zwei wochen die "pace" arie in forza vorstellungen - piacenza.

ich finde wiederholungen, lästig auch wegen dem bemühten beifall davor.

21. Februar 2019
13:56
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Chenier
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28. Februar 2018
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Unterhaltung auf höherem Niveau, da haben Sie schon recht, dalmont, obwohl ich auch die leichte Musik zum Teil schätze. Ich mag auch die Unterscheidung der Termini  "ernste" und "Unterhaltungsmusik" nicht, denn das würde ja bedeuten, dass nur das eine Genre unterhält und das andere nur ernst ist (und nicht unterhält). Der Unterschied liegt überall zwischen guter und schlechter Musik, ganz gleich, auf welchem Niveau.

Da haben Sie nicht ganz unrecht, Stemme ist bei Wagner überragend, in der Italianata weniger, sie ist aber trotzdem auch in diesem Fach eine große Könnerin und ich bin sehr gespannt auf ihre Tosca.

21. Februar 2019
13:49
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Gurnemanz
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Chenier sagt
Oper, dalmont, soll primär Unterhaltung und nicht nur musikalische oder szenische Herausforderung bieten und aus dieser Perspektive ist "da capo" bzw. "bis" durchaus zulässig, auch als Widerspruch zum Inhalt.

Ich habe ja schon mehrmals betont, dass es unterschiedliche Zugänge gibt und alle legitim sind. Aber mich würde interessieren, wie Sie auf die Idee kommen, dass Oper primär Unterhaltung und nicht nur Herausforderung bieten soll. Ich sehe das nämlich ganz anders, ich will von Kunst und vor allem von Musik herausgefordert, zum Denken angeregt werden. Ich will mich jetzt nicht obergscheit darstellen, aber auch in einer Maßstäbe setzenden literaturtheoretischen Schrift aus der Antike (Poetik des Aristoteles) wird gesagt, dass Theater eine "innere Reinigung" hervorrufen soll. Und damit kann ich mich identifizieren, auch wenn das natürlich etwas gespreizt klingt. Ich sehe (Musik-)Theater nicht als Gelegenheit zum Entspannen, sondern als Angebot zur Auseinandersetzung mit hochwertiger Kunst und der Interpretation des Schaffens von Künstlern (Komponisten, Sänger, Instrumentalisten, Dirigenten, Regisseure, ...).

Und, walter, ich denke, dass das Live-Erlebnis an Ort und Stelle durch eine Übertragung nicht zu ersetzen ist und eine fundierte Beurteilung durch eine Menge Einschränkungen getrübt wird.

Da pflichte ich Ihnen allerdings komplett bei! Live geht immer vor, in jedem Fall.

21. Februar 2019
12:44
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dalmont
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Ad 86)

Chenier, wenn man das Wort Unterhaltung verwenden will, dann als „Unterhaltung des Geistes“, wie sie jedes große Kunstwerk, das Themen von Welt und Leben aufgreift anbietet.

Ich kenne keinen großen Komponisten, der sich für Unterhaltung im gegenwärtigen Sinn (für die A. Gabalier die beste Chiffre ist) interessiert hat.

Es haben sich doch die meisten (oft sehr) „gequält“, um den richtigen musikalisch- dramatischen Ausdruck für das was sie sagen wollten, zu finden und häufig gegen die Obrigkeiten durchzusetzen.

Für bloße Unterhaltung wäre es ja nicht zu rechtfertigen dass die Steuerzahlenden einen dreistelligen Eurobetrag pro Karte zuschießen. Gute Programmbücher liefern für diese Entstehungsproblematiken meist viel Informationen. Die STOP produziert sie nur selten, da findet man eher Opernfreundegetratsche.

Ich bleibe dabei: Nimmt man das, was die Komponisten mit ihren Werken sagen wollten, ernst, gibt es keine Rechtfertigung für ein bis.

Ich kenne allerdings ohnedies nur „Una furtiva lacrima“ und „E lucevan le stelle“, die wiederholt wurden. Bei der Romerzählung ist mir das noch nie passiert.

21. Februar 2019
11:50
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Christine
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3. Oktober 2018
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Ja, möglich ist alles, für mich ist es trotzdem schwer nachvollziehbar. Ich möchte nochmals auf den Unterschied zwischen live und Laptop verweisen. Bei der von mir besuchten Aufführung hatte ich jedenfalls nicht den Eindruck, dass das Publikum - zumindest der ganz überwiegende Teil davon - emotional berührt war. Es hat ja sogar Gurnemanz gefallen obwohl es keine slawisch Oper war und er sonst sehr kritisch ist. Und anderen eher kritisch eingestellten Rezensenten. Bei den Aufführungen im Jänner war ich nicht, vielleicht wurde ganz besonders gut gespielt? Aber zu einem guten Operabend gehören doch auch gute Sänger? Wie hat denn das Publikum reagiert im Jänner? Jubel für den Dirigenten und matter Applaus für die Sänger?

21. Februar 2019
11:05
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Asinus
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Forumsbeiträge: 10
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13. Februar 2019
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@Christine; Ich denke nicht, dass mein Eindruck einen Widerspruch enthält. Das Orchester schafft ja gewissermaßen das emotionale Substrat des Geschehens auf der Bühne und wenn da insgesamt keine Spannung drinnen ist, werden auch die besten (jeweils ja nur punktuell zum Einsatz kommenden) Sänger keinen oder nur einen eingeschränkten emotionalen Bezug des Hörers zum Geschehen herstellen können, andersherum ist ein gutes Dirigat geeignet, den Hörer solcherart emotional zu involvieren, dass auch eher unerfreuliche Sänger dem keinen Abbruch zu tun vermögen.

Es handelt sich natürlich nur um subjektive Eindrücke zweier zeitlich recht nahe beieinander liegender Aufführungen und solche in befriedigender Weise zu analysieren ist natürlich immer schwierig. Da Walter jedoch von ähnlichem Eindruck beseelt wurde, ist es nicht so abwegig, dass es dafür sachliche Gründe gibt und es nicht ausschließlich an unserer jeweiligen Tagesverfassung als Rezipienten lag.

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