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Staatsoper
13. April 2020
20:48
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Gianni Roccanova
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Forumsbeiträge: 41
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8. April 2020
sp_UserOfflineSmall Offline

Miguel sagt
 

Ich kann da völlig zustimmen. Wie mit Maazel umgegangen wurde, war auch eine Sauerei sondergleichen. Aber eigentlich sieht es aus wie das Muster, nach dem später exakt so bei Drese/Abbado vorgegangen wurde. Und die selbe Mentalität, Verlogenheit, Hinterhältigkeit, Provinzialität. Zuerst jemandem ins Gesicht grinsen, dabei aber schon die Messer wetzen, um im geeigneten Moment zuzustechen. Um dann dumm dazustehen und nicht weiterzuwissen, weil Maazel - später Abbado - nicht so weitermachte wie angenommen.

Noch eine  Parallele. Als Maazel sein "Block-System" präsentierte, war die Reaktion teilweise atemberaubend präpotent und dumm. Da wurde entweder hämisch gelacht oder empört aufgejault. Diese übliche, speziell Wiener Mischung aus "Des wird nie was werden!" und "Des hat no kaner gschafft" über "Wos brauch ma des?" bis hin zum "Der wird no deppert schau'n" und "Dem werma die Wadln viererichten". Nur wenige Jahre später war auch genau dieses System an der Staatsoper Standard und ist es bis heute. Nicht nur weil es künstlerisch sinnvoll ist, sondern auch weil es schlicht kostengünstiger ist. So hat sich rasch herausgestellt, wer in Wahrheit die "Depperten" waren - jedenfalls nicht Maazel, sondern ein paar sich selbst und ihre Fähigkeiten und Kenntnisse überschätzende Herrschaften in Wien. Ähnlich verlieft es bei Dreses Vorschlag zur finanziellen Selbständigkeit der Staatsoper und einem Abkoppeln von den Bundestheatern.

Lustig ist, dass genau diese aggressiv-dumpf-hinterhältig-innovationsresistente Mentalität, die zuerst Maazel und später Drese/Abbado zum Verhängnis wurde, bis heute speziell in Wien und der Wiener Politik anzutreffen ist, allerdings zum Glück weniger dominant und in der Kulturpolitik am allerwenigsten.

13. April 2020
8:51
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Miguel
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18. Februar 2020
sp_UserOfflineSmall Offline

ad Gianni 22: Danke für die deutlichen Klarstellungen, wie man mit der künstlerisch sehr erfolgreichen Direktion Drese/Abbado umgegangen ist. (Erst unlängst teilte mir eine leidenschaftliche Opernbesucherin mit, dass sie nach der Saison 1990/91 länger nicht in die Oper ging, dagegen immer wieder nach Berlin in die Philharmonie pilgerte, um Abbado dort zu erleben)

Ergänzen möchte ich, dass bereits der Vorgänger von Drese und Abbado, Lorin Maazel, großen Anfeindungen ausgesetzt war und das Handtuch warf. Einen Ausnahmedirigenten wie Maazel zu vertreiben, der die Staatsoper organisatorisch und künstlerisch weiterentwickeln wollte, war bereits ein großer Verlust. Dessen warnende Worte an den bereits designierten Drese: 

"Hüten Sie sich vor den Politikern, vor der Presse. Vertrauen Sie niemanden. Die Stadt ist tödlich. Nach wie vor grassiert der Antisemitismus(...)Man muss die Zähne zeigen, nur mit dem Rechtsanwalt kann man mit diesen Leuten verkehren. Sie wollen nicht einsehen, daß nur das Blocksystem Qualität garantiert: gleiche Besetzungen, ausreichende Proben. Das Repertoire ist total veraltet. Ich habe nichts als Schlamperei vorgefunden. Jetzt gibt es vier Fernschreiber, wir sind mit der Welt verbunden, um die besten Sänger nach Wien zu holen. Aber sie wollen immer nur die gleichen Namen. Auf dem Stehplatz herrschen Claquen, sie werfen Flugblätter, buhen die Sänger aus, die ihnen kein Geld geben. Die Presse ist bösartig, es geht ihr nur um Skandale, kein intellektuelles Niveau. Sie haben mir übel genommen, dass ich in der Scala oder in Paris dirigiere. Dabei weiß ich immer genau, was hier vorgeht, telephoniere stundenlang. Was ich mache, ist falsch. Lesen Sie in Wien keine Zeitungen, und lassen Sie sich nicht mit Politikern ein. Der Unterrichtsminister ist der schlimmste..." (Quelle: Claus Helmut Drese. Im Palast der Gefühle. München 1993)

Drese hat es trotzdem versucht und für das Haus viele wichtige Schritte (siehe Giannis Thread 22) in die richtige Richtung gesetzt. Erst bei seinem Ableben 2011 schrieb Sinkovicz (Die Presse), der zu den größten Hetzern gegen das Direktionsduo gehörte, anerkennende Worte. Wenn das nicht ein trauriges Handeln ist! Leider nicht untypisch! 

11. April 2020
16:07
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Gianni Roccanova
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Forumsbeiträge: 41
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8. April 2020
sp_UserOfflineSmall Offline

Das war damals ein unfassbare Frechheit. Unvergesslich die dabei beteiligte Ministerin Hilde Hawlicek von der SPÖ, die aber ohnehin nur ausführte, was andere wollten. Kurz nach dem einhellig umjubelten Premieren-Sensationserfolg von "Pelléas et Mélisande".

Damals war man sich wirklich nicht zu blöd für die seichtesten Behauptungen. Etwa wurde von Drese und Abbado überfallsartig verlangt, sie sollten sparen und nicht mehr Geld verschwenden. Geholt waren sie aber vom Minister Helmut Zilk worden unter dem Prätext, das Beste zu bieten. Aber was gestern noch richtig war, stimmte heute schon nicht mehr, durfte auch nicht stimmen, weil die Nachfolger schon feststanden.

Dass man dann noch ernsthaft annahm, Abbado würde sich das einfach so gefallen lassen und weiter machen, also mit Leuten, die ganz andere Ideen und Einstellungen besaßen, war an Lächerlichkeit nicht zu überbieten. Aber das kommt vor, wenn lokale Intriganten unbedingt mitmischen und sich wichtig machen wollen. Letztlich war das der Anfang von Abbados Abschied von Wien, irgendwann hat er auch nicht mehr die Philharmoniker dirigiert. Versuche, ihn zu holen, scheiterten, Abbado wollte nicht mehr, die Enttäuschung war zu groß. Seine Erbe blieb "Wien Modern", das hat Wien ihm zu verdanken.

Schade eigentlich, dass Drese und Abbado nicht einfach alles hinwarfen. Aber sie waren, im Unterschied zu anderen, Leute mit Anstand und Würde, und so folgten noch einige wunderbare, in der Qualität nie mehr erreichte Aufführungen und Inszenierungen.

Übrigens hatte Drese damals schon eine wirtschaftliche Eigenständigkeit der Staatsoper vorgeschlagen. Er wurde dafür ausgelacht, man fand das lächerlich. Wenige Jahre später kam dies unter Holender und wurde als großer Fortschritt gefeiert ...

Tragische Ironie war, dass der Nachfolger Waechter niemals eine eigene echte Staatsopern-Premiere als Direktor erleben sollte. Und sein Anliegen, alle Opern wieder auf Deutsch anzukündigen und zu plakatieren, also "Die Macht des Schicksals" statt "La forza del destino" und "Die Hochzeit des Figaro" statt "Le nozze di Figaro", wurde rasch vergessen. Und auch anderes kam letztlich ganz anders, das versprochene "Ensemble" war natürlich nicht mehr realisierbar, auch wenn sich manche Nostalgiker damals eine Reise zurück in die Zeit vor Karajan wünschten, sondern es kam, von gewissen Haussängern abgesehen, einfach zu kostengünstigeren, längeren Anwesenheiten mit "Residenzverträgen" etc. Diesbezüglich hat Holender geschickt agiert.

Lustige Ironie: Drese plante den "Ring" unter der Regie von Jürgen Flimm machen, als Bühnenbildner war Rolf Glittenberg vorgesehen. Diese kamen nicht zum Zuge, sondern Adolf Dresen und Herbert Kapplmüller, diese Produktion wurde schließlich von einer Neuinszenierung abgelöst, und da war der Bühnenbildner bekanntlich Rolf Glittenberg ... Die von Flimm und Drese erarbeitete, sehr schöne Inszenierung von Schrekers "Der ferne Klang" (Juni 1991) verschwand nach der Premierenserie und wurde nie mehr wieder aufgenommen, auch ziemlich unglaublich, vor allem wenn es doch geheißen hatte, nun solle gespart und kein Geld verschwendet werden. Ja, so konnten Wien und österreichische Kulturpolitik damals sein, nämlich extrem unangenehm und eine Schande.

11. April 2020
14:46
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Miguel
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18. Februar 2020
sp_UserOfflineSmall Offline

ad tristan62: Ja, natürlich. Eine Spielzeit ist natürlich falsch. Ich meinte natürlich eine 5-Spielzeiten-Periode. Diverse Projekte wie ein neuer Ring konnten dann ja nicht mehr verwirklicht werden. 

11. April 2020
14:20
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tristan62
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9. Februar 2020
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Lieber Miguel, ich fürchte, Sie bringen da etrwas durcheinander. Die Direktionszeit des Teams Drese/Abbado dauerte vom 1.9.1986 bis 31.8.1991. Drese hätte dann gerne verlängert, aber die damals zuständige Ministerin Hilde Havlicek hat das - und hier haben Sie durchaus recht - auf Grund von Internventionen einflußreicher Leute der sogenannten Wiener Gesellschaft, die Eberhard Wächter seinen Lebenstraum, nämlich Staatsoperndirektor zu werden, erfüllen wollte, abgelehnt. Man wollte dann wenigsten Abbado halten, der aber nach der Saison 1991/92 ebenfalls weggegangen ist.

11. April 2020
11:47
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Miguel
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18. Februar 2020
sp_UserOfflineSmall Offline

ad Gianni/13: ihre Frage zu Drese/Abbado

Dieses Team hatte ja nur eine Spielzeit. Auf der Staatsopernhomepage finden sich einige DVDs aus dieser Zeit: Khovanshina, Wozzeck, Elektra, Lohengrin. Die ersten Aufnahmen genießen ja durchwegs hohes internationales Ansehen. Andere Aufführungen wie Harnoncourts "Idoemeno" oder Abbados "Il viaggio a Reims" wurden schon genannt. Verdis Boccanegra unter Abbado ist sowieso Referenz.

Gianni, es stimmt, dass gegen diese beiden Künstler gehetzt wurde. Um Hilde Spiel zu zitieren: "Zwei höchst wienerische Charakterzüge: eine instinktive Abneigung gegen den Intellektuellen und eine vorsätzliche Boshaftigkeit, die oft ohne Ziel und Zweck, nur um ihrer selbst willen geübt wird". Leider fehlte es Drese und Abbado an der gewissen "ruse", wie die Franzosen sagen, um sich dieser Situation zu entziehen. Drese wollte sich nicht arrangieren, Abbado kümmerte sich erst gar nicht erst darum. Die hemdsärmlige-joviale Art des gut vernetzten Waechter kam einflussreichen Leuten (in Politik und Presse) gelegen. Da war man auch von verschiedenen Seiten bereit, Abstriche bei Innovationen zu machen, um die sich Drese/Abbado verdient gemacht hatten. Die Idee von der großen Kunst um wenig Geld schlummert in vielen Technokraten. Die letzten Bundeskanzler bzw. Vizekanzler, die ich in der Oper oder im Konzert sah, waren Schüssel und Gusenbauer.

Ich, persönlich, sah/sehe immer den Dirigenten als großen Mittler des Geschehens. Abbado, dessen Charakter von Drese auch durchaus kritisch gesehen wurde, war ein Besessener für die Kunst und wollte schon bei den Bauproben dabei sein. Entscheidend war natürlich seine Künstlerpersönlichkeit. Die Qualität hat man ja erst nachher erkannt. In den Folgedirektionen wurde gerade die Dirigentenfrage immer augenscheinlicher. Ja, natürlich es kamen noch öfter Leute wie Muti, aber der Unterschied war einfach manifest.

10. April 2020
14:40
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Lohengrin2
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28. Februar 2018
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Was hat Culturall mit dem kostenlosen Streamprogramm zu tun?

10. April 2020
13:42
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Chenier
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28. Februar 2018
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Ich hatte eigentlich bisher keine gröberen Probleme, schaue aber vor allem Met, wo alles perfekt funktioniert.

Wien war eigentlich auch bestens, Probleme gibt es mit Frankreich wegen rechtlicher Einschränkung, mit Spanien aus technischen Gründen und auch vereinzelt mit it. Häusern, wobei das Teatro Regio sehr gut funktioniert, aber eben überschaubare Sängerqualität bietet.

 

Jetzt gibt es auch die Szbg. Osterfestspiele gestreamt:

https://www.osterfestspiele-salzburg.at/videos.html

10. April 2020
13:33
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Amfortas
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25. Oktober 2019
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Erfreulicherweise ist derzeit ja das Streaming von Staatsopernvorstellung durch Culturall kostenfrei möglich. Leider häufen sich in der letzten Zeit Fehlfunktionen. Die zuletzt ausgestrahlten Vorstellungen "Elektra" und "Das schlaue Füchslein" entfielen ganz. Der "Parsifal" gestern fing zwei Stunden früher an als angekündigt. Liegt das an meinem Fernsehanbieter (A1) oder an Culturall?

9. April 2020
18:04
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Gianni Roccanova
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8. April 2020
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Lohengrin2 sagt
Und die Inszenierung von Grüber war so erfolgreich, dass sie an mehreren Opernhäusern gezeigt wurde. Sehr eindrucksvolles Bühnenbild von Anselm Kiefer

Ich meine, die spielt Neapel noch.  

Genau. Da gibt es auch auf youtube ein Video, wo Jonaus Kaufmann aus der Premiere kommt und sich auf Italienisch äußert.

9. April 2020
7:47
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Lohengrin2
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28. Februar 2018
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Und die Inszenierung von Grüber war so erfolgreich, dass sie an mehreren Opernhäusern gezeigt wurde. Sehr eindrucksvolles Bühnenbild von Anselm Kiefer

Ich meine, die spielt Neapel noch.

9. April 2020
4:47
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Gianni Roccanova
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Forumsbeiträge: 41
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8. April 2020
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Gurnemanz sagt Danke für Ihren ausführlichen Beitrag. Was von den kulturellen Plänen wirklich realisiert wird und was nicht, wird die Zukunft weisen - ich hoffe natürlich drauf, dass die interessanten geplanten Produktionen (z.B: Henzes Verratenes Meer) trotzdem kommen, wenngleich zB - ich hoffe, ich irre mich nicht, bin zu faul zum Kontrollieren - in Dresden Wilhelm Tell gestrichen wurde und statt dessen Madama Butterfly gespielt wird --> sowas braucht niemand.

Was die Elektra betrifft, finde ich die Kupfer-Produktion wunderbar, aber man müsste sie halt mal neueinstudieren, denn was zuletzt (2011-12) auf der Bühne zu sehen war, war ziemlich weit weg von der Kupfer-Inszenierung. Die Chérau-Produktion habe ich letztes Jahr in Berlin (Lindenoper) gesehen und war begeistert, Ronconi+Grüber kenne ich nicht.

Abbado gefällt mir am Elektra-Premiere (und auch sonst) ganz ausgezeichnet, da ist im Publikum sicherlich nicht alles mit rechten Dingen zugegangen.

Generell stimme ich Ihnen zu: lieber unnötige Neuinszenierungen vermeiden, wenn man die Stücke ohnehin im Repertoire hat, und dafür lieber das Repertoire ausbauen.  

Damals wurde gegen Abbado (und gegen den Direktor Drese) gehetzt (ich muss das so ausdrücken, da ging es nicht mehr um legitime Kritik). Interessant wäre es, wie sich andere an diese Situation erinnern. Eher kein Ruhmesblatt für die Wiener Musikkultur.

"Elektra" in der Regie von Ronconi und dem Dirigat von Sinopoli für die Mailänder Scala gab es früher auf youtube, offenbar nun nicht mehr. Ich fand die sehr distanzierte, stellenweise rätselhafte Inszenierung (die vielleicht ein bisschem mehr mit dem Text Hofmannsthals zu tun hatte als mit der Musik) extrem faszinierend, stark abweichend von der üblichen Ekstase. Und die Inszenierung von Grüber war so erfolgreich, dass sie an mehreren Opernhäusern gezeigt wurde. Sehr eindrucksvolles Bühnenbild von Anselm Kiefer, das ich nicht vergessen kann.

Zur Kupfer-Produktion: Die basierte sehr auf intensiver schauspielerisch-darstellerischer Gestaltung. Wenn das ausfällt, wird es schwierig.

Zur Spielplan-Gestaltung: Übel wäre es, wenn jetzt (noch) vorhandenes Geld verpulvert wird, dafür aber in ein, zwei, drei Jahren extrem geknausert werden muss. Allerdings erwarte ich, dass sehr arrivierte und abgesicherte Künstler ihren Beitrag zur Krisenbewältigung leisten. Nur bei den Jungen zu sparen, geht wirklich nicht. Für Diva-Verhalten habe ich momentan kein Verständnis.

8. April 2020
22:41
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alcindo
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27. Februar 2018
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ich würde im vergleich zu Nilsson sagen  sie wackelt die richtigen töne. auch war die Nilsson im gegensatz dazu meist sehr textdeutlich.  über Nilsson sollten Sie kein urteil abgeben, weil Sie noch nicht auf der Welt waren als die Nilsson überall triumphe feierte, sie also nie live gesehen haben. und die Nilsson hatte absolut  keine mikrofonstimme

8. April 2020
22:20
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Gurnemanz
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29. September 2018
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alcindo sagt
vergleichen Sie einmal Stemme oder Behrends mit Nilsson.....  

Nina Stemme singt meines Wissens immer die richtigen Töne, was ich von Birgit Nilsson nicht behaupten kann.

 

Gianni Roccanova sagt

Es wird überhaupt interessant zu sein zu beobachten, welche Konsequenzen die aktuelle Situation auf die nähere und fernere Planung der Staatsoper haben wird. Womöglich wird manches, das bis vor kurzem noch als blendende Idee oder spannender Plan galt, in neuem, weniger positivem Licht gesehen werden. Etwa der Austausch gewisser Inszenierungen durch andere, die aber leider auch nicht neu sind, was jedoch dennoch Geld und Ressourcen in Anspruch nimmt. Wenn dieses Geld dann später bei echten, originären Wiener Neuproduktionen fehlen sollte, werden gewiss Unverständnis und Unmut zu vermelden sein.

Das gilt klarerweise nicht nur für und Wien. So hat der Münchner Noch-Intendant ausgerechnet für seine letzte Saison eine neue "Rosenkavalier"-Produktion angekündigt. Angesichts der Tatsache, dass die bisherige nicht nur tadellos funktioniert(e), sondern zudem international einen berechtigt guten Ruf hatte und in ihrer Art heute einzigartig ist (eine quasi historisch penible, aber zugleich intelligent-ironische, mit Lokalbezug aufwartende Inszenierung mit einer unvergleichlichen, heute so praktisch nicht mehr realisierbaren Ausstattung von Jürgen Rose), halte ich das für zumindest mutig. Vor allem aber für Geldverschwendung.

Noch einmal zurück zu Wien: Ich fand Kupfers "Elektra"-Inszenierung - die ja zurückgeholt werden soll - ganz okay, aber vom Hocker hat sie mich wirklich nicht gerissen. Auch von Kupfer selbst ist mir viel Besseres in Erinnerung, auch sein später "Rosenkavalier" war sehr gelungen. Da gab es "Elektra"-Inszenierungen von Ronconi, Grüber oder Chéreau, die ich jederzeit vorziehen und nach Wien einkaufen würde. Das Interessanteste an Kupfers "Elektra" war damals das Dirigat Abbados, das teilweise heftig abgelehnt und mit Buhrufen bedacht wurde. Absolut unangemessen, aber eine typisch Wiener Polemik von ein paar Leuten, die es Abbado einfach nicht gestatten wollten, dieses Stück in Wien zu dirigieren (in Salzburg war das Echo nicht so aggressiv).  

Danke für Ihren ausführlichen Beitrag. Was von den kulturellen Plänen wirklich realisiert wird und was nicht, wird die Zukunft weisen - ich hoffe natürlich drauf, dass die interessanten geplanten Produktionen (z.B: Henzes Verratenes Meer) trotzdem kommen, wenngleich zB - ich hoffe, ich irre mich nicht, bin zu faul zum Kontrollieren - in Dresden Wilhelm Tell gestrichen wurde und statt dessen Madama Butterfly gespielt wird --> sowas braucht niemand.

Was die Elektra betrifft, finde ich die Kupfer-Produktion wunderbar, aber man müsste sie halt mal neueinstudieren, denn was zuletzt (2011-12) auf der Bühne zu sehen war, war ziemlich weit weg von der Kupfer-Inszenierung. Die Chérau-Produktion habe ich letztes Jahr in Berlin (Lindenoper) gesehen und war begeistert, Ronconi+Grüber kenne ich nicht.

Abbado gefällt mir am Elektra-Premiere (und auch sonst) ganz ausgezeichnet, da ist im Publikum sicherlich nicht alles mit rechten Dingen zugegangen.

Generell stimme ich Ihnen zu: lieber unnötige Neuinszenierungen vermeiden, wenn man die Stücke ohnehin im Repertoire hat, und dafür lieber das Repertoire ausbauen.

8. April 2020
19:33
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Gianni Roccanova
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Forumsbeiträge: 41
Mitglied seit:
8. April 2020
sp_UserOfflineSmall Offline

Gurnemanz sagt
Ist ja eh wurscht.

Wenn wir Glück haben, sperren wir im Sept. wieder auf.  

Es wird überhaupt interessant zu sein zu beobachten, welche Konsequenzen die aktuelle Situation auf die nähere und fernere Planung der Staatsoper haben wird. Womöglich wird manches, das bis vor kurzem noch als blendende Idee oder spannender Plan galt, in neuem, weniger positivem Licht gesehen werden. Etwa der Austausch gewisser Inszenierungen durch andere, die aber leider auch nicht neu sind, was jedoch dennoch Geld und Ressourcen in Anspruch nimmt. Wenn dieses Geld dann später bei echten, originären Wiener Neuproduktionen fehlen sollte, werden gewiss Unverständnis und Unmut zu vermelden sein.

Das gilt klarerweise nicht nur für und Wien. So hat der Münchner Noch-Intendant ausgerechnet für seine letzte Saison eine neue "Rosenkavalier"-Produktion angekündigt. Angesichts der Tatsache, dass die bisherige nicht nur tadellos funktioniert(e), sondern zudem international einen berechtigt guten Ruf hatte und in ihrer Art heute einzigartig ist (eine quasi historisch penible, aber zugleich intelligent-ironische, mit Lokalbezug aufwartende Inszenierung mit einer unvergleichlichen, heute so praktisch nicht mehr realisierbaren Ausstattung von Jürgen Rose), halte ich das für zumindest mutig. Vor allem aber für Geldverschwendung.

Noch einmal zurück zu Wien: Ich fand Kupfers "Elektra"-Inszenierung - die ja zurückgeholt werden soll - ganz okay, aber vom Hocker hat sie mich wirklich nicht gerissen. Auch von Kupfer selbst ist mir viel Besseres in Erinnerung, auch sein später "Rosenkavalier" war sehr gelungen. Da gab es "Elektra"-Inszenierungen von Ronconi, Grüber oder Chéreau, die ich jederzeit vorziehen und nach Wien einkaufen würde. Das Interessanteste an Kupfers "Elektra" war damals das Dirigat Abbados, das teilweise heftig abgelehnt und mit Buhrufen bedacht wurde. Absolut unangemessen, aber eine typisch Wiener Polemik von ein paar Leuten, die es Abbado einfach nicht gestatten wollten, dieses Stück in Wien zu dirigieren (in Salzburg war das Echo nicht so aggressiv).

8. April 2020
1:54
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alcindo
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27. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

das schnippische sollten Sie sich aufheben, bei Ihnen könnte man oft etwas bemerken, was Ihnen nicht lieb wäre. auch sollten Sie genauer lesen, ich habe in keiner weise behauptet, dass irgendetwas besser oder schlechter gewesen sei, sondern habe nur ein faktum hingestellt und mich dabei  geirrt, auch Ingrid Bjoner sang beide rollen, auch zu Leonies zeiten, ich habe sie aber nur als Chrysothemis in erinnerung. und falls es Sie interessiert, Elektra's mit Nilsson, Rysanek und Resnik waren unvergleichlich und nur Gott weiss, wann so etwas wieder passieren wird. auch Schroeder-Feinen, Rysanek, Ludwig war eine traumbesetzung. vergleichen Sie einmal Stemme oder Behrends mit Nilsson.....

8. April 2020
1:34
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Gwyneth Jones hab ich übrigens dreimal live gehört (oder besser: "erlitten", weil sie 2012 nicht mehr singen konnte). Es ist interessant, von Ihnen Informationen über die frühere Opernzeit zu erfahren, aber manchmal fühl ich mich durch Ihre Formulierungen ziemlich von oben herab behandelt bzw. weiß ich nicht, was Sie sagen möchten, wenn Sie bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit erzählen, um wieviel besser früher alles war; daher das schnippische "Wir leben im Jahre 2020." vorhin.

8. April 2020
1:26
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alcindo
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Forumsbeiträge: 462
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27. Februar 2018
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danke für den hinweis, Sie können mich aber wissen lassen, wer das in den letzten jahren geschafft hat, ich erinnere mich nur an Gw Jones,  auch zu Leonies zeiten,  die hat das auch gekonnt, aber die beiden haben Sie ja live nicht erlebt

8. April 2020
1:10
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 756
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29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Wir leben im Jahre 2020.

8. April 2020
0:34
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alcindo
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27. Februar 2018
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fast niemand der Chrysothemis gesungen hat kommt mit der Elektra zurecht, Leonie hat es geschafft aber im studio.....

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