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Salome an der Wiener Staatsoper
2. Oktober 2019
0:48
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Di., 1. Oktober 2019: WIEN (Staatsoper): Richard Strauss, Salome

Heute war ich in der Salome. Richard Strauss hat darin gezeigt, dass er wirklich supergut komponieren und instrumentieren konnte. Schade, dass er’s danach so selten getan hat (hin und wieder hat auch ein Mahler unrecht!) und nach der Elektra (subjektiv) nur mehr großteils Langeweile produzierte. Die heutige Aufführung war halbwegs in Ordnung, litt aber nicht nur unter lästigen Stehplatzbesuchern hinter, schräg hinter mir und neben mir, sondern auch unter einer mangelhaften Titelrollensängerin.

Die Titelrolle ist zwar die Salome, aber die Hauptrolle ist unbestreitbar der Herodes, und in dieser Partie konnte man Jörg Schneider kennenlernen, der vor einem knappen halben Jahr noch ein ausgezeichneter Narraboth war und sich jetzt zu einem zwar nicht ausgezeichneten, aber sehr guten Herodes entwickelt hat. Einziger Kritikpunkt ist, dass er recht leise unterwegs war und an ein paar wenigen Stellen (zum Beispiel bei „mit einem Feuer, kalt wie Eis“) zu wenig Kraft hatte, was aber fast gar nichts ausmachte, da er immer (sehr wortdeutlich!) zu hören war. Er hat sich von einem lyrischen Tenor (!) zu einem sehr guten Herodes entwickelt (der noch ausstehende Feinschliff wird noch mit der Zeit kommen), die Stimme spricht nicht nur in der hohen, sondern auch in der tiefen Lage gut an. Es war eine verheißungsvolle Neubesetzung, ich bin auf die weitere Entwicklung des jetzt 50jährigen Sängers gespannt. Bester Sänger der Aufführung war Linda Watson als Herodias, an der wirklich alles passte: Ihre laute, keifende Stimme ist wie geschaffen für die Herodias-Schreckschraube, wobei sie es glücklicherweise nie übertrieb. Pech hatte man mit der Hausdebütantin Aušrinė Stundytė. Vergangenen Freitag hatte sie abgesagt, worauf meine Lieblingssängerin Camilla Nylund eingesprungen war, und es wäre besser gewesen, wäre das heute wieder passiert. Frau Stundytė mag für kleinere Häuser genügen, aber für die Wiener Staatsoper ist sie zu klein, sorry. Was ihr fehlt, versucht sie durch Lautstärke wettzumachen (wenn sie nicht grad VIEL zu leise singt wie bei „...es war ein bitterer Geschmack auf deinen Lippen.“), das Ergebnis ist aber unbefriedigend: Ein paar schöne Passagen, aber großteils eher unkontrollierte gekreischte Töne, und das muss nicht sein. Traurig der Jochanaan von Alan Held, der einst ein toller Sänger war, wovon aber jetzt kaum mehr etwas übrig ist. Nicht gefallen hat mir Lukhanyo Moyake, der einen kehlig-gepressten Narraboth gab (ja, der Narraboth ist schwierig, weil er stimmlich ganz deppert liegt, aber trotzdem, wir sind an der Wiener Staatsoper und nicht irgendwo); Margaret Plummer als Page ist mir gar nicht aufgefallen. Die kleinen Rollen waren gut bis so lala, aber ein echtes Desaster waren die beiden Nazarener! HILFE!! Diese wunderschöne Passage so dermaßen scheußlich zu singen wie es Alexandru Moisiuc und Hans Peter Kammerer heute getan haben, das grenzt schon an Gotteslästerung. Ziemlich medioker war Dennis Russell Davies am Pult, der der einzige Dirigent ist, den ein bestimmter Freund von mir jemals im Musikverein ausgebuht hat, und ich verstehe, warum er das getan hat: Der ganze Abend war so beiläufig dirigiert, da ein bissl schneller, dort ein bissl langsamer, ohne durchgehenden Spannungsbogen (und wenn ich daran denke, wie packend der enorm unterschätzte Michael Boder die Salome vor einem halben Jahr dirigiert hat, der Vergleich ist wie Tag und Nacht). Ärgerlich waren auch Kleinigkeiten: Zu Beginn dirigiert er Passagen („Dein Leib ist weiß wie...“) von Salomes Monolog zu langsam, worauf die Salome-Sängerin aber in passendem Tempo fortsetzt und ihm so zu verstehen gibt, dass er auf gut Wienerisch onzahn soll. Das gleiche Spiel dann im Schlussmonolog bei einer ähnlichen „Leib“-Stelle – bissl mitdenken wäre ja vom Dirigenten nicht zu viel verlangt. Insgesamt war das Staatsopernorchester besser als der Dirigent.

Ein Besucher (nicht ich) machte seinem Ärger unmittelbar gleich nach Verklingen des letzten Tones mit einem Buhruf Luft (wohl der Salome-Interpretin geltend), und das fasst’s gar nicht mal schlecht zusammen. Anmerkungen zur Inszenierung von Boreslaw Barlog und Jürgen Rose im Bericht vom 22. April 2019.

27. September 2019
16:27
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Die grandiose Camilla Nylund (keine Ironie! sie ist meine Lieblingssängerin) springt heute als Salome ein (für Ausrine Stundyte).

Na, hätte ich das gewusst, häte ich für heute keine Karte für den Britten in Linz gekauft.

Ich hoffe mal, dass sie kommende Woche, wenn ich in die Salome gehen werde, wieder einspringt. Jedenfalls werde ich dann hier wieder meine Eindrücke festhalten.

28. April 2019
23:37
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alcindo
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27. Februar 2018
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lieber Stimmfetischist: mein kommentar hat sich auf die 4 sänger im allgemeinen bezogen, nicht auf J Schneider, nur mit dem timbre eines Wunderlich oder Dermota wird er nicht gleichziehen können, und möglicherweise auch nicht mit deren karrieren. das soll aber seine leistung als Narraboth nicht abwerten, ich kenne seine stimme und halte ihn für einen sehr guten saenger, habe aber den Narraboth nicht gehoert. als Dermota und Wunderlich in Wien diese rolle sangen waren sie startenöre, und das ist J Schneider (noch) nicht

mit gruss alcindo

p.s. mein Beitrag kam total verunstaltet heraus, und ich habe ihn jetzt wiederhergesellt

28. April 2019
22:03
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Lohengrin2
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28. Februar 2018
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brigens ein kl. Vergleich zwischen Schneider und dem heute wohl best bezahlten und hoch gehandelten Tenorkollegen

 

Wusste gar nicht, dass Herr Schade der best bezahlte Tenorkollege von Herrn Schneider ist....

28. April 2019
21:52
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stimmfetischist
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Werter Alcindo!

Ich kann Ihre Verklärtheit die Vergangenheit betreffend sehr oft nachvollziehen, aber in diesem Falle nicht, denn Jörg Schneider ist für mich nicht nur ein allererster Sänger, den sich die Staatsoper im Ensemble zu haben glücklich schätzen kann, sondern hält auch Vergleichen mit großen Sängern dieses Faches der Vergangenheit locker stand. Möge man ihm vielleicht noch Wunderlich und Dermota vorziehen, aber die Qualitäten eines Kmentt oder Hopferwieser (beides von mir durchaus geschätzte und live oft gehörte Sänger) überbietet er bei weitem. Ihn in einem Atemzug mit einem Osuna und Talaba zu nennen, ist schon fast eine Beleidigung für das Können eines Jörg Schneider.

Übrigens ein kl. Vergleich zwischen Schneider und dem heute wohl best bezahlten und hoch gehandelten Tenorkollegen:

list=RD_8TMLpTZK8A&start_radio=1&t=1

Ich denke, da erübrigt sich jeder Kommentar meinerseits für alle Leute, die von Stimmen die geringste Ahnung haben.

23. April 2019
1:43
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alcindo
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27. Februar 2018
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wenn Sie im Archiv nachlesen, werden Sie finden, dass Kmentt 55mal und Dermota 28mal den Narraboth gesungen haben......kommentar eigentlich ueberfluessig

23. April 2019
1:33
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Gurnemanz
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29. September 2018
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...wobei man aber schon festhalten muss, dass Jörg Schneider locker eine Liga über Lippert, Talaba und Osuna ist 🙂

Haben Sie in der Volksoper Vincent Schirrmacher als Narraboth gehört? Hat mir damals super gefallen.
Auch Norbert Ernst war unlängst ein guter Narraboth. Aber Wunderlich, Kmentt und Dermota sind andere Kaliber, ich weiß.

23. April 2019
1:25
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alcindo
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27. Februar 2018
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von wegen Narraboth: in der guten alten zeit war der Narraboth meist mit ersten sängern besetzt: am häufigsten seit 1955 Waldemar Kmentt, danach Hopferwieser und dann schon Anton Dermota, ich habe auch Karl Terkal und Wunderlich in dieser rolle gehört....in den letzten 10 jähren wurde diese rolle entschieden bescheidener besetzt...Lippert, Talaba,  Osuna und jetzt Schneider....mit Dermota oder Wunderlich kommt da keiner mit.

23. April 2019
0:34
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Mo., 22. April 2019

Die Salome-Inszenierung in Wien ist das, was ich als "alt, aber gut" bezeichne. Ich bin ja wirklich nicht als Bewahrer des Alten bekannt, und hinsichtlich Operninszenierungen schon gar nicht, aber unsere Salome mag ich. Die Premiere war 1972, die Regie stammt von Boreslaw Barlog, die Ausstattung von Jürgen Rose, und auch wenn ich nicht beurteilen kann, inwieweit die uraprüngliche Regie noch exerziert ist, wünsche ich mir noch einen möglichst langen Verbleib dieser Produktion im Repertoire. Das Jugendstil-Bühnenbild bietet einen ästhetischen Rahmen, der ganz perfekt zum Stil dieser Oper passt. Wenn sich der Vorhang hebt, ehe die drei Einleitungstakte erklingen, die ja schon von allein die Stimmung perfekt malen, und der Blick auf das Bühnebild fällt, fühlt man sich sofort in die Salome-Atmosphäre hineinversetzt. Dass die Produktion vor ein paar Serien frisch ausgeleuchtet wurde und die Bühne während der Schlussszene in immer kräftigeres Rot getaucht wird, verleiht der Vorstellung einen eigenen Reiz. Insgesamt: Diese alte Produktion ist super, unbedingt behalten. Vermutlich handelt es sich um die beste der noch vorhandenen "alten" Wiener Inszenierungen.

Hingegangen bin ich wegen Michael Boder, der ja mein Lieblingsdirigent ist, denn er erbringt jedesmal grandiose Leistungen und deckt genau jenes Repertoire ab, das ich am liebsten höre (Musik des 20. und 21. Jahrhunderts). Boder stellt sich selbst aber nie in den Vordergrund wie manch gehypter Pultstar (Thielemann, Nelsons, Petrenko, Currentzis etc.), sondern dient ganz der Musik und den Sängern. Seine Dirigate zeichnen sich sowohl durch äußerste Präzision aus als auch durch einen durchgängigen dynamischen Bogen (nie zerfällt ihm irgendetwas) und eine schrittweise aufgebaute Spannung. Man kann sicherlich debattieren, ob Boder oder Metzmacher der bessere Dirigent ist, aber seitdem ich die Elektra von beiden hintereinander gehört habe, fällt es mir nicht schwer, mich für Boder zu entscheiden. Der Mann ist grandios, er soll bitte noch sehr oft in Wien dirigieren. Auch heute wurden meine sehr hohen Erwartungen erfüllt. Boder geht recht langsam (aber keinesfalls zu langsam, es hat exakt 1h42min gedauert) an das Werk heran und führt die Aufführung mit auffallender Genauigkeit und gleichzeitig mit Gefühl für diese wunderbare Musik, da wird jeder einzelnen Phrase (zum Beispiel: "Sprich mehr, sprich mehr, Jochanaan, und sag mir, was ich tun soll?") zu ihrer Ausgestaltung verholfen. Der Schleiertanz war ein musikalisches Vergnügen. Ich habe schon verschiedene Salome-Dirigenten erlebt (am schlimmsten der furchtbare Andris Nelsons), und auch wenn Peter Schneider und Simone Young tolle Dirigenten sind, hat Michael Boder sie - heute einmal mehr - übertroffen.

Leider gereichte die Sängerschar einem angeblichen ersten Haus nicht zur Ehre. Am besten war noch Jörg Schneider, der mit zwar eher leiser, aber schöner Stimme einen ausgezeichneten Narraboth gab. Mit guten Narraboth-Interpreten werden wir in Wien ja nicht gerade verwöhnt (man denke an Lippert, Talaba und Osuna), aber Schneider war die seit längerem beste Besetzung dieser herausfordernden und oftmals unterschätzten Rolle. Dass er im Herbst den Herodes übernehmen wird, gefällt mir allerdings gar nicht; wieso will er nicht bei dem Repertoire bleiben, das zu ihm passt? In Rollen wie Tamino, Jaquino, Maler/Neger etc. passt er super, aber dass es für den Aegisth überhaupt nicht reicht (es war brighella-artig und sonst nichts), haben wir ja schon vor ein paar Monaten gehört. Aber der Narraboth ist ja wirklich nicht wie wichtigste Figur dieser Oper. Diese verkörperte Herwig Pecoraro, und: naja. Der Herodes wird ja entweder von einem ausgeschrieenen Heldentenor oder von einem Charaktertenor gesungen, ich bekenne mich als Fan der Interpretation durch einen ausgeschrieenen Heldentenor, aber Pecoraro ist das Schulbeispiel eines tollen Charaktertenors. Im Rahmen seiner stimmlichen Möglichkeiten hat er das Beste getan, und das ist positiv gemeint! Dass er über die in den Noten verzeichnete Tiefe bei "Sie ist ein Ungeheuer, Deine Tochter. Ich sage Dir, sie ist ein Ungeheuer!" nicht verfügt (da geht es bis zum a der Kleinen Oktave, bitte nachschauen, wer es nicht glaubt) ist vollkommen verzeihlich und wird außerdem durch die Tatsache in den Schatten gestellt, dass er einer der sehr wenigen Herodes-Interpreten ist, die bei der kniffligen Stelle "Steh nicht auf, mein Weib, meine Königin" NICHT eingehen. Dass er über das hohe b verfügt ("Man tööööte dieses Weib!") ist nichts Neues, aber heute musste er zwischen "töte" und "dieses" Luft holen, was ich bei ihm noch nicht erlebt habe. Überhaupt dünkte es mich heute als würden seine Kräfte beginnen abzunehmen. Kein Wunder, er ist Jahrgang 1957. Die Stimme klang heute durchwegs leiser als gewohnt, hat dank seiner exzellenten Technik aber noch immer denselben Charakter wie eh und je. Ich persönlich mag seine ganz eigenartige Stimme sehr sehr gerne, zum Beispiel als Wirt im Rosenkavalier ist Pecoraro unverzichtbar. (Detail am Rande: Pecoraro singt den Herodes seit 2014 (davor war er ein ganz toller Erster Jude), anfangs mit "Der junge Syrer, er war sehr schön". Mittlerweile wurde ihm - wie mir erzählt wurde, verursacht durch meinen damaligen Forumstext, es heiße korrekterweise "Der junge Syrier", erzählt - dass er ein "i" einfügen soll, was er mittlerweile auch macht.) Die zweitwichtigste Rolle ist die Titelrolle, und das, was Gun-Brit Barkmin heute abgeliefert hat, war mit einem Wort grauenhaft und eine Zumutung. Ja, ihre Stimme ist schön, sie macht die Rolle ganz nett, und man könnte eigentlich nichts bemängeln, wäre da nicht die Tatsache, dass die Dame nur einen geringen Teil der Töne dorthin setzt, wo sie hingehören (und bitte: Die Salome ist doch nicht einmal halb so schwer zu lernen wie der vertrackt komponierte Herodes!!). Was soll das? Dieses Problem hatten wir bei ihr schon öfters, zuletzt als Chrysothemis. Es ist furchtbar, wenn zahlreiche Töne ca. einen Viertelton zu hoch gesungen werden. Grauenhaft. Früher hätte man sie ausgepfiffen oder ausgebuht, was auch heute angebracht gewesen wäre. Jane Henschel war die Herodias, und keifen kann sie wirklich gut. Für viel mehr reicht ihre Stimme nicht mehr, aber das ist in dieser Rolle auch nicht wirklich notwendig. (Dennoch besser, wenn Stimme auch noch vorhanden ist, wie zum Beispiel bei Iris Vermillion). Markus Marquardt als Jochanaan legte eher gemütlicher an, die Gefährlichkeit eines religiösen Hasspredigers strahlte er nicht aus, dafür hörte man ein wirklich schönes "Er ist in einem Nachen...". Stimmlich erweckte er den Eindruck, etwas auf Sparflamme unterwegs gewesen zu sein, aber eingedenk seines gar nicht guten Kreon (Oedipus Rex) im Sommer 2018 in Dresden war das heute eine gute Leistung. Seine Stimme ist für das Haus recht klein, aber er beging nicht den Fehler, sie größer machen zu wollen als sie ist. Die zahlreichen Nebenrollen waren recht unterschiedlich, darunter fiel Wolfgang Bankl als Erster Soldat am positivsten auf, Alexandru Moisiuc als Erster Nazarener am negativsten. Die wunderschönen Passagen des Ersten Nazareners einem Sänger mit dieser scheppernden, knarrenden, aber bedauerlicherweise lauten Stimme anzuvertrauen ist eine Schnapsidee. Aber dank Michael Boder verließ ich das Haus trotzdem in positiver Stimmung.

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