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Salome an der Wiener Staatsoper
30. Januar 2020
3:45
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Das wirklich Tragische ist, dass Waltraud Meier FRÜHER ja wirklich toll war. Aber was sie jetzt regelmäßig abliefert, ist einfach nur mehr peinlich. Mir graut schon vor ihrer Klytämnestra in Wien demnächst (da will ich hin, weil Bytschkow dirigiert).

26. Januar 2020
9:48
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UwePaul
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Gurnemanz

mit dieser Frau Meier kann ich Ihnen nur zustimmen. Habe Sie vor einer ganzen Weile als Santuzza ertragen, war wirklich kaum auszuhalten. Wollte mich dann am Schluss eigentlich dem Beifall enthalten, aber rings um mich rum, sass offensichtlich ein Fanclub, als die anfingen Bravo zu brüllen, habe ich dementsprechend gebuht, was eigentlich nicht mehr meine Art ist. Wäre beinahe gelyncht worden. Dann einige Zeit später eine Klytämnestra, die ähnlich gruselig war. Bei mir nicht mehr. Die Frau ist der Gipfel der Zumutung

24. Januar 2020
23:57
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Fr., 24. Jänner 2020: WIEN (Staatsoper): Richard Strauss, Salome

Derzeit kann man sich des Wiener Kultur-Überangebots der Salome kaum erwehren – aber die Produktion im Theater an der Wien wird von mir trotz der grandiosen Marlis Petersen ignoriert, denn eine Orchesterfassung, die die Anzahl der Musiker von über 100 auf knapp die Hälfte reduziert, höre ich mir auch nicht an, wenn man mit 50 Euro drauflegt. (Wem ist denn dieser Blödsinn eingefallen? Typisch Theater an der Wien!)

Insofern habe ich mir heute wieder einmal die Staatsopern-Salome angehört. Nein, das war heute keine solide Repertoireaufführung, das war eine insgesamt indiskutabel. Ich hätte auf den Freund hören sollen, der mir am Montag „W A R N U N G vor der Salome“ schrieb… Naja, im nachhinein ist man immer gescheiter.

Aber nicht alles war schlecht, und die vergleichsweise beste Leistung kam von Michael Volle – ich bin nicht unbedingt ein Fan seiner etwas langweiligen, eindimensionalen Stimme, aber der Jochanaan IST ja auch ein eindimensionaler Charakter, das haut hin! Dass er zwischendurch mal zu früh einsetzte, sich nicht exakt an den Notentext hielt – geschenkt! Insgesamt passte seine Leistung. Ebenfalls in Ordnung war die Salome von Lise Lindstrom: Ja, die Stimme ist nicht schön, ihr Gesang entbehrt einer durchgehenden Linie (sie setzt die Töne großteils dorthin, wo sie hingehören, aber halt auch nicht mehr), die Stimme hat kein tiefes Fundament, aber immerhin war’s halbwegs effektvoll. Gut ist freilich was anderes.

Der Rest war mehr oder weniger zum Schmeißen: Herwig Pecoraro ist ein sehr verdienter Ensemblesänger, der dem Vernehmen nach heute seinen letzten Herodes gesungen hat – gut so. Er kennt die Partie, weiß, worauf es ankommt, und an den richtigen Stellen schimmerte noch der tenorale Glanz der vergangenen Jahre durch, aber in Summe war das viel zu wenig. Seine Technik ist nach wie vor hervorragend, deshalb hat er (geboren 1957) auch kein Wobble etc., sondern wird einfach nur immer leiser, und mittlerweile ist er deutlich ZU leise, darüber kann auch ein perfekt hinausgehautes und lang ausgehaltenes hohe b bei „Man töte dieses Weib“ nicht hinwegtäuschen (auch wenn er danach Luft holen musste). Abgesehen davon finde ich Pecoraro ohnehin nicht ideal, weil ich für den Herodes (zweifelsohne die wichtigste Rolle in dieser Oper) einen Heldentenor will, keinen Charaktertenor. (Gerne erinnere ich mich an Wolfgang Schmidt oder Jörg Schneider letztens.)

Eine wirklich ganz üble Katastrophe war Waltraud Meier als Herodias, die uns Wiener seit ein paar Jahren als vollkommen indiskutable Klytämnestra und Waltraute belästigt (demnächst beide Rollen wieder), muss sie das jetzt auch als Herodias tun? Einfach furchtbar, die Stimme ist überhaupt nicht mehr da, sie kann aber auch mit Ihren Stimmresten überhaupt keinen Effekt erzeugen. Da darf man gar nicht dran denken, was Iris Vermillion, Linda Watson, Jane Henschel, Elisabeth Kulman etc. unlängst aus dieser Rolle machten – hat es Frau Meier wirklich notwendig, im Spätherbst ihrer Karriere ihren Ruf so dermaßen zu beschädigen?! Das war heute ohne Übertreibung beinah so schlimm, als sich Gwyneth Jones weiland einbildete, die Herodias singen zu müssen (damals plante ein mittlerweile Ex-Stehplatzler, nach „Achte nicht auf die Stimme Deiner Mutter“ laut „Bravo!“ zu rufen).

Aus dem restlichen Ensemble sind einzig und allein Thomas Ebenstein (1. Jude) als positiv und Ulrike Helzel (Page) und Marcus Pelz (1. Soldat) als neutral zu nennen – ALLE anderen Sänger boten INFERIORE Leistungen, und dieses Desaster ist die Schuld des Noch-Direktors. Es waren Carlos Osuna (ein Narraboth so, als ob er gar nicht gewesen wäre), Peter Jelosits (2. Jude, mittlerweile vollkommen ausgesungen), Pavel Kolgatin, Benedikt Kobel, Ryan Speedo Green, Alexandru Moisiuc, Hans Peter Kammerer und Dan Paul Dumitrescu. Gut so, dass der neue Direktor einen Kahlschlag im Ensemble plant, denn was sich heute so auf der Staatsopernbühne tummelte, war ihrer in keiner Weise würdig. Da gibt’s in JEDEM Stadttheater viel bessere Leute!!

Meine Freude war groß, als ich vom Einspringen des von mir außerordentlich geschätzten Michael Boder erfuhr, aber heute hatte er es mit einem neben sich stehenden Orchester zu tun (vielleicht vom gestrigen Philharmoniker-Ball nicht fit?). Dass ganz am Ende das gesamte Orchester hinausgeflogen ist, hat wirklich JEDER mitbekommen (auch meine Stehplatznachbarn, die mit Oper nichts am Hut haben), aber auch sonst hab ich die Salome schon viel besser vom Staatsopernorchester gehört. Boder bemühte sich merklich um Balance und Dynamik, stand aber auf verlorenem Posten. Schade – aber das war heute auch schon wurscht. Man kann nur auf eine Besserung ab September 2020 hoffen.

23. Januar 2020
14:30
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Lohengrin2
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28. Februar 2018
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(Post hat sich erledigt)

21. Januar 2020
15:37
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Michta
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6. März 2018
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..um eine ganz und gar nicht überzeugende "Salome" zu hören und zu sehen... hab mich aufgerafft und war in der Premiere. Johan Reuter sang sehr gut , musste wie der Komtur als grüngraugeschminkter Geist auf der Bühne herumwandeln, ( nur seine Puppe kam zurück in die Zisterne ), war dadurch auch nach dem - nicht erfolgten - Abgang in diese wunderbar zu hören.  Mitterrutzner sang noch ausgezeichnet, dann der erste Nazarener, ein Isländer aus dem Studio. Alle anderen waren brav, aber nix Besonderes. Was man von Petersen verlangte war eine Zumutung ( das "Puppenspiel" und die Blutorgie zum Schluss), ihre Stimme ist halt um einiges zu klein für die Partie, wenngleich sie sie sich gut "zurechtrückt" und zweifellos was kann, aber die herrlichen, großen, leuchtend ausgekosteten Bögen in der Schlußszene hörte ich erst am Nachhauseweg.. : hab mir das Finale  aus der Met 65 , Nilsson unter Böhm gegeben, da kam dann die wunderbare Gänsehaut...

20. Januar 2020
16:38
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Chenier
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28. Februar 2018
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Das klingt alles nicht wirklich überzeugend. Auf in das TaW, wo eine lt. Kritiken ganz hervorragende Salome-Serie läuft, mit Marlis Pertersen in der Hauptrolle und von Habjan inszeniert.

17. Januar 2020
17:07
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Mir war bewusst, dass die Formulierung zum Widerspruch reizt.

Peter Schneider, dessen Karrierenende auch ich sehr bedaure, halte ich für einen ausgezeichneten Dirigenten, aber generell überall, vor allem aber bei Salome+Elektra finde ich Michael Boder deutlich besser.

17. Januar 2020
13:45
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Amfortas
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25. Oktober 2019
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"Da können sich alle anderen Salome-Dirigenten hinten anstellen."

Ich hatte meine beste Salome unter Peter Schneider, der wohl nicht mehr auftreten wird - weder in Wien noch sonst wo, fürchte ich.

17. Januar 2020
3:08
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 769
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29. September 2018
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Umbesetzung: Michael Boder dirigiert die heurige Jänner-Serie. Besser kann es nicht kommen!
Da können sich alle anderen Salome-Dirigenten hinten anstellen.

2. Oktober 2019
0:48
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Di., 1. Oktober 2019: WIEN (Staatsoper): Richard Strauss, Salome

Heute war ich in der Salome. Richard Strauss hat darin gezeigt, dass er wirklich supergut komponieren und instrumentieren konnte. Schade, dass er’s danach so selten getan hat (hin und wieder hat auch ein Mahler unrecht!) und nach der Elektra (subjektiv) nur mehr großteils Langeweile produzierte. Die heutige Aufführung war halbwegs in Ordnung, litt aber nicht nur unter lästigen Stehplatzbesuchern hinter, schräg hinter mir und neben mir, sondern auch unter einer mangelhaften Titelrollensängerin.

Die Titelrolle ist zwar die Salome, aber die Hauptrolle ist unbestreitbar der Herodes, und in dieser Partie konnte man Jörg Schneider kennenlernen, der vor einem knappen halben Jahr noch ein ausgezeichneter Narraboth war und sich jetzt zu einem zwar nicht ausgezeichneten, aber sehr guten Herodes entwickelt hat. Einziger Kritikpunkt ist, dass er recht leise unterwegs war und an ein paar wenigen Stellen (zum Beispiel bei „mit einem Feuer, kalt wie Eis“) zu wenig Kraft hatte, was aber fast gar nichts ausmachte, da er immer (sehr wortdeutlich!) zu hören war. Er hat sich von einem lyrischen Tenor (!) zu einem sehr guten Herodes entwickelt (der noch ausstehende Feinschliff wird noch mit der Zeit kommen), die Stimme spricht nicht nur in der hohen, sondern auch in der tiefen Lage gut an. Es war eine verheißungsvolle Neubesetzung, ich bin auf die weitere Entwicklung des jetzt 50jährigen Sängers gespannt. Bester Sänger der Aufführung war Linda Watson als Herodias, an der wirklich alles passte: Ihre laute, keifende Stimme ist wie geschaffen für die Herodias-Schreckschraube, wobei sie es glücklicherweise nie übertrieb. Pech hatte man mit der Hausdebütantin Aušrinė Stundytė. Vergangenen Freitag hatte sie abgesagt, worauf meine Lieblingssängerin Camilla Nylund eingesprungen war, und es wäre besser gewesen, wäre das heute wieder passiert. Frau Stundytė mag für kleinere Häuser genügen, aber für die Wiener Staatsoper ist sie zu klein, sorry. Was ihr fehlt, versucht sie durch Lautstärke wettzumachen (wenn sie nicht grad VIEL zu leise singt wie bei „...es war ein bitterer Geschmack auf deinen Lippen.“), das Ergebnis ist aber unbefriedigend: Ein paar schöne Passagen, aber großteils eher unkontrollierte gekreischte Töne, und das muss nicht sein. Traurig der Jochanaan von Alan Held, der einst ein toller Sänger war, wovon aber jetzt kaum mehr etwas übrig ist. Nicht gefallen hat mir Lukhanyo Moyake, der einen kehlig-gepressten Narraboth gab (ja, der Narraboth ist schwierig, weil er stimmlich ganz deppert liegt, aber trotzdem, wir sind an der Wiener Staatsoper und nicht irgendwo); Margaret Plummer als Page ist mir gar nicht aufgefallen. Die kleinen Rollen waren gut bis so lala, aber ein echtes Desaster waren die beiden Nazarener! HILFE!! Diese wunderschöne Passage so dermaßen scheußlich zu singen wie es Alexandru Moisiuc und Hans Peter Kammerer heute getan haben, das grenzt schon an Gotteslästerung. Ziemlich medioker war Dennis Russell Davies am Pult, der der einzige Dirigent ist, den ein bestimmter Freund von mir jemals im Musikverein ausgebuht hat, und ich verstehe, warum er das getan hat: Der ganze Abend war so beiläufig dirigiert, da ein bissl schneller, dort ein bissl langsamer, ohne durchgehenden Spannungsbogen (und wenn ich daran denke, wie packend der enorm unterschätzte Michael Boder die Salome vor einem halben Jahr dirigiert hat, der Vergleich ist wie Tag und Nacht). Ärgerlich waren auch Kleinigkeiten: Zu Beginn dirigiert er Passagen („Dein Leib ist weiß wie...“) von Salomes Monolog zu langsam, worauf die Salome-Sängerin aber in passendem Tempo fortsetzt und ihm so zu verstehen gibt, dass er auf gut Wienerisch onzahn soll. Das gleiche Spiel dann im Schlussmonolog bei einer ähnlichen „Leib“-Stelle – bissl mitdenken wäre ja vom Dirigenten nicht zu viel verlangt. Insgesamt war das Staatsopernorchester besser als der Dirigent.

Ein Besucher (nicht ich) machte seinem Ärger unmittelbar gleich nach Verklingen des letzten Tones mit einem Buhruf Luft (wohl der Salome-Interpretin geltend), und das fasst’s gar nicht mal schlecht zusammen. Anmerkungen zur Inszenierung von Boreslaw Barlog und Jürgen Rose im Bericht vom 22. April 2019.

27. September 2019
16:27
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Gurnemanz
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Die grandiose Camilla Nylund (keine Ironie! sie ist meine Lieblingssängerin) springt heute als Salome ein (für Ausrine Stundyte).

Na, hätte ich das gewusst, häte ich für heute keine Karte für den Britten in Linz gekauft.

Ich hoffe mal, dass sie kommende Woche, wenn ich in die Salome gehen werde, wieder einspringt. Jedenfalls werde ich dann hier wieder meine Eindrücke festhalten.

28. April 2019
23:37
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alcindo
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lieber Stimmfetischist: mein kommentar hat sich auf die 4 sänger im allgemeinen bezogen, nicht auf J Schneider, nur mit dem timbre eines Wunderlich oder Dermota wird er nicht gleichziehen können, und möglicherweise auch nicht mit deren karrieren. das soll aber seine leistung als Narraboth nicht abwerten, ich kenne seine stimme und halte ihn für einen sehr guten saenger, habe aber den Narraboth nicht gehoert. als Dermota und Wunderlich in Wien diese rolle sangen waren sie startenöre, und das ist J Schneider (noch) nicht

mit gruss alcindo

p.s. mein Beitrag kam total verunstaltet heraus, und ich habe ihn jetzt wiederhergesellt

28. April 2019
22:03
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Lohengrin2
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brigens ein kl. Vergleich zwischen Schneider und dem heute wohl best bezahlten und hoch gehandelten Tenorkollegen

 

Wusste gar nicht, dass Herr Schade der best bezahlte Tenorkollege von Herrn Schneider ist....

28. April 2019
21:52
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stimmfetischist
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Werter Alcindo!

Ich kann Ihre Verklärtheit die Vergangenheit betreffend sehr oft nachvollziehen, aber in diesem Falle nicht, denn Jörg Schneider ist für mich nicht nur ein allererster Sänger, den sich die Staatsoper im Ensemble zu haben glücklich schätzen kann, sondern hält auch Vergleichen mit großen Sängern dieses Faches der Vergangenheit locker stand. Möge man ihm vielleicht noch Wunderlich und Dermota vorziehen, aber die Qualitäten eines Kmentt oder Hopferwieser (beides von mir durchaus geschätzte und live oft gehörte Sänger) überbietet er bei weitem. Ihn in einem Atemzug mit einem Osuna und Talaba zu nennen, ist schon fast eine Beleidigung für das Können eines Jörg Schneider.

Übrigens ein kl. Vergleich zwischen Schneider und dem heute wohl best bezahlten und hoch gehandelten Tenorkollegen:

list=RD_8TMLpTZK8A&start_radio=1&t=1

Ich denke, da erübrigt sich jeder Kommentar meinerseits für alle Leute, die von Stimmen die geringste Ahnung haben.

23. April 2019
1:43
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alcindo
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wenn Sie im Archiv nachlesen, werden Sie finden, dass Kmentt 55mal und Dermota 28mal den Narraboth gesungen haben......kommentar eigentlich ueberfluessig

23. April 2019
1:33
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Gurnemanz
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29. September 2018
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...wobei man aber schon festhalten muss, dass Jörg Schneider locker eine Liga über Lippert, Talaba und Osuna ist 🙂

Haben Sie in der Volksoper Vincent Schirrmacher als Narraboth gehört? Hat mir damals super gefallen.
Auch Norbert Ernst war unlängst ein guter Narraboth. Aber Wunderlich, Kmentt und Dermota sind andere Kaliber, ich weiß.

23. April 2019
1:25
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alcindo
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27. Februar 2018
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von wegen Narraboth: in der guten alten zeit war der Narraboth meist mit ersten sängern besetzt: am häufigsten seit 1955 Waldemar Kmentt, danach Hopferwieser und dann schon Anton Dermota, ich habe auch Karl Terkal und Wunderlich in dieser rolle gehört....in den letzten 10 jähren wurde diese rolle entschieden bescheidener besetzt...Lippert, Talaba,  Osuna und jetzt Schneider....mit Dermota oder Wunderlich kommt da keiner mit.

23. April 2019
0:34
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Gurnemanz
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Mo., 22. April 2019

Die Salome-Inszenierung in Wien ist das, was ich als "alt, aber gut" bezeichne. Ich bin ja wirklich nicht als Bewahrer des Alten bekannt, und hinsichtlich Operninszenierungen schon gar nicht, aber unsere Salome mag ich. Die Premiere war 1972, die Regie stammt von Boreslaw Barlog, die Ausstattung von Jürgen Rose, und auch wenn ich nicht beurteilen kann, inwieweit die uraprüngliche Regie noch exerziert ist, wünsche ich mir noch einen möglichst langen Verbleib dieser Produktion im Repertoire. Das Jugendstil-Bühnenbild bietet einen ästhetischen Rahmen, der ganz perfekt zum Stil dieser Oper passt. Wenn sich der Vorhang hebt, ehe die drei Einleitungstakte erklingen, die ja schon von allein die Stimmung perfekt malen, und der Blick auf das Bühnebild fällt, fühlt man sich sofort in die Salome-Atmosphäre hineinversetzt. Dass die Produktion vor ein paar Serien frisch ausgeleuchtet wurde und die Bühne während der Schlussszene in immer kräftigeres Rot getaucht wird, verleiht der Vorstellung einen eigenen Reiz. Insgesamt: Diese alte Produktion ist super, unbedingt behalten. Vermutlich handelt es sich um die beste der noch vorhandenen "alten" Wiener Inszenierungen.

Hingegangen bin ich wegen Michael Boder, der ja mein Lieblingsdirigent ist, denn er erbringt jedesmal grandiose Leistungen und deckt genau jenes Repertoire ab, das ich am liebsten höre (Musik des 20. und 21. Jahrhunderts). Boder stellt sich selbst aber nie in den Vordergrund wie manch gehypter Pultstar (Thielemann, Nelsons, Petrenko, Currentzis etc.), sondern dient ganz der Musik und den Sängern. Seine Dirigate zeichnen sich sowohl durch äußerste Präzision aus als auch durch einen durchgängigen dynamischen Bogen (nie zerfällt ihm irgendetwas) und eine schrittweise aufgebaute Spannung. Man kann sicherlich debattieren, ob Boder oder Metzmacher der bessere Dirigent ist, aber seitdem ich die Elektra von beiden hintereinander gehört habe, fällt es mir nicht schwer, mich für Boder zu entscheiden. Der Mann ist grandios, er soll bitte noch sehr oft in Wien dirigieren. Auch heute wurden meine sehr hohen Erwartungen erfüllt. Boder geht recht langsam (aber keinesfalls zu langsam, es hat exakt 1h42min gedauert) an das Werk heran und führt die Aufführung mit auffallender Genauigkeit und gleichzeitig mit Gefühl für diese wunderbare Musik, da wird jeder einzelnen Phrase (zum Beispiel: "Sprich mehr, sprich mehr, Jochanaan, und sag mir, was ich tun soll?") zu ihrer Ausgestaltung verholfen. Der Schleiertanz war ein musikalisches Vergnügen. Ich habe schon verschiedene Salome-Dirigenten erlebt (am schlimmsten der furchtbare Andris Nelsons), und auch wenn Peter Schneider und Simone Young tolle Dirigenten sind, hat Michael Boder sie - heute einmal mehr - übertroffen.

Leider gereichte die Sängerschar einem angeblichen ersten Haus nicht zur Ehre. Am besten war noch Jörg Schneider, der mit zwar eher leiser, aber schöner Stimme einen ausgezeichneten Narraboth gab. Mit guten Narraboth-Interpreten werden wir in Wien ja nicht gerade verwöhnt (man denke an Lippert, Talaba und Osuna), aber Schneider war die seit längerem beste Besetzung dieser herausfordernden und oftmals unterschätzten Rolle. Dass er im Herbst den Herodes übernehmen wird, gefällt mir allerdings gar nicht; wieso will er nicht bei dem Repertoire bleiben, das zu ihm passt? In Rollen wie Tamino, Jaquino, Maler/Neger etc. passt er super, aber dass es für den Aegisth überhaupt nicht reicht (es war brighella-artig und sonst nichts), haben wir ja schon vor ein paar Monaten gehört. Aber der Narraboth ist ja wirklich nicht wie wichtigste Figur dieser Oper. Diese verkörperte Herwig Pecoraro, und: naja. Der Herodes wird ja entweder von einem ausgeschrieenen Heldentenor oder von einem Charaktertenor gesungen, ich bekenne mich als Fan der Interpretation durch einen ausgeschrieenen Heldentenor, aber Pecoraro ist das Schulbeispiel eines tollen Charaktertenors. Im Rahmen seiner stimmlichen Möglichkeiten hat er das Beste getan, und das ist positiv gemeint! Dass er über die in den Noten verzeichnete Tiefe bei "Sie ist ein Ungeheuer, Deine Tochter. Ich sage Dir, sie ist ein Ungeheuer!" nicht verfügt (da geht es bis zum a der Kleinen Oktave, bitte nachschauen, wer es nicht glaubt) ist vollkommen verzeihlich und wird außerdem durch die Tatsache in den Schatten gestellt, dass er einer der sehr wenigen Herodes-Interpreten ist, die bei der kniffligen Stelle "Steh nicht auf, mein Weib, meine Königin" NICHT eingehen. Dass er über das hohe b verfügt ("Man tööööte dieses Weib!") ist nichts Neues, aber heute musste er zwischen "töte" und "dieses" Luft holen, was ich bei ihm noch nicht erlebt habe. Überhaupt dünkte es mich heute als würden seine Kräfte beginnen abzunehmen. Kein Wunder, er ist Jahrgang 1957. Die Stimme klang heute durchwegs leiser als gewohnt, hat dank seiner exzellenten Technik aber noch immer denselben Charakter wie eh und je. Ich persönlich mag seine ganz eigenartige Stimme sehr sehr gerne, zum Beispiel als Wirt im Rosenkavalier ist Pecoraro unverzichtbar. (Detail am Rande: Pecoraro singt den Herodes seit 2014 (davor war er ein ganz toller Erster Jude), anfangs mit "Der junge Syrer, er war sehr schön". Mittlerweile wurde ihm - wie mir erzählt wurde, verursacht durch meinen damaligen Forumstext, es heiße korrekterweise "Der junge Syrier", erzählt - dass er ein "i" einfügen soll, was er mittlerweile auch macht.) Die zweitwichtigste Rolle ist die Titelrolle, und das, was Gun-Brit Barkmin heute abgeliefert hat, war mit einem Wort grauenhaft und eine Zumutung. Ja, ihre Stimme ist schön, sie macht die Rolle ganz nett, und man könnte eigentlich nichts bemängeln, wäre da nicht die Tatsache, dass die Dame nur einen geringen Teil der Töne dorthin setzt, wo sie hingehören (und bitte: Die Salome ist doch nicht einmal halb so schwer zu lernen wie der vertrackt komponierte Herodes!!). Was soll das? Dieses Problem hatten wir bei ihr schon öfters, zuletzt als Chrysothemis. Es ist furchtbar, wenn zahlreiche Töne ca. einen Viertelton zu hoch gesungen werden. Grauenhaft. Früher hätte man sie ausgepfiffen oder ausgebuht, was auch heute angebracht gewesen wäre. Jane Henschel war die Herodias, und keifen kann sie wirklich gut. Für viel mehr reicht ihre Stimme nicht mehr, aber das ist in dieser Rolle auch nicht wirklich notwendig. (Dennoch besser, wenn Stimme auch noch vorhanden ist, wie zum Beispiel bei Iris Vermillion). Markus Marquardt als Jochanaan legte eher gemütlicher an, die Gefährlichkeit eines religiösen Hasspredigers strahlte er nicht aus, dafür hörte man ein wirklich schönes "Er ist in einem Nachen...". Stimmlich erweckte er den Eindruck, etwas auf Sparflamme unterwegs gewesen zu sein, aber eingedenk seines gar nicht guten Kreon (Oedipus Rex) im Sommer 2018 in Dresden war das heute eine gute Leistung. Seine Stimme ist für das Haus recht klein, aber er beging nicht den Fehler, sie größer machen zu wollen als sie ist. Die zahlreichen Nebenrollen waren recht unterschiedlich, darunter fiel Wolfgang Bankl als Erster Soldat am positivsten auf, Alexandru Moisiuc als Erster Nazarener am negativsten. Die wunderschönen Passagen des Ersten Nazareners einem Sänger mit dieser scheppernden, knarrenden, aber bedauerlicherweise lauten Stimme anzuvertrauen ist eine Schnapsidee. Aber dank Michael Boder verließ ich das Haus trotzdem in positiver Stimmung.

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