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Rusalka in der Wiener Staatsoper
11. Februar 2020
8:30
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Amfortas
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25. Oktober 2019
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"...gern...

Bleibe aber bei meiner Sicht"

Das können Sie von mir aus. Wenn Sie allerdings logische Grundprinzipien anzweifeln, können Sie auch gleich leugnen, dass 2 + 3 = 5. Dann aber bewegen wir uns auf der Ebene Ihrer Privatlogik und es kann so ohnehin nicht gelingen, sachlich mit Ihnen zu argumentieren. Oder kann es sein, dass Ihnen die Denkregeln der Political Correctness beim Thema "Nationalismus" so in die Quere kommen, dass logisches Denken nicht mehr möglich ist? Dass also Verdi (als Guter) nicht ein Nationalist sein kann, denn die sind nach diesen Denkregeln bekanntlich alle böse? Dann hat die politisch korrekte Volkspädagogik genau das erreicht, was sie sollte. "Doppeldenk" hat George Orwell das in "1984" genannt.

10. Februar 2020
17:26
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Lohengrin2
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...gern...

Bleibe aber bei meiner Sicht.

10. Februar 2020
16:54
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Amfortas
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25. Oktober 2019
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"Man sich duchaus FÜR etwas aussprechen, ohne GEGEN etwas anderes zu sein."

Das sehe ich anders. Wenn ich dafür bin, etwas zu verändern, dann bin ich zwangsläufig dagegen, das Gegebene beizubehalten. Wenn ich dafür bin, das Haus zu verlassen, dann bin auch automatisch dagegen, zu Hause zu bleiben. Nach klassicher Aussagenlogik: ¬(p ∧¬p), Tertium non datur. Aber heutzutage gehört man bekanntlich eher zu den Guten, wenn man von sich behaupten kann, man sei FÜR etwas als GEGEN etwas. Deshalb sprechen sich viele selbst eher die Eigenschaft zu, FÜR etwas zu sein als GEGEN etwas. Außer man ist gegen Rassismus, Kirche, Heteronormativität, Rechte, Raucher, Fleischesser, Kapitalismus usw. Dagegen darf man sein, ohne zu den Bösen zu gehören und ohne eine entsprechende Alternative bieten zu können. 🙂

"Nationalismus ist ein Begriff, der zu oft nach Gutdünken definiert wurde"

Wie Recht Sie doch haben!

Aber die Diskussion hat uns endgültig weggeführt vom eigentlichen Thema, den Inszenierungen von Bechtolf. Ich will es dabei erstmal so belassen.

10. Februar 2020
16:25
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Lohengrin2
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Nach meiner Kenntnis war Verdi ein Unterstützer der Bewegung, die Italien aus der Zersrlitterung heraushole und einen wollte. Nationalismus ist ein Begriff, der zu oft nach Gutdünken definiert wurde, dass ich ihn weder für die Einigung Italiens noch für die Deutschlands im 19. Jahrhundert verwendet wissen möchte.

Man sich duchaus FÜR etwas aussprechen, ohne GEGEN etwas anderes zu sein.

10. Februar 2020
15:38
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Amfortas
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@Lohengrin2

"Gegen etwas zu sein reicht nicht, eine positive Alterative ist kreativ."

Man könnte es anders formulieren: Verdi wollte eine Veränderung der politischen Situation und Machtverhältnisse in Italien. Darin sind wir uns wohl einig. Damit erscheint es zweitrangig, ob er GEGEN das alte System oder FÜR ein neues System war. Wir würden uns auf metaphysische oder sprachphilosophische Spekulationen einlassen, würden wir ernsthaft darüber debattieren, ob man FÜR etwas sein kann, ohne gleichzeitig GEGEN etwas zu sein (oder umgekehrt). Aber ich verstehe, worauf Sie hinaus wollen: Es macht einen Unterschied, ob ich eine gegebene Situation bloß ablehne oder ob ich darüber hinaus auch konkret angeben kann, was ich mir als Alternative wünsche. In welchem Ausmaß sich Verdi plastisch vorstellen konnte, wie sich die Machtverhältnisse langfristig in einem geeinten Italien verändern würden, vermag ich nicht zu beurteilen. Obwohl es heutzutage natürlich üblich ist, Nationalisten den Vorwurf zu machen, den Boden für Faschismus oder Nationalsozialismus gelegt zu haben. Zumindest gegenüber Wagner hört man ja immer wieder solchen Nonsens - und das, obwohl Wagner kein Nationalist und wohl eher ein Linker war. Aber den aktuellen Denkregeln entsprechend, erscheint Wagner doch vielen eher rechts als links.

"... eines der schönsten und tiefsten Werke ist doch sein Requiem ..."

Auch darin sind wir uns einig!

10. Februar 2020
14:49
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Lohengrin2
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Ich denke, dass das FÜR bei weitem im Vordergrund stand. Gegen etwas zu sein reicht nicht, eine positive Alterative ist kreativ.

Gegen de Machtstrukuren der Kirche hat er sich zwar gewandt, aber eines der schönsten und tiefsten Werke ist doch sein Requiem......

10. Februar 2020
13:11
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Amfortas
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"Verdi positionierte sich nicht in ersten Linie "gegen" jemand oder etwas, sondern "für" die Einheit Italiens."

... und damit GEGEN die politische Struktur und die Machtverhältnisse vor der Einigung Italiens. Verdi war ein italienischer Nationalist. Würde sich heutzutage ein Komponist als Nationalist outen ... oje oje oje!

10. Februar 2020
12:13
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Lohengrin2
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Verdi positionierte sich nicht in ersten Linie "gegen" jemand oder etwas, sondern "für" die Einheit Italiens.

10. Februar 2020
11:45
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Amfortas
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@Lohengrin2

"Unbestritten ist jedoch, dass sowohl Beethoven wie auch Verdi mit ihrer Kunst Politik machen wollten."

Das trifft zu und wurde von mir auch nicht bezweifelt. Es handelt sich um jene Form von Kunst, die sich GEGEN die Mächtigen richtete. Heutzutage gilt etwas allerdings dann als Kunst, wenn sie dem Mainstream der Mächtigen entspricht.

10. Februar 2020
11:39
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Lohengrin2
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Die Kunst- und Musikgeschichte ist voll von Werken, die einen politischen Gehalt nur dann bekommen, wenn man in brachial hinein treibt.

 

Unbestritten ist jedoch, dass sowohl Beethoven wie auch Verdi mit ihrer Kunst Politik machen wollten.

10. Februar 2020
11:29
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Amfortas
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@dalmont

„gibt’s auch Argumente, auf die sich diese schlechten Zensuren stützen?“

Selbstverständlich gibt es die. Aber es wäre mühsam, an dieser Stelle nochmals all die Defizite aufzuzählen, die man bei den Inszenierungen von Bechtolf ertragen muss. Deshalb möchte ich lieber auf die Besprechungen durch Fachkritiker hinweisen, die fast ausnahmslos negativ ausgefallen sind. Nur zwei Beispiele will ich hier erwähnen: Bechtolf schaffte es, eine „La Cenerentola“ zu inszenieren, ohne das Publikum zum Schmunzeln zu bringen. Er versuchte, auf Bewährtes aus der Slapstick-Mottenkiste zurückzugreifen, provozierte damit aber nur Langeweile. Das ist angesichts des Witzes dieser Oper in Libretto und Musik schon fast als Leistung zu bezeichnen. Bei seinem „Ring“ verzichtete er auf jegliche Deutung, was man tun kann, wenn man dann zumindest in der Lage ist, eine gewisse Ästhetik auf die Bühne zu bringen. Auch das gelang nicht. Man starrt vier Abende lang auf die tristen Ausstattungen des Glittenberg-Ehepaares, in denen NICHTS passiert. Die wenigen gelungenen Momente sind abgekupfert im wahrsten Sinne des Wortes: z. B. Sieglinde schenkt Siegmund im ersten Akt der „Walküre“ den Trank ein und verschüttet dabei die Hälfte weil sie von Siegmunds Anblick so fasziniert scheint. Exakt den selben Einfall hatte Harry Kupfer bereits 25 Jahre vorher in seinem Bayreuther Ring. Die wirklich effektvollen Momente des Rings (Schluss Rheingold, Walkürenritt, Feuerzauber, Sigmunds Kampf mit dem Drachen, Schluss Götterdämmerung), bei denen sich zeigt, ob ein Regisseur Fantasie hat oder nicht, langweilen entweder durch Blödsinnigkeiten, biedere Theatereffekte von vorgestern oder durch schlichte Verweigerung der Inszenierung.

„Da müsste man wohl die Qualifikation des Opernbesuchers überprüfen, der diese Aussage tätigt.“

Diesen Seitenhieb konnten Sie uns natürlich nicht ersparen, aber wir wissen ja, wie schnell Sie damit sind, anderen die Qualifikation abzusprechen, wenn jemand nicht so denkt wie Sie.

„… habe längere Zeit keine neue Inszenierung von Bechtolf gesehen …“

Ich auch nicht und ich bin froh darüber. Der Bechtolf-Hype ist offenbar vorbei. Seine letzten Operninszenierungen in Salzburg haben endgültig bewiesen, dass Becholf vielleicht ein guter Schauspieler ist, sicher aber kein guter Regisseur – weder im Sprech- noch im Musiktheater.

„… hat ja mit Inszenierung und Regie der Premierenserie wenig zu tun.“

Ich habe die Bechtolf-Inszenierungen in der Staatsoper alle in der Premierenserie gesehen.

„Ich denke, das ist nicht unbedingt einem „Dilettantismus“ Schenks – um Amfortas’ Diktion zu verwenden – anzukreiden.“

Sie vergleichen Äpfel mit Birnen – Profis mit Dilettanten. Auch wenn Sie Bechtolf in einem Satz mit Regiegrößen wie Castellucci, Herheim oder Warlikowski erwähnen, vergleichen Sie Profis mit Dillettanten, also Regisseure, die einem Werk wirklich Neues hinzuzufügen wissen und innovative Aspekte herstellen mit einem Regisseur, der stolz darauf ist, sich erst unmittelbar vor seiner Ring-Inszenierung erstmals mit dem Stoff beschäftigt zu haben.

„Die drei Letzgenannten wären altersmäßig nicht mehr ganz junge Söhne der meisten Forums-Skribent*innen der letzten Wochen, so wie sie sich empfunden habe)“

Zumindest auf mich trifft das NICHT zu. Meines Wissens sind alle drei älter als ich.

„Und was ein Opernregisseur ist, der heute vor den gestrengen Augen der Forumsteilnehmer Gnade findet?“

Mit Castellucci, Herheim und Warlikowski haben Sie schon drei erwähnt.

„Aber es gibt keine unpolitische Kunst. Kunst ist immer politisch, aber nicht parteipolitisch …“

Erstens ist das Dogma, dass Kunst immer politisch sei, falsch. Die Kunst-, Literatur- und Musikgeschichte ist voll von Werken, die einen politischen Gehalt nur dann bekommen, wenn man ihn brachial hinein treibt. Dass Kunst immer politisch sei, wird vor allem von jenen kolportiert, die genau das machen wollen: Ihre politische Botschaft an den Mann bringen und dabei Kunstwerke missbrauchen, die damit gar nichts zu tun haben. Die Neuinszenierung der Fidelio-Urfassung an der Staatsoper ist ein weiteres und bedenkliches Beispiel dafür. Und zweitens ist der Großteil der heutigen Kunst im deutschsprachigen Raum sehr wohl parteipolitisch und hat dem linksliberalen Mainstream zu entsprechen. Ein Opernregisseur beispielsweise, der sich als Konservativer, Liberaler oder - Gott bewahre - Rechter outet, hat im heutigen Kulturbetrieb wenig Chancen. In der Geschichte war es immer unheilvoll, sowohl für die Menschen als auch für die Kunst, wenn Kunst politisiert wurde. Es sei denn, diese Politisierung richtete sich GEGEN die etablierte Macht. Die Mächtigen sind heute zwar andere als noch vor 80 Jahren, aber das Verhältnis zwischen Macht und Kunst ist leider immer noch das selbe: Es gibt politisch opportune Denkregeln, denen man als Künstler zu entsprechen hat. Andernfalls wird man ignoriert oder öffentlich diskreditiert.

9. Februar 2020
0:16
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Gurnemanz
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29. September 2018
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dalmont sagt
Ich habe leider kein sehr gutes optisches Gedächtnis und habe längere Zeit keine neue Inszenierung von Bechtolf gesehen, die mir so gut erinnerlich ist, dass ich fundiert argumentieren könnte. Aber ich habe auch nichts wirklich Negatives gespeichert, was „Arabella“, „Ariadne“, „Rusalka“ oder „Der Ring des Nibelungen“ angeht.

Den Ring finde ich ja noch halbwegs in Ordnung. Aber die Arabella finde ich einfallslos und leicht dümmlich, die Rusalka aussagelos, und die Ariadne, für die man die wunderbare Sanjust-Ariadne gekübelt hat, halte ich überhaupt für einen Pfusch.

Inszenierungen, die mir gefallen, habe ich in letzter Zeit vor allem in Linz und Graz gesehen! (zum Beispiel letztens in Graz die Königskinder von Frank Hilbrich)

6. Februar 2020
20:30
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dalmont
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28. Januar 2019
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... weil mir diese Rusalka-Einträge grad unterkommen, und ich im Forum mit großer Regelmäßigkeit schlechte Zensuren bei allem, was Bechtolf machte, entdecke, eine Frage: gibt’s auch Argumente, auf die sich diese schlechten Zensuren stützen? Interessant an Kritiken sind ja immer nur die Argumente, nicht die simplen Gut-schlecht-Bewertungen, wie ich sie im Forum häufig lese. Und Dilettant? Da müsste man wohl die Qualifikation des Opernbesuchers überprüfen, der diese Aussage tätigt.

Es ist eine eingangs gestellte Frage, die ich wieder stelle, darauf will ich nochmals hinweisen.

Ich habe leider kein sehr gutes optisches Gedächtnis und habe längere Zeit keine neue Inszenierung von Bechtolf gesehen, die mir so gut erinnerlich ist, dass ich fundiert argumentieren könnte. Aber ich habe auch nichts wirklich Negatives gespeichert, was „Arabella“, „Ariadne“, „Rusalka“ oder „Der Ring des Nibelungen“ angeht.

Denn das, was nach etlichen Jahren von Abendregisseur/Innen für drei, vier Vorstellungen mit immer wieder neuen Kräften hervorgeholt wird, hat ja mit Inszenierung und Regie der Premierenserie wenig zu tun. So wirken die Aufführungen dann auch.

Mir hat sich die obige Frage aufgedrängt, weil in der heutigen Rezension der mißglückten Staatsopern-„Fidelio“-Premiere wieder von Schenks mit Bernstein (? , war er der Dirigent, war vor meiner Zeit) erarbeiteter „Fidelio“-Aufführung geschwärmt wird. Schenk wird auch immer abgewertet, obwohl ich (in der Erinnerung) sehr gute Aufführungen gespeichert habe: „Don Giovanni“, „Macbeth“, „Don Carlos“, „Fledermaus“. Alles in den späten 60ern und frühen 70ern entstanden. „Fidelio“ gehört in meiner Erinnerung als Inszenierung nicht dazu, wiewohl ich grandiose Sänger/innen in dieser „Inszenierung“ gehört habe. Ich denke, das ist nicht unbedingt einem „Dilettantismus“ Schenks – um Amfortas’ Diktion zu verwenden – anzukreiden. In den 70ern konnte er das darstellerische Potential der Sänger/innen extrem gut entwickeln. Es lag (in meiner Erinnerung, denn ich habe die Rudimente seiner Inszenierung seit Jahrzenten nicht mehr gesehen) eher daran, dass er den meist hanebüchenen gesprochenen Text inszenierte. Und der geht mit der Musik Beethovens in unserer Zeit nicht mehr zusammen. Auch der neue „Fidelio“-Text an der STOP war nicht besser, war hanebüchen, leider.

Zurück zum Anfang: Bechtolf ist meinem Eindruck nach ein Regisseur für schauspielerisch begabte Sänger*innen, wie es Schenk war, und das sind auch auf der Opernbühne große Qualitäten. Beide sind keine Dekonstruktivisten, so grandios wie Konwitschny einer war, sind keine Warlikowskis, Castelluccis oder Herheims (der bald das Theater an der Wien leiten wird. Bitte keine Schnappatmungen der Forums Rezensent*innen. Die drei Letzgenannten wären altersmäßig nicht mehr ganz junge Söhne der meisten Forums-Skribent*innen der letzten Wochen, so wie sie sich empfunden habe).

Und zum zweiten Mal zurück zum Anfang: Mag wer erklären, warum Bechtholf ein „Unglücks“-Opernregisseur ist, der eine „Spur der Verwüstung“ gezogen hat? Und was ein Opernregisseur ist, der heute vor den gestrengen Augen der Forumsteilnehmer Gnade findet?

Ich hätte noch viele Fragen, die ich mit Ihnen diskutieren möchte. Abgesehen von den politischen Dingen, und da gehöre ich ja zu den „Grätzn“ des Forums. Aber es gibt keine unpolitische Kunst. Kunst ist immer politisch, aber nicht parteipolitisch (weshalb sie auch BBGE und alle anderen Konsortinnen der nicht existenten Farbe des elektromagnetischen Spektums nicht interessiert). Was soll man da im (im seit etlichen Tagen im mittlerweile toten Forum) diskutieren? Themen gäbe es viele. Aber Teilnehmer*innen?

3. Februar 2020
9:19
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Amfortas
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"... Unglücksproduktion von Sven-Eric Bechtolf ..."

Bechtolfs Inzsenierungen, derer es im Repertoire der WSO leider viel zu viele gibt, sind für das Haus ein großer Schaden. Leider wurde diesem Dilettanten viel zu lange freie Hand gelassen, sodass sich quer durch das Repertoire eine Spur der Verwüstung zieht. Da hilft nur eines: ALLE Produktionen absetzen und durch Neuinszenierungen ersetzen.

31. Januar 2020
3:18
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Gurnemanz
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Do., 30. Jänner 2020: WIEN (Staatsoper): Antonín Dvořák, Rusalka

Nachdem ich heute wieder die Rusalka gehört hab: Ich liebe diese Oper nach wie vor, aber ich komm langsam drauf, dass sie musikalisch schon seeehr einfach gestrickt ist. Ist schon lang nicht mehr meine Lieblingsoper...

Außerdem halte ich es für großen Schwachsinn, dieses so zu Herzen gehende Stück in einer Sprache (Tschechisch) zu spielen, die nur wenige im Wiener Publikum verstehen. Im Grunde genommen sind die Aufführungen in Nicht-Landessprache die reinste Perversion (wenn auch eine mittlerweile international leider übliche).

Die Leistungen waren insgesamt durchschnittlich: Olga Bezsmertna ist eine solide Hausbesetzungs-Rusalka, kommt aber (vor allem hinsichtlich der viel zu unruhigen Stimmführung) in keiner Hinsicht an die Premierenbesetzung Krassimira Stoyanova (schade, dass diese wunderbare Sängerin in der heurigen Spielzeit nur bei Verdi eingesetzt ist!) heran. Piotr Beczała ist wohl einer der derzeit weltbesten Interpreten des Prinzen, dennoch nicht fehlerfrei: teilweise super, teilweise klingt die Stimme belegt und eher zu leise. Deutlich unter den Erwartungen war Jongmin Park in der so wichtigen Rolle des Wassermanns, der einige Jahre lang tolle Leistungen gebracht hat, in den letzten Monaten aber deutlich nachlässt!! Früher hatte er wunderschönes Legato, heute wechselten sich sehr gute Passagen mit vielen beiläufig gesungenen ab, die obendrein technische Defizite (zu schlechte Höhe) offenbarten. Was ist los mit ihm?

Sehr erfreulich hingegen Monika Bohinec als Ježibaba und Elena Zhidkova als Fremde Fürstin (wenn auch letztere mit zu starkem Scheppern). Unter den kleinen Rollen fiel Szilvia Vörös als zweite Elfe positiv auf, negativ allerdings Diana Nurmukhametova als erste Elfe mit einem flackernder, unschöner und leiser Stimme.

Die Leistung des Orchesters der Wiener Staatsoper war zwiespältig: Die Orchestereinleitung zum ersten Akt war extrem übel, da ist jedes Musikschulorchester besser, und auch im Verlauf des Abends störten insbesondere die Hornisten mit Patzern am laufenden Band, peinlich!!! Anderseits dirigierte Tomáš Hanus ganz wunderbar: Farben und Schattierungen malten die seelische Tragödie, die in dieser nichtssagenden Unglücksproduktion von Sven-Eric Bechtolf kaum zu sehen ist. Die erste halbe Stunde war mir zu langsam dirigiert, danach war es in Ordnung.

In ein paar Stunden gehts nach Prag zum Lohengrin. Ob das gescheit ist...?

27. November 2018
7:56
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Gurnemanz
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29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Lieber Toni! Ich halte das ebensowenig wie Pwolf für eine gute Idee, aus mehreren Gründen. Ich finde es gut, dass in der Staatsoper und im Theater an der Wien alles in Originalsprache gespielt wird und in der Volksoper das Meiste auf Deutsch. Das ist doch eine gute Mischung, passt!

Sänger, die ihre Rollen rein phonetisch lernen, tun mir leid, das kann nicht gut klingen. Wie soll man ausdrucksstark singen, wenn man nicht weiß, was welches Wort bedeutet? Man muss die jeweilige Sprache nicht sprechen können, aber muss zumindest wissen, was man singt.. 

Die Verkaufte Braut ist mit Dvořák, Janáček,... nur bedingt vergleichbar, sie hat ja eine lange deutschsprachige Tradition, und Janáček hat genau nach der tschechischen Sprachmelodie komponiert. Alles auf Deutsch zu spielen würde auch dazu führen, dass man nur schwieriger gute Sänger engagieren kann. Außerdem gibt es nicht selten verschiedene deutsche Übersetzungen derselben Oper (zB bei Rusalka, Hoffmanns Erzählungen), und damit kommt man erst recht in die Bredouille. Welcher Sänger, der was auf sich hält, lernt eine Partie in mehreren deutschen Übersetzungen? Abgesehen davon, dass die Staatsoper für zahlreiche Besucher aus dem Ausland unattraktiver würde.

Ich bleib dabei: Volksoper deutschsprachig + Staatsoper Originalsprache = perfekt! 

26. November 2018
23:13
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Pwolf
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Ich kann zwar auch kleine slawische Sprache, aber trotzdem finde ich z.B. einen Eugen Onegin (Евгений Онегин) in russischer Originalsprache wesentlich besser als in deutscher Übersetzung. Bei den tschechischen Opern fällt mir der Unterschied weniger stark auf, ist aber wahrscheinlich genauso. Daher ist es glaube ich eine schlechte Idee wieder zu Übersetzungen zu greifen. Außerdem gibt es ausreichend Sänger(innen) mir slawischer Muttersprache, das sollte eigentlich kein Besetzungsproblem sein.

26. November 2018
19:41
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toni
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Ich persönlich hätte gar nichts dagegen wenn man in Wien die slawischen Opern in deutscher Sprache aufführen würde.

Würde den meisten Sängern das mühsame phonetische Einstudieren der Rolle ersparen wo sie dann auch meistens nicht genau wissen was sie singen.

Erinnere mich an eine sehr schöne Aufführung der Verkauften Braut mit Horst Stein am Pult und Gundula Janowitz, Waldemar Kmennt und Oskar Cerwenka. Später dann auch an Siegfried Jerusalem als Hans.

23. November 2018
16:25
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HansLick2
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CoolCoolCoolCool 

23. November 2018
16:18
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Chenier
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28. Februar 2018
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Ist in Ordnung, alcoindo, beenden wir diesen lächerlichen Disput. Wir haben uns, glaube ich, beide ein wenig zu weit aus dem Fenster gelehnt.

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