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Oper in Nachbarländern Österreichs | Seite 9 | OnlineMerker | Forum

 

 

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Oper in Nachbarländern Österreichs
6. Mai 2019
13:57
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Kapellmeister Storch
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Tannhäuser, Deutsche Oper Berlin, 05.05.2019

Aufführungen eines Komponisten zu bündeln und z. B. als Wagner-Woche zu verkaufen, hat in der Vergangenheit schon ​öfter funktioniert. Die Aufführung gestern fand im Rahmen einer sogenannten Wagner-Woche statt. Dennoch gab es genug leere Plätze im hinteren Parkett und im 1. Rang. Ich habe die Aufführung eigentlich nur wegen Keenlyside besucht. Positiv überrascht hat mich jedoch Emma Bell und mich als Venus und noch mehr als Elisabeth überzeugt. In der Höhe klang sie vielleicht stellenweise ein wenig hausbacken, aber insgesamt dürfte sie die Doppelrolle bisher am überzeugendsten gemeistert haben. Mich hat vor allen Dingen ihre glänzende Technik bei lupenreinen Tonsprüngen begeistert. Auch darstellerisch fand ich sie sehr überzeugend. Stephen Gould, den ich sehr schätze, hatte gestern nicht seinen besten Abend. Das mag Jammern auf hohem Niveau sein, aber etliche Töne klangen doch arg strapaziert. Simon Keenlyside hat mir einige Rätsel aufgegeben. Zunächst wirkte er szenisch wie ein Fremdkörper. Keine Ahnung, ob er sich in der albernen Rüstung unwohl gefühlt hat oder was mit ihm los war, der doch eher durch sehr charismatische Auftritte besticht. Auch musikalisch wirkte er nicht sicher. Das extrem langsamen Dirigat mag ein Grund dafür gewesen sein, weshalb er mehrfach ins Schlingern geraten ist. Stellenweise klang seine Stimme auch ein wenig brüchig, und manche Aufwärtsbewegung bereitete ihm sichtlich einige Mühe. Großes Format hatte eigentlich nur seine Szene im 2. Akt. Entsprechend schwach fiel auch der Beifall aus. Ante Jerkunica war ein würdiger Landgraf, wenn man von seinen üblichen Schwächen im oberen Register einmal absieht. Er hat zwar alle Töne bekommen, aber nicht in der gleichen Qualität seiner ansonsten herrlichen Stimme. In den kleineren Rollen fand ich den bewährten Clemens Bieber als Walther am überzeugendsten. Stefan Blunier musste am Ende mehrere Buh-Rufe für ein stellenweise zerdehntes Dirigat einstecken. Ob Koordinationsprobleme zwischen Bühne und Graben auf wenige oder keine Proben zurückzuführen sind, vermag ich nicht zu sagen, aber wenn ich daran denke, wie souverän z. B. Axel Kober in Berlin dirigiert hat, dann war der Dirigent sicher nicht ganz unschuldig an den Problemen. Für Emma Bell hat sich der Besuch gelohnt, ansonsten war es ein durchwachsener Repertoire-Abend, für den man keine Wagner-Tage hätte ausrufen müssen.

2. Mai 2019
7:56
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petra pan
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Eine Sternstunde des Belcanto

erlebten die Besucher am 29. April im Gärtnerplatztheater München mit Maria Stuarda (Gaetano Donizetti)!

Die Wiederaufnahme bot mit dem Dirigenten Kiril Stankow einen musikalisch spannenden Abend: Tempi und Dynamik nahmen den Zuhörer mit, gaben den SängerInnen alle Möglichkeiten der Gestaltung. Und die gelang den Herren Arthur Espiritu (Graf Leicester), Levente Pall (Talbot) und Matija Meic (Sir Cecil) mit weichen und dramatischen Stimmführungen. Die Elisabetta Nadja Stefanoff war eine geradezu lebensecht enttäuschte und rächende "Eiskönigin". Ganz hervorragend Jennifer O'Loughlin (Maria Stuarda), deren Piano auch noch den letzten Räusperer verstummen ließ! Ihre grandiosen Spannungsbögen in Stimme und Gestaltung wurden unterstützt von Elaine Ortiz Arandes (Anna Kennedy). Und nicht zuletzt von einem beeindruckenden Chor (Einstudierung Felix Meybier), der die ansonsten requisitenarme Bühne stimmlich und darstellerisch füllte.

Unbedingte Empfehlung für die beiden noch folgenden Aufführungen am 2. Mai und am 5. Mai!

24. April 2019
23:53
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Gurnemanz
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Mi., 24. April 2019: BRATISLAVA/PRESZBURG (Neues Opernhaus): Wolfgang Amadé Mozart, Die Zauberflöte

Eigentlich wollte ich heute zum Jeunesse-Konzert ins Konzerthaus gehen (Kodály, Martinů, Schumann), aber da der Kodály, auf den ich mich am meisten gefreut hatte, aus dem Programm geschmissen wurde, ich genau diesen Martinů ohnehin kommende Woche in Bratislava hören werde und ich Schumann eher nicht brauche, habe ich mich kurzerhand für das Alternativprogramm entschieden, nämlich die Zauberflöte in Bratislava mit einem meiner Lieblingssänger als Sarastro. Die Zauberflöte wird in Bratislava zweisprachig gegeben, und zwar werden die Musiknummern auf Deutsch dargebracht und die (glücklicherweise auf ein ausreichendes Maß gekürzten) Dialoge auf slovakisch, während die jeweils andere Sprache oben mitläuft. Das ist sehr gut gelöst, und die Inszenierung von Svetozár Sprušanský (Bühne und Kostüme von Alexandra Grusková) ist wunderbar. Abgesehen davon, dass hier Sarastro zum Vater Paminas und somit zum Ex der Königin der Nacht wird, finde ich die Produktion äußerst gelungen. Die Bühne ist farbenfroh und belebt, aber nie überladen. Besonders gut gefällt mir die Gestaltung der Prüfungsszene (ein Tänzer (der auch schon bei der Bildnisarie zu sehen war) und eine Tänzerin turnen auf einem Seil, das ist sehr berührend, wenngleich das beim Lesen dieser Zeilen vielleicht nicht einleuchtet), Pamina (die wahre Hauptperson dieser Oper!), Tamino und Papageno werden auch durch drei Kinder verkörpert, die die erwachsenen Sänger begleiten und in den Dialogen manchmal statt ihrer antworten. Sehr gut gelöst finde ich den Schluss: Sarastro ist in den Hintergrund getreten, Tamino und Pamina haben seinen Platz eingenommen und sind so gekleidet wie Sarastro in den Szenen davor. Insgesamt eine farbenfrohe, berührende und nie alberne Produktion dieses (zu oft als Kinderoper verkannten) Meisterwerks. Das Terzett "Soll ich Dich, Teurer, nicht mehr sehn" fehlt, dafür wird die oft gestrichene Unterhaltung der Sklaven vor Monostatos' Auftritt gegeben.

Leider waren die Sängerleistungen kaum erfreulich. Am besten hat mir noch die Pamina von Helena Becse-Szabó gefallen. Ihre Stimme ist sehr schön und laut genug, sie schaffte es, ihren Gesang mit Gefühlen zu bereichern. Bei "Ach, ich fühls" ist sie aber hörbar an ihre Grenzen gestoßen, und diese Szene trennt ja die Spreu vom Weizen. Bedauerlicherweise hat sie in der Prüfungsszene viermal zu hoch gesungen. Tomáš Juhás hat als Tamino die Mindestanforderung erfüllt, nämlich alle Töne in einer passablen Lautstärke richtig zu singen. Aber abgesehen davon ist ihm kaum etwas Positives zu attestieren. Alle Höhen wurden hinausgepresst, man hörte ihm da die Mühe der Tonproduktion richtig an. Gestaltung oder Differenzierung ist ihm ein Fremdwort, einzig bei "Pamina mein, o welch ein Glück!" hat er versucht, etwas Ausdruck hineinzubringen. Letztes Monat hat er mir in Prag als Števa sehr gut gefallen. Das passt zu ihm, aber als Mozarttenor kann man ihn vergessen. Mit Daniel Čapkovič war der Papageno glücklicherweise angemessen besetzt, nämlich mir einem richtigen Bariton. Čapkovičs Stimme ist dafür vielleicht mittlerweile schon etwas zu schwer/dunkel, aber das hat mich nicht gestört. Das Problem war, dass er mehr auf vordergründigen Effekt setzte als auf feine Gestaltung, was zwar bei vielen gut ankommt, aber mir nicht gefällt (Papageno ist eben kein hyperaktiver Idiot wie man heute hätte glauben können). Für Martina Masaryková ist sogar die neue Oper Bratislava zu groß (wobei man sagen muss, dass das Haus eine problematische Akustik hat, man muss halt wissen, wo man sich hinsetzt), denn ich habe sie nur recht schwer vernommen. In der ersten Arie der Königin der Nacht sind ihr einige Unsauberkeiten passiert, die zweite war besser. Sie hat sich auf die Höhen konzentriert, viele tiefere Töne waren im Nirwana. Gut, aber lange nicht so gut wie üblich war Peter Mikuláš als Sarastro. Ich liebe seine Stimme, und für den Sarastro passt er sehr gut (nicht nur stimmlich, auch optisch mit seiner Größe, seinem Bart, seinem Alter (geboren 1954) und seiner Respekt gebietenden Ausstrahlung). Heute war er hörbar nicht auf der Höhe, denn im "O Isis und Osiris" ist ihm für ein paar Sekunden der Text entfallen (er hat spontan das Richtige gemacht, nämlich ohne Text gesungen), und in den "Heiligen Hallen" waren zwei Töne zu hoch, beides habe ich bei ihm noch nie erlebt (sein Zaccaria Anfang Februar war er großartig). Die kleineren Rollen waren gemischt: Erfreulich die drei Damen (Andrea Vizvári, Miriam Maťašová und Denisa Hamarová), mittelmäßig der Monostatos von Ivan Ožvát. Ján Ďurčo klang als Sprecher ungefähr so wie Kurt Rydl an einem schlechten Abend. Die Szene des Sprechers kann großartig sein (bei Franz Grundheber) oder so wie heute. Die drei Knaben waren gut und viel besser als die Wiener Sängerknaben. Eine sehr große negative Überraschung war das Orchester, was ich in Bratislava noch nie erlebt habe. Da klingt ein durchschnittliches Jugendorchester besser. Viele Unsauberkeiten und zu späte Einsätze, generell ein uninspirierter Musikbrei, das hat Mozart wirklich nicht verdient. Eine Katastrophe die Frau am Glockenspiel, die teilweise irgendwas gespielt hat, jedenfalls nicht das Richtige. Was ist da heute passiert, dieselbe Glockenspielerin hat vor zwei Monaten die Don-Giovanni-Rezitative tadellos begleitet. Der verlässliche Dušan Štefánek am Pult versuchte zu retten, was zu retten war, indem er sein Tempo auf die Bedürfnisse der Sänger abstimmte (das zügige Tempo in der Bildnisarie war hilfreich), war aber auf verlorenem Posten. Eine so schlechte Orchesterleistung habe ich in Bratislava noch nie gehört (außer im Rahmen eines Gastspiels von einem Gastorchester am Ankunftstag). Vielleicht hätte ich heute doch lieber ins Konzerthaus gehen sollen (oder gar keine Kultur konsumieren).

24. April 2019
18:18
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Gurnemanz
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Ich muss gestehen, dass ich von meinem Platz gar nicht wahrgenommen habe, ob es sich um Flieder oder um Hanf handelt, aber die Tafel mit den Namen der Meister halte auch ich für einen guten Einfall!Auch ich bin weder Fritz- noch Vogtfan, aber seit einem ziemlich gruseligen Kaiser weiche ich Fritz nach Möglichkeit aus.

Auf jeden Fall schön, dass Sie jetzt mit ihren Berliner Berichten das Forum bereichern. In Berlin ist ja hinsichtlich Kultur einiges los (und es tut mir leid, dass ich nicht zu Mussorgskis Jahrmarkt von Sorotschinzi fahren kann - würde mich sehr interessieren). 

24. April 2019
13:52
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Kapellmeister Storch
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Sehr gerne. Die Inszenierung finde ich sehr kurzweilig und unterhaltsam. Ob man unbedingt Flieder durch Hanf ersetzen muss, um in der aktuellen Zeit anzukommen, lasse ich mal dahingestellt, aber ich finde auch die Sponsorentafeln mit den Geschäften der Meister originell.

Ich bin weder Vogt- noch Fritz-Fan, war aber angenehm von Fritz überrascht.

23. April 2019
20:30
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Gurnemanz
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Vielen Dank, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, Ihre Eindrücke in einem so gut nachvollziehbaren Bericht festzuhalten! Ich bin, wie man ja weiter unten nachlesen kann, sehr ähnlicher Ansicht. Allerdings bin ich froh, Vogt statt Fritz gehört zu haben.

Wie gefällt Ihnen die Inszenierung?

23. April 2019
14:33
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Kapellmeister Storch
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Die Meistersinger von Nürnberg, Staatsoper Berlin, 18.04.2019

 

Hier noch mit etwas Verspätung mein Bericht zu den Meistersingern am Donnerstag, dem 18.04.2019. Ich habe sicher schon bessere Aufführungen der Meistersinger erlebt, aber es war eine dieser Aufführungen, aus ich restlos glücklich rausgekommen bin. Der größte Trumpf war sicherlich Daniel Barenboim, von dem ich noch die so gute Meistersinger gehört habe: schwungvoll, aber nicht gehetzt und ausgelotet bis ins kleinste Detail. Bei den gesanglichen Leistungen könnte man sicher den einen oder anderen Abstrich machen, aber die Mannschaftsleistung hat hier den positiven Ausschlag gegeben. Wolfgang Koch ist nicht unbedingt mein idealer Sachs, zumal er stellenweise nach Charakterbariton klingt. Dennoch kann ich seine Leistung am Donnerstag nicht hoch genug rühmen. Seine Souveränität (trotz Texthänger in der Schusterstube), seine ausgefeilte Rollengestaltung und seine Kondition haben seinen Sachs zum Ereignis werden lassen. Positiv überrascht war ich auch von Burkhard Fritz als Stolzing. Er war sicher kein strahlender Junker, aber hat die Rolle klug verhalten gesungen und die Partie im Großen und Ganzen sehr respektabel gesungen. Weniger überrascht hat mich Julia Kleiter als Eva, die ich seit vielen Jahren sehr schätze und die auch diese Rolle ideal verkörpert hat. Ein Grund für den Besuch der Aufführung war für mich das Mitwirken von Matti Salminen, einen meiner absoluten Lieblingssänger, als Pogner. Eine objektive Beurteilung würde sicher schlechter ausfallen als eine mit Enthusiasmus. Zählt man ihn zur Veteranen-Riege der Meister dazu, fällt das Urteil wohlwollend aus. Letztendlich war es für mich eine große Freude, ihn noch einmal auf der Bühne erlebt zu haben. Martin Gantner ist wegen seiner recht hellen Stimme bei vielen nicht unumstritten. Im 1. Akt hörte er sich in der Tat stellenweise wie ein Charaktertenor an. Ich schätze an ihm jedoch seinen recht makellosen Gesang, seine hervorragende Diktion und die Art und Weise, wie er in die jeweilige Rolle schlüpft. So fand ich ihn auch als Beckmesser wieder hervorragend. Hoch interessant und ein großes Vergnügen war die erstmalige Begegnung mit Siyabonga Maqungo. Stimmlich konnte er mit klarer, frischer Stimme mit sicherer Höhe begeistern. Szenisch war er endlich mal nicht der typische devote Lehrjunge, sondern ein sympathischer, rundlicher Lehrling. Ein großes Vergnügen war es auch, die zahlreichen mehr oder weniger betagten Meister auf der Bühne zu beobachten. Und hier fange ich gleich mal bei Franz Mazura an, der gestern seinen 95. Geburtstag gefeiert hat. Der gesangliche Wert ist letztendlich völlig unwichtig, aber wie aufmerksam und mit welcher Mimik er das Geschehen verfolgt hat um einmal wütend seinen Stock in den Boden zu rammen und einmal "verstand man recht" zu singen, war köstlich. Recht beachtlich klang hingegen noch Graham Clark (77) als Kunz Vogelgesang. Warum Siegfried Jerusalem ein Tag nach seinem 79. Geburtstag einzelne Buhs bekam, ist mir unverständlich. In Reiner Goldberg als Ulrich Eisslinger, ebenfalls 79, stand ein Stück Staatsopern-Geschichte auf der Bühne. Eine exponierte Stellung unter den Meistern hat Fritz Kothner mit deutlich mehr Text. Hier bot Jürgen Linn (Jg. 1959) eine Leistung der Extreme: ich habe noch nie einen so prägnanten, spielfreudigen und textdeutlichen Kothner erlebt, aber wohl auch noch keinen stimmlich so enttäuschenden Sänger in dieser Rolle. Das ist umso erstaunlicher als zu seinem Repertoire alle wichtigen Wagner-Rollen inklusive Wotan gehören. Vor einigen Jahren habe ich ihn unter Rattle mal als Ochs am Haus gehört. Bei Katharina Kammerloher als Magdalena war der optische Eindruck deutlich stärker als der stimmliche Eindruck. Insgesamt ein toller, kurzweiliger Opernabend, bei dem allerdings viele Plätze leer geblieben sind! Das Konzert der Staatskapelle am Karfreitag habe ich mir übrigens gespart. Weniger wegen der Absage von Anna Netrebko, sondern mehr wegen der Programmänderung: zwei Arien aus Rigoletto und La Traviata statt drei Arien aus Nabucco, Aida und Forza.

16. April 2019
16:56
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Gurnemanz
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@149 Danke für Ihre Schilderung, das kann ich nachvollziehen! Mein Eindruck war sehr sehr positiv, mir gefällt gerade diese Art Kreuzung Klassik und modern. Die Choreographie ist ja genau auf die Musik abgestimmt, und Berlioz ist sowieso hörenswert (besonders freue ich mich übrigens auf das Berlioz-Requiem im Musikverein demnächst). Vom Orchester war auch ich positiv überrascht.

@150 Ich weiß nicht so wirklich, ich denke, der Gemeinte wäre davon aus verschiedenen Gründen nicht begeistert. Aber generell finde ich Ihre Idee gut, denn der Merker hat ja in seiner Leserschaft viele Opernfans mit jahrtzehntelanger Erfahrung. Da könnte man wirklich mal Erinnerungen/Vergleiche systematisch sammeln. Aber das müsste halt vernünftig geschehen und nicht mit einer "So gut wie damals ist heute nichts mehr"-Einstellung.

15. April 2019
20:44
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Christine
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An Gurnemanz (147) Ein Opernfan, der seit 1955 in die Oper auf Stehplatz geht, das finde ich großartig. Er muss ja unglaublich viel erzählen können. Den könnte der Merker einmal zu einer Gesprächsrunde einladen.

Ich finde es auch sehr nett, dass Gurnemanz dieses Opernforum durch seine Beiträge belebt. Man muss ja nicht jedermanns Meinung teilen sondern sie akzeptieren. dann kann man auch darüber diskutieren.

15. April 2019
18:36
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Chenier
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Ja, Gurnemanz, habe ich gesehen. Der erste Teil war noch ein wenig holprig und uneinheitlich, der Schlussteil mit Chor ist allerdings phänomenal. Überhaupt ein etwas merkwürdiges Werk, mit Chor, 3 Solostimmen und Tanz, wobei mich die Choreographie diesmal nicht ganz überzeugt hat, so eine Art Kreuzung zwischen Klassik und modern, angehaucht von "West Side Story". Aber musikalisch hochinteressant, durchaus empfehlenswert. Das Orchester war jedenfalls in Hochform.

15. April 2019
17:49
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UwePaul
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Denn bin ich ja wieder zufrieden :-)))

15. April 2019
17:41
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Gurnemanz
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@144: Oh das tut mir leid, dann habe ich Ihre erste Antwort ganz anders verstanden, als sie gemeint war. Ich möchte mich dafür entschuldigen. Das sind die Tücken der schriftlichen Kommunikation... Sie haben natürlich recht, das Verarbeiten ist eine Herausforderung. Heute bin ich ganz froh, wieder in Wien zu sein und meinen "gewöhnlichen" Tätigkeiten nachgehen zu müssen.

@145 Oh, vielen Dank für Ihr nettes Kompliment! Es ist sehr schön, dass wir trotz manchen inhaltlichen Differenzen eine gute Gesprächsbasis gefunden haben. Und wir sind ja gar nicht so selten einer Meinung. Bei dieser Gelegenheit: Waren Sie schon im Berlioz-Ballett in der Volksoper? Ich werde heute ein drittes- bzw. viertesmal gehen und freue mich schon!

@146 Ebenfalls danke! Ich habe diesen Thread als Sammelthread für Opernberichte und Diskussionen hierzu gedacht, damit ich nicht mit zu vielen Einzelthreads das Forum zuspamme. Sie können natürlich Ihre auch hier einstellen oder eigene Threads eröffnen, wie es Ihnen lieber ist. Danke auch für die Erzählung, das finde ich auch toll! Wer weiß, ob ich mit 92 Jahren noch lebe bzw. so fit bin. Dazu etwas aus eigenem Erleben: Einer der ältesten Wiener Stehplatzbesucher (er besucht den Wiener Stehplatz schon seit kurz vor 1955!) geht noch immer regelmäßig hin, und ich bin mit ihm in gutem Kontakt. Er fährt regelmäßig irgendwo hin, wenn ihn eine Rarität oder ein bestimmter Sänger interessiert (zum Beispiel vorgestern war er einer der vier Wiener, die zur Julietta nach Ostrau gefahren sind), und ist immer neugierig. Ich schätze ihn sehr, man kann sich mit ihm wunderbar über Oper der Gegenwart und Vergangenheit und alles mögliche unterhalten, außerdem ist er technisch versierter als ich. Ich hoffe, dass ich auch einmal so sein werde, wenn ich auf die 80 zugehe!

15. April 2019
16:15
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Kapellmeister Storch
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Dem schließe ich mich gerne an. Ich habe diesen Thread nun mehr durch Zufall entdeckt, allerdings zu spät, um meinen Parsifal-Bericht hier zu platzieren. Ich habe auch den wohlwollenden Eindruck von Gurnemanz vom Orchester der DOB vernommen. Ich finde es sympathisch, für Raritäten wie den Zwerg und Juliette durch die Gegend zu fahren. Dazu eine kleine Geschichte. Ich war letzten Sonntag im Zwerg. Dort habe ich einen mir bekannten Mann getroffen, den ich viele Jahre nicht mehr gesehen hatte, früher jedoch immer wieder mal. Gerade erst hatte ich meiner Frau von genau diesem Mann erzählt. Er kommt aus Tel-Aviv und ist in der Vergangenheit mehrmals im Jahr nach Wien und nach Berlin geflogen. Inzwischen ist er 92 Jahre alt und will das Reisen einstellen. Er sucht sich aber nicht Puccini, Verdi oder Wagner aus, sondern eher selten gespielte Werke. So hat er bei seinen letzten beiden Besuchen u.a. den Zwerg, Candide, Die Frau ohne Schatten, Die tote Stadt und Die Sache Makropulos gesehen. Das finde ich cool!  Die letzte Produktion ist leider im vergangenen Herbst zum letzten Mal gespielt worden.

15. April 2019
15:48
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Chenier
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Chapeau, Gurnemanz, ich bewundere Ihre Ausdauer und die Ausführlichkeit Ihrer Rezensionen ebenso wie die inhaltliche Professionalität. Sie sind wirklich ein Opernfan, von denen es nur wenige gibt, und das meine ich ehrlich und nicht ironisch. Danke jedenfalls, ist eine Bereicherung.

Wir sind zwar öfters unterschiedlicher Meinung, aber das musste auch einmal gesagt werden.

15. April 2019
13:26
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UwePaul
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Wer hat sich aufgeregt`???

Das war eher bewundernd, ich würde mir das in 3 Tagen nicht zumuten, vor allem nicht verarbeiten, bei dem Umfang.

15. April 2019
13:17
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Gurnemanz
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Ja, das sehe ich auch so. Bisher hat er mich nur als Paul in der Toten Stadt überzeugt, aber auch den gestrigen Stolzing habe ich sehr überzeugend gefunden!

15. April 2019
11:26
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Chenier
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Ich habe Vogt zuletzt in Wien als Lohengrin erlebt, Gurnemanz, und da hat er mich stimmlich noch an einen Sängerknaben erinnert. Aber das ist einige Jahre her und vielleicht ist die Stimme mittlerweile wirklich nachgedunkelt. Technisch hat er ja alles im Griff.

15. April 2019
8:35
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Gurnemanz
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1. Nein, tu ich nicht (glücklicherweise habe ich Besseres zu tun), aber Ausnahmen bestätigen die Regel.

2. Wir sind hier in einem (mehr oder weniger) Opernforum, also regen Sie sich nicht auf, wenn jemand über Oper schreibt.

3. Diese Antwort zu schreiben war auf jeden Fall mehr Zeitverschiebung als alles, das ich in den letzten drei Tagen gemacht hatte.

15. April 2019
6:55
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UwePaul
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Sie verbringen ja Ihr Leben wohl nur in Bahn oder Bus oder Opernhäusern, Freitag Berlin, Samstag Ostrava, gestern wieder Berlin....

15. April 2019
2:34
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Gurnemanz
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So., 14. April 2019: BERLIN (Staatsoper Unter den Linden): Richard Wagner, Die Meistersinger von Nürnberg

Dass ausgerechnet ich, der ich als Wagner-Antifan bekannt bin und der ich die meisten Wagner-Aufführungen in Wien auslasse, extra nach Berlin zu einer langen Wagneroper fahre, mag verwundern. Doch dafür gibt es Gründe. Die Meistersinger sind die von mir am höchsten eingeschätzte Wagneroper, ihr kann ich etwas abgewinnen! Wagner hat mit den Meistersingern gezeigt, dass er durchaus in der Lage war, halbwegs gute Opern zu schreiben, wieso hat er es bloß so selten getan? Doch ich will nicht zu überschwenglich sein, denn die Partitur der Meistersinger könnte man erheblich kürzen. Ein weiterer Grund war die Sängerbesetzung, und zwar vornehmlich die Besetzung mancher Nebenrollen, denn wann hat man schon die Gelegenheit, mehrere Operngrößen lang vergangener Tage gleichzeitig zu erleben? Doch dazu später.

Wolfgang Koch war mit der ob ihrer immensen Länge kaum zu bewältigenden Partie des Hans Sachs betraut, und ich ziehe meinen nicht vorhandenen Hut vor jedem Sänger, der diese Rolle achtbar bewältigt (das heißt: weder die ersten beiden Akte nur auf Sparflamme zu singen, um dann auf der Festwiese die Sau rauszulassen, noch in der Schlussansprache stimmlich völlig zu verrecken - Beispiele für beides verkneife ich mir jetzt). Ermüdungserscheinungen waren am Ende zu merken, doch er konnte diese durch gute Technik weitgehend kaschieren. Freilich, so optimal ist seine Technik nicht, denn die hohen Töne werden irgendwie komisch deutlich nach hinten gezogen, aber sie reicht aus. Mein Problem mit Koch ist: Er klingt immer gleich, nämlich bar jedes Ausdrucks, richtig gleichgültig, eine Vermittlung von Gefühlen findet einfach nicht statt. Das liegt nicht an der Länge der Partie, denn dieses Problem gibt es immer, als Telramund, als Barak, als Jochanaan, als Danton. Ich kann mich noch an Anfang Juli 2017 erinnern, als Koch nach seinem teilnahmslos gesungenen Münchner Barak starke Ovationen entgegennehmen konnte und ich mir nur gedacht habe: "Niemand, der jubelt, hat so wie ich vor zwei Wochen den Barak von Franz Grundheber in Leipzig gehört und weiß somit nicht, was gut ist.". Zurück zu Koch: Es war heute eine passable Leistung, nicht mehr, nicht weniger. Seine Stimme ist für die Wiener Staatsoper stets ein wenig zu klein, aber für die kleine Berliner Lindenoper passt sie. Angekündigt für den Stolzing, die zweite der beiden Hauptpersonen, war Burkhard Fritz, der aber kurzfristig durch den stark polarisierenden Klaus Florian Vogt ersetzt wurde, der erst tags zuvor in Salzburg den Stolzing gesungen hatte. Das ist ein Mordsprogramm, aber wer weiß, vielleicht ist Vogt ja der einzige Vertreter jener raren Spezies, der stimmliche Überforderung guttut? Wie auch immer, heute war ich mit ihm ausnahmsweise sehr zufrieden. Seine Stimme ist mittlerweile nachgedunkelt und klingt jetzt nicht mehr so knabenhaft wie weiland, hat sich aber ihre Leichtigkeit bewahrt. Vogt ist fähig, ein hauchzartes und gleichzeitig tragfähiges Piano zu produzieren, was ja eine tolle Leistung ist. Dass er an den entscheidenden Stellen auch aufdrehen kann ohne zu brüllen, habe ich genauso wohlwollend registriert wie die Tatsache, dass ich heute nicht das Gefühl hatte, er sänge gleichzeitig mit zwei verschiedenen Stimmen. Also insgesamt ein sehr sehr positiver Eindruck, der dazu beigetragen hat, meine Beziehung zu seiner Stimme deutlich zu verbessern. Ebenfalls umbesetzt wurde die gar nicht so kleine Rolle des Pogner, für die ursprünglich Kwangchul Youn angekündigt war, für den aber Matti Salminen übernahm, der im Wikipedia und auf der Site seiner Agentur als "retired opera singer" geführt wird, und ehrlich gesagt täte er gut daran, schleunigst in die Pension zurückzukehren anstatt jetzt sein Denkmal zu beschädigen. Hin und wieder schimmerte noch sein Stimmglanz früherer Zeiten durch, aber bedauerlicherweise muss ich festhalten, dass Salminen einfach keine Stimme mehr hat. Es fehlt gewaltig in allen Lagen: unten, oben, Mitte. Lieb ist seine deutsche Aussprache, aber darauf kommt es ja nicht an. Nein, wirklich: Diese Stimmreste kann man als Hans Schwarz zur Schau stellen, aber nicht als Pogner. Die dritte Umbesetzung betraf die problematische Rolle des Beckmesser, den heute Martin Gantner statt Johannes Martin Kränzle, auf den ich mich gefreut hatte, gestaltete. Naja, Gantners Stimme klingt sehr tenoral und präzise, was hier passt, aber seine Darstellung hat mir missfallen, aber ich weiß nicht, inwieweit das ihm oder der Regisseurin anzulasten ist, dazu später. Sehr gut gefallen hat mir der David des Siyabonga Maqungo, der einmal mehr bewiesen hat, dass jemand, der schwarzafrikanische Sänger nur als Porgy-and-Bess-Interpreten sieht, komplett irrt. Maqungo hat eine sehr gute Leistung erbracht, und es ist ja schon nicht ganz so ohne, diese Textmassen als Nicht-Muttersprachler auswendig zu lernen. Dass alles richtig ausgesprochen und artikuliert war, habe ich ebenso wohlwollend vernommen wie seine helle, durchschlagskräftige Tenorstimmme. Eine Wiederbegegnung würde mich freuen, genauso wie auch mit Julia Kleiter, der Eva des heutigen Abends. Sie nennt einen schönen, hellen, aber nicht piepsigen Sopran ihr Eigen und konnte die Figur glaubhaft darstellen. Katharina Kammerloher als Magdalene hingegen ist mir negativ aufgefallen, sie scheint die Zoryana Kushpler Berlins zu sein, wenngleich sie auch nicht ganz so schlimm tönte. Unter den teils hochkarätig besetzten Nebenrollen hat Graham Clark den mit Abstand besten Eindruck hinterlassen, der trotz Baujahr 1941 in der kurzen Rolle des Kunz Vogelsang eine laute, vollkommen erhaltene Tenorstimmme mit erfreulichem Timbre hören ließ - ihn hätte ich gerne in Wien als Luxusbesetzung für diverse Rollen (Dr. Cajus, Monsieur Taupe etc). Jürgen Linn bellte sich durch den Fritz Kothner, und die anderen Sänger sind keiner Erwähnung wert, obwohl sich darunter auch Siegfried Jerusalem (Balthasar Zorn) und Reiner Goldberg (Ulrich Eißlinger) befanden. Franz Mazura (Hans Schwarz) hat nicht einmal mehr Stimmreste, sondern stimmlich nichts mehr, was in Anbetracht seines enorm hohen Alters (geboren 1924) nicht weiter verwundert. Der Chor der Berliner Staatsoper hat mir gut gefallen, und ausgezeichnet gefallen hat mir die Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim, doch bin ich nicht so Meistersinger-eingehört, um das Dirigat im Detail beurteilen zu können.

Aufgrund meines Platzes mit Sichteinschränkung konnte ich nur die halbe Bühne einsehen, was insofern nicht so schlimm war, zumal ich auf der "richtigen" Seite gesessen bin, nämlich auf der linken. Die Besucher der rechten Galerieseite haben mir leidgetan! Das, was ich von der Inszenierung gesehen habe, hat mir mit Einschränkungen gut gefallen - auf jeden Fall war es wohltuend, eine halbwegs zeitgemäße Inszenierung zu sehen anstatt die verstaubte Uraltproduktion Otto Schenks, die in Wien gerüchtehalber zwar schon oft entsorgt wurde, aber dann trotzdem wieder mal auftaucht. In den Meistersingern gibt es im wesentlichen drei Knackpunkte: 1) Wie schafft man es, der Figur des Beckmessers ihrer Würde nicht zu berauben? 2) Wie schafft man es, die fröhlich-ausgelassene Stimmung der Festwiese auf das Publikum zu übertragen anstatt eine bemüht-heitere und letztlich peinliche Stimmung hervorzurufen? 3) Und wie schafft man es, die Schlussansprache möglichst unproblematisch zu gestalten? Andrea Moses (die Regisseurin der total unnötigen Wiener Uraufführung von Die Weiden, oder besser gesagt: Die Stauden) hat sich passabel aus der Affäre gezogen. Besonders gut gefällt mir die Zeichnung der Dreiecksgeschichte Sachs-Eva-Stolzing, und das IST eine Dreiecksgeschichte, denn Sachs hat ganz klare Ambitionen auf Eva, welche er jedoch galant hintanstellt um des Glücks Evas wegen, ganz ähnlich wie im Rosenkavalier. In der Inszenierung von Frau Moses war ganz deutlich zu merken, dass Eva zwischen den beiden Männern hin- und hergerissen ist und sich Sachs und Stolzing durchaus als Konkurrenten wahrnehmen. Das ist super! Nicht super ist, dass ihr zum Beckmesser nichts eingefallen ist, das über die Standardinterpretation hinausgeht. Nennen wir das Kind beim Namen: Beckmesser ist eine antisemitische Karikatur. Nichtsdestoweniger kann man eine kluge Rollengestaltung entwickeln, aber dafür müsste man intelligent genug sein oder bei Christine Mielitz und Adrian Eröd nachfragen. Hier war es ganz 0-8-15 (Beckmesser macht sich zum Narren, wird verspottet und ist beim Finale nicht dabei), angereichert mit ein paar "Details", etwa dass Beckmesser offenbar Alkoholiker ist und sich im dritten Akt erstmal ein Reparaturseidl genehmigen möchte und dabei ganz im Stil des 3. Akts der Fledermaus gewaltig daneben leert - was soll dieses deppade, plumpe Getue? Einfach nur peinlich. Recht gut gelöst ist die Festwiese: Die Lichter im Zuschauerraum werden kurz eingeschaltet; Luftballons werden auf der Bühne und im Zuschauerraum befestigt; auf der Bühne befinden sich Menschen verschiedener Herkunft, die Stimmung ist fröhlich und ausgelassen, das passt. Im Hintergrund ist das Transparent eines städtischen Bauwerkes sichtbar, erst zum Schluss wird die Sicht einer grünen Wiese sichtbar, das gefällt mir. Was mich nervt, ist die unnötige Raucherei. Die Raucher sind generell eine Landplage, wieso müssen wir das auf der Opernbühne auch dann sehen, auch wenn es keine Funktion (wie zum Beispiel die Demonstration männlicher Macht oder weiblicher Attraktivität) hat? Wir wissen, dass Wolfgang Koch privat starker Raucher ist, aber wieso muss er sich als Sachs ganz an Ende vor Fallen des Vorgangs gut sichtbar eine Tschick anzünden? Wieso auch Eva rauchen muss, wird auch nicht so wirklich klar. So ein unnötiger Blödsinn Insgesamt war es jedoch - trotz Wagner - ein lohnender Opernnachmittag und -abend.

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