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Oper in Nachbarländern Österreichs | Seite 4 | OnlineMerker | Forum

 

 

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Oper in Nachbarländern Österreichs
20. Juni 2019
13:51
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Kapellmeister Storch
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Carmen mit Calleja, 19.06.2019, Deutsche Oper Berlin

Den Besuch der relativ neuen Carmen-Produktion von Ole Anders Tandberg habe ich mir bis gestern (19.06.2019) aufgespart. Trotz der Mitwirkung von Joseph Calleja gab es viele freie Plätze. Der Tenor hat sich in guter Verfassung präsentiert, seine wunderschöne Stimme strömen lassen und der Aufführung seinen Stempel aufgedrückt. Ebenfalls sehr gut hat mir Ramona Zaharia von der DOR in der Titelpartie gefallen, die für die ursprünglich geplante Stéphanie D´Oustrac übernommen hatte. Ihr Mezzo sprach in allen Lagen wunderbar an ohne jemals aufgesetzt zu klingen. Etwas anders stand es da um die Ensemblemitglieder. Sowohl Meechot Marrero als auch Samuel Dale Johnson sind ohne Zweifel hoch veranlagte Talente. Marrero hat gestern ihr Rollendebüt als Micaëla gegeben. Sie ist eine bildhübsche Sängerin mit ebenso schönem Sopran, nur leider ist entweder das Haus zu groß für ihre Stimme oder die Stimme (noch) zu klein für Rollen wie Micaela oder Liu oder gar beides. Sie hat überwiegend sehr schön gesungen, ist aber auch deutlich an ihre Grenzen gestoßen. Auch für Johnson war der Escamillo (noch) eine Nummer zu groß. Letztendlich fehlt es der Stimme noch an der notwendigen Kraft und Tiefe für die Partie. Von den Sängern der kleineren Partien konnte insbesondere wieder Thomas Lehman überzeugen. Recht blass sind Cornelia Kim als Frasquita und Amber Fasquelle als Mercédès geblieben. Beim umsichtigen und zündendem Dirigat von Jacques Lacombe sind keine Wünsche offen geblieben.

20. Juni 2019
13:42
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Kapellmeister Storch
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21. Februar 2019
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dalmont sagt

Die Musik – wiewohl wunderschön - dachte ich, sei nicht nicht so, dass sie Kindern und Heranwachsenden sehr entgegen kommt. Offensichtlich habe ich mich getäuscht. Denn nur mit der Tatsache, dass Janáček ein mährischer Nationalheiliger ist, lässt sich diese große Aufmerksamkeit nicht erklären. Ich frage mich, ob vielleicht der Musikunterricht in diesem östlichen Teil Tschechiens von diesem „mährischen Nationalheiligen“ ausgeht und dadurch ein breites musikalisches Interesse schafft? (Ich selbst hatte – deshalb diese Überlegung - Klavierspielen über Bartóks „Mikrokosmos“ gelernt, was mir unschätzbare Zugänge zur Musik nach der Spätromantik eröffnete). Oder geht dieses wundersame Stück Musiktheater auch schon sehr jungen Menschen ans Eingemachte?

Es wurde vor einiger Zeit im Forum die Frage diskutiert, welches der beste Einstieg für Kinder in die Welt des musikalischen Theaters sei: vielleicht sollte man das Stück, welches erzählt, was diese scharfsinnigen jungen Füchse erleben, mit berücksichtigen. Auch bei uns.

Die Deutsche Oper Berlin hat auch eine sehr hübsche Produktion von Katharina Thalbach im Repertoire (nicht 2019/20), die von vielen Kindern besucht wird. Ein tolles Werk, dass ich auch schon konzertant mit Video-Begleitung unter Rattle gehört habe.

20. Juni 2019
3:03
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Gurnemanz
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Ich freue mich sehr, dass dieser Thread inzwischen so reichhaltig gefüllt wird mit Aufführungsberichten aus diversen Städten. Das ist wirklich schön! Für die Leser des Forums ist das zweifelsfrei eine lesenswerte Informationsquelle. Herzlichen Dank an alle, die diesen Thread mit Berichten und Anmerkungen befüllen!

Ganz besonders habe ich mich über Beitrag 212 von Dalmont gefreut. Es ist sehr schön zu lesen, dass Sie sich durch meinen damaligen Beitrag angespornt gefühlt haben, nach Brünn zu fahren. Super! Etwas Besseres kann ich mit meinen Texten nicht erreichen.

Vielen Dank für das Lob für den damaligen Text! Allerdings habe ich erst vor einer halben Stunde gelesen, dass mein damaliger Text in mindestens einem Punkt falsch ist. In einem anderen Forum hat nämlich jemand, der mit dem Thema ausgezeichnet vertraut ist, geschrieben:

[Dass die Männer in irgendeiner Beziehung zu Terynka stehen] ist nicht im Original-Libretto, wo nur der Schulmeister in Terynka verliebt ist. Hier hat wieder Max Brod verschlimmbessert, indem er den Pfarrer und den Förster von Terynka sprechen läßt, was im Original nicht vorkommt (der Pfarrer spricht von einem anonymen Mädel mit einem goldenen Zopf - Terynka ist Zigeunerin, kann kaum blond sein - das er liebte, als er Student war und mit dem Metzgerlehrling durchgebrannt ist und der Förster singt von Veronika/Verunka ). Daß der Pfarrer wegen übler Verleumdung nach Straní versetzt ist, ist auch Brods Erfindung.

Daher bitte ich alle, meinen Text vom Dez. 2018 mit Vorsicht zu genießen! Er ist zumindest teilweise falsch!!!

Dass das Publikum in Tschechien und der Slovakei sehr diszipliniert ist, habe auch ich schon festgestellt. Und zum Schlauen Füchslein als Einstiegsoper? Ja, wieso eigentlich nicht? Die Geschichte/Musik ist zauberhaft und vergleichsweise kurz. Sie gefällt sicherlich nicht allen, aber ich kann mir vorstellen, dass diese Oper zumindest wenige sicher anspricht. Es passt halt nicht alles zu jedem.

Übrigens lerne auch ich derzeit mit Bartók Klavierspielen. Zwar nicht mit dem Mikrokosmos, aber mein Bruder bringt mir Klavier bei, momentan arbeite ich an Schumanns Album für die Jugend und an Bartóks Gyermekeknek ("Für Kinder"), was ja volksliedhafter ist als der Mikrokosmos, den ich mir aber auch demnächst vornehmen möchte (die ersten Stücke sind ja extrem einfach zu spielen, wenn ich es der Youtube-Aufnahme richtig entnehme).

Mich würde noch besonders interessieren:
Wie haben Ihnen die Sänger, das Orchester und - vor allem - die Inszenierung gefallen? Konnten Sie manches dessen, was ich vor einem halben Jahr über die Inszenierung geschrieben habe, nachvollziehen oder hatten Sie einen ganz anderen Eindruck? Das würde mich enorm interessieren.

Nochmals danke für Ihren netten Text und Ihr freundliches Lob!

 

Hier noch für alle, die nicht zurückscrollen möchten, die - teils falsche - Abhandlung über das Werk und die neue Brünner Inszenierung aus meinem damaligen Text:

Müsste ich ein Ranking der Janáček-Opern aufstellen, belegte das Schlaue Füchslein den ersten Platz (dicht gefolgt von der Sache Makropulos). Um meine Meinung zur Inszenierung begründen zu können, muss ich zuerst meine Sicht des Stückes darlegen. Auf den ersten Blick handelt es sich um eine Tiergeschichte (der Förster findet eine junge Füchsin im Wald, nimmt sie zu sich nach Hause mit, dort entkommt sie, findet im Wald einen Fuchs, gründet mit ihm eine Familie, wird aber vom Wilderer totgeschossen), aber es ist unbestreitbar, dass in dieser Oper von bloß 90 Minuten Dauer weit mehr steckt, es geht nämlich im wesentlichen um die großen Themen Sexualität und Tod. Fast jedes auftretende Tier hat ein Äquivalent in der Menschenwelt, und damit das auch ganz klar wird, müssen Dachs und Pfarrer vom selben Sänger verkörpert werden. Darüber hinaus steht die Stechmücke für den Lehrer, der Hund für den Förster (wobei sich vermutlich auch Janáček selbst im Förster gesehen hat), und die Füchsin steht für die eigentliche Hauptperson dieser Oper, von der immer nur erzählt wird, da sie nie auftritt, nämlich das Zigeunermädchen Terynka, zu dem jeder der auftretenden Männer in irgendeiner Beziehung steht: Die Füchsin vertreibt den Dachs aus seinem Bau, genauso vertreibt eine Frau – (wohl) Terynka – den Pfarrer, sodass dieser in eine andere Gegend versetzt wird; der Förster hat offenbar eine kurze außereheliche Affäre mit Terynka, die ihn aber wieder verlässt, genauso fängt er im Wald die Füchsin ein, die aber auch nicht lange bei ihm bleibt, wohl abgeschreckt durch die plumpe Art des Hundes ( = des Försters), sich ihr zu nähern; der Wilderer heiratet Terynka, beraubt sie also ihres freien Lebens, genauso beraubt er die Füchsin des Lebens, denn er schießt sie tot, um das Fell in einem Muff für Terynka zu verwerten; der Lehrer steht jahrelang auf Terynka, bekommt sie aber nie. Dass die Tiere für Menschen stehen, wird auch dadurch klar, dass sie sich ganz eindeutig wie Menschen benehmen und unterhalten (zum Beispiel Fuchs und Füchsin: "Bin ich wirklich so schön?", "Willst Du mich?" – "Ja, ich will Dich!!", "Rauchen Sie?" – "Jetzt nicht.", "Ich habe mich in Dich verliebt, weil Du die bist, die ich mir immer gewünscht habe, ich liebe nicht Dein Äußeres, sondern Dein Inneres"). Klammer der Erzählung sind zwei Szenen, in denen sich der Förster im Wald aufhält (er fühlt sich dort mehr zu Hause als bei sich daheim), und in beiden springt ihm ein Frosch ins Gesicht, nur ist es am Ende der Enkel jenes Frosches, der ihm am Anfang über den Weg gelaufen ist. Der Förster erkennt das und schließt quasi inneren Frieden, denn er erkennt, dass sich die Welt stets verändert, wir also alle sterben werden, aber von der Natur immer neues Leben hervorgebracht wird. Darüber hinaus sind die Charaktere sehr intelligent gezeichnet, genauso verhalten sich die Menschen im wirklichen Leben auch (zum Beispiel der Pfarrer, der mit lateinischen und griechischen Zitaten um sich wirft und eine Moral predigt ("Non des mulieri corpus tuum"), die er nicht verkörpert). Des weiteren gibt es ein paar Verweise auf die Entstehungsgeschichte dieser Oper (zum Beispiel: "Man wird über mich und Dich in Zeitschriften schreiben" – so ist ja auch diese Oper entstanden). Wesentlich ist, dass die relevanten Details nur nebenbei genannt werden; viel Zwischenmenschliches spielt sich ab! Beispielsweise die Gefühle der Männer, die im Gasthaus ihre Einsamkeit begießen, oder die Aussage des Hundes ( = des Komponisten, weil Komponist = Förster = Hund), dass er aus Einsamkeit sein Leben der Kunst gewidmet habe, und beim ersten Anhören kann man das gar nicht alles mitbekommen. Deshalb habe ich das Stück auch anfangs für schwach gehalten, aber seit ich es großteils verstanden habe, lässt es mich nicht mehr los. Das Wesentliche wird in der Musik ausgesagt, zum Beispiel der sexuelle Traum des Försters mit der Füchsin ( = mit Terynka) oder die Musik ganz am Schluss. Die Natur wird phänomenal durch die Musik geschildert (als ich letztes Jahr mit dem Bus durch Wälder und kleine Dörfer Mährens gefahren bin, habe ich den Eindruck gehabt, dass Janáček genau diese Gegend beschrieben hat).

Es gibt also verschiedene Handlungsebenen in diesem Stück, und Regisseur Jiří Heřman hat das auch durch unterschiedliche horizontale Ebenen verdeutlicht. Auch beim zweiten Anschauen finde ich diese Inszenierung super, ja heute sogar noch besser als im November. Die Personenführung ist exzellent. Normalerweise stört es mich, wenn sich viele Leute auf der Bühne befinden, die dort nichts zu suchen haben, aber Heřman hat das nur sehr gezielt eingesetzt, und in den erforderlichen Momenten herrscht auch Ruhe, sodass sich die Stimmung entfalten kann. Die ergänzte Rahmenhandlung beginnt mit der Gründung eines Kinderheimes, und diese Kinder verkörpern anfangs mit Holzspielzeug die Tiere (da hat es auch gleich mehr Tragik, wenn ein Kind nach seiner Mama schreit als wenn das nur ein kleines Füchslein im Wald tut), der Förster nimmt einem Mädchen (das wie die Füchsin gekleidet ist) dessen Stofftier-Füchsin weg und bringt sie seiner Frau, die ihm darauf den Vogel zeigt. Der Förster liegt oft am Boden und träumt (es ist ja nicht ganz klar, wieweit er welche Ereignisse nur träumt oder sie sich wirklich ereignen), Förster und Försterin beobachten oft Fuchs und Füchsin bzw sind genau parallel auf der Bühne platziert. Die Försterin sitzt oft im Hintergrund strickend am Herd, sie bekommt von den Gefühlen, Träumen und Handlungen ihres Mannes nichts mit; sie registriert nur, dass die Ehe erkaltet ist (einmal wird er von ihr auch abgewatscht). Heřman hat allerdings nicht des Poetischen der Oper vergessen, denn durch Bäume und Erscheinen einer weiteren, hinteren Ebene wird dem Märchenhaften und der Naturschilderung Rechnung getragen. Ich bin von dieser Produktion begeistert und bin sicher, dass ich in ihr noch einiges Neue entdecken werde und sich mir dadurch diese meisterhafte Oper noch besser erschließen wird.

19. Juni 2019
23:49
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dalmont
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Gedasnkliche Nachlese zu „Příhody Lišky Bystroušky“ von Leoš Janáček , Brünn, 18.6.19

Angeregt von Gurnemanz’ Überlegungen zu der Neuinszenierung des „Schlauen Füchslein“ von Janáček in Brünn (Eintrag 26, ich muss sagen, ich habe selten so gescheite Gedanken zu einem Werk gelesen, wie die Gurnemanzschen zu dieser Oper), die ich noch einmal vor der Vorstellung hätte lesen sollen, habe ich mir vorgenommen, eine Aufführung anzuschauen. Ich fand eine um 11.00 Uhr beginnende Matinée am 18.6. (also gestern). War vom Termin sehr angetan, weil ich dachte, nachher etwas in den Straßen etwas außerhalb des Zentrums „herumstreunen“ (Brünn ist ja architektonisch sehr sehr interessant) und dann zu christlicher Zeit wieder nach Wien zurückfahren zu können.

Kurzes Erschrecken um ½ 11: Ich stellte am Zustrom zum Theater fest, das wird keine Matinée für Pensionisten, sondern eine Schülervorstellung für Kinder von 6 Jahren bis zu pubertierenden Riffeln und Gitschen.

Und dann die Überraschung: im Foyer hunderte ruhige, respektvolle Kinder und Jugendliche , im Saal dann gespannte (das spürt man) Aufmerksamkeit bis zum Schluss. Wieso das?

Die Inszenierung hat sicherlich auch für sehr junge Menschen Identifikationsmöglichkeiten geboten, da Kinder entscheidend an ihr mitwirken.

Die Musik – wiewohl wunderschön - dachte ich, sei nicht nicht so, dass sie Kindern und Heranwachsenden sehr entgegen kommt. Offensichtlich habe ich mich getäuscht. Denn nur mit der Tatsache, dass Janáček ein mährischer Nationalheiliger ist, lässt sich diese große Aufmerksamkeit nicht erklären. Ich frage mich, ob vielleicht der Musikunterricht in diesem östlichen Teil Tschechiens von diesem „mährischen Nationalheiligen“ ausgeht und dadurch ein breites musikalisches Interesse schafft? (Ich selbst hatte – deshalb diese Überlegung - Klavierspielen über Bartóks „Mikrokosmos“ gelernt, was mir unschätzbare Zugänge zur Musik nach der Spätromantik eröffnete). Oder geht dieses wundersame Stück Musiktheater auch schon sehr jungen Menschen ans Eingemachte?

Es wurde vor einiger Zeit im Forum die Frage diskutiert, welches der beste Einstieg für Kinder in die Welt des musikalischen Theaters sei: vielleicht sollte man das Stück, welches erzählt, was diese scharfsinnigen jungen Füchse erleben, mit berücksichtigen. Auch bei uns.

19. Juni 2019
14:53
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Kapellmeister Storch
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Nabucco mit Domingo, 15.06.2019, Semperoper Dresden

Am Samstag hat sich Plácido Domingo nicht ansagen lassen und sich in deutlich besserer Verfassung präsentiert. Mehr noch, er hatte viele starke Momente, die berührend waren und ein Grund sind, warum er immer noch die Häuser füllt. So innig haben zuletzt weder Jenis, noch Lucic oder Petean gesungen. Die These, dass Domingo jüngeren Sängern im Weg wäre, ist Blödsinn, denn wenn Domingo eines Tages doch auf den Besetzungslisten fehlen sollte, rückt ja nicht automatisch ein frisch gebackener Absolvent einer Hochschule nach. Auch Omer Meir Wellber war genesen und stand wieder gestenreich am Pult. Ein insgesamt erfreulicher Opernabend bei stellenweise über 35 Grad, die in der gut gekühlten Semperoper nicht weiter ins Gewicht gefallen sind.

19. Juni 2019
14:49
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Kapellmeister Storch
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Der Rosenkavalier, 18.06.2019, Komische Oper Berlin

​Gestern (18.06.2019) habe ich mir den Rosenkavalier gegönnt, der auf ausdrücklichen Wunsch von Ainars Rubikis in der Inszenierung von Andreas Homoki aus dem Jahr 2006 zur Wiederaufnahme gelangt ist. Ich habe in meinem Leben schon viele starke Rosenkavalier-Vorstellungen erlebt, aber der Chef der KOB muss sich da nicht verstecken und war ein Garant für eine insgesamt sehr erfreuliche Aufführung. Wirkliches Format hatte die Marschallin von Johanni van Oostrum: kunstvoll, scheinbar mühelos und mit wunderbaren piani sorgte sie für großes Strauss-Glück. Ebenfalls gut, aber leider ohne süßliche piani, gab Vera-Lotte Böcker eine recht kratzbürstige Sophie. In Karolina Gumos stand der vielleicht hübscheste Octavian auf der Bühne, den ich seit Jeanne Piland erlebt habe. Sie konnte aber auch gesanglich und darstellerisch hat sie mir gut gefallen. Auch wenn er Schüler von Kurt Moll gewesen ist, war ich nie ein großer Freund von Jens Larsen. Allerdings muss ich zugeben, dass die Komische Oper froh sein kann, diesen Sänger am Haus zu haben. Sein Ochs gehört sicher auch zu den besseren Rollen, die ich von ihm gehört habe. Und so viele gute Rollenvertreter fallen mir da momentan auch gar nicht ein. Als italienischer Sänger war Timothy Richards eine mehr als erfreuliche Besetzung. In den weiteren Rollen sind mir insbesondere Mirka Wagner als Leitmetzerin und Michaela Selinger als Annina positiv aufgefallen. Am 23.06. steht die Oper nochmal auf dem Spielplan.

18. Juni 2019
23:42
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arthurjones
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Götterdämmerung, Müpa Budapest, 16.6. 2019

Am Sonntag beschloss die Götterdämmerung den diesjährigen 1. Ring-Zyklus.

 

Der Abend war sängerisch geprägt von einem Dreigestirn in bestechender Form:

Catherine Foster als strahlende, leidende, jubelnde, am Boden zerstöre und letztendlich doch triumphierende Brünnhilde, 

Stefan Vinke (er sang am Vorabend den Siegfried-Siegfried!!!) als kraftstrotzender, unermüdlicher Siegfried und schließlich Albert Pesendorfer als intrigierender, manipulierender, berechnend-eiskalter Hagen.

Was die drei an stimmlicher und darstellender Intensität boten, wurde vom Publikum enthusiastisch gefeiert.

Dieses Niveau wurde durch das subtile, differenzierte Dirigat von Ádám Fischer ermöglicht. Den Trauermarsch hörte ich live noch nie so innig und dramatisch.

 

Auch die übrigen Sängerinnen und Sänger boten gutes Niveau. Lauri Vasar (Rollendebut?) sang sehr gut und macht die Zerrissenheit der Figur glaubhaft.

Das gelang auch Gutrune Polina Pasztircsák​ bei etwas schwächerer Tiefe.​

Weitere Pluspunkte: Anna Larsson als dunkel timbrierte Waltraute und Péter Kálmán als intensiver Alberich. Die Nornen Erika Gál, Judit Németh, Polina Pasztircsák und die Rheintöchter  Eszter Wierdl, Gabriella Fodor und Zsófia Kálnay waren auch alle rollendeckend besetzt.

Alles in allem ein denkwürdiger Abend und ein krönender Abschluss dieses hochklassigen Rings.​

Zum Schluss war auch das wunderbare Orchester auf der Bühne und nahm die Ovationen entgegen, ebenso der präzise Rundfunk-Chor.

Hartmut Schörghofer wurden einige Buhs zuteil, die aber von Bravi übertönt wurden.

17. Juni 2019
15:16
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Kapellmeister Storch
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Rigoletto, 16.06.2019, Staatsoper Berlin

​Zwei Wochen nach der Premiere habe ich es gestern geschafft mir die neue Rigoletto-Produktion anzusehen. Ein großes Plus dürfte die recht belanglose Inszenierung von Bartlett Sher gegenüber der Bosse-Produktion der DOB haben: es dürfte leichter sein prominente Sänger für Auftritte zu gewinnen. Gesanglich war der Abend nichts für Feinschmecker der italienischen Oper. Als Christopher Maltman (Rigoletto) seine ersten Töne gesungen hat hörte sich das an, als würde er mit einem Megaphon in der Hand singen. Auch wenn er zu differenziertem Gesang durchaus in der Lage war, hat er sich so durch den ganzen Abend gepoltert. Insgesamt fand ich ihn als Rigoletto durchaus interessant, weil er ein interessanter Darsteller ist, bevorzuge jedoch Sänger wie Tézier, die schönen und kernigen Gesang vereinen. Michael Fabiano (Herzog)besitzt eine durchaus schöne Tenorstimme. Leider führt er diese recht unbändig. Trotz erheblicher Defizite in der Höhe geht er jeden noch so hohen Ton mit voller Bruststimme an. Das ist wie bei einem Springreiter, der mit seinem Pferd alle Hindernisse mit Bravour angeht und abräumt. So ging sein Auftritt insgesamt ziemlich in die Hose. Eigentlich schade um das Material. Einen zwiespältigen, wenn auch deutlich besseren Eindruck, hat Nadine Sierra als Gilda hinterlassen. Sie hatte sehr starke Momente und ist eine durchaus attraktive Sängerin, aber insgesamt war mir ihr Vortrag zu unpersönlich und zu uneinheitlich. Da sind Tonsprünge nicht richtig gelungen und in schön gesungene Passagen haben sich merkwürdig harte Töne eingeschlichen, die man so nicht unbedingt erwartet hat. Mir hat Cristina Pasaroiu zuletzt in Wiesbaden deutlich besser gefallen. Etwas enttäuscht war ich auch von Elena Maximova als Maddalena, die sich routiniert ordentlich gesungen hat und hinter ihren Möglichkeiten zurückgeblieben ist. Jan Martiník hatte als Sparafucile gegen den übermächtigen Bariton von Maltman einen schweren Stand. Ehrlich gesagt sind mir nur zwei Sängerinnen aus dem Opernstudio positiv aufgefallen: Corinna Scheuerle als Giovanna mit noblem Mezzo und die erst 25-jährige Serena Sáenz mit flirrendem Sopran, den sie im September dem Waldvogel im Siegfried leihen wird. Auch das Dirigat von Andrés Orozco-Estrada gehörte für mich nicht zu den aufregendsten Opernmomenten. Jetzt hat Berlin drei Rigoletto-Produktionen zur Auswahl. Übrigens war das Haus gut besucht. Wie schon öfter sind viele Karten erst wenige Tage vor der Aufführung verkauft worden. Ohne den Standort-Vorteil würde es wohl manchmal recht leer im Haus sein.

16. Juni 2019
13:45
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arthurjones
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Im Siegfried wurde an die musikalisch hochwertige Qualität nahtlos angeknüpft.
Dass sich Siegfried Stefan Vinke und Mime Gerhard Siegel blind verstehen, ist auch ihren zahlreichen gemeinsamen Auftritten geschuldet.
Sowohl sängerisch, als auch szenisch boten beide Weltklasse-Niveau.
Allison Oakes gab eine lyrische Brünnhilde, schönstimmig. Sie wird in der Partie weiter wachsen. Tomasz Konieczny
schien als Wanderer stimmlich alles übertönen zu wollen. Das klang eindrucksvoll, manchmal etwas undifferenziert. Mehr Farbigkeit hätte gut getan.
Péter Kálmán als Alberich ist prädestiniert für diese Rolle.
Erik Gál als Erda hat einen schönen Mezzo aufzubieten und musste leider aus dem Off singen.
Walter Fink ist ein der Figur bestens entsprechender Fafner.
Eszter Zemlenyi bezauberte als Waldvogel aus den Höhen des Bela-Bartok Konzertsaals.

Ádám Fischer leitete das Radio-Orchester Budapest mit Energie und Leidenschaft, die Musiker boten eine hervorragende Leistung.

Der Abend begann wegen technischer Probleme 20 minütig verspätet.
Ob dann alles ordnungsgemäß ablief, ist schwer zu beurteilen.
Jedenfalls boten die Sänger in ihren Figuren spannungsreiches Musikdrama.
Regie: Hartmut Schörghofer.

15. Juni 2019
8:48
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arthurjones
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Die Walküre, 14.6. 2019, MüPa Budapest 

Der 1. Aufzug der Walküre ist ja fast eine Oper für sich und wird auch des öfteren in Konzerten gegeben. Deshalb habe ich diesen Akt wirklich schon sehr oft erlebt.
Gestern im Müpa war das eine Sternstunde. Kongenial ergänzten sich Protagonisten, Dirigent und Orchester.
3 Protagonisten, Hundings Hundemeute, dargestellt durch Tänzer*innen, keine Requisiten.
Camilla Nylund (Sieglinde), mit wunderschönem, wandelbar leidend- jubelndem Sopran und Stuart Skelton
(Siegmund) mit baritonal -dunklem, zu leisen Zwischentönen fähiger Heldentenor und der mächtig-düstere schwarze Bass des Hunding, gegeben von Albert Pesendorfer, zauberten ein spannungsgeladenes Kammerspiel der Extraklasse auf die Bühne.

Im 2. Akt begegnete man Catherine Foster als Brünnhilde, langjährige Bayreuth-Interpretin dieser Rolle. Ihr Sopran klang frisch, hell, jugendlich-strahlend. Zusammen mit ihrer Bühnenpräsenz überzeugt sie uneingeschränkt.

Atala Schöck gab ein Kabinettstückchen als selbstbewusste Fricka.
Johan Reuter in der Rolle des Wotan war an diesem Abend in sehr guter Verfassung, in den Tiefen und Höhen der Partie gleichermaßen präsent, seine Erzählung war von guter Diktion gezeichnet.
Die Todesverkündigung wurde, vom Orchester farbig getragen, zu einem eindringlichen Höhepunkt zwischen Brünnhilde und Siegmund.

Den dritten Akt eröffnen die Walküren, bestehend aus einem Ensemble ungarischer Damen: Helmwige- Gertrúd Wittinger, Gerhilde- Eszter Wierdl, Waltraute- Gabriella Fodor, Ortlinde -Beatrix Fodor, Siegrune -Éva Várhelyi, Rossweisse- Zsófia Kálnay, Grimgerde -Erika Gál, Schwertleite- Anna Kissjudit.
Über Sieglindes eindringliches „hehrstes Wunder“ und Wotans Zornesausbruch mündet der Abend in den hochemotionalen Abschied zwischen Wotan und Brünnhilde. Selten so einfach und doch berührend erlebt.
Feuergott Loge tritt als rot gekleideter, hervorragender Tänzer auf und waltet freudig seines Amtes.
Überschwängliche Begeisterung des Publikums für Solisten, Dirigent und Orchester, sowie den für die überzeugende szenische Neueinstudierung verantwortlichen Hartmut Schörghofer.

15. Juni 2019
1:08
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arthurjones
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MüPa Budapest, Das Rheingold 

Gestern begann der Ring mit Rheingold sehr vielversprechend.
Ádám Fischer beeindruckt mit spannendem, intensivem Dirigat, das Ochester folgt bereitwillig und bietet einen wunderbaren Klang.
Sängerisch ist alles auf gutem bis herausragenden Niveau.
Péter Kálmán ist ein prägnanter Alberich, Johan Reuter ein intensiver, nicht allzu dunkler Wotan. Christian Franz, Siegfried vergangener Tage, hat mit dem Loge eine sehr gute Partie gefunden.
Die Riesen sind mit Urgestein Walter Fink (Fafner) und Per Bach Nissen (Fasolt) ordentlich besetzt.
Mime Gehard Siegel ist eine Luxusbesetzung, ich freue mich auf seinen Siegried-Mime.

Die ungarischen Sängerinnen und Sänger Atala Schöck (Fricka), Lilla Horti (Freia), Erika Gál (Erda), Zsolt Haja (Donner), Suabolcs Brickner (Froh) hinterlassen einen sehr guten Eindruck, ebenso die Rheintöchte (Woglinde) Eszter Wierdl,(Wellgunde) Gabriella Fodor und (Flosshilde) Zsófia Kálnay.
Hartmut Schörghofer hat sein Konzept deutlich überarbeitet, schöne Videosequenzen hinzugefügt.
Bei weitem ist es keine konzertante Aufführung mehr, die Personenführung ist intensiv und glaubhaft, ohne Übertreibung auskommend.

Der Saal m Musikpalast Budapest bereitet durch seine traumhafte Akustik ohnehin reinstes Hörvergnügen.
Der 1. Akt Walküre hat die Erwartungen noch übertroffen, mehr dazu später.

10. Juni 2019
9:33
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Kapellmeister Storch
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Manon Lescaut, 09.06.2019, Deutsche Oper Berlin

​Im Zentrum des Interesses stand natürlich Sir Simon Rattle am Pult. Sein Dirigat hatte Esprit und war extrem farbenreich. Das Orchester hat förmlich auf der Stuhlkante gesessen und eine überragende Leistung geboten. Am Ende wurde Rattle vom Publikum für eine großartige Aufführung gefeiert. Gesungen wurde auch, undzwar großartig. Sicher könnte man sowohl bei Maria José Siri als auch bei Jorge de León den einen oder anderen Abstrich machen, aber insgesamt haben beide maßgeblich zu einem tollen Opernabend beigetragen. Siri ist ohnehin eine großartige Live-Sängerin, die Gefühle wie kaum eine andere Sängerin in diesem Fach transportieren kann. Gelegentliche Schärfen in der Höhe stören mich da weniger. Bei de León klang nicht immer alles edel, aber auch er ist insgesamt sehr gut durch die Partie gekommen. Der 4. Akt war letztendlich der musikalische Höhepunkt der Aufführung und Genuss pur. Ungewöhnlich viel Beifall hat für einen Lescaut Thomas Lehman erhalten. Zu Recht, denn er hat nicht nur seine kleine arie im 2. Akt wunderschön gesungen. Die Stimme von Stephen Bronk (Géronte de Ravoir) hat deutlich an Farbe verloren. Zum Spielzeitende hin geht es an der Deutschen Oper Schlag auf Schlag mit guten Aufführungen.

10. Juni 2019
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UwePaul
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Den Besuch fand  ich auch erschreckend, da gibts nach etlichen Jahren mal wieder einen Otello, und..... die beiden folgenden sind bisher auch nicht so dolle verkauft

10. Juni 2019
9:01
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UwePaul
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Ah, Sie waren, bin der gleichen Meinung wie Sie und genauso angetan.

Die ersten 10 Minuten waren wahrscheinlich der Nervosität geschuldet, leider liegen die beiden anderen Termine so ungünstig, das ich mir keine mehr anschauen werde. Nächste Saison klingt da evtl. auch nicht schlecht.

10. Juni 2019
9:00
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Kapellmeister Storch
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UwePaul sagt
Herr Storch,

hatte ja eigentlich erwartet, über die Rattle Manon von Ihnen zu lesen, gehe da erst am Samstag hin. War dafür aber zum Otello, an diese bescheuerte "Inszenierung" werde ich mich wohl nie  gewöhnen, aber musikalisch sehr sehr lohnenswert, so als Tipp  

Hallo Herr Paul,

ich hatte Ihren Post eben übersehen. Ein Bericht zur Manon folgt noch. Ich fokussiere mich beim Otello auf die Sänger. Wenn man sich vom Drumherum in dieser Kriegenburg-Inszenierung ablenken lässt, hat man verloren...

10. Juni 2019
8:56
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Kapellmeister Storch
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Otello, 08.06.2019, Deutsche Oper Berlin

​Als ich die diesjährige Saisonvorschau gesehen habe, fand ich ich die Besetzung der Aufführung durchaus originell. Kurz nach seinem Rollendebüt in Toronto hat sich Russel Thomas nun auch in Europa als Otello präsentiert. Als er auf die Bühne kam, war er noch ein liebenswürdiger Strahlemann, bei dem man sich nicht vorstellen konnte, dass er auch böse und verhasst sein könnte. Aber im Laufe des Abends war er im Vergleich zum Beginn nicht mehr wiederzuerkennen. Thomas hat nicht unbedingt die attraktivste Stimme, wusste aber bei seinen bisherigen Auftritten am Haus stets zu überzeugen. Er hat den Otello mit viel Kraftaufwand gesungen und ist stellenweise noch an Grenzen gestoßen. Insgesamt fand ich ihn aber mehr als ordentlich. Eine absolute Offenbarung war Guanqun Yu als Desdemona. Mit traumhaften piani und einer auch ansonsten attraktiven Stimmfarbe war die Szenen mit ihr die Höhepunkte des Abends. Eine Überraschung war für mich der starke auftritt von George Gagnidze als Jago. Einerseits mag ich den Sänger durchaus, andererseits stört mich bei ihm oft, dass die Stimme nicht so viel Peng hat und limitiert klingt. Der Jago scheint ihm offenbar recht gut zu liegen. Dazu kam eine sehr souveräne Rollengestaltung. Der Cassio war mit Attilio Glaser ebenfalls stark besetzt. Ievgen Orlov (Lodovico) scheint zwar sein Vibrato weitgehend in den Griff bekommen zu haben, hörte sich aber recht altbacken und alles andere als edel an. Selten kann eine Emilia so viel Beifall verbuchen wie das bei Ronita Miller der Fall war. Sie  hat der Rolle ihren ganz eigenen Stempel aufgedrückt und gezeigt, dass man auch in recht kleinen Rollen für Furore sorgen kann. Paolo Arrivabeni ist regelmäßiger Gast am Haus und eine Bank am Pult. Seine Tempi hatten die ganze Bandbreite von schnell bis extrem langsam. Bei Mehta hatte ich noch die langsamen Tempi moniert, bei Arrivabeni habe ich sie insbesondere in den Chorszenen und im 4. Akt genossen. Insgesamt war das ein sehr erfreulicher, guter Opernabend, der nicht sonderlich gut besucht war.

10. Juni 2019
8:43
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UwePaul
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Herr Storch,

hatte ja eigentlich erwartet, über die Rattle Manon von Ihnen zu lesen, gehe da erst am Samstag hin. War dafür aber zum Otello, an diese bescheuerte "Inszenierung" werde ich mich wohl nie  gewöhnen, aber musikalisch sehr sehr lohnenswert, so als Tipp

10. Juni 2019
8:20
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Kapellmeister Storch
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Tosca, 07.06.2019, Semperoper Dresden

​Dass die drei Hauptrollen und der Dirigent voll und ganz überzeugen können, ist selten. Ein Opernfreund hatte mich noch belächelt, als ich meine Karte gekauft hatte, ist dann aber sogar selbst eine Woche vorher hingefahren und war ebenfalls sehr angetan. Die Tosca der Angela Gheorghiu ist ein großes Kunstwerk. Selten erlebt man, dass eine Sängerin die Rolle dermaßen verinnerlicht hat wie Gheorghiu (viel mehr als Tosca und Mimi singt sie derzeit auch nicht). Wie schon in München hat sie insbesondere den 3. Akt zu einem besonderen Ereignis gemacht. Sie scheint sich in Dresden wohl zu fühlen.Am Mittwoch war sie übrigens in der Nabucco-Vorstellung. Eine angenehme Überraschung war Riccardo Massi als Cavaradossi. Ich hatte ihn zwar schon einmal als recht guten Alfredo gehört, dafür aber nicht in bester Erinnerung als Des Grieux in der unsäglichen Staatsopern-Premiere. Manche Töne haben ein wenig verhangen geklungen, aber insgesamt spricht sein Tenor in allen Lagen gleich gut an. Sehr gespannt war ich auf den Scarpia von John Lundgren und bin auch nicht enttäuscht worden. Erwartungsgemäß hatte er keine Probleme sich Gehör zu verschaffen. Die Positionierung recht weit hinten auf der Bühne auf dem Malergerüst ist sicher nicht ganz glücklich gelöst ist. Das mag zwar was hermachen, macht es dem Sänger aber nicht unbedingt leicht. Lundgren kann nicht nur laut, sondern auch durchaus differenziert singen. Stefano Ranzani scheint ein Lieblingsdirigent von Angela Gheorghiu zu sein (im Januar ist er eigens für sie in der Bohème angesetzt worden). Er ist häufiger Gast in Dresden und in Berlin und jedesmal Garant für gute Vorstellungen. So hat er auch diese Tosca sehr differnziert und mit viel Gespür dirigiert. Im Haus gab es übrigens etliche freie Plätze.

6. Juni 2019
16:09
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Kapellmeister Storch
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Nabucco mit Domingo-Abgang zur Pause, Semperoper Dresden, 05.06.2019

Sein Hausdebüt hatte sich Plácido Domingo sicher an​ders vorgestellt. Vor der Vorstellung hatte er sich ansagen lassen, da er am Morgen gemerkt hätte, dass eine Erkältung noch nicht ganz überwunden wäre (muss ja wohl an der Berliner Luft gelegen haben...). Leider hat der Nabucco vor der Pause nicht so viel zu singen. Mein Eindruck war, dass Domingo sich besser präsentiert hat als zuletzt im Macbeth in Berlin, er in den Ensembleszenen jedoch markiert hat. Nach der Pause ist er dann nicht mehr aufgetreten. Markus Marquardt hat von der Seite aus gesungen, während der Spielleiter (?) in die Rolle des Nabucco geschlüpft ist. Marquardt hat sich alle Mühe gegeben auf Linie zu singen und es ist ihm hoch anzurechnen, dass er die Vorstellung gerettet hat, aber angesichts der "Domingo-Preise" war seine Leistung nicht ausreichend. Angenehm überrascht war ich von Saioa Hernández als Abigaille, die in der Premiere ihr Rollendebüt und Deutschlanddebüt gefeiert hatte. In der Übertragung von Attila aus der Scala hatte sie mir nicht so gefallen, aber bis auf ein paar unschöne Töne hatte sie genau die richtige Attitüde für die Partie, die sie sehr souverän gesungen hat. Vitalij Kowaljow ist so etwas wie der Zaccaria vom Dienst. Er war denn auch wie immer eine Bank, auch wenn er nicht die Tiefe für die Partie hat. Dafür kann er eine gute Höhe anbieten. Ein Totalausfall (warum wundert mich das nicht?) war leider Massimo Giordano als Ismaele. Er klang total heiser und nur stellenweise konnte man erahnen, warum der Tenor einmal gut gebucht war. Christa Mayer (Fenena) hat sicher ihre Meriten und singt oft unter Thielemann. Positiv ist mir lediglich ihre gute Höhe aufgefallen, ansonsten wirkte ihr altbackener Vortrag recht deplatziert. Durchaus vielversprechend fand ich Tahnee Niboro aus dem "Jungen Ensemble" als Anna. Sie hat gestern ich ihr Debüt gegeben. Ebenfalls postiv aufgefallen ist mir Sejong Chang als Oberpriester. Ein dickes Lob geht sowohl an das Orchester als auch an den Chor. Im Endergebnis war das mal wieder ein toller Abend unter der Leitung von Omer Meir Wellber, der mit flotten Tempi unterwegs war und das Orchester fast schon martialisch erklingen ließ. Sein Dirigierstil ist allerdings sehr auffällig und so mancher Musiker wird sich die Frage stellen, ob man jede Sechzehntel ausdirigieren muss und so wild rumfuchteln muss. Wenn es im Ergebnis so klingt wie der Tannhäuser und jetzt Nabucco, ist mir das egal, aber Musiker sehen das oft anders. Auf der Bühne (Bühnenbild Patrick Bannwart, Inszenierung David Bösch) war ein ausgebombtes Mehrfamilienhaus zu sehen, dass vermutlich in Syrien stehen soll, aber sicher für Kriege im Allgemeinen stehen dürfte. Am Haus hing ein Banner mit der Aufschrift "Babel". Insgesamt war dies ein durchwachsener Opernabend mit Höhen und Tiefen, an dem Domingo im Jeep auf die Bühne gefahren ist und durch die Hintertür verschwunden ist. Für die beiden kommenden Vorstellungen ist er zunächst weiterhin geplant.

3. Juni 2019
16:05
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UwePaul
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Vielleicht lag es auch an der Hitze, wunderte mich auch, da auch an der Abendkasse kaum Menschen standen.

Ich hab mir gleich heute noch eine für den 18. gekauft. Den Schluß fand ich sehr berührend. Ansonsten völlig Ihrer Meinung

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