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Oper in Nachbarländern Österreichs | Seite 3 | OnlineMerker | Forum

 

 

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Oper in Nachbarländern Österreichs
7. Februar 2019
14:13
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Chenier
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Forumsbeiträge: 368
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

"Die Oper halte ich sowieso für eine eher niedrige Kunstform". Da habe ich auch wieder Interpretationsprobleme. Meinen Sie das ganzheitlich, auf alle Kunstrichtungen bezogen, oder nur auf die Musik? Aber ganz gleich, wie man es interpretiert, ich habe damit Erklärungsbedarf und es ist immer wider anstößig, hier Reihungen und Rangordnungen vorzunehmen. Ich persönlich halte die Oper für eine sehr anspruchsvolle und elitäre Angelegenheit, weil Instrumentalmusik mit Vokalmusik verbunden wird und dazu die Szene kommt.

"Der beste Rigoletto ist meiner Meinung nach Franz Grundheber." Pardon, Grundheber ist (oder besser war, er hat ja seinen Zenit schon lange überschritten und ist kaum mehr aktiv) hervorragend, aber nicht unbedingt als Rigoletto. Er war in seiner besten Zeit etwa optimal als Heerrufer in Lohengrin.

7. Februar 2019
13:55
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 437
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Puh, ich bezweifle ehrlich gesagt, dass es Rigoletto-Regisseure gibt, die nichts von Victor Hugo gehört haben, der hat ja schließlich die literarische Vorlage geschrieben. Ich kenne dieses Victor-Hugo-Drama nicht, aber Vorlagen sind Vorlagen und müssen nicht überbewertet werden. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Verdi im Sinne hatte, das Hugosche Psychologiemodell an Hand seiner Oper durchzuexerzieren.

Die Menschheit ändert sich generell nicht wirklich (Charaktere in antiken Theaterstücken verhalten sich nicht anders als die Menschen heutzutage), und natürlich hat jeder Mensch gute und schlechte Eigenschaften. Dass auch eine Prostituierte lieben kann, ist aber nichts Außergewöhnliches, wo ist da das Besondere? Sie verkauft ja ihren Leib, nicht ihre Seele. Ich merke nur an, dass die Traviata meiner Meinung nach KEINE Liebesgeschichte ist. 

7. Februar 2019
13:29
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zerbino
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Forumsbeiträge: 59
Mitglied seit:
1. März 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Gurnemanz sagt
zum Eintrag Nr. 83:

Liebe Christine! Danke für das Zitat aus Ihrem Buch, sehr interessant! Aber das Zitat unterstreicht - wie ich finde - ja meine Meinung. Natürlich ist kein Mensch "nur" böse. Selbstverständlich hat Rigoletto auch Leidenschaft und Liebe in sich oder jedenfalls die Sehnsucht danach (daher meine Theorie, dass er Gilda dazu benützt - wen sonst, und Gilda ist ja für ihn verfügbar, sie ist wahrscheinlich der einzige Mensch, der ihm positive Gefühle entgegenbringt). Aber finden Sie nicht auch, dass Rigoletto (wenn man es positiv auslegt) ganz weit über sein Ziel hinausschießt? (bewahren vor der bösen Welt funktioniert ja auch heute nicht - siehe Wohlstandsverwahrlosung heutzutage) Wer ist eigentlich die Mutter Gildas? Und - ganz anderer Gedanke - ist sie überhaupt seine Tochter oder behauptet er es nur?

Rigolettos "Beruf" ist ja ein ziemlich widerlicher, er verhöhnt ja auch den alten Monterone, macht sich bei allen Menschen unbeliebt. Zu Hause flüchtet er sich in eine andere Welt, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der außer Haus pausenlos unsympathisch agiert, plötzlich ein lieber und gütiger Vater ist. Ich denke, Gilda hat es überhaupt nicht leicht, heute würde man das, was Rigoletto mit ihr macht, zumindest (!!) Freiheitsberaubung nennen.

Sparafucile ist einfach ein Auftragskiller, das ist sein Beruf (nicht dass es heute keine Menschenhändler etc gibt...). Maddalena ist eigentlich auch eine sehr interessante Figur. Ich überlege, wie sehr eigentlich freiwillig handelt oder von ihrem Bruder dazu gezwungen wird.

Der beste Rigoletto ist meiner Meinung nach Franz Grundheber. Viel besser als der mE überschätzte Leo Nucci. Aber ersteren habe ich in dieser Rolle nicht live gehört.  

Aber Gurnemanz, Rigoletto ist doch kein Mensch wie du und ich nach den Kriterien moderner Psychologie. Er ist dem Victor Hugoschen Psychologiemodell unterworfen, er ist also sublime und grotesque. Sublime, weil er ein liebender Vater ist, grotesque, weil er Menschen hasst und verspottet. Die meisten Charaktere der romantischen Melodramen unterliegen diesem Schema. So ist auch noch die Kameliendame sublime und gotesque, d.h. sie liebt wirklich, andererseits ist sie eine Prostituierte. Ich staune immer wieder, dass auch gestandene Geisteswissenschaftler solche gemachten "Charaktere" psychoanalytisch deuten wollen, geschweige denn Regisseure, die gewöhnlich nie etwas von Victor Hugo etc. gehört haben 

7. Februar 2019
13:09
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 437
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

zum Eintrag Nr. 83:

Liebe Christine! Danke für das Zitat aus Ihrem Buch, sehr interessant! Aber das Zitat unterstreicht - wie ich finde - ja meine Meinung. Natürlich ist kein Mensch "nur" böse. Selbstverständlich hat Rigoletto auch Leidenschaft und Liebe in sich oder jedenfalls die Sehnsucht danach (daher meine Theorie, dass er Gilda dazu benützt - wen sonst, und Gilda ist ja für ihn verfügbar, sie ist wahrscheinlich der einzige Mensch, der ihm positive Gefühle entgegenbringt). Aber finden Sie nicht auch, dass Rigoletto (wenn man es positiv auslegt) ganz weit über sein Ziel hinausschießt? (bewahren vor der bösen Welt funktioniert ja auch heute nicht - siehe Wohlstandsverwahrlosung heutzutage) Wer ist eigentlich die Mutter Gildas? Und - ganz anderer Gedanke - ist sie überhaupt seine Tochter oder behauptet er es nur?

Rigolettos "Beruf" ist ja ein ziemlich widerlicher, er verhöhnt ja auch den alten Monterone, macht sich bei allen Menschen unbeliebt. Zu Hause flüchtet er sich in eine andere Welt, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der außer Haus pausenlos unsympathisch agiert, plötzlich ein lieber und gütiger Vater ist. Ich denke, Gilda hat es überhaupt nicht leicht, heute würde man das, was Rigoletto mit ihr macht, zumindest (!!) Freiheitsberaubung nennen.

Sparafucile ist einfach ein Auftragskiller, das ist sein Beruf (nicht dass es heute keine Menschenhändler etc gibt...). Maddalena ist eigentlich auch eine sehr interessante Figur. Ich überlege, wie sehr eigentlich freiwillig handelt oder von ihrem Bruder dazu gezwungen wird.

Der beste Rigoletto ist meiner Meinung nach Franz Grundheber. Viel besser als der mE überschätzte Leo Nucci. Aber ersteren habe ich in dieser Rolle nicht live gehört.

7. Februar 2019
12:54
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 437
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Die Frage ist aber, gegen welche Komponisten/Interpreten abwertendes Vokabular benützt werden "darf" und gegen welche nicht.

Ich bin der Meinung, dass man alle gleich behandeln muss. Man kann nicht den Komponisten x als Fabrikanten akustischen Mülls und eines erbärmlichen Spektakels bezeichnen, aber empört sein, wenn die Bemerkung gemacht wird, Komponist y hätte vielleicht nicht Komponist werden sollen oder die Musik des Komponisten z würde als primitiv empfunden. Ebenso muss man meiner Meinung nach auch dieselben Maßstäbe bei allen Sängern anlegen. Nur weil jemand schon 50 Jahre lang im Geschäft ist, stark in den Medien präsent ist und allgemein anerkannt ist (was auch immer man darunter versteht), sehe ich keinen Grund, ihn anders zu bewerten als einen Sänger, der nicht über ein solches Medienecho verfügt.

Es kann einem einfach nicht alles gefallen. Die Oper halte ich sowieso für eine eher niedrige Kunstform. Ein Musikforum ist ja auch dazu da, um kontroversiell zu diskutieren und unterschiedliche Ansichten einzubringen. Ich sage/schreib gern, was ich denke, und nehme mir ungern ein Blatt vor den Mund, aber so bin ich nun einmal. Wenn das abegehoben und aggressiv wirkt, nehme ich es zur Kenntnis, aber ich selbst sehe es nicht so.

7. Februar 2019
12:52
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Christine
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Forumsbeiträge: 83
Mitglied seit:
3. Oktober 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

An Susana und Gurnemanz: Da Verdi einer meiner Lieblingskomponisten ist, habe ich drei Bücher über ihn zu Hause. Eines von Viktor Baerwald, eines von Harald Goertz und eines von Charles Osborne. Letzteres, in englischer Sprache, gefällt mir besonders. Osborne zitiert aus einem Brief von Verdi zur Titelfigur: "In my view, the idea of this character, outwardly ridiculous and deformed, inwardly filled with passion and love, is superb. It was precisely because of these original and characteristic traits that I chose the subject and if they are cut out I shall not be able to write the music". Vorausgegangen waren Wünsche, die Titelfigur anders darzustellen. Ich sehe den Rigoletto auch so. Natürlich ist er keine nur sympathische Figur. Er verspottet andere Menschen, allerdings ist das sein Beruf. Aber er versucht eine andere Person zu bestechen einen Menschen zu töten, das kann man nicht gutheißen. Dass er seine Tochter liebt, ergibt sich klar aus der Musik. Dass er sie vor der Welt des Herzogs beschützen will, ist verständlich, gelingt ihm aber - natürlich - nicht. So streng kann er sie nicht weggesperrt haben, da sie den Herzog heimlich treffen konnte. Rigoletto vorwiegend als Ekelpaket darzustellen, finde ich falsch. Denn dem steht die Musik in Pari siamo, der gesamten Szene mit den Höflingen und natürlich das Duett mit Gilda entgegen. Ich glaube, dass italienische Sänger, die die oben erwähnte Leidenschaft und Liebe zum Ausdruck brachten, richtig lagen. Eine fulminante Vendetta gehört natürlich auch dazu.

7. Februar 2019
12:30
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Chenier
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Forumsbeiträge: 368
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28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Na ja, Gurnemanz, zwischen Verdi und Staud klaffen musikalisch hunderte Lichtjahre, da hinkt der Vergleich gewaltig.

7. Februar 2019
11:44
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susana
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Forumsbeiträge: 92
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16. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Liebe Christine, zum Thema Rigoletto - ich habe in den letzten 25 -30 Jahren Rigoletto in vielen Inszenierungen gesehen, auch mit den verschiedensten Interpreten.

Auffällig war für mich aber immer, dass es früher die Ansicht (wohl auch unter den italienischen Sängern gab / vorallem Bruson und Nucci) Rigoletto sei ein armer Vater der von seinem Schicksal geprügelt sei..das habe ich nie verstanden. Das wars nie für mich .. erst durch andere Sänger, mit denen ich auch darüber geprochen habe kam dann das was ich immer bei Rigoletto gefühlt hatte, dieser Rigoletto sperrt sein Kind ein, ist selbst ein Ekel, der auf der einen Seite Geld damit verdient den Herzog zu "bespassen" und sein eigenes Kind von der Welt fern hält. Es sozusagen bewahrt vor der schlimmen Welt. Ich finde das schlimm und macht ihn überhaupt nicht sympathisch. Ich habe Rigoletto erst wirklich als gut und interessant empfunden wenn ein Sänger , und es gibt von denen einige, diese Figur nicht als den liebenden Vater sondern als Ekelpaket dargestellt hat, erst dann hat mich auch die Sinn und die Aussage , auch das mit dem Fluch mich wirklich - mit der Musik gemeinsam ergriffen. (ich habe u.a. Rigoletto nicht nur in Wien auch in London, Wiesbaden, Hamburg (toller Homoki Rigoletto), Savonlinna oder einen tollen in Köln von Thalbach erlebt.

Wie immer in der Oper sind es die Darsteller, die Sänger die einen Opernabend wirklich interessant machen, Regisseure sollten nur den Boden , die Grundlage dafür schaffen, sie nicht überstülpen, erst dann kann ein Abend interessant sein (also für mich persönlich), Sänger die alles nur normal, nett, gut oder einfach (für mich langweilig) machen, ist dann für mich echt egal ob die Inszenierung gut oder schlecht ist.. aber ich glaube das schrieb ich schon einmal

Also finde ich Gurnemanz Aussage in diesem Fall zum Rigoletto  nicht so extrem weit weg. ich wäre nicht so weit gegangen, das sehe ich bei dem Stück nicht so, dafür benimmt er sich nicht danach, siehe Auseinandersetzung mit Gilda im 2.Akt. Aber das würde hier zu weit führen, das alles genau zu erklären..

Dass ich aber seine Kritiken fast nicht mehr lese ist eine andere Sache, er ist mir leider viel zu abgehoben und zu aggressiv geworden . Es ist schön dass es Opernjunkies gibt, die sich alles mögliche "reinziehen" ist absolut in Ordnung, aber die seltsamen Aussage über die Komponisten werden mir jetzt langsam  echt zu extrem. 

Aber .. wie auch schon mal erwähnt, jeder lebt sein Opernleben ..

7. Februar 2019
11:32
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Gurnemanz
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29. September 2018
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zu Beitrag 78:

Werte Christine! Verschiedene Meinungen sind das geringste Problem überhaupt. Im Gegenteil, sonst wäre es doch ziemlich fad. Ich find es nur unterhaltsam, dass genau derselbe Chenier, der die Musik von Staud als "akustischen Müll" (Zitat vom 9. Dez.) bezeichnet hat, jetzt so empfindlich reagiert. Das relativiert seine derzeitige Empörung doch etwas. (Und nein, auch ich mag Staud überhaupt nicht!) Da er auch laut eigener Aussage noch nie in Brünn in der Oper war und erst "einige Male" in Bratislava, kann er auch nicht beurteilen, wie Wien im Vergleich zu diesen Häusern dasteht.

Aber das Wichtigere ist Ihre Meinung, dass ich in den Rigoletto etwas hineininterpretiert hätte, da möchte ich widersprechen. Ich halte Verdi für einen intelligenten Mann, der seine Figuren sehr vielschichtig gezeichnet hat und überhaupt nicht eindimensional - und dass Rigoletto Gilda sexuell missbraucht oder zumindest diese Absicht hat, finde ich nicht an den Haaren herbeigeholt, sondern das steckt meiner Meinung nach im Stück drinnen, wenn man es nicht nur oberflächlich betrachtet. Wer sich dafür interessiert, kann sich ja mal mit tiefenpsychologischer Märchenanalyse befassen, da werden noch ganz andere Dinge in scheinbar harmlose Volksmärchen "hineininterpretiert", aber durchaus nachvollziehbar!

7. Februar 2019
10:35
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Chenier
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28. Februar 2018
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Danke, Christine, ein unglaubliches Genie auf einer Ebene mit Beethoven, Mozart und Wagner, den ich persönlich nicht so goutiere, aber anerkenne.

Auch mir hat Verdi schon unzählige wunderbare Abende (gelegentlich auch Nachmittage) beschert. Alles ist letztlich Geschmacksache, aber zwischen persönlich nicht gefallen und unqualifiziert runtermachen in letztklassiger Form klafft ein ganz großes Vakuum.

7. Februar 2019
10:13
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Christine
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3. Oktober 2018
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An Gurnemanz. Da Verdi zu meinen Lieblingskomponisten zählt, wird es Sie nicht wundern, dass ich Ihrem Beitrag nicht zustimmen kann. Gott sei Dank hat Verdi Opern komponiert, ich verdanke ihm wunderschöne Opernabende mit wunderbaren Sängern. Aber ich akzeptiere natürlich, dass jemand einen anderen Geschmack hat. Was Sie aber in die Oper Rigoletto hineininterpretieren, kann ich absolut nicht nachvollziehen und ich kann mir nicht vorstellen wie man auf diese Ideen kommen kann. Weder Verdi noch Piave können diese Gedanken und Intentionen gehabt haben. Für mich klingt das absurd. Dass Ihnen die neue Wiener Inszenierung nicht gefällt, verstehe ich allerdings, mir gefällt sie auch nicht. Schön, wenn es im Ausland etwas Besseres gibt. Dass in der Oper tödlich verwundete Personen noch singen, kommt öfter vor, hat mich aber noch nie gestört.

7. Februar 2019
9:34
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Chenier
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28. Februar 2018
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Tja, Toni, Wagner ist primitiv, Verdi ist Mittelmaß, jetzt wissen wir es endlich, Generationen von Musikexperten und Kulturpublikum haben geirrt.

Wann Sie etwas musikalisch Hochwertiges erleben wollen, fahren Sie nach Tschechien oder in die Slowakei, vornehmlich Janacek, der Allergrößte, wer ist schon Beethoven dagegen, und Wien ist schließlich zu minder.

Da verschlägt es einem die Worte bei so viel Unsinn.

7. Februar 2019
0:33
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Sie haben leider weder die Gesamtaussage des Textes erfasst, noch haben Sie eine nicht hunderprozentig ernst gemeinte Aussage als solche erkannt. Schade!

7. Februar 2019
0:23
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toni
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7. März 2018
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Vielleicht  hätte Verdi nicht gerade Komponist werden sollen.

 

Einen größeren Schwachsinn über das musikalische Genie Giuseppe Verdi hat wohl noch niemand geschrieben. Da kann man nur den Kopf schütteln!

6. Februar 2019
23:56
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Mi., 6. Feber 2019: BRATISLAVA/PRESZBURG (Neues Opernhaus): Giuseppe Verdi, Rigoletto

Dass ich kein Verdi-Fan bin, ist mittlerweile bekannt. Ich kann zwar an einigen seiner Opern auch Positives finden, aber das bezieht sich mehr auf den Inhalt als auf die Musik, vielleicht hätte Verdi nicht gerade Komponist werden sollen...? Wie auch immer, ich hatte jetzt ein paar Jahre lang keinen Rigoletto gesehen und war positiv überrascht. Das Stück ist nicht oberflächlich und nicht so effekthascherisch wie andere Werke, sondern eine ziemlich düstere Sache ("La maledizione") mit lauter Ungustln und einem Ergebnis dieser Ungustln. Ungustl Nr. 1 ist aber klar nicht der Duca, der zwar recht wenig im Hirn hat und nur daran denkt, welche Frau er am nächsten ins Bett bekommt (und wer ihm dabei, wie Monterone, im Weg steht, wird kurzerhand beseitigt), sondern die Titelfigur: Rigoletto hält seine Tochter wie in einem Gefängnis, und ich vermute stark, dass er das nicht oder nicht nur aus Sorge um sie tut, sondern auch in ihr eine Art Frau-Ersatz sieht und sie womöglich auch dazu benützt (eine schöne Umschreibung für "sexueller Missbrauch"), sie selbst sieht wohl keinen anderen Ausweg als die Opferung ihres Lebens. Allerdings ist Rigoletto ja nicht solcherart auf die Welt gekommen, seine Umwelt hat ihr übriges dazu beigetragen, dass er ist, wie er ist. Wie gesagt: lauter Ungustln. Dass man eine solche Geschichte nicht schön bebildern und es dabei bewenden lassen kann, liegt auf der Hand, und glücklicherweise sind die Zeiten vorbei, in denen das üblich war. Die Inszenierung von Martin Schüler (Bühnenbild von Hans Dieter Schaal, Kostüme von Susanne Thomasberger) gefällt mir sehr gut! Das ist richtig gut gemachtes Theater (und viel viel viel besser als die neue Wiener Inszenierung!). Die Handlung spielt in einem abstrahierten Raum, in dem hervorragende Personenführung stattfindet. Ich bin mir nicht sicher, aber es könnte sein, dass hier Sparafucile mit dem Duca bzw. den Höflingen unter einer Decke steckt, schließlich taucht er immer wieder im Kreise der Höflinge auf, zum Beispiel bei der (auf der Bühne vollzogenen) Ermordung Monterones. Dass Rigoletto in Gilda mehr sieht als nur eine Tochter, wird durch die Gestik ziemlich deutlich. Auch das Ende ist sehr gut gelöst: Sparafucile übergibt Rigoletto einen Sack und verzieht sich mit Maddalena und dem Duca, der bald darauf im Hintergrund umgeben von Frauen erscheint. Als Gilda zu singen anfängt, erscheint eine mit einem Schleier bedeckte Frau, Gilda ist also schon quasi ein Engel (oder so). Damit wird auch die Absurdität vermieden, dass eine tödlich Verwunderte noch minutenlang singt. Das wirkt natürlich und nicht aufgesetzt. Insgesamt eine tolle und sehenswerte Produktion! 

Auch die beste Inszenierung ist bei schwachen Sängern wirkungslos, dieses Problem gab es heute aber nicht. Der mir vorher völlig unbekannte Alexander Krasnov hat mir ausgezeichnet gefallen. Mit seiner kräftigen und ausdrucksstarken Stimme war er ein sehr, sehr guter Interpret der Titelrolle und jedenfalls ein besserer als es so mancher "Star" ist. Nur kurz vor dem dritten Akt habe ich kurz Ermüdung gemerkt, aber das war nur ein kurzer, nicht mehr wiederkehrender Moment. Andrea Vizvári war ausgezeichnet. Ihre Stimme ist sehr schön und sowohl fähig zu Koloraturen als auch zu Lautstärke und ruhigeren Passagen. Da hat wirklich alles gepasst. Ľudovít Ludha war ein guter Duca. Mit dem Questa o quella hatte er noch seine liebe Not, aber danach ist er mit den Anforderungen gut zurechtgekommen. Freilich, außergewöhnlich ist seine nicht allzu große Stimme nicht, aber sie ist gut ausgebildet und höhensicher. Außerdem hält er sich schon längere Zeit ohne hörbare Abnützungserscheinungen im Geschäft. Eine Luxusbesetzung war Peter Mikuláš als Sparafucile, der mit vollkommen intakter, großer und klangvoller Stimme antrat - ausgezeichnet! Auch sehr gut war Denisa Šlepkovská, die in letzter Zeit ins Altersfach wechselt, aber heute noch als Maddalena zu hören war. Ich mag ihre tiefe, hart klingende Stimme sehr, und sie hat gezeigt, dass auch eine Frau mit 50+ über viel erotische Ausstrahlung verfügen kann. Dieser Hauptsache-jung-dumm-und-unschuldig-Dreinschauen-Irrsinn ist einfach nur ein Irrsinn: Erotik kann genauso gut eine ältere Frau vermitteln, wenn sie es kann. Sergej Tolstov als Monterone war eindrucksvoll, konnte aber massive Höhenprobleme nicht verhehlen. Alle Nebenrollen waren sehr gut bis gut besetzt, davon am besten hat mir Jitka Sapara-Fischerová gefallen, angesichts deren schönen Altstimme ich bedauert habe, dass die Rolle der Giovanna so klein ist. Martin Leginus hat möglichst humptatafrei dirigiert, und höhere Anforderungen hab ich bei Verdi nicht. Orchester und Chor waren in wie üblich guter Verfassung. Wie erfreulich, endlich einmal eine Aufführung zu erleben, bei der so gut wie alles gepasst hat!

Womit einmal mehr bewiesen ist: Wer in Wien stationiert ist und spannende und gute Opernaufführungen hören will, möge nach Tschechien oder in die Slovakei fahren ("zu teuer" ist genauso wie "zu zeitaufwendig" nichts anderes als eine Ausrede, denn beides stimmt nicht), es sei denn, man will mit in Wien gebotenen Mittelmaß Vorlieb nehmen.

Beim Schlussapplaus hat mich eine Frau auf slovakisch angeredet, ich hab ihr gesagt, dass ich kaum slovakisch spreche, also haben wir kurz auf englisch geplaudert, bis sie mich gefragt hat, woher ich komme. Ich: "Vienna." Sie (fast akzentfrei): "Warum sprechen Sie dann dieses blöde Englisch?! Ich spreche perfekt Deutsch!". Die ist mir sympathisch! 

6. Februar 2019
10:38
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Chenier
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Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Gerade die Personenzeichnung ist eine der Stärken Verdis. Und die Inhalte, teilweise nach Shakespeare und Schiller, wie etwa Macbeth oder Die Räuber, und manchmal auch auf Grundlage historischer Ereignisse, etwa Attila oder der Maskenball, erweitert um etwas Fiktion, sind sehr realitätsorientiert.

Und es freut mich aufrichtig, Gurnemanz, dass Sie Macbeth für "nicht so schlecht halten", chapeau, ein Punkt mit völliger Übereinstimmung, der uns wieder einmal verbindet. Wink

5. Februar 2019
14:56
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 437
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29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Liebe Susana! Ich stimme vollkommen zu, dass man für einige Opern (auch Romane etc) eine gewisse geistige Reife und Lebenserfahrung braucht, um sie halbwegs verstehen zu können, selbstverständlich. Deshalb habe ich ja als 13jähriger mit dem Rosenkavalier so gar nichts anfangen können, dann ist eine Zeit gekommen, in der ich das ganze Werk toll und interessant gefunden hab, mittlerweile ist diese Phase aber auch schon abgeklungen (ich mag eigentlich nur mehr den zweiten Akt, ersten und dritten finde ich großteils langweilig, vor allem das ewige Gesudere der Marschallin).

Und ja, es steht außer Frage, dass Verdi die Figuren vielschichtig gezeichnet hat. Rigoletto sehe ich zB definitiv mehr negativ als positiv, bei Simon Boccanegra bin ich zwiegespalten, der hat auch seine guten Seiten. Das Schöne an Kunstwerken ist ja, dass es selten EINE richtige Deutung gibt, sondern sie viele verschiedene Interpretationen möglich machen. Insofern sind Verdis Opern natürlich gefundendes Fressen für gute Regisseure und Sänger, die eigenes Rollenprofil einbringen können.

Das ändert aber nichts daran, dass mir Verdis Musik großteils einfach nicht gefällt. Wie gesagt, immer das gleiche (außer Otello) und zu effektheischend (für mich). Aber generell würd ich sagen: Verdi > Wagner

Bellini ist auch nicht so meins, ich kenne aber kaum etwas von ihm.

5. Februar 2019
14:29
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susana
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16. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Gurnemanz sagt

Dass Verdi sehr komplexe Figuren geschaffen hat, ist natürlich richtig. Ich stimme Ihnen auch zu, dass er die Emotionen der Figuren gut in Musik übertragen hat. Nur fange ich mit dem Ergebnis trotzdem wenig an. Wahrscheinlich leidet Verdi auch unter der großen Anzahl der zu schlechten Aufführungen, das kann gut sein...
Macbeth finde ich übrigens nicht so schlecht! Kommt aber natürlich auf die Sänger an.

Möglicherweise kann man das - wie ich ja vermute, dass Sie recht jung sind, in ihrem Alter noch nicht ganz "gefühlsmäßig" erfassen. Und das ist kein Vorwurf, keine Bösartigkeit, reine sachliche Feststellung

Verdi hat sehr viele menschliche Schicksale umgesetzt, der Rigoletto ist kein "armer" Vater, er hält seine Tochter gefangen. Simone Boccanegra ebenfalls - nur wer Verlust, Trauer, tiefes Traurigkeit wegen Liebeskummer mal selbst erlebt hat, kann mit dieser Musik mehr anfangen, also meistens ...

Ich hatte auch das Glück mehrfach in verschiedenen Insznierungen und in verschiedenen Sängerdarstellungen tolle Macbeth aufführungen erlebt zu haben...

Mich hat als junger Mensch Verdi nichts gesagt, jetzt ist das ganz anderes.. auch das Gefühlsleben verändert sich normalerweise mehrfach im laufe eines Lebens., und für mich persönlich hat sich mein Musikgeschmack auch merhfach verändert -- wobei mir ein Bellini, eine Butterfly oder so mache Tschechische Oper trotzdem ganz ferne liegen, ich würde sie aber nicht als primitiv, oder dumm oder anders negativ titulieren.

4. Februar 2019
15:34
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Gurnemanz
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29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Ja, Die Ausflüge des Herrn Brouček kenne ich leider noch gar nicht! Die werden derzeit eh in Prag gespielt, aber bisher ist sich kein Termin ausgegangen. Ein guter Freund hat mir gesagt, dass er das Werk erst beim dritten Besuch verstanden hat, es aber seitdem wirklich liebt. Also vielleicht braucht man für das einfach Stück einfach länger.

Hat Ihnen Janáček auf Deutsch besser gefallen als auf Tschechisch?

Osud ist nicht die beste Janáček-Oper, aber trotzdem sehr gut, finde ich! Ich habs zwar erst einmal gesehen, aber meine Lieblingsstelle ist die 4. Szene im zweiten Akt: längerer Monolog, und dann: "Mami! Mami! Víš, co je láska?" / "Mama, weißt du, was die Liebe ist?". Das war für mich beim ersten Anhören so eine typische Janáček-Gänsehautstelle wie zB im Totenhaus: "I jeho matka zrodila!" / "Auch er hat eine Mutter gehabt!".

Und ich freue mich ehrlich sehr, dass Sie begonnen haben, Tschechisch zu lernen! Tschechisch halte ich für eine wunderschöne Sprache, und ich denke generell, dass wir Österreicher mehr Sprachen unserer Nachbarländer lernen sollten und nicht sooo viel Spanisch, Französisch, ... Aber das kann man auch anders sehen. (gefordert wäre hier die Bildungspolitik, es gibt ja Lehrpläne, eine Lehrerausbildung und eine Zentralmatura für Ungarisch, Slowakisch, Tschechisch, BKS etc - man müsste die Sprachen mehr nur in den Schulen einführen)

Dass Verdi sehr komplexe Figuren geschaffen hat, ist natürlich richtig. Ich stimme Ihnen auch zu, dass er die Emotionen der Figuren gut in Musik übertragen hat. Nur fange ich mit dem Ergebnis trotzdem wenig an. Wahrscheinlich leidet Verdi auch unter der großen Anzahl der zu schlechten Aufführungen, das kann gut sein...
Macbeth finde ich übrigens nicht so schlecht! Kommt aber natürlich auf die Sänger an.

Und ja, natürlich! Sorry, mein Fehler. Die Braut von Messina gibts in Pilsen und nicht in Budweis! Sie steht sogar noch auf dem dortigen Spielplan. Danke für den Tipp, ich überlege hinzufahren. Es gibt demnächst zwei 14:00-Vorstellungen, das passt ja für mich super für die Hin- und Rückfahrt!

4. Februar 2019
10:25
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dalmont
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Forumsbeiträge: 22
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28. Januar 2019
sp_UserOfflineSmall Offline

Ich hoffe sehr, mir mit meiner Frage nicht ein Eigentor geschossen zu haben, ich bin nicht sonderlich gut, Dinge in wenigen Sätzen auf den Punkt zu bringen. Ihre Einschätzung von Janáček kann ich vollinhaltlich unterschreiben. Die „Ausflüge des Herrn Brouček“ haben Sie ausgelassen, dieses Werk hat sich mir noch nicht erschlossen. Hab es allerdings auch erst ein Mal gesehen, im Dezember in Brünn. Šárka und Osud kenne ich gar nicht. Ich habe Janáček fast immer in passablen bis sehr guten Aufführungen gesehen. Die erste war 74 an der Staatsoper mit einer noch deutsch gesungenen Káťa Kabanová. Janáček wird ja leider nicht sehr oft gespielt. Janáček hat mich auch dazu gebracht, tschechisch zu lernen (hab’s allerdings nicht extrem weit gebracht) und mich in seiner nordmährischen Heimat herumzutreiben, um seine Musik, seine „Herzenstöne“, besser zu kapieren.

Ihrer Einschätzung Verdis kann ich, Sie ahnen es sicher, nicht folgen. Er hat doch nicht weniger komplexe Figuren geschaffen wie der Mährer, ist allerdings ein halbes Jahrhundert älter und kommt aus anderen Traditionen. Dass er musikalische Nummern geschrieben hat, stört mich gar nicht, das müsste ich ja auch Mozert, Weber oder Smetana vorhalten. Und das hmtata: wenn es als solches wahrgenommen wird, ist es meiner Erfahrung nach meist schlecht gespielt oder die SängerInnen quälen sich (und das Publikum) mit ihren Partien. Zugegeben, die frühen Stücke bis zu „Luisa Miller“ und „Macbeth“ sind meist unausgeglichen, aber ab da geht’s fulminant bis zum „Falstaff“. Ich schätze einfach Verdis Empathie, und wie es ihm gelingt, die wahren Emotionen seiner Figuren in (meist grandiose) Musik zu setzen. Ich muss zugeben, Verdis Werke öfter gesehen zu haben, aber seltener in guten Aufführungen (wobei ich immer Musik+Szene meine). Und herumgeschlichen bin ich auch in Verdis Heimat.

Ich komme aus einer Gegend nicht sehr weit entfernt von den Moldaustauseen und habe tschechische Vorfahren. Norditalienisches gibt es nicht in meinem Stammbaum, weshalb ich in meiner Herkunft keinen Grund finde, warum ich beide Komponisten schätze.

PS: Sind Sie sicher, dass die „Braut von Messina“ auch in Budweis gespielt wurde? Ich habe sie im Vorjahr in Pilsen erlebt, es war interessant, aber die Musik reicht nicht an das tschechische Dreigestirn heran (und die Optik entsprach noch sehr der kommunistischen Ästhetik).

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