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Oper in Nachbarländern Österreichs | Seite 3 | OnlineMerker | Forum

 

 

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Oper in Nachbarländern Österreichs
19. Juni 2019
14:53
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Kapellmeister Storch
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Nabucco mit Domingo, 15.06.2019, Semperoper Dresden

Am Samstag hat sich Plácido Domingo nicht ansagen lassen und sich in deutlich besserer Verfassung präsentiert. Mehr noch, er hatte viele starke Momente, die berührend waren und ein Grund sind, warum er immer noch die Häuser füllt. So innig haben zuletzt weder Jenis, noch Lucic oder Petean gesungen. Die These, dass Domingo jüngeren Sängern im Weg wäre, ist Blödsinn, denn wenn Domingo eines Tages doch auf den Besetzungslisten fehlen sollte, rückt ja nicht automatisch ein frisch gebackener Absolvent einer Hochschule nach. Auch Omer Meir Wellber war genesen und stand wieder gestenreich am Pult. Ein insgesamt erfreulicher Opernabend bei stellenweise über 35 Grad, die in der gut gekühlten Semperoper nicht weiter ins Gewicht gefallen sind.

19. Juni 2019
14:49
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Kapellmeister Storch
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Der Rosenkavalier, 18.06.2019, Komische Oper Berlin

​Gestern (18.06.2019) habe ich mir den Rosenkavalier gegönnt, der auf ausdrücklichen Wunsch von Ainars Rubikis in der Inszenierung von Andreas Homoki aus dem Jahr 2006 zur Wiederaufnahme gelangt ist. Ich habe in meinem Leben schon viele starke Rosenkavalier-Vorstellungen erlebt, aber der Chef der KOB muss sich da nicht verstecken und war ein Garant für eine insgesamt sehr erfreuliche Aufführung. Wirkliches Format hatte die Marschallin von Johanni van Oostrum: kunstvoll, scheinbar mühelos und mit wunderbaren piani sorgte sie für großes Strauss-Glück. Ebenfalls gut, aber leider ohne süßliche piani, gab Vera-Lotte Böcker eine recht kratzbürstige Sophie. In Karolina Gumos stand der vielleicht hübscheste Octavian auf der Bühne, den ich seit Jeanne Piland erlebt habe. Sie konnte aber auch gesanglich und darstellerisch hat sie mir gut gefallen. Auch wenn er Schüler von Kurt Moll gewesen ist, war ich nie ein großer Freund von Jens Larsen. Allerdings muss ich zugeben, dass die Komische Oper froh sein kann, diesen Sänger am Haus zu haben. Sein Ochs gehört sicher auch zu den besseren Rollen, die ich von ihm gehört habe. Und so viele gute Rollenvertreter fallen mir da momentan auch gar nicht ein. Als italienischer Sänger war Timothy Richards eine mehr als erfreuliche Besetzung. In den weiteren Rollen sind mir insbesondere Mirka Wagner als Leitmetzerin und Michaela Selinger als Annina positiv aufgefallen. Am 23.06. steht die Oper nochmal auf dem Spielplan.

18. Juni 2019
23:42
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arthurjones
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Götterdämmerung, Müpa Budapest, 16.6. 2019

Am Sonntag beschloss die Götterdämmerung den diesjährigen 1. Ring-Zyklus.

 

Der Abend war sängerisch geprägt von einem Dreigestirn in bestechender Form:

Catherine Foster als strahlende, leidende, jubelnde, am Boden zerstöre und letztendlich doch triumphierende Brünnhilde, 

Stefan Vinke (er sang am Vorabend den Siegfried-Siegfried!!!) als kraftstrotzender, unermüdlicher Siegfried und schließlich Albert Pesendorfer als intrigierender, manipulierender, berechnend-eiskalter Hagen.

Was die drei an stimmlicher und darstellender Intensität boten, wurde vom Publikum enthusiastisch gefeiert.

Dieses Niveau wurde durch das subtile, differenzierte Dirigat von Ádám Fischer ermöglicht. Den Trauermarsch hörte ich live noch nie so innig und dramatisch.

 

Auch die übrigen Sängerinnen und Sänger boten gutes Niveau. Lauri Vasar (Rollendebut?) sang sehr gut und macht die Zerrissenheit der Figur glaubhaft.

Das gelang auch Gutrune Polina Pasztircsák​ bei etwas schwächerer Tiefe.​

Weitere Pluspunkte: Anna Larsson als dunkel timbrierte Waltraute und Péter Kálmán als intensiver Alberich. Die Nornen Erika Gál, Judit Németh, Polina Pasztircsák und die Rheintöchter  Eszter Wierdl, Gabriella Fodor und Zsófia Kálnay waren auch alle rollendeckend besetzt.

Alles in allem ein denkwürdiger Abend und ein krönender Abschluss dieses hochklassigen Rings.​

Zum Schluss war auch das wunderbare Orchester auf der Bühne und nahm die Ovationen entgegen, ebenso der präzise Rundfunk-Chor.

Hartmut Schörghofer wurden einige Buhs zuteil, die aber von Bravi übertönt wurden.

17. Juni 2019
15:16
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Kapellmeister Storch
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Rigoletto, 16.06.2019, Staatsoper Berlin

​Zwei Wochen nach der Premiere habe ich es gestern geschafft mir die neue Rigoletto-Produktion anzusehen. Ein großes Plus dürfte die recht belanglose Inszenierung von Bartlett Sher gegenüber der Bosse-Produktion der DOB haben: es dürfte leichter sein prominente Sänger für Auftritte zu gewinnen. Gesanglich war der Abend nichts für Feinschmecker der italienischen Oper. Als Christopher Maltman (Rigoletto) seine ersten Töne gesungen hat hörte sich das an, als würde er mit einem Megaphon in der Hand singen. Auch wenn er zu differenziertem Gesang durchaus in der Lage war, hat er sich so durch den ganzen Abend gepoltert. Insgesamt fand ich ihn als Rigoletto durchaus interessant, weil er ein interessanter Darsteller ist, bevorzuge jedoch Sänger wie Tézier, die schönen und kernigen Gesang vereinen. Michael Fabiano (Herzog)besitzt eine durchaus schöne Tenorstimme. Leider führt er diese recht unbändig. Trotz erheblicher Defizite in der Höhe geht er jeden noch so hohen Ton mit voller Bruststimme an. Das ist wie bei einem Springreiter, der mit seinem Pferd alle Hindernisse mit Bravour angeht und abräumt. So ging sein Auftritt insgesamt ziemlich in die Hose. Eigentlich schade um das Material. Einen zwiespältigen, wenn auch deutlich besseren Eindruck, hat Nadine Sierra als Gilda hinterlassen. Sie hatte sehr starke Momente und ist eine durchaus attraktive Sängerin, aber insgesamt war mir ihr Vortrag zu unpersönlich und zu uneinheitlich. Da sind Tonsprünge nicht richtig gelungen und in schön gesungene Passagen haben sich merkwürdig harte Töne eingeschlichen, die man so nicht unbedingt erwartet hat. Mir hat Cristina Pasaroiu zuletzt in Wiesbaden deutlich besser gefallen. Etwas enttäuscht war ich auch von Elena Maximova als Maddalena, die sich routiniert ordentlich gesungen hat und hinter ihren Möglichkeiten zurückgeblieben ist. Jan Martiník hatte als Sparafucile gegen den übermächtigen Bariton von Maltman einen schweren Stand. Ehrlich gesagt sind mir nur zwei Sängerinnen aus dem Opernstudio positiv aufgefallen: Corinna Scheuerle als Giovanna mit noblem Mezzo und die erst 25-jährige Serena Sáenz mit flirrendem Sopran, den sie im September dem Waldvogel im Siegfried leihen wird. Auch das Dirigat von Andrés Orozco-Estrada gehörte für mich nicht zu den aufregendsten Opernmomenten. Jetzt hat Berlin drei Rigoletto-Produktionen zur Auswahl. Übrigens war das Haus gut besucht. Wie schon öfter sind viele Karten erst wenige Tage vor der Aufführung verkauft worden. Ohne den Standort-Vorteil würde es wohl manchmal recht leer im Haus sein.

16. Juni 2019
13:45
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arthurjones
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Im Siegfried wurde an die musikalisch hochwertige Qualität nahtlos angeknüpft.
Dass sich Siegfried Stefan Vinke und Mime Gerhard Siegel blind verstehen, ist auch ihren zahlreichen gemeinsamen Auftritten geschuldet.
Sowohl sängerisch, als auch szenisch boten beide Weltklasse-Niveau.
Allison Oakes gab eine lyrische Brünnhilde, schönstimmig. Sie wird in der Partie weiter wachsen. Tomasz Konieczny
schien als Wanderer stimmlich alles übertönen zu wollen. Das klang eindrucksvoll, manchmal etwas undifferenziert. Mehr Farbigkeit hätte gut getan.
Péter Kálmán als Alberich ist prädestiniert für diese Rolle.
Erik Gál als Erda hat einen schönen Mezzo aufzubieten und musste leider aus dem Off singen.
Walter Fink ist ein der Figur bestens entsprechender Fafner.
Eszter Zemlenyi bezauberte als Waldvogel aus den Höhen des Bela-Bartok Konzertsaals.

Ádám Fischer leitete das Radio-Orchester Budapest mit Energie und Leidenschaft, die Musiker boten eine hervorragende Leistung.

Der Abend begann wegen technischer Probleme 20 minütig verspätet.
Ob dann alles ordnungsgemäß ablief, ist schwer zu beurteilen.
Jedenfalls boten die Sänger in ihren Figuren spannungsreiches Musikdrama.
Regie: Hartmut Schörghofer.

15. Juni 2019
8:48
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arthurjones
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Die Walküre, 14.6. 2019, MüPa Budapest 

Der 1. Aufzug der Walküre ist ja fast eine Oper für sich und wird auch des öfteren in Konzerten gegeben. Deshalb habe ich diesen Akt wirklich schon sehr oft erlebt.
Gestern im Müpa war das eine Sternstunde. Kongenial ergänzten sich Protagonisten, Dirigent und Orchester.
3 Protagonisten, Hundings Hundemeute, dargestellt durch Tänzer*innen, keine Requisiten.
Camilla Nylund (Sieglinde), mit wunderschönem, wandelbar leidend- jubelndem Sopran und Stuart Skelton
(Siegmund) mit baritonal -dunklem, zu leisen Zwischentönen fähiger Heldentenor und der mächtig-düstere schwarze Bass des Hunding, gegeben von Albert Pesendorfer, zauberten ein spannungsgeladenes Kammerspiel der Extraklasse auf die Bühne.

Im 2. Akt begegnete man Catherine Foster als Brünnhilde, langjährige Bayreuth-Interpretin dieser Rolle. Ihr Sopran klang frisch, hell, jugendlich-strahlend. Zusammen mit ihrer Bühnenpräsenz überzeugt sie uneingeschränkt.

Atala Schöck gab ein Kabinettstückchen als selbstbewusste Fricka.
Johan Reuter in der Rolle des Wotan war an diesem Abend in sehr guter Verfassung, in den Tiefen und Höhen der Partie gleichermaßen präsent, seine Erzählung war von guter Diktion gezeichnet.
Die Todesverkündigung wurde, vom Orchester farbig getragen, zu einem eindringlichen Höhepunkt zwischen Brünnhilde und Siegmund.

Den dritten Akt eröffnen die Walküren, bestehend aus einem Ensemble ungarischer Damen: Helmwige- Gertrúd Wittinger, Gerhilde- Eszter Wierdl, Waltraute- Gabriella Fodor, Ortlinde -Beatrix Fodor, Siegrune -Éva Várhelyi, Rossweisse- Zsófia Kálnay, Grimgerde -Erika Gál, Schwertleite- Anna Kissjudit.
Über Sieglindes eindringliches „hehrstes Wunder“ und Wotans Zornesausbruch mündet der Abend in den hochemotionalen Abschied zwischen Wotan und Brünnhilde. Selten so einfach und doch berührend erlebt.
Feuergott Loge tritt als rot gekleideter, hervorragender Tänzer auf und waltet freudig seines Amtes.
Überschwängliche Begeisterung des Publikums für Solisten, Dirigent und Orchester, sowie den für die überzeugende szenische Neueinstudierung verantwortlichen Hartmut Schörghofer.

15. Juni 2019
1:08
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arthurjones
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MüPa Budapest, Das Rheingold 

Gestern begann der Ring mit Rheingold sehr vielversprechend.
Ádám Fischer beeindruckt mit spannendem, intensivem Dirigat, das Ochester folgt bereitwillig und bietet einen wunderbaren Klang.
Sängerisch ist alles auf gutem bis herausragenden Niveau.
Péter Kálmán ist ein prägnanter Alberich, Johan Reuter ein intensiver, nicht allzu dunkler Wotan. Christian Franz, Siegfried vergangener Tage, hat mit dem Loge eine sehr gute Partie gefunden.
Die Riesen sind mit Urgestein Walter Fink (Fafner) und Per Bach Nissen (Fasolt) ordentlich besetzt.
Mime Gehard Siegel ist eine Luxusbesetzung, ich freue mich auf seinen Siegried-Mime.

Die ungarischen Sängerinnen und Sänger Atala Schöck (Fricka), Lilla Horti (Freia), Erika Gál (Erda), Zsolt Haja (Donner), Suabolcs Brickner (Froh) hinterlassen einen sehr guten Eindruck, ebenso die Rheintöchte (Woglinde) Eszter Wierdl,(Wellgunde) Gabriella Fodor und (Flosshilde) Zsófia Kálnay.
Hartmut Schörghofer hat sein Konzept deutlich überarbeitet, schöne Videosequenzen hinzugefügt.
Bei weitem ist es keine konzertante Aufführung mehr, die Personenführung ist intensiv und glaubhaft, ohne Übertreibung auskommend.

Der Saal m Musikpalast Budapest bereitet durch seine traumhafte Akustik ohnehin reinstes Hörvergnügen.
Der 1. Akt Walküre hat die Erwartungen noch übertroffen, mehr dazu später.

10. Juni 2019
9:33
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Kapellmeister Storch
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Manon Lescaut, 09.06.2019, Deutsche Oper Berlin

​Im Zentrum des Interesses stand natürlich Sir Simon Rattle am Pult. Sein Dirigat hatte Esprit und war extrem farbenreich. Das Orchester hat förmlich auf der Stuhlkante gesessen und eine überragende Leistung geboten. Am Ende wurde Rattle vom Publikum für eine großartige Aufführung gefeiert. Gesungen wurde auch, undzwar großartig. Sicher könnte man sowohl bei Maria José Siri als auch bei Jorge de León den einen oder anderen Abstrich machen, aber insgesamt haben beide maßgeblich zu einem tollen Opernabend beigetragen. Siri ist ohnehin eine großartige Live-Sängerin, die Gefühle wie kaum eine andere Sängerin in diesem Fach transportieren kann. Gelegentliche Schärfen in der Höhe stören mich da weniger. Bei de León klang nicht immer alles edel, aber auch er ist insgesamt sehr gut durch die Partie gekommen. Der 4. Akt war letztendlich der musikalische Höhepunkt der Aufführung und Genuss pur. Ungewöhnlich viel Beifall hat für einen Lescaut Thomas Lehman erhalten. Zu Recht, denn er hat nicht nur seine kleine arie im 2. Akt wunderschön gesungen. Die Stimme von Stephen Bronk (Géronte de Ravoir) hat deutlich an Farbe verloren. Zum Spielzeitende hin geht es an der Deutschen Oper Schlag auf Schlag mit guten Aufführungen.

10. Juni 2019
9:03
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UwePaul
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Den Besuch fand  ich auch erschreckend, da gibts nach etlichen Jahren mal wieder einen Otello, und..... die beiden folgenden sind bisher auch nicht so dolle verkauft

10. Juni 2019
9:01
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UwePaul
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Ah, Sie waren, bin der gleichen Meinung wie Sie und genauso angetan.

Die ersten 10 Minuten waren wahrscheinlich der Nervosität geschuldet, leider liegen die beiden anderen Termine so ungünstig, das ich mir keine mehr anschauen werde. Nächste Saison klingt da evtl. auch nicht schlecht.

10. Juni 2019
9:00
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Kapellmeister Storch
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UwePaul sagt
Herr Storch,

hatte ja eigentlich erwartet, über die Rattle Manon von Ihnen zu lesen, gehe da erst am Samstag hin. War dafür aber zum Otello, an diese bescheuerte "Inszenierung" werde ich mich wohl nie  gewöhnen, aber musikalisch sehr sehr lohnenswert, so als Tipp  

Hallo Herr Paul,

ich hatte Ihren Post eben übersehen. Ein Bericht zur Manon folgt noch. Ich fokussiere mich beim Otello auf die Sänger. Wenn man sich vom Drumherum in dieser Kriegenburg-Inszenierung ablenken lässt, hat man verloren...

10. Juni 2019
8:56
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Kapellmeister Storch
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Otello, 08.06.2019, Deutsche Oper Berlin

​Als ich die diesjährige Saisonvorschau gesehen habe, fand ich ich die Besetzung der Aufführung durchaus originell. Kurz nach seinem Rollendebüt in Toronto hat sich Russel Thomas nun auch in Europa als Otello präsentiert. Als er auf die Bühne kam, war er noch ein liebenswürdiger Strahlemann, bei dem man sich nicht vorstellen konnte, dass er auch böse und verhasst sein könnte. Aber im Laufe des Abends war er im Vergleich zum Beginn nicht mehr wiederzuerkennen. Thomas hat nicht unbedingt die attraktivste Stimme, wusste aber bei seinen bisherigen Auftritten am Haus stets zu überzeugen. Er hat den Otello mit viel Kraftaufwand gesungen und ist stellenweise noch an Grenzen gestoßen. Insgesamt fand ich ihn aber mehr als ordentlich. Eine absolute Offenbarung war Guanqun Yu als Desdemona. Mit traumhaften piani und einer auch ansonsten attraktiven Stimmfarbe war die Szenen mit ihr die Höhepunkte des Abends. Eine Überraschung war für mich der starke auftritt von George Gagnidze als Jago. Einerseits mag ich den Sänger durchaus, andererseits stört mich bei ihm oft, dass die Stimme nicht so viel Peng hat und limitiert klingt. Der Jago scheint ihm offenbar recht gut zu liegen. Dazu kam eine sehr souveräne Rollengestaltung. Der Cassio war mit Attilio Glaser ebenfalls stark besetzt. Ievgen Orlov (Lodovico) scheint zwar sein Vibrato weitgehend in den Griff bekommen zu haben, hörte sich aber recht altbacken und alles andere als edel an. Selten kann eine Emilia so viel Beifall verbuchen wie das bei Ronita Miller der Fall war. Sie  hat der Rolle ihren ganz eigenen Stempel aufgedrückt und gezeigt, dass man auch in recht kleinen Rollen für Furore sorgen kann. Paolo Arrivabeni ist regelmäßiger Gast am Haus und eine Bank am Pult. Seine Tempi hatten die ganze Bandbreite von schnell bis extrem langsam. Bei Mehta hatte ich noch die langsamen Tempi moniert, bei Arrivabeni habe ich sie insbesondere in den Chorszenen und im 4. Akt genossen. Insgesamt war das ein sehr erfreulicher, guter Opernabend, der nicht sonderlich gut besucht war.

10. Juni 2019
8:43
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UwePaul
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Herr Storch,

hatte ja eigentlich erwartet, über die Rattle Manon von Ihnen zu lesen, gehe da erst am Samstag hin. War dafür aber zum Otello, an diese bescheuerte "Inszenierung" werde ich mich wohl nie  gewöhnen, aber musikalisch sehr sehr lohnenswert, so als Tipp

10. Juni 2019
8:20
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Kapellmeister Storch
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Tosca, 07.06.2019, Semperoper Dresden

​Dass die drei Hauptrollen und der Dirigent voll und ganz überzeugen können, ist selten. Ein Opernfreund hatte mich noch belächelt, als ich meine Karte gekauft hatte, ist dann aber sogar selbst eine Woche vorher hingefahren und war ebenfalls sehr angetan. Die Tosca der Angela Gheorghiu ist ein großes Kunstwerk. Selten erlebt man, dass eine Sängerin die Rolle dermaßen verinnerlicht hat wie Gheorghiu (viel mehr als Tosca und Mimi singt sie derzeit auch nicht). Wie schon in München hat sie insbesondere den 3. Akt zu einem besonderen Ereignis gemacht. Sie scheint sich in Dresden wohl zu fühlen.Am Mittwoch war sie übrigens in der Nabucco-Vorstellung. Eine angenehme Überraschung war Riccardo Massi als Cavaradossi. Ich hatte ihn zwar schon einmal als recht guten Alfredo gehört, dafür aber nicht in bester Erinnerung als Des Grieux in der unsäglichen Staatsopern-Premiere. Manche Töne haben ein wenig verhangen geklungen, aber insgesamt spricht sein Tenor in allen Lagen gleich gut an. Sehr gespannt war ich auf den Scarpia von John Lundgren und bin auch nicht enttäuscht worden. Erwartungsgemäß hatte er keine Probleme sich Gehör zu verschaffen. Die Positionierung recht weit hinten auf der Bühne auf dem Malergerüst ist sicher nicht ganz glücklich gelöst ist. Das mag zwar was hermachen, macht es dem Sänger aber nicht unbedingt leicht. Lundgren kann nicht nur laut, sondern auch durchaus differenziert singen. Stefano Ranzani scheint ein Lieblingsdirigent von Angela Gheorghiu zu sein (im Januar ist er eigens für sie in der Bohème angesetzt worden). Er ist häufiger Gast in Dresden und in Berlin und jedesmal Garant für gute Vorstellungen. So hat er auch diese Tosca sehr differnziert und mit viel Gespür dirigiert. Im Haus gab es übrigens etliche freie Plätze.

6. Juni 2019
16:09
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Kapellmeister Storch
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Nabucco mit Domingo-Abgang zur Pause, Semperoper Dresden, 05.06.2019

Sein Hausdebüt hatte sich Plácido Domingo sicher an​ders vorgestellt. Vor der Vorstellung hatte er sich ansagen lassen, da er am Morgen gemerkt hätte, dass eine Erkältung noch nicht ganz überwunden wäre (muss ja wohl an der Berliner Luft gelegen haben...). Leider hat der Nabucco vor der Pause nicht so viel zu singen. Mein Eindruck war, dass Domingo sich besser präsentiert hat als zuletzt im Macbeth in Berlin, er in den Ensembleszenen jedoch markiert hat. Nach der Pause ist er dann nicht mehr aufgetreten. Markus Marquardt hat von der Seite aus gesungen, während der Spielleiter (?) in die Rolle des Nabucco geschlüpft ist. Marquardt hat sich alle Mühe gegeben auf Linie zu singen und es ist ihm hoch anzurechnen, dass er die Vorstellung gerettet hat, aber angesichts der "Domingo-Preise" war seine Leistung nicht ausreichend. Angenehm überrascht war ich von Saioa Hernández als Abigaille, die in der Premiere ihr Rollendebüt und Deutschlanddebüt gefeiert hatte. In der Übertragung von Attila aus der Scala hatte sie mir nicht so gefallen, aber bis auf ein paar unschöne Töne hatte sie genau die richtige Attitüde für die Partie, die sie sehr souverän gesungen hat. Vitalij Kowaljow ist so etwas wie der Zaccaria vom Dienst. Er war denn auch wie immer eine Bank, auch wenn er nicht die Tiefe für die Partie hat. Dafür kann er eine gute Höhe anbieten. Ein Totalausfall (warum wundert mich das nicht?) war leider Massimo Giordano als Ismaele. Er klang total heiser und nur stellenweise konnte man erahnen, warum der Tenor einmal gut gebucht war. Christa Mayer (Fenena) hat sicher ihre Meriten und singt oft unter Thielemann. Positiv ist mir lediglich ihre gute Höhe aufgefallen, ansonsten wirkte ihr altbackener Vortrag recht deplatziert. Durchaus vielversprechend fand ich Tahnee Niboro aus dem "Jungen Ensemble" als Anna. Sie hat gestern ich ihr Debüt gegeben. Ebenfalls postiv aufgefallen ist mir Sejong Chang als Oberpriester. Ein dickes Lob geht sowohl an das Orchester als auch an den Chor. Im Endergebnis war das mal wieder ein toller Abend unter der Leitung von Omer Meir Wellber, der mit flotten Tempi unterwegs war und das Orchester fast schon martialisch erklingen ließ. Sein Dirigierstil ist allerdings sehr auffällig und so mancher Musiker wird sich die Frage stellen, ob man jede Sechzehntel ausdirigieren muss und so wild rumfuchteln muss. Wenn es im Ergebnis so klingt wie der Tannhäuser und jetzt Nabucco, ist mir das egal, aber Musiker sehen das oft anders. Auf der Bühne (Bühnenbild Patrick Bannwart, Inszenierung David Bösch) war ein ausgebombtes Mehrfamilienhaus zu sehen, dass vermutlich in Syrien stehen soll, aber sicher für Kriege im Allgemeinen stehen dürfte. Am Haus hing ein Banner mit der Aufschrift "Babel". Insgesamt war dies ein durchwachsener Opernabend mit Höhen und Tiefen, an dem Domingo im Jeep auf die Bühne gefahren ist und durch die Hintertür verschwunden ist. Für die beiden kommenden Vorstellungen ist er zunächst weiterhin geplant.

3. Juni 2019
16:05
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UwePaul
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Vielleicht lag es auch an der Hitze, wunderte mich auch, da auch an der Abendkasse kaum Menschen standen.

Ich hab mir gleich heute noch eine für den 18. gekauft. Den Schluß fand ich sehr berührend. Ansonsten völlig Ihrer Meinung

3. Juni 2019
15:57
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Kapellmeister Storch
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Don Quichotte (Massenet), 02.06.2019, Deutsche Oper Berlin

​Bereits die erste Aufführung nach der Premiere war relativ schwach besucht. Das mag am Bekanntheitsgrad der Oper gelegen haben, aber auch daran, dass die DOB D-Preise verlangt hat. Für mich war das Werk Neuland. Die Musik hat mir gut gefallen, die Handlung finde ich zäh (wegen oder trotz der Inszenierung?) und die musikalische Umsetzung fand ich grandios.

 

Der aus Schweden stammende Jakop Ahlbom ist ein Novize als Opernregisseur. Er hat in seinen bisherigen Produktionen "seinen ganz eigenen Theaterstil, in dem sich Pantomime, Tanz, Musik und Illusionskunst mischen" (Zitat Biografie der Deutschen Oper) kreiert. Seine Inszenierung spielt im Foyer eines Theaters/ Cabarets mit Bühne im Hintergrund. Dass die Aufführung musikalisch ein Erfolg war, liegt einerseits am Dirigenten Emmanuel Villaume, Chef der Oper in Dallas, mit dem das Orchester höchst konzentriert musiziert hat und der beim teilweise rhythmisch recht vertracktem Werk Orchester und Bühne bestens im Griff hatte. Wenn ich mich nicht täusche, hat Villaume Ende der 1980er Jahre mal das Symphonische Orchester Berlin (SOB, heute Berliner Symphoniker und nicht mehr subventioniert) dirigiert. Der andere Trumpf war Alex Esposito in der Titelpartie, der für jeden Regisseur ein Glücksfall sein dürfte und auch stimmlich zu überzeugen wusste. Gefühlt 75% des Abends gehörten ihm. Ebenfalls hervorragend war Clémentine Margaine mit ihrer satten, dunklen Mezzostimme, die in allen Registern präsent war. Mit traumwandlerischer Sicherheit hat sie die Tonsprünge der Partie bewältigt. Stimmlich sicher und kraftvoll hat sich Seth Carico als Sancho Pansa und Pferd Rosinante in Personalunion präsentiert. Er gehört sicher zu den talentiertesten Sängern des Ensembles. Allerdings gefällt mir sein Timbre nicht so. Mir klingt die Stimme stellenweise zu hart. Insgesamt war das ein interessanter und unterhaltsamer Opernabend.

3. Juni 2019
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Kapellmeister Storch
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Rigoletto, 31.05.2019, Mai-Festspiele Wiesbaden

Ich freue mich immer wieder, wenn ich Ludovic Tézier mal wieder live erleben kann. Im Anschluss an die Meistersinger bot sich diese Gelegenheit nun zum Abschluss der Mai-Festspiele. Bei Ludovic Tézier verschmelzen eine kernige Stimme und ein balsamischer Vortrag zu einer wunderbaren Einheit. Der 2. Akt wurde mit seiner Arie und dem Duett mit Gilda so auch zum Höhepunkt des Abends. Cristina Pasaroiu hat mir wieder mit insgesamt schöner Stimme und sicheren Koloraturen gefallen. Nur die obersten Töne klingen bei ihr immer ein wenig steif. Ioan Hotea hat 2015 zusammen mit der durchstartenden Lise Davidsen den 1. Preis beim Operalia-Wettbewerb sowie den Zarzuela-Preis gewonnen. Meiner Meinung nach ist er derzeit bei Rossini und Donizetti besser aufgehoben, zumal seine Stimme doch sehr dünn klingt. Er bekommt zwar alle Töne, hat mir aber in der Höhe nicht gefallen. Seine Stimme klingt in der Mittellage recht angenehm, in der Höhe eher quäkig. Zahlreiche Schluchzer waren auch nicht unbedingt ein Prädikat. Dennoch kommt auch seine Karriere (er ist 29) ganz gut in Fahrt (Wien, München, London). Sehr positiv ist mir Young Doo Park als Sparafucile aufgefallen. Silvia Hauer hat die Riege der Hauptrollen gut komplettiert. Will Humburg hat mit einem flotten und differenzierten Dirigat für einen guten Rahmen gesorgt.

3. Juni 2019
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Kapellmeister Storch
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Die Meistersinger von Nürnberg, 30.05.2019, Mai-Festspiele Wiesbaden

Es ist schon bewundernswert, was das Hessische Staatstheater zu den Mai-Festspielen für Besetzungen auf die Bühne stellt. So stand dem GMD Patrick Lange in den Hauptrollen eine fast komplett neue Mannschaft zur Verfügung. Ob das ein Grund für manch merkwürdigen Einsatz war, ob die Schuld beim Dirigenten oder bei den Sängern lag, vermag ich nicht zu sagen. Patrick Lange hat die Oper recht flott nach vorne dirigiert. Positiv ist mir im Orchester das Solo-Cello aufgefallen, während das Solo-Horn kein Festspiel-Niveau hatte. Für mich war es eine große Freude Michael Volle nach vielen Jahren mal wieder als Hans Sachs erlebt zu haben. Er hat die Rolle insgesamt sehr souverän gesungen und vor allen Dingen textlich toll gestaltet. Gespannt war ich auch auf das Rollendebüt des "Berliners" Thomas Blondelle als Stolzing. Seine Probleme in der Höhe sind nicht neu. Zwei Akte lang konnte er sich dennoch gut aus der Affäre ziehen, im 3. Akt jedoch wurde seine ansonsten gute Leistung gemindert. Auch als Typ kam er erfreulich erfrischend daher. Gleiches gilt übrigens auch für Betsy Horne als Eva, die insgesamt ebenfalls erfrischend rüberkam, jedoch in der Höhe ein paar unschöne Töne hatte. Günther Groissböck war als Pogner eine Luxus-Besetzung, auch wenn er nicht so stark war wie bei seinem Gurnemanz in Berlin. Johannes-Martin Kränzle ist ein Wahnsinnstyp. Wie er sich in jeder Rolle neu erfindet, ist große Klasse. Dass ihm in der Höhe ein bis zwei Töne fehlen, kaschiert er sehr geschickt. Sein Beckmesser hatte großen Unterhaltungswert und war insbesondere im Zusammenspiel mit Volle ein Genuss. Auch Daniel Behle als David hatte einen insgesamt sehr unterhaltsamen und überzeugenden Auftritt bevor er in der nächsten Spielzeit in Dortmund den Lohengrin singen wird. Margarete Joswig fiel als umherwirbelnde Magdalene stimmlich ab. Ein Kuriosum in der Meisterriege war für mich als Berliner Reiner Goldberg als Ulrich Eisslinger.

Die Inszenierung von Bernd Mottl ist sehr kurzweilig und zeigt auf berückende Art und Weise, wie sich das Rad der Generationen dreht. Während Pogner blind ist und auf seinen Rollator angewiesen ist und wie alle anderen Meister im Altersheim seinem Tod entgegensieht, ist Sachs, ebenfalls im Heim, der Einzige, der sein Handwerk noch versteht. Sehr berührend fand ich die Dia-Show, die Sachs sich zu Beginn des 3. Aktes angesehen hat: seine verstorbene Frau, seine Geschäftsaufgabe, den Abriss des Gebäudes, in dem sein Geschäft einmal gewesen ist. Im selben Haus wie das Altersheim ist die Gaststätte Alt-Nürnberg, die im 2. Akt von außen und im 1. Akt sowie auf der Festwiese (hier Festsaal) von innen gezeigt wird. Das ist so aus dem Leben gegriffen, als wäre man selbst schon einmal dort gewesen.

30. Mai 2019
17:21
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dalmont
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Eine Erfahrungsbericht aus unserem südlichen Nachbarland

„Die tote Stadt“, Mailänder Scala, 28.5.19

Keine Oper der großen an diesem Haus tätig gewesenen Komponisten von Rossini bis Manzoni. Pereira „füttert“ die Milanesen mit Werken, die sie nicht so gut kennen („Fierrabras“ oder „Der Freischütz“, später im Jahr noch „Die Ägyptische Helena“) und die sie nicht sonderlich zu interessieren scheinen.

Jetzt also „Die tote Stadt“ von Eric (!) – so die Plakate – Wolfgang Korngold. Eine einprägsame, prägnante und farbige Musik, die ihre „Väter“ erkennen lässt, eigenes Gepräge hat und in der man den späteren Oscar-Preisträger für Filmmusik erahnen kann. Und ein theatergerechter, einfacher Plot: Einen mit und in den Erinnerungen an die verstorbene Frau lebenden Mann befreit die Begegnung mit einer jungen Frau, die der Verstorbenen ähnlich zu sein scheint und die er schließlich erdrosselt, aus seiner Erstarrung und führt ihn zum Leben zurück. Was davon Traum, was Realität ist, bleibt offen, einige Szenen großer Oper, ein Beginen- und ein Maskenzug, später eine gespenstische religiöse Prozession in der nächtlichen toten Stadt sorgen für das nötige Spektakel. Sie vor allem fordern den Regisseur, die anderen Szenen sollten sehr präzise gespielt und natürlich noch besser gesungen werden.

Was gab’s an der Scala zu sehen: einen riesigen Wolkenstore, der das gesamte Bühnenrund abschließt, darauf wurde manchmal in kleinen Feldern projiziert, etwas das Herz Jesu, wie man es von vielen Devotionalien kennt. Die Möblage: bauhausartig, die Kostüme aus den späten 20er Jahren. Atmosphäre gleich null, kein Interpretation der Erinnerungshöhle des Protagonisten. Für das gespenstische Traumbild der Prozession heben sich einige Segmente des Wolkenstores für lebende Bilder: trashiger Kitsch, wie ihn britisches Publikum immer wieder gern sieht, Priester und andere kirchliches Personal, selbstredend auch ein Transvestit. Besonders ärgerlich: Hitlerjugend, SA-Uniformen, Nazi-Offiziere, KZ-Insassen ecc. Wolkenstore auf, Wolkenstore zu, das war’s. Billig.

Eine Nicht-Inszenierung, die sich nicht um das Changieren zwischen Traum und Wirklichkeit der Oper kümmert. Dem Publikum hat sie hörbar gefallen, was soll’s. Hörens- und sehenswert war die Aufführung wegen der wunderbaren Asmik Grigorian, einer begnadeten Singschauspielerin, die mich in ihrer gesanglichen und darstellerischen Intensität an die Rysanek in ihren besten Tagen erinnerte. Sie trug musikalisch den Abend und erspielte sich, vom Regisseur allein gelassen, durch ihr großes Talent die Figur. Ihr Partner Klaus Florian Vogt hatte es da viel schwerer. Nicht nur dass das so helle Timbre seines Tenors nur schwer mit dem in sich und seine Erinnerungen versponnenen Paul zusammen passt, ließ sich auch allzu oft hören, dass der Paul sauschwer ist, indem Vogt immer wieder seine gesanglichen Grenzen zeigte. In der atmosphärelosen Szenerie konnte er jedoch seine innere Reise vom Tod zum Leben nicht sehr glaubwürdig gestalten. Er hatte allerdings den Schlussgesang, und der gelang ihm sehr gut, mit der nötigen Träne im Auge, so bleibt offen, ob er tatsächlich den Weg zurück ins Leben findet. Markus Werba präsentierte seinen berühmten Song mit großem Raffinement. Und das Scala-Orchester (Dirigent: Alain Gilbert) schien große Freude an dieser so farbigen und alle Instrumente fordernden Partitur zu haben.

Etwas vom Drumherum: Es gibt an der Scala ein Premierenabonnement, im freien Verkauf wurden offenbar nicht sehr viele Plätze verkauft. Das Piermarini war allerdings gut „wattiert“, was den positiven Effekt hatte, dass im Publikum sehr viele junge Menschen zu sehen waren, auch auf den teuersten Plätzen (das sind sicherlich 2/3 aller Sitze). Stehplätze im eigentlichen Sinne gibt es ja nicht mehr.

Das mittlerweile in Opernhäusern übliche Verhalten findet sich auch an der „noblen“ Scala: Fotografieren, Filmen, Tratschen, e-mails-Kontrollieren, Schuhe ausziehen, ecc.

Interessant: Der große Ridotto war in den Pausen fast leer, grade einmal ein paar Dutzend Leute wollten Erfrischungen, ganz im Gegenteil zu den langen Schlagen in den Wiener Opernhäusern.

Fazit: Pereira kocht auch nur mit Wasser, ärgerliche Inszenierungsfadesse auch im Piermarini.

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