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Oper in Nachbarländern Österreichs
30. Dezember 2018
16:10
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Chenier
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Forumsbeiträge: 267
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28. Februar 2018
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Absolut, werter Gurnemanz, auf Kunde warten wir ja schon seit 20 Jahren in Wien. Ist allerdings nicht mehr der Jüngste, habe ihn vor einigen Jahren im Fenice als Manrico gehört, da war er noch rollendeckend.

30. Dezember 2018
15:41
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 217
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29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Jaa, den Aspekt des Sich-Satthörens kenne ich auch (bei anderen Stücken). Das kann ich gut verstehen!

30. Dezember 2018
15:10
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UwePaul
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Forumsbeiträge: 460
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Ich hab die wohl eine Zeitlang zu oft erlebt. Bin 1964 nach Berlin gekommen und in den Jahren unzählige Zauberflöten mit allem, was Rang und Namen hatte, gehört.

Nicht, das ich jetzt die heutigen Sänger vergleichen will, es sind etliche wirklich gute dabei, aber mich interessiert es einfach nicht mehr. Na frauenfeindlich, darüber mache ich mir keine Gedanken :-)))

30. Dezember 2018
14:59
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 217
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29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Lieber UwePaul! Danke, Ihnen natürlich dasselbe!

Ich hab mit der Zauberflöte auch jahrelang nichts anfangen können, war aber wegen bestimmter Sänger trotzdem recht oft drinnen, und dann irgendwann hat es "klick" gemacht, seitdem finde ich das Stück wirklich toll.

Ich kann nachvollziehen, dass man es langweilig/kindisch findet, aber für die damalige Zeit ist das doch ein hochmodernes Stück: Pamina als eigentliche Hauptfigur und ein wahrhaft modernes Menschenbild ("Mann und Weib und Weib und Mann reichen an die Gottheit an" - also beide sind gleichberechtigt). Angesichts zahlreicher (Selbst-)Mordversuche auch keine Kinderoper. Ich finde nicht, dass das Stück frauenfeindlich ist, wie ja manchmal von Leuten behauptet wird, die das Libretto wohl nicht verstanden haben.

Aber glücklicherweise hat jeder so seine Vorlieben und Abneigungen, ich kann mich zum Beispiel nicht für Belcanto erwärmen. Nochmals guten Rutsch und alles Gute fürs neue Jahr!

30. Dezember 2018
14:47
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UwePaul
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Forumsbeiträge: 460
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28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Gurnemaz

viele Grüße zurück, guten Rutsch, und trotzdem viel Vergnügen in der Zauberflöte. Ich habe mir seit 18 Jahren keine Zauberflöte mehr angetan. Kann auch nicht sagen, warum, aber die langweilt mich, wie kaum eine andere. Die Inszenierung an der DO ist und war recht ansehnlich und wohl, wenn ich die Besetzungen lese, sehr respektabel, aber da streike ich.

30. Dezember 2018
14:34
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 217
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29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Ach, niemand hat etwas dagegen, wenn Sie hier viel über Giordano schreiben. Ich nehme an, dass Sie sich ebenso wie ich im Jänner Andrea Chénier in Wien anhören werden, da können wir uns nachher gerne darüber austauschen, das würde mich freuen!

30. Dezember 2018
14:30
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Chenier
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Forumsbeiträge: 267
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Dann müsste ich, werter Gurnemanz, pausenlos über  Giordano und Chenier schreiben, mein absolutes Lieblingswerk, aber das möchte ich dem werten Publikum ersparen. Oder über Verdi, meinen Lieblingskomponisten bei Opern, den ich bis in sein Geburtshaus in Roncole verfolgt habe, aber meine Befindlichkeiten sind nicht so interessant.

ad Uwe Paul: ja eh, beste Grüße nach Berlin, Laugh

30. Dezember 2018
13:59
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 217
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29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Naja, Janáček ist ja bekanntlich der meistgespielte tschechische Opernkomponist, Alfano ist weit davon entfernt, der meistgespielte italienische Komponist zu sein... aber lassen wir das, jedem schließlich das Seine. Laugh Dass ich viel über die Werke meines Lieblingskomponisten schreibe, ist mir ja unbenommen. Laugh

Mir war bekannt, dass Alfano noch Puccini-Skizzen verwendet hat, aber für mich klingts halt eindeutig nachkomponiert, mir ist vorgestern wieder ein starker Bruch aufgefallen. Es ist ja leider Usus, manche Werke stark zu kürzen (zB streicht man im Wiener Boris Godunow seit 2012 den Polenakt komplett und verkauft das als "Urfassung"!!), also versteh ich persönlich nicht, wieso man dann bei Turandot zwei Sänger zehn Minuten lang plagt mit Musik, die gar nicht vom Komponisten stammt.

30. Dezember 2018
13:13
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UwePaul
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Forumsbeiträge: 460
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28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

der in diesem Forum unverständlicherweise extrem aufgewertet wird.

warum wollen Sie denn im alten Jahr nun unbedingt provozieren??? Wenn Gurnemaz und einige andere Janacek so schätzen, ist das doch völlig in Ordnung. Wenn Sie ihn nicht schätzen, meiden Sie doch einfach die Beiträge. Was Sie besonders bejubeln mögen andere vielleicht auch nicht. Kann mir vorstellen, wie Sie reagieren würden, wenn Ihnen so etwas geschrieben würde.

Also ein bisschen Toleranz fürs neue Jahre, würde allen gut tun

30. Dezember 2018
12:49
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Chenier
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Forumsbeiträge: 267
Mitglied seit:
28. Februar 2018
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Den Schluss von Turandot sehe ich ganz anders, denn es gibt keine große Bruchstelle und auch keinen Qualitätsverlust. Das Werk wirkt in der Holistik auch entsprechend einheitlich. Alfano hat das alles nicht selbst komponiert, sondern nach Skizzen und Fragmenten von Puccini zusammengestellt und vielleicht das eine oder andere Stück ergänzt. Er benötigte allerdings für den Schlussteil 2 Jahre.

Von Alfano wird der Cyrano von Bergerac gelegentlich aufgeführt, eher bedeutungslos, aber vermutlich wichtiger als etwa Janacek, der in diesem Forum unverständlicherweise extrem aufgewertet wird. Ich habe diese Oper vor vielen Jahren einmal in San Francisco gesehen, durchaus hörenswert, kurz nachdem PD zum Bariton "konvertiert" ist, mit ihm in der Hauptrolle. Jahre vorher, glaube ich mich erinnern zu können, gab´s eine Aufführung in Philadelphia, nachher in Washington.

30. Dezember 2018
3:04
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 217
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29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Schnabl sagt
zu Turandot in Preßburg am 28.12.2018

Wir waren in derselben Vorstellung, haben aber doch stark abweichende Erinnerungen. Maida Hundeling war - wie immer - eine großartige Turandot. Eine strahlende, kraftvolle Stimme, die einem bei den Spitzentönen die Ganslhaut über den Rücken laufen läßt. Ich habe auf der Bühne nie eine bessere Turandot gehört (und es waren viele....). Und auf der Heimfahrt haben wir die Birgit Nilsson "vergleichsgehört" (die Leinsdorf-Aufnahme): klingt sehr ähnlich für mich!

Andreas Schnabl  

Ich finde es immer spannend, wenn es unterschiedliche Meinungen zur selben Aufführung gibt! Aber ich habe jetzt noch ein paar Turandots verschiedener Zeiten vergleichgehört: Diese alle (Birgit Nilsson, Eva Marton, Elizabeth Connell, Maria Guleghina, Anda-Louise Bogza, Grace Bumbry, Gabriele Schnaut, Alessandra Marc) gefallen mir besser als Hundeling. Bei Hundeling bekomme ich oft ein richtig unangenehmes Gefühl (wie auch bei Jonas Kaufmann, wobei beide ganz anders singen, der Kaufmann knödelt). Ich bin mir nicht sicher, was sie falsch macht, aber ich denke, sie will mit ihrer Stimme einen Klang herstellen, den sie nicht hat. Deshalb klingt es für mich mit viel zu viel Druck und zu gepresst, was für meine Ohren schmerzhaft ist.
Bei dieser Gelegenheit: Es ist SO schade, dass der Botha gestorben ist. Ich war zu seinen Lebzeiten nie ein ganz großer Fan Botha-Fan, aber was er zum Beispiel als Calaf auf den Aufnahmen bietet, beeindruckt mich sehr. Er geht wirklich ab. Kaum zu glauben, dass ich ihn vor über vier Jahren zum letztemal gehört hab. Es kommt mir vor, als wäre es letzte Woche gewesen.
Die implizierte Frage, wer eine derzeit bessere Turandot ist, ist sehr berechtigt und kann ich nicht beantworten. Melba Ramos in der Volksoper hab ich in sehr guter Erinnerung, aber es ist eine Grenzpartie für sie, und ich weiß nicht, ob sie an einem größeren Haus gleichermaßen reüssieren könnte. Vielleicht Linda Watson oder Nina Stemme? Aber die hab ich nie als Turandot gehört, ebensowenig wie die oben angeführte Guleghina und Bogza. Eva Urbanová schaffts jetzt wahrscheinlich nicht mehr.

Michta sagt
Wertloser Alfano-Schluß???   das lese ich gar nicht gerne. Alfano war ein exzellenter Komponist ( siehe zB seine Risurezzione ), ein genialer Vollender der Turandot,  die schrecklich "amputiert" ist, wenn man dort aufhört!  Unnötig war der "Berio-Schluß",  der dem gewohnten nicht annähernd das Wasser reichen kann und sićh - Got sei Dank - NIE durchsetzen wird!!   

Ich kenne sonst keine Kompositionen von Alfano, aber ich finde, dass sein Turandot-Schluss wie die Faust aufs Aug passt: Bis dahin gibts ziemlich gute Musik - und dann auf einmal ab Principessa di morte schlagartig nur mehr Langweile, Sopran und Tenor schreien sich gegenseitig an, die Hits der Oper werden im Orchester wiederholt, und dann klingt das musikalisch spannende Werk einfach total unter seiner Würde aus - denke ich zumindest ich. Die beiden Vollendungen aus anderer Hand stammen halt noch aus einer Zeit, in der es undenkbar war, ein Werk ungewöhnlich enden zu lassen.
Den Berio-Schluss mag ich auch nicht, und wie gesagt, ich bin dafür, nur das zu spielen, was auch von Puccini stammt. Das hätte schon was: Nach Liùs Selbstmord und Timurs Klage hat Calaf kein Interesse mehr an Turandot, zeigt ihr eine Geste, dass er auf sie verzichtet, geht mit seinem Vater Timur ab, Turandot bleibt allein zurück, cund die Oper ist aus, ohne ein klassisches Opernende. Das fände ich richtig interessant, passend für ein in seiner Zeit modernes Werk wie Turandot und gar nicht amputiert. Beim Alfano-Schluss frag ich mich schon, wie sinnvoll ein Happy End nach Liùs tragischem Tod ist, und der Calaf muss ein ziemlicher Depp sein (oder Turandot wirklich, wirklich fesch), wenn er die Turandot immer noch will.

29. Dezember 2018
23:27
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Michta
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Forumsbeiträge: 113
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6. März 2018
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Wertloser Alfano-Schluß???   das lese ich gar nicht gerne. Alfano war ein exzellenter Komponist ( siehe zB seine Risurezzione ), ein genialer Vollender der Turandot,  die schrecklich "amputiert" ist, wenn man dort aufhört!  Unnötig war der "Berio-Schluß",  der dem gewohnten nicht annähernd das Wasser reichen kann und sićh - Got sei Dank - NIE durchsetzen wird!! 

29. Dezember 2018
10:49
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Schnabl
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23. August 2018
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zu Turandot in Preßburg am 28.12.2018

Wir waren in derselben Vorstellung, haben aber doch stark abweichende Erinnerungen. Maida Hundeling war - wie immer - eine großartige Turandot. Eine strahlende, kraftvolle Stimme, die einem bei den Spitzentönen die Ganslhaut über den Rücken laufen läßt. Ich habe auf der Bühne nie eine bessere Turandot gehört (und es waren viele....). Und auf der Heimfahrt haben wir die Birgit Nilsson "vergleichsgehört" (die Leinsdorf-Aufnahme): klingt sehr ähnlich für mich!

Andreas Schnabl

28. Dezember 2018
23:57
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 217
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29. September 2018
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BRATISLAVA/PRESZBURG (Neues Opernhaus): Giacomo Puccini, Turandot

Meine Vorfreude wurde durch die Absage von Adriana Kohútková getrübt, was leider berechtigt war, denn Orsolya Sáfár war keine gute Liù. Sie hat zwar meine Mindestanforderung (nämlich die richtigen Töne zu treffen) erfüllt, aber die Stimme ist klein, hat ein schnelles, unangenehmes Vibrato und flackert. Für die Lauretta letzte Saison war das noch akzeptabel, aber die Liù ist doch ein anderes Kaliber. Dennoch gelang es ihr, Emotionen zu transportieren, also (zumindest) mich zu berühren, und das ist ja schon etwas. Im dritten Akt war sie jedenfalls deutlich besser, also hat Nervosität wohl auch mitgespielt. Ich würde ihr trotzdem raten, von Rollen wie der Liù die Finger zu lassen, solange die technischen Mängel nicht behoben sind. Aber das Stück heißt ja "Turandot" und nicht "Liù", und ich würde wirklich gerne schreiben, dass Maida Hundeling eine super Turandot war, nur war sie das nicht. Im Mai hat sie mir viel besser gefallen, deshalb war ich heute gewissermaßen entsetzt. Die Technik ist einfach mangelhaft, die Stimme sitzt nicht, hat kaum Tiefe, und alle Töne ab der hohen Mittellage werden in einer Art und Weise laut hinausgekreischt, die in mir sehr großes Unwohlsein ausgelöst hat. Das bekommt weder ihrer Stimme noch meinen Ohren. (Die nahezu perfekte messerscharfe, metallene Stimme Birgit Nilssons kann ich damit nicht vergleichen.) Schade, denn sie könnte etwas aus sich machen, das notwendige Material hat sie ja, und das heute von ihr Gelieferte war ja auch effektvoll, nur reagiere sehr empfindlich auf das Kaschieren technischer Mängel durch Lautstärke. Die Vorstellung wurde also von den Männern getragen: Boldizsár László ist das, was ich einen idealen Calaf nenne (hier ist sein leichter Hang zum Brüllen genau richtig), nur war er heute hör- und sichtbar durch seinen Motorradunfall mit doppeltem Beinbruch im November beeinträchtigt. Er wirkte auf der Bühne sehr unsicher und stützte sich ständig auf einen Stock (kein Vergleich zu sonst, wo er sehr engagiert spielt), und jeder, der ein bisschen Gesangsunterricht hinter sich hat, weiß, dass für klassischen Gesang nicht nur die Stimmbänder funktionieren müssen, sondern der ganze Körper und dass sich folglich körperliche Beschwerden massiv auf die Stimme auswirken. So war es heute leider auch. László hat genau gewusst, wo er Gas geben muss und wo er sich schonen kann. Manch effektvolle Stelle hat er wunderbar hingekriegt (natürlich mit weniger Stimmeinsatz als von ihm gewohnt), an manch anderer war er hörbar im Sparbetrieb. Schade, dass er heute nicht auf der Höhe war, aber es handelt sich um ein temporäres Problem, das er offenbar im Griff hat. Das wird in absehbarer Zeit wieder, es besteht kein Grund zur Sorge. Grund zur Sorge besteht leider bei Peter Mikuláš. Ich liebe ihn, aber in jüngster Vergangenheit hat er stimmlich abgebaut. An manchen Abenden (wie vor einem knappen Monat als Sarastro) ist er wunderbar, an manchen (wie Mitte Oktober als Philipp) merkt man sein Alter, so auch heute. Erst am Ende (ab "Liù... bontà! Liù... dolcezza!") hörte man seine wunderbar volle, schöne Bass-Stimme, davor war es ein eher hohler, substanzloser Gesang mit zu viel Krafteinsatz. Dennoch war er auch heute besser als manch berühmterer Bassist, der bestimmt viel mehr Geld kassiert. Ich hoffe auf noch viele bessere Abende mit ihm. Er hat jahrzehntelang auf sehr hohem Niveau gesungen und trotzdem außerdem seines Heimatlandes nicht wirklich Karriere gemacht. Die Minister waren sehr gut, eindeutig am besten Daniel Čapkovič, auch Róbert Remeselník sehr gut, Ján Babjak war auch dabei. Rastislav Štúr stand am Pult, und das war sehr gut, denn er weiß, wie man dirigiert. Hervorheben möchte ich den wirklich guten Kinderchor. Die Produktion (Inszenierung von Jozef Bednárik, Bühnenbild von Vladimír Čáp, Kostüme von Ľudmila Várossová) ist sehr opulent, was diesem Werk aber sehr angemessen ist (nur sollte man den aus meiner Sicht wertlosen Alfano-Schluss streichen und die Oper mit Timurs Klage über Liù enden lassen). Der Vergleich mit Wien (Marelli) geht ganz eindeutig für Bratislava aus.

27. Dezember 2018
23:58
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Gurnemanz
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29. September 2018
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BRNO/BRÜNN (Mahen-Theater): Antonín Dvořák, Čert a Káča / Die Teufelskäthe

Obwohl Rusalka mittlerweile erfreulicherweise auch in deutschsprachigen Ländern große Beliebtheit genießt, sind andere Werke aus Dvořáks Œuvre weitgehend Raritäten. Čert a Káča (1899 uraufgeführt) wird zwar in Tschechien häufig gespielt, ist bei uns aber so gut wie unbekannt. Ich hab es heute erstmals gehört und überlege immer noch, ob es sich (wie mir im vorhinein erzählt wurde) um eine Kinderoper handelt oder nicht; wenn man diese Oper als Kinderoper bezeichnet, ist sie jedenfalls eine wirklich gute - ich plädiere für "kindgerechte Oper". Die Geschichte ist unterhaltsam (ich hab ein Faible für Erzählungen, in denen der Teufel ins Bockshorn gejagt wird), die Partien sind wohl nicht ganz einfach, der Chor wird vielfältig eingesetzt, und die Musik ist slavisch-volkstümlich, genießbar und nicht langweilig. Das meiste spielt sich im Dialog ab, es gibt nur wenige Soloszenen.

Die Handlung ist schnell erzählt: Die goscherte und im Umgang mit anderen Menschen ungeschickte Káča wird am Dorffest von den Burschen nicht beachtet, nur der als Jäger verkleidete Teufel Marbuel tanzt und flirtet mit ihr. Marbuel nimmt sie mit sich in die Hölle. Der wegen einer Kleinigkeit entlassene Schäfer Jirka folgt ihr, um sie zurückzuholen. In der Hölle sorgt Káča für Aufruhr, und man berät, wie man sich ihrer bald wieder entledigen kann. Jirka bekommt den Auftrag, Káča mitzunehmen, und wird im Gegenzug vom Verwalter, der ihn hinausgeschmissen hat, befreit: Der Verwalter soll bloß auf Nimmerwiedersehen verschwinden, die Fürstin aber sterben. Die Fürstin, beunruhigt durch ein Orakel, das ihr den baldigen Tod prophezeit hat, bereut ihre Sünden. Der ankommende Teufel wird von Káča und Jirka überlistet und ergreift die Flucht, die Fürstin ist somit gerettet, gelobt Besserung und verleiht Jirka einen hohen Posten, und das Werk endet in fröhlicher Stimmung. Insgesamt durchaus genießbar (der erste Akt ist schwächer als die beiden folgenden), aber Rusalka ist halt doch eine ganz andere Klasse.

Musikalisch wars ganz okay, hat mich aber nicht von den Socken gehaut. Václava Krejčí Housková als Káča und Daniela Straková-Šedrlová als Fürstin haben mir am besten gefallen, ihnen ist zu verdanken, dass die Vorstellung musikalisch auf einem akzeptablen Niveau war. Ich vermute, dass Jaroslav Březina (Jirka) gesundheitlich angeschlagen war, denn er hat dementsprechend geklungen und gehustet. Roman Hoza hat ordentlich gesungen, ist aber rein alles an Gestaltung schuldig geblieben (der Marbuel ist ja eine wirklich wirklich lohnende Partie!), David Nykl war ein farbloser Luzifer. Der Vollständigkeit erwähne ich, dass Jana Iskrová als Káčas Mutter auffallend großen Publikumszuspruch entgegen nehmen konnte (Applaus fürs Lebenswerk, denn ihre Stimme klingt schon sehr brüchig, was in Anbetracht ihres hohen Alters durchaus verständlich ist). Jakub Klecker hat, soweit ich es beurteilen kann, gut dirigiert. Die Inszenierung von Jiří Heřman ist auf Kinder zugeschnitten, aber nichtsdestoweniger sehr einfallsreich und witzig (nicht albern!), sodass auch Erwachsene daran Freude haben können. Allerdings hab ich noch keine andere gesehen, da mir das Stück bis heute unbekannt war.

22. Dezember 2018
3:39
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Kein Problem, ich empfinde die Fragen überhaupt nicht als Zudringlichkeit, sondern ganz im Gegenteil, ich freue mich darüber. Um die Übersichtlichkeit zu wahren, habe ich mir aber erlaubt, in einem eigenen Thread darauf zu antworten. Vielleicht haben ja auch andere etwas dazu zu sagen.

22. Dezember 2018
1:18
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prof.ON-DO
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19. November 2018
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Schön, dass Sie die Aufzeichnung kennen! Wie fällt Ihr Vergleich mit dem Liveerlebnis aus ? Können Sie beobachten, ob die Teilnahme an dem Projekt Operavision sich positiv auf das Theater in Brünn auswirkt ? Welche Rolle spielen Streams generell in Ihrem Opernleben ?  Bitte die Fragen einfach ignorieren, falls Sie sie als Zudringlichkeit empfinden- aber das Thema wird , meiner Meinung nach,  nicht gebührend diskutiert. Adele !

22. Dezember 2018
0:27
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Gurnemanz
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29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

prof.ON-DO sagt
Hallo , G !  Darf ich Ihren Schilderungen wohl noch beifügen, dass diese Produktion auch online verfügbar ist ? ( Operavision ) Weihnachtliche Grüsse und beste Wünsche !  

Danke für Ihre Ergänzung! Darauf ( + Youtube-Link) hatte ich schon im November an anderer Stelle hingewiesen, aber ein weiterer Vermerk schadet nicht. Die Hauptrollen waren am 18. November aber anders (besser!) als heute besetzt:

Füchslein: Jana Šrejma Kačirková
Förster: Svatopluk Sem
Fuchs: Václava Krejči Housková

Lehrer/Mücke: Ondřej Koplik
Pfarrer/Dachs: Jan Šťáva
Harašta: Roman Hoza

Hier nochmals der Youtube-Link, der noch ca. fünf Monate aktiv bleiben sollte: http://www.youtube.com/watch?v.....EG2HOPlujE

Danke, Ihnen ebenfalls frohe Weihnachten!

21. Dezember 2018
23:59
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prof.ON-DO
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19. November 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Hallo , G !  Darf ich Ihren Schilderungen wohl noch beifügen, dass diese Produktion auch online verfügbar ist ? ( Operavision ) Weihnachtliche Grüsse und beste Wünsche !

21. Dezember 2018
22:59
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Gurnemanz
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29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

BRNO/BRÜNN (Janáček-Theater): Leoš Janáček, Příhody lišky Bystroušky / Das schlaue Füchslein

Müsste ich ein Ranking der Janáček-Opern aufstellen, belegte das Schlaue Füchslein den ersten Platz (dicht gefolgt von der Sache Makropulos). Um meine Meinung zur Inszenierung begründen zu können, muss ich zuerst meine Sicht des Stückes darlegen. Auf den ersten Blick handelt es sich um eine Tiergeschichte (der Förster findet eine junge Füchsin im Wald, nimmt sie zu sich nach Hause mit, dort entkommt sie, findet im Wald einen Fuchs, gründet mit ihm eine Familie, wird aber vom Wilderer totgeschossen), aber es ist unbestreitbar, dass in dieser Oper von bloß 90 Minuten Dauer weit mehr steckt, es geht nämlich im wesentlichen um die großen Themen Sexualität und Tod. Fast jedes auftretende Tier hat ein Äquivalent in der Menschenwelt, und damit das auch ganz klar wird, müssen Dachs und Pfarrer vom selben Sänger verkörpert werden. Darüber hinaus steht die Stechmücke für den Lehrer, der Hund für den Förster (wobei sich vermutlich auch Janáček selbst im Förster gesehen hat), und die Füchsin steht für die eigentliche Hauptperson dieser Oper, von der immer nur erzählt wird, da sie nie auftritt, nämlich das Zigeunermädchen Terynka, zu dem jeder der auftretenden Männer in irgendeiner Beziehung steht: Die Füchsin vertreibt den Dachs aus seinem Bau, genauso vertreibt eine Frau – (wohl) Terynka – den Pfarrer, sodass dieser in eine andere Gegend versetzt wird; der Förster hat offenbar eine kurze außereheliche Affäre mit Terynka, die ihn aber wieder verlässt, genauso fängt er im Wald die Füchsin ein, die aber auch nicht lange bei ihm bleibt, wohl abgeschreckt durch die plumpe Art des Hundes ( = des Försters), sich ihr zu nähern; der Wilderer heiratet Terynka, beraubt sie also ihres freien Lebens, genauso beraubt er die Füchsin des Lebens, denn er schießt sie tot, um das Fell in einem Muff für Terynka zu verwerten; der Lehrer steht jahrelang auf Terynka, bekommt sie aber nie. Dass die Tiere für Menschen stehen, wird auch dadurch klar, dass sie sich ganz eindeutig wie Menschen benehmen und unterhalten (zum Beispiel Fuchs und Füchsin: "Bin ich wirklich so schön?", "Willst Du mich?" – "Ja, ich will Dich!!", "Rauchen Sie?" – "Jetzt nicht.", "Ich habe mich in Dich verliebt, weil Du die bist, die ich mir immer gewünscht habe, ich liebe nicht Dein Äußeres, sondern Dein Inneres"). Klammer der Erzählung sind zwei Szenen, in denen sich der Förster im Wald aufhält (er fühlt sich dort mehr zu Hause als bei sich daheim), und in beiden springt ihm ein Frosch ins Gesicht, nur ist es am Ende der Enkel jenes Frosches, der ihm am Anfang über den Weg gelaufen ist. Der Förster erkennt das und schließt quasi inneren Frieden, denn er erkennt, dass sich die Welt stets verändert, wir also alle sterben werden, aber von der Natur immer neues Leben hervorgebracht wird. Darüber hinaus sind die Charaktere sehr intelligent gezeichnet, genauso verhalten sich die Menschen im wirklichen Leben auch (zum Beispiel der Pfarrer, der mit lateinischen und griechischen Zitaten um sich wirft und eine Moral predigt ("Non des mulieri corpus tuum"), die er nicht verkörpert). Des weiteren gibt es ein paar Verweise auf die Entstehungsgeschichte dieser Oper (zum Beispiel: "Man wird über mich und Dich in Zeitschriften schreiben" – so ist ja auch diese Oper entstanden). Wesentlich ist, dass die relevanten Details nur nebenbei genannt werden; viel Zwischenmenschliches spielt sich ab! Beispielsweise die Gefühle der Männer, die im Gasthaus ihre Einsamkeit begießen, oder die Aussage des Hundes ( = des Komponisten, weil Komponist = Förster = Hund), dass er aus Einsamkeit sein Leben der Kunst gewidmet habe, und beim ersten Anhören kann man das gar nicht alles mitbekommen. Deshalb habe ich das Stück auch anfangs für schwach gehalten, aber seit ich es großteils verstanden habe, lässt es mich nicht mehr los. Das Wesentliche wird in der Musik ausgesagt, zum Beispiel der sexuelle Traum des Försters mit der Füchsin ( = mit Terynka) oder die Musik ganz am Schluss. Die Natur wird phänomenal durch die Musik geschildert (als ich letztes Jahr mit dem Bus durch Wälder und kleine Dörfer Mährens gefahren bin, habe ich den Eindruck gehabt, dass Janáček genau diese Gegend beschrieben hat).

Es gibt also verschiedene Handlungsebenen in diesem Stück, und Regisseur Jiří Heřman hat das auch durch unterschiedliche horizontale Ebenen verdeutlicht. Auch beim zweiten Anschauen finde ich diese Inszenierung super, ja heute sogar noch besser als im November. Die Personenführung ist exzellent. Normalerweise stört es mich, wenn sich viele Leute auf der Bühne befinden, die dort nichts zu suchen haben, aber Heřman hat das nur sehr gezielt eingesetzt, und in den erforderlichen Momenten herrscht auch Ruhe, sodass sich die Stimmung entfalten kann. Die ergänzte Rahmenhandlung beginnt mit der Gründung eines Kinderheimes, und diese Kinder verkörpern anfangs mit Holzspielzeug die Tiere (da hat es auch gleich mehr Tragik, wenn ein Kind nach seiner Mama schreit als wenn das nur ein kleines Füchslein im Wald tut), der Förster nimmt einem Mädchen (das wie die Füchsin gekleidet ist) dessen Stofftier-Füchsin weg und bringt sie seiner Frau, die ihm darauf den Vogel zeigt. Der Förster liegt oft am Boden und träumt (es ist ja nicht ganz klar, wieweit er welche Ereignisse nur träumt oder sie sich wirklich ereignen), Förster und Försterin beobachten oft Fuchs und Füchsin bzw sind genau parallel auf der Bühne platziert. Die Försterin sitzt oft im Hintergrund strickend am Herd, sie bekommt von den Gefühlen, Träumen und Handlungen ihres Mannes nichts mit; sie registriert nur, dass die Ehe erkaltet ist (einmal wird er von ihr auch abgewatscht). Heřman hat allerdings nicht des Poetischen der Oper vergessen, denn durch Bäume und Erscheinen einer weiteren, hinteren Ebene wird dem Märchenhaften und der Naturschilderung Rechnung getragen. Ich bin von dieser Produktion begeistert und bin sicher, dass ich in ihr noch einiges Neue entdecken werde und sich mir dadurch diese meisterhafte Oper noch besser erschließen wird.

Musikalisch war ich durchaus zufrieden, wenn auch nicht begeistert. Das Orchester unter Marko Ivanović hat ruppiger, leidenschaftlicher gespielt als wir es in Wien gewohnt sind – das ist allerdings ein Pluspunkt! Jiří Sulženko klang als Förster den ganzen Abend angestrengt und nicht frisch (das ist bei ihm oft so), aber insgesamt wars eine durchaus gute Leistung. Michaela Kušteková hat das Füchslein hervorragend gespielt, aber ich denke, sie sollte noch an ihrer Technik arbeiten, das klingt in dieser Hinsicht noch nicht perfekt. David Nykl und Petr Levíček waren als Pfarrer/Dachs und Lehrer ziemlich dünn, mehr fällt mir nicht ein (also passabel, aber ziemlich leise und unauffällig). Jana Hrochová und Igor Loškár haben mir als Fuchs und Harašta (Wilderer) am besten gefallen: Hrochová sehr gut, und Loškár zwar ein bissl ungeschliffen, was für diese Rolle aber durchaus passt.

Die Kinderstimmen wurden elektronisch verstärkt, was die einzige Verwendung von Mikrophonen in der Oper ist, die ich akzeptieren will. Störend ist, dass nach einer Stunde für eine Pause unterbrochen wird, dadurch wird man aus der Stimmung gerissen und muss als Wiener nach dem letzten Ton aufspringen und ordentlich Gas geben, um noch den letzten Zug zu erreichen. Wie vor Beginn angesagt, war die Vorstellung Jaroslava Janská (geboren 1943, Solistin des Brünner Nationaltheaters 1967–1998) gewidmet, die auch kurz vor den Vorhang trat.

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