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Oper in Nachbarländern Österreichs
29. Juni 2019
23:24
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UwePaul
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Gurnemaz, leider muss ich sagen, dass Sie wohl lieber einen Tag in Berlin hätten dranhängen sollen,

das war der krönende Abschluss einer durchweg großartigen Saison, wahrscheinlich seit zig Jahren die beste an der DO.

Kann das, was Herr Storch schrieb, genauso wie die Kritik von Dr. Waltenberger, insgesamt bestätigen, nur die Kritik an Fr. Damrau nicht, sie war hervorragend, alle anderen genauso, wie er schrieb. Das Dirigat von Ives Abel war mitreissend, weil das Orchester und der Chor mitgerissen wurden.

Ein insgesamt grandiose Abend. Warum allerdings diese Oper auf unseren Bühnen nicht heimisch ist, ist mir ein Rätsel

29. Juni 2019
17:52
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UwePaul
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Mache ich gerne, aber nicht, das Sie dann neidisch werden :-))) Mir graut nur vor dem Weg dort hin, sind zwar nur einige wenige U Bahnstationen, haben aber gerade 32 Grad...

29. Juni 2019
17:45
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Gurnemanz
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Danke! Ebenfalls viel Vergnügen! 

Vielleicht möchten Sie ja danach kurz schreiben, wie Ihr Eindruck war, bzw. wie/ob er sich mit Beitrag 218 deckt!

29. Juni 2019
11:17
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UwePaul
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Heute Abend 19.20 Uhr 3 sat

"Oper - Das knallharte Geschäft"

29. Juni 2019
9:10
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UwePaul
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Oh, dann viel Spaß in der Operette, das ist auch nicht meines.

Ja, nach allem was ich gehört und gelesen habe, wohl äusserst hörenswert.Na mal hören in 14 Std. weiss ich mehr

29. Juni 2019
8:58
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Gurnemanz
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Schön, dass wir uns einig sind! Ja, Korngold hat einen rauschenden Orchesterklang, aber das geht im Konzert besser, denn in der Oper wärs nicht schlecht, auch die Sänger zu hören...

Danke für die Empfehlung, aber ich bin eben in Wien angekommen. Heute mache ich etwas, was ich nur höchst selten mache, nämlich eine Operette anhören. Naja, vielleicht hätte ich Ihren Rat mit dem Hamlet ja befolgen sollen :-)) 

29. Juni 2019
7:37
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UwePaul
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Wenn Sie noch in Berlin sind, heute unbedingt den Hamlet in der DO

29. Juni 2019
7:36
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UwePaul
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Gurnemaz

stimme Ihnen voll zu. Ich war in der Premierenserie und hatte den gleichen Eindruck. Ich hatte sogar bei Rubakis gebuht, dachte mir fliegen die Ohren weg. Das habe ich ewig nicht mehr gemacht.

Ist aber ein Problem in der Komischen Oper generell, aber da war es besonders..

29. Juni 2019
2:23
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Gurnemanz
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Fr., 28. Juni 2019: BERLIN (Komische Oper): Erich Wolfgang Korngold, Die tote Stadt

Die Komische Oper Berlin pflegt, die Premierenproduktionen der jeweiligen Spielzeit Ende Juni / Anfang Juli für je eine Vorstellung in Serie wiederaufzunehmen, und das halte ich für eine sehr gute Idee! Letztes Jahr konnte ich so Schrekers Gezeichnete und Schostakowitschs Nase erleben, heute war es Korngolds Tote Stadt. Ich habe mir keine Sensation erwartet, dennoch wurden meine Erwartungen untertroffen, es war eine recht dünne Sache.

Beginnend mit dem Stück: Ja, ich liebe das 20. Jahrhundert, und ich freue mich, wenn Korngold zu hören ist, aber Korngold ist verglichen mit Zeitgenossen einfach nicht erste Liga. Die tote Stadt kommt auf den ersten Blick so tiefgründig daher, ist in Wahrheit aber ziemlich seicht und erreicht nicht einmal ansatzweise die Seelentiefe der thematisch ähnlichen und nur unwesentlich später entstandenen Věc Makropulos von Janáček. Korngold ist kitschig, zwar zweifellos eine positive Art von Kitsch, aber keine, deretwegen in in Hinkunft ins Ausland fahre.

Ein wesentlicher Grund, dies heute dennoch zu tun, war die Inszenierung von Robert Carsen. Carsen ist ein Könner, ein Vollprofi ersten Ranges - der, nebenbei bemerkt, in der Amtszeit des glücklicherweise bald scheidenden Direktors der Wiener Staatsoper nie dort inszenieren durfte. Carsen hat die symbolistische und phantastische Atmosphäre perfekt eingefangen, in der Produktion wirkt alles genau überlegt und sinnvoll. Das Bühnenbild von Michael Levine passt perfekt dazu. Levine zeichnete auch für die Ausstattung der bedauerlicherweise schon ausgemusterten und durch einen nichtssagenden Schmarrn ersetzten Wiener Frau ohne Schatten von Carsen verantwortlich, die Ähnlichkeit zur Toten Stadt ist auffallend: In beiden Inszenierungen gibt es einen nach vorne offenen quadratischen Raum, dessen Seitenwände verschoben werden können, ein Ehebett samt Nachtkasterln in der Mitte und zeitweise einen Gazevorhang (was für ein akustischer Unsinn!), die Kostüme von Petra Reinhardt passen sehr gut. Carsen zeichnet den Paul nicht als harmlosen trauernden Witwer, sondern als psychisch Gestörten, klar erkennbar an seinen Bewegungen und den fein säuberlich in einer langen Reihe aufgestellten Schuhen (?) etc; eine Sichtweise, der ich enorm viel abgewinnen kann, insbesondere seitdem ich vor ein paar Monaten Hauptmanns Bahnwärter Thiel gelesen habe, und da gibt es ja manche Parallelen (zB die krankhafte Anbetung der verstorbenen Frau in einem bestimmten Raum). Lediglich das Ende hat sich mir heute nicht wirklich erschlossen: Marietta stirbt hier offenbar tatsächlich, Paul tritt aus dem Raum. Gestört hat mich das aber nicht. Die Pause war zwischen dem 2. und dem 3. Akt; der Beginn des zweiten Aktes wurde gut insofern gekennzeichnet, als die Wände des Zimmers auseinander geschoben wurden ( = Beginn des Traumes). Besonders gut gefallen hat mir die Inszenierung des Zwiegesprächs Pauls mit der Erscheinung Maries, deren Gesicht in Graustufen teils scharf, teils unscharf im Hintergrund eingeblendet wurde.

Das Szenische war aber auch der positivste Aspekt. Zufrieden war ich mit Sara Jakubiak, die eine angenehme, eher dunkle, recht kräftige Stimme besitzt, dennoch haben wir in Wien schon bessere Mariettas gehört. Maria Fiselier war eine gute Brigitta, nicht mehr und nicht weniger, mit ihre rechtn leise Stimme geht es sich für die Komische Oper noch aus. Schlechter stand es um die Herren: Ich mag Aleš Briscein, aber mit dem Paul hat er sich keinen Gefallen getan, dafür reicht seine Technik nicht (obwohl die Rolle weit leichter ist als sie auf den ersten Blick klingt). Die Stimme klingt kehlig und gepresst, er hat die Töne, aber nur mit hörbarer Mühe. Seine Stimme klingt wie die eines Gesangsstudenten (tolles Material, aber sehr ungeschliffen und stilistisch ganz daneben). Der Grazer Zwerg war super, der Münchner Luka Kuzmič auch und anderes ebenfalls, aber der Paul ist nix für ihn. Kaum der Rede wert war der Fritz/Frank des Günter Papendell, der sich mir kaum eingeprägt hat. Eine durchschnittliche, nicht besonders klangvolle Baritonstimme ohne bemerkenswerte Qualitäten.

Nicht ganz schlecht, aber auch nicht wirklich gut war das Orchester unter Ainārs Rubiķis, dessen Wahl der Tempi mich zeitweise irritierte, auch hätte er die Lautstärke durchgehend etwas drosseln sollen. Die Blechbläser und Schlagzeuger waren besser als die Streicher und Holzbläser. Insgesamt kein erstklassiger Orchesterklang.

Das Haus war nur teilweise besetzt. Was soll übrigens der Blödsinn, in der Pause im Foyer des zweiten Ranges Kammermusik zu spielen?!? In der Pause gibt es genau drei sinnvolle Tätigkeiten: 1) aufs Klo gehen, 2) sich mit anderen unterhalten und 3) das eben Gehörte auf sich wirken lassen. Keinesfalls will ich in der Pause mit anderer Musik vollgedudelt werden. Ich gehe ins Konzert und in die Oper, um gute Live-Musik BEWUSST zu hören und nicht um zwangsbeschallt zu werden. Auch wenn man in der Pause im Zuschauerraum bleibt, hört man die Musik aus dem Foyer. Ungewollte Dauerbeschallung stört und hat in einem Opernhaus nichts verloren. Ein ganz genereller schwerer Fehler unserer Zeit.

27. Juni 2019
14:10
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Kapellmeister Storch
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UwePaul sagt
Wollte nur, das Sie sich bei dem Wetter nicht auf den Weg machen  

Danke.

26. Juni 2019
15:25
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UwePaul
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Wollte nur, das Sie sich bei dem Wetter nicht auf den Weg machen

26. Juni 2019
15:22
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Kapellmeister Storch
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Stimmt, ich meinte natürlich Donnerstag...

26. Juni 2019
13:47
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UwePaul
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Herr Storch, hoffe Sie gehen heute bei der Hitze nicht in die DO, denn da gibts keinen Hamlet, erst morgen wieder und dann am Samstag, da gehe ich dann....

26. Juni 2019
13:40
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Kapellmeister Storch
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Hamlet (konzertant) mit Damrau und Sempey, 24.06.2019, Deutsche Oper Berlin

Konzertante Aufführungen in der Deutschen Oper haben inzwischen eine schöne Tradition und garantieren fast immer aller höchstes Niveau, jedoch keine vollen Häuser. Warum man von der Thomas-Oper Hamlet gleich drei Aufführungen angesetzt hat, ist mir ein Rätsel. In München hätte man das Haus vermutlich dreimal ausverkauft, in Berlin war schon die Premiere am 24.06.2019 nicht sonderlich gut verkauft. Alle die gekommen waren, mussten ihren Besuch nicht bereuen, denn es wurde eine grandiose Aufführung geboten. Das Zugpferd der Aufführung war, wie schon mehrfach in der Vergangenheit, Diana Damrau, die hier als Ophélie allerdings von der Rolle her nicht die erste Geige gespielt hat. Obwohl sie ihre beste Zeit hinter sich haben dürfte und ihr die Höhe Mühen bereitet, die sie aber hervorragend zu kaschieren versteht, hat sie mir am Montag besser gefallen als in anderen Rollen. Trotz reifer Stimme klang ihr Vortag sehr mädchenhaft und nicht so aufgesetzt wie in früheren Jahren. Neben der Oper an sich war der Sänger der Titelpartie, Florian Sempey, der Hauptgrund für meinen Besuch. Er hat vor ein paar Jahren als Alphonse in La Favorite für Furore gesorgt. Sein Material hatte ich ein wenig nobler in Erinnerung, aber dennoch war er mit seinem kräftigem, farbenreichem Bariton der Star des Abends. Das war wirklich überragend! Eine ebenfalls überragende Leistung bot Eve-Maud Hubeaux als Gertrude. Vor knapp zwei Jahren habe ich sie an der Bastille-Oper als Thibault in Don Carlos gehört. Sie singt aber durchaus schon Rollen wie Eboli, Brangäne oder Léonor (Favorite). Sie besitzt einen farbenreichen, schlanken, aber durchschlagskräftigen Mezzo und wirkte in ihrem Kleid wie eine Film-Diva aus den 50er Jahren. Damrau-Gatte Nicolas Testé hat den Claudius akkurat, aber ohne besondere Farben in der Stimme und mit fehlender Tiefe gesungen. Als Laërte hat mir Philippe Talbot mit schlankem, angenehmem Tenor gefallen. In weiteren kleineren Rollen waren u.a. Thomas Lehman (Horatio), Andrew Dickinson (Marcellus) und Andrew Harris (Geist des verstorbenen Königs) aufgeboten. Die Aufführung wurde sehr umsichtig und bravourös von Yves Abel geleitet. Sein Dirigier-Stil wirkte zwar merkwürdig hölzern, im Ergebnis spielte das Orchester aber auf hohem Niveau, und er hatte den Laden bestens im Griff. Ich freue mich auf die nächste Aufführung am Mittwoch.

24. Juni 2019
12:08
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Kapellmeister Storch
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UwePaul sagt
Hallo Herr Storch,

da haben wir mit "unserem" Otello ja wohl mehr Glück gehabt zu haben, wenn ich so die Wiener Kritiken lese, zumindest was die musikalische Seite betrifft. Freunde waren in der ersten und dritten, und die soll hervorragend gewesen sein.

Hallo Herr Paul,

ich war auch in der ersten und der dritten Otello-Vorstellung. Leider war ich am Donnerstag deutlich weniger angetan. Russel Thomas hat erhebliche Höhenprobleme. Das klang mir alles zu angestrengt und teilweise auch gestemmt. Guanqun Yu hat zwar überwiegend wunderschön gesungen, aber dennoch irgendwie blutarm und mit Abstrichen im 3. Akt. Manchmal sieht man es beim zweiten Hören anders.

21. Juni 2019
17:29
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UwePaul
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Hallo Herr Storch,

da haben wir mit "unserem" Otello ja wohl mehr Glück gehabt zu haben, wenn ich so die Wiener Kritiken lese, zumindest was die musikalische Seite betrifft. Freunde waren in der ersten und dritten, und die soll hervorragend gewesen sein.

Ja mit der Manon, hatte ich etwas Pech, Fr. Siri hat sehr kurzfristig abgesagt, eine Annemarie Kremer sang sie von der Seite und Fr. Pelkowski spielte mal wieder, war gewöhnungsbedürftig,

20. Juni 2019
13:51
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Kapellmeister Storch
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Carmen mit Calleja, 19.06.2019, Deutsche Oper Berlin

Den Besuch der relativ neuen Carmen-Produktion von Ole Anders Tandberg habe ich mir bis gestern (19.06.2019) aufgespart. Trotz der Mitwirkung von Joseph Calleja gab es viele freie Plätze. Der Tenor hat sich in guter Verfassung präsentiert, seine wunderschöne Stimme strömen lassen und der Aufführung seinen Stempel aufgedrückt. Ebenfalls sehr gut hat mir Ramona Zaharia von der DOR in der Titelpartie gefallen, die für die ursprünglich geplante Stéphanie D´Oustrac übernommen hatte. Ihr Mezzo sprach in allen Lagen wunderbar an ohne jemals aufgesetzt zu klingen. Etwas anders stand es da um die Ensemblemitglieder. Sowohl Meechot Marrero als auch Samuel Dale Johnson sind ohne Zweifel hoch veranlagte Talente. Marrero hat gestern ihr Rollendebüt als Micaëla gegeben. Sie ist eine bildhübsche Sängerin mit ebenso schönem Sopran, nur leider ist entweder das Haus zu groß für ihre Stimme oder die Stimme (noch) zu klein für Rollen wie Micaela oder Liu oder gar beides. Sie hat überwiegend sehr schön gesungen, ist aber auch deutlich an ihre Grenzen gestoßen. Auch für Johnson war der Escamillo (noch) eine Nummer zu groß. Letztendlich fehlt es der Stimme noch an der notwendigen Kraft und Tiefe für die Partie. Von den Sängern der kleineren Partien konnte insbesondere wieder Thomas Lehman überzeugen. Recht blass sind Cornelia Kim als Frasquita und Amber Fasquelle als Mercédès geblieben. Beim umsichtigen und zündendem Dirigat von Jacques Lacombe sind keine Wünsche offen geblieben.

20. Juni 2019
13:42
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Kapellmeister Storch
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dalmont sagt

Die Musik – wiewohl wunderschön - dachte ich, sei nicht nicht so, dass sie Kindern und Heranwachsenden sehr entgegen kommt. Offensichtlich habe ich mich getäuscht. Denn nur mit der Tatsache, dass Janáček ein mährischer Nationalheiliger ist, lässt sich diese große Aufmerksamkeit nicht erklären. Ich frage mich, ob vielleicht der Musikunterricht in diesem östlichen Teil Tschechiens von diesem „mährischen Nationalheiligen“ ausgeht und dadurch ein breites musikalisches Interesse schafft? (Ich selbst hatte – deshalb diese Überlegung - Klavierspielen über Bartóks „Mikrokosmos“ gelernt, was mir unschätzbare Zugänge zur Musik nach der Spätromantik eröffnete). Oder geht dieses wundersame Stück Musiktheater auch schon sehr jungen Menschen ans Eingemachte?

Es wurde vor einiger Zeit im Forum die Frage diskutiert, welches der beste Einstieg für Kinder in die Welt des musikalischen Theaters sei: vielleicht sollte man das Stück, welches erzählt, was diese scharfsinnigen jungen Füchse erleben, mit berücksichtigen. Auch bei uns.

Die Deutsche Oper Berlin hat auch eine sehr hübsche Produktion von Katharina Thalbach im Repertoire (nicht 2019/20), die von vielen Kindern besucht wird. Ein tolles Werk, dass ich auch schon konzertant mit Video-Begleitung unter Rattle gehört habe.

20. Juni 2019
3:03
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Gurnemanz
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Ich freue mich sehr, dass dieser Thread inzwischen so reichhaltig gefüllt wird mit Aufführungsberichten aus diversen Städten. Das ist wirklich schön! Für die Leser des Forums ist das zweifelsfrei eine lesenswerte Informationsquelle. Herzlichen Dank an alle, die diesen Thread mit Berichten und Anmerkungen befüllen!

Ganz besonders habe ich mich über Beitrag 212 von Dalmont gefreut. Es ist sehr schön zu lesen, dass Sie sich durch meinen damaligen Beitrag angespornt gefühlt haben, nach Brünn zu fahren. Super! Etwas Besseres kann ich mit meinen Texten nicht erreichen.

Vielen Dank für das Lob für den damaligen Text! Allerdings habe ich erst vor einer halben Stunde gelesen, dass mein damaliger Text in mindestens einem Punkt falsch ist. In einem anderen Forum hat nämlich jemand, der mit dem Thema ausgezeichnet vertraut ist, geschrieben:

[Dass die Männer in irgendeiner Beziehung zu Terynka stehen] ist nicht im Original-Libretto, wo nur der Schulmeister in Terynka verliebt ist. Hier hat wieder Max Brod verschlimmbessert, indem er den Pfarrer und den Förster von Terynka sprechen läßt, was im Original nicht vorkommt (der Pfarrer spricht von einem anonymen Mädel mit einem goldenen Zopf - Terynka ist Zigeunerin, kann kaum blond sein - das er liebte, als er Student war und mit dem Metzgerlehrling durchgebrannt ist und der Förster singt von Veronika/Verunka ). Daß der Pfarrer wegen übler Verleumdung nach Straní versetzt ist, ist auch Brods Erfindung.

Daher bitte ich alle, meinen Text vom Dez. 2018 mit Vorsicht zu genießen! Er ist zumindest teilweise falsch!!!

Dass das Publikum in Tschechien und der Slovakei sehr diszipliniert ist, habe auch ich schon festgestellt. Und zum Schlauen Füchslein als Einstiegsoper? Ja, wieso eigentlich nicht? Die Geschichte/Musik ist zauberhaft und vergleichsweise kurz. Sie gefällt sicherlich nicht allen, aber ich kann mir vorstellen, dass diese Oper zumindest wenige sicher anspricht. Es passt halt nicht alles zu jedem.

Übrigens lerne auch ich derzeit mit Bartók Klavierspielen. Zwar nicht mit dem Mikrokosmos, aber mein Bruder bringt mir Klavier bei, momentan arbeite ich an Schumanns Album für die Jugend und an Bartóks Gyermekeknek ("Für Kinder"), was ja volksliedhafter ist als der Mikrokosmos, den ich mir aber auch demnächst vornehmen möchte (die ersten Stücke sind ja extrem einfach zu spielen, wenn ich es der Youtube-Aufnahme richtig entnehme).

Mich würde noch besonders interessieren:
Wie haben Ihnen die Sänger, das Orchester und - vor allem - die Inszenierung gefallen? Konnten Sie manches dessen, was ich vor einem halben Jahr über die Inszenierung geschrieben habe, nachvollziehen oder hatten Sie einen ganz anderen Eindruck? Das würde mich enorm interessieren.

Nochmals danke für Ihren netten Text und Ihr freundliches Lob!

 

Hier noch für alle, die nicht zurückscrollen möchten, die - teils falsche - Abhandlung über das Werk und die neue Brünner Inszenierung aus meinem damaligen Text:

Müsste ich ein Ranking der Janáček-Opern aufstellen, belegte das Schlaue Füchslein den ersten Platz (dicht gefolgt von der Sache Makropulos). Um meine Meinung zur Inszenierung begründen zu können, muss ich zuerst meine Sicht des Stückes darlegen. Auf den ersten Blick handelt es sich um eine Tiergeschichte (der Förster findet eine junge Füchsin im Wald, nimmt sie zu sich nach Hause mit, dort entkommt sie, findet im Wald einen Fuchs, gründet mit ihm eine Familie, wird aber vom Wilderer totgeschossen), aber es ist unbestreitbar, dass in dieser Oper von bloß 90 Minuten Dauer weit mehr steckt, es geht nämlich im wesentlichen um die großen Themen Sexualität und Tod. Fast jedes auftretende Tier hat ein Äquivalent in der Menschenwelt, und damit das auch ganz klar wird, müssen Dachs und Pfarrer vom selben Sänger verkörpert werden. Darüber hinaus steht die Stechmücke für den Lehrer, der Hund für den Förster (wobei sich vermutlich auch Janáček selbst im Förster gesehen hat), und die Füchsin steht für die eigentliche Hauptperson dieser Oper, von der immer nur erzählt wird, da sie nie auftritt, nämlich das Zigeunermädchen Terynka, zu dem jeder der auftretenden Männer in irgendeiner Beziehung steht: Die Füchsin vertreibt den Dachs aus seinem Bau, genauso vertreibt eine Frau – (wohl) Terynka – den Pfarrer, sodass dieser in eine andere Gegend versetzt wird; der Förster hat offenbar eine kurze außereheliche Affäre mit Terynka, die ihn aber wieder verlässt, genauso fängt er im Wald die Füchsin ein, die aber auch nicht lange bei ihm bleibt, wohl abgeschreckt durch die plumpe Art des Hundes ( = des Försters), sich ihr zu nähern; der Wilderer heiratet Terynka, beraubt sie also ihres freien Lebens, genauso beraubt er die Füchsin des Lebens, denn er schießt sie tot, um das Fell in einem Muff für Terynka zu verwerten; der Lehrer steht jahrelang auf Terynka, bekommt sie aber nie. Dass die Tiere für Menschen stehen, wird auch dadurch klar, dass sie sich ganz eindeutig wie Menschen benehmen und unterhalten (zum Beispiel Fuchs und Füchsin: "Bin ich wirklich so schön?", "Willst Du mich?" – "Ja, ich will Dich!!", "Rauchen Sie?" – "Jetzt nicht.", "Ich habe mich in Dich verliebt, weil Du die bist, die ich mir immer gewünscht habe, ich liebe nicht Dein Äußeres, sondern Dein Inneres"). Klammer der Erzählung sind zwei Szenen, in denen sich der Förster im Wald aufhält (er fühlt sich dort mehr zu Hause als bei sich daheim), und in beiden springt ihm ein Frosch ins Gesicht, nur ist es am Ende der Enkel jenes Frosches, der ihm am Anfang über den Weg gelaufen ist. Der Förster erkennt das und schließt quasi inneren Frieden, denn er erkennt, dass sich die Welt stets verändert, wir also alle sterben werden, aber von der Natur immer neues Leben hervorgebracht wird. Darüber hinaus sind die Charaktere sehr intelligent gezeichnet, genauso verhalten sich die Menschen im wirklichen Leben auch (zum Beispiel der Pfarrer, der mit lateinischen und griechischen Zitaten um sich wirft und eine Moral predigt ("Non des mulieri corpus tuum"), die er nicht verkörpert). Des weiteren gibt es ein paar Verweise auf die Entstehungsgeschichte dieser Oper (zum Beispiel: "Man wird über mich und Dich in Zeitschriften schreiben" – so ist ja auch diese Oper entstanden). Wesentlich ist, dass die relevanten Details nur nebenbei genannt werden; viel Zwischenmenschliches spielt sich ab! Beispielsweise die Gefühle der Männer, die im Gasthaus ihre Einsamkeit begießen, oder die Aussage des Hundes ( = des Komponisten, weil Komponist = Förster = Hund), dass er aus Einsamkeit sein Leben der Kunst gewidmet habe, und beim ersten Anhören kann man das gar nicht alles mitbekommen. Deshalb habe ich das Stück auch anfangs für schwach gehalten, aber seit ich es großteils verstanden habe, lässt es mich nicht mehr los. Das Wesentliche wird in der Musik ausgesagt, zum Beispiel der sexuelle Traum des Försters mit der Füchsin ( = mit Terynka) oder die Musik ganz am Schluss. Die Natur wird phänomenal durch die Musik geschildert (als ich letztes Jahr mit dem Bus durch Wälder und kleine Dörfer Mährens gefahren bin, habe ich den Eindruck gehabt, dass Janáček genau diese Gegend beschrieben hat).

Es gibt also verschiedene Handlungsebenen in diesem Stück, und Regisseur Jiří Heřman hat das auch durch unterschiedliche horizontale Ebenen verdeutlicht. Auch beim zweiten Anschauen finde ich diese Inszenierung super, ja heute sogar noch besser als im November. Die Personenführung ist exzellent. Normalerweise stört es mich, wenn sich viele Leute auf der Bühne befinden, die dort nichts zu suchen haben, aber Heřman hat das nur sehr gezielt eingesetzt, und in den erforderlichen Momenten herrscht auch Ruhe, sodass sich die Stimmung entfalten kann. Die ergänzte Rahmenhandlung beginnt mit der Gründung eines Kinderheimes, und diese Kinder verkörpern anfangs mit Holzspielzeug die Tiere (da hat es auch gleich mehr Tragik, wenn ein Kind nach seiner Mama schreit als wenn das nur ein kleines Füchslein im Wald tut), der Förster nimmt einem Mädchen (das wie die Füchsin gekleidet ist) dessen Stofftier-Füchsin weg und bringt sie seiner Frau, die ihm darauf den Vogel zeigt. Der Förster liegt oft am Boden und träumt (es ist ja nicht ganz klar, wieweit er welche Ereignisse nur träumt oder sie sich wirklich ereignen), Förster und Försterin beobachten oft Fuchs und Füchsin bzw sind genau parallel auf der Bühne platziert. Die Försterin sitzt oft im Hintergrund strickend am Herd, sie bekommt von den Gefühlen, Träumen und Handlungen ihres Mannes nichts mit; sie registriert nur, dass die Ehe erkaltet ist (einmal wird er von ihr auch abgewatscht). Heřman hat allerdings nicht des Poetischen der Oper vergessen, denn durch Bäume und Erscheinen einer weiteren, hinteren Ebene wird dem Märchenhaften und der Naturschilderung Rechnung getragen. Ich bin von dieser Produktion begeistert und bin sicher, dass ich in ihr noch einiges Neue entdecken werde und sich mir dadurch diese meisterhafte Oper noch besser erschließen wird.

19. Juni 2019
23:49
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dalmont
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Gedasnkliche Nachlese zu „Příhody Lišky Bystroušky“ von Leoš Janáček , Brünn, 18.6.19

Angeregt von Gurnemanz’ Überlegungen zu der Neuinszenierung des „Schlauen Füchslein“ von Janáček in Brünn (Eintrag 26, ich muss sagen, ich habe selten so gescheite Gedanken zu einem Werk gelesen, wie die Gurnemanzschen zu dieser Oper), die ich noch einmal vor der Vorstellung hätte lesen sollen, habe ich mir vorgenommen, eine Aufführung anzuschauen. Ich fand eine um 11.00 Uhr beginnende Matinée am 18.6. (also gestern). War vom Termin sehr angetan, weil ich dachte, nachher etwas in den Straßen etwas außerhalb des Zentrums „herumstreunen“ (Brünn ist ja architektonisch sehr sehr interessant) und dann zu christlicher Zeit wieder nach Wien zurückfahren zu können.

Kurzes Erschrecken um ½ 11: Ich stellte am Zustrom zum Theater fest, das wird keine Matinée für Pensionisten, sondern eine Schülervorstellung für Kinder von 6 Jahren bis zu pubertierenden Riffeln und Gitschen.

Und dann die Überraschung: im Foyer hunderte ruhige, respektvolle Kinder und Jugendliche , im Saal dann gespannte (das spürt man) Aufmerksamkeit bis zum Schluss. Wieso das?

Die Inszenierung hat sicherlich auch für sehr junge Menschen Identifikationsmöglichkeiten geboten, da Kinder entscheidend an ihr mitwirken.

Die Musik – wiewohl wunderschön - dachte ich, sei nicht nicht so, dass sie Kindern und Heranwachsenden sehr entgegen kommt. Offensichtlich habe ich mich getäuscht. Denn nur mit der Tatsache, dass Janáček ein mährischer Nationalheiliger ist, lässt sich diese große Aufmerksamkeit nicht erklären. Ich frage mich, ob vielleicht der Musikunterricht in diesem östlichen Teil Tschechiens von diesem „mährischen Nationalheiligen“ ausgeht und dadurch ein breites musikalisches Interesse schafft? (Ich selbst hatte – deshalb diese Überlegung - Klavierspielen über Bartóks „Mikrokosmos“ gelernt, was mir unschätzbare Zugänge zur Musik nach der Spätromantik eröffnete). Oder geht dieses wundersame Stück Musiktheater auch schon sehr jungen Menschen ans Eingemachte?

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