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Oper in Nachbarländern Österreichs | Seite 14 | OnlineMerker | Forum

 

 

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Oper in Nachbarländern Österreichs
2. Februar 2019
2:05
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Das erkläre ich gern:

Verdi ist für mich großteils ein Humptata-Produzierer. Ja, der Otello ist super, Falstaff ist auch nicht schlecht, aber sonst gefallen mir nur einzelne Nummern aus seinen Werken. "Il balen del suo sorriso" ist eine wirklich schöne Arie, manche Musik aus Traviata/Trovatore/... ist auch nicht so übel. Aber insgesamt habe ich keinen wirklichen Zugang dazu. Der Aufbau seiner Opern ist mir auch zu "statisch": Ouvertürre, Chor, Arie, Duett, Stretta, Arie, Cabaletta, Chor etc (immer schön mit Applauspausen dazwischen). Mir kommt es so vor, als hätte Verdi seine Werke großteils auf Publikumswirksamkeit ausgerichtet (und wo er es im Falle der Traviata nicht getan hat und seinen gesellschaftlich anerkannten älteren Herren als wirklichen Unsympathler gezeichnet hat, ist das heute eigentlich schon überholt) - für ihn war das natürlich gut, man spielt ihn ja noch immer viel.

Janáčeks Werke sind für mich großteils Meisterwerke. In vergleichsweise kurzen Opern hat er es geschafft, unglaublich viel auszudrücken, die Charaktere treffend und doch mit großer Sympathie (Ausnahme: Kabanicha) zu schildern, man kann daraus viel über Menschen lernen. Bei ihm ist nichts schwarz-weiß, die Handlungen einer Kindsmörderin werden verständlich, genauso die Handlungen einer ehebrechenden Frau. Das Füchslein ist eine bezaubernde Philosophie über den Tod, den Kreislauf des Lebens und über Sexualität, die Sache Makropulos eine Abhandlung über das Sterben vs. ewiges Leben, das Totenhaus eine Sammlung von Einzelschicksalen - jedoch mit viel Empathie und Sympathie für die Figuren. Die Musik finde ich faszinierend, sie zwingt mich zum genauen Hören, sie trifft mich irgendwie "drinnen" (auch seine Kammermusik). Das vermögen nur sehr wenige Komponisten. Vielleicht ist mir als Ostösterreicher das Tschechische einfach näher als das Italienische?

Ich möchte betonen, dass diese Beurteilungen rein subjektiv sind (aber es war ja auch eine subjektive Beurteilung gefragt)! Wie sehen Sie die beiden Komponisten?

2. Februar 2019
0:44
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dalmont
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28. Januar 2019
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Da Sie, Gurnemanz, immer Argumentationen einfordern: Möchten Sie nicht erklären, was es ist, das Sie an Verdis Oeuvre von „Oberto“ bis „Falstaff“ nicht mögen (mit Ausnahme des „Otello“? Und vielleicht im Gegenzug: Was schätzen Sie an Janácek so sehr? Für mich sind die Musiksprachen beider Komponisten sehr sehr wichtig).

1. Februar 2019
23:54
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Gurnemanz
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29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Fr., 1. Feber 2019: BRATISLAVA/PRESZBURG (Altes Opernhaus): Giuseppe Verdi, Nabucco

Ich mag Verdi-Opern generell nicht (außer Otello), und Nabucco mag ich überhaupt nicht. Umso größer meine Überraschung, dass bei wirklich guten Sängern sogar der Nabucco eine gewisse Wirkung hat und nicht bloß Langeweile verbreitet. Freilich, gut ist das Stück noch lange nicht... Man sollte es viel seltener spielen. 

Ich bin mir im Klaren, dass die Alte Oper Bratislava sehr klein ist und Sänger es dort viel leichter haben als in der Wiener Staatsoper. Dennoch war der heutige Nabucco viel besser als alle Vorstellungen dieses Werkes, die ich in Wien gehört habe. 

Schwachpunkt war ausgerechnet der Interpret der Titelrolle: Sergej Tolstov war einmal vermutlich ein guter Sänger, aber die Stimme weist in der Höhe starke Abnützungserscheinungen auf. Tolstov kann singen, macht vieles richtig und klingt auch gut, solange bis er in die Höhe kommt. Dann zittert die Stimme oder bricht. Aber alle anderen Sänger waren ausgezeichnet. Jolana Fogašová ist mir noch nie so richtig aufgefallen, aber ihre heute Abigaille war große Klasse. Ihre Stimme ist schön timbriert und pianofähig, aber auch super in dramatischen Passagen, die alle gesungen wurden und nicht geschrieen. Großartig! Ich bezweifle lediglich, dass ihre Stimme für ein deutlich größeres Haus ausreichend laut ist. Ebenfalls großartig war Peter Mikuláš als Zaccaria. In letzter Zeit war er öfters nicht auf der Höhe, aber so gut wie heute hab ich ihn - ohne Übertreibung - noch nie gehört. Neben perfekt gesungenen sehr lauten Passagen war er fähig zu Pianotönen. Heute überhaupt keine Spur von stimmlichen Abnützungserscheinungen. Eine Schande, dass der (mittlerweile 65jährige) Weltklassesänger noch nicht an die Wiener Oper geholt wurde und vielen Wienern unbekannt ist. Aber auch die kleineren Rollen waren (im Unterschied zum Usus in Wien) sehr gut besetzt: Monika Fabianová war eine sehr gute Fenena, und Ľudovít Ludha ein sehr guter Ismaele (dass seine Stimme in der Höhe manchmal in Richtung meckern geht, war heute nicht stark zu merken). Auch die kleinen Rollen waren gut besetzt (keine Kobels, keine Kushplers, keine Greens).

Rastislav Štúr dirigierte wie immer gut, besonders ausgefeilt wärs nicht, und bisweilen hätte es weniger Humtata sein können, aber es war schon noch in Ordnung. Das Orchester war recht gut wie immer, ebenso der Chor. Die Inszenierung von Zuzana Gilhuus ist klassisch, aber handwerklich sehr gut, gefällt mir also durchaus (von dem Vorhang abgesehen, durch den Zaccaria am Anfang tritt, das schaut laienhaft aus). Das Publikum zeigte sich leider sehr gelangweilt, da wäre wirklicher Jubel fällig gewesen. 

12. Januar 2019
22:09
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 666
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29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Sa., 12. Jänner 2019: BRNO/BRÜNN (Janáček-Theater): Bedřich Smetana, Prodaná nevěsta / Die verkaufte Braut

Da hatte ich im vergangenen Jahr noch so vollmundig erklärt, die Verkaufte Braut sei eine Oper, für die ich mich kein zweitesmal in eine andere Stadt bewegen würde, aber heute war ich ihretwegen doch in Brünn. Und man hüte sich vor voreiligen Schlüssen! Das Stück hat mir heute viel besser gefallen als bei der Erstbegegnung in Prag vor einem knappen Jahr. Komische Oper darf nämlich auf KEINEN Fall verblödeln, sondern muss sie ernstnehmen, sie mit ehrlichem (nicht aufgesetztem) Humor inszenieren und sich Gedanken machen, ob das Stück vielleicht nicht nur humorvoll ist. Das alles hat Ondřej Havelka getan. Seine Verkaufte-Braut-Produktion hat mir das Stück heute erst richtig erschlossen. Die Handlung spielt dort, wo sie dem Libretto gemäß auch spielt, mittels einer Drehbühne können drei Schauplätze (Dorfplatz, Haus von Kruschina, Wirtshaus) gut miteinander verbunden werden. Die Produktion ist wirklich humorvoll, kommt aber niemals in die Nähe von Outrage oder Peinlichkeit. Durch Licht- und Schatteneffekte kann Stimmung erzeugt werden, die Produktion sprüht vor witzigem Humor, ist aber zwischendurch auch berührend und macht niemanden lächerlich (Wenzel ist hier Wenzel und kein Idiot).

Auch musikalisch war ich sehr zufrieden. Wieso Aleš Briscein so ziemlich überall singt außer an der Wiener Staatsoper, weiß nur die dortige Direktion. Ich habe seine metallische, höhensichere und gewissermaßen slavisch klingende Stimme sehr gern. Technisch passt alles, die Stimme ist laut genug und spricht in allen Lagen sehr gut an. Der Hans ist keine besondere Herausforderung, aber Briscein macht auch schwierigere Rollen sehr gut! Der sehr gute Eindruck, den ich von Jana Šrejma-Kačírková bisher gewonnen hatte, hat sich auch heute bei ihrer Marie bestätigt. Ihre Stimme besitzt zwar kein sonderlich einprägsames Timbre, ist aber technisch sehr gut ausgebildet und wird richtig eingesetzt. Das Piano trägt gut, die Stimme ist an den erforderlichen Stellen auch locker laut genug. Ich denke mir nicht zum erstenmal, dass diese Sängerin die Fähigkeiten für größere Häuser besitzt. Neben diesen beiden ausgezeichneten Kräften fielen die anderen leicht ab, was dem Gesamteindruck aber kaum Abbruch tat. Jiří Sulženko war heute als Kezal wie immer: Er macht das meiste richtig, die generell schöne Stimme klingt aber erschöpft und überfordert (er singt aber auch sehr viel - zum Beispiel gestern den Ramfis - und ist nicht mehr der Jüngste), dennoch war es gut genießbar. Ondřej Koplík war ein akzeptabler Wenzel, obwohl seine Stimme nicht allzu laut ist. Die Nebenrollen (Jakub Tolaš / Kruschina, Jitka Zerhauová / Kathinka, František Ďuriač / Micha, Jana Hrochová / Agnes, Zdeněk Šmukař / Springer) waren passend besetzt, ohne Ausreißer nach oben oder nach unten, lediglich Marta Reichelová ist mir als Esmeralda negativ aufgefallen, denn sie sollte noch an ihrer Technik arbeiten (das war zwar nett gesungen, klingt aber sehr nach bloßer Naturstimme). Der Chor ist positiv aufgefallen, das Orchester unter Jakub Klecker hat gut und sehr engagiert gespielt. Insgesamt hat mich der Abend sehr positiv überrascht - da sieht man, was man aus diesem Stück machen kann, wenn man es nicht verblödelt, sondern beim Inszenieren das Hirn gebraucht. In Kombination mit sehr guten Sängern kommt dann ein sehr lohndender Abend heraus! Sollte man sich jemals dazu entschließen, das Werk an der Wiener Staatsoper zu spielen (was ich begrüßen würde!), dann bitte in ähnlicher Qualität!

5. Januar 2019
9:01
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Chenier sagt
Meinungspluralität ist ebenso wichtig wie konstruktive Dialektik.

Das sehe ich auch so! Die Themen werden ja durch die schreibenden Mitglieder bestimmt, und da ich slavische Musik sehr schätze und Janáček mein Lieblingskomponist ist, handelt ein größerer Teil meiner Beiträge davon. Das wird auch so bleiben, aber wir können uns gerne über zahlreiche andere Themen unterhalten (was wir ja ohnehin tun)!

Der Kunde-Arrigo 2012 war übrigens ein Einspringen für Burkhard Fritz, und ein paar Wochen davor hat Kunde regulär im Theater an der Wien in "La donna del lago" gesungen. Aber näheres über Andrea Chénier ab morgen in einem eigenen Thread! 

4. Januar 2019
11:44
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Chenier
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28. Februar 2018
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Aber nein, Gurnemanz, wir verstehen uns ja sonst prächtig und werden weiterschreiben, nur das eine Thema nervt mich und Meinungspluralität ist ebenso wichtig wie konstruktive Dialektik.

HansLick2 macht Chenier-bashing Winkaber das halte ich aus, pinkelt der Dackel auf die Eiche und die ist robust genug.

Kunde hat übrigens zuletzt 2012 2x in der Sizilianischen Vesper gesungen, sonst ein paar Mal um die Jahrtausendwende, aber noch nie den Chenier, und die 20 Jahre sind nicht so engstirnig und kleinkariert zu interpretieren, sondern als Allegorie, denn er macht sich hierzulande tatsächlich rar. ziemlich Die Schuhe vom Original Hanslick und vor allem sein Blick über den Tellerrand sind für manche eben doch zu groß.

4. Januar 2019
1:12
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Lieber HansLick! Keine Sorge! Ich hab vor, hier weiterhin über die von mir besuchten Opernaufführungen zu schreiben, weil es mir Spaß macht und es mir ein Bedürfnis ist. Wer nicht einverstanden ist, ist herzlich eingeladen, Gegenmeinungen zu schreiben, auf die ich (wie bisher) immer eingehen werde. Wer über einen bestimmten Komponisten nichts lesen möchte, wird natürlich nicht dazu gezwungen. 

Janáčeks Kammermusik liebe ich auch sehr, aber da ich erst seit kurzer Zeit sehr viel ins Konzert gehe, fühle ich mich noch nicht kompetent genug, über Konzertaufführungen zu schreiben, außerdem liegt der Schwerpunkt des Merkerforums ja in der Oper. Danke übrigens für Ihre Beträge, die sind pointiert und informativ!

4. Januar 2019
0:38
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HansLick2
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diverses gebündelt:

das janacek bashing = nervend!

@ 59 informieren sie uns bitte ausführlich weiter.

butterfly bashing, sum sum - man sollte das stück von david belasco, welches puccini inspirierte nicht unbeachtet lassen! 

david belasco der auch in der fanciulla via puccini für folklore sorgte!!!

tosca - dumme kuh, sagte vor einigen monaten eine gefeierte sängerin von der rolle! sie hat nicht unrecht.

ich finde es immer wieder belustigend wenn sich hier cheniers auftun, die sich von ihrem reiseführer (!) am pariser friedhof pere lachaise das andre chenier grab zeigen lassen, der aber in einem massengrab an anderer pariser stelle verscharrt wurde!

oder uns wissen lassen sie hätten kunde als brauchbaren manrico in vendig gehört.

oder wenn einer hier schon 20 jahre auf gregory kunde wartet, der in den letzten 8-9 jahren an die 21 vorstellungen in wien absolvierte, zuletzt 2x arrigo - umwerfend gut!

@ 60: Die Musik, Gurnemanz, ist wichtiger als die Handlung, denn sonst sollte man nicht in die Oper gehen.

was soll denn jetzt der unsinn? schon monteverdi wusste, ohne handlung keine oper! 

a bisserl denken beim posten würde nicht schaden. oder soll nur die zeit totgeschlagen werden?

apropos man verachte mir janacek den kammermusiker nicht!

so das wär's mal wieder!

3. Januar 2019
17:57
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Chenier
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28. Februar 2018
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Es ist ja fast alles Blutoper, Gurnemanz, mit wenigen Ausnahmen grausliche Themen. Und teilweise undurchsichtig, wenn man an die Macht des Schicksals denkt, über die ja sogar Leo Slezak gemeint hat, er hätte sie schon 100 Mal gesungen, aber noch immer nicht verstanden.

Die Musik, Gurnemanz, ist wichtiger als die Handlung, denn sonst sollte man nicht in die Oper gehen.

Und was Sie über Janacek schreiben, fasse ich fast als gefährliche Drohung auf. WinkGrauenhafte Ankündigung.

3. Januar 2019
17:20
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Janáček kann man doch kaum hoch genug einschätzen. Laugh Ich werde auch in Zukunft zahlreiche Janáček-Beiträge schreiben (aber auch genügend andere, keine Sorge). Cool

Die Butterfly ist kitschig, kein Zweifel, aber ich finde, es ist guter Kitsch, und ich kann mit der Hauptfigur mitfühlen. Mit einer dummen, eifersüchtigen Kuh wie der Tosca, die den Cavaradossi und Angelotti ins Verderben stürzt, kann ich mich überhaupt nicht identifizieren. Aber naja, hätte sich der Cavaradossi halt eine bessere Freundin gesucht...

Ich finde, in der Butterfly spielt sich eine wahre Tragödie, die sich dann nicht mehr aufhalten lässt, ab (naja, Cio-Cio-San hätte die Möglichkeit, den reichen Yamadori zu nehmen...). Was interessieren mich dagegen ein naiver Maler, eine zickige Sängerin und ein brutal-lüsterner Polizeichef, die sich gegenseitig in den Abgrund reißen?

(Achtung: absichtlich provokant formulierter Beitrag)

3. Januar 2019
10:27
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Chenier
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28. Februar 2018
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Tatsächlich, Michta, die Tosca ist auch für mich eine der durchkomponiertesten Opern der Musikgeschichte, von der ersten bis zur letzten Note, und ich würde sie, sorry Gurnemanz, deutlich über die Butterfliege stellen, die teilweise sogar stark am Rande des Kitsch (summ, summ) vorbeischrammt.

Ich würde auch Dvorak musikalisch über Janacek stellen, dessen Bedeutung an dieser Stelle zuletzt überproportional aufgebläht wurde.

Für Ostrau werde ich demnächst buchen, damit ich von diesem musikalischen Höhepunkt keinen Ton versäume. Wink

Mit dem Trittico, v. a. Sr. Angelica, kann ich persönlich wenig anfangen.

3. Januar 2019
2:35
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Michta sagt
Ja, das "Trittico" schätze ich sehr - finde unmöglich wenn man die "Angelica" rausstreicht !

Jaaa, das finde ich auch total unmöglich. Ich behaupte sogar, dass die Angelica das Herzstück und das beste Drittel des Tritticos ist. Die Auseinandersetzung Angelica-Fürstin ist beeindruckend und steht ja nicht grundlos genau in der Mitte dieser drei kurzen Opern. Das ist wirklich total packend!

Ich weiß, dass es das Trittico derzeit in Mährisch Ostrau gibt, aber 1) ist die Rückfahrt von dort nach Wien mühsam, 2) singen dort einige Sänger, die ich letzte Saison dreimal in diesen Rollen in Bratislava gehört hab und 3) hört man das Trittico eh öfters. Also ists mir insgesamt viel zu viel Aufwand. Aber generell ist das Programm in Ostrau interessant! Überhaupt lohnt es sich, das Programm kleinerer Häuser auf dem Radar zu haben.

Gibt es eigentlich einen vernünftigen Grund für die Änderung der Reihenfolge?

Ich muss dazusagen, dass ich laut meinen Aufzeichnungen die Tosca 18mal gehört hab und die Butterfly nur 5mal. Vielleicht bin ich einfach Tosca-übersättigt. Aber die Tosca halte ich einfach nicht aus: Ich mag die Musik nicht und den Inhalt auch nicht. Okay, der Butterfly-Inhalt ist nicht viel besser. Aber trotzdem...

2. Januar 2019
22:09
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Michta
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6. März 2018
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Oh danke für die "Klarstellung" - nicht "Richtigstellung" !    Ich weiss, dass in Ostrau alle drei Werke gespielt werden! 

Wollte das Streichen eines der drei kritisieren  , und in Klammer darauf hinweisen, dass das "Trittico" in Ostrau am Programm steht!!   Allerdings sieht es ja tatsächlich so aus, als wollte ich Ostrau "Geiseln" - aber das war nicht so gemeint!   Ich entschuldige mich für diese unklare Ausdrucksweise, die mir selber gar nicht aufgefallen ist!  Danke!

2. Januar 2019
16:48
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Schnabl
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Lieber Michta!

Was die Wertschätzung der "Schwester Angelika" angeht, gehen unsere Meinungen auseinander. Aber der Ostrauer Oper tust Du Unrecht. Dort wird das kompette "Tryptichon" aufgeführt. Es handelt sich um eine Übernahme der Preßburger Produktion, die dort vor ca. vier Jahren Premiere hatte. Einschließlich der Umstellung in der Reihenfolge der Stück: zuerst "Schwester Angelika", dann "Der Mantel" und zum Schluß "Gianni Schicchi".

Andreas Schnabl

2. Januar 2019
13:40
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Michta
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6. März 2018
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Ja, das "Trittico" schätze ich sehr - finde unmöglich wenn man die "Angelica" rausstreicht !  ( Das gibts ja auch in Ostrava in der Saison... )    Beim Vergleich "Tosca" - "Butterfly" sind wir konträrer Meinung.  Während ich bei der Madame Schmetterling im 2.Akt einige Phrasen für entbehrlich finde, bin ich bei "Tosca" bei Jess Thomas , der in seinem Buch auch auf einige Opern detaillierter einging und zu Tosca schreibt:  hier ist keine einzige Note zuviel oder zuwenig!  ( Er war übrigens mein Lieblings  "Lohengrin", "Tannhäuser" und den Tristan mit ihm und Nilsson vergessee ich nie ( obwohl das schon in meinen ersten Opernjahren war ).

Danke für den 2024 er Hinweis, das ist ja unglaublich interessant!

2. Januar 2019
2:00
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Smetana schätze ich auch so ein! Vor allem hat er mehr geschrieben als die Verkaufte Braut (die besser ist, als man beim Anschauen einer verblödelten Inszenierung glauben könnte). 2024 (dauert noch lang) werden in Märisch Ostrau (Ostrava) übrigens alle Smetana-Opern zweimal gespielt: https://www.ndm.cz/en/opera/page/626-smetana-opera-cycle-2024.html

Ja, Turandot ist eindeutig das reifste Werk Puccinis. Wie schätzen Sie das Trittico ein? Dessen ersten beiden Teile mag ich sehr. Und Butterfly find ich viel besser als Tosca. Edgar hab ich vor einem halben Jahr in Regensburg gesehen und war sehr positiv überrascht.

Vielen Dank für den Vanda-Tipp! Scheint eine Rarität zu sein, aber immerhin gibts eine Aufnahme (Prag 2004): http://www.youtube.com/watch?v.....bvOIv9ydBI Hab mir grad die Ouvertüre gehört, find ich ziemlich gut! Aber in Wien traut man sich ja kaum an Raritäten.

1. Januar 2019
19:45
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zerbino
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Michta sagt
Ich finde Janacek ganz ok, bevorzuge bei den "Behm" , um wienerisch zu reden, aber Dvorak um Längen...!

Nochmal zu Turandot: das Finale ist genial, herrlich zu singen für die beiden , natürlich sehr anspruchsvoll, dafür könnte man - für mich - zumindest eine der beiden Liu-Arien ( am besten die zweite ) streichen..... ( "liebe" ich ähnlich wie das Lamentieren der Desdemona im 4.Akt.. hehe ).

Und zum "Stimmungswechsel" und dem Jubelfinale über einer "Leich" :  ist halt mal ein Märchen, da kommt sowas schon vor....  

Die beiden Liu-Arien sind im pentatonischen Modus geschrieben und zeigen Puccinis universale musikalische Bildung. Wie findet man denn den von Berio neu komponierten Schluß, der die Musik der Turandot schon in die Nähe der 12-Tonmusik rückt? Die herrlichste Phrase des Tenors ist für mich immer das "Divina belleza ...", wenn er Turandot  zum ersten Mal gesehen hat.

1. Januar 2019
17:37
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Michta
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Ja gerne Friedrich Smetana, der sich erst selbst zum "Bedrich" gemacht hat und erst tschechisch lernen musste, noch dazu!

Von Dvorak haben wir in Osnabrück 2014  ein musikalisch tolles Stück - "Vanda" - gesehen und gehört, die neben den großen Anforderungen an die Protagonistin auch toll für den Tenor geschrieben ist - mich ha t es direkt an den "Lohengrin" erinnert...

1. Januar 2019
17:23
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Chenier
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28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Drum sei, gewährt mir die Bitte, Smetana im Bunde der Dritte. Auch nicht zu unterschätzen, der Mann, aber in Summe gegenüber den absoluten Giganten außerhalb der tschechischen Rep. doch nur subsidiäre Mitläufer, bedaure.

Turandot halte ich überhaupt für das reifste und "vollendetste" (semantisch nur inhaltlich) Werk von Puccini, dazu gehört auch der von ihm vorskizzierte Schluss.

1. Januar 2019
15:44
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Gurnemanz
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29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Dvořák hat, find ich, erst im Alter richtig gut komponiert. Zum Beispiel Rusalka und seine Symphonischen Dichtungen find ich super (im Jänner gibts eh die "Mittagshexe" im Musikverein, aber mit der Janáček-Sinfonietta, also wird der Chenier im Gegensatz zu mir nicht hingehen Laugh). Von Janáček liebe ich alles, das ich kenne.

Ich find, die Liù-Arien sind ein passender Kontrast zur restlichen Musik in dieser Oper. Ich mag sie. Aber natürlich nur, wenn sie gut gesungen werden. Das ist bei der Desdemona auch so: Wenns die Stoyanova singt: wunderbar. Wenns irgendwer schlecht singt, dann gehts wirklich in die Richtung Lamentieren/Sudern.

Und Turandot als Märchen mit märchenhaftem Ende: Hmm, darüber muss ich nachdenken. Das hat was.

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