Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

Oper in Nachbarländern Österreichs | Seite 11 | OnlineMerker | Forum

 

 

Anleitung Registrieren: 

Klicken Sie hier rechts unten auf den Button "Registrieren". Sie werden aufgefordert Ihre E-Mail Adresse und einen Benutzernamen einzugeben. Danach erhalten Sie ein E-Mail mit einem Link zum Erstellen des Passwortes. Danach können Sie sich mit Ihrer E-Mail Adresse oder dem Benutzernamen und dem Passwort einloggen. Ihre Profilseite erscheint. Danach gehen Sie wieder auf die Online Merker Forum Seite und sind dann im Forum angemeldet.

 

Dieses Forum ermöglicht in erster Linie an Kultur interessierten Lesern des Online-Merker ihre Meinung auszutauschen und durchaus auch kontroversiell zu diskutieren. Dies soll allerdings in einer höflichen und vernünftigen Umgangsform geschehen. Nicht gestattet sind diskriminierende, rassistische, fremden- und staatsfeindliche Inhalte und Formulierungen. Diese werden ebenso wie persönliche Beleidigungen und Herabwürdigungen anderer Personen vom Moderator gelöscht. Weiters ist das Forum keine Tauschbörse für Ton- und Bildaufnahmen.

Avatar

Bitte denke über eine Registrierung nach
guest

sp_LogInOut Login sp_Registration Registrieren

Registrieren | Passwort vergessen?
Erweiterte Suche

— Forumbereich —




— Übereinstimmung —





— Forum Optionen —





Minimale Suchwortlänge beträgt 3 Zeichen - die maximale 84

sp_Feed RSS (Beitrag) sp_TopicIcon
Oper in Nachbarländern Österreichs
25. Februar 2019
2:00
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 667
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
128sp_Permalink sp_Print

So., 24. Feber 2019: BERLIN (Staatsoper Unter den Linden): Richard Strauss, Elektra

Evelyn Herlitzius als Elektra und ich - das scheint nicht zustandezukommen. Im Dezember 2017 war sie in Wien angesetzt und musste absagen, damals war Elena Pankratova die Ersatzfrau. Heute in Berlin war sie Ricarda Merbeth, die Gott-sei-bei-uns-Sopranistin großer Teile des Wiener Stammpublikums. Ich habe mich auf eine Katastrophe eingestellt und muss freudig bekannt geben: Es war eine wirklich gute Leistung! Freilich, eine "Hochdramatische" (copyright Werkeinführung) ist sie nicht, man hört, dass sie aus dem lyrischen Fach kommt und sich ihre Stimme zB als Daphne oder Jenůfa wohler fühlt. Aber sie kommt mit den Tücken der Partie erstaunlich gut zurande, ist gefordert, aber dank ihrer sehr guten Technik nicht überfordert. Nur zwei falsche Töne haben verhindert, dass ich mich zum Bravoschreien hinreißen lasse, aber das ist eine vernachlässigbare Kleinigkeit. Es wäre aber wünschenswert, dass sie diese Partie bloß als (gelungenen!) Ausflug ins hochdramatische Fach betrachtet und sich dann wieder leichteren Partien zuwendet, um nicht Raubbau an ihrem Material zu betreiben, aber ein Blick auf Operabase verrät, dass das nur ein frommer Wunsch ist (sie singt Isolde, Turandot etc.). Naja, heute war es jedenfalls wirklich gut, die Berliner Staatsoper ist für eine Staatsoper aber auch erstaunlich klein. Mit Vida Miknevičiūtė durfte ich eine mir vorher ganz unbekannte Chrysothemis kennenlernen. Es war eine sehr erfreuliche Begegnung. Ihre Stimme ist dramatisch, voluminös, dunkel timbriert und laut. An wenigen Stellen war zu merken, dass die junge Sängerin mit der Rolle an ihre Grenzen stößt, was aber durchaus verständlich ist (wer es nicht weiß: Die Chrysothemis ist auf gar keinen Fall leichter als die Elektra, vermutlich sogar schwieriger!). Ansonsten war alles in bester Ordnung, aber ich weiß nicht, ob es ihrer Stimme förderlich ist, jetzt schon eine so fordernde Rolle zu singen. Über die Klytämnestra des heutigen Abends kann man keine positiven Worte verlieren. Waltraud Meier ist eine verdiente Sängerin, aber das Schulbeispiel einer Fehlbesetzung. Die Klytämnestra-Szene kann wahnsinnig packend sein oder total langweilig, und heute war es in der Nähe von "total langweilig", dem Orchester ist zu verdanken, dass sie nicht völlig zum Einschlafen war. Frau Meier singt das alles ganz brav, aber es passt nicht, es ist mit einem Wort langweilig. "Das ist wahr, und das ist Lüge. Was die Wahrheit ist, das bringt kein Mensch heraus.", "Wenn einer etwas Angenehmes sagt, und wär es meine TOCHTER, wär es DIE DA, will ich von meiner Seele alle Hüllen abstreifen", "Ich will nicht länger träumen" etc. etc.: Die Klytämnestra hat unzählige packende Stellen, die muss man aber auch gestalten und darf sie nicht nur irgendwie mit einer halbwegs schönen Stimme singen. Das ist sonst einfach nix, in dieser Rolle ist bloßer Schöngesang kontraproduktiv. Dass ihre Stimme mittlerweile auch nicht mehr so klingt wie früher ist nach ihrem Lied-Jahr überhaupt keine Überraschung. Eine weitere fatale Fehlbesetzung war Stephan Rügamer, der mir letztes Jahr in Dresden als Oedipus Rex sehr gut gefallen hat. Aber für den Aegisth ist kein lyrischer Tenor vonnöten, sondern ein höhensicherer, etwas ausgeschrieener Heldentenor. Peter Seiffert müsste eine Idealbesetzung sein, in näherer Zukunft Andreas Schager. Rügamer war leider völlig fehl am Platze, das ist aber nicht seine Schuld, denn er hat merklich das Beste aus seiner Lage gemacht. Sehr gut hingegen René Pape in der ziemlich unwichtigen Rolle des Orest. Er verkörperte einen selbstbewussten Mann, dem man den Muttermord zutraut, und stimmlich war es, von manchen störenden Vokalverfärbungen abgesehen, erste Sahne, um Berlin-gemäß zu schreiben. Interessant besetzt waren manche Nebenrollen: Der 1924 (!!!) geborene Franz Mazura ist eine lebende Legende, er war nie ein Star, aber doch sehr solide. Freilich verwaltet er jetzt nur mehr Stimmreste, aber er setzt diese gut ein und lässt spüren, dass die Stimme einstmals gut war. Für den Pfleger des Orest ist das völlig ausreichend (er und Orest müssen ja auch "ein Alter und ein Junger" sein), außerdem macht er einen sehr agilen Eindruck. Ad multos annos! Unter den Mägden haben mir am besten Bonita Hyman (die ich morgen in Wien als Maria in Porgy and Bess hören werde) und Roberta Alexander (geboren 1949, keine taufrische Stimme, aber eine berührende und sauber geführte) als erste und fünfte Magd gefallen. In die Kategorie "rollendeckend" gehören Renate Behle (Vertraute+Aufseherin), Marina Prudenskaya (Schleppträgerin + zweite Magd), Katharina Kammerloher (dritte Magd) und Anna Samuil (vierte Magd). Eine einzige Peinlichkeit waren die beiden Diener, denn für den Jungen Diener braucht man nämlich einen wirklich guten Sänger! Herwig Pecoraro wäre ideal, übrigens ist das auch eine gute Rolle für Benedikt Kobel. Was aber Florian Hoffmann abgeliefert hat (viele Töne nicht erreicht, ohne Ausdruck), gereichte zum Fremdschämen, was auch für den Alten Diener von Olaf Bär gilt: Der Alte Diener hat zwar nur sechs Wörter, aber die muss man singen, nicht sprechen.

Dass die bis jetzt mittelmäßig besprochene Vorstellung zum Ereignis wurde, für das sich der Aufwand von einem Tag und die Gesamtkosten von 50 Euro gelohnt haben, ist dem Orchester und der Inszenierung zu verdanken. Es war die letzte Regiearbeit von Patrice Chéreau (Bühnenbild von Richard Peduzzi, Kostüme von Caroline de Vivaise), sie hatte 2013 in Aix-en-Provence Premiere und wurde seitdem in zahlreichen Städten gezeigt, seit 2016 auch in Berlin. Das akustikfreundliche Bühnenbild stellt einen Hinterhof mit hoch aufragenden Mauern dar, und innerhalb dieser Szenerie findet großartige Personenführung statt. Keine Sekunde hatte ich das Gefühl, die Sänger würden einfach so durch die Szenerie stolpern. Nein, jeder Schritt hat Sinn, alles wirkt überlegt und geprobt, aber nie ungelenk. Man merkt, dass Chéreau wahrhaft ein Vollprofi ersten Ranges war. Erstaunlich, wie perfekt der Bühnenraum auf das Libretto abgestimmt ist (bei "Hier die Stufen, dass du nicht fällst!" waren auch wirklich Stufen auf der Bühne), und so manche Abweichung von der gewöhnlichen Praxis stört überhaupt nicht, zum Beispiel dass Aegisth vom Pfleger erstochen wird und nicht von Orest und dass der Junge Diener über die Fünfte Magd stolpert anstatt über Elektra. Jede Szene ist super gelöst, besonders gut gefällt mir der Auftritt Klytämnestras (Dienerinnen legen einen roten Teppich auf, alle verbeugen sich bei ihrer Ankunft, nur Elektra entbietet keinen Gruß, sondern stellt ihr euch aufrecht entgegen, und Chrysothemis steht abseits) und die Wiedererkennung Orest/Elektra (das alte, Agamemnon-treue Personal - Alter Diener Vertraute/Aufseherin und Fünfte Magd - findet sich auf der Bühne ein und begrüßt Orest bei "Die Hunde auf dem Hof erkennen mich, und meine Schwester nicht?!"), aber ausnahmslos jede Stelle ist gut in Szene gesetzt. Wenn ich da an unseren Laufenberg-Blödsinn in Wien denke, für den die modellhafte Inszenierung von Harry Kupfer geopfert wurde... Der hauptverantwortliche Erfolgsgarant saß aber im Graben: Was die Staatskapelle Berlin heute geboten hat, war Weltklasse allerersten Ranges, einfach grandios. Wer behauptet, die Wiener Philharmoniker seien das beste Orchester der Welt, möge sofort nach Berlin fahren und sich von der Unrichtigkeit seiner Behauptung überzeugen. Welch eine Dramatik, welch gewaltige Ausbrüche, aber auch welch einfühlsamer Lyrismus an den richtigen Stellen. Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine solch grandiose Orchesterleistung gehört zu haben, schon gar nicht in einer Elektra. Daniel Barenboim stand am Pult, am Anfang klang sein Dirigat noch etwas unausgewogen (zu konturlos in der Mägdeszene), aber spätestens ab der Klytämnestra-Szene war seine Leistung hervorragend. Dass die Staatskapelle ein so ausgezeichneter Klangkörper ist, ist in erster Linie sein Verdienst, der nicht genug bedankt werden kann. Die Aufführung ist schon seit einigen Stunden aus, aber ich bin noch immer ganz durch den Wind von dieser überwältigenden Orchesterleistung. Da können sich die angeblich so tollen Wiener Philharmoniker hinten anstellen! 

Ein Wermutstropfen ist, dass zwar einige Striche aufgemacht wurden (zB die Szene, die Inzest zwischen Elektra und Chrysothemis andeutet, was auf der Bühne auch entsprechend realisiert wurde), aber genau die entscheidende Szene fehlt. Die üblichen Striche in der Elektra haben sich im Unterschied zu den Strichen in der Frau ohne Schatten nicht etwa deswegen eingebürgert, weil sie eine entscheidende Erleichterung für die Sänger bringen. Nein, die Striche sind deshalb üblich, weil sie sexuellen Inhalt enthalten, und in einer ungekürzten Fassung erfährt man, dass die Ursache für Elektras krankhafte Anbetung des toten Vaters sexueller Missbrauch ist ("Diese süssen Schauder hab ich dem Vater opfern müssen. Meinst du, wenn ich an meinem Leib mich freute, drangen seine Seufzer, drang nicht sein Stöhnen an mein Bette? Eifersüchtig sind die Toten"). Diese Zeilen haben auch heute gefehlt, und das ist einfach nur peinlich. Langsam sollten wir alle im 21. Jahrhundert angekommen sein und kapiert haben, dass diese Zeilen im Libretto enthalten sind und entscheidende Informationen für das Verständnis desselben enthalten. Nichtsdestoweniger: Diese Elektra ist anständig "eingefahren". Lange Zeit war die Elektra meine Lieblingsoper, bis ich gemerkt hab, dass Janáček viel besser ist als der Spießer und Selbstdarsteller Strauss. Aber Salome ist genauso wie Elektra ein Meilenstein. Für tolle Aufführungen wie heute nehme ich gerne Reisen in Kauf, die Kosten-Nutzen-Rechnung stimmt.

20. Februar 2019
0:33
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 667
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
127sp_Permalink sp_Print

Di., 19. Feber 2019: BRATISLAVA/PRESZBURG (Neues Opernhaus): Wolfgang Amadé Mozart, Don Giovanni 

Opernbesuche in Tschechien und in der Slovakei machen üblicherweise Freude (im Gegensatz zu vielen in Wien), und so konnte ich heute einen sehr gelungenen Don Giovanni erleben. Eine gelungene Inszenierung und vor allem ein aufeinander eingespieltes Ensemble sind Garanten für eine wirklich gute Aufführung. Die Produktion von Jozef Bednárik (Inszenierung), Vladimír Čáp (Bühnenbild) und Ľudmila Várossová (Kostüme) ist klassisch, wiewohl sie sich manche Abweichung erlaubt, zum Beispiel ersticht Don Giovanni den Komtur nicht im Duell sondern hinterrücks, und der Komtur taucht auch später ab und zu auf. Die Bühne ist durchgehend in rot gehalten, was sehr gut passt, und da sich im Einheitsbühnenbild ein perfekt aufeinander eingespieltes Ensemble bewegt hat, konnte nichts schiefgehen. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass das Erscheinen des Komturs am Friedhof schlecht gelöst ist, denn er wird mitsamt seinem Grab von der Seite zuerst hinein- und dann hinausgeschoben, das schaut ziemlich podschad aus. Aber davon abgesehen passt alles, auch die Höllenfahrt ist gut gelöst. Vor allem ist die Produktion viel viel besser als der Martinoty-Schmarrn an der Wiener Staatsoper und der Freyer-Schmarrn an der Wiener Volksoper.

Hervorragend war Ľubica Vargicová als Donna Anna. Zugegeben, die Stimme klingt nicht mehr jung (Frau Vargicová ist auch schon seit über 30 Jahren im Geschäft), aber ohne Verschleißerscheinungen, wenn man ein etwas zu starkes Vibrato, das sich erst gegen Ende des Aufführung bemerkbar machte, nicht dazuzählt. Aber davon abgesehen wars perfekt: richtige Stimmführung, gute Technik, schönes Timbre, gute Koloraturen,...; alles so, wie es sein soll. Ich frage mich, wieso sie bloß ein paarmal zwischen 2001 und 2003 an der Wiener Staatsoper gesungen hat und seitdem nicht mehr. Vielleicht wäre sie derzeit eine gute Lucia...? (Aber sie hat halt keinen PR-Maschine hinter sich wie die Frau Peretyatko.) Ebenfalls sehr gut, aber nicht ganz so gut war Eva Hornyáková. Hin und wieder hat sie mit den Tücken der Elvira gekämpft, aber sich insgesamt sehr gut aus der Affäre gezogen. Aleš Jenis hat als Don Giovanni das gleiche Problem wie Tomasz Konieczny als Wotan: tolle Stimme, aber fehlbesetzt. Jenis hat sehr, sehr gut gesungen und alles richtig gemacht, aber seine Stimme klingt leider trocken und nicht verführerisch. Glücklicherweise hat er die Rolle so interpretiert, wie er es kann, anstatt seine Stimme künstlich zu verändern. Also war es halt ein ziemlich trockener Don Giovanni, aber nichtsdestoweniger ein sehr guter. Peter Mikuláš ist ein Weltklassesänger, aber kein Weltklasse-Leporello, dazu ist seine Stimme zu wenig "mozarthaft" und zu unbeweglich in den wenigen sehr schnellen Passagen. Es war aber wohltuend, den Leporello von einem gestandenen Bassisten mit sehr viel Erfahrung zu hören. Für mich erbrachte er nach Vargicová die beste Leistung des Abends, er war heute gut bei Stimme. Jana Bernáthová war eine sehr, sehr gute Zerlina. Zwischenzeitlich habe ich mir gedacht, dass ihre Stimme nach größeren Aufgaben ruft, aber eingedenk ihrer Königin der Nacht denk ich mir, das passt schon mit der Zerlina. Martin Mikuš sang einen guten, wenn auch eher ungeschliffenen Masetto, ich weiß nicht, ob seine Stimme einfach so klingt, oder ob er mit Naturstimme singt. Juraj Peter war laut und ungeschliffen, was als Komtur durchaus passt (aber letztes Jahr hat mir Ján Galla viel besser gefallen). Der große Schwachpunkt war Martin Gyimesi, dessen Tamino im Dezember schon nicht wirklich überzeugend war, den es heute mit dem Ottavio aber zerlegt hat. Seine Stimme ist zwar recht schön, aber viel zu leise, und er steht sowohl oben als auch unten an (unter dem f war es schon sehr dünn). Wenn man schon beide Ottavio-Arien singt, sollte man sie auch halbwegs können. Ondrej Olos hat gut dirigiert, wenn auch ohne besondere Feinheiten. Dass es bei den Bläsern ein paar Aussetzer gegeben hat, ist nicht seine Schuld. 

17. Februar 2019
15:40
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 667
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
126sp_Permalink sp_Print

Jetzt bin ich aber überrascht, mein Beitag 124 ist doch sehr freundlich formuliert, da steht nicht "Also der Freischütz ist ja eine komplett bescheuerte Oper mit primitiver, nichtssagender Musik". Das habe ich nicht geschrieben. Es ist aber so, dass mir einfach nicht alles gefällt; Sie haben wahrscheinlich auch Werke, die Sie langweilig/nichtssagend/dumm/... finden. Es lohnt sich natürlich, den Horizont zu erweitern und sich Werke anzuhören, die man nicht komplett überzeugend findet (was ich auch mache), aber generell hab ich eine Meinung zu der Musik, die ich hör. Natürlich kann sich meine Meinung auch ändern. Ich mag Weber generell überhaupt nicht (ich fang damit einfach nix an, es langweilt mich, und ich frage mich, was das mit mir zu tun haben soll), und wenn schon Weber, dann die Euryanthe. Aber die mag ich auch nicht.

Was an dem Begriff "Spieloper" schlecht sein soll, erschließt sich mir ebenfalls nicht. Natürlich hat man sich nicht beraten und gesagt "So, wir erschaffen jetzt das Genre der Deutschen Spieloper", sondern Kultur reagiert ja immer auf gesellschaftliche Entwicklungen, und im nachhinein sind dann Genrebezeichnungen entstanden, die man natürlich mit Vorsicht genießen muss, die aber nun einmal da sind. Dass Opern wie Zar+Zimmermann, Die lustigen Weiber von Windsor, Wildschütz etc. große Ähnlichkeiten aufweisen, ist klar. Den Hoffmann mag ich übrigens, Carmen überhaupt nicht. Es wäre doch irgendwie fad, wenn man alles toll und großartig fände. Natürlich, ohne Weber kein Wagner, und ohne Wagner weder Mahler noch Strauss, aber nur weil ich Elektra+Salome sehr mag, muss ich doch nicht auch Wagner mögen. Genauso muss jemand, der den Surrealismus schätzt, nicht auch Barockmalerei schätzen, nur weil es da irgendeinen Zusammenhang gibt.

17. Februar 2019
12:08
Avatar
dalmont
Member
Members
Forumsbeiträge: 113
Mitglied seit:
28. Januar 2019
sp_UserOfflineSmall Offline
125sp_Permalink sp_Print

Gurnemanz, bitte! Ich schätze Ihren Enthusiasmus. Aber werten Sie doch nicht alles ab, was Ihnen persönlich auf den Sack geht. Ohne Weber, nix! Nicht einmal die von Ihn so (und von mir sehr) geschätzten Slawen. Ich wiederholte mich, ich lade Sie dennoch ein. Lassen Sie sich ein auf die Freischütz-Ouverture. Ohne Biedermeier – Denken ecc.ecc. Das ist doch die wunderbarste Musik, die Sie sich vorstellen können. 1821(oder22). Und vergessen Sie diese doofen Begriffe wie Spieloper und alles andere, was abgrenzt. Carmen und Hoffmanns Erzählungen wurden an der Opéra Comique (der Pariser Volksoper) uraufgeführt. Ja, und die OC hatte lange starre formale Vorgaben. Geschenkt. Carmen und Hoffmann sind Wunderwerke des musikalischen Theaters. Werden Sie offen....

17. Februar 2019
9:26
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 667
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
124sp_Permalink sp_Print

Das sehe ich anders, das THADW-Publikum ist ja bekanntlich aufgeschlossener bzw. weniger traditionsbewusst als das Publikum der Staatsoper, im THADW könnte ich mir den Berlioz-Freischütz super vorstellen. Sind wir ehrlich: Der Freischütz krankt doch an dem auf den ersten Blick biedermeierlichen Libretto, das für heutige Ohren jenseitig klingt (auch wenn durchaus einiges drinnen steckt). Also aus meiner Sicht: Entweder man macht es radikal wie Bieito in Berlin oder wenn es eh eine französische Fassung gibt, dann als Experiment - warum nicht? Würde ich super finden. (abgesehen davon, dass ich keine Ahnung habe, was an der Freischütz-Musik gut sein soll) 

Da wünsche ich Ihnen viel Vergnügen! Dass die deutsche Spieloper weitgehend verschwunden ist, tut mir nicht leid, ich kann darauf verzichten (jedenfalls: wenn man sie spielt, muss es richtig gut sein und darf nicht im Kitsch ersticken). Die Opéra-comique taucht doch noch auf, vor allem Carmen und Hoffmann gibt es dauernd, und irgendwo wird auch immer wieder eine Rarität ausgegraben. Aber ist auch nicht "mein" Genre. 

17. Februar 2019
7:44
Avatar
dalmont
Member
Members
Forumsbeiträge: 113
Mitglied seit:
28. Januar 2019
sp_UserOfflineSmall Offline
123sp_Permalink sp_Print

Ad 121) Ich war ja der Auslöser der Berlioz-Weber-Freitschütz-Einträge:

Ich kann mir nicht vorstellen, dass man in Wien (und im Neuen Merker) „Le Freyschutz“ goutieren würde. Sehe auch keinen wirklichen Grund, den „Freischütz“ hier in französischer Sprache aufzuführen oder die sehr von französischer „clarté“ geprägten Texte ins nicht so klare Deutsche rückzuübersetzen. Und man sollte nicht vergessen: es gäbe dann auch im 3. Akt die für Paris obligate Ballett-Nummer, die von Berlioz großartig instrumentierte Webersche „Aufforderung zum Tanz“.

Für die von mir erlebte Aufführung in Paris musste ich gedanklich zu einem Franzosen werden, als dieser war ich einigermaßen einverstanden mit Berlioz. Für den deutschsprechenden Österreicher Dalmont fehlte was. Ich erinnere mich an einen Ausspruch von Karl Böhm Anfang der 70erJahre vor der „Freischütz“-Premiere mit Janowitz (war Schenk der Regisseur?) auf Ö1: die Freischütz-Partitur sei so perfekt dass es in ihr keine überflüssige Note gäbe (warum bleiben einem solche Sätze im Gedächtnis?). Beim Text ist es anders, da tue ich mich bei Aufführungen immer schwer. Nicht wegen des Inhalts, sondern weil er nie gut gesprochen wird. Die Hoffnung, dass es bei diesem Problem eine Lösung geben wird, gebe ich micht auf,

Da ich im April in Paris sein werde und weiß, dass an der OC „Le postillion de Lonjumeau“ gespielt wird, werde ich das im Umkehrschluss überprüfen können. Auch die opéra comique ist ja aus den deutschsprachigen Theatern verschwunden.

16. Februar 2019
23:53
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 667
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Sa., 16. Feber 2019: BRATISLAVA/PRESZBURG (Neues Opernhaus): Nikolaj Rimskij-Korsakov, Sadko

Aus dem heurigen (im Gegensatz zu den vergangenen Spielzeiten) wirklich uninteressanten Bratislava-Programm ragt der Sadko heraus, und der Sadko ist eine wirklich tolle Oper!! Man sollte sie viel öfter spielen anstatt die xte Wiederholung uninteressanter Opern. Die Sadko-Aufführungsgeschichte in Bratislava ist witzig: Nach der szenischen Doppelpremiere Ende Jänner 2018 wurden die weiteren drei Aufführungen abgesagt, dann wurden vier weitere für 2018/19 angekündigt, die sich still und heimlich in zwei konzertante Aufführungen umgewandelt haben, und zuletzt wurde auch noch die Angabe der Vorstellungsdauer stark reduziert. Ich wusste also nicht, was mich heute erwarten würde, und es war eine komzertante Aufführung, leider ca. 35 Minuten kürzer als letztes Jahr, also noch mehr gekürzt.

Das Stück ist wirklich toll, musikalisch typischer Rimskij mit dankbaren Gesangspartien und interessanter Handlung mit tieferer Bedeutung (Mythos vs. Realität und Heidentum vs. Christentum). Sadko wird im Internet als "slavischer Orpheus und gleichzeitig Odysseus" und als Verkörperung der "ewige[n] Schöpferkraft der Phantasie, die gegen die Realität kämpft" charakterisiert, was auch richtig ist. Was hätte ein begabter Regisseur aus dem Werk machen können! Die Produktion von Daniel Kramer ist letztes Jahr so schlecht angekommen (ich hab sie nicht so übel gefunden; wenn man nicht auf die Videos geachtet hat, war es eine ganz normale Produktion), dass man sich heuer für eine konzertante Wiedergabe entschieden hat - und das ist bestenfalls eine Notlösung: Oper ist Musik UND Theater. Man hat gemerkt, dass manche Sänger ihre Rolle gern verkörpert hätten, andere waren ziemlich deutlich auf die vor ihnen liegenden Noten fixiert.

Zurab Zurabishvili hat mir als Sadko sehr gut gefallen. Hin und wieder hätte der eine oder andere Ton müheloser/strahlender klingen können, aber insgesamt wars eine sehr gute Leistung. Ich habe noch nicht in die Noten hineingeschaut, aber ich vermute, dass die Partie überhaupt nicht leicht ist (lang und liegt blöd). Adriana Kohútková war am besten, ihre Wolchowa ließ keine Wünsche offen, die Stimme ist wunderschön und wird technisch richtig behandelt. Denisa Šlepkovská war ein guter Neschata (Hosenrolle), sie hatte beeindruckende Tiefen, ein Registerbruch war aber kaum zu überhören. Monika Fabianová sang die Ljubawa gut, aber nicht beeindruckend. Peter Mikuláš (Meereszar) ist ein toller Sänger, hatte aber heute keinen besonders guten Abend. Daniel Čapkovič als venezianischer Kaufmann war super, Ľudovít Ludha war als indischer Kaufmann wie immer, was durchaus positiv gemeint ist, und Jozef Benci war stimmlich wirklich gut (tolle Stimme, sie könnte aber etwas durchschlagskräftiger sein) und optisch mit seinem imposanten Haar und Bart ein idealer Waräger, was am Rande positiv vermerkt sei. Die Sänger der Nebenrollen waren ebenso wie Chor und Orchester in Ordnung. Ondrej Olos hat für meine Ohren gut dirigiert, aber ich kenne das Stück zu schlecht, um das seriös beurteilen zu können.

Wer in Wien stationiert ist und sich für slavische Opern interessiert, sollte die Aufführung am 3. Mai (in teils anderer Besetzung) nach Möglichkeit nicht verpassen.

12. Februar 2019
21:45
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 667
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
121sp_Permalink sp_Print

Danke für den Hinweis! Ich habe mit wenig Mühe auf Youtube eine französische Freischütz-Aufnahme mit diesen Rezitativen gefunden und mir die ersten 20 Minuten angehört. Das klingt ungewohnt, aber überraschend gut! Ein Freischütz mit den Berlioz-Rezitativen wäre doch was fürs Theater an der Wien!

12. Februar 2019
12:46
Avatar
HansLick2
Gast
Guests
120sp_Permalink sp_Print

@ 118 - sie fragen nach freischütz - berlioz rezitative.

ich hörte diese 2x vor vielen jahren in dortmund, deutsche übersetzung und diese rezitative machten den steifen text doch erträglicher. wenn ich an das " gestelzte gerede" in traditionellen inszenierungen denke.

11. Februar 2019
16:09
Avatar
Chenier
Member
Members
Forumsbeiträge: 579
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
119sp_Permalink sp_Print

Als Paris-Fan kann ich das so nicht stehen lassen, war voriges Jahr und vor 2 Jahren jeweils eine Woche dort, Ambiente und Kultur sind phänomenal und Prag ist zusätzlich hoffnungslos überschätzt.

War aber immerhin einmal Residenzstadt der Habsburger, dieser Teil von Prag ist letztlich interessant.

11. Februar 2019
4:21
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 667
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Ich hab darüber nachgedacht und muss sagen, Sie haben recht. Ich sollte wirklich weniger die Welt in schwarz-weiß einteilen (wobei ich mich mittlerweile eh bemühe, das nicht zu tun). Danke für das Feedback, ich nehme es mir zu Herzen. Allerdings meine ich ja nicht alles 100%ig bierernst, manches ist einfach locker-humorvoll-flapsig formuliert.

Übrigens nebenbei auch danke für Ihre Eindrücke aus Paris. Ich habe Paris von 2014 in keiner guten Erinnerung, aber das muss nicht an der Stadt an sich liegen sondern kann durch diverse andere Gründe (schlechtes Wetter, schlechte Unterkunft, private Gründe) verschuldet sein, aber dass ich glaube, mich an oftmaligen Uringestank in der Stadt erinnern zu können (so wie es in Baden bei Wien nach Schwefel stinkt, was ich unlängst wieder gemerkt habe), kann ich nur schwer als subjektiven Eindruck werten. Ich weiß auch nicht genau, was mir an Prag so gut gefällt, aber ich mag die Atmosphäre. Andere mir bekannte tschechische Städte (Brünn und Budweis) haben mE nicht dieses besondere Etwas.

Und: Ein Freischütz mit Berlioz-Rezitativen? Klingt... außergewöhnlich. Was halten Sie davon?

11. Februar 2019
3:02
Avatar
dalmont
Member
Members
Forumsbeiträge: 113
Mitglied seit:
28. Januar 2019
sp_UserOfflineSmall Offline
117sp_Permalink sp_Print

zu Eintrag 113)

„Prag halte ich übrigens für eine wunderschöne Stadt (...). Viel besser als das stinkende, dreckige, überteuerte und entsetzlich überschätzte Paris!“

 

Gurnemanz, in bin immer wieder erstaunt, wie schnell sie zu apodiktischen Urteilen kommen. Ein paar Tage genügen Ihnen offensichtlich, eine Metropole wie Paris dermaßen abzuqualifizieren. Wenn ich nicht aufpasse, werden mir doch alle Großstädte zu finanziellen Fallen (auch Prag, das mir nicht weniger am Herzen liegt, wie Paris, oder Venedig oder... es gibt doch so viele schöne Orte auf der Welt). Der Massentourismus bringt es leider mit sich, dass man immer mehr von den großen Avenuen in Seitengassen ausweichen muss (in allen interessanten Städten). Auch am Königsweg vom Gemeindehaus bis zum Hradschin in Prag findet man doch nur mehr Touristennepp. Ich bin seit 1971 mit einer gewissen Regelmäßigkeit in Paris, kenne nicht nur die Touristenpfade (schon weil ich nicht nur die französische Musikkultur sondern auch die französische Esskultur sehr schätze, und die findet man heute eher in Seitengassen). Die Pariser Opernhäuser kenne ich alle, am Palais Garnier, nicht nur wegen der Chagalls als Deckenfresko architektonisch grandios, habe ich eine der schönsten Vorstellung erlebt: Hoffmanns Erzählungen, mit Gedda, Tom Krause, Mady Masplé, Christina Eda-Pierre in der Regie von Patrice Chéreau. War meine erste Pariser Erfahrung. An der Bastille habe ich sogar einen Janacek erlebt: Katja Kabanova, und die Opéra Comique habe ich immer wieder besucht, aber die war als Gebäude ein bisschen abgefackt, gerade wurde sie jedoch renoviert. Die Périchole und Mignon sind mir sehr in Erinnerung, der Freischütz mit den Rezitativen von Berlioz ebenfalls. Das Stammhaus von Dominique Meyer, das Théâtre des Champs Elysées kenne ich nur als Konzertsaal, bei einem war Abbado der Dirigent, beim zweiten hat uns Meyer mitgeteilt, dass wegen der Aschenwolke das Orchester nicht landen konnte (was mir auch eine zusätzliche Paris Woche beschert hat). Daneben lernte ich ein paar kleine Bühnen kennen, in denen auf wunderbare Weise Offenbach gespielt wurde: Il Signor Fagotto und La Vie Parisienne. Und ein paar Café-chantants, und natürlich auch die Comédie Francaise.

Ich stelle fest: Immer wenn ich eine Kritik als extrem unfair empfinde (und mein so geliebtes Paris ist nicht entsetzlich überschätzt. Man muss doch begründen, wenn man meint, es sei so) will ich Romane schreiben. Ich kann’s nicht anders formulieren: Gurnemanz, fahren Sie noch einmal mit offenen Augen nach Paris (und wenn Sie Zeit haben in die Umgebung). Wenn man es gut plant, kann man sehr preiswert dort leben. Die Kartenpreise sind allerdings wie bei uns. Und – ausgenommen die Bastille-Oper – muss man schon schauen, wo man sitzt (wenn man auch was sehen will).

10. Februar 2019
22:09
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 667
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
116sp_Permalink sp_Print

So., 10. Feber 2019: BRNO/BRÜNN (Janáček-Theater): Béla Bartók, A kékszakállú herceg vára / Herzog Blaubarts Burg + Arnold Schönberg, Erwartung

Zum Abschluss meines Opernmarathons habe ich mir heute nochmals Bartók und Schönberg gegönnt. Bartók war im Unterschied zum zu Unrecht so gepushten Schönberg ein wirklich guter Komponist, aber seine einzige Oper mag ich nur stellenweise. Trotzdem freue ich mich, dass die Oper Brünn beide Stücke heuer wiederaufgenommen hat. Ich hatte heute im wesentlichen denselben Eindruck wie vorgestern, Lorentzson hat mir etwas weniger gut gefallen, dafür Karnéus etwas besser - beides kann aber auch am anderen Sitzplatz liegen (vorgestern oben, heute hinten im Parterre). 

9. Februar 2019
18:39
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 667
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Danke! Ich wünsche Ihnen ebenfalls interessante und packende Opernabende nach Ihren Vorstellungen!

Selbstverständlich war das humorvoll gemeint :-)) Zu Ihren Fragen: Es war insgesamt eh nicht zufriedenstellend. Ich bin heute entgegen meiner Gewohnheit testweise oben auf der Ganzseite gesessen, und ich musste feststellen, dass man dort (wie auch in der Wiener Staatsoper) die Sänger irgendwie verzerrt (jedenfalls: anders) hört, das Orchester dafür hervorragend. Aber ich habe mich darüber nicht geärgert, sondern beschlossen, die Sache zu nehmen, wie sie ist, und habe mich gefreut, dass ich heute einmal das Orchester super höre. Dafür freue ich mich schon auf das nächstemal, wenn ich einen akustisch besseren Platz haben werde!

Ich war vor ein paar Jahren für ein paar Tage in Paris (nicht in der Oper) und war gewissermaßen entsetzt von der Stadt. Waren Sie dort schon in einem Opernhaus? 

9. Februar 2019
17:08
Avatar
Christine
Gast
Guests
114sp_Permalink sp_Print

Es ist erfreulich, dass Sie, Gurnemanz, einen schönen Opernabend mit ihrem Liebelingskomponisten genießen konnten. Die Frage, wieso man überhaupt noch andere Komponisten als Janacek spielt, ist wohl als Scherz gemeint?

Einiges verstehe ich nicht: "Manchmal konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Höhen leicht falsch intoniert waren, aber da ich heute oben seitlich knapp über dem Orchester gesessen bin, habe ich die Sänger ziemlich schlecht gehört". Etwas später schreiben Sie: "Dank meines Platzes konnte ich eine perfekte Orchesterakustik genießen, und zwar wirklich genießen!" Die Sänger haben Sie schlecht gehört aber das Orchester konnten Sie wirklich genießen? Das wäre für mich insgesamt keine zufriedenstellende Vorstellung gewesen. Ich halte Prag auch für eine schöne Stadt, würde deshalb aber Paris nicht so heruntermachen. Überschätzt finde ich diese Stadt keinesfalls, oder meinen Sie nur die Pariser Oper?

9. Februar 2019
15:54
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 667
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
113sp_Permalink sp_Print

Sa., 9. Feber 2019: PRAHA/PRAG (Nationaltheater): Leoš Janáček, Příhody lišky Bystroušky / Das schlaue Füchslein

Endlich wieder ein Janáček, die Janáček-Liveabstinenz der letzten Wochen war schwer auszuhalten. Und glücklicherweise eine sehr gute Aufführung! Eindeutig am besten war Martin Bárta: Was für eine Stimme! Kräftig, eher dunkel timbriert, aber auch höhensicher. Es war schön, den Förster einmal von einem Heldenbariton zu hören. Ebenfalls ausgezeichnet hat mir Luděk Vele in der Doppelrolle Dachs/Pfarrer gefallen. Er ist ein richtiger Bass (kein hinuntergeschraubter Bariton), und seine Stimme klingt sehr angenehm. Entfernt erinnert sie mich an die Walter Finks, aber sie ist keine Weinkellerstimme. Dass Vele im heurigen Spätherbst 68 wird, war zwar leicht hörbar, aber es war noch komplett im Rahmen. Alžběta Poláčková hat in der Titelrolle eine sehr gute Leistung erbracht, wenn ich davon absehe, dass ich nicht beschwören kann, dass auch alles auf der richtigen Tonhöhe war. Manchmal konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Höhen leicht falsch intoniert waren, aber da ich heute oben seitlich knapp über dem Orchester gesessen bin, habe ich die Sänger ziemlich schlecht gehört, daher kann ich das weder bestätigen noch dementieren. Josef Moravec war ein guter Lehrer (+Stechmücke), er hat den Eindruck gemacht, als schonte er sich. Nach der Vorstellung habe ich gesehen, dass er heute abend als Wenzel in der verkauften Braut angesetzt ist, das erklärt alles. Kateřina Jalovcová war ein guter, auffallend hell timbrierter Fuchs, Jiří Brückler ein rollendeckender, fast etwas zu leichtgewichtiger Harašta, Václava Krejčí Housková hat mir als Hund sehr gut gefallen. Die kleinen Rollen waren alle in Ordnung. Dank meines Platzes konnte ich eine perfekte Orchesterakustik genießen, und zwar wirklich genießen! Das Orchester unter Jakub Klecker schwelgte in leidenschaftlichem, aufwühlendem, und gleichzeitig wunderschönem, aufblühendem und berührendem Impressionismus. DAS ist gute Musik; wieso man überhaupt noch irgendwelche anderen Komponisten als Janáček spielt...?! Ondřej Havelka hat das Stück klassisch inszeniert, mir gefällt das Ergebnis. Die leicht ansteigende Bühne stellt einen stilisierten Wald dar, durch Bühnentechnik (Drehen kleinerer Kreise und Aufklappen) können andere Schauplätze (Dachshöhle, Haus des Försters, Gastwirtschaft) auf die Bühne gebracht werden. Die Produktion ist wirklich stimmungsvoll, aber nie kitschig. Man merkt, dass Havelka (im Unterschied zu Otto Schenk) das Stück verstanden hat. Die Idee, dass Terynka als stumme Rolle auf die Bühne gebracht wird, wo sie mit dem Förster in Kontakt steht (u.a. mehrmals eindeutig angedeuteter Sex), finde ich hervorragend. Insgesamt eine wirklich gute Produktion, wenngleich mir das neue, hochintelligente Brünner Füchslein von Jiří Heřman besser gefällt. Wie bei einer Samstag-11-Uhr-Vorstellung zu erwarten, wären zahlreiche Kinder in der Vorstellung, die sich mitsamt ihren (Groß-)Eltern bis auf wenige Ausnahmen sehr ruhig verhalten haben. Prag halte ich übrigens für eine wunderschöne Stadt, da fühl ich mich immer sofort wohl (ein Ausflug lohnt sich nicht nur wegen der dortigen Oper). Viel besser als das stinkende, dreckige, überteuerte und entsetzlich überschätzte Paris!

9. Februar 2019
14:10
Avatar
zerbino
Gast
Guests
112sp_Permalink sp_Print

HansLick2 sagt
@ 99: schwelgt also plötzlich in sonst nicht erwünschten uralt erinnerungen:

Einmal allerdings, und das wird mir wirklich unvergesslich bleiben, war eine Otello mit Fr. Tebaldi, das war grandios  

Ich erinnere mich auch daran, weil ich die ganze Nacht angestanden hatte, und dann hat del Monaco abgesagt und Beirer machte auf Deutsch singend es der Tebaldi schwer, wie sie später auch sagte. Immerhin war der Othello auch meiner Meinung nach seine beste  performance.

9. Februar 2019
0:46
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 667
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
111sp_Permalink sp_Print

Fr., 8. Feber 2019: BRNO/BRÜNN (Janáček-Theater): Béla Bartók, A kékszakállú herceg vára / Herzog Blaubarts Burg + Arnold Schönberg, Erwartung

Der mutigen Spielplangestaltung der Brünner Oper habe ich zu verdanken, dass ich heute Herzog Blaubarts Burg und Erwartung kennenlernen durfte - zwar keine ganz besonderen Raritäten, aber dennoch zwei Werke, die recht selten in den Spielplänen auftauchen und für die sich die Fahrt gelohnt hat. Mit dem Thema der Bartók-Oper war ich bereits vertraut, zumal ich im April 2018 in Graz Ariane et Barbe-Bleue von Paul Dukas gesehen hatte, und das war eine ganz hervorragende Produktion in jeder Hinsicht (Stück, Sänger, Inszenierung, Orchester), sicher eines der besten bisherigen Opernerlebnisse meines Lebens. Damit konnte der heutige Abend nicht mithalten, aber es hat mir trotzdem gefallen. (Dukas hat ein inneres Seelendrama geschrieben, während bei Bartók die Auseinandersetzung Judith-Blaubart im Vordergrund steht.)

Die Inszenierung von David Radok verbindet die beiden Stücke. Nicht nur Herzog Blaubarts Burg (wo er ja vorgesehen ist), sondern auch der Erwartung geht ein ca. 2minütiger gesprochener Prolog voran (auf tschechisch mit englischen Übertiteln), der den Zuschauer in einen anderen Kontext versetzt. Das letzte Zimmer in Herzog Blaubarts Burg ist ident mit der Bühne in Erwartung, was dazu führt, dass dieses Stück nicht im Wald spielt sondern in einem Zimmer. Der gesuchte Mann (der Blaubart-Sänger) ist teilweise auch auf der Bühne präsent, aber nicht im Blickkontakt mit der Frau. Das legt den Schluss nahe, dass es hier nicht um ein reales Suchen geht sondern um etwas Psychisches, aber genauer kann ich es derzeit nicht sagen.

Anders Lorentzson, der hauptsächlich in Skandinavien singt, hat mir als Blaubart hervorragend gefallen, seine Stimme ist kraftvoll, ausdrucksstark, in allen Lagen sicher und besitzt ein schönes Timbre. Eine Wiederbegegnung wäre erfreulich. Katarina Giotas war als Judith bei den lauten Stellen besser als bei den leisen, bei denen ein zu starkes Vibrato den Eindruck störte, aber in dieser Rolle ist Ausdruck viel wichtiger als Schöngesang, insofern war die Leistung sehr gut. Auch für die Frau in "Erwartung" gilt das, und Katarina Karnéus (die wir in Wien vor einem knappen Jahr als Claire Zachanassian gehört haben, aber das ist ja eher eine Sprechrolle) hat mir sehr gut gefallen, da sie die Partie gut gestaltet hat, Schöngesang ist hier wirklich nicht notwendig. Marko Ivanović dirigierte das meinem Eindruck nach wirklich gut spielende Orchester. Genauer kann ich mich nicht äußern, da ich die beiden Stücke vorher gar nicht gekannt hatte. Herzog Blaubarts Burg hat auf jeden Fall den stärkeren Eindruck hinterlassen, das liegt aber wahrscheinlich daran, dass es einfach besser als die Erwartung ist. (Aber es ist sicher nicht Bartóks bestes Werk, da schätze ich (beispielsweise) das Orchesterkonzert um ein vielfaches höher ein.)

8. Februar 2019
16:18
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 667
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
110sp_Permalink sp_Print

Die Antwort befindet sich zur besseren Übersichtlichkeit im Tosca-Thread

8. Februar 2019
16:03
Avatar
alcindo
Member
Members
Forumsbeiträge: 320
Mitglied seit:
27. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

werter Gurnemanz: hier geht es eigentlich nicht um streitereien, sondern darum, dass aus dem Norden chronisch nur ausgeteilt und nichts eingesteckt wird,

übrigens will ich sie fragen, studieren Sie gesang?.....  wie kommen Sie auf die Idee, dass recondita armonia schwerer ist als die sternenarie? das ist wohl individuell verschieden, wer kein gutes mezzovoce hat, wird im dritten Akt auch Schwierigkeiten haben, und wer eine gute höhe hat, spielt sich mit recondita.

den tenor, den Sie aus Pressburg als Cavaradossi zitieren kenne ich (noch) nicht, aber er ist halt in Pressburg engagiert,  und Beczala in allen grossen opernhäusern der welt.......um wieder weit zurueckzugreifen, einmal hörte ich diStefano mit Leontine Price und  Giuseppe Taddei, der für mich der beste Scarpia war und wahrscheinlich bleiben wird, da kommt Beczala sicher nicht heran

Zeitzone des Forums: Europe/Berlin

Am meisten Mitglieder online: 10

Zurzeit Online:
3 Gast/Gäste

Momentan betrachten diese Seite:
1 Gast/Gäste

Top Autoren:

UwePaul: 970

Gurnemanz: 667

Lohengrin2: 599

Chenier: 579

alcindo: 320

Michta: 197

susana: 159

dalmont: 113

Kapellmeister Storch: 79

michael koling: 58

Mitgliederstatistiken

Gastbeiträge: 128

Mitglieder: 55

Moderatoren: 0

Administratoren: 3

Forumsstatistiken

Gruppen: 1

Foren: 1

Themen: 393

Beiträge: 6008

Neuste Mitglieder:

penneye78049, bonniechristy7, sheryl15i8687, dr geraldmueller, tenorissimo, timtheotinn, karlaeuler4, Klassikpunk, alenanickson9, Miguel

Administratoren: HaaSon: 2, ac: 73, Moderator 16: 33

 

Diese Seite drucken