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Oper in Nachbarländern Österreichs | Seite 10 | OnlineMerker | Forum

 

 

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Oper in Nachbarländern Österreichs
7. Februar 2019
12:52
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Christine
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Forumsbeiträge: 100
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3. Oktober 2018
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An Susana und Gurnemanz: Da Verdi einer meiner Lieblingskomponisten ist, habe ich drei Bücher über ihn zu Hause. Eines von Viktor Baerwald, eines von Harald Goertz und eines von Charles Osborne. Letzteres, in englischer Sprache, gefällt mir besonders. Osborne zitiert aus einem Brief von Verdi zur Titelfigur: "In my view, the idea of this character, outwardly ridiculous and deformed, inwardly filled with passion and love, is superb. It was precisely because of these original and characteristic traits that I chose the subject and if they are cut out I shall not be able to write the music". Vorausgegangen waren Wünsche, die Titelfigur anders darzustellen. Ich sehe den Rigoletto auch so. Natürlich ist er keine nur sympathische Figur. Er verspottet andere Menschen, allerdings ist das sein Beruf. Aber er versucht eine andere Person zu bestechen einen Menschen zu töten, das kann man nicht gutheißen. Dass er seine Tochter liebt, ergibt sich klar aus der Musik. Dass er sie vor der Welt des Herzogs beschützen will, ist verständlich, gelingt ihm aber - natürlich - nicht. So streng kann er sie nicht weggesperrt haben, da sie den Herzog heimlich treffen konnte. Rigoletto vorwiegend als Ekelpaket darzustellen, finde ich falsch. Denn dem steht die Musik in Pari siamo, der gesamten Szene mit den Höflingen und natürlich das Duett mit Gilda entgegen. Ich glaube, dass italienische Sänger, die die oben erwähnte Leidenschaft und Liebe zum Ausdruck brachten, richtig lagen. Eine fulminante Vendetta gehört natürlich auch dazu.

7. Februar 2019
12:30
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Chenier
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Forumsbeiträge: 464
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28. Februar 2018
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Na ja, Gurnemanz, zwischen Verdi und Staud klaffen musikalisch hunderte Lichtjahre, da hinkt der Vergleich gewaltig.

7. Februar 2019
11:44
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susana
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Forumsbeiträge: 115
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16. September 2018
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Liebe Christine, zum Thema Rigoletto - ich habe in den letzten 25 -30 Jahren Rigoletto in vielen Inszenierungen gesehen, auch mit den verschiedensten Interpreten.

Auffällig war für mich aber immer, dass es früher die Ansicht (wohl auch unter den italienischen Sängern gab / vorallem Bruson und Nucci) Rigoletto sei ein armer Vater der von seinem Schicksal geprügelt sei..das habe ich nie verstanden. Das wars nie für mich .. erst durch andere Sänger, mit denen ich auch darüber geprochen habe kam dann das was ich immer bei Rigoletto gefühlt hatte, dieser Rigoletto sperrt sein Kind ein, ist selbst ein Ekel, der auf der einen Seite Geld damit verdient den Herzog zu "bespassen" und sein eigenes Kind von der Welt fern hält. Es sozusagen bewahrt vor der schlimmen Welt. Ich finde das schlimm und macht ihn überhaupt nicht sympathisch. Ich habe Rigoletto erst wirklich als gut und interessant empfunden wenn ein Sänger , und es gibt von denen einige, diese Figur nicht als den liebenden Vater sondern als Ekelpaket dargestellt hat, erst dann hat mich auch die Sinn und die Aussage , auch das mit dem Fluch mich wirklich - mit der Musik gemeinsam ergriffen. (ich habe u.a. Rigoletto nicht nur in Wien auch in London, Wiesbaden, Hamburg (toller Homoki Rigoletto), Savonlinna oder einen tollen in Köln von Thalbach erlebt.

Wie immer in der Oper sind es die Darsteller, die Sänger die einen Opernabend wirklich interessant machen, Regisseure sollten nur den Boden , die Grundlage dafür schaffen, sie nicht überstülpen, erst dann kann ein Abend interessant sein (also für mich persönlich), Sänger die alles nur normal, nett, gut oder einfach (für mich langweilig) machen, ist dann für mich echt egal ob die Inszenierung gut oder schlecht ist.. aber ich glaube das schrieb ich schon einmal

Also finde ich Gurnemanz Aussage in diesem Fall zum Rigoletto  nicht so extrem weit weg. ich wäre nicht so weit gegangen, das sehe ich bei dem Stück nicht so, dafür benimmt er sich nicht danach, siehe Auseinandersetzung mit Gilda im 2.Akt. Aber das würde hier zu weit führen, das alles genau zu erklären..

Dass ich aber seine Kritiken fast nicht mehr lese ist eine andere Sache, er ist mir leider viel zu abgehoben und zu aggressiv geworden . Es ist schön dass es Opernjunkies gibt, die sich alles mögliche "reinziehen" ist absolut in Ordnung, aber die seltsamen Aussage über die Komponisten werden mir jetzt langsam  echt zu extrem. 

Aber .. wie auch schon mal erwähnt, jeder lebt sein Opernleben ..

7. Februar 2019
11:32
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 585
Mitglied seit:
29. September 2018
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zu Beitrag 78:

Werte Christine! Verschiedene Meinungen sind das geringste Problem überhaupt. Im Gegenteil, sonst wäre es doch ziemlich fad. Ich find es nur unterhaltsam, dass genau derselbe Chenier, der die Musik von Staud als "akustischen Müll" (Zitat vom 9. Dez.) bezeichnet hat, jetzt so empfindlich reagiert. Das relativiert seine derzeitige Empörung doch etwas. (Und nein, auch ich mag Staud überhaupt nicht!) Da er auch laut eigener Aussage noch nie in Brünn in der Oper war und erst "einige Male" in Bratislava, kann er auch nicht beurteilen, wie Wien im Vergleich zu diesen Häusern dasteht.

Aber das Wichtigere ist Ihre Meinung, dass ich in den Rigoletto etwas hineininterpretiert hätte, da möchte ich widersprechen. Ich halte Verdi für einen intelligenten Mann, der seine Figuren sehr vielschichtig gezeichnet hat und überhaupt nicht eindimensional - und dass Rigoletto Gilda sexuell missbraucht oder zumindest diese Absicht hat, finde ich nicht an den Haaren herbeigeholt, sondern das steckt meiner Meinung nach im Stück drinnen, wenn man es nicht nur oberflächlich betrachtet. Wer sich dafür interessiert, kann sich ja mal mit tiefenpsychologischer Märchenanalyse befassen, da werden noch ganz andere Dinge in scheinbar harmlose Volksmärchen "hineininterpretiert", aber durchaus nachvollziehbar!

7. Februar 2019
10:35
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Chenier
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Forumsbeiträge: 464
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28. Februar 2018
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Danke, Christine, ein unglaubliches Genie auf einer Ebene mit Beethoven, Mozart und Wagner, den ich persönlich nicht so goutiere, aber anerkenne.

Auch mir hat Verdi schon unzählige wunderbare Abende (gelegentlich auch Nachmittage) beschert. Alles ist letztlich Geschmacksache, aber zwischen persönlich nicht gefallen und unqualifiziert runtermachen in letztklassiger Form klafft ein ganz großes Vakuum.

7. Februar 2019
10:13
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Christine
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3. Oktober 2018
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An Gurnemanz. Da Verdi zu meinen Lieblingskomponisten zählt, wird es Sie nicht wundern, dass ich Ihrem Beitrag nicht zustimmen kann. Gott sei Dank hat Verdi Opern komponiert, ich verdanke ihm wunderschöne Opernabende mit wunderbaren Sängern. Aber ich akzeptiere natürlich, dass jemand einen anderen Geschmack hat. Was Sie aber in die Oper Rigoletto hineininterpretieren, kann ich absolut nicht nachvollziehen und ich kann mir nicht vorstellen wie man auf diese Ideen kommen kann. Weder Verdi noch Piave können diese Gedanken und Intentionen gehabt haben. Für mich klingt das absurd. Dass Ihnen die neue Wiener Inszenierung nicht gefällt, verstehe ich allerdings, mir gefällt sie auch nicht. Schön, wenn es im Ausland etwas Besseres gibt. Dass in der Oper tödlich verwundete Personen noch singen, kommt öfter vor, hat mich aber noch nie gestört.

7. Februar 2019
9:34
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Chenier
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Forumsbeiträge: 464
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28. Februar 2018
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Tja, Toni, Wagner ist primitiv, Verdi ist Mittelmaß, jetzt wissen wir es endlich, Generationen von Musikexperten und Kulturpublikum haben geirrt.

Wann Sie etwas musikalisch Hochwertiges erleben wollen, fahren Sie nach Tschechien oder in die Slowakei, vornehmlich Janacek, der Allergrößte, wer ist schon Beethoven dagegen, und Wien ist schließlich zu minder.

Da verschlägt es einem die Worte bei so viel Unsinn.

7. Februar 2019
0:33
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 585
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29. September 2018
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Sie haben leider weder die Gesamtaussage des Textes erfasst, noch haben Sie eine nicht hunderprozentig ernst gemeinte Aussage als solche erkannt. Schade!

7. Februar 2019
0:23
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toni
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Vielleicht  hätte Verdi nicht gerade Komponist werden sollen.

 

Einen größeren Schwachsinn über das musikalische Genie Giuseppe Verdi hat wohl noch niemand geschrieben. Da kann man nur den Kopf schütteln!

6. Februar 2019
23:56
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Mi., 6. Feber 2019: BRATISLAVA/PRESZBURG (Neues Opernhaus): Giuseppe Verdi, Rigoletto

Dass ich kein Verdi-Fan bin, ist mittlerweile bekannt. Ich kann zwar an einigen seiner Opern auch Positives finden, aber das bezieht sich mehr auf den Inhalt als auf die Musik, vielleicht hätte Verdi nicht gerade Komponist werden sollen...? Wie auch immer, ich hatte jetzt ein paar Jahre lang keinen Rigoletto gesehen und war positiv überrascht. Das Stück ist nicht oberflächlich und nicht so effekthascherisch wie andere Werke, sondern eine ziemlich düstere Sache ("La maledizione") mit lauter Ungustln und einem Ergebnis dieser Ungustln. Ungustl Nr. 1 ist aber klar nicht der Duca, der zwar recht wenig im Hirn hat und nur daran denkt, welche Frau er am nächsten ins Bett bekommt (und wer ihm dabei, wie Monterone, im Weg steht, wird kurzerhand beseitigt), sondern die Titelfigur: Rigoletto hält seine Tochter wie in einem Gefängnis, und ich vermute stark, dass er das nicht oder nicht nur aus Sorge um sie tut, sondern auch in ihr eine Art Frau-Ersatz sieht und sie womöglich auch dazu benützt (eine schöne Umschreibung für "sexueller Missbrauch"), sie selbst sieht wohl keinen anderen Ausweg als die Opferung ihres Lebens. Allerdings ist Rigoletto ja nicht solcherart auf die Welt gekommen, seine Umwelt hat ihr übriges dazu beigetragen, dass er ist, wie er ist. Wie gesagt: lauter Ungustln. Dass man eine solche Geschichte nicht schön bebildern und es dabei bewenden lassen kann, liegt auf der Hand, und glücklicherweise sind die Zeiten vorbei, in denen das üblich war. Die Inszenierung von Martin Schüler (Bühnenbild von Hans Dieter Schaal, Kostüme von Susanne Thomasberger) gefällt mir sehr gut! Das ist richtig gut gemachtes Theater (und viel viel viel besser als die neue Wiener Inszenierung!). Die Handlung spielt in einem abstrahierten Raum, in dem hervorragende Personenführung stattfindet. Ich bin mir nicht sicher, aber es könnte sein, dass hier Sparafucile mit dem Duca bzw. den Höflingen unter einer Decke steckt, schließlich taucht er immer wieder im Kreise der Höflinge auf, zum Beispiel bei der (auf der Bühne vollzogenen) Ermordung Monterones. Dass Rigoletto in Gilda mehr sieht als nur eine Tochter, wird durch die Gestik ziemlich deutlich. Auch das Ende ist sehr gut gelöst: Sparafucile übergibt Rigoletto einen Sack und verzieht sich mit Maddalena und dem Duca, der bald darauf im Hintergrund umgeben von Frauen erscheint. Als Gilda zu singen anfängt, erscheint eine mit einem Schleier bedeckte Frau, Gilda ist also schon quasi ein Engel (oder so). Damit wird auch die Absurdität vermieden, dass eine tödlich Verwunderte noch minutenlang singt. Das wirkt natürlich und nicht aufgesetzt. Insgesamt eine tolle und sehenswerte Produktion! 

Auch die beste Inszenierung ist bei schwachen Sängern wirkungslos, dieses Problem gab es heute aber nicht. Der mir vorher völlig unbekannte Alexander Krasnov hat mir ausgezeichnet gefallen. Mit seiner kräftigen und ausdrucksstarken Stimme war er ein sehr, sehr guter Interpret der Titelrolle und jedenfalls ein besserer als es so mancher "Star" ist. Nur kurz vor dem dritten Akt habe ich kurz Ermüdung gemerkt, aber das war nur ein kurzer, nicht mehr wiederkehrender Moment. Andrea Vizvári war ausgezeichnet. Ihre Stimme ist sehr schön und sowohl fähig zu Koloraturen als auch zu Lautstärke und ruhigeren Passagen. Da hat wirklich alles gepasst. Ľudovít Ludha war ein guter Duca. Mit dem Questa o quella hatte er noch seine liebe Not, aber danach ist er mit den Anforderungen gut zurechtgekommen. Freilich, außergewöhnlich ist seine nicht allzu große Stimme nicht, aber sie ist gut ausgebildet und höhensicher. Außerdem hält er sich schon längere Zeit ohne hörbare Abnützungserscheinungen im Geschäft. Eine Luxusbesetzung war Peter Mikuláš als Sparafucile, der mit vollkommen intakter, großer und klangvoller Stimme antrat - ausgezeichnet! Auch sehr gut war Denisa Šlepkovská, die in letzter Zeit ins Altersfach wechselt, aber heute noch als Maddalena zu hören war. Ich mag ihre tiefe, hart klingende Stimme sehr, und sie hat gezeigt, dass auch eine Frau mit 50+ über viel erotische Ausstrahlung verfügen kann. Dieser Hauptsache-jung-dumm-und-unschuldig-Dreinschauen-Irrsinn ist einfach nur ein Irrsinn: Erotik kann genauso gut eine ältere Frau vermitteln, wenn sie es kann. Sergej Tolstov als Monterone war eindrucksvoll, konnte aber massive Höhenprobleme nicht verhehlen. Alle Nebenrollen waren sehr gut bis gut besetzt, davon am besten hat mir Jitka Sapara-Fischerová gefallen, angesichts deren schönen Altstimme ich bedauert habe, dass die Rolle der Giovanna so klein ist. Martin Leginus hat möglichst humptatafrei dirigiert, und höhere Anforderungen hab ich bei Verdi nicht. Orchester und Chor waren in wie üblich guter Verfassung. Wie erfreulich, endlich einmal eine Aufführung zu erleben, bei der so gut wie alles gepasst hat!

Womit einmal mehr bewiesen ist: Wer in Wien stationiert ist und spannende und gute Opernaufführungen hören will, möge nach Tschechien oder in die Slovakei fahren ("zu teuer" ist genauso wie "zu zeitaufwendig" nichts anderes als eine Ausrede, denn beides stimmt nicht), es sei denn, man will mit in Wien gebotenen Mittelmaß Vorlieb nehmen.

Beim Schlussapplaus hat mich eine Frau auf slovakisch angeredet, ich hab ihr gesagt, dass ich kaum slovakisch spreche, also haben wir kurz auf englisch geplaudert, bis sie mich gefragt hat, woher ich komme. Ich: "Vienna." Sie (fast akzentfrei): "Warum sprechen Sie dann dieses blöde Englisch?! Ich spreche perfekt Deutsch!". Die ist mir sympathisch! 

6. Februar 2019
10:38
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Chenier
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28. Februar 2018
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Gerade die Personenzeichnung ist eine der Stärken Verdis. Und die Inhalte, teilweise nach Shakespeare und Schiller, wie etwa Macbeth oder Die Räuber, und manchmal auch auf Grundlage historischer Ereignisse, etwa Attila oder der Maskenball, erweitert um etwas Fiktion, sind sehr realitätsorientiert.

Und es freut mich aufrichtig, Gurnemanz, dass Sie Macbeth für "nicht so schlecht halten", chapeau, ein Punkt mit völliger Übereinstimmung, der uns wieder einmal verbindet. Wink

5. Februar 2019
14:56
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Liebe Susana! Ich stimme vollkommen zu, dass man für einige Opern (auch Romane etc) eine gewisse geistige Reife und Lebenserfahrung braucht, um sie halbwegs verstehen zu können, selbstverständlich. Deshalb habe ich ja als 13jähriger mit dem Rosenkavalier so gar nichts anfangen können, dann ist eine Zeit gekommen, in der ich das ganze Werk toll und interessant gefunden hab, mittlerweile ist diese Phase aber auch schon abgeklungen (ich mag eigentlich nur mehr den zweiten Akt, ersten und dritten finde ich großteils langweilig, vor allem das ewige Gesudere der Marschallin).

Und ja, es steht außer Frage, dass Verdi die Figuren vielschichtig gezeichnet hat. Rigoletto sehe ich zB definitiv mehr negativ als positiv, bei Simon Boccanegra bin ich zwiegespalten, der hat auch seine guten Seiten. Das Schöne an Kunstwerken ist ja, dass es selten EINE richtige Deutung gibt, sondern sie viele verschiedene Interpretationen möglich machen. Insofern sind Verdis Opern natürlich gefundendes Fressen für gute Regisseure und Sänger, die eigenes Rollenprofil einbringen können.

Das ändert aber nichts daran, dass mir Verdis Musik großteils einfach nicht gefällt. Wie gesagt, immer das gleiche (außer Otello) und zu effektheischend (für mich). Aber generell würd ich sagen: Verdi > Wagner

Bellini ist auch nicht so meins, ich kenne aber kaum etwas von ihm.

5. Februar 2019
14:29
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susana
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Gurnemanz sagt

Dass Verdi sehr komplexe Figuren geschaffen hat, ist natürlich richtig. Ich stimme Ihnen auch zu, dass er die Emotionen der Figuren gut in Musik übertragen hat. Nur fange ich mit dem Ergebnis trotzdem wenig an. Wahrscheinlich leidet Verdi auch unter der großen Anzahl der zu schlechten Aufführungen, das kann gut sein...
Macbeth finde ich übrigens nicht so schlecht! Kommt aber natürlich auf die Sänger an.

Möglicherweise kann man das - wie ich ja vermute, dass Sie recht jung sind, in ihrem Alter noch nicht ganz "gefühlsmäßig" erfassen. Und das ist kein Vorwurf, keine Bösartigkeit, reine sachliche Feststellung

Verdi hat sehr viele menschliche Schicksale umgesetzt, der Rigoletto ist kein "armer" Vater, er hält seine Tochter gefangen. Simone Boccanegra ebenfalls - nur wer Verlust, Trauer, tiefes Traurigkeit wegen Liebeskummer mal selbst erlebt hat, kann mit dieser Musik mehr anfangen, also meistens ...

Ich hatte auch das Glück mehrfach in verschiedenen Insznierungen und in verschiedenen Sängerdarstellungen tolle Macbeth aufführungen erlebt zu haben...

Mich hat als junger Mensch Verdi nichts gesagt, jetzt ist das ganz anderes.. auch das Gefühlsleben verändert sich normalerweise mehrfach im laufe eines Lebens., und für mich persönlich hat sich mein Musikgeschmack auch merhfach verändert -- wobei mir ein Bellini, eine Butterfly oder so mache Tschechische Oper trotzdem ganz ferne liegen, ich würde sie aber nicht als primitiv, oder dumm oder anders negativ titulieren.

4. Februar 2019
15:34
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Ja, Die Ausflüge des Herrn Brouček kenne ich leider noch gar nicht! Die werden derzeit eh in Prag gespielt, aber bisher ist sich kein Termin ausgegangen. Ein guter Freund hat mir gesagt, dass er das Werk erst beim dritten Besuch verstanden hat, es aber seitdem wirklich liebt. Also vielleicht braucht man für das einfach Stück einfach länger.

Hat Ihnen Janáček auf Deutsch besser gefallen als auf Tschechisch?

Osud ist nicht die beste Janáček-Oper, aber trotzdem sehr gut, finde ich! Ich habs zwar erst einmal gesehen, aber meine Lieblingsstelle ist die 4. Szene im zweiten Akt: längerer Monolog, und dann: "Mami! Mami! Víš, co je láska?" / "Mama, weißt du, was die Liebe ist?". Das war für mich beim ersten Anhören so eine typische Janáček-Gänsehautstelle wie zB im Totenhaus: "I jeho matka zrodila!" / "Auch er hat eine Mutter gehabt!".

Und ich freue mich ehrlich sehr, dass Sie begonnen haben, Tschechisch zu lernen! Tschechisch halte ich für eine wunderschöne Sprache, und ich denke generell, dass wir Österreicher mehr Sprachen unserer Nachbarländer lernen sollten und nicht sooo viel Spanisch, Französisch, ... Aber das kann man auch anders sehen. (gefordert wäre hier die Bildungspolitik, es gibt ja Lehrpläne, eine Lehrerausbildung und eine Zentralmatura für Ungarisch, Slowakisch, Tschechisch, BKS etc - man müsste die Sprachen mehr nur in den Schulen einführen)

Dass Verdi sehr komplexe Figuren geschaffen hat, ist natürlich richtig. Ich stimme Ihnen auch zu, dass er die Emotionen der Figuren gut in Musik übertragen hat. Nur fange ich mit dem Ergebnis trotzdem wenig an. Wahrscheinlich leidet Verdi auch unter der großen Anzahl der zu schlechten Aufführungen, das kann gut sein...
Macbeth finde ich übrigens nicht so schlecht! Kommt aber natürlich auf die Sänger an.

Und ja, natürlich! Sorry, mein Fehler. Die Braut von Messina gibts in Pilsen und nicht in Budweis! Sie steht sogar noch auf dem dortigen Spielplan. Danke für den Tipp, ich überlege hinzufahren. Es gibt demnächst zwei 14:00-Vorstellungen, das passt ja für mich super für die Hin- und Rückfahrt!

4. Februar 2019
10:25
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dalmont
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Ich hoffe sehr, mir mit meiner Frage nicht ein Eigentor geschossen zu haben, ich bin nicht sonderlich gut, Dinge in wenigen Sätzen auf den Punkt zu bringen. Ihre Einschätzung von Janáček kann ich vollinhaltlich unterschreiben. Die „Ausflüge des Herrn Brouček“ haben Sie ausgelassen, dieses Werk hat sich mir noch nicht erschlossen. Hab es allerdings auch erst ein Mal gesehen, im Dezember in Brünn. Šárka und Osud kenne ich gar nicht. Ich habe Janáček fast immer in passablen bis sehr guten Aufführungen gesehen. Die erste war 74 an der Staatsoper mit einer noch deutsch gesungenen Káťa Kabanová. Janáček wird ja leider nicht sehr oft gespielt. Janáček hat mich auch dazu gebracht, tschechisch zu lernen (hab’s allerdings nicht extrem weit gebracht) und mich in seiner nordmährischen Heimat herumzutreiben, um seine Musik, seine „Herzenstöne“, besser zu kapieren.

Ihrer Einschätzung Verdis kann ich, Sie ahnen es sicher, nicht folgen. Er hat doch nicht weniger komplexe Figuren geschaffen wie der Mährer, ist allerdings ein halbes Jahrhundert älter und kommt aus anderen Traditionen. Dass er musikalische Nummern geschrieben hat, stört mich gar nicht, das müsste ich ja auch Mozert, Weber oder Smetana vorhalten. Und das hmtata: wenn es als solches wahrgenommen wird, ist es meiner Erfahrung nach meist schlecht gespielt oder die SängerInnen quälen sich (und das Publikum) mit ihren Partien. Zugegeben, die frühen Stücke bis zu „Luisa Miller“ und „Macbeth“ sind meist unausgeglichen, aber ab da geht’s fulminant bis zum „Falstaff“. Ich schätze einfach Verdis Empathie, und wie es ihm gelingt, die wahren Emotionen seiner Figuren in (meist grandiose) Musik zu setzen. Ich muss zugeben, Verdis Werke öfter gesehen zu haben, aber seltener in guten Aufführungen (wobei ich immer Musik+Szene meine). Und herumgeschlichen bin ich auch in Verdis Heimat.

Ich komme aus einer Gegend nicht sehr weit entfernt von den Moldaustauseen und habe tschechische Vorfahren. Norditalienisches gibt es nicht in meinem Stammbaum, weshalb ich in meiner Herkunft keinen Grund finde, warum ich beide Komponisten schätze.

PS: Sind Sie sicher, dass die „Braut von Messina“ auch in Budweis gespielt wurde? Ich habe sie im Vorjahr in Pilsen erlebt, es war interessant, aber die Musik reicht nicht an das tschechische Dreigestirn heran (und die Optik entsprach noch sehr der kommunistischen Ästhetik).

2. Februar 2019
2:05
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Das erkläre ich gern:

Verdi ist für mich großteils ein Humptata-Produzierer. Ja, der Otello ist super, Falstaff ist auch nicht schlecht, aber sonst gefallen mir nur einzelne Nummern aus seinen Werken. "Il balen del suo sorriso" ist eine wirklich schöne Arie, manche Musik aus Traviata/Trovatore/... ist auch nicht so übel. Aber insgesamt habe ich keinen wirklichen Zugang dazu. Der Aufbau seiner Opern ist mir auch zu "statisch": Ouvertürre, Chor, Arie, Duett, Stretta, Arie, Cabaletta, Chor etc (immer schön mit Applauspausen dazwischen). Mir kommt es so vor, als hätte Verdi seine Werke großteils auf Publikumswirksamkeit ausgerichtet (und wo er es im Falle der Traviata nicht getan hat und seinen gesellschaftlich anerkannten älteren Herren als wirklichen Unsympathler gezeichnet hat, ist das heute eigentlich schon überholt) - für ihn war das natürlich gut, man spielt ihn ja noch immer viel.

Janáčeks Werke sind für mich großteils Meisterwerke. In vergleichsweise kurzen Opern hat er es geschafft, unglaublich viel auszudrücken, die Charaktere treffend und doch mit großer Sympathie (Ausnahme: Kabanicha) zu schildern, man kann daraus viel über Menschen lernen. Bei ihm ist nichts schwarz-weiß, die Handlungen einer Kindsmörderin werden verständlich, genauso die Handlungen einer ehebrechenden Frau. Das Füchslein ist eine bezaubernde Philosophie über den Tod, den Kreislauf des Lebens und über Sexualität, die Sache Makropulos eine Abhandlung über das Sterben vs. ewiges Leben, das Totenhaus eine Sammlung von Einzelschicksalen - jedoch mit viel Empathie und Sympathie für die Figuren. Die Musik finde ich faszinierend, sie zwingt mich zum genauen Hören, sie trifft mich irgendwie "drinnen" (auch seine Kammermusik). Das vermögen nur sehr wenige Komponisten. Vielleicht ist mir als Ostösterreicher das Tschechische einfach näher als das Italienische?

Ich möchte betonen, dass diese Beurteilungen rein subjektiv sind (aber es war ja auch eine subjektive Beurteilung gefragt)! Wie sehen Sie die beiden Komponisten?

2. Februar 2019
0:44
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dalmont
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28. Januar 2019
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Da Sie, Gurnemanz, immer Argumentationen einfordern: Möchten Sie nicht erklären, was es ist, das Sie an Verdis Oeuvre von „Oberto“ bis „Falstaff“ nicht mögen (mit Ausnahme des „Otello“? Und vielleicht im Gegenzug: Was schätzen Sie an Janácek so sehr? Für mich sind die Musiksprachen beider Komponisten sehr sehr wichtig).

1. Februar 2019
23:54
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Fr., 1. Feber 2019: BRATISLAVA/PRESZBURG (Altes Opernhaus): Giuseppe Verdi, Nabucco

Ich mag Verdi-Opern generell nicht (außer Otello), und Nabucco mag ich überhaupt nicht. Umso größer meine Überraschung, dass bei wirklich guten Sängern sogar der Nabucco eine gewisse Wirkung hat und nicht bloß Langeweile verbreitet. Freilich, gut ist das Stück noch lange nicht... Man sollte es viel seltener spielen. 

Ich bin mir im Klaren, dass die Alte Oper Bratislava sehr klein ist und Sänger es dort viel leichter haben als in der Wiener Staatsoper. Dennoch war der heutige Nabucco viel besser als alle Vorstellungen dieses Werkes, die ich in Wien gehört habe. 

Schwachpunkt war ausgerechnet der Interpret der Titelrolle: Sergej Tolstov war einmal vermutlich ein guter Sänger, aber die Stimme weist in der Höhe starke Abnützungserscheinungen auf. Tolstov kann singen, macht vieles richtig und klingt auch gut, solange bis er in die Höhe kommt. Dann zittert die Stimme oder bricht. Aber alle anderen Sänger waren ausgezeichnet. Jolana Fogašová ist mir noch nie so richtig aufgefallen, aber ihre heute Abigaille war große Klasse. Ihre Stimme ist schön timbriert und pianofähig, aber auch super in dramatischen Passagen, die alle gesungen wurden und nicht geschrieen. Großartig! Ich bezweifle lediglich, dass ihre Stimme für ein deutlich größeres Haus ausreichend laut ist. Ebenfalls großartig war Peter Mikuláš als Zaccaria. In letzter Zeit war er öfters nicht auf der Höhe, aber so gut wie heute hab ich ihn - ohne Übertreibung - noch nie gehört. Neben perfekt gesungenen sehr lauten Passagen war er fähig zu Pianotönen. Heute überhaupt keine Spur von stimmlichen Abnützungserscheinungen. Eine Schande, dass der (mittlerweile 65jährige) Weltklassesänger noch nicht an die Wiener Oper geholt wurde und vielen Wienern unbekannt ist. Aber auch die kleineren Rollen waren (im Unterschied zum Usus in Wien) sehr gut besetzt: Monika Fabianová war eine sehr gute Fenena, und Ľudovít Ludha ein sehr guter Ismaele (dass seine Stimme in der Höhe manchmal in Richtung meckern geht, war heute nicht stark zu merken). Auch die kleinen Rollen waren gut besetzt (keine Kobels, keine Kushplers, keine Greens).

Rastislav Štúr dirigierte wie immer gut, besonders ausgefeilt wärs nicht, und bisweilen hätte es weniger Humtata sein können, aber es war schon noch in Ordnung. Das Orchester war recht gut wie immer, ebenso der Chor. Die Inszenierung von Zuzana Gilhuus ist klassisch, aber handwerklich sehr gut, gefällt mir also durchaus (von dem Vorhang abgesehen, durch den Zaccaria am Anfang tritt, das schaut laienhaft aus). Das Publikum zeigte sich leider sehr gelangweilt, da wäre wirklicher Jubel fällig gewesen. 

12. Januar 2019
22:09
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 585
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29. September 2018
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Sa., 12. Jänner 2019: BRNO/BRÜNN (Janáček-Theater): Bedřich Smetana, Prodaná nevěsta / Die verkaufte Braut

Da hatte ich im vergangenen Jahr noch so vollmundig erklärt, die Verkaufte Braut sei eine Oper, für die ich mich kein zweitesmal in eine andere Stadt bewegen würde, aber heute war ich ihretwegen doch in Brünn. Und man hüte sich vor voreiligen Schlüssen! Das Stück hat mir heute viel besser gefallen als bei der Erstbegegnung in Prag vor einem knappen Jahr. Komische Oper darf nämlich auf KEINEN Fall verblödeln, sondern muss sie ernstnehmen, sie mit ehrlichem (nicht aufgesetztem) Humor inszenieren und sich Gedanken machen, ob das Stück vielleicht nicht nur humorvoll ist. Das alles hat Ondřej Havelka getan. Seine Verkaufte-Braut-Produktion hat mir das Stück heute erst richtig erschlossen. Die Handlung spielt dort, wo sie dem Libretto gemäß auch spielt, mittels einer Drehbühne können drei Schauplätze (Dorfplatz, Haus von Kruschina, Wirtshaus) gut miteinander verbunden werden. Die Produktion ist wirklich humorvoll, kommt aber niemals in die Nähe von Outrage oder Peinlichkeit. Durch Licht- und Schatteneffekte kann Stimmung erzeugt werden, die Produktion sprüht vor witzigem Humor, ist aber zwischendurch auch berührend und macht niemanden lächerlich (Wenzel ist hier Wenzel und kein Idiot).

Auch musikalisch war ich sehr zufrieden. Wieso Aleš Briscein so ziemlich überall singt außer an der Wiener Staatsoper, weiß nur die dortige Direktion. Ich habe seine metallische, höhensichere und gewissermaßen slavisch klingende Stimme sehr gern. Technisch passt alles, die Stimme ist laut genug und spricht in allen Lagen sehr gut an. Der Hans ist keine besondere Herausforderung, aber Briscein macht auch schwierigere Rollen sehr gut! Der sehr gute Eindruck, den ich von Jana Šrejma-Kačírková bisher gewonnen hatte, hat sich auch heute bei ihrer Marie bestätigt. Ihre Stimme besitzt zwar kein sonderlich einprägsames Timbre, ist aber technisch sehr gut ausgebildet und wird richtig eingesetzt. Das Piano trägt gut, die Stimme ist an den erforderlichen Stellen auch locker laut genug. Ich denke mir nicht zum erstenmal, dass diese Sängerin die Fähigkeiten für größere Häuser besitzt. Neben diesen beiden ausgezeichneten Kräften fielen die anderen leicht ab, was dem Gesamteindruck aber kaum Abbruch tat. Jiří Sulženko war heute als Kezal wie immer: Er macht das meiste richtig, die generell schöne Stimme klingt aber erschöpft und überfordert (er singt aber auch sehr viel - zum Beispiel gestern den Ramfis - und ist nicht mehr der Jüngste), dennoch war es gut genießbar. Ondřej Koplík war ein akzeptabler Wenzel, obwohl seine Stimme nicht allzu laut ist. Die Nebenrollen (Jakub Tolaš / Kruschina, Jitka Zerhauová / Kathinka, František Ďuriač / Micha, Jana Hrochová / Agnes, Zdeněk Šmukař / Springer) waren passend besetzt, ohne Ausreißer nach oben oder nach unten, lediglich Marta Reichelová ist mir als Esmeralda negativ aufgefallen, denn sie sollte noch an ihrer Technik arbeiten (das war zwar nett gesungen, klingt aber sehr nach bloßer Naturstimme). Der Chor ist positiv aufgefallen, das Orchester unter Jakub Klecker hat gut und sehr engagiert gespielt. Insgesamt hat mich der Abend sehr positiv überrascht - da sieht man, was man aus diesem Stück machen kann, wenn man es nicht verblödelt, sondern beim Inszenieren das Hirn gebraucht. In Kombination mit sehr guten Sängern kommt dann ein sehr lohndender Abend heraus! Sollte man sich jemals dazu entschließen, das Werk an der Wiener Staatsoper zu spielen (was ich begrüßen würde!), dann bitte in ähnlicher Qualität!

5. Januar 2019
9:01
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Gurnemanz
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Chenier sagt
Meinungspluralität ist ebenso wichtig wie konstruktive Dialektik.

Das sehe ich auch so! Die Themen werden ja durch die schreibenden Mitglieder bestimmt, und da ich slavische Musik sehr schätze und Janáček mein Lieblingskomponist ist, handelt ein größerer Teil meiner Beiträge davon. Das wird auch so bleiben, aber wir können uns gerne über zahlreiche andere Themen unterhalten (was wir ja ohnehin tun)!

Der Kunde-Arrigo 2012 war übrigens ein Einspringen für Burkhard Fritz, und ein paar Wochen davor hat Kunde regulär im Theater an der Wien in "La donna del lago" gesungen. Aber näheres über Andrea Chénier ab morgen in einem eigenen Thread! 

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