Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

Oper in Nachbarländern Österreichs | OnlineMerker | Forum

 

 

Anleitung Registrieren: 

Klicken Sie hier rechts unten auf den Button "Registrieren". Sie werden aufgefordert Ihre E-Mail Adresse und einen Benutzernamen einzugeben. Danach erhalten Sie ein E-Mail mit einem Link zum Erstellen des Passwortes. Danach können Sie sich mit Ihrer E-Mail Adresse oder dem Benutzernamen und dem Passwort einloggen. Ihre Profilseite erscheint. Danach gehen Sie wieder auf die Online Merker Forum Seite und sind dann im Forum angemeldet.

 

Dieses Forum ermöglicht in erster Linie an Kultur interessierten Lesern des Online-Merker ihre Meinung auszutauschen und durchaus auch kontroversiell zu diskutieren. Dies soll allerdings in einer höflichen und vernünftigen Umgangsform geschehen. Nicht gestattet sind diskriminierende, rassistische, fremden- und staatsfeindliche Inhalte und Formulierungen. Diese werden ebenso wie persönliche Beleidigungen und Herabwürdigungen anderer Personen vom Moderator gelöscht. Weiters ist das Forum keine Tauschbörse für Ton- und Bildaufnahmen.

Avatar

Bitte denke über eine Registrierung nach
guest

sp_LogInOut Login sp_Registration Registrieren

Registrieren | Passwort vergessen?
Erweiterte Suche

— Forumbereich —




— Übereinstimmung —





— Forum Optionen —





Minimale Suchwortlänge beträgt 3 Zeichen - die maximale 84

No permission to create posts
sp_Feed RSS (Beitrag) sp_TopicIcon
Oper in Nachbarländern Österreichs
16. April 2019
16:56
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 491
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
151sp_Permalink sp_Print

@149 Danke für Ihre Schilderung, das kann ich nachvollziehen! Mein Eindruck war sehr sehr positiv, mir gefällt gerade diese Art Kreuzung Klassik und modern. Die Choreographie ist ja genau auf die Musik abgestimmt, und Berlioz ist sowieso hörenswert (besonders freue ich mich übrigens auf das Berlioz-Requiem im Musikverein demnächst). Vom Orchester war auch ich positiv überrascht.

@150 Ich weiß nicht so wirklich, ich denke, der Gemeinte wäre davon aus verschiedenen Gründen nicht begeistert. Aber generell finde ich Ihre Idee gut, denn der Merker hat ja in seiner Leserschaft viele Opernfans mit jahrtzehntelanger Erfahrung. Da könnte man wirklich mal Erinnerungen/Vergleiche systematisch sammeln. Aber das müsste halt vernünftig geschehen und nicht mit einer "So gut wie damals ist heute nichts mehr"-Einstellung.

15. April 2019
20:44
Avatar
Christine
Member
Members
Forumsbeiträge: 88
Mitglied seit:
3. Oktober 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
150sp_Permalink sp_Print

An Gurnemanz (147) Ein Opernfan, der seit 1955 in die Oper auf Stehplatz geht, das finde ich großartig. Er muss ja unglaublich viel erzählen können. Den könnte der Merker einmal zu einer Gesprächsrunde einladen.

Ich finde es auch sehr nett, dass Gurnemanz dieses Opernforum durch seine Beiträge belebt. Man muss ja nicht jedermanns Meinung teilen sondern sie akzeptieren. dann kann man auch darüber diskutieren.

15. April 2019
18:36
Avatar
Chenier
Member
Members
Forumsbeiträge: 401
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
149sp_Permalink sp_Print

Ja, Gurnemanz, habe ich gesehen. Der erste Teil war noch ein wenig holprig und uneinheitlich, der Schlussteil mit Chor ist allerdings phänomenal. Überhaupt ein etwas merkwürdiges Werk, mit Chor, 3 Solostimmen und Tanz, wobei mich die Choreographie diesmal nicht ganz überzeugt hat, so eine Art Kreuzung zwischen Klassik und modern, angehaucht von "West Side Story". Aber musikalisch hochinteressant, durchaus empfehlenswert. Das Orchester war jedenfalls in Hochform.

15. April 2019
17:49
Avatar
UwePaul
Member
Members
Forumsbeiträge: 648
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
148sp_Permalink sp_Print

Denn bin ich ja wieder zufrieden :-)))

15. April 2019
17:41
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 491
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
147sp_Permalink sp_Print

@144: Oh das tut mir leid, dann habe ich Ihre erste Antwort ganz anders verstanden, als sie gemeint war. Ich möchte mich dafür entschuldigen. Das sind die Tücken der schriftlichen Kommunikation... Sie haben natürlich recht, das Verarbeiten ist eine Herausforderung. Heute bin ich ganz froh, wieder in Wien zu sein und meinen "gewöhnlichen" Tätigkeiten nachgehen zu müssen.

@145 Oh, vielen Dank für Ihr nettes Kompliment! Es ist sehr schön, dass wir trotz manchen inhaltlichen Differenzen eine gute Gesprächsbasis gefunden haben. Und wir sind ja gar nicht so selten einer Meinung. Bei dieser Gelegenheit: Waren Sie schon im Berlioz-Ballett in der Volksoper? Ich werde heute ein drittes- bzw. viertesmal gehen und freue mich schon!

@146 Ebenfalls danke! Ich habe diesen Thread als Sammelthread für Opernberichte und Diskussionen hierzu gedacht, damit ich nicht mit zu vielen Einzelthreads das Forum zuspamme. Sie können natürlich Ihre auch hier einstellen oder eigene Threads eröffnen, wie es Ihnen lieber ist. Danke auch für die Erzählung, das finde ich auch toll! Wer weiß, ob ich mit 92 Jahren noch lebe bzw. so fit bin. Dazu etwas aus eigenem Erleben: Einer der ältesten Wiener Stehplatzbesucher (er besucht den Wiener Stehplatz schon seit kurz vor 1955!) geht noch immer regelmäßig hin, und ich bin mit ihm in gutem Kontakt. Er fährt regelmäßig irgendwo hin, wenn ihn eine Rarität oder ein bestimmter Sänger interessiert (zum Beispiel vorgestern war er einer der vier Wiener, die zur Julietta nach Ostrau gefahren sind), und ist immer neugierig. Ich schätze ihn sehr, man kann sich mit ihm wunderbar über Oper der Gegenwart und Vergangenheit und alles mögliche unterhalten, außerdem ist er technisch versierter als ich. Ich hoffe, dass ich auch einmal so sein werde, wenn ich auf die 80 zugehe!

15. April 2019
16:15
Avatar
Kapellmeister Storch
Member
Members
Forumsbeiträge: 24
Mitglied seit:
21. Februar 2019
sp_UserOfflineSmall Offline
146sp_Permalink sp_Print

Dem schließe ich mich gerne an. Ich habe diesen Thread nun mehr durch Zufall entdeckt, allerdings zu spät, um meinen Parsifal-Bericht hier zu platzieren. Ich habe auch den wohlwollenden Eindruck von Gurnemanz vom Orchester der DOB vernommen. Ich finde es sympathisch, für Raritäten wie den Zwerg und Juliette durch die Gegend zu fahren. Dazu eine kleine Geschichte. Ich war letzten Sonntag im Zwerg. Dort habe ich einen mir bekannten Mann getroffen, den ich viele Jahre nicht mehr gesehen hatte, früher jedoch immer wieder mal. Gerade erst hatte ich meiner Frau von genau diesem Mann erzählt. Er kommt aus Tel-Aviv und ist in der Vergangenheit mehrmals im Jahr nach Wien und nach Berlin geflogen. Inzwischen ist er 92 Jahre alt und will das Reisen einstellen. Er sucht sich aber nicht Puccini, Verdi oder Wagner aus, sondern eher selten gespielte Werke. So hat er bei seinen letzten beiden Besuchen u.a. den Zwerg, Candide, Die Frau ohne Schatten, Die tote Stadt und Die Sache Makropulos gesehen. Das finde ich cool!  Die letzte Produktion ist leider im vergangenen Herbst zum letzten Mal gespielt worden.

15. April 2019
15:48
Avatar
Chenier
Member
Members
Forumsbeiträge: 401
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
145sp_Permalink sp_Print

Chapeau, Gurnemanz, ich bewundere Ihre Ausdauer und die Ausführlichkeit Ihrer Rezensionen ebenso wie die inhaltliche Professionalität. Sie sind wirklich ein Opernfan, von denen es nur wenige gibt, und das meine ich ehrlich und nicht ironisch. Danke jedenfalls, ist eine Bereicherung.

Wir sind zwar öfters unterschiedlicher Meinung, aber das musste auch einmal gesagt werden.

15. April 2019
13:26
Avatar
UwePaul
Member
Members
Forumsbeiträge: 648
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
144sp_Permalink sp_Print

Wer hat sich aufgeregt`???

Das war eher bewundernd, ich würde mir das in 3 Tagen nicht zumuten, vor allem nicht verarbeiten, bei dem Umfang.

15. April 2019
13:17
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 491
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
143sp_Permalink sp_Print

Ja, das sehe ich auch so. Bisher hat er mich nur als Paul in der Toten Stadt überzeugt, aber auch den gestrigen Stolzing habe ich sehr überzeugend gefunden!

15. April 2019
11:26
Avatar
Chenier
Member
Members
Forumsbeiträge: 401
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
142sp_Permalink sp_Print

Ich habe Vogt zuletzt in Wien als Lohengrin erlebt, Gurnemanz, und da hat er mich stimmlich noch an einen Sängerknaben erinnert. Aber das ist einige Jahre her und vielleicht ist die Stimme mittlerweile wirklich nachgedunkelt. Technisch hat er ja alles im Griff.

15. April 2019
8:35
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 491
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
141sp_Permalink sp_Print

1. Nein, tu ich nicht (glücklicherweise habe ich Besseres zu tun), aber Ausnahmen bestätigen die Regel.

2. Wir sind hier in einem (mehr oder weniger) Opernforum, also regen Sie sich nicht auf, wenn jemand über Oper schreibt.

3. Diese Antwort zu schreiben war auf jeden Fall mehr Zeitverschiebung als alles, das ich in den letzten drei Tagen gemacht hatte.

15. April 2019
6:55
Avatar
UwePaul
Member
Members
Forumsbeiträge: 648
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
140sp_Permalink sp_Print

Sie verbringen ja Ihr Leben wohl nur in Bahn oder Bus oder Opernhäusern, Freitag Berlin, Samstag Ostrava, gestern wieder Berlin....

15. April 2019
2:34
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 491
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
139sp_Permalink sp_Print

So., 14. April 2019: BERLIN (Staatsoper Unter den Linden): Richard Wagner, Die Meistersinger von Nürnberg

Dass ausgerechnet ich, der ich als Wagner-Antifan bekannt bin und der ich die meisten Wagner-Aufführungen in Wien auslasse, extra nach Berlin zu einer langen Wagneroper fahre, mag verwundern. Doch dafür gibt es Gründe. Die Meistersinger sind die von mir am höchsten eingeschätzte Wagneroper, ihr kann ich etwas abgewinnen! Wagner hat mit den Meistersingern gezeigt, dass er durchaus in der Lage war, halbwegs gute Opern zu schreiben, wieso hat er es bloß so selten getan? Doch ich will nicht zu überschwenglich sein, denn die Partitur der Meistersinger könnte man erheblich kürzen. Ein weiterer Grund war die Sängerbesetzung, und zwar vornehmlich die Besetzung mancher Nebenrollen, denn wann hat man schon die Gelegenheit, mehrere Operngrößen lang vergangener Tage gleichzeitig zu erleben? Doch dazu später.

Wolfgang Koch war mit der ob ihrer immensen Länge kaum zu bewältigenden Partie des Hans Sachs betraut, und ich ziehe meinen nicht vorhandenen Hut vor jedem Sänger, der diese Rolle achtbar bewältigt (das heißt: weder die ersten beiden Akte nur auf Sparflamme zu singen, um dann auf der Festwiese die Sau rauszulassen, noch in der Schlussansprache stimmlich völlig zu verrecken - Beispiele für beides verkneife ich mir jetzt). Ermüdungserscheinungen waren am Ende zu merken, doch er konnte diese durch gute Technik weitgehend kaschieren. Freilich, so optimal ist seine Technik nicht, denn die hohen Töne werden irgendwie komisch deutlich nach hinten gezogen, aber sie reicht aus. Mein Problem mit Koch ist: Er klingt immer gleich, nämlich bar jedes Ausdrucks, richtig gleichgültig, eine Vermittlung von Gefühlen findet einfach nicht statt. Das liegt nicht an der Länge der Partie, denn dieses Problem gibt es immer, als Telramund, als Barak, als Jochanaan, als Danton. Ich kann mich noch an Anfang Juli 2017 erinnern, als Koch nach seinem teilnahmslos gesungenen Münchner Barak starke Ovationen entgegennehmen konnte und ich mir nur gedacht habe: "Niemand, der jubelt, hat so wie ich vor zwei Wochen den Barak von Franz Grundheber in Leipzig gehört und weiß somit nicht, was gut ist.". Zurück zu Koch: Es war heute eine passable Leistung, nicht mehr, nicht weniger. Seine Stimme ist für die Wiener Staatsoper stets ein wenig zu klein, aber für die kleine Berliner Lindenoper passt sie. Angekündigt für den Stolzing, die zweite der beiden Hauptpersonen, war Burkhard Fritz, der aber kurzfristig durch den stark polarisierenden Klaus Florian Vogt ersetzt wurde, der erst tags zuvor in Salzburg den Stolzing gesungen hatte. Das ist ein Mordsprogramm, aber wer weiß, vielleicht ist Vogt ja der einzige Vertreter jener raren Spezies, der stimmliche Überforderung guttut? Wie auch immer, heute war ich mit ihm ausnahmsweise sehr zufrieden. Seine Stimme ist mittlerweile nachgedunkelt und klingt jetzt nicht mehr so knabenhaft wie weiland, hat sich aber ihre Leichtigkeit bewahrt. Vogt ist fähig, ein hauchzartes und gleichzeitig tragfähiges Piano zu produzieren, was ja eine tolle Leistung ist. Dass er an den entscheidenden Stellen auch aufdrehen kann ohne zu brüllen, habe ich genauso wohlwollend registriert wie die Tatsache, dass ich heute nicht das Gefühl hatte, er sänge gleichzeitig mit zwei verschiedenen Stimmen. Also insgesamt ein sehr sehr positiver Eindruck, der dazu beigetragen hat, meine Beziehung zu seiner Stimme deutlich zu verbessern. Ebenfalls umbesetzt wurde die gar nicht so kleine Rolle des Pogner, für die ursprünglich Kwangchul Youn angekündigt war, für den aber Matti Salminen übernahm, der im Wikipedia und auf der Site seiner Agentur als "retired opera singer" geführt wird, und ehrlich gesagt täte er gut daran, schleunigst in die Pension zurückzukehren anstatt jetzt sein Denkmal zu beschädigen. Hin und wieder schimmerte noch sein Stimmglanz früherer Zeiten durch, aber bedauerlicherweise muss ich festhalten, dass Salminen einfach keine Stimme mehr hat. Es fehlt gewaltig in allen Lagen: unten, oben, Mitte. Lieb ist seine deutsche Aussprache, aber darauf kommt es ja nicht an. Nein, wirklich: Diese Stimmreste kann man als Hans Schwarz zur Schau stellen, aber nicht als Pogner. Die dritte Umbesetzung betraf die problematische Rolle des Beckmesser, den heute Martin Gantner statt Johannes Martin Kränzle, auf den ich mich gefreut hatte, gestaltete. Naja, Gantners Stimme klingt sehr tenoral und präzise, was hier passt, aber seine Darstellung hat mir missfallen, aber ich weiß nicht, inwieweit das ihm oder der Regisseurin anzulasten ist, dazu später. Sehr gut gefallen hat mir der David des Siyabonga Maqungo, der einmal mehr bewiesen hat, dass jemand, der schwarzafrikanische Sänger nur als Porgy-and-Bess-Interpreten sieht, komplett irrt. Maqungo hat eine sehr gute Leistung erbracht, und es ist ja schon nicht ganz so ohne, diese Textmassen als Nicht-Muttersprachler auswendig zu lernen. Dass alles richtig ausgesprochen und artikuliert war, habe ich ebenso wohlwollend vernommen wie seine helle, durchschlagskräftige Tenorstimmme. Eine Wiederbegegnung würde mich freuen, genauso wie auch mit Julia Kleiter, der Eva des heutigen Abends. Sie nennt einen schönen, hellen, aber nicht piepsigen Sopran ihr Eigen und konnte die Figur glaubhaft darstellen. Katharina Kammerloher als Magdalene hingegen ist mir negativ aufgefallen, sie scheint die Zoryana Kushpler Berlins zu sein, wenngleich sie auch nicht ganz so schlimm tönte. Unter den teils hochkarätig besetzten Nebenrollen hat Graham Clark den mit Abstand besten Eindruck hinterlassen, der trotz Baujahr 1941 in der kurzen Rolle des Kunz Vogelsang eine laute, vollkommen erhaltene Tenorstimmme mit erfreulichem Timbre hören ließ - ihn hätte ich gerne in Wien als Luxusbesetzung für diverse Rollen (Dr. Cajus, Monsieur Taupe etc). Jürgen Linn bellte sich durch den Fritz Kothner, und die anderen Sänger sind keiner Erwähnung wert, obwohl sich darunter auch Siegfried Jerusalem (Balthasar Zorn) und Reiner Goldberg (Ulrich Eißlinger) befanden. Franz Mazura (Hans Schwarz) hat nicht einmal mehr Stimmreste, sondern stimmlich nichts mehr, was in Anbetracht seines enorm hohen Alters (geboren 1924) nicht weiter verwundert. Der Chor der Berliner Staatsoper hat mir gut gefallen, und ausgezeichnet gefallen hat mir die Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim, doch bin ich nicht so Meistersinger-eingehört, um das Dirigat im Detail beurteilen zu können.

Aufgrund meines Platzes mit Sichteinschränkung konnte ich nur die halbe Bühne einsehen, was insofern nicht so schlimm war, zumal ich auf der "richtigen" Seite gesessen bin, nämlich auf der linken. Die Besucher der rechten Galerieseite haben mir leidgetan! Das, was ich von der Inszenierung gesehen habe, hat mir mit Einschränkungen gut gefallen - auf jeden Fall war es wohltuend, eine halbwegs zeitgemäße Inszenierung zu sehen anstatt die verstaubte Uraltproduktion Otto Schenks, die in Wien gerüchtehalber zwar schon oft entsorgt wurde, aber dann trotzdem wieder mal auftaucht. In den Meistersingern gibt es im wesentlichen drei Knackpunkte: 1) Wie schafft man es, der Figur des Beckmessers ihrer Würde nicht zu berauben? 2) Wie schafft man es, die fröhlich-ausgelassene Stimmung der Festwiese auf das Publikum zu übertragen anstatt eine bemüht-heitere und letztlich peinliche Stimmung hervorzurufen? 3) Und wie schafft man es, die Schlussansprache möglichst unproblematisch zu gestalten? Andrea Moses (die Regisseurin der total unnötigen Wiener Uraufführung von Die Weiden, oder besser gesagt: Die Stauden) hat sich passabel aus der Affäre gezogen. Besonders gut gefällt mir die Zeichnung der Dreiecksgeschichte Sachs-Eva-Stolzing, und das IST eine Dreiecksgeschichte, denn Sachs hat ganz klare Ambitionen auf Eva, welche er jedoch galant hintanstellt um des Glücks Evas wegen, ganz ähnlich wie im Rosenkavalier. In der Inszenierung von Frau Moses war ganz deutlich zu merken, dass Eva zwischen den beiden Männern hin- und hergerissen ist und sich Sachs und Stolzing durchaus als Konkurrenten wahrnehmen. Das ist super! Nicht super ist, dass ihr zum Beckmesser nichts eingefallen ist, das über die Standardinterpretation hinausgeht. Nennen wir das Kind beim Namen: Beckmesser ist eine antisemitische Karikatur. Nichtsdestoweniger kann man eine kluge Rollengestaltung entwickeln, aber dafür müsste man intelligent genug sein oder bei Christine Mielitz und Adrian Eröd nachfragen. Hier war es ganz 0-8-15 (Beckmesser macht sich zum Narren, wird verspottet und ist beim Finale nicht dabei), angereichert mit ein paar "Details", etwa dass Beckmesser offenbar Alkoholiker ist und sich im dritten Akt erstmal ein Reparaturseidl genehmigen möchte und dabei ganz im Stil des 3. Akts der Fledermaus gewaltig daneben leert - was soll dieses deppade, plumpe Getue? Einfach nur peinlich. Recht gut gelöst ist die Festwiese: Die Lichter im Zuschauerraum werden kurz eingeschaltet; Luftballons werden auf der Bühne und im Zuschauerraum befestigt; auf der Bühne befinden sich Menschen verschiedener Herkunft, die Stimmung ist fröhlich und ausgelassen, das passt. Im Hintergrund ist das Transparent eines städtischen Bauwerkes sichtbar, erst zum Schluss wird die Sicht einer grünen Wiese sichtbar, das gefällt mir. Was mich nervt, ist die unnötige Raucherei. Die Raucher sind generell eine Landplage, wieso müssen wir das auf der Opernbühne auch dann sehen, auch wenn es keine Funktion (wie zum Beispiel die Demonstration männlicher Macht oder weiblicher Attraktivität) hat? Wir wissen, dass Wolfgang Koch privat starker Raucher ist, aber wieso muss er sich als Sachs ganz an Ende vor Fallen des Vorgangs gut sichtbar eine Tschick anzünden? Wieso auch Eva rauchen muss, wird auch nicht so wirklich klar. So ein unnötiger Blödsinn Insgesamt war es jedoch - trotz Wagner - ein lohnender Opernnachmittag und -abend.

14. April 2019
13:29
Avatar
Chenier
Member
Members
Forumsbeiträge: 401
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
138sp_Permalink sp_Print

No, der Gurnemanz treibt sich wieder in seiner Lieblingsgegend herum und lauscht seinem Lieblingsgenre. CoolGeteilte Freude ist doppelte Freude.

14. April 2019
2:14
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 491
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
137sp_Permalink sp_Print

Sa., 13. April 2019: OSTRAVA / MÄHRISCH OSTRAU (Antonín-Dvořák-Theater): Bohuslav Martinů, Julietta

Ich schreibe ja nur über einen geringen Teil meiner Kulturtermine Berichte, nämlich nur über die, zu denen mir etwas halbwegs Sinnvolles einfällt. Da ich Martinůs Julietta gar nicht gekannnt habe, wollte ich mich dazu nicht äußern, aber warum die positiven Sachen verschweigen, wo ich mich doch häufig kritisch äußere? Deshalb halte ich fest, dass mir die heutige Aufführung in Ostrava (Mährisch Ostrau) ganz ausgezeichnet gefallen hat. Martinů hat die Julietta nicht grundlos für sein bestes Werk gehalten, und auch wenn daraus oft nur einige kurze Ausschnitte aufgeführt werden (zum Beispiel demnächst in Brno), hat das ganze (heute angeblich nur leicht gekürzte) Werk auch seinen Reiz. Die Handlung ist zwar ziemlich verworren (ein Mann voller Liebeskummer träumt, erschießt im Traum seine Geliebte und wird am Ende wahnsinnig, weil er seine Traumwelt nicht verlassen will/kann - gewisse Ähnlichkeiten zur Toten Stadt sind nicht zu übersehen), aber verglichen mit dem Schwachsinn, der ihn den meisten Mainstreamopern gebracht wird, ist die Julietta hochgradig verständlich. Man sollte sie unbedingt öfter spielen. Vor allem dann, wenn man in den Genuss einer so ausgezeichneten Aufführung kommt (von einem schwachen Orchesterbeginn abgesehen, aber da war das Problem schon nach zwei Minuten behoben). Insbesondere die Leistung des Hauptrollensängers (Jorge Garza) in der mörderischen Partie des Michel und die Leistung der Titelrollensängerin (Doubravka Součková, die übrigens, wie ich grad herausgefunden habe, erst 1993 geboren ist) haben mich begeistert, aber auch jede einzelne kleine Rolle war ausgezeichnet besetzt. Gerne wieder! Inszenierung und das Übrige auch sehr gut. Auch war es reizvoll, den Einsatz einer Ziehharmonika in einem klassischen Werk aus nächster Nähe miterleben zu können (denn die Ziehharmonika-Spielerin war auf der Galerie plaziert).

Übrigens ist Ostrava die drittgrößte Stadt Tschechiens, ziemlich gemütlich und einen Besuch wert. Ärgerlich ist nur das Fehlen einer guten Nachtverbindung Richtung Wien/Prag, man muss dann bis 2:30 am Bahnhof sitzen. Wer, so wie ich, verwegen genug ist, eine solche Aktion zu starten: unbedingt am Svinov-Bahnhof warten, nicht am Hauptbahnhof.

Einen ähnlich positiven Eindruck hatte ich übrigens am 4. April bei Martinůs The Epic of Gilgamesh (szenisch im Janáček-Theater in Brno/Brünn). Ein sehr hörenswertes Oratorium in sehr guter musikalischer und szenischer Realisierung. Es mag unbegreiflich erscheinen, aber was man in Tschechien und der Slovakei geboten bekommt, übersteigt nicht selten die Qualität des in Wien zu Hörenden. Die Wiener sollten endlich aufhören, ihre Musikwelt für den Nabel der Welt zu halten.

13. April 2019
10:59
Avatar
UwePaul
Member
Members
Forumsbeiträge: 648
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
136sp_Permalink sp_Print

Wenn Sie das lesen, was Dr. Waltenberger geschrieben hat, müsste es reichen. Gibt auch etliche Kritiken, die das für mich plausibel erklären, und vor allem dieses Interview mit Kratzer

https://www.deutscheoperberlin.de/de_DE/tod-durch-erkenntnis

13. April 2019
10:45
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 491
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
135sp_Permalink sp_Print

Dann einigen wir uns trotz den bestehenden Auffassungsunterschieden darauf, dass wir beide froh sind, diese tolle Rarität gestern erlebt zu haben! Zemlinsky sollte man öfter spielen.

Wenn Sie die Sache mit der Zwerg-Verdoppelung besser verstanden haben, bitte um Info, ich bin da nach wie vor eher ratlos...

13. April 2019
9:18
Avatar
UwePaul
Member
Members
Forumsbeiträge: 648
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
134sp_Permalink sp_Print

Natürlich können Sie Ihre Meinung haben, warum sollte ich Ihnen die verbieten.

Nur so oft, wie Sie Briscein, gemessen an seiner Bedeutung, erwähnen, komme ich zu dem Schluß. Ich habe ihn zwei mal erlebt, fand ihn sehr gut, aber überhaupt kein Vergleich mit der Ausstrahlung und der großartigen Stimme von Butt.

13. April 2019
8:52
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 491
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
133sp_Permalink sp_Print

Briscein ist nicht mein Lieblingstenor (wiewohl er von mir sehr geschätzt wird), ich weiß nicht, wo Sie das gelesen haben. Aber als Zwerg war er deutlich besser als der gestrige.

Wenn Sie sich nicht damit abfinden wollen, dass ich offenbar manches an der Inszenierung nicht verstanden habe, würde ich mich über eine Erklärung zu den missverstandenen Stellen freuen, ich lerne immer gerne dazu.

Zu "tolle Sänger gibt es nur in Ihrem Nachbarland": Vielleicht haben Sie ja auch gelesen, was ich zwei Postings weiter unten über die Elektra in Berlin geschrieben habe.

1500 von 1800 sind in der Tat "nicht besonders stark gefüllt". Ich selbst hätte mir ja ein stärker gefülltes Haus gewünscht!

Es ist überhaupt kein Problem, dass Sie anderer Meinung sind, im Gegenteil freut es mich ja sogar, dass Ihnen die Vorstellungsserie gefallen hat und Sie damit Zemlinsky für sich entdeckt haben. Ich lasse Ihnen Ihre Meinung, also lassen Sie mir bitte auch meine.

13. April 2019
8:20
Avatar
UwePaul
Member
Members
Forumsbeiträge: 648
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline
132sp_Permalink sp_Print

Der Kritik von Herrn Dr. Waltenberger hier ist nichts hinzuzufügen. Genauso habe ich es 3 x auch erlebt1

No permission to create posts
Zeitzone des Forums: Europe/Berlin

Am meisten Mitglieder online: 10

Zurzeit Online: Lohengrin2
3 Gast/Gäste

Momentan betrachten diese Seite:
1 Gast/Gäste

Top Autoren:

UwePaul: 648

Gurnemanz: 491

Chenier: 401

Lohengrin2: 364

alcindo: 245

HansLick2: 224

Michta: 136

susana: 95

Christine: 88

toni: 64

Mitgliederstatistiken

Gastbeiträge: 73

Mitglieder: 162

Moderatoren: 0

Administratoren: 3

Forumsstatistiken

Gruppen: 1

Foren: 1

Themen: 255

Beiträge: 3983

Neuste Mitglieder:

GasminJ, woodiskingser, Carmen123, Yrik22, prom-electric.ru - AZ-, AlbertP, sermanylticu, emalutunfun, Kerrythido, racligacompding

Administratoren: HaaSon: 2, ac: 50, Moderator 16: 20

 

Diese Seite drucken