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Oper in Nachbarländern Österreichs
21. Februar 2020
3:55
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Do., 20. Feber 2020: BRATISLAVA/PRESZBURG (Neues Opernhaus): Antonín Dvořák, Rusalka

Bratislava – das war bis zum Jahr 2018 opernmäßig ein Geheimtipp und fast immer einer Fahrt wert. Von Wien mit dem Zug oder Bus super zu erreichen, sehr billige Opernkarten, spannendes Programm, interessante Produktionen, gute Sänger, gute Nachtverbindung nach Wien, einfach perfekt. Gerne erinnere ich mich an Janáčeks Sache Makropulos, Wolf-Ferraris Schmuck der Madonna, Ravels Spanische Stunde, Puccinis Trittico, Halévys Jüdin, Puccinis Bohème, Szymanowskis König Roger, Suchoňs Krútňava, Cavalleria/Bajazzo etc etc. 2018 gab es allerdings finanzielle Zores und Posten-Umbesetzungen, seitdem ist das Programm dort mit einem Wort ÖDE, ÖDE, ÖDE. Wer eine spannende Spielplangestaltung außerhalb Wiens schätzt, muss derzeit auf Brünn/Brno ausweichen, denn in Bratislava ist das Programm eine halbe Katastrophe. Wurden früher hervorragende Regisseure wie Konwitschny (schon lange kein Provokateur mehr) beschäftigt, fühle ich mich jetzt dort in die szenische Einfallslosigkeit zurückversetzt: Der Tiefpunkt war der Don Carlo, aber die Neuproduktion der Rusalka, deren erste Premiere ich heute miterlebt habe (die zweite Premiere in anderer Besetzung folgt übermorgen), ist keine Trendumkehr.

Doch das Wichtige sind natürlich die Sänger, und da war ich überwiegend sehr zufrieden: Eva Hornyáková war in der Titelrolle aufgeboten und hinterließ einen guten Eindruck. Es ist ihr überhaupt nichts vorzuwerfen, aber einen „sehr guten“ Eindruck hätte sie dann hinterlassen, wenn ihr Timbre klangvoller, schmalziger wäre: So hat sie alles richtig gemacht und konnte durch innige Gestaltung auch berühren, aber ihr Timbre ist einfach nicht optimal für die Rusalka... nicht ihre Schuld. Positiv überrascht war ich von Peter Berger, um den ich generell einen großen Bogen mache, der sich aber heute deutlich verbessert zeigte: Die Stimme ist eigentlich prachtvoll, ein „kerniger“ Tenor, der attackieren kann, aber mit einigen Unarten (Herausdrücken der hohen Töne aus dem Brustkorb), die sich heute allerdings deutlich weniger ausgeprägt zeigten als bisher. Freilich: Einen Ton in der Schlussszene im Falsett zu singen ist ziemlich peinlich. Hervorragend besetzt war der Wassermann mit Peter Mikuláš, der übrigens bei den Schlussvorhängen eine stärkere Zustimmung als die übrigen Sänger für sich verbuchen durfte: Für den Wassermann passt er optimal: Was für ein toller Sänger! Heute zeigte die herrliche Stimme des seit den 1970er-Jahren an der Oper Bratislava beschäftigten Sängers fast keinerlei Abnützungserscheinungen, und ihr Besitzer bot mit hervorragendem Material und ausgezeichneter Gesangskultur (Pianofähigkeit und super Technik) eine sehr erfreuliche Leistung. So gut wie heute habe ich ihn nur selten gehört, er sollte unbedingt an der Wiener Staatsoper singen. Sein Wassermann ist eindeutig gutmütig, es tut ihm wirklich leid um Rusalka, seine Verfluchungen und Warnungen kommen mehr bemitleidend als zornentbrannt. Eine Luxusbesetzung war Jolana Fogašová, die zeigte, dass man die Fremde Fürstin gleichzeitig schön und bedrohlich singen kann (endlich einmal eine richtige Sängerin in dieser Rolle und keine halb-ausrangierte dramatische [Mezzo-]Sopranistin!). Denisa Hamarová war eine rollendeckende Ježibaba mit eher trockener Stimme (gerne würde ich übermorgen die Alternativbesetzung Jitka Sapara-Fischerová hören, aber nur wegen einer Ježibaba fahr ich nicht nach Bratislava; na gut, Adriana Kohútková als Fremde Fürstin kann man sich auch guten Gewissens anhören). Katarína Flórová als Küchenjunge und Daniel Čapkovič als Heger waren sehr gute Besetzungen, wobei letzterer als auch als Jäger besetzt war und in dieser sehr kurzen Rolle die Stilistik komplett verfehlte, da er sie eher im Stil eines Verdibaritons anlegte. Sehr gut gefallen haben mir die drei Elfen: Lenka Máčiková, Adriana Banásová und Alena Kropáčková. Das Orchester leistete sich nur wenige Patzer (jedenfalls viel weniger als Ende Jänner das Wiener-Staatsopernorchester in der Rusalka) und gefiel mir ziemlich gut (von zwei Hornpatzern abgesehen, aber dass sich zeitweise die Querflöten zu sehr in den Mittelpunkt drängten, könnte auch auf dem Mist des Dirigenten gewachsen sein). Der noch recht junge Dirigent Ondrej Olos ist noch kein Meister seines Faches, dazu sind seine Tempovorstellungen zu ungleichmäßig: zeitweise (insbesondere am Ende des zweiten Aktes) deutlich zu langsam, dann wieder Vollgas bei den Humptata-Stellen... das geht nicht.

Tja, und zur Inszenierung von Martin Kákoš (Bühnenbild von Milan Ferenčík, Kostüme von Ľudmila Várossová): Soo übel ist sie nicht. Es handelt sich um eine vollkommen „klassische“ Produktion im Disney-Otto-Schenk-Stil, das kann man mögen, muss man aber nicht. Eine psychologische Ausdeutung ist nicht einmal ansatzweise vorhanden, dafür ist das Bühnenbild recht gelungen, von den Holzstäben (wir sagen dazu „Stempfel“, ich kenne den schriftdeutschen Begriff nicht) am Steg des ersten und dritten Aktes abgesehen, an denen der Wassermann öfter als einmal hängen blieb. Der zweite Akt ist eher im 50er-Jahre-Opernregiestil, und das Ende des dritten Aktes ist so kitschig, als es nicht kitschiger sein könnte, aber na ja, man weiß, was man bekommt. Eher ärgerlich sind die Kostüme: Der Wassermann mit wallendem Umhang, Perücke und aufgeklebtem Rauschebart wie eine Mischung aus Dumbledore und Merlin, der Prinz im zweiten Akt wie eine Mischung aus Priester und Matrose, ein extravagantes Kostüm der Ježibaba und sehr ulkige Gewänder der drei Elfen, aber man gewöhnt sich daran. Die Personenführung ist weder einfallsreich, noch störend, zeitweise ist die Bühne zu voll mit Tänzern. Insgesamt trifft die Produktion nicht meinen persönlichen Geschmack, sie ist mir aber lieber als eine missglückte „moderne“.

Ende um genau 22:22, der 22:38-Zug nach Wien geht sich also nicht aus (aber es gibt noch einen um 23:15, mit dem man am Hauptbahnhof die letzte U1 ohne Rennen kriegt). Tschechische Sprache, deutsche Übertitel. Stark besuchtes Haus.

1. Februar 2020
10:55
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Lohengrin2
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Eine gute Freundin und eine weitere Dame, die auch für den Merker schreibt, haben dieselbe Formulierung für YE als Kalaf verwendet: "Zumutung".

1. Februar 2020
10:52
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UwePaul
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28. Februar 2018
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Ich wundere mich jetzt doch über die vernichtenden Bemerkungen zu Eyvazov in München. Ich habe ihn zuletzt Anfang Sept. in der Adriana gehört, und war eigentlich sehr positiv überascht, entweder hatte er da einen guten Tag, oder ich habe mich geirrt, oder jetzt in München vielleicht doch seine Normalform??

Morgen gehe ich in die Hugenotten, kennt jemand Liv Redpath und einen Anton Rositskiy?

1. Februar 2020
10:28
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Lohengrin2
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Y.Eyvazov wurde als Callas in München kritisiert

Die Produktion "Die 7 Tode der Callas" kommt ohne YE aus!!!

1. Februar 2020
10:07
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lavoce
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@Gurnemanz:

"Zu den Sängern möchte ich mich nur knapp äußern in Anbetracht dessen, dass ich es zwar nicht sicher weiß, aber um viel Geld wetten würde, dass elektronisch verstärkt wurde - und was soll dieser Schwachsinn?!? Das ist die Bankrotterklärung der Oper, und das meine ich genau so, es ist keine Übertreibung."

    Nur eine Frage: Herr Y.Eyvazov wurde als Callas in München kritisiert, dass die Stimme zu klein sei für die Oper, er singt dennoch an allen großen Häusern der Welt.La Scala, Pariser Oper, Wiener Staatsoper,Covent Garden, Metropolitan etc. Glauben Sie für die Metropolitan reicht  seine Stimme aus? 

Wenn Sie sich  die Aufnahmen der Stars von heute  im Youtube  sorgfältig anhören (oder auf der Seiten der Opernhäuser: Trailers) , werden Sie erstaunt, wie viele Häuser  die Verstärkung benutzen. 

Tipp: dort, wo die Atemzüge und Konsonanten der Sänger lauter sind als Vokale (-sssss, -kkkkk,-ttttt) ist mit großer Wahrscheinlichkeit die Elektronik am Werk. Die Oper ist  leider immer weniger eine lebendige, akustische Kunst. 

Die Prager Oper ist keine Ausnahme.  Bankrotterklärung, da bin ich bei Ihnen.

Gruß, lavoce

1. Februar 2020
2:12
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Gurnemanz
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Fr., 31. Jänner 2020: PRAHA/PRAG (Nationaltheater): Richard Wagner, Lohengrin

Jedem, der eine Zeitreise in der Operngeschichte unternehmen möchte, sei ans Herz gelegt, am So., 2. Feber nach Prag zu fahren, denn dann wird dort zum letztenmal das Remake der Lohengrin-Produktion aus dem Jahre 1967 von Wolfgang Wagner gespielt, und auch für mich als bekennenden Freund des sogenannten Regietheaters war die Aufführung ein lohnendes Erlebnis. Die Stärke dieser Produktion ist das Bühnenbild: historisch, aber nie überladen, und durch Lichteffekte können Stimmungen gut vermittelt werden (beispielsweise wunderbar zu sehen, wie sich im Laufe des zweiten Aktes das Rotlicht der Nachtszene zum Tageslicht verwandelte bzw. wie im ersten und dritten Akt ein schemenhafter Schwan im Hintergrund erschien), allerdings gibt es zwei deutliche Kritikpunkte: Erstens ist die Personenzeichnung viel zu eindimensional (Telramund und Ortrud werden nicht näher hinterfragt; keine Spur davon, dass beide im Grunde genommen unglückliche Menschen sind), und zweitens wird fast dauernd bloß herumgestanden (wenn auch nicht ganz so furchtbar wie im sterbenslangweiligen Tristan von Heiner Müller): Sänger A tritt vor, singt, tritt wieder zurück, dann tritt Sänger B vor, singt, tritt wieder zurück - und das nervt. Vorschlag: einen tollen Regisseur engagieren, um gute Personenführung in dieses Bühnenbild zu bringen.

Zu den Sängern möchte ich mich nur knapp äußern in Anbetracht dessen, dass ich es zwar nicht sicher weiß, aber um viel Geld wetten würde, dass elektronisch verstärkt wurde - und was soll dieser Schwachsinn?!? Das ist die Bankrotterklärung der Oper, und das meine ich genau so, es ist keine Übertreibung.

Aleš Briscein ist ein toller Sänger, überschreitet mit dem Lohengrin aber seine Grenzen. Auch wenn er an den erforderlichen Stellen ("aus Glanz und Wonne kam ich her") stimmlich gut attackieren kann, kommt er insgesamt mit der Partie zu 80 Prozent nicht zurande. Fast hätte ich ihn für das mustergültige langsame Abschwellen der Lautstärke bei der "Taube" in der Gralserzählung gelobt, aber ich weiß nicht, ob die elektronische Technik da nicht mitgeholfen hat... (weil es gleich danach massiv übersteuert war und ganz allgemein in der Vorstellung die bewussten Konsonanten deutlich hervorstechend zu hören waren - eine SCHANDE für die Prager Oper). Die Elsa der Dana Burešová hörte sich an wie eine Parodie: möglichst laut, möglichst scharf, möglichst wortundeutlich. Erfreulicher hingegen das andere Paar: Martin Bárta ist ein Heldenbariton par excellence, wenngleich er heute einmal in der Höhe an seine Grenzen stieß; nichtsdestoweniger lieferte er die beste Leistung des Abends. Die zweitbeste Leistung kam von Eva Urbanová, deren Ortrud man die bereits lange Karriere anmerkte, deren - unter anderem - Entweihte Götter aber sehr imposant waren, und darauf kommt es ja bei der Ortrud an. Jiří Sulženko klang als König Heinrich so ähnlich wie Karl Ridderbusch in seiner schlechten Zeit. Jiří Brückler war ein wohltönender Heerrufer, leider ist diese Rolle ziemlich kurz. 

Die großen Gewinner des heutigen Abends saßen aber im Graben: Die Wiener Philharmoniker haben letztens inferiore Leistungen gebracht, hingegen war das Orchester des Prager Nationaltheaters unter Robert Jindra ausgezeichnet. Ebenfalls sehr loben muss ich den Chor (Chor des Prager Nationaltheaters und Chor der Prager Staatsoper) UND das Publikum, das auch aus zahlreichen interessiert wirkenden und sich diszipliniert verhaltenden jungen Leuten bestand (damit meine ich nicht mich und eine gleichaltrige Freundin, die mit war, sondern zahlreiche andere Besucher). Welch ein Kontrast zu Wien!

31. Dezember 2019
23:57
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alcindo
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die Flms in Berlin kenne ich natürlich nicht, teile aber Ihre meinung zu den TVauftritten des tenors, die an peinlichkeit kaum zu überbieten sind. wie man diesem seltsamen clown die Mozartwoche in Salzburg anvertrauen konnte, wird mir immer ein rätsel bleiben.

mit gruss alcindo

31. Dezember 2019
20:36
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UwePaul
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Hr. Koling,

kann ich verstehen, ich war damals in der 3. Aufführung, habe es bis zur Pause ausgehalten. So einen Mist habe ich wirklich selten gesehen. Wenn ich diesen ehemaligen Tenor im TV sehe, ist für mich, das Programm beendet. Wieso der sich noch überall tummelt, ist mir ein Rätsel.

Mein Fall war er früher schon nicht, als er noch als Sänger unterwegs war

31. Dezember 2019
18:34
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michael koling
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"Fledermaus" in der Deutschen Oper Berlin am 31.Dezember am Nachmittag.

Ich habe selten einen derartigen Mist auf einer Bühne erlebt, wie diese Inszenierung (?) von Rolando Villazon. Dass ein Großteil der bekannten Textstellen fehlt - gekauft. Dass es nicht wienerisch ist - gekauft. Aber drei Akte in drei verschiedenen Stilen (1.Akt halbwegs traditionell, 2.Akt in einem verruchten Partykeller mit Anklang an eine so nie gewesene DDR, 3.Akt als Raumschiff Enterprise) geht definitiv am Stück vorbei. Leider auch musikalisch sehr hinterfragbar.

Eigentlich sollte morgen ein Bericht über diese Vorstellung zu lesen sein; jetzt überlege ich noch. 

13. Dezember 2019
17:09
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Gurnemanz
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Lieber Dalmont! Danke für Ihre sehr ausführliche und interessante Entgegnung, dank der ich Ihre Meinung nachvollziehen kann.

Nichtsdestoweniger bin ich in wenigen Punkten anderer Meinung (ich bin bei keiner Burschenschaft, aber als Pest- und Cholera des deutschsprachigen Geisteslebens sehe ich die Burschenschaften nicht an; da gibt es ganz andere Entwicklungen, die mir im Universitätsumfeld weit mehr Sorge bereiten), aber wir sind uns ja insofern einig, als wir den augenzwinkernden Interpretationsansatz dieser Oper generell begrüßen - für mich war es richtig, für Sie ist der Regisseur zu sanft vorgegangen (kann ich auch verstehen).

In der von mir besuchten Vorstellung am 26. Okt. 2019 machte ein Buhrufer seinem (wohl auf die Inszenierung bezogenen) Ärger nach dem 1. und 2. Akt lautstark Luft, also scheint die Inszenierung zu polarisieren (was ja generell nichts Schlechtes ist).

8. Dezember 2019
15:29
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dalmont
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Gut, Gurnemanz, ich will versuchen, die Aufführung, die ich schon abgelegt habe, wieder hervorzuholen.

Vorausschicken muss ich, dass meine Vorstellung von „Libussa“ so etwas wie ein Staatsakt war, da auf das bombastische Finale bruchlos die tschechische Nationalhymne folgte. Wohl ein politisch-ideologisches Statement.

Die Oper endet, da sage ich Ihnen ja nix Neues, mit musikalischen Verweisen auf den Hussiten-Choral aus einer Zeit, als diese religiösen Fundmentalisten Mitteleuropa mit ihren Religionskriegen überzogen (es waren ja nicht d i e Tschechen, die damals zu Gotteskriegern wurden). Die „Wiedergeburt“ im 19. Jhdt. verlief dann auch über bewusste historische Fälschungen, über die Produktion mittelalterlicher Handschriften als Grundlage eines zwar romantisierend-falschen, aber wirkmächtigen tschechischen Nationsbegriffes in den Ländern der Wenzelskrone. (Noch Absurderes haben sich in unseren Breiten die Burschenschafter, diese Pest und Cholera des deutschsprachigen Geisteslebens, an den Universitäten der deutschen und österreichischen Kaiserreiche zurecht gezimmert, ein Gedankengut, das in den Heimat-und Volkskunden unserer Bundesländer noch immer präsent und nicht auszurotten ist).

Es stimmt schon, dass der Regisseur Jiří Heřman „Libussa“ mit Augenzwinkern an die Oper herangegangen ist und den Nationalismus der Oper durch die Wasserköpfe der tschechischen Präsidenten nach 1918 (wobei ich neben der Lichtgestalt des Masaryk - der einzige, der keinen Schwellkopf trug, glaube ich - nur mehr Benesch, Havel und „Freund“ Zeman zuordnen konnte) und die Atrappe des Nationaltheaters ironisierte.

In Zeiten in denen mit diesem Nationalismus des späten 19. Jahrhunderts auf gefährliche Weise gezündelt wird, schien mir das Augenzwinkern des Regisseurs als Interpretationsansatz zu sanft. (Weiß allerdings nicht, wie die tschechische Öffentlichkeit die Oper aufgenommen hat, weil ich vergessen habe, mir Rezensionen zu besorgen).

Wollte mir diese Oper nochmals anschauen, aber in Prag dürfte die Inszenierung mit dem ganzen Rauschebart-Plunder gemacht worden sein, dazu konnte ich mich nicht aufraffen.

Dass Europa diese große Vielfalt an Sprachen und Kulturen hat, finde ich wunderbar, und diese Vielfalt soll gestärkt und erhalten bleiben (auch in ihren staatlichen Organisationsformen). Was verschwinden soll ist dieser nationalistische Schwulst aus dem 19. Jahrhundert, der so elende Folgen hatte.

Finden Sie wirklich, dass Sprachen in „gute“ und „schlechte“ eingeteilt werden? Ich hab’s noch nicht bemerkt, will aber meine Aufmerksamkeit darauf richten.

Und zu guter Letzt: Danke für den Bosmans-Hinweis. Ich kenn nicht mal den Namen. Will mir das Stück sicher anhören, nicht mehr heute, denn jetzt heißts: Kopf frei machen für den „Orlando“.

PS: Las gerade in der „Zeit“ in einem Nachruf folgenden Satz von Mariss Jansons: „Wenn wir den Menschen keine Kunst mehr bieten und keine Religion, werden sie sich weiter zu Affen entwickeln. Essen, Autos, Häuser, schönes Leben. Schluss. Das wir im 21. Jahrhundert geistig so niedrig stehen, macht mir Angst“. Dieser Satz sei den Repräsentanten jener Grupperungen, die Gier, Ignoranz und Arroganz zum Programm erheben und leider unser Schicksal bestimmen, in deren Stammbuch geschrieben (so sie noch sinnverstehend lesen können).

8. Dezember 2019
5:09
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Aus dem Thread "Eugen Onegin":

Gurnemanz sagt (am 1. Dezember)
Ebenfalls gut gefallen hat mir mein voriger Opernbesuch, nämlich Smetanas Libuše am 26. Oktober im Janáček-Theater in Brünn. Smetana hat mehr und Besseres geschrieben als die Verkaufte Braut!  

dalmont sagt
Und zum Schluss: Wurde Smetanas „Libussa“ eigentlich noch immer im Messegelände aufgeführt, wo ich sie im Vorjahr gesehen habe, was akustisch sehr ungünstig war? (In „Anwesenheit“ übrigens des weiter unten von Beiträger/innen sehr unfreundlich behandelten und sehr grämlich drein geblickt habenden W. Gürtelschmieds) . Ich hatte jedoch sowohl mit dem Werk (wie bei allen diesen Stücken in denen der abstrakte Begriff Nation über den Menschen gestellt wird) als auch mit der Aufführung meine Probleme.  

Nein, die Libussa wurde im Janáček-Theater aufgeführt. Ich kann mir gut vorstellen, dass es im Messegelände akustisch sehr ungünstig war: Dort war ich erst einmal bei Janáčeks Totenhaus, und da hat sie Atmosphäre des Messegeländes allerdings gut zum Stück gepasst.

Interessieren würde mich, wieso Sie mit der Aufführung Probleme hatten. Vielleicht möchten Sie etwas dazu schrieben? Ich fand nämlich gerade den Zugang des Regisseurs Jiří Heřman sehr erfrischend (ich hatte den Eindruck, dass er mit Augenzwinkern an die Sache herangeht, aber das Stück trotzdem ernstnimmt). Dass Sie mit dem Stück und der Lobpreisung der Nation Probleme haben, kann ich zwar irgendwie nachvollziehen, bin aber nicht Ihrer Meinung: Man muss das doch aus der konkreten Zeit heraus beurteilen (Tschechische Wiedergeburt!). Abgesehen davon bestehen Nationen und verschiedene gesellschaftliche Gruppen natürlich weiterhin, auch der Eiserne Vorhang ist in den Köpfen der Leute nach wie vor präsent, wie auch die Unterscheidung "gute Fremdsprache" (Englisch, Französisch, Spanisch, ...) versus "schlechte Fremdsprache" (Türkisch, Serbisch, Polnisch, ..., letzlich auch Tschechisch).

 

P.S.: Ein Tipp zu toller Musik, die Sie womöglich nicht kennen: Ich höre gerade die Cellosonate von Henriëtte Bosmans (1895-1952). Ich denke, sie könnte Ihnen (und Mitlesern) gut gefallen. Ich frage mich, warum man dieses großartige Stück quasi nie hört (ich hatte 2016 das Vergnügen und frische den damaligen Eindruck gerade wieder auf).

29. Oktober 2019
12:30
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Lohengrin2
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B steht in diesem Fall für Berlin, Frau Schulmeisterin, ergibt sich, wenn man die Fähigkeit zum Mitdenken hat, landläufig Intelligenz genannt, aus dem Text.

Nun schlagen Sie doch nicht so um sichm wenn Sie einen Fehler gemacht haben....... Mangelnde Genaungkeit verbunden mit Patzigkeit ist kein Merkmal von Intelligenz.

BSO ist international die Abkürzung für die Bayerische Staatsoper.

29. Oktober 2019
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Chenier
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Alles klar, Herr Storch, da habe ich Sie missverstanden.

Tezier singt übrigens demnächst in Wien den Don Giovanni, bin schon sehr neugierig.

29. Oktober 2019
11:50
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Chenier
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B steht in diesem Fall für Berlin, Frau Schulmeisterin, ergibt sich, wenn man die Fähigkeit zum Mitdenken hat, landläufig Intelligenz genannt, aus dem Text.

Aber ich glaube, in Zukunft werde ich Ihre Texte nicht mehr lesen und darauf nicht mehr reagieren, wird mir zu tief.

29. Oktober 2019
11:50
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Kapellmeister Storch
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Chenier sagt
Maltman hat mir persönlich in dieser Rolle gut gefallen, vielleicht war er diesmal etwas indisponiert. Garifullina, die ja in Wien "groß" geworden ist, wird etwas überschätzt und hat nicht ganz die Qualität, die man ihr zuspricht, und Demuro, den ich schon öfters gehört habe, hat durchaus Potential. Der Rest sagt mir nicht viel, vermutlich Ensemblesänger der BSO.  

Maltman war nicht indisponiert. Dass er dosiert gesungen hat, war positiv gemeint, da er in der Premierenserie extrem laut und poltrig war. Mein Geschmack sind Sänger wie Tézier, aber diesmal konnte ich gut mit Maltman leben.

29. Oktober 2019
11:46
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Lohengrin2
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...vermutlich Ensemblesänger der BSO.

??????

BSO ist üblicherweise Bayerische Staatsoper.......

29. Oktober 2019
11:34
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Chenier
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Maltman hat mir persönlich in dieser Rolle gut gefallen, vielleicht war er diesmal etwas indisponiert. Garifullina, die ja in Wien "groß" geworden ist, wird etwas überschätzt und hat nicht ganz die Qualität, die man ihr zuspricht, und Demuro, den ich schon öfters gehört habe, hat durchaus Potential. Der Rest sagt mir nicht viel, vermutlich Ensemblesänger der BSO.

28. Oktober 2019
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Kapellmeister Storch
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Rigoletto, Staatsoper Berlin, 24.10.2019

​Die Vorfreude auf die Vorstellung war bei mir nach der schwachen Aufführung im Juni nicht besonders groß, aber ich war dennoch auf die fast durchgängig andere Besetzung gespannt. Umso angenehmer wurde ich letztendlich mit einem durchaus ordentlichen Opernabend überrascht. Wie schon in der Premieren-Serie hat Christopher Maltman die Titelpartie gesungen. Diesmal erschien mir sein Gesang deutlich dosierter, so dass als einziges Manko die fehlende italienische Eleganz in der Stimme übrig geblieben ist. Ansonsten hat mir Maltman durchaus gefallen. Besonders gespannt war ich im Vorfeld auf Aida Garifullina als Gilda. Sie wurde besonders umjubelt und hat mir auch vom Gesamtpaket her gut gefallen, allerdings fand ich ihre Stimme in der Höhe recht hart. Die Überraschung des Abends war für mich Francesco Demuro als Herzog, der mich bei seinen bisherigen Auftritten nicht vom Hocker gerissen hat. Zwar klang seine Stimme in der Höhe nicht so frei und klar wie in der Mittellage, aber er kam trotz relativ schlanker Stimme gut über die Rampe und konnte mit einer Bombenhöhe auftrumpfen. Weniger überzeugend fand ich den hoch talentierten Bass Grigory Shkarupa als Sparafucile, der mir zu sehr auf die Tube gedrückt hat und irgendwie mehr wollte als er konnte. Absolut nichtssagend war für mich Mariana Pentcheva als Maddalena. Als Monterone war, wie schon in der Premiere, Giorgi Mtchedlishvili im Einsatz und war erschreckend schwach. Eine weitere Verbesserung gegenüber der Juni-Serie war das Dirigat von Diego Matheuz, der mit flotten Tempi und viel Esprit seinen Anteil an einem erfreulichen Opernabend hatte.

22. Oktober 2019
19:52
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Christine
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Solide entspricht dem was Sie über den Sänger sonst geschrieben haben, ist aber wohl kein Synonym für souverän. Der Dirigent hatte fast alles im Griff, einige verpatzte Einsätze konnte er nicht verhindern. Danke, für die raschen Erklärungen. Da ich mich derzeit mit der Verwendung der deutschen Sprache in Österreich intensiver befasse, fällt mir einiges auf.

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