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Oper in Bundesländern Österreichs
27. Januar 2019
19:46
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Gurnemanz
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29. September 2018
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So., 27. Jänner 2019: LINZ (Brucknerhaus): Genesis-Suite + V. Weigl

Normalerweise schreib ich in diesem Forum nichts über meine Konzertbesuche, aber heute mach ich eine Ausnahme.

-) verschiedene Komponisten: Genesis-Suite (österreichische Erstaufführung)
-) Karl Weigl (1881 Wien – 1949 New York): 5. Symphonie "Apocalyptic" (europäische Erstaufführung)

Gespielt hat das Bruckner-Orchester-Linz unter Thomas Sanderling, davon war ich ziemlich angetan, aber weil ich die Stücke gar nicht kenne, hab ich keinen Vergleich.

Die Genesis-Suite ist ein interessantes Ding: sieben Stücke von Komponisten des 20. Jahrhunderts aneinandergereiht, davon sechs gleichzeitig mit einem Sprecher, der (mikrophonverstärkt) Texte aus dem Buch Genesis liest (Schöpfung, Adam+Eva, Kain+Abel, Sintflut, Regenbogen, Turmbau zu Babel). Das ist eine gute Idee, weil diese Musik nicht gut genug ist, um normal aufgeführt zu werden, denke ich. Text und Musik sind auch nicht beiläufig gekoppelt, sondern passen zueinander. Es ist sicherlich schwierig, das einzustudieren. Auch die Chorpassagen klingen gar nicht leicht.
Die Texte wurden auf zwei Sprecher aufgeteilt: Nicole Heesters ist eine Schauspielerin und hat die Texte auch wie eine Schauspielerin gesprochen, alles in Ordnung, aber nicht mehr. Ausgezahlt hat sich die Fahrt deshalb, weil Franz Grundheber seine Texte ganz exzellent gesprochen hat. Es war extrem ausdrucksstark (zB ein rügendes "Wo ist dein Bruder Abel?" – dann ein zittriges "Ich weiß es nicht. Bin ich der Hüter meines Bruders?" – und darauf ein gewaltig dröhnendes "Was hast du getan? Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden!" – da sieht man, wie ein guter Opernsänger allein mit dem Klang seiner Stimme Emotionen vermittelt, egal welche Worte er sagt). Das war wirklich ausgezeichnet! Wortdeutlich, ausdrucksstark, aber nie affektiert oder effektheischend. Heesters und Grundheber sind übrigens im selben Jahr geboren (1937).

Der zweite Teil hat mich dagegen gelangweilt. Die 5. Weigl klingt ja ganz nett, aber hat mich überhaupt nicht berührt und ist mir auch überhaupt nicht im Gedächtnis geblieben (ein paar Minuten später habe ich mich an nichts mehr erinnert). Allerdings muss ich gerechterweise sagen, dass ich am Ende auf Nadeln gesessen bin, weil ich einen Zug erreichen wollte, da hab ich nicht mehr so gut zugehört.

Das Konzert wurde anlässlich des Tags des Gedenkens an die Holocaust-Opfer aufgeführt (Titel: "Paradise Lost").

Insgesamt: Ein interessantes Konzert, das sich wegen der Grundheber-Sprechtexte und zur Raritätensammlung gelohnt hat. Aber auch mir, der ich die Musik des 20. Jahrhunderts liebe, gefällt nicht alles aus dem 20. Jahrhundert.

20. Januar 2019
1:08
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 616
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Sa., 19. Jänner 2019: LINZ (Musiktheater): Richard Strauss, Elektra

Das Musiktheater Linz verfolgt eine Spielplangestaltung, die mir sehr gut gefällt: Raritäten gemischt mit dem üblichen Repertoire, Ensemble mit Gästen, gutes Orchester, annehmbare Inszenierungen, viel aus dem 20. Jahrhundert, moderate Preise, gute Akustik (nicht auf allen Plätzen, aber auf den Stehplätzen schon) und nicht zuletzt Strauss-Schwerpunkt: Nach Rosenkavalier, Salome und Frau ohne Schatten wurde heuer die Elektra gebracht (und es sollte mich gar nicht wundert, wenn man kommendes Jahr die Ariadne macht). Im Vorfeld hatte es natürlich Skeptiker gegeben, die bezweifelten, dass Linz in der Lage sei, eine gute Elektra zu stemmen – und diesen soll man zurufen: Blödsinn! Leute, fahrt hin, es lohnt sich!!

Auch meine aufgrund der mittelmäßigen FroSch in der letzten Saison gedämpften Erwartungen wurden weit übertroffen. Insbesondere das Orchester unter Markus Poschner hat mich positiv überrascht. Zugegeben, ganz am Ende ist dem Poschner der Drive abhanden gekommen, das war dann nur mehr ruck-zuck-fertig. Aber den überwiegenden Teil des Abends konnte man eine sehr gute Orchesterleistung hören. Manche Passagen habe ich noch nie so gut herausgearbeitet gehört. Bitte nicht die Nase über die "Provinz" rümpfen.

Großartig war Miina-Liisa Värelä in der Titelrolle. Ich habe mir überlegt, wie sie wohl klänge, wenn sie diese Rolle in der Wiener Staatsoper sänge, und das wäre wohl nicht gut. Dazu hat ihre Stimme zu wenig Volumen. Aber das macht nichts, für ein kleineres Haus wie Linz war es absolut großartig. Sie hat alle Töne und singt unglaublich gut: Die zahlreichen dramatischen Passagen gelingen ihr ebenso gut wie die zarten Lyrismen nach der Orest-Erkennung. Auch hat sie sehr gut gestaltet (auffallend, mit welcher Geringschätzung „Tochter meiner Mutter! Tochter Clytämnestras!“ gebracht wurde!). Die doch noch recht junge Sängerin muss nur unbedingt aufpassen, sich mit solchen Partien nicht verheizen zu lassen. Dieses Problem hat Brigitte Geller, die schon länger im Geschäft ist, nicht. Ihre Chrysothemis war sehr, sehr gut, ist aber nicht an die Leistung der Titelrollensängerin herangekommen – gerechterweise muss man erwähnen, dass die Chrysothemis die schwierigere dieser beiden Partien ist. Am Ende war sie an ihren Grenzen angekommen, aber das macht nix, denn was sie davor abgeliefert hat, war sehr, sehr hörenswert. Katherine Lerner war eine ungewöhnlich junge Klytämnestra, was mir aber eh sehr gut passt, denn ich sehe keinen Grund, diese Rolle immer nur alten, ausrangierten Sängerinnen anzuvertrauen. Leider hab ich noch die großartige Iris Vermillion im Ohr, und daran kommt halt keine nicht so leicht heran, aber Lerner hat alles sehr gut gesungen. Ihr Timbre gefällt mir wirklich gut, und auch wenn sie manche Passagen etwas eindringlicher hätte singen können, war es eine sehr gute Gesamtleistung. Matthäus Schmidlechner war ein überraschend guter Aegisth, wohingegen Michael Wagner als Orest den eindeutigen Schwachpunkt darstellte: Ich würde sein Produzieren von Tönen eher "Grölen" denn "Singen" bezeichnen, mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Der Orest ist zwar unwichtig, aber soo unwichtig auch wieder nicht, dass man da einfach irgendwen hinstellen kann. Die kleinen Rollen waren gemischt: Sehr gut die Aufseherin mit den ersten vier Mägden (Gotho Griesmeier, Isabell Czarnecki, Jessica Eccleston, Florence Losseau, Svenja Isabella Kallweit), die fünfte Magd (Theresa Grabner) hat mit den Anforderungen der Partie gekämpft. Die anderen kleinen Partien rollendeckend, nur Timothy Connor ist in der Mini-Mini-Rolle des Alten Dieners negativ aufgefallen. Aber egal.

Die Inszenierung von Michael Schulz hat überwiegend Licht, aber auch manchen Schatten. Die erste halbe Stunde finde ich gewöhnungsbedürftig, generell ist die Drehbühne zunächst ungewöhnlich, manches ist schlecht gelöst (zB die Szene des Jungen und Alten Dieners), aber die Positiva überwiegen. Die Inszenierung hat verdammt gute Details (zum Beispiel die Wiedererkennung Orest-Elektra: Orest möchte Elektra umarmen, sie ihn auch, sie „kann“ aber irgendwie nicht, dann geht sie zum seitlichen Regal und holt drei Stofftiere heraus, mit denen sie spielt, während Orest etwas unbeholfen danebensteht und nicht weiß, was er machen soll – das wirkt wirklich gut!) und zeigt das Ende sehr drastisch: nicht nur Aegisth auch die aegisth-treue Dienerschaft wird auf offener Bühne neben der blutüberströmten Klytämnestra umgebracht, was den willkommenen Nebeneffekt hat, dass man die Todesschreie des Aegisth endlich einmal HÖRT, der Chor tritt ebenfalls auf und tönt nicht wie sonst aus dem Lautsprecher, und Elektra schreitet am Ende ins schwarze Nichts (also in den Tod, der in der Musik ganz eindeutig beschrieben ist). Wenn ich da an unsere völlig misslungene Laufenberg-Inszenierung denke... der Kontrast ist wie Tag und Nacht. Dennoch fanden sich einige Buhrufer fürs Regieteam, was ich natürlich mit mehreren kräftigen Bravorufen quittiert habe. Die Vorstellung war übrigens ausverkauft. Nicht zu empfehlen ist der Besuch der Werkeinführung.

Einziger Wermutstropfen ist, dass die üblichen Striche gemacht wurden (im Gegensatz zur ungekürzten Frau ohne Schatten letzte Saison!). Das ist besonders bitter, zumal die üblichen Elektra-Striche in gar keiner Weise zu rechtfertigen sind, denn sie haben sich nur deshalb eingebürgert, weil sie dem als prüde bekannten Karl Böhm zu drastisch waren: Die Stelle, die Inzest zwischen Elektra und Chrysothemis andeutet, fehlt üblicherweise genauso wie die Stelle, die ganz eindeutig sexuellen Missbrauch Elektras von Agamemnon erwähnt. Diese Passagen gehören dringend gespielt! Es geht ohnehin nur um wenige Minuten zusätzliche Musik, aber dramaturgisch braucht man diese Informationen.

Und: Elektra ist ganz klar die beste Straussoper. Hinfahren!

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