Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

Oper in Bundesländern Österreichs | Seite 3 | OnlineMerker | Forum

 

 

Anleitung Registrieren: 

Klicken Sie hier rechts unten auf den Button "Registrieren". Sie werden aufgefordert Ihre E-Mail Adresse und einen Benutzernamen einzugeben. Danach erhalten Sie ein E-Mail mit einem Link zum Erstellen des Passwortes. Danach können Sie sich mit Ihrer E-Mail Adresse oder dem Benutzernamen und dem Passwort einloggen. Ihre Profilseite erscheint. Danach gehen Sie wieder auf die Online Merker Forum Seite und sind dann im Forum angemeldet.

 

Dieses Forum ermöglicht in erster Linie an Kultur interessierten Lesern des Online-Merker ihre Meinung auszutauschen und durchaus auch kontroversiell zu diskutieren. Dies soll allerdings in einer höflichen und vernünftigen Umgangsform geschehen. Nicht gestattet sind diskriminierende, rassistische, fremden- und staatsfeindliche Inhalte und Formulierungen. Diese werden ebenso wie persönliche Beleidigungen und Herabwürdigungen anderer Personen vom Moderator gelöscht. Weiters ist das Forum keine Tauschbörse für Ton- und Bildaufnahmen.

Avatar

Bitte denke über eine Registrierung nach
guest

sp_LogInOut Login sp_Registration Registrieren

Registrieren | Passwort vergessen?
Erweiterte Suche

— Forumbereich —




— Übereinstimmung —





— Forum Optionen —





Minimale Suchwortlänge beträgt 3 Zeichen - die maximale 84

No permission to create posts
sp_Feed RSS (Beitrag) sp_TopicIcon
Oper in Bundesländern Österreichs
5. Februar 2019
10:09
Avatar
Chenier
Member
Members
Forumsbeiträge: 493
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Den ideologischen Missbrauch der Kunst gab es in allen totalitären Regimen, dafür können die Protagonisten, soweit sie schon tot waren, überhaupt nichts. Das beispielsweise Wagner vorzuwerfen, ist lächerlich. Und wenn sich lebende Künstler mit Despoten arrangiert haben, muss man das retrospektiv auch aus der Situation heraus verstehen. Ein wenig mehr Empathie wäre angebracht, anstatt Menschen in schwierigen Situationen nachträglich zu verurteilen. Das Prinzip Käuflichkeit gilt leider immer und überall und scheinbar hat jeder seinen Preis.

5. Februar 2019
2:42
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 614
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Vielen Dank für Ihre hochinteressanten Ergänzungen!! Mir war weder Naděžda Kniplová noch Claude Heater bekannt. Das, was ich in ein paar Minuten dank Google herausgefunden habe, werden Sie sicher schon wissen. Ich habe jetzt von Kniplová ein paar Youtube-Aufnahmen gehört und bin von dieser Stimme begeistert. Über eine solche Sängerin wären wir heute froh. Wenn Youtube nicht trügt, eine zu Unrecht allgemein vergessene Sängerin. Mich würde auch interessieren, was aus ihr geworden ist. Vielleicht weiß jemand was?

Ich glaube aber, Wagner und ich, das wird nix mehr. Zu meiner Opernanfangszeit (vor 10 Jahren) war Wagner für mich noch interessant, in den letzten Jahren hat mein Interesse stark nachgelassen. Wie gesagt: Ich mag die Inhalte nicht (Ausnahme: Meistersinger), die Texte sind in künstlich-altertümlichem Deutsch, die Opern dauern großteils zu lang und stecken voller inhaltlicher Ungereimtheiten, ich leide jedesmal mit den Sängern mit, und ich finde die Musik einfach - nennen wir das Kind beim Namen - primitiv. Mich stört, dass Wagner landauf-landab gespielt wird und dafür zahlreiche andere (mE bessere) Komponisten ein Schattendasein fristen. Ich möchte mich in nächster Zeit lieber Komponisten widmen, deren Werke ich nicht so gut kenne, wie ich es gern würde (vor allem Schnittke und Mahler), davon verspreche ich mir mehr.
Leitmotive sind ja nichts speziell Wagnerisches, die werden zB von Franz Schreker auch eingesetzt, aber bei ihm ausschließlich für die Gefühle der Personen, nicht für die Personen selbst. (Das finde ich zB spannender als die Wagnersche Art.)
Aber ich will mit niemandem über die Fähigkeiten Wagners ernsthaft streiten. Manche verehren ihn, manche halten ihn für gewaltig überschätzt, so ist das...

4. Februar 2019
23:59
Avatar
dalmont
Member
Members
Forumsbeiträge: 83
Mitglied seit:
28. Januar 2019
sp_UserOfflineSmall Offline

zum Eintrag 15)

Ich habe mir gerade den „Zeit“-Artikel aus dem 11er Jahr durchgelesen (danke für den Link). Von dem großen Dreigestirn konnte ich nur mehr die Nilsson live erleben (bei Beethoven, Wagner, Strauss und Verdi), Mödl in der „Pique Dame“ und Varnay gar nicht. Mit den anderen aufgeführten Sängerinnen, die ich alle in unterschiedlichen Rollen, ganz oder halb bekleidet, gehört habe, habe ich zum Teil sehr gelitten. Eine Name, der nicht auftaucht, ist mir allerdings plötzlich eingefallen, der meiner ersten Brünnhilde: Naděžda Kniplová. Es war in Linz, und es muss Herbst 67 gewesen sein. Ich hatte als pubertierender Schnösel ein Premieren-Stehplatzabonnement und hatte – da kein Linzer – nur einen Schlafplatz in Linz, aber es war mir der Mühe Wert, vier Sonntage hinzustoppen. Natürlich war es ein kleines Haus, aber die Kniplová blieb mir mit ihrer großen Präsenz sehr in Erinnerung. Und sie soll die Brünnhilde auch – als Einspringerin – in Bayreuth gesungen haben, unter Karajan in Salzburg zu Ostern und die Isolde in Wien (google sei Dank). Was ich weiß ist, dass Hans Swarowsky eine Ring-Aufnahme mit ihr gemacht hat, die aber – weil viele tschechische Musiker im Orchester waren – 68 nur mit Mühe fertig eingespielt werden konnte. Nach dem Einmarsch der Warschauer Pakt Truppen in Prag wurde die Kniplová in ihrem Heimatland „verräumt“.

Frage an die Lesenden: Hat jemand die Kniplová noch an der Staatsoper gehört? Oder in Salzburg? Und weil ich grad dabei bin: Weiß jemand, was aus Claude Heater, dem damaligen Linzer Siegfried geworden ist? Er galt damals als Wagner-Hoffnung, war optisch so was wie ein blonder Jonas Kaufmann. Er sollte in der Saison danach in Linz den Otello singen, den hat er nicht mehr gemacht, dann hat man aber nix mehr von ihm gehört. Es wird ihn doch nicht die „Röhre“ der Kniplová um die Stimme gebracht haben.

Und ein PS: Ich akzeptiere Meinungen, brauche aber Begründungen, um sie verstehen und darüber diskutieren zu können. Das Adjektiv „primitiv“ im Zusammenhang mit Wagners Musik kann ich mir nur durch Verärgerung erklären. Ja, die Leitmotive des „Ring des Nibelungen“ mögen als Konsequenz die Filmmusik haben, aber wie sie in der Tetralogie eingesetzt werden: Ich bin jedes Mal aufs Neue begeistert, wie vielfältig sie abgewandelt, variiert, mit anderen Motiven kombiniert, von instrumentalen Klangfarben verändert werden. Dass die frühen deutschnationalen Bayreuther Wagnerianer jeder musikalischen Figur des Werkes einen Namen gegeben haben, das ist sehr beklagen, aber dafür kann der Richard ja nix.  

Gurnemanz, kann ich Sie nicht animieren, noch einmal in den grandiosen "Ring"-Kosmos hineinzulauschen?

4. Februar 2019
23:33
Avatar
Chenier
Member
Members
Forumsbeiträge: 493
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

...und/oder outen.

4. Februar 2019
22:36
Avatar
toni
Gast
Guests

Jeder kann sich blamieren wie er will!

4. Februar 2019
22:00
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 614
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Dann ist ja alles bestens Laugh Danke für die Beruhigung!
Mir war klar, dass der Text über die Tristan-Aufführung provoziert, aber dass über Werke heiliger Kühe (zB Wagner) auch abfällig geschrieben wird, muss man aushalten.

4. Februar 2019
20:54
Avatar
UwePaul
Member
Members
Forumsbeiträge: 893
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Lieber Gurnemaz, wollte ja nur ein bisschen zur Beruhigung beitragen :-))

4. Februar 2019
20:34
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 614
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Lieber UwePaul! Ich fordere gar nichts, jeder soll die Musik hören, die er mag, bzw. die Musik nicht hören, die er nicht mag. Ich hab nie behauptet, man müsse Janáček mögen, um ein Musikfreund zu sein, und ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich wen hätte "bekehren" wollen. Wagner ist meiner Meinung nach der überschätzteste Komponist (nicht aber der schlechteste), dazu steh ich. Wir sind ja in einem Musikforum, wo man kontroversiell diskutieren soll.

Das ist übrigens ein lesenswerter Artikel: https://www.zeit.de/2011/23/Oper-Bruennhilde/komplettansicht (Vom Absturz der Windsbräute, Die Zeit 2011)
(Obwohl der Satz "Gesungen wird mit Muskeln, nicht mit Fett." Unsinn ist. Gesungen wird weder mit den Muskeln, noch mit Fett.)

4. Februar 2019
20:28
Avatar
UwePaul
Member
Members
Forumsbeiträge: 893
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Lieber Gurnemaz,

Sie steigern sich aber jetzt in etwas hinein, was mich ratlos macht. Man muss ja nun Wagner nicht unbedingt zu seinen Lieblingskomponisten zählen, aber ihn so madig machen entspricht doch nun wahrlich nicht dem, was ein Musikfan von sich geben sollte. Sie "fordern" Sympathie für Ihre Lieblingskomponisten und den machen Sie so nieder. Ein bisschen Mäßigung und Toleranz wäre doch angebracht

4. Februar 2019
20:10
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 614
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Doch, natürlich ist Chemnitz im Opern-Kontext genauso wie Linz ein Kaff, und natürlich finde ich Wagners Musik primitiv: Immer dann, wenn irgendwer mit dem Schwert herumfuchtelt, kommt das Schwertmotiv... *gääääähn*

4. Februar 2019
18:24
Avatar
Chenier
Member
Members
Forumsbeiträge: 493
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Chemnitz als Kaff zu bezeichnen, ist für alle, die dort leben, beleidigend, aber Wagner`s Musik als "primitiv" anzusehen , ist dilettantisch und letztklassig. Das würde ich nicht einmal über Janacek schreiben.

Das sagt jemand, der mit Wagner nicht viel am Hut hat und musikmäßig sehr italophil orientiert ist, aber so etwas tut einem Musikfreund weh.

4. Februar 2019
17:53
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 614
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Lieber Jago! Das "Kaff" war natürlich übertrieben, auch wenn Chemnitz wirklich nicht groß ist. Der Kern meiner Aussage war ja, dass an kleineren Häusern generell zu viel Wagner gespielt wird, ohne über Sänger zu verfügen, die mit diesen Partien zu Rande kommen. Ich halte es für unverantwortlich, junge Sänger in kurzer Zeit zu ruinieren (vor allem denke ich da an Gustav Kuhn!!). Franz Grundheber und Kurt Rydl haben mehrmals gesagt, dass sie erst im Alter von 40+ mit schwereren Partien angefangen haben. So sollten alle Sänger ihre Karriere aufbauen.

4. Februar 2019
17:10
Avatar
Jago74
Gast
Guests

Werter Gurnemanz!

Stimme zwar was Ihre Meinung über Wagners Werke angeht nicht mit Ihnen überein, aber sie haben recht, dass die Qualität leidet wenn auch an den kleinsten Häusern große Wagneropern gespielt werden (gilt dann aber auch sicher für andere Teile des Opernrepertoires).

Wie Sie allerdings auf die Idee kommen Chemnitz als "Kaff" zu bezeichnen, erschließt sich mir nicht. Als was bezeichnen Sie denn dann Linz???? Wink

Gruß aus dem deutschen "Hauptstadt-Dorf"

4. Februar 2019
16:31
Avatar
Chenier
Member
Members
Forumsbeiträge: 493
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Dann sollten Sie sich in Zukunft vielleicht Osud oder Broucek nennen......

4. Februar 2019
15:55
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 614
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Ich find ja nach wie vor, dass die einzige nicht-dumme Wagner-Oper die Meistersinger sind. Holländer und Lohengrin sind mit guten Sängern auch noch erträglich. Aber sonst kann mir der Wagner gestohlen bleiben... Jedem das Seine.

Mein Wagner-Nickname stammt noch aus einer Zeit, in der ich Wagner gemocht hab. Aber das ist schon einige Jahre her.

4. Februar 2019
15:45
Avatar
Chenier
Member
Members
Forumsbeiträge: 493
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

"....viel zu langen Werke mit der primitiven Musik, dem verschwurbelten Text und dem (meist) dummen Inhalt leben."

Gurnemanz, ich bin kein bekennender Wagnerianer und gehe sehr selten in Wagner-Opern, aber mit dieser Rezension haben Sie Ihren guten Ruf, den Sie aufgebaut haben, leider völlig zerstört. Ihre verbalen Absonderungen kann man nicht mehr Ernst nehmen.

Übrigens war Wagner für Libretto und Partitur zuständig, also primitiv u n d "verschwurbelt" (was immer das bedeuten mag). Und dumme Inhalte haben die meisten Opern (soweit die Libretti nicht nach Shakespeare, Schiller oder ähnlichen Kapazundern sind).

Nicht aufregen, copy, zahlt sich nicht aus.

4. Februar 2019
15:38
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 614
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Subjektive Berichte sind subjektiv, so ist das.

4. Februar 2019
11:58
Avatar
copy
Gast
Guests

Bei so einem Satz - Der Tristan ist zwar musikalisch (verglichen mit anderen Wagner-Opern) nicht so übel, aber doch viel zu lang - fragt man sich, ob man hier jetzt eine Parodie einer Opernkritik zu lesen bekommt! Uije!

4. Februar 2019
2:13
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 614
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

So., 3. Feber 2019: LINZ (Musiktheater): Richard Wagner, Tristan und Isolde

Ich gehöre zu denjenigen, die weder traurig noch grantig sind ob der Tatsache, dass an der Wiener Staatsoper derzeit wenig Wagner gespielt wird. Ich kann gut ohne diese sängerunfreundlichen und viel zu langen Werke mit der primitiven Musik, dem verschwurbelten Text und dem (meist) dummen Inhalt leben. Heute wegen eines Tristans nach Linz zu fahren, war DIE Opernfehlentscheidung 2019, obwohl es schon mehrere Gründe dafür gegeben hat. Insgesamt war es aber wirklich nicht notwendig. Der Tristan ist zwar musikalisch (verglichen mit anderen Wagner-Opern) nicht so übel, aber doch viel zu lang, und vor allem: Man braucht gute Sänger! Die waren heute aber kaum vorhanden.

Am besten gefallen hat mir die Brangäne von Katherine Lerner. Eine Kulman ist sie freilich nicht, aber es war eine sehr gute Leistung. Ich mag ihre schöne, helle Mezzostimme, und sie hat alles richtig gemacht. Annemarie Kremer als Isolde war in Ordnung, aber nicht mehr. Sie hat einmal über richtig gutes Material verfügt, aber heute war stimmliche Überforderung deutlich zu merken. Die lyrischen Passagen gelangen ihr (insbesondere im dritten Akt) großteils wunderschön (wenn auch mit sehr starkem Vibrato), aber oft war Überforderung hörbar, die Stimme sprach nicht in allen Lagen an. Heiko Börner war heute zwar besser als letzte Saison als Kaiser, aber das besagt nicht viel. Freilich, ich habe Seiffert und Gould im Ohr, da kommt Börner natürlich nicht heran. Aber auch wenn ich versucht habe, die gewohnten Eindrücke auszublenden, hat Börners Leistung einfach nicht gereicht. Ja, der Tristan ist sauschwer, aber man sollte ihn nur singen, wenn man es auch kann. Er klang die ganze Zeit über sehr angestrengt, zu gedrückt – er tat mir irgendwie leid, wie er sich abmühte, aber halt nix Gutes produzierte –; zahlreiche Passagen wie „noch Leben mir webt“ waren so gar nicht strahlend, sondern nur mühevoll. Hat er schon etwas von „Auf dem Atem singen“ gehört? Ebenfalls fehlbesetzt waren Marke und Kurwenal: Dominik Nekel ist ein vielversprechender junger Bassist, aber um Gottes willen kein Marke. Abgesehen davon, dass die Stimme zu jung klingt und kein bisschen erfahren, enttäuscht, abgehärtet..., er hatte große Höhenprobleme garniert mit kleineren Problemen in der Tiefe. Ebenso fehl am Platze Martin Achrainer, der ein guter Liedsänger sein mag, aber mit dem Kurwenal heillos überfordert war. Sehr positiv aufgefallen ist hingegen der (tenorale) Melot des Matthäus Schmidlechner. Mathias Frey als Junger Seemann und Hirt war besser als Philipp Kranjc als Steuermann.

Was Markus Poschner und das Bruckner-Orchester betrifft, bin ich zwiegespalten. Teilweise sehr gut und wirklich schön, manchmal (wie zB zu Beginn des dritten Aktes bei den Kurwenal-Stellen) auch heftig im Clinch mit den Sängern. Der Chor war gar nicht gut. Ein kompletter Aussetzer war die Inszenierung von Heiner Müller, die 1993 bei den Bayreuther Festspielen Premiere hatte. Es ist, besser gesagt, eine „Nicht-Inszenierung“. Sie hat genau EINEN guten Moment, und der ist das ganz letzte Schlussbild, als Isolde nach dem Liebestod einfach vorne stehenbleibt und beleuchtet wird. Aber ansonsten eine Katastrophe. Es ist de facto eine konzertante Aufführung in düsteren Bühnenbildern mit seltsamen Kostümen. Langweilig!!! Nicht dass ich unsere kitschige Wiener Produktion für gelungen halte, aber lieber einen langweiligen McVicar-Kitsch als SO ein Machwerk von Heiner Müller.

Schließlich stellt sich die Frage, was Linz mit dieser Produktion überhaupt bezweckt. Wagner wird mittlerweile inflationär gespielt, die Sänger ruinieren sich damit. Ist es wirklich notwendig, dass ein Kaff wie Chemnitz seinen eigenen Ring stemmt? Das alles erinnert mich bissl an Angeben à la „Ich bin mindestens so gut wie Du, ich spiel auch Wagner“. Die Aufführungen sind dann halt nicht gut. Ich würde mir wünschen, dass sich kleinere Häuser auf das konzentrieren, was sie wirklich können, anstatt das Publikum mit einem schwachen Wagner-Abklatsch abzuspeisen. Zu guter Letzt: Den wenigen besonders penetranten Hustern hätte ich heute kräftig in die Goschn hauen können. Was soll das? Es waren ca. drei Leute, die auf der Galerie mehrmals pro Minute deutlich hörbar gehustet haben. Das ist eine ungehörige Rücksichtslosigkeit gegenüber den anderen Besuchern und gegenüber den Künstlern. Wer krank ist, bleibt daheim, Punkt, aus!

1. Februar 2019
2:50
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 614
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Do., 31. Jänner 2019: BADEN (Stadttheater): Johann Strauß Sohn, Der Zigeunerbaron

Normalerweise geh ich nicht einmal dann zu Operetten, wenn sie in Wien gespielt werden, geschweige denn fahre ich ihretwegen irgendwo hin. Heute gab es aber drei Gründe, die mich dazu veranlasst haben, in den Zug nach Baden zu steigen: Erstens war ich noch nie im dortigen Stadttheater und lerne gern neue Häuser kennen. Zweitens wollte ich den Zigeunerbaron einmal live hören, und er ist tatsächlich eine der besseren Operetten (nicht grundlos eine verkappte Oper!), aber ich fang mit diesem Genre einfach nix an...

Und drittens war Sebastian Reinthaller in meiner Opern-Anfangszeit einer meiner Lieblingssänger gewesen, aber seit 2012 hatte ich ihn nicht mehr gehört. Ich war also sehr gespannt, er hat mich aber enttäuscht. Sieben Jahre sind eine lange Zeit (insbesondere für einen Tenor in diesem Alter), und das merkt man leider an der Stimme. Das Timbre ist noch immer so wunderschön wie früher, er singt technisch auch wirklich gut, aber die Stimme klingt verbraucht. Manchmal hatte sie wirklich guten tenoralen Schmelz, aber deutlich öfter war zu hören, dass ihm ab der hohen Mittellage das Produzieren schöner Töne Schwierigkeiten bereitet. Dass seine Stimme sehr leise ist, ist nicht seine Schuld, für Baden und auch für die Volksoper reicht es. Dank super Technik hat er den heutigen Abend würdevoll inter sich gebracht, aber der Unterschied zu seinen Leistungen bis 2012 war halt doch zu stark. Naja, mal schauen, wie es mit ihm weitergeht. Ab September soll er ja wieder an die Volksoper zurückkommen.

Aber der Zigeunerbaron besteht ja nicht nur aus dem Sándor Barinkay, da gibts auch noch andere Rollen. Die übrigen Sänger haben sich sehr mittelmäßig aus der Affäre gezogen, überzeugt hat mich niemand. Besonders ärgerlich war der Kálmán Zsupán (Sébastien Soulès). Positiv überrascht hat mich das (sehr kleine!) Orchester unter Franz Josef Breznik, das war für eine Stadtgemeinde wie Baden überraschend gut. Die Inszenierung von Volker Wahl und Michaela Ronzoni hat mir gar nicht gefallen: Es hat auf mich großteils wie eine Studentenaufführung gewirkt; der Humor war sehr erzwungen-bemüht, was aber auch daran liegen könnte, dass es die 13. Aufführung seit Mitte Dezember war und es daher den Mitwirkenden schon auf die Nerven geht. Das Publikum war typisch Stadttheater, und das ist nicht positiv gemeint.

No permission to create posts
Zeitzone des Forums: Europe/Berlin

Am meisten Mitglieder online: 10

Zurzeit Online: Lohengrin2
3 Gast/Gäste

Momentan betrachten diese Seite:
1 Gast/Gäste

Top Autoren:

UwePaul: 893

Gurnemanz: 614

Chenier: 493

Lohengrin2: 485

alcindo: 292

Michta: 185

susana: 124

dalmont: 83

Kapellmeister Storch: 67

Pwolf: 58

Mitgliederstatistiken

Gastbeiträge: 113

Mitglieder: 52

Moderatoren: 0

Administratoren: 3

Forumsstatistiken

Gruppen: 1

Foren: 1

Themen: 351

Beiträge: 5311

Neuste Mitglieder:

niklausvogel, Karin E, Tristano, HansLick, Christine, semjon_kotko, HESE, Schnabl, midsummerpuck, petra pan

Administratoren: HaaSon: 2, ac: 70, Moderator 16: 32

 

Diese Seite drucken