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Oper in Bundesländern Österreichs
4. Februar 2019
11:58
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28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Bei so einem Satz - Der Tristan ist zwar musikalisch (verglichen mit anderen Wagner-Opern) nicht so übel, aber doch viel zu lang - fragt man sich, ob man hier jetzt eine Parodie einer Opernkritik zu lesen bekommt! Uije!

4. Februar 2019
2:13
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Gurnemanz
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29. September 2018
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So., 3. Feber 2019: LINZ (Musiktheater): Richard Wagner, Tristan und Isolde

Ich gehöre zu denjenigen, die weder traurig noch grantig sind ob der Tatsache, dass an der Wiener Staatsoper derzeit wenig Wagner gespielt wird. Ich kann gut ohne diese sängerunfreundlichen und viel zu langen Werke mit der primitiven Musik, dem verschwurbelten Text und dem (meist) dummen Inhalt leben. Heute wegen eines Tristans nach Linz zu fahren, war DIE Opernfehlentscheidung 2019, obwohl es schon mehrere Gründe dafür gegeben hat. Insgesamt war es aber wirklich nicht notwendig. Der Tristan ist zwar musikalisch (verglichen mit anderen Wagner-Opern) nicht so übel, aber doch viel zu lang, und vor allem: Man braucht gute Sänger! Die waren heute aber kaum vorhanden.

Am besten gefallen hat mir die Brangäne von Katherine Lerner. Eine Kulman ist sie freilich nicht, aber es war eine sehr gute Leistung. Ich mag ihre schöne, helle Mezzostimme, und sie hat alles richtig gemacht. Annemarie Kremer als Isolde war in Ordnung, aber nicht mehr. Sie hat einmal über richtig gutes Material verfügt, aber heute war stimmliche Überforderung deutlich zu merken. Die lyrischen Passagen gelangen ihr (insbesondere im dritten Akt) großteils wunderschön (wenn auch mit sehr starkem Vibrato), aber oft war Überforderung hörbar, die Stimme sprach nicht in allen Lagen an. Heiko Börner war heute zwar besser als letzte Saison als Kaiser, aber das besagt nicht viel. Freilich, ich habe Seiffert und Gould im Ohr, da kommt Börner natürlich nicht heran. Aber auch wenn ich versucht habe, die gewohnten Eindrücke auszublenden, hat Börners Leistung einfach nicht gereicht. Ja, der Tristan ist sauschwer, aber man sollte ihn nur singen, wenn man es auch kann. Er klang die ganze Zeit über sehr angestrengt, zu gedrückt – er tat mir irgendwie leid, wie er sich abmühte, aber halt nix Gutes produzierte –; zahlreiche Passagen wie „noch Leben mir webt“ waren so gar nicht strahlend, sondern nur mühevoll. Hat er schon etwas von „Auf dem Atem singen“ gehört? Ebenfalls fehlbesetzt waren Marke und Kurwenal: Dominik Nekel ist ein vielversprechender junger Bassist, aber um Gottes willen kein Marke. Abgesehen davon, dass die Stimme zu jung klingt und kein bisschen erfahren, enttäuscht, abgehärtet..., er hatte große Höhenprobleme garniert mit kleineren Problemen in der Tiefe. Ebenso fehl am Platze Martin Achrainer, der ein guter Liedsänger sein mag, aber mit dem Kurwenal heillos überfordert war. Sehr positiv aufgefallen ist hingegen der (tenorale) Melot des Matthäus Schmidlechner. Mathias Frey als Junger Seemann und Hirt war besser als Philipp Kranjc als Steuermann.

Was Markus Poschner und das Bruckner-Orchester betrifft, bin ich zwiegespalten. Teilweise sehr gut und wirklich schön, manchmal (wie zB zu Beginn des dritten Aktes bei den Kurwenal-Stellen) auch heftig im Clinch mit den Sängern. Der Chor war gar nicht gut. Ein kompletter Aussetzer war die Inszenierung von Heiner Müller, die 1993 bei den Bayreuther Festspielen Premiere hatte. Es ist, besser gesagt, eine „Nicht-Inszenierung“. Sie hat genau EINEN guten Moment, und der ist das ganz letzte Schlussbild, als Isolde nach dem Liebestod einfach vorne stehenbleibt und beleuchtet wird. Aber ansonsten eine Katastrophe. Es ist de facto eine konzertante Aufführung in düsteren Bühnenbildern mit seltsamen Kostümen. Langweilig!!! Nicht dass ich unsere kitschige Wiener Produktion für gelungen halte, aber lieber einen langweiligen McVicar-Kitsch als SO ein Machwerk von Heiner Müller.

Schließlich stellt sich die Frage, was Linz mit dieser Produktion überhaupt bezweckt. Wagner wird mittlerweile inflationär gespielt, die Sänger ruinieren sich damit. Ist es wirklich notwendig, dass ein Kaff wie Chemnitz seinen eigenen Ring stemmt? Das alles erinnert mich bissl an Angeben à la „Ich bin mindestens so gut wie Du, ich spiel auch Wagner“. Die Aufführungen sind dann halt nicht gut. Ich würde mir wünschen, dass sich kleinere Häuser auf das konzentrieren, was sie wirklich können, anstatt das Publikum mit einem schwachen Wagner-Abklatsch abzuspeisen. Zu guter Letzt: Den wenigen besonders penetranten Hustern hätte ich heute kräftig in die Goschn hauen können. Was soll das? Es waren ca. drei Leute, die auf der Galerie mehrmals pro Minute deutlich hörbar gehustet haben. Das ist eine ungehörige Rücksichtslosigkeit gegenüber den anderen Besuchern und gegenüber den Künstlern. Wer krank ist, bleibt daheim, Punkt, aus!

1. Februar 2019
2:50
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Do., 31. Jänner 2019: BADEN (Stadttheater): Johann Strauß Sohn, Der Zigeunerbaron

Normalerweise geh ich nicht einmal dann zu Operetten, wenn sie in Wien gespielt werden, geschweige denn fahre ich ihretwegen irgendwo hin. Heute gab es aber drei Gründe, die mich dazu veranlasst haben, in den Zug nach Baden zu steigen: Erstens war ich noch nie im dortigen Stadttheater und lerne gern neue Häuser kennen. Zweitens wollte ich den Zigeunerbaron einmal live hören, und er ist tatsächlich eine der besseren Operetten (nicht grundlos eine verkappte Oper!), aber ich fang mit diesem Genre einfach nix an...

Und drittens war Sebastian Reinthaller in meiner Opern-Anfangszeit einer meiner Lieblingssänger gewesen, aber seit 2012 hatte ich ihn nicht mehr gehört. Ich war also sehr gespannt, er hat mich aber enttäuscht. Sieben Jahre sind eine lange Zeit (insbesondere für einen Tenor in diesem Alter), und das merkt man leider an der Stimme. Das Timbre ist noch immer so wunderschön wie früher, er singt technisch auch wirklich gut, aber die Stimme klingt verbraucht. Manchmal hatte sie wirklich guten tenoralen Schmelz, aber deutlich öfter war zu hören, dass ihm ab der hohen Mittellage das Produzieren schöner Töne Schwierigkeiten bereitet. Dass seine Stimme sehr leise ist, ist nicht seine Schuld, für Baden und auch für die Volksoper reicht es. Dank super Technik hat er den heutigen Abend würdevoll inter sich gebracht, aber der Unterschied zu seinen Leistungen bis 2012 war halt doch zu stark. Naja, mal schauen, wie es mit ihm weitergeht. Ab September soll er ja wieder an die Volksoper zurückkommen.

Aber der Zigeunerbaron besteht ja nicht nur aus dem Sándor Barinkay, da gibts auch noch andere Rollen. Die übrigen Sänger haben sich sehr mittelmäßig aus der Affäre gezogen, überzeugt hat mich niemand. Besonders ärgerlich war der Kálmán Zsupán (Sébastien Soulès). Positiv überrascht hat mich das (sehr kleine!) Orchester unter Franz Josef Breznik, das war für eine Stadtgemeinde wie Baden überraschend gut. Die Inszenierung von Volker Wahl und Michaela Ronzoni hat mir gar nicht gefallen: Es hat auf mich großteils wie eine Studentenaufführung gewirkt; der Humor war sehr erzwungen-bemüht, was aber auch daran liegen könnte, dass es die 13. Aufführung seit Mitte Dezember war und es daher den Mitwirkenden schon auf die Nerven geht. Das Publikum war typisch Stadttheater, und das ist nicht positiv gemeint.

27. Januar 2019
19:46
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Gurnemanz
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So., 27. Jänner 2019: LINZ (Brucknerhaus): Genesis-Suite + V. Weigl

Normalerweise schreib ich in diesem Forum nichts über meine Konzertbesuche, aber heute mach ich eine Ausnahme.

-) verschiedene Komponisten: Genesis-Suite (österreichische Erstaufführung)
-) Karl Weigl (1881 Wien – 1949 New York): 5. Symphonie "Apocalyptic" (europäische Erstaufführung)

Gespielt hat das Bruckner-Orchester-Linz unter Thomas Sanderling, davon war ich ziemlich angetan, aber weil ich die Stücke gar nicht kenne, hab ich keinen Vergleich.

Die Genesis-Suite ist ein interessantes Ding: sieben Stücke von Komponisten des 20. Jahrhunderts aneinandergereiht, davon sechs gleichzeitig mit einem Sprecher, der (mikrophonverstärkt) Texte aus dem Buch Genesis liest (Schöpfung, Adam+Eva, Kain+Abel, Sintflut, Regenbogen, Turmbau zu Babel). Das ist eine gute Idee, weil diese Musik nicht gut genug ist, um normal aufgeführt zu werden, denke ich. Text und Musik sind auch nicht beiläufig gekoppelt, sondern passen zueinander. Es ist sicherlich schwierig, das einzustudieren. Auch die Chorpassagen klingen gar nicht leicht.
Die Texte wurden auf zwei Sprecher aufgeteilt: Nicole Heesters ist eine Schauspielerin und hat die Texte auch wie eine Schauspielerin gesprochen, alles in Ordnung, aber nicht mehr. Ausgezahlt hat sich die Fahrt deshalb, weil Franz Grundheber seine Texte ganz exzellent gesprochen hat. Es war extrem ausdrucksstark (zB ein rügendes "Wo ist dein Bruder Abel?" – dann ein zittriges "Ich weiß es nicht. Bin ich der Hüter meines Bruders?" – und darauf ein gewaltig dröhnendes "Was hast du getan? Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden!" – da sieht man, wie ein guter Opernsänger allein mit dem Klang seiner Stimme Emotionen vermittelt, egal welche Worte er sagt). Das war wirklich ausgezeichnet! Wortdeutlich, ausdrucksstark, aber nie affektiert oder effektheischend. Heesters und Grundheber sind übrigens im selben Jahr geboren (1937).

Der zweite Teil hat mich dagegen gelangweilt. Die 5. Weigl klingt ja ganz nett, aber hat mich überhaupt nicht berührt und ist mir auch überhaupt nicht im Gedächtnis geblieben (ein paar Minuten später habe ich mich an nichts mehr erinnert). Allerdings muss ich gerechterweise sagen, dass ich am Ende auf Nadeln gesessen bin, weil ich einen Zug erreichen wollte, da hab ich nicht mehr so gut zugehört.

Das Konzert wurde anlässlich des Tags des Gedenkens an die Holocaust-Opfer aufgeführt (Titel: "Paradise Lost").

Insgesamt: Ein interessantes Konzert, das sich wegen der Grundheber-Sprechtexte und zur Raritätensammlung gelohnt hat. Aber auch mir, der ich die Musik des 20. Jahrhunderts liebe, gefällt nicht alles aus dem 20. Jahrhundert.

20. Januar 2019
1:08
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Gurnemanz
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29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Sa., 19. Jänner 2019: LINZ (Musiktheater): Richard Strauss, Elektra

Das Musiktheater Linz verfolgt eine Spielplangestaltung, die mir sehr gut gefällt: Raritäten gemischt mit dem üblichen Repertoire, Ensemble mit Gästen, gutes Orchester, annehmbare Inszenierungen, viel aus dem 20. Jahrhundert, moderate Preise, gute Akustik (nicht auf allen Plätzen, aber auf den Stehplätzen schon) und nicht zuletzt Strauss-Schwerpunkt: Nach Rosenkavalier, Salome und Frau ohne Schatten wurde heuer die Elektra gebracht (und es sollte mich gar nicht wundert, wenn man kommendes Jahr die Ariadne macht). Im Vorfeld hatte es natürlich Skeptiker gegeben, die bezweifelten, dass Linz in der Lage sei, eine gute Elektra zu stemmen – und diesen soll man zurufen: Blödsinn! Leute, fahrt hin, es lohnt sich!!

Auch meine aufgrund der mittelmäßigen FroSch in der letzten Saison gedämpften Erwartungen wurden weit übertroffen. Insbesondere das Orchester unter Markus Poschner hat mich positiv überrascht. Zugegeben, ganz am Ende ist dem Poschner der Drive abhanden gekommen, das war dann nur mehr ruck-zuck-fertig. Aber den überwiegenden Teil des Abends konnte man eine sehr gute Orchesterleistung hören. Manche Passagen habe ich noch nie so gut herausgearbeitet gehört. Bitte nicht die Nase über die "Provinz" rümpfen.

Großartig war Miina-Liisa Värelä in der Titelrolle. Ich habe mir überlegt, wie sie wohl klänge, wenn sie diese Rolle in der Wiener Staatsoper sänge, und das wäre wohl nicht gut. Dazu hat ihre Stimme zu wenig Volumen. Aber das macht nichts, für ein kleineres Haus wie Linz war es absolut großartig. Sie hat alle Töne und singt unglaublich gut: Die zahlreichen dramatischen Passagen gelingen ihr ebenso gut wie die zarten Lyrismen nach der Orest-Erkennung. Auch hat sie sehr gut gestaltet (auffallend, mit welcher Geringschätzung „Tochter meiner Mutter! Tochter Clytämnestras!“ gebracht wurde!). Die doch noch recht junge Sängerin muss nur unbedingt aufpassen, sich mit solchen Partien nicht verheizen zu lassen. Dieses Problem hat Brigitte Geller, die schon länger im Geschäft ist, nicht. Ihre Chrysothemis war sehr, sehr gut, ist aber nicht an die Leistung der Titelrollensängerin herangekommen – gerechterweise muss man erwähnen, dass die Chrysothemis die schwierigere dieser beiden Partien ist. Am Ende war sie an ihren Grenzen angekommen, aber das macht nix, denn was sie davor abgeliefert hat, war sehr, sehr hörenswert. Katherine Lerner war eine ungewöhnlich junge Klytämnestra, was mir aber eh sehr gut passt, denn ich sehe keinen Grund, diese Rolle immer nur alten, ausrangierten Sängerinnen anzuvertrauen. Leider hab ich noch die großartige Iris Vermillion im Ohr, und daran kommt halt keine nicht so leicht heran, aber Lerner hat alles sehr gut gesungen. Ihr Timbre gefällt mir wirklich gut, und auch wenn sie manche Passagen etwas eindringlicher hätte singen können, war es eine sehr gute Gesamtleistung. Matthäus Schmidlechner war ein überraschend guter Aegisth, wohingegen Michael Wagner als Orest den eindeutigen Schwachpunkt darstellte: Ich würde sein Produzieren von Tönen eher "Grölen" denn "Singen" bezeichnen, mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Der Orest ist zwar unwichtig, aber soo unwichtig auch wieder nicht, dass man da einfach irgendwen hinstellen kann. Die kleinen Rollen waren gemischt: Sehr gut die Aufseherin mit den ersten vier Mägden (Gotho Griesmeier, Isabell Czarnecki, Jessica Eccleston, Florence Losseau, Svenja Isabella Kallweit), die fünfte Magd (Theresa Grabner) hat mit den Anforderungen der Partie gekämpft. Die anderen kleinen Partien rollendeckend, nur Timothy Connor ist in der Mini-Mini-Rolle des Alten Dieners negativ aufgefallen. Aber egal.

Die Inszenierung von Michael Schulz hat überwiegend Licht, aber auch manchen Schatten. Die erste halbe Stunde finde ich gewöhnungsbedürftig, generell ist die Drehbühne zunächst ungewöhnlich, manches ist schlecht gelöst (zB die Szene des Jungen und Alten Dieners), aber die Positiva überwiegen. Die Inszenierung hat verdammt gute Details (zum Beispiel die Wiedererkennung Orest-Elektra: Orest möchte Elektra umarmen, sie ihn auch, sie „kann“ aber irgendwie nicht, dann geht sie zum seitlichen Regal und holt drei Stofftiere heraus, mit denen sie spielt, während Orest etwas unbeholfen danebensteht und nicht weiß, was er machen soll – das wirkt wirklich gut!) und zeigt das Ende sehr drastisch: nicht nur Aegisth auch die aegisth-treue Dienerschaft wird auf offener Bühne neben der blutüberströmten Klytämnestra umgebracht, was den willkommenen Nebeneffekt hat, dass man die Todesschreie des Aegisth endlich einmal HÖRT, der Chor tritt ebenfalls auf und tönt nicht wie sonst aus dem Lautsprecher, und Elektra schreitet am Ende ins schwarze Nichts (also in den Tod, der in der Musik ganz eindeutig beschrieben ist). Wenn ich da an unsere völlig misslungene Laufenberg-Inszenierung denke... der Kontrast ist wie Tag und Nacht. Dennoch fanden sich einige Buhrufer fürs Regieteam, was ich natürlich mit mehreren kräftigen Bravorufen quittiert habe. Die Vorstellung war übrigens ausverkauft. Nicht zu empfehlen ist der Besuch der Werkeinführung.

Einziger Wermutstropfen ist, dass die üblichen Striche gemacht wurden (im Gegensatz zur ungekürzten Frau ohne Schatten letzte Saison!). Das ist besonders bitter, zumal die üblichen Elektra-Striche in gar keiner Weise zu rechtfertigen sind, denn sie haben sich nur deshalb eingebürgert, weil sie dem als prüde bekannten Karl Böhm zu drastisch waren: Die Stelle, die Inzest zwischen Elektra und Chrysothemis andeutet, fehlt üblicherweise genauso wie die Stelle, die ganz eindeutig sexuellen Missbrauch Elektras von Agamemnon erwähnt. Diese Passagen gehören dringend gespielt! Es geht ohnehin nur um wenige Minuten zusätzliche Musik, aber dramaturgisch braucht man diese Informationen.

Und: Elektra ist ganz klar die beste Straussoper. Hinfahren!

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