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Oper in Bundesländern Österreichs
3. Januar 2020
13:10
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prof.ON-DO
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7. Juni 2019
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… und einen Zauber verbreiten, der das Mantelabholen nachher auch noch übersteht....

2. Januar 2020
13:01
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klein zack
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30. Dezember 2019
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… und muß jedenfalls im ganzen Saal tragen, auch wenn das Orchester dabei nicht im Höchstleistungsmodus spielt.

2. Januar 2020
11:54
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alcindo
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27. Februar 2018
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die stimme des Falken wurde in der WSTO aber doch auch von Lucia Popp und Lotte Rysanek gesungen.....

2. Januar 2020
9:53
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Chenier
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Forumsbeiträge: 612
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28. Februar 2018
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Nicht unbedingt, aber eher ja.

1. Januar 2020
16:11
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Gurnemanz
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29. September 2018
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klein zack sagt
Nachbemerkung zu "Lucretia": So gut wie alle Mitglieder des Studios sind auch schon im großen Saal eingesetzt gewesen und dabei ganz und gar nicht untergegangen; ich sag nur Frau Kallweit als Falke in der "FroSch"...  

Naja, aber der Falke in der FroSch ist eine sehr, sehr kleine Rolle...

Chenier sagt
Auch von mir Dank für Ihre ausführlichen Rezensionen, auch wenn es nicht immer um Werke handelt, die ich goutiere, trotzdem meine Hochachtung.  

Dankeschön! Die Königskinder dürften allerdings nach Ihrem Geschmack sein, oder?

30. Dezember 2019
19:11
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Chenier
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28. Februar 2018
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Auch von mir Dank für Ihre ausführlichen Rezensionen, auch wenn es nicht immer um Werke handelt, die ich goutiere, trotzdem meine Hochachtung.

30. Dezember 2019
9:23
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klein zack
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Forumsbeiträge: 5
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30. Dezember 2019
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Nachbemerkung zu "Lucretia": So gut wie alle Mitglieder des Studios sind auch schon im großen Saal eingesetzt gewesen und dabei ganz und gar nicht untergegangen; ich sag nur Frau Kallweit als Falke in der "FroSch"...

23. Dezember 2019
1:11
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Gurnemanz
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29. September 2018
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So., 22. Dezember 2019: GRAZ (Opernhaus): Engelbert Humperdinck, Königskinder

Allenthalben wird um die Weihnachtszeit Humperdincks Hänsel und Gretel gespielt (wieso eigentlich? das Stück hat mit Weihnachten nichts zu tun), weswegen gern übersehen wird, dass Humperdinck auch noch andere Werke geschaffen hat. Heute durfte ich seine mir vorher vollkommen unbekannte Oper Königskinder kennenlernen und hatte einen sehr positiven Eindruck. Das Stück sollte man unbedingt öfter spielen und dafür ein paar Hänsel-und-Gretel-Aufführungen streichen. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber ich blicke meinem zweiten Königskinder-Besuch im März mit Vorfreude entgegen. Und ich kann nur raten, sich die Gelegenheit nicht entgehen zu lassen und, sofern es sich einrichten lässt, ebenfalls dafür nach Graz zu fahren!

Das Werk ist im besten Sinne spätromantisch mit Wagner-Anklängen, ohne diese jedoch überzustrapazieren (Humperdinck ist KEIN Wagner-Epigone, sondern ein eigenständiger, ernstzunehmender Komponist); die Handlung des Kunstmärchens ist auf den ersten Blick nicht leicht durchschaubar, wird aber im Verlaufe der Vorstellung klarer; die Ereignisse sind tragisch (bis zum Tode der Königskinder im Schnee), werden aber gebracht ohne künstlich auf die Tränendrüse zu drücken. Mehrere Hänsel-und-Gretel-Zitate sind auch auszumachen, aber insgesamt sind die Königskinder in jeder Hinsicht meilenweit besser als Hänsel und Gretel, wobei die Schwäche beider Werke eindeutig die dumm-dämliche sprachliche Gestaltung des jeweiligen Librettos ist! WAS gesagt wird, passt ja, aber nicht, WIE es gesagt wird – es ist ein Jammer, dass Humperdinck keine ernstzunehmenden Librettisten zur Verfügung hatte: So muss man in den Königskindern 2½ Stunden lang Reime erdulden auf dem Niveau von „Nein, zum König taugen nicht junge Knaben, einen langen Bart muss der König haben!“ oder „Einer Königin warst du mitgenommen, eine Gänsemagd mag dich bekommen. Gabst du dein grün’ Gewind dem Königssohne, so schenkt er dem Bettelkind seine rote Krone.“ oder „Hei, hei Tandaradei! Da fand er das Hahnenei!“. Naja. In dieser Hinsicht fast so schlimm wie Webers Oberon (aber insgesamt sind die Königskinder natürlich viel besser).

Sehr stark gewonnen hat die Aufführung durch die fabelhafte Inszenierung von Frank Hilbrich (Bühne von Volker Thiele, Kostüme von Gabriele Rupprecht), die mit sparsamen Mitteln beeindruckende und gleichzeitig sängerfreundliche Bilder erschuf. Gegen diese Inszenierung habe ich nur einen einzigen Einwand (siehe das Ende dieses Absatzes); es handelt sich um eine ausgezeichnete Arbeit, die auch durch Detailarbeit hervorsticht (beispielsweise verbindet sich der Spielmann gut sichtbar die Wunde, und es gibt gut durchdachte Interaktionen in den Massenszenen). Das Märchen wird märchenhaft erzählt, mit sparsamen Kulissen, die genau die richtige Wirkung erzielen, und nicht ohne einen Ausblick auf die sehr wohl vorhandene tiefere Bedeutung dieser Erzählung zu geben! Hervorragend! Dass ein wesentlicher Aspekt der Handlung (die charakterliche und sexuelle Entwicklung der beiden Königskinder) meiner Beobachtung nach vom Regisseur ignoriert worden war, hat mich nicht gestört - das hätte man allerdings noch herausarbeiten können (oder es ist von mir unbemerkt ohnedies geschehen).

Hingegen sind meine Einwände gegen die Sänger nicht wenige. Sieglinde Feldhofer sprang als Gänsemagd ein und hinterließ einen im großen und ganzen positiven Eindruck. Der Ansage vor Beginn war zu entnehmen, dass sie zwar als Cover vorgesehen war, aber erst am Freitag (vorgestern) von ihrem Einsatz erfahren hat und seitdem die Rolle angeblich Tag und Nacht durchgelernt hat. Unter diesen Umständen eine sehr gute Leistung; unter „normalen“ Umständen würde ich anmerken, dass sich ihre Stimmfarbe in der Höhe zu stark veränderte. Trotzdem war sie die beste Titelrollensängerin, denn Maximilian Schmitt als Königssohn erinnert mich stimmlich (und optisch) an Mauro Peter (der von manchen Gehörlosen ja sogar als zweiter Fritz Wunderlich gepriesen wird): Seine Stimme ist ja durchaus schön, aber was nützt das, wenn sie in der oberen Lage quasi nicht mehr vorhanden ist? Die Töne müssen dann irgendwie seltsam fahl produziert werden, außerdem hat er viel zu wenig Durchschlagskraft. Zu meiner Überraschung ein Totalausfall war der ansonsten verlässliche Markus Butter als Spielmann (die wahre Hauptrolle dieser Oper). Zunächst vermutete ich eine nicht angesagte Indisposition, allerdings gewann ich im Laufe des Abends immer mehr den Eindruck, dass die Stimme im wesentlichen schon ruiniert ist (wahrscheinlich bedingt durch das Thomas-Hampson-Syndrom, das heißt: längere Zeit mit einer nicht perfekten Technik zu schwierige Rollen gesungen zu haben): Die Stimme ist fahl, kernlos, viel zu leise, und generell hatte ich den Eindruck, dass er die ganze Zeit, anstatt frei zu singen, so seltsam in sich hineinsingt (und das rächt sich jetzt); viele wichtige Stellen wie beispielsweise „Willst du ein Königskind dich heißen, musst du eigen den Zauber zerreißen. Tapfer, wer nimmer der Furcht empfunden; tapferer, wer die Furcht überwunden.“ waren so, als ob sie gar nicht gewesen wären. Schade! (Ich höre gerade Hermann Prey mit „Verdorben! Gestorben!“ auf Youtube, der war ein ganz anderes Kaliber!)​ Sozusagen rollendeckend war Christina Baader als Hexe: Eigentlich kann man ihr nichts vorwerfen, außer dass ich mir Ausdruck und Dämonie gewünscht hätte. Das kann aber noch kommen, die Sängerin ist ja noch recht jung. (Iris Vermillion wäre DIE Interpretin!) Unter den Nebenrollen fiel Wilfried Zelinka als Holzhacker positiv auf, die übrigen Sänger bewegten sich im halbwegs akzeptablen Bereich. Ganz besonders positiv hervorheben muss ich noch Victoria Legart, die mit einer ausgezeichneten Kinderstimme die zahlreichen Solo-Stellen der des Besenbinders Tochter zum Besten gab (ich hoffe, dass man in den nächsten fünfzehn Jahren nichts von ihr hört und sich in dieser Zeit ihre Stimme behutsam entwickeln kann!). Überhaupt war der gesamte Kinderchor super, verglichen mit den oftmals katastrophalen Leistungen des Kinderchors der Wiener Staatsoper! Chor,Orchester und dem Dirigenten Marius Burkert kann ich nur ein Pauschallob aussprechen, da ich das Werk eben nicht kannte – allerdings hat mir die Orchesterleistung ausgezeichnet gefallen.

Insgesamt war es den zahlreichen gesanglichen Mängeln zum Trotze eine beeindruckende Vorstellung mit einem zu Unrecht so selten gespielten Werk. Nicht verpassen! Wichtiger Hinweis für alle, die mit dem Zug kommen: Ende um 18:12 bei einem Beginn um 15:00.

Für mich bleibt nur die Frage, wieso an der Wiener Staatsoper Hänsel und Gretel in einer völlig nichtssagenden Inszenierung 2015 gebracht werden musste, wenn es das Werk ohnehin an der Wiener Volksoper gibt (wo die beiden Produktionen seitdem mehr oder minder parallel aufgeführt werden)?! Noch dazu an der Staatsoper mit irgendwelchen Ensemblesängern, wenn man auch DEN Besenbinder engagieren hätte können (nämlich Franz Grundheber; jeder andere in Wahrheit undenkbar). Stattdessen wäre das doch angebracht gewesen, Humperdincks Königskindern zur LÄNGST überfälligen Erstaufführung an der Wiener Staatsoper zu verhelfen! DIESES Werk gehört dorthin (und zwar z.B. mit Florian Boesch als Spielmann), nicht das nur bedingt ernstzunehmende Hänsel und Gretel. Aber naja, diese Einfallslosigkeit ist man vom Wiener Staatsoperndirektor schon gewohnt. Glücklicherweise sind wir ihn bald los, denn es kann wirklich nur mehr besser werden!

Übrigens: 2020/21 kommt in Linz La Juive von Halévy!

6. Oktober 2019
21:38
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Gurnemanz
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Danke für Ihre freundlichen Worte! Ja, Death in Venice war super, ich war damals sogar dreimal dort. Den Berlioz-Faust hab ich leider verpasst. Naja, man kann nicht alles haben... 

Gut, dass The Rape of Lucretia in der Blackbox gespielt wird, im großen Saal würde das Stück mitsamt den Sängern untergehen.

2. Oktober 2019
23:22
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LeFis
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Danke Gurnemanz für die Nachbesprechung der Britten-Oper. 

Meine letzte Erfahrung mit Britten im Musiktheater (Frühjahr 2018), als "Death in Venice" gegeben wurde, war sehr erfreulich. Inszenierung, Dirigat und Gesang ließ mich zweimal nach Linz reisen.

Allgemein: seit Markus Poschner ist das Haus noch einmal besser geworden. (Mein persönliches Highlight war "La damnation de Faust" mit einer großartigen Inszenierung)

28. September 2019
3:17
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Gurnemanz
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Fr., 27. September 2019: LINZ (Musiktheater, Blackbox): Benjamin Britten, The Rape of Lucretia / Die Schändung der Lucretia

Das Landestheater Linz nimmt seit einigen Saisonen immer wieder Britten-Opern ins Programm, worüber ich mich sehr freue, zumal Britten einer meiner Lieblingskomponisten ist (umso mehr schmerzt mich, dass erst heute die Vorstellung am 1. Dez. dieses Jahres von „Noahs Flut“ in Passau abgesagt wurde – aber alles halb so wild, fahr ich halt an diesem Tag statt dessen nach Ostrava zu Janáčeks Osud, das ist ein ganz wunderbares Kleinod der Opernliteratur). The Rape of Lucretia ist nicht Brittens bestes Werk, aber nichtsdesotweniger sehr anhörbar und erfrischend unkonventionell. Hauptrollen sind ja bekanntlich „The male chorus“ und „The female chorus“, und von diesen beiden Sängern werden die Ereignisse kommentiert und reflektiert – das bringt mit sich, dass nur ein Teil dieser Oper wirkliche Handlung beeinhaltet, ein großer Teil wird der Reflexion gewidmet (so ähnlich wie in Death in Venice). Da muss man sich mal darauf einlassen und erkennen, wie meisterhaft Britten die verschiedenen Figuren musikalisch zueinander in Beziehung gesetzt hat, dann wird man diese Oper auch sehr genießen. Aus dem sehr klein besetzten Orchester (13 Musiker?) kommen typische Britten-Klänge, und ich liebe die Musiksprache Brittens.

Gespielt wird in der Black-Box im Keller des Musiktheaters, und dorthin passt das Werk auch, in einem großen Saal würden die ganzen Feinheiten völlig untergehen. Das Orchester befindet sich abseits, in der Mitte des Geschehens ist die Bühne, auf den beiden Längsseiten sitzen in vier und drei aufsteigenden Reihen die Zuschauer (hinter dem Orchester kann man auch sitzen). Ärgerlich ist, dass die Plätze numeriert sind und so der vorgesehene Sitzplatz reines Glücksspiel ist – aber zumal nicht alle Plätze besetzt waren, gab es durchaus Gestaltungsspielraum. Durch die Wahl des Spielortes ergibt sich natürlich die Möglichkeit zu einer offenen Inszenierung, in der keine Distanz zwischen Zuhörer und Bühne vorhanden ist; gleichzeitig gibt es die Möglichkeit, die Partien mit schlechten Sängern zu besetzen, nämlich mit solchen, die im kleinen Rahmen durchaus reüssieren können, in einem normalen Saal aber hoffnungslos verloren wären.

Es handelte sich um eine Produktion des Oberösterreichischen Opernstudios, und da es sich um in Ausbildung befindliche Sänger handelt, schraubt man natürlich die Erwartungen hinunter. Und ehrlich gesagt: Was ich so gehört habe, bestätigt zahlreiche negative Meinungen: Alles nette Stimmen, aber halt alles so durchschnittlich, so austauschbar – KEIN EINZIGER Sänger mit einer markanten, einprägsamen Stimme. Alles wurde brav und nett gesungen, aber bitte, vor allem in der Vergewaltigungsszene und in der Selbstmordszene muss man doch Gestaltung zeigen. Heute war's aber ziemlich flach. Am besten gefallen haben mir die Sänger der beiden Hauptrollen (die beiden „Chöre“): Svenja Isabella Kallweit mit durchschnittlicher, aber immerhin sehr ordentlicher Sopranstimme, und Rafael Helbig-Kostka, der zwar hörbare Tiefenprobleme hatte, aber trotzdem eine gute Leistung bot. Florence Losseau war eine gute Lucretia, zu einer sehr guten fehlt noch Schärfe in der Stimme und vor allem Ausdrucksfähigkeit (wieso macht die Kulman derzeit nur Blödsinn und nicht was Gscheits, z.B. eben die Lucretia?) Timothy Connor war als Tarquinius in Ordnung, zeitweise hätte er mehr Farben in der Stimme einsetzen können statt Lautstärke, aber was soll's. Rollendeckend waren Seunggyeong Lee als Junius, Sinja Maschke als Bianca und Etelka Sellei als Lucia, wobei die beiden Damen eine merkwürdige englische Aussprache präsentierten. Fast ein Ausfall war Philipp Kranjc als Collatinus, der eine fahle, glanzlose Stimme ohne Kern/Metall hat, und wer eine solche Stimme verwaltet, sollte nicht Sänger werden.

Großer Pluspunkt des Abends war das Bruckner-Orchester-Linz (oder zumindest die paar eingesetzten Musiker) unter Leslie Suganandarajah (wohlbekannt von der hervorragenden Penthesilea in der vergangenen Spielzeit). Die Inszenierung von Gregor Horres (Bühne und Kostüme von Jan Bammes) ist erkennbar mit geringen finanziellen Möglichkeiten hergestellt, passt aber sehr gut zum Ambiente (abgesehen davon, dass die Türen oftmals geräuschvoll geöffnet wurden, und nicht selten genau während schöner Stellen im Orchester, die ich gern ohne Nebengeräusche gehört hätte). Die Vorstellung hat mir insgesamt ausgezeichnet gefallen, was aber dem Stück, dem Ambiente und dem Orchester zuzuschreiben ist. Die Sänger waren insgesamt passabel, aber halt nicht mehr als das.

31. August 2019
11:13
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UwePaul
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31. August 2019
10:29
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Gurnemanz
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Ich will dafür keinen eigenen Thread aufmachen, hierher passts noch am ehesten:

Normalerweise lese ich keine Texte von Klaus Billand, weil er hauptsächlich über Wagner-Aufführungen berichtet und mich Wagner nicht interessiert, aber jetzt bin ich über seinen gestrigen und im heutigen Tageskommentar zitierten Konzertbericht zu Salzburg gestolpert: https://onlinemerker.com/salzburg-festspiele-wiener-philharmoniker-mit-bernard-haitink/

 

Darin gibt es zahlreiche sachliche Fehler:

Zweimal ist die Rede von "Abend", obwohl das Konzert um 11:00 vormittags begann.

Es handelte sich außerdem nicht um Haitinks letzten Auftritt in Salzburg (der ist heute, 11:00, mit demselben Programm), und nach dem heutigen kommt noch genau einer in Luzern. 

Abgesehen davon würde ich gern als Leser der Kritik etwas Handfestes erfahren und nicht nur Ausdrücke à la eine bestimmte auratische Spannung oder alle Facetten, die man sich nur wünschen könne. Nach dem Lesen des Textes weiß ich nicht, wie das Konzert war, und wie hoch der Frauenanteil des Orchesters war, ist mir auch völlig egal. Dass 88 Musiker schon ein Riesenorchester ergeben, finde ich nicht. Des weiteren schreibt sich Emanuel Ax nicht mit Doppel-m.

Tut mir leid, aber diesmal konnte ich nicht widerstehen, ein paar Sachen zu korrigieren.

24. August 2019
21:25
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Gurnemanz
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Sa., 24. August 2019: SALZBURG (Felsenreitschule): George Enescu, Œdipe

Es gibt gewisse Opern, in denen es genau eine wichtige Rolle gibt und die Leistungen der übrigen Sänger ziemlich egal sind, nur wenn diese alle schlecht sind, ists auch ärgerlich. Dazu gehören unter anderem Wozzeck, Peter Grimes, Sache Makropulos, Oedipus Rex, und auch Enescus Œdipe passt in diese Reihe. Enescu wird bedauerlicherweise weitgehend ignoriert (vom Wiener Noch-Staatsoperndirektor erwartet man eh nix, aber wieso bringt nicht das Wiener Konzerthaus mal eine Enescu-Symphonie statt des unnötigen Beethoven-Mainstreamschwerpunkts in der kommenden Saison mit dem fürchterlichen Currentzis, oder auch bei den heurigen Salzburger Festspielen hätte man ja statt der xten Bruckner-Symphonie mal ein Enescu-Orchesterwerk ausgraben können!!), und ja, Enescus Œdipe kann schon was! Die bereits erwähnte Stravinski-Version ist natürlich viel besser (dichter, spannender, moderner, kreativer), aber auch der Enescu ist des Anhörens wert und hätte sich eine deutlich bessere Realisierung als die heutige verdient. Hingegen ist erfreulich, dass ungekürzt gespielt wurde!

Ausgezeichnet war Christopher Maltman in der Hauptrolle. Was für ein ausgezeichneter Sänger, da kann man gar nichts Negatives finden. Heute der einzige mit richtiger Lautstärke, wohlklingendem Timbre, Textdeutlichkeit und Gestaltung. Wer ihn noch nicht kennt, sollte sich ihn unbedingt anhören, er ist einer der besten Opernsänger der Gegenwart. Akzeptabel waren Anaïk Morel als Jocaste und John Tomlinson (der nicht mehr alle Töne trifft) als Tirésias. Besonders farblos Brian Mulligan als Créon und Ève-Maud Hubeaux als La Sphinge, die restlichen Leute nicht erwähnenswert. Der Chor (Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor) okay. 

Massiv unter meinen Erwartungen aber Dirigent/Orchester (Wiener Philharmoniker) und die Inszenierung. Ingo Metzmacher ist ja meistens sehr gut, aber heute nicht: Einzelne Stimmen sind auseinander gefallen, und generell wars so lieblos herunterdirigiert, mit sehr wenig Sinn für die farbenreiche Partitur, die mich an Szymanowskis Król Roger erinnert. So lobenswert es ist, dass er es ungekürzt spielt, er sollte die Finger davon lassen. Und die Inszenierung komplett zum Vergessen: Es ist zwar nett, dass Achim Freyer die räumlichen Möglichkeiten Felsenreitschule genützt hat, aber weniger nett ist, dass es dann akustisch oft nicht passt. Wirklich mühsam ist die fade Herumsteherei, während auch wirkliche Aktionen stattfinden hätten können. Sinnlose Kostüme, fades Stehtheater, seltsame Beleuchtung (von Franz Tscheck) machten ein paar wenige gute Einfälle (wie zum Beispiel dass die tote Sphinx senkrecht auf die Bühne fällt) nicht wett. Freyer hat eindeutig aus dem Libretto inszeniert; gefühlt und geistig durchdrungen hat er die Musik offenbar nicht (welch ein Gegensatz zur großartigen Penthesilea-Inszenierung von Konwitschny in Linz, die genau auf die Musik abgestimmt war).

Insgesamt eine passable Repertoireaufführung, jedoch eindeutig nicht festspielwürdig. Ob ich heute dafür wirklich nach Salzburg fahren hätte müssen? Eigentlich nicht, aber das sehr gute Werk zu hören war fällig.

28. Juli 2019
13:16
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Gurnemanz
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LeFis sagt
Ich hoffe auch auf eine Besprechung Ihrer Konzerte/Oper in Salzburg!

Hab grad in Salzburg die 9. Mahler mit den Wiener Philharmonikern und dem Blomstedt gehört. Hat mir super gefallen (trotz zeitweise merkwürdiger Streichertöne, die waren nicht nur einmal etwas zu tief - davon abgesehen aber sehr gutes Orchester), denn der Blomstedt ist ein hervorragender Dirigent und kein Selbstdarsteller. Und die 9. Mahler ist halt auch eindeutig besser als die 7. Schostakowitsch letztens in Wien.

6. Juli 2019
0:57
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Gurnemanz
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Fr., 5. Juli 2019: LINZ (Musiktheater): Othmar Schoeck, Penthesilea

Das war sie, die letzte Penthesilea-Aufführung in Linz, und ich bin froh, vier Aufführungen dieser grandiosen Produktion dieses zu Unrecht so gut wie nie gespielten Werkes miterlebt zu haben. Schwelgende Spätromantik (z.B. das „Liebesmotiv“, in dem „Der Mensch kann groß, ein Held, im Leiden sein, doch göttlich ist er, wenn er selig ist.“ ertönt und später mehrmals im Orchester wieder auftaucht) wechselt sich mit zahlreichen expressiv-schrillen Stellen ab, genauso wie ich es am liebsten habe. Die Musiksprache ist sehr speziell, und dass abwechselnd gesungen und gesprochen wird, gefällt mir immer besser. Wenn der wirklich langweilige Schluss nicht wäre, stiege die Penthesilea glatt in die Reihe meiner Lieblingsopern auf.

Martin Achrainer, der den Achilles hätte singen sollen, hatte sich in der vorvorletzten Aufführung an der Sehne (!) verletzt, weswegen für die letzten beiden Vorstellungen der Achilles der Bonner Aufführung, Christian Miedl, eingeflogen worden war (andere Interpreten dieser Rolle gibt es derzeit wohl nicht). Dieser war aber schon in der vorletzten Aufführung hörbar indisponiert, weswegen heute jener der Einspringer für sich selbst war, das heißt: Miedl spielte die Rolle (wobei er glücklicherweise auf unnötige Lippenbewegungen verzichtete, sondern dankenswerterweise nur spielte), Achrainer stand auf der rechten Seite und sang nicht ins Publikum, sondern Richtung Mitte. Das kam mir, der ich links auf der Seite (Hochstuhl am 1. Rang) gesessen bin, sehr entgegen, da Achrainer genau in meine Richtung sang und daher für mich sehr gut hörbar war, aber für mindestens 95% des Publikums muss das akustisch sehr ungünstig gewesen sein.

Musikalisch gibt es nichts Neues zu berichten. Achrainer halbwegs ordentlich, aber halt viel zu wenig Stimmkraft und Tiefe für diese Partie (da braucht man einen Wotan, keinen lyrischen Bariton!), Dshamilja Kaiser wirklich gut, aber trotzdem noch zu wenig für die dramatische Partie der Penthesilea, und die kleineren Rollen wunderbar. Das Linzer Bruckner-Orchester ausgezeichnet, der Dirigent Leslie Suganandarajah auch sehr gut, abgesehen davon, dass er auch heute die langweiligen letzten 10 Minuten auf 20 Minuten ausgedehnt hat. Die Inszenierung von Peter Konwitschny hervorragend, auch die Detailarbeit ist dem Regisseur äußerst gut gelungen.

Wer sich die Produktion entgehen ließ, hat definitiv sehr viel verpasst. Eine Kombination mit Stravinskis Oedipus Rex würde Sinn ergeben.

2. Juli 2019
22:16
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Gurnemanz
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Di., 2. Juli 2019: LINZ (Musiktheater): Othmar Schoeck, Penthesilea

Vorvorgestern gab es Grund zur Befürchtung des Ausfalls der Vorstellung, zumal der Achilles Martin Achrainer am Knie verletzt war und schon vor zwei Jahren aufgrund von Erkrankungen einzelne Vorstellungen von Hindemiths Harmonie der Welt abgesagt worden waren. Aber heuer konnte ein Ersatz gefunden werden, nämlich Christian Miedl, der dank seiner Mitwirkung an der Produktion in Bonn schon mit dem Stück und der Inszenierung vertraut war.

Wie vor Beginn mitgeteilt wurde, war er aufgrund eines Flugzeugausfalls und sonstigen Begebenheiten erst 2½ Stunden vor Vorstellungsbeginn nach einer schlaflosen Nacht in Linz angekommen und sei obendrein indisponiert, und letzteres hat man ganz deutlich gemerkt. Als Nicht-Einspringer und ohne Indispositionsansage wäre das völlig indiskutabel gewesen. Die Stimme klang sehr heiser und viel zu leise, außerdem eher nach Tenor ohne Höhe als nach Bariton. Beim Applaus hat er sich so verhalten, als wüsste er genau, dass das grad nix war; insofern vermute ich, dass er es besser kann. Hoffentlich wird's am Freitag besser. 

Ansonsten gilt dasselbe (großteils sehr Positive) wie für die beiden bisher von mir besuchten Vorstellungen (2. März und 18. Mai), außer dass ich die Sänger - insbesondere Matthäus Schmidlechner als Diomedes - akustisch schwächer vernommen habe, was daran liegt, dass heute der 2. Rang gesperrt war und alle von dort in den 1. Rang verfrachtet wurden. Besonders positiv muss ich das Linzer Bruckner Orchester erwähnen, und besonders negativ den Mann am Pult: Leslie Suganandarajah hat alles sehr gut gemacht, abgesehen vom unerträglichen Schleppen am Ende. Der Schluss dieser ansonsten tollen Oper ist ohnehin schon so langweilig, wieso macht er 20 Minuten aus 10 Minuten? Insgesamt hat mir die Vorstellung aber sehr gut gefallen, nicht zuletzt dank der hervorragenden Inszenierung von Peter Konwitschny. Am Freitag gibt es noch einen letzten Termin. Nicht verpassen!!!

30. Juni 2019
4:02
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Gurnemanz
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Sa., 29. Juni 2019: BADEN BEI WIEN (Sommerarena): Carl Zeller, Der Vogelhändler

Ein Freund und ich hatten schon länger vor, der oftmals gelobten Sommerarena in Baden einen Besuch abzustatten. Nach Durchsicht des Spielplans hatten wir - beide das Gegenteil von Operettenfreunden - uns den Vogelhändler ausgesucht, den wir zwar schon vor 10 Jahren an der Wiener Volksoper gesehen hatten, aber der uns trotzdem am lohnenswertesten erschien. Um es vorwegzunehmen: Nicht dass der Vogelhändler ein gutes Stück wäre, aber ihn SO schlecht zu erleben wie aktuell in Baden, tut schon weh. Der Zigeunerbaron im Jänner war auch nicht gut, aber deutlich besser. (Kein Wunder, der Zigeunerbaron war ja als Komische Oper konzipiert gewesen.)

Die Sommerarena ist die zweite Spielstätte des Stadttheaters Baden und viel kleiner, als sie auf den Bildern ausschaut. Sie passt perfekt zu Baden: antiquiert, unbequem, aber trotzdem mit einem kleinen Reiz. Dass man vom Rang direkt in einen Park gehen kann, ist super, und Gelsen haben sich heute auch fast keine eingefunden. Ein gewaltiges Problem war, dass gestern und heute das Event "Baden in weiß" stattfindet, das bedeutet einen Mordsbahö in der Innenstadt und vor allem in der Nähe des Casinos Baden. Das Casino Baden befindet sich aber genau neben der Sommerarena, was bedeutet, dass ca. 40 Meter neben der Sommerarena im Beisein von unzähligen weiß gekleideten Menschen sehr laute bis extrem laute Musik gespielt wurde (z.B. "Live is life" in Karoke) - und angesichts des offenen Dachs und den anfangs noch geöffneten Fenstern wundert es nicht, dass die Musik von draußen seit 20:15 durchgehend deutlichst zu hören war (Beginn der Vorstellung um 19:30), und nicht selten sogar lauter als die Operettenmusik, obwohl ich ohnehin an der weiter vom Straßenfest entfernten Saalhälfte saß. Hätte mir die Aufführung gefallen, hätte ich mich darob maßlos geärgert und bereits ein Beschwerdemail ans Stadttheater geschrieben, wieso um Himmels willen heute überhaupt eine Vorstellung angesetzt worden war, aber da die Aufführung nicht nur an der Grenze zur Lächerlichkeit balancierte, sondern fast unzumutbar war, ergab die Kombination mit dem "Baden in Weiß"-Event einen gewissen Reiz.

Operetten heutzutage aufzuführen, ist schwierig. Erstens fehlen die Sänger, zweitens ist die Gattung tot, und drittens sind Operetten enorm schwer zu inszenieren. Die Inszenierung von Christa Ertl (Bühne von Christof Lerchenmüller, Kostüme von Alexia Redl) ist jedenfalls so, wie man es NICHT machen soll. Enorm konservativ (völlig absurde Bühnenbilder und Kostüme), gleichzeitig lächerlich mit unzähligen halb-lustigen Pointen und einer total peinlichen Pseudo-Alpenwelt, die nie so stattgefunden hat und die mit der (historischen) Realität so viel gemein hat wie eine Zefirelli-Aida mit dem Alten Ägypten, nämlich nichts. Dass zwischendurch die "Tiroler Holzhackerbuam" als (peinlich choreographierte) Tanzeinlage gespielt wurden, die zur Vogelhändler-Musik nicht passen, war dann auch schon egal. (Man muss echte alpenländische Volksmusik nicht mögen, aber ich mag sie, weil ich mit ihr aufgewachsen bin und sie Teil meiner Identität ist, und umso mehr schmerzt mich, dass das heute Gebotene nichts damit zu tun hat, sondern eine peinliche Show auf Musikantenstadl-Niveau mit Standardgesten war. Ein Gruselkabinett! Alles, aber insbesondere die Personenführung, wirkte dilettantisch. Nicht der allergeringste Versuch, die (leicht verborgene) Sozialkritik verdeckt auf die Bühne zu bringen, sondern einfach nur sinnloser Klamauk. Zum Davonlaufen. Anlass zur Sorge bereitet übrigens, dass sich große Teile des Publikums bei der Vorstellung prächtig unterhalten haben (wobei die Sommerarena in Baden auch eine Art "Event" ist, wo man hingeht, um einen schönen Abend zu verbringen, und was man dort hört, ist nur Nebensache; ich kenne genug Leute in Baden und naher Umgebung).

Wie schon angesprochen: Woher soll man gute Operettensänger nehmen? Heute gibt es einfach keinen Peter Minich mehr, der dieses Genre über 50 Jahre lang geprägt hat und ein Stück Österreichischer Kulturgeschichte war. Wenn man sich auf Youtube Vogelhändler-Mitschnitte mit u.a. Adolf Dallapozza, Edith Lienbacher und Peter Minich (die ich alle drei noch live gehört habe, wenn auch gegen Ende ihrer Karriere), wird einem bewusst, dass man den Vogelhändler auch VIEL besser singen kann, als das heute in Baden getan wurde. Clemens Kerschbaumer in der Titelrolle war in Ordnung; seine Stimme ist weder schön, noch klangvoll, und der Schlusston von "Wie mein Ahnl zwanzig Jahr'" wurde teils im Falsett gesungen. Die beste Leistung kam von Regina Riel als Kurfürstin, deren "Als geblüht der Kirschenbaum" allerdings durch besonders massiven Lärm von draußen gestört wurde. Matjaž Stopinšek als Stanislaus hat mich enttäuscht, denn letztes Monat hat er mir als Jason in Cherubinis Medea sehr gut gefallen. Heute wechselten sich einige sehr schöne Töne mit gepressten, schlampig gesungenen ab. Naja, vielleicht war ihm heute die ganze Produktion zu deppert, wofür ich großes Verständnis hätte. Dass vom Baron Weps des Sébastien Soulès nichts zu erwarten war, war mir schon nach seinem katastrophalen Kálmán Zsupán im Jänner klar gewesen. Ein noch größerer Totalausfall war Ilia Staple als Briefchristl - wie hat sie überhaupt die Aufnahmsprüfung der Universität bestanden? Schon ihr zuzuschauen hätte mir gereicht, denn beim Singen zeigte sie einen enorm unangenehmen Gesichtsausdruck, offenbar ist dort alles bis zum Geht-nicht-Mehr verspannt, und dementsprechend klingt es auch (und dabei lernt man in der Gesangsausbildung als erstes, dass sich alles angenehm anfühlen muss und Verspannungen fehl am Platze sind!). Verena Scheitz (Adelaide) kann leider nicht singen und hatte ein paar halb-lustige Anspielungen über die aktuelle österreichische Innenpolitik zu präsentieren. Der verdiente Franz Födinger (1967 erstmals in Baden engagiert) als Schneck kann auch nicht mehr wirklich singen. Absoluter Tiefpunkt waren Artur Ortens und Beppo Binder als Würmchen und Süffle. Schlimmer geht es nicht mehr!! Das Orchester unter Michael Zehetner war besser als im Zigeunerbaron, aber bloß wahrscheinlich nur deshalb, weil man heute aufgrund der schlechteren Akustik die Unsauberkeiten nicht gehört hat. Der Chor verwechselte "laut singen" mit "gut singen".

Insgesamt: Eine gröbliche Missachtung dieser Operette! Abgesehen davon, dass ich Operetten noch schlechter als (die meisten) Opern finde.

29. Juni 2019
17:44
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Gurnemanz
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@54 Verspätet, aber dennoch danke für Ihre Medea-Schilderung! Der Tenor hat mir sehr gut gefallen, das von Ihnen beschriebene Problem habe ich nur in der letzten Szene leicht wahrgenommen. Naja, vielleicht hatte er in meiner Aufführung einen besonderes guten Abend bzw. in Ihrer einen sehr schlechten. Heute werde ich ihn in einer stilistisch komplett anderen Rolle hören.

Ja, ich stimme Ihnen zu, Cherubinis Medea ist nichts zum Zurücklehnen und Berieseln-Lassen.

@53 Ja, "HINFAHREN!" kann man nur nochmals betonen. Ich bin bei den beiden verbleibenden Vorstellungen dabei, denn es ist sehr fraglich, ob es in den nächsten 50 Jahren die Gelegenheit geben wird, dieses hochinteressante Werk in unserer Nähe erleben zu können. 

7. Juni 2019
10:11
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dalmont
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6. Juni 2019 Medée - Musiktheater Linz

Unter allen antiken Mythen tue ich mir mit Penthesilea am schwersten, dann folgt schon Medea. Beide Mythen hat das Musiktheater Linz auf die Bühne gestellt, die „Penthesilea“-Aufführung schien mir geschlossener.

Viel Medeen hab ich bisher nicht gesehen. Staatsoper mit Rysanek, Popp und, wie ich festgestellt habe, der jungen Gruberova als eine der Dienerinnen, dann die Aufführung im Theater an der Wien vor 11 Jahren. Grandios der Medea-Film von Pasolini mit Callas als Schauspielerin, ganz archaisch. Nahegebracht hat mir die „Medea“ nicht Grillparzer, die ich noch als Sprechoper in den 70ern am Burgtheater kennenlernte, sondern heuer die grandiose Inszenierung von Stone nach Euripides, die den antiken Mythos mit einem ähnlichen Fall aus der unmittelbaren US-amerikanischen Gegenwart verknüpfte und ihn so begreifbarer machte (woran SprechopernliebhaberInnen aber viel herumzumosern hatten).

Das führt zur Linzer Aufführung, bei der der Regisseur Guy Montavon den Plot ebenfalls in die Gegenwart verpflanzte, und zwar 1:1 in die US-amerikanische Bankenwelt. Was im Schauspiel funktionierte, ging in der Oper nicht gut. Am Anfang wirkte es wie „Dynasty“ oder eine beliebige Daily Soap von Reich und Mächtig. Das Konzept funktionierte bei den gesprochenen Dialogen, die sehr eingekürzt waren, einigermaßen, bei den musikalischen Passagen nur, wenn man viele Abstriche macht. Die Götteranrufungen, Aufmärsche und andere Passagen sind nicht umzudeuten. Das Gurnemanzsche „zaghaft“ trifft die Sache schon sehr gut.

Musikalisch war die Aufführung auf gutem Niveau, auch das hat G. sehr gut beschrieben. Ich hörte allerdings Brigitte Gellner als Medea, eine schöne, nicht zu große Stimme. In ihrer Ausdrucksskala fehlte jedoch das Gefährliche, das wilde Rasen, das die Figur braucht um gaubhaft zu werden. Theresa Grabner war Dircé, mit etwas soubrettenhafter Stimme, die die Schwierigkeiten ihrer Arie gut, aber nicht sehr gut meisterte. Streiten würde ich mit Gurnemanz wegen des Jason von Matjaž Stopinšek. Es stimmt schon, dass das Grundmaterial gut ist, aber ab einer gewissen Höhe hatte ich den nicht immer angenehmen Eindruck, dassdie Töne nur mehr mit Druck „ansprangen“.

Zwei Aufführungen gibt es noch im Juni. Ich halte die Musik für äußerst interessant und ausdrucksstark, sie ist natürlich nix zum Zurücklehnen und nur genießen. Das Hineinhören in die Ausdrucksvaleurs in Orchester und Stimmen ist aber recht faszinierend.

Die Aufführung endet auch am Abend so, dass man bequem und ohne zu rennen den Zug um 22.16 erreicht (um 21.50 fiel der Vorhang).

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