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Oper in Bundesländern Österreichs
6. Oktober 2019
21:38
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Danke für Ihre freundlichen Worte! Ja, Death in Venice war super, ich war damals sogar dreimal dort. Den Berlioz-Faust hab ich leider verpasst. Naja, man kann nicht alles haben... 

Gut, dass The Rape of Lucretia in der Blackbox gespielt wird, im großen Saal würde das Stück mitsamt den Sängern untergehen.

2. Oktober 2019
23:22
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LeFis
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2. Oktober 2019
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Danke Gurnemanz für die Nachbesprechung der Britten-Oper. 

Meine letzte Erfahrung mit Britten im Musiktheater (Frühjahr 2018), als "Death in Venice" gegeben wurde, war sehr erfreulich. Inszenierung, Dirigat und Gesang ließ mich zweimal nach Linz reisen.

Allgemein: seit Markus Poschner ist das Haus noch einmal besser geworden. (Mein persönliches Highlight war "La damnation de Faust" mit einer großartigen Inszenierung)

28. September 2019
3:17
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Fr., 27. September 2019: LINZ (Musiktheater, Blackbox): Benjamin Britten, The Rape of Lucretia / Die Schändung der Lucretia

Das Landestheater Linz nimmt seit einigen Saisonen immer wieder Britten-Opern ins Programm, worüber ich mich sehr freue, zumal Britten einer meiner Lieblingskomponisten ist (umso mehr schmerzt mich, dass erst heute die Vorstellung am 1. Dez. dieses Jahres von „Noahs Flut“ in Passau abgesagt wurde – aber alles halb so wild, fahr ich halt an diesem Tag statt dessen nach Ostrava zu Janáčeks Osud, das ist ein ganz wunderbares Kleinod der Opernliteratur). The Rape of Lucretia ist nicht Brittens bestes Werk, aber nichtsdesotweniger sehr anhörbar und erfrischend unkonventionell. Hauptrollen sind ja bekanntlich „The male chorus“ und „The female chorus“, und von diesen beiden Sängern werden die Ereignisse kommentiert und reflektiert – das bringt mit sich, dass nur ein Teil dieser Oper wirkliche Handlung beeinhaltet, ein großer Teil wird der Reflexion gewidmet (so ähnlich wie in Death in Venice). Da muss man sich mal darauf einlassen und erkennen, wie meisterhaft Britten die verschiedenen Figuren musikalisch zueinander in Beziehung gesetzt hat, dann wird man diese Oper auch sehr genießen. Aus dem sehr klein besetzten Orchester (13 Musiker?) kommen typische Britten-Klänge, und ich liebe die Musiksprache Brittens.

Gespielt wird in der Black-Box im Keller des Musiktheaters, und dorthin passt das Werk auch, in einem großen Saal würden die ganzen Feinheiten völlig untergehen. Das Orchester befindet sich abseits, in der Mitte des Geschehens ist die Bühne, auf den beiden Längsseiten sitzen in vier und drei aufsteigenden Reihen die Zuschauer (hinter dem Orchester kann man auch sitzen). Ärgerlich ist, dass die Plätze numeriert sind und so der vorgesehene Sitzplatz reines Glücksspiel ist – aber zumal nicht alle Plätze besetzt waren, gab es durchaus Gestaltungsspielraum. Durch die Wahl des Spielortes ergibt sich natürlich die Möglichkeit zu einer offenen Inszenierung, in der keine Distanz zwischen Zuhörer und Bühne vorhanden ist; gleichzeitig gibt es die Möglichkeit, die Partien mit schlechten Sängern zu besetzen, nämlich mit solchen, die im kleinen Rahmen durchaus reüssieren können, in einem normalen Saal aber hoffnungslos verloren wären.

Es handelte sich um eine Produktion des Oberösterreichischen Opernstudios, und da es sich um in Ausbildung befindliche Sänger handelt, schraubt man natürlich die Erwartungen hinunter. Und ehrlich gesagt: Was ich so gehört habe, bestätigt zahlreiche negative Meinungen: Alles nette Stimmen, aber halt alles so durchschnittlich, so austauschbar – KEIN EINZIGER Sänger mit einer markanten, einprägsamen Stimme. Alles wurde brav und nett gesungen, aber bitte, vor allem in der Vergewaltigungsszene und in der Selbstmordszene muss man doch Gestaltung zeigen. Heute war's aber ziemlich flach. Am besten gefallen haben mir die Sänger der beiden Hauptrollen (die beiden „Chöre“): Svenja Isabella Kallweit mit durchschnittlicher, aber immerhin sehr ordentlicher Sopranstimme, und Rafael Helbig-Kostka, der zwar hörbare Tiefenprobleme hatte, aber trotzdem eine gute Leistung bot. Florence Losseau war eine gute Lucretia, zu einer sehr guten fehlt noch Schärfe in der Stimme und vor allem Ausdrucksfähigkeit (wieso macht die Kulman derzeit nur Blödsinn und nicht was Gscheits, z.B. eben die Lucretia?) Timothy Connor war als Tarquinius in Ordnung, zeitweise hätte er mehr Farben in der Stimme einsetzen können statt Lautstärke, aber was soll's. Rollendeckend waren Seunggyeong Lee als Junius, Sinja Maschke als Bianca und Etelka Sellei als Lucia, wobei die beiden Damen eine merkwürdige englische Aussprache präsentierten. Fast ein Ausfall war Philipp Kranjc als Collatinus, der eine fahle, glanzlose Stimme ohne Kern/Metall hat, und wer eine solche Stimme verwaltet, sollte nicht Sänger werden.

Großer Pluspunkt des Abends war das Bruckner-Orchester-Linz (oder zumindest die paar eingesetzten Musiker) unter Leslie Suganandarajah (wohlbekannt von der hervorragenden Penthesilea in der vergangenen Spielzeit). Die Inszenierung von Gregor Horres (Bühne und Kostüme von Jan Bammes) ist erkennbar mit geringen finanziellen Möglichkeiten hergestellt, passt aber sehr gut zum Ambiente (abgesehen davon, dass die Türen oftmals geräuschvoll geöffnet wurden, und nicht selten genau während schöner Stellen im Orchester, die ich gern ohne Nebengeräusche gehört hätte). Die Vorstellung hat mir insgesamt ausgezeichnet gefallen, was aber dem Stück, dem Ambiente und dem Orchester zuzuschreiben ist. Die Sänger waren insgesamt passabel, aber halt nicht mehr als das.

31. August 2019
11:13
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UwePaul
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31. August 2019
10:29
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Ich will dafür keinen eigenen Thread aufmachen, hierher passts noch am ehesten:

Normalerweise lese ich keine Texte von Klaus Billand, weil er hauptsächlich über Wagner-Aufführungen berichtet und mich Wagner nicht interessiert, aber jetzt bin ich über seinen gestrigen und im heutigen Tageskommentar zitierten Konzertbericht zu Salzburg gestolpert: https://onlinemerker.com/salzburg-festspiele-wiener-philharmoniker-mit-bernard-haitink/

 

Darin gibt es zahlreiche sachliche Fehler:

Zweimal ist die Rede von "Abend", obwohl das Konzert um 11:00 vormittags begann.

Es handelte sich außerdem nicht um Haitinks letzten Auftritt in Salzburg (der ist heute, 11:00, mit demselben Programm), und nach dem heutigen kommt noch genau einer in Luzern. 

Abgesehen davon würde ich gern als Leser der Kritik etwas Handfestes erfahren und nicht nur Ausdrücke à la eine bestimmte auratische Spannung oder alle Facetten, die man sich nur wünschen könne. Nach dem Lesen des Textes weiß ich nicht, wie das Konzert war, und wie hoch der Frauenanteil des Orchesters war, ist mir auch völlig egal. Dass 88 Musiker schon ein Riesenorchester ergeben, finde ich nicht. Des weiteren schreibt sich Emanuel Ax nicht mit Doppel-m.

Tut mir leid, aber diesmal konnte ich nicht widerstehen, ein paar Sachen zu korrigieren.

24. August 2019
21:25
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Gurnemanz
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Sa., 24. August 2019: SALZBURG (Felsenreitschule): George Enescu, Œdipe

Es gibt gewisse Opern, in denen es genau eine wichtige Rolle gibt und die Leistungen der übrigen Sänger ziemlich egal sind, nur wenn diese alle schlecht sind, ists auch ärgerlich. Dazu gehören unter anderem Wozzeck, Peter Grimes, Sache Makropulos, Oedipus Rex, und auch Enescus Œdipe passt in diese Reihe. Enescu wird bedauerlicherweise weitgehend ignoriert (vom Wiener Noch-Staatsoperndirektor erwartet man eh nix, aber wieso bringt nicht das Wiener Konzerthaus mal eine Enescu-Symphonie statt des unnötigen Beethoven-Mainstreamschwerpunkts in der kommenden Saison mit dem fürchterlichen Currentzis, oder auch bei den heurigen Salzburger Festspielen hätte man ja statt der xten Bruckner-Symphonie mal ein Enescu-Orchesterwerk ausgraben können!!), und ja, Enescus Œdipe kann schon was! Die bereits erwähnte Stravinski-Version ist natürlich viel besser (dichter, spannender, moderner, kreativer), aber auch der Enescu ist des Anhörens wert und hätte sich eine deutlich bessere Realisierung als die heutige verdient. Hingegen ist erfreulich, dass ungekürzt gespielt wurde!

Ausgezeichnet war Christopher Maltman in der Hauptrolle. Was für ein ausgezeichneter Sänger, da kann man gar nichts Negatives finden. Heute der einzige mit richtiger Lautstärke, wohlklingendem Timbre, Textdeutlichkeit und Gestaltung. Wer ihn noch nicht kennt, sollte sich ihn unbedingt anhören, er ist einer der besten Opernsänger der Gegenwart. Akzeptabel waren Anaïk Morel als Jocaste und John Tomlinson (der nicht mehr alle Töne trifft) als Tirésias. Besonders farblos Brian Mulligan als Créon und Ève-Maud Hubeaux als La Sphinge, die restlichen Leute nicht erwähnenswert. Der Chor (Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor) okay. 

Massiv unter meinen Erwartungen aber Dirigent/Orchester (Wiener Philharmoniker) und die Inszenierung. Ingo Metzmacher ist ja meistens sehr gut, aber heute nicht: Einzelne Stimmen sind auseinander gefallen, und generell wars so lieblos herunterdirigiert, mit sehr wenig Sinn für die farbenreiche Partitur, die mich an Szymanowskis Król Roger erinnert. So lobenswert es ist, dass er es ungekürzt spielt, er sollte die Finger davon lassen. Und die Inszenierung komplett zum Vergessen: Es ist zwar nett, dass Achim Freyer die räumlichen Möglichkeiten Felsenreitschule genützt hat, aber weniger nett ist, dass es dann akustisch oft nicht passt. Wirklich mühsam ist die fade Herumsteherei, während auch wirkliche Aktionen stattfinden hätten können. Sinnlose Kostüme, fades Stehtheater, seltsame Beleuchtung (von Franz Tscheck) machten ein paar wenige gute Einfälle (wie zum Beispiel dass die tote Sphinx senkrecht auf die Bühne fällt) nicht wett. Freyer hat eindeutig aus dem Libretto inszeniert; gefühlt und geistig durchdrungen hat er die Musik offenbar nicht (welch ein Gegensatz zur großartigen Penthesilea-Inszenierung von Konwitschny in Linz, die genau auf die Musik abgestimmt war).

Insgesamt eine passable Repertoireaufführung, jedoch eindeutig nicht festspielwürdig. Ob ich heute dafür wirklich nach Salzburg fahren hätte müssen? Eigentlich nicht, aber das sehr gute Werk zu hören war fällig.

28. Juli 2019
13:16
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Gurnemanz
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LeFis sagt
Ich hoffe auch auf eine Besprechung Ihrer Konzerte/Oper in Salzburg!

Hab grad in Salzburg die 9. Mahler mit den Wiener Philharmonikern und dem Blomstedt gehört. Hat mir super gefallen (trotz zeitweise merkwürdiger Streichertöne, die waren nicht nur einmal etwas zu tief - davon abgesehen aber sehr gutes Orchester), denn der Blomstedt ist ein hervorragender Dirigent und kein Selbstdarsteller. Und die 9. Mahler ist halt auch eindeutig besser als die 7. Schostakowitsch letztens in Wien.

6. Juli 2019
0:57
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Gurnemanz
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Fr., 5. Juli 2019: LINZ (Musiktheater): Othmar Schoeck, Penthesilea

Das war sie, die letzte Penthesilea-Aufführung in Linz, und ich bin froh, vier Aufführungen dieser grandiosen Produktion dieses zu Unrecht so gut wie nie gespielten Werkes miterlebt zu haben. Schwelgende Spätromantik (z.B. das „Liebesmotiv“, in dem „Der Mensch kann groß, ein Held, im Leiden sein, doch göttlich ist er, wenn er selig ist.“ ertönt und später mehrmals im Orchester wieder auftaucht) wechselt sich mit zahlreichen expressiv-schrillen Stellen ab, genauso wie ich es am liebsten habe. Die Musiksprache ist sehr speziell, und dass abwechselnd gesungen und gesprochen wird, gefällt mir immer besser. Wenn der wirklich langweilige Schluss nicht wäre, stiege die Penthesilea glatt in die Reihe meiner Lieblingsopern auf.

Martin Achrainer, der den Achilles hätte singen sollen, hatte sich in der vorvorletzten Aufführung an der Sehne (!) verletzt, weswegen für die letzten beiden Vorstellungen der Achilles der Bonner Aufführung, Christian Miedl, eingeflogen worden war (andere Interpreten dieser Rolle gibt es derzeit wohl nicht). Dieser war aber schon in der vorletzten Aufführung hörbar indisponiert, weswegen heute jener der Einspringer für sich selbst war, das heißt: Miedl spielte die Rolle (wobei er glücklicherweise auf unnötige Lippenbewegungen verzichtete, sondern dankenswerterweise nur spielte), Achrainer stand auf der rechten Seite und sang nicht ins Publikum, sondern Richtung Mitte. Das kam mir, der ich links auf der Seite (Hochstuhl am 1. Rang) gesessen bin, sehr entgegen, da Achrainer genau in meine Richtung sang und daher für mich sehr gut hörbar war, aber für mindestens 95% des Publikums muss das akustisch sehr ungünstig gewesen sein.

Musikalisch gibt es nichts Neues zu berichten. Achrainer halbwegs ordentlich, aber halt viel zu wenig Stimmkraft und Tiefe für diese Partie (da braucht man einen Wotan, keinen lyrischen Bariton!), Dshamilja Kaiser wirklich gut, aber trotzdem noch zu wenig für die dramatische Partie der Penthesilea, und die kleineren Rollen wunderbar. Das Linzer Bruckner-Orchester ausgezeichnet, der Dirigent Leslie Suganandarajah auch sehr gut, abgesehen davon, dass er auch heute die langweiligen letzten 10 Minuten auf 20 Minuten ausgedehnt hat. Die Inszenierung von Peter Konwitschny hervorragend, auch die Detailarbeit ist dem Regisseur äußerst gut gelungen.

Wer sich die Produktion entgehen ließ, hat definitiv sehr viel verpasst. Eine Kombination mit Stravinskis Oedipus Rex würde Sinn ergeben.

2. Juli 2019
22:16
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Gurnemanz
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Di., 2. Juli 2019: LINZ (Musiktheater): Othmar Schoeck, Penthesilea

Vorvorgestern gab es Grund zur Befürchtung des Ausfalls der Vorstellung, zumal der Achilles Martin Achrainer am Knie verletzt war und schon vor zwei Jahren aufgrund von Erkrankungen einzelne Vorstellungen von Hindemiths Harmonie der Welt abgesagt worden waren. Aber heuer konnte ein Ersatz gefunden werden, nämlich Christian Miedl, der dank seiner Mitwirkung an der Produktion in Bonn schon mit dem Stück und der Inszenierung vertraut war.

Wie vor Beginn mitgeteilt wurde, war er aufgrund eines Flugzeugausfalls und sonstigen Begebenheiten erst 2½ Stunden vor Vorstellungsbeginn nach einer schlaflosen Nacht in Linz angekommen und sei obendrein indisponiert, und letzteres hat man ganz deutlich gemerkt. Als Nicht-Einspringer und ohne Indispositionsansage wäre das völlig indiskutabel gewesen. Die Stimme klang sehr heiser und viel zu leise, außerdem eher nach Tenor ohne Höhe als nach Bariton. Beim Applaus hat er sich so verhalten, als wüsste er genau, dass das grad nix war; insofern vermute ich, dass er es besser kann. Hoffentlich wird's am Freitag besser. 

Ansonsten gilt dasselbe (großteils sehr Positive) wie für die beiden bisher von mir besuchten Vorstellungen (2. März und 18. Mai), außer dass ich die Sänger - insbesondere Matthäus Schmidlechner als Diomedes - akustisch schwächer vernommen habe, was daran liegt, dass heute der 2. Rang gesperrt war und alle von dort in den 1. Rang verfrachtet wurden. Besonders positiv muss ich das Linzer Bruckner Orchester erwähnen, und besonders negativ den Mann am Pult: Leslie Suganandarajah hat alles sehr gut gemacht, abgesehen vom unerträglichen Schleppen am Ende. Der Schluss dieser ansonsten tollen Oper ist ohnehin schon so langweilig, wieso macht er 20 Minuten aus 10 Minuten? Insgesamt hat mir die Vorstellung aber sehr gut gefallen, nicht zuletzt dank der hervorragenden Inszenierung von Peter Konwitschny. Am Freitag gibt es noch einen letzten Termin. Nicht verpassen!!!

30. Juni 2019
4:02
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Gurnemanz
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Sa., 29. Juni 2019: BADEN BEI WIEN (Sommerarena): Carl Zeller, Der Vogelhändler

Ein Freund und ich hatten schon länger vor, der oftmals gelobten Sommerarena in Baden einen Besuch abzustatten. Nach Durchsicht des Spielplans hatten wir - beide das Gegenteil von Operettenfreunden - uns den Vogelhändler ausgesucht, den wir zwar schon vor 10 Jahren an der Wiener Volksoper gesehen hatten, aber der uns trotzdem am lohnenswertesten erschien. Um es vorwegzunehmen: Nicht dass der Vogelhändler ein gutes Stück wäre, aber ihn SO schlecht zu erleben wie aktuell in Baden, tut schon weh. Der Zigeunerbaron im Jänner war auch nicht gut, aber deutlich besser. (Kein Wunder, der Zigeunerbaron war ja als Komische Oper konzipiert gewesen.)

Die Sommerarena ist die zweite Spielstätte des Stadttheaters Baden und viel kleiner, als sie auf den Bildern ausschaut. Sie passt perfekt zu Baden: antiquiert, unbequem, aber trotzdem mit einem kleinen Reiz. Dass man vom Rang direkt in einen Park gehen kann, ist super, und Gelsen haben sich heute auch fast keine eingefunden. Ein gewaltiges Problem war, dass gestern und heute das Event "Baden in weiß" stattfindet, das bedeutet einen Mordsbahö in der Innenstadt und vor allem in der Nähe des Casinos Baden. Das Casino Baden befindet sich aber genau neben der Sommerarena, was bedeutet, dass ca. 40 Meter neben der Sommerarena im Beisein von unzähligen weiß gekleideten Menschen sehr laute bis extrem laute Musik gespielt wurde (z.B. "Live is life" in Karoke) - und angesichts des offenen Dachs und den anfangs noch geöffneten Fenstern wundert es nicht, dass die Musik von draußen seit 20:15 durchgehend deutlichst zu hören war (Beginn der Vorstellung um 19:30), und nicht selten sogar lauter als die Operettenmusik, obwohl ich ohnehin an der weiter vom Straßenfest entfernten Saalhälfte saß. Hätte mir die Aufführung gefallen, hätte ich mich darob maßlos geärgert und bereits ein Beschwerdemail ans Stadttheater geschrieben, wieso um Himmels willen heute überhaupt eine Vorstellung angesetzt worden war, aber da die Aufführung nicht nur an der Grenze zur Lächerlichkeit balancierte, sondern fast unzumutbar war, ergab die Kombination mit dem "Baden in Weiß"-Event einen gewissen Reiz.

Operetten heutzutage aufzuführen, ist schwierig. Erstens fehlen die Sänger, zweitens ist die Gattung tot, und drittens sind Operetten enorm schwer zu inszenieren. Die Inszenierung von Christa Ertl (Bühne von Christof Lerchenmüller, Kostüme von Alexia Redl) ist jedenfalls so, wie man es NICHT machen soll. Enorm konservativ (völlig absurde Bühnenbilder und Kostüme), gleichzeitig lächerlich mit unzähligen halb-lustigen Pointen und einer total peinlichen Pseudo-Alpenwelt, die nie so stattgefunden hat und die mit der (historischen) Realität so viel gemein hat wie eine Zefirelli-Aida mit dem Alten Ägypten, nämlich nichts. Dass zwischendurch die "Tiroler Holzhackerbuam" als (peinlich choreographierte) Tanzeinlage gespielt wurden, die zur Vogelhändler-Musik nicht passen, war dann auch schon egal. (Man muss echte alpenländische Volksmusik nicht mögen, aber ich mag sie, weil ich mit ihr aufgewachsen bin und sie Teil meiner Identität ist, und umso mehr schmerzt mich, dass das heute Gebotene nichts damit zu tun hat, sondern eine peinliche Show auf Musikantenstadl-Niveau mit Standardgesten war. Ein Gruselkabinett! Alles, aber insbesondere die Personenführung, wirkte dilettantisch. Nicht der allergeringste Versuch, die (leicht verborgene) Sozialkritik verdeckt auf die Bühne zu bringen, sondern einfach nur sinnloser Klamauk. Zum Davonlaufen. Anlass zur Sorge bereitet übrigens, dass sich große Teile des Publikums bei der Vorstellung prächtig unterhalten haben (wobei die Sommerarena in Baden auch eine Art "Event" ist, wo man hingeht, um einen schönen Abend zu verbringen, und was man dort hört, ist nur Nebensache; ich kenne genug Leute in Baden und naher Umgebung).

Wie schon angesprochen: Woher soll man gute Operettensänger nehmen? Heute gibt es einfach keinen Peter Minich mehr, der dieses Genre über 50 Jahre lang geprägt hat und ein Stück Österreichischer Kulturgeschichte war. Wenn man sich auf Youtube Vogelhändler-Mitschnitte mit u.a. Adolf Dallapozza, Edith Lienbacher und Peter Minich (die ich alle drei noch live gehört habe, wenn auch gegen Ende ihrer Karriere), wird einem bewusst, dass man den Vogelhändler auch VIEL besser singen kann, als das heute in Baden getan wurde. Clemens Kerschbaumer in der Titelrolle war in Ordnung; seine Stimme ist weder schön, noch klangvoll, und der Schlusston von "Wie mein Ahnl zwanzig Jahr'" wurde teils im Falsett gesungen. Die beste Leistung kam von Regina Riel als Kurfürstin, deren "Als geblüht der Kirschenbaum" allerdings durch besonders massiven Lärm von draußen gestört wurde. Matjaž Stopinšek als Stanislaus hat mich enttäuscht, denn letztes Monat hat er mir als Jason in Cherubinis Medea sehr gut gefallen. Heute wechselten sich einige sehr schöne Töne mit gepressten, schlampig gesungenen ab. Naja, vielleicht war ihm heute die ganze Produktion zu deppert, wofür ich großes Verständnis hätte. Dass vom Baron Weps des Sébastien Soulès nichts zu erwarten war, war mir schon nach seinem katastrophalen Kálmán Zsupán im Jänner klar gewesen. Ein noch größerer Totalausfall war Ilia Staple als Briefchristl - wie hat sie überhaupt die Aufnahmsprüfung der Universität bestanden? Schon ihr zuzuschauen hätte mir gereicht, denn beim Singen zeigte sie einen enorm unangenehmen Gesichtsausdruck, offenbar ist dort alles bis zum Geht-nicht-Mehr verspannt, und dementsprechend klingt es auch (und dabei lernt man in der Gesangsausbildung als erstes, dass sich alles angenehm anfühlen muss und Verspannungen fehl am Platze sind!). Verena Scheitz (Adelaide) kann leider nicht singen und hatte ein paar halb-lustige Anspielungen über die aktuelle österreichische Innenpolitik zu präsentieren. Der verdiente Franz Födinger (1967 erstmals in Baden engagiert) als Schneck kann auch nicht mehr wirklich singen. Absoluter Tiefpunkt waren Artur Ortens und Beppo Binder als Würmchen und Süffle. Schlimmer geht es nicht mehr!! Das Orchester unter Michael Zehetner war besser als im Zigeunerbaron, aber bloß wahrscheinlich nur deshalb, weil man heute aufgrund der schlechteren Akustik die Unsauberkeiten nicht gehört hat. Der Chor verwechselte "laut singen" mit "gut singen".

Insgesamt: Eine gröbliche Missachtung dieser Operette! Abgesehen davon, dass ich Operetten noch schlechter als (die meisten) Opern finde.

29. Juni 2019
17:44
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Gurnemanz
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@54 Verspätet, aber dennoch danke für Ihre Medea-Schilderung! Der Tenor hat mir sehr gut gefallen, das von Ihnen beschriebene Problem habe ich nur in der letzten Szene leicht wahrgenommen. Naja, vielleicht hatte er in meiner Aufführung einen besonderes guten Abend bzw. in Ihrer einen sehr schlechten. Heute werde ich ihn in einer stilistisch komplett anderen Rolle hören.

Ja, ich stimme Ihnen zu, Cherubinis Medea ist nichts zum Zurücklehnen und Berieseln-Lassen.

@53 Ja, "HINFAHREN!" kann man nur nochmals betonen. Ich bin bei den beiden verbleibenden Vorstellungen dabei, denn es ist sehr fraglich, ob es in den nächsten 50 Jahren die Gelegenheit geben wird, dieses hochinteressante Werk in unserer Nähe erleben zu können. 

7. Juni 2019
10:11
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dalmont
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6. Juni 2019 Medée - Musiktheater Linz

Unter allen antiken Mythen tue ich mir mit Penthesilea am schwersten, dann folgt schon Medea. Beide Mythen hat das Musiktheater Linz auf die Bühne gestellt, die „Penthesilea“-Aufführung schien mir geschlossener.

Viel Medeen hab ich bisher nicht gesehen. Staatsoper mit Rysanek, Popp und, wie ich festgestellt habe, der jungen Gruberova als eine der Dienerinnen, dann die Aufführung im Theater an der Wien vor 11 Jahren. Grandios der Medea-Film von Pasolini mit Callas als Schauspielerin, ganz archaisch. Nahegebracht hat mir die „Medea“ nicht Grillparzer, die ich noch als Sprechoper in den 70ern am Burgtheater kennenlernte, sondern heuer die grandiose Inszenierung von Stone nach Euripides, die den antiken Mythos mit einem ähnlichen Fall aus der unmittelbaren US-amerikanischen Gegenwart verknüpfte und ihn so begreifbarer machte (woran SprechopernliebhaberInnen aber viel herumzumosern hatten).

Das führt zur Linzer Aufführung, bei der der Regisseur Guy Montavon den Plot ebenfalls in die Gegenwart verpflanzte, und zwar 1:1 in die US-amerikanische Bankenwelt. Was im Schauspiel funktionierte, ging in der Oper nicht gut. Am Anfang wirkte es wie „Dynasty“ oder eine beliebige Daily Soap von Reich und Mächtig. Das Konzept funktionierte bei den gesprochenen Dialogen, die sehr eingekürzt waren, einigermaßen, bei den musikalischen Passagen nur, wenn man viele Abstriche macht. Die Götteranrufungen, Aufmärsche und andere Passagen sind nicht umzudeuten. Das Gurnemanzsche „zaghaft“ trifft die Sache schon sehr gut.

Musikalisch war die Aufführung auf gutem Niveau, auch das hat G. sehr gut beschrieben. Ich hörte allerdings Brigitte Gellner als Medea, eine schöne, nicht zu große Stimme. In ihrer Ausdrucksskala fehlte jedoch das Gefährliche, das wilde Rasen, das die Figur braucht um gaubhaft zu werden. Theresa Grabner war Dircé, mit etwas soubrettenhafter Stimme, die die Schwierigkeiten ihrer Arie gut, aber nicht sehr gut meisterte. Streiten würde ich mit Gurnemanz wegen des Jason von Matjaž Stopinšek. Es stimmt schon, dass das Grundmaterial gut ist, aber ab einer gewissen Höhe hatte ich den nicht immer angenehmen Eindruck, dassdie Töne nur mehr mit Druck „ansprangen“.

Zwei Aufführungen gibt es noch im Juni. Ich halte die Musik für äußerst interessant und ausdrucksstark, sie ist natürlich nix zum Zurücklehnen und nur genießen. Das Hineinhören in die Ausdrucksvaleurs in Orchester und Stimmen ist aber recht faszinierend.

Die Aufführung endet auch am Abend so, dass man bequem und ohne zu rennen den Zug um 22.16 erreicht (um 21.50 fiel der Vorhang).

20. Mai 2019
6:41
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Flo_h
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Wir waren auch am Samstag in Linz in Penthesilea. Wir saßen auch auf der Bühne, allerdings ganz in der Mitte unter dem Orchester. Die Akustik war ganz anders, das Orchester war natürlich viel lauter, da wir zwischen ihm und den Sängern platziert waren. Es war ein ganz anderes Erlebnis, so hautnah mitten im Chor zu sitzen. Die Emotionen waren da intensiver zu spüren. Wir waren wieder begeistert! "Unsere" Chorsänger" haben nicht getratscht.

Ich kann mich Gurnemanz nur anschließen: HINFAHREN

19. Mai 2019
0:24
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Gurnemanz
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Sa., 18. Mai 2019: LINZ (Musiktheater): Othmar Schoeck, Penthesilea

Heute war ich zum zweitenmal bei Othmar Schoecks Penthesilea in Linz, und die Fahrt hat sich ausgezahlt. Im Unterschied zur Premiere (2. März) bin ich heute links unten gesessen, und zwar AUF der Bühne (wer sich darunter nichts vorstellen kann, möge bitte meinen nach der Premiere geschriebenen Text lesen). Ich sag's ganz ehrlich: Wohlgefühlt habe ich mich dort nicht. Freilich ist es ganz cool, das Geschehen aus nächster Nähe verfolgen zu können, aber ich habe mich dort unten (quasi als Teil des Bühnenbildes) nicht wohlgefühlt. Zudem lässt die Akustik sehr zu wünschen übrig, da die Bodenreflexion fehlt, und außerdem ist es nicht sonderlich ergiebig, manchen Sängern beim Dauer-Spucken zuzuschauen und manchen Chorsängern beim verstohlenen Tratschen zuzuhören.

Musikalisch kann ich auf meinen damaligen Bericht verweisen - mit einer Ausnahme: Von Martin Achrainer (Achilles) hatte ich einen schlechteren Eindruck, denn seine Stimme ist für diese Rolle zu leichtgewichtig. Nichtsdestoweniger insgesamt eine hervorragende Produktion (Peter Konwitschny) eines enorm unterschätzten Stückes mit großteils (sehr) guten Sängern und einem tollen Linzer Bruckner-Orchester (unter Leslie Suganandarajah). An alle Österreicher: Hinfahren!!!

11. Mai 2019
22:47
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Sa., 11. Mai 2019: LINZ (Musiktheater): Luigi Cherubini, Médée

Heute war ich in Linz, um Cherubinis Medea erstmals zu erleben und somit zu meiner Opernliste hinzuzufügen. Die folgenden Zeilen sind von jemandem geschrieben, der das Stück nicht kennt und sich für die Oper des 18. Jahrhunderts nicht interessiert.

Mein Eindruck war zwiespältig. In Anbetracht dessen, dass das nicht „meine“ Musik ist, hat mir der erste und dritte Akt recht gut gefallen, der zweite hat seine Längen. Die Inszenierung von Guy Montavon (mit Bühne und Kostümen von Annemarie Woods) ist vorsichtig modernisiert: Die Geschichte ist glücklicherweise aus dem mythischen Kontext gelöst und in unsere heutige Zeit transferiert, wobei die Handlung an sich unverändert blieb (soweit ich es beurteilen kann) und die Aktionen der Figuren nachvollziehbar waren. Dennoch kam alles recht zaghaft daher, so als ob sich der Regisseur nicht getraut hätte, eine wirklich originelle Sache abzuliefern. Ausgezeichnet das Linzer Bruckner-Orchester unter Bruno Weil, der Chor auch sehr gut. Dennoch ist meiner Meinung nach die Akustik des Hauses für diese Oper kaum geeignet, im kleinen Theater an der Wien klänge das sicher filigraner und gleichzeitig imposanter. Gesungen wurde auf Französisch, die stark gekürzten Dialoge wurden auf Deutsch gesprochen, was sehr gut gepasst hat.

Star des Abends war der mir völlig unbekannte Matjaž Stopinšek als Jason, der eine wunderschöne Stimme in ausreichender Lautstärke mit guter Technik hat. Ich habe ihn davor gar nicht gekannnt und würde ihn gern wieder hören. Kleine Probleme in seiner letzten Szene schwächten nicht den sehr guten Gesamteindruck. Aber der Jason ist ja nicht die Hauptfigur, und in dieser bekam man leider einen Totalausfall zu hören: Gotho Griesmeier ist eine gute Sängerin, die mir bisher in kleinen Rollen positiv aufgefallen ist. Aber für die Médée reicht es hinten und vorne nicht, denn sie sang zwar schön, aber VIEL zu leise und VIEL zu ausdruckslos, und nicht zuletzt fehlt es auch in der Tiefe ganz gewaltig. Schade, dass eine talentierte Sängerin hier komplett falsch eingesetzt wird (die Premierenbesetzung war die Kaiserin- und Chrysothemis-erprobte Brigitte Geller, das war sicherlich deutlich besser) und es somit nur eine Light-Médée war. Die anderen Sänger (Martin Achrainer als Créon, Julia Neumann als Dircé, Jessica Eccleston als Néris) pendeln sich zwischen den beiden erwähnten im Mittelfeld ein. Für zukünftige Besucher, die einen Zug erreichen müssen: Ende um 19:24 bei einem Beginn um 17:00.

So, und jetzt freu ich mich schon auf die Penthesilea nächste Woche – die ist halb so lang, aber doppelt so lustig.

29. April 2019
18:39
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Gurnemanz
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@48+49: Es freut mich sehr, dass auch Sie die gestrige Vorstellung miterlebt haben. Es ist ein tolles Werk, das man als Opernfan unbedingt gehört haben muss, denke ich. Ich kann Szymanowski schwer mit einem anderen Komponisten vergleichen, es gibt im König Roger gut aufgebaute und effektvolle Klangmassen abwechselnd mit herrlich feiner-zarter-schöner Musik. Einfach traumhaft. "König Roger" soll man viel öfter spielen.

Ihre Eindrücke von der Inszenierung teile ich. Mir hat sie sehr gut gefallen - besser eine leicht verständliche Darstellung als irgendetwas Kompliziertes, das man erst recht nicht durchschaut und das von der tollen Musik ablenkt.

Allerdings muss ich den Butter verteidigen. Er war ja den ganzen Abend schon hörbar leicht überfordert (was ich auch geschrieben habe), somit war er das auch am Ende. Dass ihm an wenigen der zahlreichen Stellen, bei der er gegen das volle Orchester ansingen muss (zum Beispiel beim "Roksano! Tyźeś to?" unmittelbar vor "Czy jeno widmo blade") die Luft ausgegangen ist, nehme ich ihm nicht übel, zumal die Orchestermassen gewaltig waren und ihm zahlreiche andere Stellen (zum Beispiel das "Nadziemski wokół świta brzask!" knapp davor) wirklich sehr schön gelungen sind. Das "W ofierze słońcu dam!" (das ist seine letzte Wortmeldung am Ende eines Monologes, der im wesentlichen aus einem Kampf gegen das Orchester besteht) war dann misslungen, was für mich aber angesichts der herausfordernden Partitur verständlich ist. In Anbetracht dessen, dass Butter ein guter Sänger ist, der vor allem technisch richtig singt und alles gegeben hat, ist das für mich überhaupt kein Problem. Diese Stelle möchte ich nicht singen müssen, die ist wirklich nicht leicht, und da bin ich gerne bereit, über kleine Abstriche hinwegzusehen. Da muss man realistisch bleiben, die Oper Graz kann sich halt keinen Konieczny leisten und muss auch auf andere "Stars" verzichten, die ich aber ohnehin froh bin, nicht hören zu müssen. Von "voll und ganz eingegangen" kann aber überhaupt keine Rede sein. Das ist wirklich ungerecht dem Butter gegenüber.

Aber hier stimme ich - leider - völlig zu:

dalmont sagt
Schade ist schon, dass Opernfreunde und –freundinnen oft so gar nicht neugierig sind, was sich in dem nur zu einem Drittel besetzten Haus zeigte. Dabei war vorgestern, als ich meine Karte besorgte, das Theater besser verkauft, als es gestern gefüllt war. Offensichtlich sind viele Abonnenten nicht gekommen. Und nach der Pause waren es noch weniger. Und das bei einem Werk, das wirklich niemandem „weh“ tut, im Gegenteil, wunderbar anzuhören ist. Und bei einer insgesamt sehr qualitätvollen Aufführung. Es steht nicht wirklich gut um die musikalische Kultur....  

Da ist es dann auch die logische Konsequenz, wenn das Programm uninteressant wird (Beispiel: Wiener Volksoper). LEIDER! Aber das Publikum als Kollektiv hat es so gewollt. Dann gibts halt nur mehr Musicals, aber keine tollen Raritäten mehr. Aber jetzt warten wir mal das Graz-Programm der kommenden Saison ab (wissen Sie, wann das endlich herauskommt?).

29. April 2019
14:14
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Lieber dalmont!

Irrtum ausgeschlossen. Butter ist voll und ganz "eingegangen"...

29. April 2019
0:37
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dalmont
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Gurnemanz, ich will Sie folgendes fragen: Ich hatte gestern Nachmittag beim „König Roger“ den Eindruck, dass der Sänger der Titelpartie beim Schlusshymnus zweimal regelrecht, wie man sagt, „eingegangen“ ist. Täusche ich mich? Ich bin insofern unsicher, weil er gleichzeitig von dem auftrumpfenden Blech zugedeckt wurde.

Das Inszenierungsteam, so mein Eindruck, hat die so symbolbefrachtete Gemengelage des Stückes auf das simple Handlungsgerüst reduziert. Der Vorteil: Man konnte dem Grundgeschehen folgen. Nachteil davon, diese Handlung wirkte durch diese Reduktion eher simpel: Göttlicher Feschak bringt alle durcheinander und leitet so Erkenntnis- und Selbstfindungsprozesse ein. Die Klangsinnlichkeit der Musik kündet jedoch von verschieden Sphären. Ob man all das, was den Komponisten hier bewegt hat (das Byzantinische, Arabische, Katholische, aber auch das Szymanowski sehr bewegende Homoerotische) mit inszenieren kann, ohne in symbolistischen Schwulst zu verfallen, da bin ich eher skeptisch. Jedenfalls konnte ich nicht nur Bühnenaktionismus abgelenkt sehr intensiv dem Zuhören, was aus dem Orchestergraben kam.

Wie das damals war, als 89 die Warschauer Oper in Wien mit dem „König Roger“ gastierte, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Also habe ich keinen Vergleich. Wie Frankfurt im Juni das Werk deuten wird, wäre sicher interessant.

Schade ist schon, dass Opernfreunde und –freundinnen oft so gar nicht neugierig sind, was sich in dem nur zu einem Drittel besetzten Haus zeigte. Dabei war vorgestern, als ich meine Karte besorgte, das Theater besser verkauft, als es gestern gefüllt war. Offensichtlich sind viele Abonnenten nicht gekommen. Und nach der Pause waren es noch weniger. Und das bei einem Werk, das wirklich niemandem „weh“ tut, im Gegenteil, wunderbar anzuhören ist. Und bei einer insgesamt sehr qualitätvollen Aufführung. Es steht nicht wirklich gut um die musikalische Kultur....

28. April 2019
17:50
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Gurnemanz
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So., 28. April 2019: GRAZ (Opernhaus): Karol Szymanowski, Król Roger / König Roger

Jeder Opernbesucher weiß, dass es zwei Arten von Raritäten gibt: Opern, die wohl zurecht in Vergessenheit geraten sind und zurecht nur alle heiligen Zeit aus dem Archiv geholt werden, und solche, die es absolut wert sind, angehört zu werden. Letztes Jahr habe ich in Bratislava Król Roger von Szymanowski gehört, was mich damals recht unschlüssig zurückgelassen hat (ich habe damit recht wenig anfangen können, nicht zuletzt da die slovakischen Übertitel bei einer polnischen Oper wenig hilfreich waren), daher war ich unschlüssig, ob ich heuer wirklich nach Graz fahren sollte. Schließlich habe ich mich doch entschieden, und ich bereue es keineswegs. Es war mein bestes Opernerlebnis seit längerem. Das Stück ist ganz toll, es sollte an die Wiener Staatsoper kommen. Szymanowskis Partitur würde ich am ehesten als "farbenreich" bezeichnen. Da gibt es eine wunderbare Klangpracht und nie überladenen Orchesterreichtum, viel Dramatik, aber auch wunderschöne Stellen. Alles fügt sich gut zusammen, es wirkt keinesfalls wie ein Fleckerlteppich. Diese Oper hat nur einen Fehler, nämlich sie ist zu kurz (80 Minuten), aber jede Sekunde hat sich für mich ausgezahlt.

Besonders gut hat mir die Inszenierung von Holger Müller-Brandes (Bühne von Katrin Lea Tag, Kostüme von ihr und Lejla Ganic) gefallen, die der interessanten Geschichte einen super Rahmen verliehen hat. Die (zwar im Wikipediaartikel verschwiegene, aber definitiv wichtige) Homoerotik wurde gut angedeutet, ohne sie zu überstrapazieren, und die farbenprächtige und rauschhafte, aber auch grüblerische Atmosphäre des Stückes wurde gut eingefangen. Am besten gefallen haben mir Aurelia Florian (Roxane) und Manuel von Senden (Edrisi). Sie hat eine wunderbar schöne, aber auch laute (und weder schrille, noch geschrieene) Stimme, und dass von Senden ein toller Sänger ist, weiß ich seit seinem Kerkermeister/Großinquisitor vor zwei Jahren, und mit seiner schneidenden und höhensicheren Charaktertenorstimme könnte ich ihn mir auch gut in der größeren Rolle des Hirten vorstellen. Dieser wurde von Andrzej Lampert verkörpert, der mir auch sehr gut gefallen hat, wenngleich ich mir ein bisschen mehr Strahlkraft und Sicherheit in der Höhe gewünscht hätte, aber es war trotzdem eine sehr gute Leistung. Abstriche waren bei Markus Butter in der Titelpartie zu machen, denn er war mit der Partie hörbar ein bisschen überfordert, hat sich aber trotzdem gut aus der Affäre gezogen. Die kleineren Rollen haben alle sehr gut gepasst, und besonders gut habe ich das Orchester unter Robin Engelen gefallen, das war super! Auch der Chor war spitze.

Am 4. Mai gibt es noch eine letzte Vorstellung, für die ich eine dringende Empfehlung aussprechen möchte (heute 15:00-16:42, am 4. Mai ab 19:30). Wäre ich am Samstag noch nicht verplant, würde ich glatt nochmals hinfahren (aber mein Alternativprogramm, die 15. Schostakowitsch unter Fedosejew, ist auch gut). Leider recht wenig Andrang, recht wenig Applaus. Ich hoffe, dass die Oper Graz ihr interessantes Programm mit sehr guten Realisierungen auch in den kommenden Jahren beibehält.

13. März 2019
0:28
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Gurnemanz
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Darauf einige ich mich gerne. Ich bin aber nach wie vor der Meinung, dass er die Opernrollen so singt wie Lieder - was aber meistens nichts Schlechtes ist! Nicht alle Sänger sind gleich, und das ist gut so!!

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