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Literaturforum
3. August 2020
17:21
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Gurnemanz
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Ngũgĩ wa Thiong’o: Der Fluss dazwischen

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Afrika ist ein sehr interessanter Kontinent mit einer sehr, sehr langen Geschichte und zahlreichen sehr unterschiedlichen Völkern, über die der Durchschnittsösterreicher so gut wie nichts weiß – auch ich weiß darüber nur sehr wenig, was ich zum Anlass nehme, mich ein bisschen mit Afrika zu beschäftigen. Ich bedaure, dass der europäische öffentliche Diskurs über Afrika und Afrikaner oft von Stereotypen geprägt ist, und zwar von beiden Seiten aus: Von den einen, die sofort „Diskriminierung!!!“ schreien, wenn das Wort „Neger“ fällt, lass ich mir genausowenig etwas sagen wie von den anderen, die nicht-europäische Kontinente insgeheim als minderwertig ansehen, und insgesamt ist es nicht so leicht, an seriöse Informationen zu kommen.

Eher durch Zufall bin ich auf den ostafrikanischen Schriftsteller Ngũgĩ wa Thiong’o gestoßen, dessen sehr interessante Biographie (geboren ist er 1938 in Kenia) teilweise auf Wikipedia nachlesbar ist und der auch schon mehrmals für den Literaturnobelpreis im Gespräch war. Heute habe ich seinen frühen Roman (erschienen in den 1960ern) „Der Fluss dazwischen“ (in der stilistisch bedauerlicherweise sehr mangelhaften Übersetzung von Anita Jörges-Djafari) gelesen und war positiv überrascht, denn das Buch hat mir viel besser gefallen als ich es aufgrund des Klappentextes vermutet hätte: „Waiyaki folgt dem Wunsch seines Vaters, besucht eine christliche Missionsschule, wird ein guter Schüler und schließlich sogar Lehrer. Doch als er sich in ein Mädchen aus dem christianisierten Nachbardorf verliebt, kommt es zum ausweglosen Konflikt. Waiyaki wird zum Opfer der Zerrissenheit zwischen seiner eigenen Kultur und der der Weißen.“.

Insgesamt geht es um die Vereinbarkeit von Tradition und Fortschritt, um eine Liebesgeschichte, die nicht sein darf, weil die Frau aus einem fanatisch christianisierten Hause stammt und der Mann, der (vergeblich) versucht, mit Hilfe von Bildung die beiden Seiten zu versöhnen und in eine gemeinsame Zukunft zu führen, aus einem traditionellen Umfeld (sein Vater hatte ihn in die Missionsschule geschickt, damit er sich das Wissen der Weißen aneignet und später mit Hilfe dieses Wissens die Weißen vertreiben kann), um den (vergeblichen) Versuch, die alte Kultur (die nicht beschönigt wird, zum Beispiel spielen die mitunter tödlichen Folgen weiblicher Beschneidung eine große Rolle in diesem Roman) in eine moderne Zeit zu führen, um das, was Menschen an Religion/Kult interessiert, um die Bedeutung von traditioneller Kultur, um die Ursachen religiösen Wahns (der dann entsteht, wenn man den Menschen ihre Kultur nimmt) und vor allem um die Menschen in einer Gesellschaft, die zwiegespalten ist in zwei radikale Lager, die miteinander nicht reden können, sondern anfangen, einander zu bekriegen.

Ich hätte vermutet, dass es sich um ein frühes Werk handelt, was ich aber nicht abschätzig verstanden haben möchte. Etwas störend war für mich lediglich das mehr oder weniger offene Ende (wobei ein schlechter Ausgang der Handlung allerdings mehrfach angedeutet wird), was aber an mir persönlich liegt, weil ich offene Enden schlicht nicht mag. Ngũgĩ wa Thiong’o wird auf dem Buchdeckel als „eine der sprachmächtigsten afrikanischen Stimmen unserer Zeit“ und als „eine der prägenden Gestalten der afrikanischen Literatur“ bezeichnet, und wenn seine anderen Werke auch so eindrucksvoll sind wie „Der Fluss dazwischen“, halte ich das für gerechtfertigt. Es dürfte sich um einen Autor handeln, mit dem sich die Beschäftigung auszahlt.

29. Juli 2020
19:08
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Gurnemanz
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Aslı Erdoğan: Das Haus aus Stein

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Selten hat mich ein Buch so stark enttäuscht wie „Das Haus aus Stein“ (übersetzt von Gerhard Meier) der türkischen Schriftstellerin Aslı Erdoğan (geb. 1967): Die Beschreibung klingt sehr interessant, ich zitiere einen Teil des Klappentextes: „In ihrem poetischen Roman über Gefangenschaft und den Verlust aller Sicherheiten nahm die gefeierte Autorin Aslı Erdoğan die eigene Hafterfahrung vorweg. Jetzt erstmals ins Deutsche übertragen, beeindruckt ihr wichtigstes Werk durch bestürzende Szenen der Willkür, Gewalt und Entwürdigung in einer Diktatur.“. Leider hält das Buch nicht, was seine Vermarktung verspricht: Abgesehen davon, dass es unsinnig ist, ein Buch einer noch schreibenden Autorin zu ihrem wichtigsten Werk zu erklären, steht mein Leseeindruck dieser Empfehlung ganz klar entgegen: Der Text hat mich fast nur sehr gelangweilt, er ist überwiegend eine Aneinanderreihung von Stimmungsbildern einer nicht näher definierten Haft (was schade ist, denn es wäre spannend, etwas über die Zustände in der Türkei zu erfahren!) und ist pseudo-poetisch aufgeladen (zum Beispiel gibt es den Engel als Symbol für die Erlösung oder die Freiheit oder für was auch immer), aber ich wurde den Eindruck nicht los, dass die Autorin versucht, poetisch zu sein, aber nicht über ein abgedroschenes und banales Möchtegern-Niveau hinauskommt (zumindest nicht in diesem Buch, sonst habe ich nichts von ihr gelesen). Mitgefühl für die gepeinigten Gefangenen konnte ich keine Sekunde lang verspüren (wieso denn auch, denn wenn ein jugendlicher Taschendieb in Polizeigewahrsam genommen wird, ist das natürlich erstmal gut und richtig so – wie man mit Verbrechern mitfühlt, hat hingegen Leoš Janáček in seiner hervorragenden Oper „Aus einem Totenhaus“ gezeigt, deren Dostojewski -Literaturvorlage ich lesen sollte), eigentlich hab ich nur mehr darauf gewartet, dass das Buch bald aus ist (glücklicherweise ist es nicht allzu lang, etwas über 100 Seiten). Das 2019 explizit für die deutschsprachige Ausgabe verfasste Vorwort, in dem die Autorin über einen Besuch im KZ Ravensbrück, über ihre Haft im Jahre 2016 in der Türkei und über das (laut ihr nicht erfundene, sondern echte) „Haus aus Stein“ reflektiert (der Beginn lautet: „Um Polemiken und Schadenersatzforderungen vorzubeugen, schützen sich Filmproduzenten gerne durch folgenden Satz im Abspann: „Die Personen und die Handlung dieses Films sind frei erfunden.“ Bei mir könnte als Fußnote stehen: „Die Personen in diesem Buch sind frei erfunden. Nur das Haus aus Stein ist echt. Nur die Hölle ist echt.““), habe ich gerne gelesen, aber das, was danach kam, konnte mich fast nur langweilen. Natürlich ist die Biographie der Autorin, die 2016 als politische Gefangene einige Monate in der Türkei nach dem bis heute nicht aufgeklärten Putsch gegen den gleichnamigen türkischen Präsidenten (Erdoğan ist angeblich ein häufiger türkischer Nachname, er und die Autorin sind nicht verwandt) inhaftiert wurde (wegen Mitarbeit an einer pro-kurdischen Zeitung) und seit ihrer Haftentlassung im Exil in Deutschland lebt, ist zwar sehr interessant, was aber nichts daran ändert, dass dieses Buch so war, als hätte ich es gar nicht gelesen. Jemandem, der einen hochspannenden Roman lesen will, in dem auch die erniedrigenden Zustände in Gefangenschaft thematisiert werden, würde ich „Wenn die Liebe ruht“ des grandiosen und grandios unterschätzten Drago Jančar empfehlen (gestern habe ich wieder hineingelesen, was für ein toller Roman!), aber für „Das Haus aus Stein“ gebe ich eine klare Anti-Empfehlung.

23. Juli 2020
22:48
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Gurnemanz
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Franz Werfel: Eine blaßblaue Frauenschrift

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In den letzten Tagen habe ich Franz Werfels „Eine blaßblaue Frauenschrift“, einen Roman oder eine Erzählung von ca. 150 Seiten, gelesen, nachdem ich mich bisher um seinen wichtigen Roman „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ gedrückt hatte (aber der kommt auch noch dran), und war davon sehr angetan: Die Handlung spielt im Jahre 1936 in Wien und bildet die politischen und gesellschaftlichen Strömungen dieser Zeit gekonnt ab; wichtiger jedoch ist das Psychogramm der Hauptperson (ein 50jähriger, der dank seiner Ehe in sehr gehobene Kreise gelangt ist und dort nicht ganz geschickt verkehrt, sich jedenfalls ziemlich rückgratlos den Gegebenheiten anpasst und sich selbst sowie die Frauen seines Umfelds regelmäßig belügt), die jedoch nie wertend, sondern möglichst objektiv beschrieben wird. Obwohl eher wenig passiert (und die Handlung am Ende eben nicht DEN Effekt besitzt wie zum Beispiel eine Ehescheidung), habe ich die Erzählung mit hoher Spannung und großem Vergnügen gelesen, was zu einem Gutteil am sehr hohen stilistischen Niveau liegt: Die Stilistik des Textes erinnert mich ziemlich treffend an die Stimmung in einem Schwarz-weiß-Film der Zwischenkriegszeit: „retro“, aber keinesfalls aufgesetzt, sondern in sich völlig stimmig; als ein Beispiel hierfür ein paar am Anfang des Buches stehende Zeilen (pp. 10–11 in der Fischer-Taschenbuchausgabe: „Die Welt präsentierte sich heute als ein lauer Oktobertag, der in einer Art von launisch gezwungener Jugendlichkeit einem Apriltage glich. Über den Weinbergen der Bannmeile schob sich dickes hastiges Gewölk, schneeweiß und mit scharf gekennzeichneten Rändern. Wo der Himmel frei war, bot er ein nacktes, für diese Jahreszeit beinahe schamloses Frühlingsblau dar. Der Garten vor der Terrasse, der sich noch kaum verfärbt hatte, wahrte eine ledrig hartnäckige Sommerlichkeit. Kleine gassenbübische Winde sprangen mutwillig mit dem Laub um, das noch recht fest zu hängen schien.“). Neben dieser blumigen (und für mich sehr stimmigen) Beschreibung spielt sich aber die sehr interessante Personencharakterisierung eines reich geheirateten Opportunisten und eine durchaus spannende Geschichte ab, die zu lesen es sich auf jeden Fall lohnt.

18. Juli 2020
19:28
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Gurnemanz
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Franz Innerhofer: Schöne Tage

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Heute habe ich „Schöne Tage“ von Franz Innerhofer gelesen – und DAS ist großartige österreichische Literatur, die alle lesen sollten, die gern von der „guten alten Zeit“ am Land schwärmen. Es handelt sich um die Lebensbeschreibung des unehelichen Bauernkindes Holl, das mit sechs Jahren auf den Hof des Vaters kommt, dort als billige Arbeitskraft missbraucht und gedemütigt wird, bis ihm als Jugendlicher der Ausbruch aus dieser Welt gelingt; der Titel „Schöne Tage“ ist ganz klar ironisch zu verstehen. Ebenfalls ganz klar ist, dass sich hinter der Hauptperson Holl der Autor Franz Innerhofer verbirgt (nicht zuletzt wird das daran deutlich, dass Holl wie Innerhofer im Jahre 1950 6 Jahre alt war, außerdem passt die Biographie Holls zu der Innerhofers). Der Roman umfasst in der Taschenbuchausgabe nur etwas über 200 Seiten, erfordert aber hohe Konzentration: erstens, weil das Thema einen nicht kalt lässt (ich glaube alles Beschriebene, es passt genau zu Geschichten aus meiner Familie, konkret zum Leben einer Urgroßmutter als Magd auf einen Bauernhof) und zweitens, weil nicht immer klar ist, was geschildert wird und manches beim Lesen erst im nachhinein verständlich wird. Trotz der schonungslosen Brutalität des Erzählten ist Innerhofers Erzählstil gewählt und sehr angenehm zu lesen, sehr oft wird die Natur geschildert, aber in einer bedrohlichen, negativen Weise (ich habe das Buch jetzt nicht mehr bei mir, sonst würde ich ein, zwei entsprechende Stellen zitieren).

Das Handlung wird aus der Perspektive Holls erzählt, nichtsdestoweniger sind die anderen auftretenden Figuren nicht nur Typen (wie zum Beispiel Holls Klassenkollegen aus der Stadt), sondern auch bemerkenswert: der alte, von fast allen gedemütigte Knecht, der autodidaktisch das Uhrmacherhandwerk erlernt hatte (und im Grunde genommen als Parallel-Leben bzw. auch Antipode zu Holl gezeichnet wird), die Magd Maria, die sehr früh schwanger wird, der Vater, dessen Brutalität von der Brutalität seines Vaters geprägt wurde etc. Es ist ein Buch, das definitiv unter die Haut geht, (auch mit dem Wissen, dass der Autor sich 2002 umgebracht hatte) aber umso mehr wert ist, gelesen zu werden. Eine Schande, dass Franz Innerhofer relativ unbekannt ist und zunehmend die aus meiner Sicht belanglose Literatur eher vermarktet wird.

12. Juli 2020
18:41
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Fidelio
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JUDITH HERMANN: LETTIPARK, Erzählungen (2016)

In einem Band von rund 180 Seiten sind 17 Kurzgeschichten zu finden: ich durfte vor drei Jahren als Gast in einem Lesezirkel älterer Damen über KOHLEN, MANCHE ERINNERUNGEN und MUTTER mitdiskutieren. Hermann hat als eine der grossen Prosaisten unserer Zeit einen eher leisen, aber umso stimmungsvolleren Stil, manchmal knapp, manchmal, wenn sich eine ihrer "dramatis personae" in der eigenen Erinnerung ihren Lebenslauf etwas unaufrichtig zurechtbiegt, auch eloquent breiter. Es geht oft um Sehnsüchte, Vergänglichkeit, Verpasstes, Liebe, Unausgesprochenes ... und einige ihrer Geschichten enden subtil-still, es bleibt alles offen, des Lesers Phantasie spinnt weiter was sein könnte.

KOHLEN: in dieser kürzesten aller Geschichten zeichnet die Autorin auf den ersten zwei Seiten eine poetische Winterstimmung, Kohle wurde angeliefert, die in den nicht mehr benützten Stall geschleppt werden muss. Nach der Mittagspause kommt der kaum fünfjährige Vincent, dessen Mutter im vorigen Winter gestorben war, per Rad hinzu: die Erwachsenen behandeln ihn vorerst seinem wahren Alter entsprechend, er pariert gekonnt den Spass, den sie mit ihm treiben ... jetzt wechselt der Tonfall, sie nehmen ihn ernst und langsam erfährt der Leser was es mit der Krankheit und dem Tod seiner Mutter auf sich hatte... die Erzählung endet mit: "Es war eigenartig zu denken, dass das Vincents ganzes Leben bestimmen würde, und wir nahmen die Kohlen aus seinen kleinen schmutzigen Händen entgegen wie Hostien."

MANCHE ERINNERUNGEN: eine alte Frau über achtzig, eine fünfzig Jahre jüngere Mieterin eines Zimmers in der Villa des ersten Stocks: zwei Frauen, zwischen denen eine lose, aber dennoch wichtige Beziehung für beide entsteht. Die alte Frau erzählt von einem Tag an einem See, einem Badeunfall und vielleicht, es bleibt offen, von einer grossen Liebe. Warum sie das der Jüngeren erzählt: weil die junge Frau die Absicht hat an just diesen See in Oberitalien in den Urlaub zu fahren.

MUTTER: da verrate ich nichts

 

Einige Geschichten empfand ich als wahre Perlen, andere liessen mich kühl, weitere liessen mich mit Fragen zurück. Kürzlich durfte ich mir von einer der Lesezirkel-Damen etwas wünschen: ich entschied mich für Judith Herrmann: SOMMERHAUS, SPÄTER, ihre Debüt-Erzählungen (1998).

10. Juli 2020
20:20
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Gurnemanz
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Oh, ich freue mich über Ihre Antwort! Nein, leider kann ich kein Spanisch, und obwohl ich ganz passabel Latein kann, kann ich Spanisch nicht lesen, daher hab ich das Buch in Übersetzung gelesen. (Prinzipiell habe ich übrigens überhaupt nichts gegen Übersetzungen, denn wenn auch jede Übersetzung das Original gewissermaßen "verfälscht", würde ich auf Englisch, das ich einigermaßen kann, sicherlich nicht alle Feinheiten mitbekommen, daher ist für mich eine Übersetzung meistens besser als gar keine!)

Ja, inhaltlich ist das Buch ziemlich schräg, das verstehe ich vollkommen. Es geht aber nicht um einen Lobpreis an die Prostitution, sondern um das alte Motiv "Der alte Mann und das Mädchen". Aber wie gesagt, es ist deutlich sichtbar ein Alterswerk, dessen Inhalt auch mich nicht wirklich anspricht. Chronik eines angekündigten Todes finde ich wie gesagt besser, sonst kenne ich leider noch nichts von ihm. 

10. Juli 2020
19:34
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Christine
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Crónica de una muerte anunciada habe ich auch gelesen und zwar auf Spanisch. Hat mir gut gefallen. Lesen Sie Marquez im Original oder in der Übersetzung? Es können hier ja einige Forumsteilnehmer Spanisch. Was Sie inhaltlich über das andere Buch schreiben, spricht mich aber nicht an.

10. Juli 2020
18:35
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Gurnemanz
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Gabriel García Márquez: Erinnerung an meine traurigen Huren

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Ich hab soeben „Erinnerung an meine traurigen Huren“ von Gabriel García Márquez (1927—2014, Nobelpreis 1982) gelesen, und hat es mir sehr gut gefallen, obwohl das Thema ziemlich schräg ist (ein alter Mann, der immer nur bei Prostituierten war bzw. eine Frau, die ihn mochte, zurückgewiesen hat, schenkt sich zu seinem 90. Geburtstag eine Nacht mit einer ca. 14jährigen Jungfrau, berührt sie aber nicht, weil er zum erstenmal in seinem Leben Liebe empfindet und sich im folgenden in sie verliebt, aber nur seine etwas wirren Gefühle auf das Mädchen projiziert, weil er nie mit ihr redet) und mir das andere Buch, das ich vor einiger Zeit von diesem Autor gelesen hatte („Chronik eines angekündigten Todes“), besser gefallen hat. Márquez hat er eine sehr farbenreiche, plastische Art zu erzählen (z. B. die Stelle, in der er die Erhabenheit einer Katze beschreibt) und gleichzeitig etwas aus der lateinamerikanischen Geschichte/Kultur zu vermitteln, zeichnet den merkwürdigen Charakter des Ich-Erzählers sehr gut, und insgesamt hat mich das Buch, das eindeutig ein Spätwerk des Autors ist, ziemlich beeindruckt. Kann man empfehlen, aber es ist sicher nicht das beste Werk von Márquez.

22. Juni 2020
19:18
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Gurnemanz
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Thomas Bernhard: Heldenplatz

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Ich weiß, dass Thomas Bernhard stark polarisiert; bisher konnte ich mich zu ihm nicht äußern, aber heute habe ich „Heldenplatz“ gelesen und war sehr angetan davon. Beim Lesen hatte ich den Eindruck, als würden sich diese Gespräche genau vor meinem Auge abspielen.

22. Juni 2020
15:37
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Gurnemanz
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Longos: Daphnis und Chloe

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Bleiben wir gleich in der Antike. Der (in Übersetzung 90 Reclamseiten umfassende) spätantike Roman Daphnis und Chloe ist ein wahres Kleinod und einfach wunderschön; man sollte ihn unbedingt lesen, wenn man Lust auf eine einfache, unbeschwerte, schöne, aber NICHT kitschige Liebesgeschichte hat. Freilich bereitet es auch Freude, einige der zahlreichen kunstvollen literarischen Anspielungen zu entdecken, aber auch wenn man das nicht kann, zahlt sich die Lektüre aus.

22. Juni 2020
10:18
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Gurnemanz
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Menander: Der Schiedsspruch / Das Schiedsgericht (Ἐπιτρέποντες)

Dass die Literatur auch von den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen ihrer Zeit beeinflusst wird, sieht man sehr gut an der Altgriechischen Komödie, die man in die sogenannte Alten Komödie und die sogenannte Neuen Komödie teilt. Die Alte Komödie (Vertreter: Aristophanes) entstand zur hohen Zeit der Griechischen Polis und nimmt mit - heutzutage nur mehr teilweise als lustig wahrgenommem (weil wir das Wissen über die Anspielungen erst nachlesen müssen) - Spott Personen des öffentlichen Lebens aufs Korn, wohingegen die Neue Komödie (Vertreter: Menander) zur Zeit der makedonischen Herrschaft entstand, und der im sogenannten Hellenismus stattgefundene Rückzug ins Private zeigt sich auch daran, dass sich die gesellschaftskritische Komödie zu einer Typenkomödie wandelte, die von sehr vielen Leuten (unter anderem von mir) für langweilig gehalten wird, weil immer quasi dasselbe passiert, die Schmähs schwerfällig daherkommen und nur sehr verdeckt (wenn zum Beispiel wehmütig die vergangene Glanzeit Athens beklagt wird) Kritik an den bestehenden Verhältnissen geübt wird (man stelle sich heutzutage ein Kabarett in einem totalitären Staat vor, das ist auch nix).

Soeben habe ich Menanders Epitrepontes (Ἐπιτρέποντες) in der 1980 erschienenen Übersetzung von Kurt und Ursula Treu gelesen, aber nicht, weil ich wollte, sondern weil ich musste. Ebenfalls üblich ist die Übersetzung "Das Schiedsgericht", hier heißt es "Der Schiedsspruch". Das Stück ist, wie bei Menander üblich, nur teilweise überliefert, geschätzt ¼ muss der Herausgeber ergänzen. Und meine ganz ehrliche persönliche Meinung: Wenn man es nicht liest, verpasst man überhaupt nichts. Die Handlung schwankt zwischen belanglos und völlig uninteressant, die Pointen sind der reinste Altherrenhumor, wobei das eine Beleidigung für alte Herren (keine Burschenschafter) ist. Wenn man ein antikes Drama lesen will, bitte unbedingt eine Tragödie (am besten eine von Euripides), aber Menander interessiert niemand bis auf einen kleinen Kreis von Menander-Fans (aber so schlecht kann ein Autor/Komponist/... gar nicht sein, dass er nicht mindestens ein paar wenige Anhänger hat). 

19. Juni 2020
2:09
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Gurnemanz
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Heinrich von Kleist: Michael Kohlhaas 

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Heinrich von Kleists "Michael Kohlhaas" gehört zu den "Werken, die man kennen sollte" — trotzdem kannte ich es nicht, das habe ich soeben geändert. Naja. Einerseits finde ich die Geschichte sehr spannend, faszinierend und heute noch hochaktuell (die Unterdrückung einfacher Leute durch die, die es sich leisten können, der Opportunismus angesehener Personen, in diesem Falle (nicht der historische) Martin Luther,...), anderseits ist die Kleistsche Sprache sogar MIR zu kompliziert, und das heißt was. Aber es zahlt sich aus, sich darauf einzulassen und Anstrengung zu investieren (das Lesen erfordert starke Konzentration und die Bereitschaft, nicht wenige Sätze zu entschlüsseln, um sie zu verstehen), denn hinter den ca. 100 Reclamseiten in sehr verschwurbeltem Deutsch verbirgt sich eine für meine Begriffe sehr spannende Geschichte, die gesellschaftliche Missstände schonungslos aufzeigt und gleichzeitig einen Weg präsentiert, wie man sie NICHT bekämpfen sollte... Wie schon gesagt: erstaunlich aktuell heutzutage. Ein nochmaliges Lesen würde mir guttun.

19. Juni 2020
2:03
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Gurnemanz
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Oh, das freut mich sehr!! Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre! (und keine Sorge, so grausam wie das zuletzt beschriebene Buch ist "Kurzer Bericht über eine lange belagerte Stadt" meiner Meinung nach nicht) 

16. Juni 2020
1:10
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dalmont
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Gurnemanz, zurückgekehrt von meinem ersten Auslandsausbüxer, finde ich Jančars Kurzen Bericht ... in der Post. Mir hat das Buch der Falter besorgt. Es dürfte also nach wie vor im Verlag in Celovec aufliegen. Ich hoffe, es hält nicht Grausamkeiten, wie Sie es bei "Jelka" beschreiben, für mich bereit. An selbigen hatte ich schon bei Haderlaps "Engel des Vergessens" sehr zu kiefeln. Im Moment habe ich eh noch mit Saša Stanišićs "Herkunft" zu tun, auch jugoslawisch, aber ganz interessant für einen ein Vierteljahrhundert älteren.

14. Juni 2020
3:09
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Gurnemanz
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Helena Kuchar: Jelka – Aus dem Leben einer Kärntner Partisanin

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Eine umfassende geschichtliche Darstellung des Widerstandes in Kärnten durch die Partisanen gegen die Nationalsozialisten ist noch nicht geschrieben, aber man kann ja auf mehrere Einzelwerke zurückgreifen. Heute abend habe ich dieses Buch gelesen, das Thomas Busch und Brigitta Windhab in den frühen 1980er Jahren nach Tondbandprotokollen verfasst haben. Die Ich-Erzählerin ist Helena Kuchar (1906–1985), die als einfache Frau (sie hatte keine Schule besucht), als autochthon (!) slovenische Kärntnerin zuerst die Wirtschaftskrise der 1930er miterlebt, aufgrund ihrer slovenischen Abstammung in nationalsozialistische Verfolgung gerät, sich schließlich den Partisanen anschließt, in die Fänge der Gestapo gerät, wie durch ein Wunder mehrmals knapp dem Tode entrinnt, den Krieg überlebt und auch nach Kriegsende weiterhin aufgrund ihrer slovenischen Abstammung, zu der sie sich offen bekannte, Nachteile erfährt.

Das Erscheinen dieses Buches in der Mitte der 1980er Jahre rief in Kärnten Protest hervor, dazu ein kurzer Auszug aus dem Vorwort zur Neuauflage 2009: „Wenig überraschend erhielten wir zahlreiche meist anonyme Briefe und Anrufe mit Schmähungen und Drohungen. Es kam sogar zu einer Klage gegen Helena Kuchar und uns als Verfasser, durch die unter anderem eine Beschlagnahme des Buches erwirkt werden sollte. In seiner Ehre verletzt fühlte sich ein als rechtsextrem bekannter Sohn des ehemaligen NS-Gauleiters Friedrich Rainer. Der Prozess in Klagenfurt endete mit einem Freispruch für die Beklagten und damit, dass gegen den Kläger, der vor Gericht die Existenz von Konzentrationslagern geleugnet hatte, Erhebungen wegen Wiederbetätigung aufgenommen (und bald danach wieder fallen gelassen) wurden.“. Nichtsdestoweniger wird auch auf die positive Resonanz dieses Buches hingewiesen, das auch eine (längst überfällige) Debatte über die Vorkommnisse in Kärnten in Zeiten des Krieges wenigstens zu einem kleinen Teil auslöste. Dem Drava-Verlag ist auf das herzlichste zu danken, dass er dieses so wichtige und eindringliche Zeitdokument 2009 neu auflegte. Ich kann jedem nur empfehlen, dieses Buch zu lesen (in Kärnten sollte es zur schulischen Pflichtlektüre gehören), die 19,80 Euro sind jeden Cent wert.

Die Erzählweise ist ziemlich das genaue Gegenteil von der Peter Handkes: Handke schwafelt gern und beschreibt für die Handlung Irrelevantes sehr genau bzw. lässt er nicht selten eine Handlung überhaupt vermissen. Genau umgekehrt ist es hier: Die Ich-Erzählerin Helena Kuchar (Partisanenname „Jelka“) erzählt in ungekünstelter Sprache linear (nur einen Vorverweis habe ich bemerkt: dass die 18jährige Mici, die als geheimer Kurier für die Partisanen arbeitet, im Konzentrationslager ermordet werden wird, wird erwähnt) ihr Leben mit Schwerpunkt 1942–1945; es ist somit klar eine persönliche dokumentarische, anschaulich geschilderte Einzeldarstellung aus der Sicht nur eines Menschen, und in dieser Hinsicht unterscheidet sich das Buch von den großartigen Romanen Drago Jančars, die zwar dasselbe Thema behandeln, aber natürlich meisterhaft aufgebaut sind, literarisch ausgefeilt verschiedene Erzählstränge und Perspektiven meisterhaft verknüpfen und in einen großen historischen Zusammenhang betten.

Das Buch ist natürlich nichts für schwache Nerven, weil die Grausamkeit und die Verbrechen ohne jede Sentimentalität eben so geschildert werden, wie sie waren – aber eben genau deshalb soll man es lesen! Kürzlich habe ich erfahren, dass in Christiane F.s „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ eine Vergewaltigungsszene zensiert wurde, und das ist in „Jelka – Aus dem Leben einer Kärntner Partisanin“ nicht der Fall, wobei die für mich erschütternste Szene die bestialische Ermordung eines Dreizehnjährigen (der wohl kein größeres Verbrechen begangen hatte als als Kärntner Slovene geboren zu werden, dessen Eltern sich den nationalsozialistischen Machthabern gegenüber nicht anpassungsfähig zeigen) durch das Freilassen und Loshetzen einer Hundemeute im Gefängnis war. Aber auch davon abgesehen spart die Erzählerin nicht mit Details aus dem Krieg, von denen aber unbedingt gelesen gehört, denn unser Ziel mögen (insbesondere in Corona-Zeiten!) nicht selbstdarstellerische und gewalttätige Demonstrationen gegen Rassismus sein, sondern ein reflektiertes Verhalten, wie wir Kriegszustände fortan vermeiden und uns gegen totalitäre Ideologien jeder Richtung wehren können (das fängt schon mit dem unsäglichen und saudummen Gendern an, das immer tiefgreifender unsere Sprache verunstaltet und mit Ideologie belastet). Ein äußerst eindrucksvolles Anschauungsbeispiel dafür, was passiert, wenn das abstakt Böse heraufzieht, schon da ist, der Riss breiter wird und von diesem Riss die Welt bebt und weggleitet (so Drago Jančar in Kapitel 76 des „Nordlichts“ in bezug auf den Zweiten Weltkrieg), liefert dieses Zeitdokument der Kärntner Partisanin, das ich JEDEM dringend ans Herz lege.

Im Anhang befindet sich eine 15seitige Übersicht über die Ereignisse 1918–1955 in Jugoslavien, Österreich und Kärnten, die dem (nicht in allen Details sattelfesten) Leser dabei helfen, die beschriebenen Ereignisse geschichtlich einzuordnen.

7. Juni 2020
3:56
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Gurnemanz
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Peter Handke: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter

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Nach dem hervorragenden „Wunschlosen Unglück“ und dem todlangweiligen „Versuch über den geglückten Tag“ war ich auf Handkes Buch mit dem markanten Titel „Angst des Tormanns beim Elfmeter“ gespannt, das ja eines seiner bekanntesten Werke ist. Die ersten 30 der 120 Seiten gefielen mir ja wirklich sehr gut, aber sobald der Josef Bloch im Südburgenland angekommen war, musste ich mich sehr zur Konzentration auf das zu Lesende zwingen. Natürlich habe ich verstanden, dass die Geschichte aus der Perspektive eines psychisch Kranken (Schizophrenen, ...) geschildert wird und Handke in diesem Werk über Sprache und Literaturtheorien reflektiert, doch der Text ist bei allem Respekt vor Handkes stilistischer Sicherheit einfach nur ÖDE ÖDE ÖDE. Die Geschehnisse werden – wohl um die Perspektive eines psychisch Beeinträchtigten einzunehmen – seltsam distanziert und apathisch geschildert, was zwar eine treffende medizinische/psychologische Studie abgibt, aber den Lesegenuss nicht gerade erhöht. Die gerade einmal 120 Seiten haben mich viel Zeit gekostet, weil ich mich einfach nicht auf dieses Buch einlassen konnte, obwohl ich es wirklich versuchte. Ich kann zwar nicht behaupten, mich durchgehend gelangweilt zu haben; ich wollte durchaus wissen, wie es weitergeht, weil sich ja doch alle 10 Seiten die Vermutung einstellt, dass es jetzt spannend werden könnte, und weil Handke stilistisch keinen Grund zum Ärger gibt – aber nein, Fehlanzeige. Insgesamt großteils kein Buch für mich, jedenfalls derzeit nicht. „Wunschloses Unglück“ hat mir VIEL besser gefallen.

Weil ich am Vortag von neuem einige Kapitel aus Drago Jančars „Nordlicht“ gelesen hatte (und ich mich somit erneut davon überzeugen konnte, was für ein großartiger Schriftsteller Drago Jančar doch ist!! nur leider kennt man seine Werke hierzulande nicht bzw. kaum), sind mir während des Tormann-Lesens einige Gemeinsamkeiten (psychisch ähnlich krank, Verwicklung in einen [Frauen-]Mord, die Schlinge zieht sich immer enger zusammen, endlose Spaziergänge durch die Umgebung, oberflächliche Bekanntschaften, hält sich südlich von seinem Lebensmittelpunkt in einem Hotel/Gasthaus auf, Alkohol, sogar kurz eine Szene in der Kirche mit der Farbe Blau, ...) zwischen Handkes Josef Bloch und Jančars Josef Erdmann aufgefallen! Und dann noch der gemeinsame Vorname... Kann das Zufall sein? Üblicherweise würde ich diese Frage bejahen, aber man muss wissen, dass Jančar gerne sprechende Namen verwendet. Und so, wie Jančar „Franjo Samsa“ eindeutig auf Gregor Samsa von Franz Kafka bezieht, könnte „Josef Erdmann“ ja eine Anspielung auf „Josef Bloch“ sein. Der „Tormann“ wurde 1970 veröffentlicht, „Nordlicht“ 1984, das könnte also hinhauen. Ich werde dem nachgehen!

3. Juni 2020
23:59
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Gurnemanz
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Peter Handke: Versuch über den geglückten Tag

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Da hatte ich mich nach „Wunschloses Unglück“ sehr auf eine Handke-Fortsetzug gefreut, hatte mir dafür das kurze Buch (91 Seiten in großzügigem Layout) mit dem reizvollen Titel „Versuch über den geglückten Tag“ mit dem ebenfalls reizvollen Untertitel „Ein Wintertraum“ ausgesucht, das mich jedoch sehr enttäuscht hat. Was für ein altkluges Geschwafel von der ersten bis zur letzten Seite! Ja, schreiben kann der Handke, stilistisch ist es absolut einwandfrei, was bei mir ja grundsätzlich schon die halbe Miete ist, aber abgesehen davon, dass das Buch keinen Inhalt hat (was kein Nachteil sein muss), sondern eine nachdenkliche und fast schon philosophische Abhandlung über das Wesen eines geglückten/glücklichen Tages ist, liest sich das Buch furchtbar langatmig und mühsam. Ein bissl Paulus-Briefe da, ein bissl Homer dort, ein bissl Van Morrison da, ein bissl Horaz dort, aber immer nur jeweils anzitiert, garniert mit Handkes eigenen Überlegungen, die er versucht, mit Stimmungsbildern des Alltags zu verbinden – insgesamt aber viel zu wenig, sorry. Die 18,50 Euronen (nicht wenig für nicht einmal 100 Seiten!) hätte ich viel besser investieren können, schade. KEINE Empfehlung!

2. Juni 2020
3:08
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Gurnemanz
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Drago Jančar: Wenn die Liebe ruht (original: „In ljubezen tudi“)

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Ich habe den knapp 400seitigen Roman soeben gelesen (fast in einem durch), und mich hat er, wenn ich ehrlich bin, sehr mitgenommen bzw. einen Sog entwickelt, der mich geistig immer tiefer hineingezogen hat. Jančar ist wirklich ein verdammt guter Autor!!! Er sollte im deutschsprachigen Sprachraum viel bekannter sein!

Für einen kurzen Inhaltsüberblick ein Ausschnitt des Verlagstextes: „Der wichtigste slowenische Autor der Gegenwart: Mit seinem preisgekrönten Roman hat Drago Jančar ein Meisterwerk über die Liebe in Zeiten des Krieges geschaffen. – Slowenien, Zweiter Weltkrieg: Die junge Medizinstudentin Sonja erkennt in dem SS-Offizier, den sie auf der Straße in Maribor trifft, Ludek wieder, der sie als Kind einmal beim Skifahren aus dem Schnee gezogen hat. Ludek heißt jetzt Ludwig und ist ein überzeugter Nazi. Sonja bittet ihn um Hilfe für ihren inhaftierten Freund Valentin. Für Ludwigs Hilfe zahlt Sonja einen hohen Preis. Doch Valentin, der bei den Partisanen kämpft und später im Kommunismus Karriere macht, dankt Sonja ihren Einsatz nicht.“.

Dass ich beispielweise die Idee, die Figuren aus der am Cover abgebildeten Ansichtskarte von 1943 heraustreten zu lassen und daraus eine ziemlich komplexe Geschichte zu entwickeln, genial finde, muss ich wohl nicht extra erwähnen. Sehr interessant finde ich, wie Jančar die unterschiedlichen Einstellungen zum Krieg und zur deutschen Besatzung charakterisiert: Sonja hat Eltern, die sie (vergebens) von allem Unheil bewahren wollen und versuchen, anderen zu helfen (teils erfolglos, dann Pavle wird getötet und Sonjas Eltern verdächtigt, zu viel Nahrung abzuzweigen).

Ich habe ich versucht, Gemeinsamkeiten der drei bisher gelesenen Romane herauszuarbeiten bzw. den Erzählstil Jančars (seine Sprache kann ich nicht beschreiben, weil ich die Romane nur in Übersetzung kenne), wie ich ihn diesen drei Romanen (welche miteinander eine Art inoffizielle Trilogie bilden) entnehme, zu beschreiben:

  1. Die Geschichten hauptsächlich spielen in Slovenien rund um den Zweiten Weltkrieg.
  2. genaue Recherchen seitens des Autors
  3. Jančar beschreibt die örtlichen Gegebenheiten sehr genau und mit Liebe zum Detail, oft weist er auf die verschiedenen Namen derselben Straße hin, je nachdem in welcher Zeit sie wie hieß.
  4. Oftmaliger Wechsel der Erzählperspektive, aber immer so, dass sich der Leser auskennt, und durch die unterschiedlichen Erzählperspektiven Unterschiedliches erfährt. ( „Wenn die Liebe ruht“ ist nur in auktorialer Erzählform erzählt, also ohne Ich-Erzähler, während „Die Nacht, als ich sie sah“ nur in Ich-Form gehalten ist, aber trotzdem die Sicht einiger unterschiedlicher Personen wiedergibt)
  5. Regelmäßig Blenden in die Zukunft, in dem Stil von „Wenn sie in die Zukunft schauen könnte, dann wüsste sie...“ (bzw. in „Die Nacht, als ich sie sah“ so nicht, aber in verdeckterer Form, in Vermutungen, die sich später bestätigen).
  6. Die Charaktere sind vielschichtig, es ist nicht leicht herauszufinden, für wen Jančar Sympathie empfindet und für wen nicht. Auch Charakteren, die objektiv eindeutig böse handeln, werden gute Eigenschaften zugestanden. Jančar moralisiert nicht.
  7. oft sprechende Namen
  8. Dreiecksgeschichte Mann–Frau–Mann. Eine solche steht bei allen drei Romanen im Zentrum: Im Nordlicht: Erdmann–Marjeta–Samsa; in „Die Nacht, als ich sie sah“: Stevo–Veronika–Leo und in „Wenn die Liebe ruht“ Ludek/Ludwig–Sonja–Valentin.
  9. Schlechtes Ende – die Personen werden immer tiefer hineingezogen, sie haben keine Möglichkeit, sich selbst aus der Misere zu befreien. Im Nordlicht wird Erdmann geistig verwirrt und Marjeta Opfer eines grausamen Mordes; in „Die Nacht“ wird Veronika brutal umgebracht; und für mich besonders tragisch ist das Schicksal der Sonja in „Wenn die Liebe ruht“: von einer lebenslustigen, fleißigen, intelligenten Medizinstudentin zu einer gebrochenen, stark traumatisierten (hier passt dieser Ausdruck wirklich!), apathischen jüngeren Frau, die (verständlicherweise – nachdem sie als Prostituierte für Soldaten arbeiten musste) keine Freude mehr am Leben hat und somit ein viel schlechteres Schicksal hat als Ludek/Ludwig, zu dem mir irgendwie „Die Revolution frisst ihre Kinder einfällt“ (so wie er in seiner Zeit als (recht junger, der vom Leben zu wenig Ahnung hatte und zu behütet von seiner Mutter aufgewachsen ist, sodass er wohl nicht realisiert hat, was er tat) Nationalsozialist den Tod von unschuldigen Menschen veranlasst hat, wobei er ja nicht der alleinige Urheber war, sondern nur ein Rädchen im Getriebe, wurde er am Ende wehrlos von der Gegenseite umgebracht); zum Schicksal von Valentin erfährt man nichts Konkretes, nur, dass er sich nach Sonja sehnt, aber im Buch finden sie nicht mehr zusammen. Jančar lässt etwas im Dunklen, wieso Sonja auf Geheiß Ludeks von der Wehrmacht abgeführt wird – wohl hauptsächlich deswegen, weil Valentin seine Spione in der Kirche abgehängt hat, allerdings konnte er ja nicht wissen, dadurch Veronika in Schwierigkeiten gebracht zu haben. Außerdem ist die Beschreibung am Klappentext, er danke Sonja ihren Einsatz nicht, ein Unsinn, denn er weiß ja gar nicht, was für ein Einsatz war! (Nichtsdestoweniger verhält er sich ja ihr gegenüber beim einzigen Treffen nach dem Kerker sehr unfreundlich, er war ihr wohl viel wichtiger als sie ihm.)
  10. Apropos „Kirche“: immer wieder religiöse Bezüge
  11. Jančar spielt sowohl in „Wenn die Liebe ruht“ als auch in „Die Nacht, als ich sie sah“, ganz eindeutig auf sein „Nordlicht“; an; in „Wenn die Liebe ruht“ erwähnt er sogar kurz sich selbst – was ich sehr pointiert und gut gemacht finde.

Dass ich die Übersetzung von Daniela Kocmut ziemlich schlecht finde (falsch übersetzter Buchtitel – die Liebe „ruht“ eben NICHT, sondern wird durch den Krieg beendet –, und stilistisch sehr mittelmäßig), ist ja nicht die Schuld des Autors. Der Roman ist jedenfalls höchst lesenswert. Ich täte mir schwer, mich zwischen „Die Nacht, als ich sie sah“ und „Wenn die Liebe ruht“ zu unterschieden. Gott sei Dank muss ich das nicht. Wenn ja, würde meine Wahl wohl ganz haarscharf auf „Die Nacht, als ich sie sah“ fallen, auch wenn ich das nicht begründen kann (vielleicht aus einem ganz subjektiven Grunde, eben weil ich das Ende von „Wenn die Liebe ruht“ trauriger finde). Hoffentlich veröffentlicht Jančar demnächst wieder etwas Spannendes.

31. Mai 2020
22:28
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Gurnemanz
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Peter Handke: Wunschloses Unglück

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Letztens habe ich in diesem Thread Peter Handke erwähnt, was mich wieder einmal daran erinnert hat, dass ich noch kein einziges Buch von ihm gelesen habe (und es wäre sehr ungeschickt, sich eine Meinung zu bilden über einen Autor, dessen Werke man nicht gelesen hat, nur auf Grundlage der Kontroversen um seine Meinung zu den Jugoslavienkriegen, obwohl bekanntlich in 95% seiner Texte Serbien gar nicht vorkommt). Letztens habe ich mir, um diesen Mangel zu beheben, (natürlich nicht bei Amazon, sondern in einer kleinen österreichischen Buchhandlung) einige Handke-Bücher gekauft (auf Grundlage der Empfehlungen zweier Freunde, die ich um Handke-Tipps gefragt hatte); heute habe ich mit „Wunschloses Unglück“ angefangen und bin wirklich beeindruckt von diesem Buch.

Beeindruckt bin ich natürlich nicht bei jedem Buch (vor ein paar Tagen habe ich mit Kafkas „Process“ angefangen und das Buch nach zwei Kapiteln kaum auszuhalten gefunden – Kafka erzählt in uninteressanter Sprache uninteressante Dinge –; mal schauen, ob ich es überhaupt fertiglese), aber Handke hat einen Schreibstil, der mich sofort anspricht. Ich kann so etwas schwer in Worte fassen, aber es ist ein teils ausladender Stil, in dem lange Sätze und Stimmungsschilderungen ausgedrückt werden, der zur Konzentration zwingt oder dazu, gegebenenfalls eine Passage nochmals zu lesen, auf der anderen Seite wiederum ein klarer Stil, der nicht um den heißen Brei herumredet, sondern mitteilt, was Sache ist, und der auch nicht vor derben Ausdrücken zurückschreckt. Ich werde in näherer Zukunft sicher weitere Handke-Bücher lesen und dann hoffentlich zu einer tiefgehenderen Einschätzung kommen.

Inhaltlich ist das Buch natürlich bedrückend; dass Handke darin die Lebensgeschichte und den Selbstmord seiner Mutter schildert, ist allgemein bekannt, darauf muss ich also nicht extra eingehen. Das Buch beschreibt sehr plastisch eine Lebensrealität, die ich mir gut vorstellen kann (armes Leben am Land, bar jeder „schönen Armut“, und selbst wenn man genug zu essen hat, sind die Leute kalt, voll mit eigenen Problemen, die Unterhaltungen mit Bekannten sind eher eine lästige Pflicht), und der Autor hat ganz eindeutig einen emotionalen Bezug zum Inhalt und ringt mit sich selbst um die „richtigen“ Worte und um die „richtige“ Form des Erzählens der Geschichte (er hat das Buch ja erst ein paar Wochen nach dem Selbstmord seiner Mutter geschrieben). Vieles des Beschriebenen kann ich mir sehr gut vorstellen, manches kommt mir sogar so vor, als hätte ich es selbst erlebt (zum Beispiel war die trostlos-düstere (Natur-)Stimmung, als der Autor von Deutschland heim nach Kärnten reist in das Haus, in dem sich seine Mutter getötet hat, für mich sehr nachvollziehbar). Insofern kann ich das Buch empfehlen, außer man baut einen sehr starken persönlichen Bezug zum Gelesenen auf (was ich eigentlich nicht mache), dann sollte man es vielleicht lieber bleibenlassen.

Was ich persönlich interessant finde: Handkes Mutter war Kärntner Slovenin (hat Handke KEINE jugoslavischen Wurzeln, auch wenn das manchmal ahnungslose Journalisten behaupten, die nicht kapieren, dass Kärntner Slovenen KEINE eingewanderten Jugoslaven sind, sondern Ur-Kärntner!), und ihre slovenischen Sprachkenntnisse haben ihr, wie in dem Buch erwähnt, genützt, um kurz nach Kriegsende in Berlin mit den Russen zu kommunizieren. Angesichts dessen hätten die Kärntner vielleicht auf die Idee kommen können, dass Mehrsprachigkeit nützlich ist (und sich mit Russen verständigen zu können, ist nützlich; Russland ist Weltmacht) und es daher vielleicht gut wäre, die eigene slovenische Muttersprache den Kindern weiterzugeben bzw. nicht gegen das Slovenische Stimmung zu machen, was aber in Kärnten traurigerweise bis heute passiert.

31. Mai 2020
1:46
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Gurnemanz
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ad Beitrag 11:
Wow, vielen herzlichen Dank für diese fundierte und höchst interessante Analyse, die für mich zu den besten Beiträgen gehört, die ich jemals im Merkerforum gelesen habe! Ich kann Ihnen vollkommen zustimmen - die Jugoslaviendebatte ist UNglaublich komplex, da gibt es viele verschiedene Einflüsse und Interessen, von denen man ( = ich) sowieso nur einen Bruchteil wahrnimmt. Auch die Problematik der Proteste um die Nobelpreisverleihung an Handke haben Sie meiner Meinung nach sehr gut zusammengefasst! Auch insbesondere Ihren abschließenden Satz kann ich unterstreichen, genauso sehe ich es auch.

 

ad Beitrag 12:
Auch Ihnen danke für Ihre für mich sehr interessanten Zeilen (und ja, sie sind interessant zu lesen, so etwas bereichert das Forum!), die ich gut nachvollziehen kann!
Gerne, ich habe Ihnen das Impressum abgetippt:

Drago Jančar,
Kurzer Bericht über eine lange belagerte Stadt, oder Gerechtigkeit für Sarajevo
Aus dem Slowenischen von Klaus Detlef Olof
Umschlaggestaltung: Jure Kocbek
© 1996, Verlag Hermagoras / Mohorjeva založba, Klagenfurt/Celovec - Ljubljana/Laibach - Wien/Dunaj
Gesamtherstellung: Hermagoras/Mohorjeva, Klagenfurt
ISBN 3-85013-463-6

Verlagstext:

Das Unglück, das Sarajevo und ganz Bosnien ereilt hat, ist also auch in diesem Fall kein absurdes und irrationales böses Schicksal, sondern die traurige und schreckliche Folge verwirrter Ideen, falscher Lösungen und eines primitiven Subjektivismus, der in der quasidemokratischen und quasitoleranten Atmosphäre des liberalen jugoslawischen Sozialismus wucherte." - Drago Jančar

Beim Verlag selbst ist das Buch nicht mehr erhältlich, ich hab's aber vor kurzem noch in der Buchhandlung Facultas bestellen können.
Wenn ich Sie tatsächlich zum Lesen des Buches animieren konnte, würde mich das sehr freuen; und ich würde mich auch sehr freuen, wenn wir uns nachher hier darüber austauschen können! (und ich hätte übrigens kein Problem, wenn es Ihnen doch nicht zusagt)
(sehr lobenswert, dass Sie bei Amazon (der bei uns noch keine Steuern gezahlt hat) nichts bestellen und lieber die Buchhandlungen unterstützen - so mache ich es auch und kann es nur jedem empfehlen!)

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