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Neudeutung versus Reclamtreue- eine Einladung zur Stellungnahme an alle Mitleser | OnlineMerker | Forum

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Neudeutung versus Reclamtreue- eine Einladung zur Stellungnahme an alle Mitleser
22. Juni 2021
10:39
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seosprendimai
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22. Juni 2021
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22. Juni 2021
10:39
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seosprendimai
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11. Mai 2021
7:39
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MRadema796
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Chenier sagt
Das ganze ist eine Gratwanderung und man sollte sich auch nicht sklavisch daran halten, sonst erhält man überall den 153. Aufguss von irgendetwas, aber es sollte zwischen Libretto und Szene ein Zusammenhang bestehen und die ursprüngliche Handlung klar erkennbar sein.

Faust als Clochard in Paris der Nachkriegszeit, Margarethe als Nutte, Parsifal als Häfenbruder oder Violetta als Influencerin erfüllen diese Bedingung jedenfalls nicht

Da gebe ich Ihnen Recht. Es ist die Frage, wo man die Grenze zieht, aber es ist generell individuell, was man goutiert und was nicht. Es war jedenfalls lange üblich, die Opern auch weiterzuentwickeln, wenn sie nicht mehr in die Zeit passten. Das extremste Beispiel, das ich kenne, ist die Bearbeitung von Lullys Armide von 1778 ( https://www.jpc.de/jpcng/class.....m/10257555 ). Wenn man es nicht weiß, ist es schwierig, etwas von Lully darin wiederzufinden. Durch solche massiven Eingriffe sind wir meiner Vermutung nach durch die Medienpräsenz der bekannten Opern weitgehend geschützt. Wenn die Influencerin-Traviata Popmusik des Jahres 2021 hören würde, würden wohl nicht mehr so viele Opernfans mitgehen. Davon abgesehen habe ich solche Bearbeitungen tatsächlich auch schon gesehen oder gehört. Z. B. den Mondparsifal ( https://onlinemerker.com/wiene.....r-abwehrz/ ) oder "American Lulu" in Bregenz/Wien ( https://onlinemerker.com/wien-.....an-lulu-2/ ).

Es ist also absichtlich so, dass sich die genannten Inszenierungen sich auf eine kommentierende Ebene begeben, nach dem Motto: So könnte die Oper sein, wenn sie jetzt komponiert worden wäre (dann aber völlig anders klänge, was man aber lieber nicht vorführt). Diesen gedanklichen Pfad muss der Opernfan dann mitgehen. Dabei gibt es einige Dinge, die auch mir bei einer Modernisierung wenig sinnvoll scheinen, z. B. die von Ihnen genannte Margarethe als Nutte, die auch ein Gounod mit den Mitteln seiner Zeit bereits anders gestaltet hätte. Die Violetta als Influencerin macht aber für mich aus heutiger Sicht Sinn, der Parsifal auch (natürlich ausschließlich unter zwingender Anwendung der Gebrauchsanweisung des Regissers, der sich einige hier im Forum anscheinend aus prinzipiellen Beweggründen zu verweigern scheinen). Von dem Faust habe ich zu wenig gesehen, um das beurteilen zu können, da mich das überladene Bühnenbild abstößt.

10. Mai 2021
18:49
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Chenier
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28. Februar 2021
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Barock ist nicht unbedingt mein Interessensgebiet, aber da gebe ich Ihnen durchaus recht.

Das ganze ist eine Gratwanderung und man sollte sich auch nicht sklavisch daran halten, sonst erhält man überall den 153. Aufguss von irgendetwas, aber es sollte zwischen Libretto und Szene ein Zusammenhang bestehen und die ursprüngliche Handlung klar erkennbar sein.

Faust als Clochard in Paris der Nachkriegszeit, Margarethe als Nutte, Parsifal als Häfenbruder oder Violetta als Influencerin erfüllen diese Bedingung jedenfalls nicht.

10. Mai 2021
15:05
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MRadema796
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Forumsbeiträge: 113
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20. Januar 2021
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Chenier sagt
Alle richtig, je nach Perspektive, trotzdem gilt in der Oper das Primat der Musik und diese Priorität sollte nicht mit provokanten Inszenierungen, in denen sich ein geltungsphobischer Regisseur in den Vordergrund stellt, in die zweite Reihe abgedrängt werden.

Und noch einmal, auch wenn die Akzeptanz nicht überall da ist: Man sollte sich bei allen Inszenierungen an den jeweiligen Uraufführungen zumindest peripher orientieren und nicht sinnbefreite Divergenzen auf die Bühne bringen.

Da stimme nur teilweise zu. Bei Barockopern, die für mich im Zentrum des Interesses stehen, führt es nicht zum Ziel, sich an der Uraufführung zu orientieren. Zum einen, da man meist so gut wie nichts darüber weiß, zum anderen, da die Bühnenkonventionen sich komplett verändert haben und fast allen heutigen Menschen nichts sagen. Das bezieht sich auch auf auf die Handlung - sehr oft wird ein "Happy End" verändert - manchmal mit massiven Eingriffen in die Musik, da es uns heute an den Haaren herbeigezogen scheint.

Bei späteren Opern mag der Kontrast nicht so groß sein, aber das, was vor der der Zeit des Kinos enstanden ist, enstpricht zwangsläufig nicht den späteren Sehgewohnheiten, und mit der Einführung der Digital- und Videotechnik haben wir einen weiteren radikalen Umbruch, der vieles (aber nicht alles) von dem, das vorher beeindruckt hat, die meisten Zuschauer unberührt zurücklässt.

Ein anderer Aspekt ist, dass ich die bekannten Opern kenne. Wenn sie so aussehen "wie immer", sitze ich dann drei oder vier Stunden ab und hake die Nummern ab und zähle die Fehler der Sänger. Wozu soll das gut sein? Ich bin gerade daran interessiert, neue Aspekte zu entdecken, auch wenn mir das ein oder andere nicht immer auf Anhieb oder manchmal auch gar nicht gefällt. Erstarrung ist der Tod der Oper. Schlimmer wird es in den letzten Jahren, da die Repertoirevielfalt immer mehr abnimmt, man also die immergleichen Opern in immer größeren Aufführungszahlen und damit auf immer entfernteren Abwegen sieht, statt die weniger bekannten Opern zur Entdeckung angeboten zu bekommen. Das halte ich für viel interessanter, auch wenn dann mal eine Oper dabei ist, die vielleicht nicht ganz mithalten kann.

10. Mai 2021
12:28
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Chenier
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28. Februar 2021
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Alles richtig, je nach Perspektive, trotzdem gilt in der Oper das Primat der Musik und diese Priorität sollte nicht mit provokanten Inszenierungen, in denen sich ein geltungsphobischer Regisseur in den Vordergrund stellt, in die zweite Reihe abgedrängt werden.

Und noch einmal, auch wenn die Akzeptanz nicht überall da ist: Man sollte sich bei allen Inszenierungen an den jeweiligen Uraufführungen zumindest peripher orientieren und nicht sinnbefreite Divergenzen auf die Bühne bringen.

10. Mai 2021
11:38
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copy
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25. Januar 2021
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@walter: Ich lasse Ihnen gerne Ihre Meinung, wollte mit meinem Beitrag aber nur ausdrücken, dass es vielfältige Herangehensweisen an Kultur gibt. Und plädiere nachdrücklich auf ein gedeihliches Nebeneinander und auf ein respektvolles Gegeneinander in der Diskussion. Auch ich bin nicht mehr der Jüngste, habe mir aber immer meine Neugierde und meine Konfliktbereitschaft erhalten, wovon meine Frau ein Lied zu singen weiß (aber nicht in der Art und Weise wie Sie jetzt vielleicht denken Laugh). So bleibt das Leben spannend mit jedem neuen Tag, aber auch unberechenbar! Und das ist gut so...

9. Mai 2021
22:34
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walter
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8. März 2021
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Eine Meinung zu haben, bereit sein, dafür auch zu streiten-, also, werter Copy, darin sehe ich immer noch die nicht zu verachtende Eigenschaft eines Menschen, der sich Gedanken über seine Umwelt macht, und sich nicht gleich von jeder Novität aus der Ruhe bringen lässt. Ansehen kann man sie, wird man sie, aber irgendwann muss man darüber auch urteilen. Sie brauchen Ihre Reflexionen, ich verlasse mich auf meinen Geschmack und an das, womit ich alt geworden bin. Nennen Sie mich gerne einen alten Trottel, aber beirren werden Sie mich nicht können, es sei denn, Sie zeigen mir überzeugende Aufführungen.

walter

9. Mai 2021
22:09
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copy
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25. Januar 2021
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@walter: Leider sind solche Sätze wie der ihre immer in solchen Diskussionen zu finden: "lassen wir uns nicht beirren!" Ich lasse mich gerne beirren und verwirren, denn nur Reflektionen bringen mich weiter, das alleinige Beharren auf einzementierten Positionen macht für mich keinen Sinn! Aber jedem das seine!

9. Mai 2021
22:01
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walter
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8. März 2021
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Sieht ja aus, als würden wir uns dem Kern unserer Diskussion wieder nähern!

Ja, liebe Toni, das Leben eines Opernfans kann hart sein. Bei mir läuft noch die Aufnahme, ich werde sie mir morgen anschauen, und wahrscheinlich genauso genervt sein wie Sie......

Ich empfehle einen doppelten Cognac, das hilft über Vieles hinweg. Wir müssen uns damit abfinden, dass es Produktionen wie diese gibt, und auch Leute, denen das sogar gefällt. Stoff zum Diskutieren liefern solche Sachen allemal, lassen wir uns nicht beirren!

walter

9. Mai 2021
21:47
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Toni
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11. März 2021
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Habe jetzt auf ORF 3 Faust geschaut, allerdings nicht bis zum Ende durchgehalten. So eine Inszenierung kann auch nur einem kranken Gehirn entsprungen sein!

9. Mai 2021
21:21
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Opernfreund
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1. Mai 2021
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Auf ihre Frage Christine, weshalb ich mich in der Oper gelangweilt habe: Natürlich habe ich mich in den vielen Repertoireaufführungen sehr oft wegen mittelmäßiger Sänger gelangweilt und natürlich ist es oft schwer, auseinander zu halten, welche Komponente am stärksten zum Eindruck einer Opernaufführung beiträgt, da Oper ein Gesamtkunstwerk sein sollte, bei dem Musik und Szene eine Einheit ergeben sollte. Ich habe vorher aber versucht, nur die Eindrücke von neuen Produktionen zu schildern, die man das erste Mal sieht. Und hier habe ich versucht, den Eindruck, den die Inszenierung hinterlassen hat, zu schildern, und das war zwischen Langeweile, Ärger bis teilweise Begeisterung (jüngst war das für mich der Eugen Onegin). Zu ihrer Bemerkung, dass allgemein gültige Themen in jeder Zeit dem Zuschauer näher gebracht werden können: Hier gebe ich Ihnen recht, genau das ist der Fall , wobei die Grenzen für mich dort liegen, wo das Stück nicht (mehr) funktioniert und einen (heute) nicht mehr packen kann. Das wäre bei Wagner bei reklamtreue wohl alte wallende Göttergewänder mit Helmen (was heute nicht mehr funktionieren würde) oder z.B. bei dem vo mir vorher erwähnten Trovatore, ein übergestülptes Konzept aus dem Jahr 1955, wo man keinerlei Trovatore mehr entdecken konnte. Bei Faust möchte ich eigentlich auch erst am 19.5., wenn ich live dabei war endgültig urteilen, ich gebe zu, die komplette Umcharakterisierung der Margarete war auch für mich ein störendes Element, den Grund dafür sehe ich auch nicht, die Verlegung in eine andere Zeit war für mich aber in diesem Fall kein Problem.

9. Mai 2021
20:05
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Christine
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Forumsbeiträge: 206
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22. Januar 2021
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Opernfreund, die Zeit, in der eine Inszenierung spielt, ist natürlich kein alleiniges Merkmal für ihren Wert. Es sollte halt einen Grund dafür geben, warum sie verändert wird und warum ein Regisseur glaubt, dass allgemeingültige Themen nicht in jeder Zeit den Zuschauern näher gebracht werden können, also auch in der Zeit, die Librettist und Komponist vorgesehen haben. Den Algerienkrieg hat es zur Zeit als Faust geschrieben wurde noch nicht gegeben, er konnte daher Libretto und in der Musik nicht vorkommen. Warum muss er jetzt dort vorkommen? Weder Goethe noch Gounod haben in Margarete eine Opium rauchende Prostituierte gesehen. Worin liegt der Sinn sie als solche zu zeigen?

Sie haben geschrieben, dass sie sich bei verschiedenen Vorstellungen gelangweilt haben. Wissen Sie, woran das lag? Lag es an der Oper an sich oder eher an mittelmäßigen Sängern?

9. Mai 2021
18:06
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Opernfreund
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1. Mai 2021
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Ich kann die absolut vorgetragenen Standpunkte, die hier vorgetragen werden nicht nachvollziehen. Sowohl mir (ich hoffe, ich muss deshalb nicht in die Klinik) als auch vielen meiner Bekannten (Altersklasse 50-60)) gefallen sehr wohl viele Inszenierungen, die zeitversetzt sind, genauso aber auch traditionellere Inszenierungen. Das Wiener Publikum, das ich kenne, ist absolut nicht nur an völlig traditionellen Inszenierungen inszeniert (und sieht schon gar nicht den Opernbesuch nur als gesellschaftliches Ereignis oder reine Unterhaltung), wie es hier manchmal dargestellt wird, aber genauso wenig fordert man natürlich, das ein Werk grundsätzlich in neue Zeit versetzt wird. Ich für meinen Teil habe in den späten 80ern als meine Opernleidenschaft erwacht ist Zeitversetzungen eher kritisch gesehen. Ich kann mich erinnern, wie ich bei Pountneys Rienzi buh gerufen habe (wahrscheinlich fast das einzige Mal bei mehr als 1000 Opernbesuchen), mit der Zeit habe ich aber für mich eher entdeckt, dass die Zeit, in der eine Inszenierung spielt alles andere als entscheidend ist. Ich habe in traditioneller (reklamtreuer) Zeit spielende Inszenierungen gesehen, die hervorragend waren, aber sehr oft auch schlecht und einfach langweilig. Genauso habe ich ganz schlechte in irgendeine Zeit transferierte Inszenierungen gesehen (Trovatore von Szabo fällt mir hier ein), aber auch sehr gute. Die Zeit, in der ein Werk spielt, ist eben nur eine Dimension und ich glaube auch nicht, dass es altersabhängig ist, was man bevorzugt. Meine Mutter (knapp 80), deren bevorzugter Regisseur Zefirelli war, hat mich nach der jüngsten Traviata angerufen und gemeint "Eine Sternstunde", das hätte ich so vielleicht nicht gesagt, aber auch mir hat an der Inszenierung sehr viel gefallen (werde es in der Oper aber noch live überprüfen). Der Parsifal hingegen hat mich  nicht angesprochen. Für mich ist das entweder oder also nicht wirklich so beantwortbar und frage mich, ob nicht sogar diese Meinung etwas häufiger sein könnte als es hier im Forum den Anschein hat.

8. Mai 2021
19:23
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alcindo
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21. Januar 2021
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liebe Christine, der grossteil des publikums denkt wie Sie, danke für Ihre ausführungen. ich bin auch ein gegner der zeitversetzungen, habe aber nichts dagegen, wenn die zeit abstrakt bleibt, also nicht genau definiert wird. die zeitversetzungen machen den gesungenen fast immer text unlogisch oder laecherlich.  schon in meiner studienzeit gab es einige opernsnobs, die immer etwas neues sehen oder hören wollten, manchmal hat man gehört: "so hab ich das noch nie gesehen oder noch nie gehört"  ob dann das noch gesehene oder noch nie gehörte auch das richtige war??.....

8. Mai 2021
18:59
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Chenier
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Forumsbeiträge: 229
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28. Februar 2021
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Nein, Ochs, die Boheme, auf die ich Bezug nehme, war nicht Paris, sondern Liege.

Sie haben sich ja wirklich gut eingeführt in das Forum. 

8. Mai 2021
18:44
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Christine
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Forumsbeiträge: 206
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22. Januar 2021
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Dass ich für eine Inszenierung bin, die die Oper im Sinne von Komponisten und Librettisten interpretiert, muss ich wohl nicht mehr betonen. Wenn Strauss und Hofmannsthal gewollt hätten, dass eine ihrer Opern in einem Sanatorium spielt, hätte Hoffmannsthal eine entsprechende Geschichte geschrieben und Strauss hätte sie vertont. Aber offenbar kam ihnen diese Idee nicht oder sie fanden sie nicht sinnvoll. Auch die Geschichte vom Mann im Mond gab es schon zu Puccinis Zeiten. Illica hätte ein entsprechendes Textbuch verfassen können und wenn es Puccini gefallen hätte, hätte es vertont.

Mich interessieren bei den "modernen" Inszenierungen z.B. folgende Fragen:

Warum wird die Geschichte in eine andere Zeit versetzt? Es passen dann viele Dinge nicht mehr zusammen, das scheint aber egal zu sein.

Warum spielt eine Geschichte an einem anderen Ort als im Textbuch vorgesehen? Auch da passt dann vieles nicht mehr zusammen.

Warum wird der Schluss einer Oper verändert, manchmal ins Gegenteil verkehrt? Wie soll das im Sinn des Komponisten sein?

Die meisten Opern befassen sich mit zeitlosen Themen. Man kann sie doch in der Zeit und an dem Ort spielen lassen, die die Verfasser der Oper im Sinn hatten. Auch Menschen, die nicht nur in die Oper gehen um einen schönen Abend zu erleben, sondern vielleicht "aufgerüttelt", zum Nachdenken angeregt werden wollen, können die entsprechenden Assoziationen herstellen.

8. Mai 2021
18:08
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BalthasarZorn
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Forumsbeiträge: 36
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21. Januar 2021
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Endlich der lang erwartete Beweis, dass es auf dem Mon eine Atmosphäre gibt: Sonst könnte es ja nicht schneien.

8. Mai 2021
16:19
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walter
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Forumsbeiträge: 90
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8. März 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Rodolfo auf dem Mond? Das ließ mir nun doch keine Ruhe, ich habe danach gesucht- und auch etwas gefunden, zumindest einen Ausschnitt:

 

Ich hoffe, man versteht mich, wenn ich das jetzt nicht kommentiere.....

walter

8. Mai 2021
15:05
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Baron Ochs
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Forumsbeiträge: 3
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8. Mai 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Chenier sagt

Ich rede von Anstaltsinszenierungen, die werden Sie wohl nicht goutieren, oder? 

Doch, wenn sie gut gemacht sind: Eine der besten Rosenkavalier-Inszenierungen, die ich bisher gesehen habe, spielt in einem Sanatorium. (Claus Guth, Oper Frankfurt)

Übrigens kenne ich eine weit über 80-jährige Opernliebhaberin, die im Kino jene Boheme aus Paris, auf die Sie wohl anspielten ("Rudolfo auf dem Mond"), gesehen hat. Sie war so begeistert, dass sie anschließend eine Reise nach Paris unternehmen wollte, um es sich vor Ort erneut anzuschauen.

Gehören wir beide jetzt deshalb gleich in die Klinik?

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