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Leserbrief von Horst Brunk vom 1. März 2019 | OnlineMerker | Forum

 

 

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Leserbrief von Horst Brunk vom 1. März 2019
7. März 2019
2:02
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 439
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29. September 2018
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@ 8–11: Nix für ungut, aber Ihre Einträge bestehen aus Vorverurteilungen und Pauschalierungen. Nicht alles ist gut, nur weil es modern ist (ein Schulbeispiel ist der katastrophale Freischütz von Christian Räth), aber etwas ist nicht automatisch schlecht, nur weil es modern ist.

Aber Sie werden Ihre Meinung nicht ändern, ich meine auch nicht. Macht auch nix! Ich denke allerdings, dass viele Komponisten zwischen Werktreue und Buchstabentreue unterscheiden – wer weiß, ob ein Verdi glücklich wäre, sähe er Aufführung, die eines seiner Werke auf eine bloße Bebilderung nach dem Motto "Hauptsache, sich zurücklehnen können und genießen" reduziert.

Und was die Martha in Graz betrifft, so bin ich mittlerweile ziemlich neugierig und spiele mit dem Gedanken, mich am 15. März davon persönlich zu überzeugen.

6. März 2019
19:09
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karl
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6. März 2019
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also ich finde die Idee mit saudischem Geld fantastisch -

in modernen Inszenierungen geht es doch sehr oft um Dekonstruktionen -

da können dann die Werke der Opernliteratur in der saudischen Botschaft dekonstruiert werden -

Erfahrung darin hätten sie ja...

6. März 2019
17:07
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HansLick2
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Forumsbeiträge: 224
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14. März 2018
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subventionen, jetzt wirds interessant was mit den angebotenen saudi arabischen subventionen in mailand passiert. was der minister der maroden italienischen kulturfinanz entscheidet. pereira liebt geld und kommissionen, mit letzterem meine ich einkäufe.

die welt verbiegt sich nach dem geld aus den ölländern, auch wenn die gelder nicht ausgezahlt werden, wie beim museeums dach in doha - wo bekanntlich österreichische wagner biro mitarbeiter auf der strecke blieben.

katar und die WM, da empfängt gar der österr. BP den katari minister im grauen anzug, aber mit drei ehefrauen und mehreren jumbos, bekommt auch einen wm fussball! und die menschenrechte, der klimawandel werden für ein paar stunden weggesteckt. man verbiegt sich gern für ölgeld.

6. März 2019
14:35
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Chenier
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28. Februar 2018
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Stimmt, Christine, ist eine Missachtung der Schöpfer dieser Werke und auch des Publikums. Respektlosigkeit zum Quadrat.

5. März 2019
20:05
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Christine
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Forumsbeiträge: 83
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3. Oktober 2018
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Ja, das finde ich auch schrecklich, Chenier, es entspricht sicher nicht den Vorstellungen der Schöpfer dieser Werke. Und ganz ähnlich verhält es sich mit der Aufführung der Martha in Graz - wie ich dem Bericht von Michael Koling entnehme. Da will sich jemand nur wichtig machen, ich kann das nicht anders sehen.

5. März 2019
18:52
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Chenier
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Forumsbeiträge: 370
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28. Februar 2018
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Ein wahres Wort, florezaficionada, dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen. Regisseure machen sich mit Um- und Neudeutungen meist wichtiger als sie sind und zerstören den musikalischen Ablauf. Neuerdings wird sogar in Handlungen eingegriffen, Stichworte Carmen tötet Don Jose oder Scarpia und Tosca erschießen sich gegenseitig.

2. März 2019
17:16
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florezaficionada
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Forumsbeiträge: 30
Mitglied seit:
8. März 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

die regisseure von heute leiden meiner meinung nach unter einer profilierungsneurose.  sie wollen in erster linie, dass man  von ihnen spricht. bei jeder rezension beginnen die kritiker mit der regie, zerpflücken sie des langen und breiten, dann erst liest  man von den leistungen der sänger und des orchesters. die kritik der aktuellen konzertanten produktion der walküre bestätigt wieder meine ansicht: keine albernheiten eines ach so profilierungssüchtigen regisseurs lenken die sänger ab, sie können sich voll auf den gesang konzentrieren und nicht, ob sie den kopfstand schaffen oder sportlich- elegant über die bühne robben können. jetzt könnte natürlich der einwand kommen, die rezensenten waren im besitz von pressekarten, daher die lobgesänge!

die damnation de faust im wr. konzerthaus war, obwohl oder gerade weil konzertant, ein toller opernabend, den viele in bester erinnerung behalten werden. der begeisterte applaus des publikums sprach bände. ich reise sehr viel in europäische hauptstädte und hab schon viel inszenierungsschrott erlebt, sodass ich mir schon gerne konzertante aufführungen aussuche mit hochkarätigen sängern. ich denke noch sehr gerne an eine konzertante entführung in baden -baden 2014 , eine damnation ebendort mit didonato, castronovo und tezier oder  in berlin maria stuarda 2018. und wer vermisste  in salzburg bei la favorite, il templario, les pecheurs de perles oder thais  das machwerk eines regisseurs? die musik spricht für sich!

2. März 2019
17:07
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 439
Mitglied seit:
29. September 2018
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@5 Mir ist nicht klar, was Sie sagen möchten. Ja, Steuergeld ist unser aller Geld, und es ist mir viel lieber, wenn damit Kultur gefördert wird als Banken gerettet werden.

@6 Ich weiß nicht so recht. Ich hab die früheren Zeiten nicht erlebt, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass früher jede "werkgetreue" Inszenierung bejubelt wurde. Und ich finde nicht, dass Alter und Aussehen zur Rolle passen müssen - eine altersgemäße Salome, Brünnhilde, Elektra etc wird man nicht finden. Oper und Theater sind ja nicht realistisch sondern erschaffen eine künstliche Realität, um es gekünstelt auszudrücken. Wichtig ist, dass mich das Ergebnis überzeugt, und mir war ein Botha lieber als ein schlecht singender, aber optisch idealer Siegmund/Stolzing/Otello etc. Jaa, an Inszenierungen ist leider fast nichts gutes nachgekommen, die Neuinszenierungen waren in letzter Zeit leider eigentlich immer schlechter als die vorigen (nicht nur Rigoletto, vor allem Elektra, Ariadne und Zauberflöte). Das spricht meiner Ansicht aber nicht gegen neue Inszenierungen sondern gegen die Fähigkeiten des Direktors. 

2. März 2019
14:52
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Christine
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Forumsbeiträge: 83
Mitglied seit:
3. Oktober 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Zu den Beiträgen von Asinus und Gurnemanz: Der Name Regietheater ist doch deshalb entstanden weil bei der Aufführung eines Dramas oder einer Oper plötzlich der Regisseur im Mittelpunkt stand und nicht mehr das Werk oder die darstellenden Künstler oder im Fall der Oper der Dirigent. In früheren Jahren war das nicht so. Meine Eltern waren schon begeisterte Opern- und Theaterbesucher, sie haben aber nur von den darstellenden Künstler berichtet wie Maria Jeritza, Lotte Lehmann, Maria Cebotari, Alfred Piccaver, Helge Roswaenge, aus der Zeit vor dem Krieg, später über Renata Tebaldi, Giuseppe di Stefano, Ettore Bastianini, und natürlich das Wiener Mozartensemble und viele andere mehr. Wobei mein Vater so wie ich vor allem die italienische Oper liebte, meine Mutter eher Mozart, Beethoven, Strauss. Meine Mutter mochte die dicken Sopranistinnen nicht, selbst wenn sie noch so schön sangen. Da fand sie, dass das Stück unglaubwürdig werde. Meine Meinung dazu ist ähnlich, das Aussehen und das Alter sollte einigermaßen zur Rolle passen. Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Eltern je ein Wort über eine Inszenierung verloren hätten. Es wurde damals das inszeniert, was im Textbuch stand. Und wenn man Inszenierungen sieht die schon lange im Repertoire sind, trifft das ja auch noch zu. Dass der Maskenball neu inszeniert werden soll, stimmt mich bedenklich. Ich denke z.B. an Macbeth. Die Inszenierung von Otto Schenk von 1970 kenne ich nicht. 1982 kam eine Neuinszenierung von Peter Wood. Die hat mir sehr gut gefallen, ich habe sie mehrfach gesehen und konnte mich an sehr schönen Leistungen auf der Bühne erfreuen. Warum die Inszenierung entsorgt wurde, ist mir bis heute ein Rätsel. Dann kam Vera Nemirova mit ihren Ideen. Ich habe die Aufführung nur im Radio gehört und auf den Besuch verzichtet, da mir zwei Personen unabhängig von einander ihre Eindrücke geschildert haben. Das hat mich abgeschreckt. Andere Leute offenbar auch, denn es gab nur sehr wenige Aufführungen. Die Inszenierung von Christian Räth ist zwar besser, reißt mich aber auch nicht vom Sessel - oder packt mich gar nicht um mit Gurnemanz zu sprechen. Auch die neue Rigoletto Inszenierung gefällt mir gar nicht oder die Inszenierung von der Macht des Schicksals, da war aus meiner Sicht alles besser, was vorher zu sehen war.

2. März 2019
13:47
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walter
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Forumsbeiträge: 27
Mitglied seit:
20. Februar 2019
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Bei Diskussionen über "Kunstförderung mit öffentlichen Mitteln" und- in unserem Fall besonders wichtig- den Theatersubventionen betritt man immer ein Minenfeld. Je nach Sichtweise lehnt man sich entweder im samtgepolsterten Gestühle zurück und hofft, dass es noch lange so bleibt, oder man ist ehrlich, dann fliegt einem das ganze System bald um die Ohren. 

Steuergeld ist unser aller Geld, der Staat hat nichts. Dass gefördert wird, im Sport, der bildenden Kunst, der darstellenden Kunst und überall sonst noch, ist schon in Ordnung. Mit wirtschaftlichen Grundsätzen ist es jedoch nicht zu verteidigen, das wissen wir doch alle!

walter

2. März 2019
13:16
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 439
Mitglied seit:
29. September 2018
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@3 Danke für Ihren sehr ausführlichen Beitrag! Sie geben eigentlich komplett meine Meinung wieder. Ich habe nur zwei kleine Ergänzungen: "wenn ich ein (aufzuführendes) Werk in vielleicht falscher Analogie zur bildenden Kunst als statisches Objekt betrachte" Ich würde sagen, dass die Analogie nicht nur vielleicht falsch ist, sondern ganz bestimmt falsch, aber das haben Sie vielleicht ohnehin gemeint. Und: die Frage nach dem Korrektiv: Ja, das ist natürlich ein Problem. Als relevantestes Korrektiv würde ich definieren: "Die Aufführung darf keinen Mitwirkenden Schmerzen oder bleibende Schäden zufügen". Dass es unter den Regisseuren auch mittelmäßig Begabte gibt, ist (leider) eine Tatsache, aber es gibt unter den Sängern ja auch genügend mittelmäßig Begabte... Und generell gilt das Problem der mittelmäßig Begabten ja auch für traditionelle Inszenierungen. Im Herbst habe ich in Bratislava (wo es üblicherweise sehr gute Inszenierungen gibt!) einen entsetzlichen Don Carlo gesehen, und der war ganz "traditionell" - aber einfach (für meinen Geschmack) furchtbar schlecht gemacht. Naja, glücklicherweise war einer meiner Lieblingssänger als Philipp, sonst wäre ich womöglich früher gegangen.

@2 Danke für Ihre Entgegnung, es ist für mich überhaupt kein Problem, dass Sie anderer Meinung sind. Sie regen ja nicht den Subventionsstopp an und gehen nach wie vor in die Oper, also habe ich überhaupt kein Problem mit Ihrer Ansicht. In manchen Punkten (zB "Wenn es ein Regisseur schafft dafür zu sorgen, dass Sänger nicht nur an der Rampe stehen sondern auch spielen und trotzdem wunderbar singen, ist das großartig.") bin ich ja völlig Ihrer Meinung. Den Regisseur stelle ich allerdings nicht über den Komponisten, ich sehe ihn nur als einen eigenständigen Künstler an und nicht als einen Diener des Komponisten/Librettisten. Die Musik bleibt ja im wesentlichen dieselbe, egal welche Inszenierung gespielt wird. Ich glaube nicht, dass "Regietheater"-Gegner nie ins Theater gehen; es ist ja auch völlig in Ordnung, dass man nicht hingeht, wenn man den Namen Bieito (oder einen anderen) liest (nur sollte man dann seine Ablehnung als persönliche Meinung sehen und nicht als generellen Maßstab). Aber wenn man laut eigener Aussage gar nicht mehr ins Theater geht, relativieren sich die Aussagen zum derzeitigen Theater schon etwas, würde ich meinen.

2. März 2019
11:42
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Asinus
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Forumsbeiträge: 7
Mitglied seit:
13. Februar 2019
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Ich denke nicht, dass Gurnemanz das Tun der Regisseure über das Schaffen der für das ursprüngliche Werk verantwortlich zeichnenden Personen stellt. Vielmehr scheint er bereit, und ich teile diese Ansicht, dem Tun der Regisseure einen eigenen künstlerischer Wert, einen der sich eben nicht bloß in handwerklicher Ausführung erschöpft, zuzuerkennen. Wo dieser "Mehrwert", der ja eigentlich einen genuin kreativen Akt bedeutet, als gefordert und legitimer Bestandteil einer Aufführung anerkannt ist, kann man mit gewissem Recht von "Regietheater" (eigentlich ja bloß ein polemischer Kampfbegriff) sprechen.

Tatsache ist doch, dass ein Gutteil kreativer kultureller Produktion in der Aktualisierung, Umformung und Kommentierung vorangegangener Werke besteht. Gerade die Oper, deren Sujets sich zu einem überwiegenden Teil in der (meist nicht minimalen) Bearbeitung von klassischen Dramen, Mythen und Romanstoffe erschöpft (und außerdem selbst eine vergleichsweise junge Kunstform darstellt), ist hierfür ein gutes Beispiel: ist es legitim, Mythen des klassischen Altertums in ihrer Handlung zu verändern oder Shakespeares eigentlich für die Sprechbühne konzipierte Dramen ihrer sprachlichen Finesse zu berauben, stattdessen mit Musik zu unterlegen und dafür dann keinen neuen Titel zu erfinden? Selbstverständlich ist es das, wie wir uns wohl einig sind, ähnlich verhält es sich mit dem "Regietheater": wenn ich ein (aufzuführendes) Werk in vielleicht falscher Analogie zur bildenden Kunst als statisches Objekt betrachte, bedeutet jeder Eingriff einen Frevel, wenn ich es jedoch als Stoff, als in das kulturelle Vokabular unserer Kultur eingegangenen Sinngehalt begreife, dann bedeutet der Versuch, unter Zuhilfenahme eben dieses Stoffes etwas über unsere gegenwärtige Zeit zu sagen, die Schöpfung eines neuen Werkes. Darauf kann man sich als Rezipient einlassen und einen Erkenntnisgewinn ziehen oder auch nicht. So etwas kann als Werk gut gehen oder, wie bei aller künstlerischen Tätigkeit, auch nicht; dann ergibt es im schlimmsten Fall halt eine fade, belanglose oder sogar dumme Inszenierung. (Der Wunsch nach "traditionellen, werktreuen" Aufführungen ist natürlich ebenso legitim, tatsächlich findet aber ohnehin beides nebeneinander statt; man darf halt nicht erwarten, dass gerade die Bühne zunächst der eigenen Haustüre nur das spielt, was dem persönlichen Geschmack entspricht.)

Für das Sprechtheater ist das bisherige natürlich leichter gesagt und weitestgehend auch anerkennt; der Betrieb der Sprechbühnen mit ihrer wesentlich höheren Fluktuation an dann eben jeweils aktuellen Inszenierungen begünstigt diesen Zugang natürlich; zudem ist das Sprechtheater ja ohnehin eine eher Angelegenheit mit intellektuellem Zugang. Für die Oper sieht die Sache ein wenig schwieriger aus, weil hier mit der Musik eine weitere Komponente hinzukommt; die Oper außerdem nicht unwesentlich das Gefühl anspricht; und nicht zuletzt wird im klassischen Gesang ein Virtuosentum gepflegt, wie es in seiner technischen Manier am Sprechtheater keine Entsprechung hat.

Was Subventionen betrifft, kann ich Gurnemanz im Wesentlichen zustimmen; die Kunst ist (auch in vermeintlich anachronistischer, also beispielsweise Wallmannscher oder Schenkscher Form übrigens!) ein gesellschaftlicher Reflektionsmechanismus aktueller Zustände und Entwicklungen und damit gerade in freien, aufgeklärten Gesellschaften in jeder, vielleicht sogar besonders in vermeintlich unpopulärer Form förderungswürdig. Ich würde aber doch die Frage nach einem Korrektiv als relevant im Raum behalten: sollte man jedem mittelmäßig Begabten das Geld in die Hand geben sich individuell selbst zu verwirklichen? Eher nicht; wer und was aber entscheidet, wann ein Werk, eine Inszenierung den Ausdruck privater Befindlichkeit verlässt und zu einem Werk mit allgemeingültiger Aussage, zu einem förderungswürdigen weil für uns als Gesellschaft wertvollen Werk also wird?

2. März 2019
9:17
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Christine
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Forumsbeiträge: 83
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3. Oktober 2018
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Zunächst einmal danke für das Kopieren des Textes in diesen Thread, Gurnemanz, die Ansicht des Leserbriefschreibers und von Herrn Cupak bleibt erhalten. Dass die Kunst Subvention braucht, ist ja unbestritten. Da bin ich ganz dafür. Was das Regietheater als solches betrifft, bin ich eher auf der Seite des Leserbriefschreibers. Das wird Sie nicht wundern. Dass Sie die die Leistung (die Kunst?) des Regisseurs über die jener Menschen stellen, die das Kunstwerk geschaffen haben, kann ich nicht verstehen, vor allem dann nicht, wenn man ein Werk kaum wieder erkennt. Ohne Autor und Komponist, könnte ein Regisseur ja gar nicht ans Werk gehen. Wenn es ein Regisseur schafft dafür zu sorgen, dass Sänger nicht nur an der Rampe stehen sondern auch spielen und trotzdem wunderbar singen, ist das großartig. Das gehört meiner Meinung nach zu seinen Hauptaufgaben. Wenn überlange Passagen gekürzt werden, kann ich auch damit leben. Sie schreiben, dass Ausstattung, Bühnenbild etc. viel kosten. Meiner Meinung nach ist manchmal gar kein Bühnenbild vorhanden, alles spielt im leeren Raum. Da bemüht man sich ja bei einer Schüleraufführung oder in einem Laientheater um mehr Ausstattung. Zu Ihrem letzten Satz: Auf Leute, die nie ins Theater gehen, aber trotzdem alles besser wissen, kann das Theater gut verzichten. Stimmt grundsätzlich, aber warum glauben Sie, dass Menschen denen das "Regietheater" nicht gefällt, nie ins Theater gehen? Die gehen vielleicht nicht mehr hin wenn ein bestimmter Regisseur inszeniert. Aber viele Menschen gehen wegen der Musik (die Gott sei Dank noch nicht verändert wird) und der Besetzung der Hauptrollen in die Oper.

1. März 2019
22:49
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 439
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Ich hab gerade den heutigen Tageskommentar überflogen und bin auf einen Leserbrief gestoßen, und ich kann es nicht übers Herz bringen, nicht zu widersprechen.

Ich kopiere die beiden Texte hierher, weil sie sonst meines Wissens schon übermorgen nicht mehr aufzufinden wären (was beim Leserbrief im Unterschied zur darunter kopierten Antwort auch kein Fehler wäre - aber trotzdem ist es natürlich erfreulich, dass der Online-Merker auch Zuschriften publiziert, die nicht der Meinung des Herausgebers entsprechen).

Leserbrief: Subventionierung der Theater und deren Intendanten, sowie die ‚Künstlerische Freiheit’ .

Dass sich Intendanten oft wie Götter fühlen ist vielleicht auch eine Folge davon, daß Journalisten und Moderatoren in Interviews und Artikeln immer wieder reden oder schreiben von  ihrem oder seinem Theater’.  Inzwischen glauben wohl einige dieser Personen, das von ihnen geleitete Theater gehöre ihnen selber und sie könnten somit autokratisch herrschen. 

Als über das Gesetz über die ‚Künstlerische Freiheit (??) ’ beraten wurde hat wohl niemand daran gedacht,  das mit einem solchen Recht  jeder minderbegabte Künstler ( z.B. Regisseur )  aus jedem Stück an einem subventionierten Theater machen kann, was er will; also Narren-Freiheit hat.  Leider hat kaum ein Librettist und Komponist der Musiktheater-Produktionen die Möglichkeit eines Vetos.  Die meisten Autoren, die noch gespielt werden, sind bereits seit Ewigkeiten im Jenseits.

Z.B.  kann Offenbach den ‚Mannheimer Orpheus’ leider nicht mehr verbieten !!!! Lt. Bilder im Internet ist die Ausstattung, gelinde gesagt, sehr „gewöhnungsbedürftig“.

Ja, es wird Zuschauer geben die finden das toll. Wer von den Besuchern hat wohl jemals etwas von Offenbach und seinen Operetten gehört und gesehen ????

In diesem Zusammenhang ein Zitat Offenbach’s über den s.Zt. bekannten Regisseur: ‚Rousseau hat große Qualitäten, aber er vergißt nur allzu leicht, daß der Autor absolut Herr und Meister seines Stückes ist und daß der Regisseur keine andere Aufgabe hat,  als die Inszenierung im Sinne des Autors auszuführen’.

Schluss mit dem seit langem von der Regie dominierten Theater an staatlich subventionierten Bühnen! Das Thema würde sich erledigen, wenn die Theater keinerlei öffentliche Unterstützung erhielten.

Nach einigen Jahrzehnten schöner Theaterabende besuche ich schon etliche Jahr keine Aufführungen mehr. 

Was mir gefallen hat – alles ( leider )  vorbei.

Mit freundlichem Gruß

Horst Brunk

Die Antwort von Anton Cupak:

Soweit die Meinung eines Lesers. Diese muss sich nicht zwangsläufig mit jener der Redaktion decken. Interessant ist der Denkansatz, die Subventionen für Theater zu streichen, weil diese dann nur Stücke spielen würden, die auch den Publikum gegenüber „zu verkaufen sind“. Nun Kunst und Kultur wurden immer gefördert, hätten ohne Förderer nicht überleben und ihre Meisterwerke schaffen können – das betrifft auch (und in sehr starkem Maße) geniale Komponisten. Diese mussten damals sogar ihre Meinung verkaufen, sich in Lobpreisungen und Hymnen jenen gegenüber ergehen, die bezahlt haben. Diese Prostitution ist heute nicht mehr nötig – und das ist gut so.
Gut ist auch, dass durch die Geldflüsse aus Steuermitteln ein Spielplan möglich ist, der sich nicht nur auf „Zauberflöte, La bohéme, La traviata und Carmen beschränkt.

Aber die Situation hat sich nun praktisch in das Gegenteil verkehrt, die Künstler himmeln nicht mehr die regierenden Geldgeber an, sie kritisieren sie. Sie tun sich deswegen leicht , weil die „Geldgeber“ nicht ihr eigenes, sondern Steuergeld vergeben. Bei der ständigen Gesellschaftskritik greifen die Suventionsempfänger eben jene Gesellschaft an, die ihnen das Überleben ermöglicht. Das gilt als zeitgeistig, modern, mutig. Es ist eigentlich eine verrückte Situation , aber immer noch besser als die frühere. Weil diese war nämlich menschenverachtend, die jetzige ist nur kurios und manchmal recht verlogen.

Was nun das sogenannte „Regietheater“, das ein Theater mit Schwerpunkt auf die Regie ist (denn jedes Theaterstück braucht eine Regie) betrifft, so ist dieses Phänomen in erster Linie auf die deutsche Theaterlandschaft (teilweise auch deren Umgebung) mit ihren 80 Opernhäusern beschränkt, nirgendwo sonst blüht diese Szene in einem solchen Umfang, nirgendwo sonst wird es Regiekünstlern im Namen der „Freiheit der Kunst“ so leicht gemacht wie in unseren Gefilden. Auch Österreich zieht da mit. Man ist ja so modern, so aufgeschlossen. Auch wenn man während der Vorstellung geschlafen hat!

Gesetzlich regeln kann man da gar nichts, das Pubikum hat den Schlüssel zur Lösung selbst in der Hand. Es sieht derzeit nicht nach einer Änderung der Situation aus. Viele Häuser spielen vor halbleeren Rängen, aber solange das Defizit durch Subventionen abgefangen wird, besteht kein Handlungsbedarf. Wodurch wir beim im Leserbrief angeregten Subventionsstopp wären. Der kann aber aus mehreren Gründen nicht stattfinden. Und so wird unser Leserbriefschreiber wohl weiter den Theatern fernbleiben.

Traurig, aber leider wahr!

A.C

Die Forderung des Abdrehens der Subventionen und die Hoffnung, es würde dann nur mehr konservative Inszenierungen geben, ist gelinde gesagt herzig, um nicht zu sagen: grenzenlos naiv. Hat sich Herr Brunk jemals Gedanken gemacht, wieviel eine einzige Produktion kostet? Bühnenbild, Sängergagen, Orchester, Dirigent, Korrepetitoren, Coverbesetzungen, Regisseur und Assistenten, Chor, Kostüme, Ensemble, Billeteure, Putzfrauen, Dramaturgen, Leute bei der Tages- und Abendkassa etc. etc. - jeder trägt seinen Teil zum Gelingen einer Aufführung bei und ist wichtig! Das geht unheimlich ins Geld, aber genau deshalb gibt es ja Subventionen. Und das ist gut so! Kunst hat sich in Europa schon seit der Antike nie selbst finanziert, sondern war immer abhängig von einer externen Finanzierung. Daher muss ganz klar gesagt werden: Wer ein Abdrehen der Subventionen fordert, ist ein Kultur- und Musikfeind. Dann würde es wirklich nur mehr Musikantenstadl, Rockkonzerte und vielleicht ein paar ganz wenige "Best of Classics"-Abende im Jahr geben. Unzählige Menschen würden ihren Beruf und ihr Einkommen verlieren.

Die Freiheit der Kunst ist ein hohes Gut ("Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit") und durch das Gesetz geschützt. Und natürlich ist ein Regisseur nicht der Diener des Komponisten, sondern ein eigenständiger Künstler, der auf Basis des Librettos und der Partitur ein eigenes Kunstwerk schafft. Ob es einem gefällt oder nicht, ist eine andere Sache. Darüber kann und soll man ja diskutieren.

Ich finde es übrigens erneut ziemlich herzig, wenn man eine Inszenierung anhand ein paar Bildern beurteilen kann, aber okay, sei ihm unbenommen. Ich weiß nicht, woher der Leserbriefschreiber kommt, aber es gibt an ziemlich vielen Theatern - auch Deutschlands! - mehrere Inszenierungen, die sehr unverdächtig sind, unter das zu fallen, was er und Ähnlichdenkende als "Regietheater" bezeichnen. Wieso gehen sie dort nicht hin und raunzen dafür lieber, wie schrecklich heutzutage ist?! Da müssen doch andere Gründe dahinterstecken.

Und ja, es gibt Zuschauer wie mich, die spannendes und gut gemachtes "Regietheater" faszinierend finden, und es ist erheiternd, sich von Leuten, die laut eigener Aussage nie ins Theater gehen, erklären zu lassen, dass früher alles besser gewesen sei und die heutigen Leute einfach keine Ahnung mehr von gutem Theater hätten. Nein, so ist es eben nicht. Ich kenne genug konservative Inszenierungen, und ich bin heilfroh, dass ich in einer Zeit lebe, in der das sture Rampensingen großteils der Vergangenheit angehört. Ich finde es toll, dass der alte Blödsinn mehrheitlich hinter uns gelassen wurde. (Nebenbemerkung: Damit will ich nicht sagen, dass ALLE alten Inszenierungen schlecht sind. Ich freue mich zB schon auf Cav/Pag von Ponnelle. Der Mann war fähig! Also bevor jemand wieder alles schwarz-weiß interpretiert, was ich schreibe.)

Mit seiner Einstellung würde der Leserbriefschreiber gut in ein wohlbekanntes Klassikforum passen, dessen schreibende Mitglieder zu geschätzten 80% ultraopernreaktionäre Ansichten vertreten. Auf Leute, die nie ins Theater gehen, aber trotzdem alles besser wissen, kann das Theater gut verzichten!

Das musste mal gesagt werden!

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