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LES CONTES D’HOFFMANN-Probe oder Vorstellung?
12. September 2019
3:25
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 616
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29. September 2018
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Mi., 11. September 2019: WIEN (Staatsoper): Jacques Offenbach: Les Contes d’Hoffmann / Hoffmanns Erzählungen

Heute fand mein seit längerer Zeit (seit Ende Mai) erster Besuch in der Staatsoper statt, und für längere Zeit wird es auch der letzte gewesen sein. Seit ich vermehrt ins Konzert gehe, halte ich die meisten Opern (sofern sie nicht aus dem 20. oder 21. Jahrhundert stammen) nicht mehr aus, außerdem ist mir die Staatsoper einfach zu groß (und ich frage mich, wie um alles in der Welt man auf die Idee kommt, dort in wenigen Wochen ein so zartes, lyrisches Stück wie Brittens Sommernachtstraum, das erst vor kurzem im Theater an der Wien zu erleben war, zu spielen, wo man doch einen Peter Grimes oder Billy Budd aus dem Depot wieder ausgraben könnte!!). Das neue Stehplatzsystem ist jedenfalls schon aktiv, und WENN es so bleibt, bin ich ein ganz großer Fan dieses Systems, aber natürlich ist eine Preiserhöhung absehbar. Ein besonders positiver Effekt: Zum erstenmal seit JAHREN habe ich am Stehplatz nicht massenhaft Leute gesehen, die sich augenscheinlich gar nicht für die Aufführung interessieren. Eine Preiserhöhung hat auch seine positiven Seiten, von manchen (nicht von mir) prophezeite Katastrophen traten nicht ein.

Zur Aufführung: Mittelmaß, typisch für den glücklicherweise den Posten bald freimachende Meyer.

Aber ich will nicht unter den Tisch fallen lassen, dass es ja zwei ausgezeichnete Leistungen gab. Es waren das die des Einspringers (!) Dmitry Korchak in der Hauptrolle und des Michael Laurenz in den Dienerrollen. Korchak könnte man zum Vorwurf machen, dass seine scharfe, grelle Stimmfarbe nicht unbedingt zum verliebten und schwärmerischen Poeten stammt. Dieser Meinung bin ich allerdings nicht, ich schätze sein Timbre sehr. Die Stimme ist nicht übermäßig laut, er singt vergleichsweise leise, aber völlig ausreichend, außerdem kann er an passenden Momenten zu genügend Lautstärke aufdrehen, ohne in billige Effekthascherei abzugleiten. Er sang ohne Ermüdungserscheinungen die Rolle wunderschön und exakt, was will man mehr? In Zeiten, in denen Eyvazov, Kaufmann, Schager, Villazón, Vogt etc. völlig zu Unrecht als Tenorstars gehandelt werden, ist Korchak die bessere Wahl und ein Geheimtipp. Eine wirklich ausgezeichnete Leistung. Ebenfalls positiv hervorstechend war Michael Laurenz, der mir schon in der letzten Saison sehr positiv aufgefallen ist. Heute in den Dienerrollen erbrachte er eine sehr gute Leistung (allerdings sind diese Partien ja wirklich unproblematisch).

Nichtsdestoweniger habe ich die Vorstellung als enorm mühsam und belanglos empfunden. Hauptschuldig war der Dirigent Frédéric Chaslin, der großteils langweilte durch Entbehrung eines jeden Spannungsbogens, es wurde einfach so lieblos herunterdirigiert, zeitweise zu schnell, aber meistens zu langsam. Gestaltung Fehlanzeige. Wirklich ärgerlich war, dass er mit dem Chor einige Male ganz deutlich auf Kriegsfuß stand (wobei es auch eine selten depperte Idee ist, den Chor im Olympia-Akt schräg hinten auf der Bühne zu positionieren). Zweites Hauptproblem war Luca Pisaroni in den Bösewicht-Rollen. Eine Fehlbesetzung ersten Ranges, völlig überfordert mit der Partie. Jedesmal, wenn er stimmlich aufdrehen müsste, kommt nichts mehr, und über sein Französisch wollen wir ebenfalls den Mantel des Schweigens breiten. Seinetwegen war der Antonia-Akt ziemlich zum Schmeißen (und ich erinnere mich jetzt Ildar Abdrazakovs in der vorigen Serie – der Unterschied ist wie Tag und Nacht). Dass er auch die Diamanten-Arie verhaute, war dann auch schon egal.

Die restlichen Mitwirkenden pendelten sich großteils im Mittelmaß ein. Es ist natürlich eine große Schnapsidee, die drei Frauenrollen von ein- und derselben Sängerin verkörpern zu lassen, aber Olga Peretyatko hat diese Herkulesaufgabe mit Anstand gemeistert. Ja, es ist ein Schmarrn, wenn die Olympia-Arie hinuntertransponiert wird, und ja, es ist ein Schmarrn, wenn die Triller überhaupt gar nicht funktionieren, aber dafür waren ihre Leistungen als Antonia und Giuletta annehmbar; nicht mehr, und nicht weniger. Die mir völlig unbekannte Gaëlle Arquez war als Niklausse völlig in Ordnung, sie stach nicht positiv hervor, aber auch nicht negativ (ein auffallend starkes Vibrato störte mich nicht). Schlimm waren allerdings viele der Nebenrollen: Auffallend gut Dan Paul Dumitrescu als Crespel (wenngleich natürlich nicht einmal halb so gut wie Walter Fink, der in der letzten Serie gesungen hat); Samuel Hasselhorn als Hermann und Clemens Unterreiner als Schlémil sind nicht weiter aufgefallen. Keineswegs überraschend extrem schlecht waren Alexandru Moisiuc als Luther (hat er JEMALS akzeptabel gesungen?? Doch, denn für den Großinquisitor passt sein massives Stimmgewabere. Aber sonst??) und Zoryana Kushpler als Stimme der Mutter (einfach nur grauenhaft, dieses Gekreische) und auch überhaupt nicht gut war Lukhanyo Moyake als Nathanaël. Ebenfalls sehr schlecht war Igor Onishchenko, aber wieso musste sich dieser Bariton mit der Tenorrolle des Spalanzani herumschlagen??

Das Stück ist, wie schon angedeutet, für mich nur schwer erträglich, wenngleich ich persönlich etwas damit verbinde, weil ich als Kind einen deutschsprachigen Querschnitt zu Hause gehört habe und der Hoffmann somit eine meiner allerersten Opern war (auch die zweite live gesehene). Auf Französisch ist der Charakter des Stückes jedenfalls ganz anders als auf Deutsch, und ich bekenne mich eindeutig zur deutschen Übersetzung, denn was soll der weitverbreitete Unsinn überhaupt, ein Stück in einer Sprache aufzuführen, die nicht zu den Landessprachen des jeweiligen Landes gehört? Man kann das selbstverständlich auch anders sehen, und ich respektiere jede andere Meinung, aber ICH will in der Oper etwas unmittelbar verstehen. Und nur die Muttersprache geht ins Herz. Daher super, dass es in Wien die Wahl zwischen Französisch (Staatsoper) und Deutsch (Volksoper) gibt.

Die Inszenierung von Andrei Serban, Richard Hudson und Niky Wolcz ist (von der bereits angesprochenen zeitweisen schlechten Positionierung des Chores abgesehen) ausgezeichnet – der phantastische Charakter der E.T.A.-Hoffmann-Stücke wurde genau treffend eingefangen, und insbesondere den Prolog und den Antonia-Akt halte ich für besonders gelungen. Wenn doch nur alle Neuinszenierungen nur halb so gut wären... Gespielt wird meines Wissens eine Misch-Fassung, mit dem aus meiner Sicht komplett verzichtbaren Septett/Sextett im Giuletta-Akt, das in der Volksoper komplett fehlt. Naja. Man sollte es auch in der Staatsoper streichen, dann wäre die ohnehin viel zu lange Oper wenigstens ein bisschen kürzer und prozentuell gesehen besser. Nichtsdestoweniger heute zwei sehr gute Leistungen in den Tenorrollen: Ich kann nur empfehlen, sich die Namen Korchak und Laurenz zu merken.

So, und jetzt hör ich mir „Auf dem Wasser zu singen“ mit Ian Bostridge und Julius Drake an, das ist wenigstens Musik, die mich berührt – auf das Operngebrülle kann ich mittlerweile weitgehend verzichten.

11. September 2019
13:49
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Gurnemanz
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29. September 2018
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@11+12 Danke für die genauen Informationen! Die Werkgeschichte war mir nicht so genau bekannt, da ist es immer spannend, mehr zu erfahren!

11. September 2019
8:14
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dalmont
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28. Januar 2019
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Ein kurzer Hinweis zu den transponierten Couplets der Olympia. Dadurch soll natürlich nicht Olga P's Leistung vom 5. September in ein besseres Licht gerückt werden, die war nicht mehr als mittelmäßig. Es soll nur nicht der Eindruck entstehen, sie wären nur für diese Sängerin transponiert worden.

Die Couplets der Olympia hat Fritz Oeser für seine in der Alkor-Edition herausgegebene und von der Staatsoper verwendeten Version nach G-Dur transponiert und am Schluss keinen Quartaufschwung zum dreigestrichenes D vorgesehen. Die zuvor verwendete aus dem Anfang des 19. Jhdts. stammende Version verwendet das originale As-Dur mit dem dreigestrichenen Es. Und einem verschwurbelten Satz von Oeser kann man entnehmen, dass er mit der Transponierung Sängerinnen, die alle drei Partien singen, entgegen kommen wollte. Dafür hat er sich dann später vom Herausgeber der neuesten Version M.Kaye etliche verbale Watschen eingefangen (lt. CD-Booklet).

Der Schalk Offenbach hätte für all das sicher viele süffisant spöttischen Kommentare parat gehabt.

11. September 2019
0:26
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Tristano
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9. September 2019
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Korchak erbrachte als Hoffmann eine passable bis gute Leistung - nach schwächerem Beginn in der Weinstube(Lied vom Klein Zack) steigerte er sich zusehends und war im besten Sinne des Wortes rollendeckend ! Seine Stimme ist ja wirklich nicht schön, aber er kann, im Gegensatz zu manchen Kollegen/innen, singen und auch gestalten, nur vom Stimmcharakter hat sich seinen Stimme wenig von der des Sängers der Dienerrollen unterschieden ! MfG

10. September 2019
11:29
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Gurnemanz
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29. September 2018
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@9 Besten Dank für Ihre kompetente Auskunft! Eigentlich wollte ich mir's morgen selbst anhören, aber jetzt schwanke ich doch.
Wie war eigentlich Korchak? Ihn schätze ich ja, und um ihn zu hören, möchte ich eigentlich doch hingehen.

9. September 2019
13:34
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Tristano
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9. September 2019
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Ich war in der ersten Vorstellung und bin beschämt nach Hause gegangen ! Abgesehen von einem langweiligen Dirigat und einer schlechten Gesangsleistung von Pisaroni war Fr. Peretyatko eine Zumutung. Sie hat auch die wohl um einen Ganzton transponierte Olympia-Arie nicht singen können, verruschte Staccati und Koloraturen incl. abgerissenen Schlußton(der dann kein dreigestrichenes Es, sondern ein Des hätte sein sollen), hat die anschließend kurze Szene mit Hoffmann auch geschmissen(geht bis D´´´) und mußte am Ende des Antonia-Akts gesanglich aufgeben, da wurden Passagen überhaupt ausgelassen. Die Giulietta liegt ihr zu tief und so eine schwache Bacarole habe ich in fast 50 Jahren Opernleben nicht gehört. Einer Sängerin mit so großen technischen Defiziten alle 3 Rollen anzuvertrauen zeugt von totaler Unkenntnis und es sollte sich in der Zwischenzeit schon bis Wien herum gesprochen haben, daß Fr. Peretyatko ein großer Problemfall ist(siehe auch ihre Lucia). Schade um sie, denn ihre Stimme hat ein wirklich schönes Timbre !   

9. September 2019
11:39
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Gurnemanz
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29. September 2018
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lavoce sagt
Ich möchte noch eine Kleinigkeit ergänzen: wenn  sich die Sängerin  traut  alle Frauenrollen zu singen, dann bitte in Originaltonarten. Sonst ist ja keine Herausforderung mehr „verschiedene Fächer“ zu meistern.

Ich war noch nicht in der aktuellen Serie, kann also nichts dazu sagen, aber diesmal wurden die Frauenrollen transponiert gesungen? Bitte um Info!

8. September 2019
18:45
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lavoce
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10. Mai 2019
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Ich möchte noch eine Kleinigkeit ergänzen: wenn  sich die Sängerin  traut  alle Frauenrollen zu singen, dann bitte in Originaltonarten. Sonst ist ja keine Herausforderung mehr „verschiedene Fächer“ zu meistern.

 

Gruss, lavoce

7. September 2019
8:09
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dalmont
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28. Januar 2019
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Ich kann Frau Dr. Wagners Eindrücke von dieser Aufführung nur unterschreiben. Es wirkte wie eine (noch sehr wackelige) Orchesterhauptprobe. Was sich da alles nicht zusammenfügte! Bei manchen Choreinsätzen hielt ich den Atem an: kommen die jetzt ganz auseinander oder finden sie zumindest tempomäßig einigermaßen zusammen. Dass da die SängerInnen auch länger brauchen, bis sie sich hineinfinden, wundert einen nicht. Luca Pisaroni ist falsch eingesetzt, dass er den Schluss der Diamanten-Arie trotz des vermiedenen Sextaufschwungs so gnadenlos schmiss, war ärgerlich. Und dass Olga Peretyatkos Triller relativ rasch in der Tonhöhe „verrutschen“, wird sich auch schwer leugnen lassen. Und zu guter Letzt: Da die Inszenierung eine der wenigen sehr Guten an der Staatsoper ist, müsste sie auch ganz exakt funktionieren, von der singschauspielerischen Darstellung bis zum szenischen Ablauf. Oper verträgt nix Beiläufiges oder nur ein paar Verständigungsproben.

Die gezeigte Version ist ja im Prinzip die ganz alte Version mit Schlusshymnus und leichter Aufwertung des Niklaus aus den Neufassungen. (Bei dieser Figur hielte ich eine noch größere Berücksichtigung des von Kaye/Keck entdeckten Offenbach-Materials für sehr zielführend).

Da Offenbach in Wien, das ja wohl auch eine Offenbach-Stadt war, allerdings nicht ausschließlich im positiven Sinne, so sträflich vernachlässigt wird, wollte ich mir eine Repertoire-Aufführung von „Hoffmanns Erzählungen“ anschauen und ging von meinem Prinzip ab, mir nur Premiereninszenierungen oder Wiederaufnahmen und Neueinstudierungen anzuschauen. Auch wenn diese daneben gehen, sind sie wenigstens geprobt. Ich habe es bereut.

Interessieren tät mich, ob sich die Defizite in den beiden Folgevorstellungen etwas ausgleichen.

6. September 2019
17:41
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prof.ON-DO
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Das heisst wohl, dass sich eine Verlängerung meines Streamingabos nicht rentiert- über die Saison gesehen ?

6. September 2019
16:37
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HESE
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6. September 2019
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Ich werde mir am Sonntag selbst ein Bild machen.

6. September 2019
16:13
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susana
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16. September 2018
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Aber eines haben sie gemeinsam Luca Pisaroni kommt nicht gut weg.

Kein Wunder wie kann man diesen Sänger in dieser Rolle einsetzen. Das kann nicht passen, so schnell kann sich diese Stimme nicht verändern.

Er passt in so viele anderen Rollen, aber da ist er  fehlbesetzt. Aber das ist ja nichts neues in Wien.

6. September 2019
16:08
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HESE
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6. September 2019
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Renate Wagner und Karl Masek dürften in zwei verschiedenen Vorstellungen gewesen sein, so unterschiedlich sind ihre Kritiken.  

6. September 2019
10:56
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lavoce
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10. Mai 2019
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Aus der Kritik (R.Wagner)

Vieles an dem Abend war bei weitem nicht so gut, wie es hätte sein können (und auch schon war). Aber das mögliche Verbesserungspotential sollte ausgeschöpft werden, bis man den Abend via Stream in die Welt schickt: Schließlich verneigt sich mit dieser Aufführung die Wiener Staatsoper vor dem Genie Offenbach.

Eine negative Überraschung (doppelt negativ, weil man es von ihm nicht erwartet hätte) bereitete diesmal Frédéric Chaslin am Pult. Obwohl fest im italienischen Fach verankert, ist er doch von Geburt und Können her ein Meister-Franzose, und so verwundert es, dass er Offenbachs Meisterpartitur vorwiegend grob und laut nahm, gleicherweise die Eleganz und Geschmeidigkeit dieser unglaublichen Musik vernachlässigend. Diese ist zwar so gut, dass sie das Publikum trotzdem erreicht, aber man darf doch (nicht nur, weil Offenbach-Jahr ist) nach dem Besten fragen?

Auch ein Rollendebut: Gaëlle Arquez, die zwar erfreulich so aussah, wie man sich eine Muse vorstellt, die ihren Mezzo aber technisch immer wieder flattern ließ. Michael Laurenz nützt bei seinen vier komischen Rollen vor allem die große Szene des Franz im Antonia-Akt, so dass man künftig mit Interesse nach ihm Ausschau halten wird. Nicht alle Herrschaften in den Nebenrollen schwangen sich zu erstklassigen Leistungen auf. Auch der Chor wackelte von Zeit zu Zeit.

Olga Peretyatko hat außer ihrer Schönheit (das ist eine wunderbarer Draufgabe) viele wichtige Eigenschaften für eine Opernsängerin: Sie, der man als Lucia so unrecht getan hat, “kann” Koloraturen, das beweist sie hier (und hätte der Dirigent daran gearbeitet, hätten sie noch flotter, brillanter und virtuoser ausfallen können). Abgesehen davon spielte sie die Puppe Olympia gespenstisch so, als hätte diese einen eigenen Willen – und trällerte nicht zum Selbstzweck, sondern als Ausdruck ihrer Persönlichkeit. Die tragisch dahinschmelzende Antonia nach nur einer Pause in die Stimme zu bekommen, gelang nicht fleckenlos, da waren die Höhen gelegentlich zu scharf, die Kantilene nicht weich genug. Für die intrigante Kurtisane hat sie dann ihre Mittellage ausreichend verbreitert, um richtig zu liegen, wenn auch die ultimative Sinnlichkeit aus einem hellen Sopran nicht hervorzuholen ist. Doch gepaart mit ihrer steten schauspielerischen Präsenz ergab das doch eine Gesamtheit, die an der evidenten Schwierigkeit der Aufgabe, drei Stimmen aus einer Kehle zu holen und ganz verschiedene Frauen zu gestalten, nicht scheiterte.

Das gelang Luca Pisaroni für die vier Bösewichter den ganzen Abend lang nicht. Pisaroni hat einen angenehmen Bariton, am besten für Mozart, aber sonst ermangelte es an fast allem: Zuerst an Kraft und Nachdruck, was die vier Rollen dringlich verlangen. Weiters an der Dämonie der Stimme und des Ausdrucks. Und schließlich an der ganzen Bühnenpersönlichkeit – da konnten ihn die Maskenbildner in den vier Rollen noch so schaurig herrichten, der Interpret schien seine Töne nicht ohne Mühe (das Ende der “Diamant”-Arie peinlich verhauend), aber vor allem ohne glaubhaftes Interesse herunter zu singen. Das war nicht eine Nummer zu klein, sondern mindestens zwei, wenn nicht drei…

Und zumindest die erste Dreiviertelstunde des Abends hätte man sich (in der Erinnerung) nach ihm gesehnt: So lange brauchte der Russe Dmitry Korchak, um einigermaßen in der Rolle Tritt zu fassen (inklusive einem kaum geglückten „Klein Zack”). Ab dem Olympia-Akt war die Stimme dann da, zeigte, dass über einem Metallkern Schmelz und Strahlkraft zu erreichen sind, und dann blieben weder in der Gesangslinie noch in den Spitzentönen viele Wünsche offen. Dass für Hoffmann in Akt 1 und 2 nicht allzu viel zu spielen ist, können routinierte Kollegen mit Einsatz umschiffen, Korchak zeigte erst im dritten Akt, in Venedig, wenn es für den armen Dichter eng wird, auch einiges Temperament. Aber keine Frage, nach längeren Anfangsschwierigkeiten hat er sich die Rolle geholt."

Zahlreichen Baustellen an dem Abend lassen mich grübeln: war das eine Probe oder eine Vorstellung?!?!

Tenor-nicht angemessen besetzt

Bariton-nicht angemessen besetzt

Sopran- nicht angemessen besetzt

Einige Komprimarii genau so

usw.

 

Gruß,lavoce

 

P.S. Seien Sie mir nicht böse, Frau Wagner, aber wenn sich Tenor die "Rolle des Hoffmanns erst im 3.Akt holt", dann beherrscht er sie um ein Drittel einigermaßen.Ihre Schlußfolgerungen finde ich sehr befremdlich.

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