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Les contes d'Hoffmann / Hoffmanns Erzählungen an der Wiener Volksoper
22. April 2019
2:47
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 801
Mitglied seit:
29. September 2018
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So., 21. April 2019

Hoffmanns Erzählungen und ich ist eine lange Geschichte, denn mit dieser Oper verbinde ich etwas. Sie war die erste, die ich selbständig zu Hause gehört habe (davor ist mir zu Hause noch die Zauberflöte untergekommen, aber das war nur nebenbei). Als nicht einmal 10jähriger Bub habe ich aus der städtischen Bibliothek eine Art "Einführung für Kinder" zu Hoffmanns Erzählungen (von Frederik Hetmann und Franz Endler) ausgeborgt, der auch eine Musikkassette mit einem Querschnitt der Oper (Dauer: ca. eine Dreiviertelstunde) beigelegt war. Diese Kassette hatte ich damals sehr sehr oft gehört, es handelt sich um eine Aufnahme in deutscher Sprache mit Chor und Orchester der Wiener Volksoper unter Franz Bauer-Theussl mit Waldemar Kmentt, Walter Berry, Herbert Prikoba etc. Die erste Oper, die ich live gesehen habe, war Hänsel und Gretel, aber gleich die zweite war im Jahre 2007 Hoffmanns Erzählungen, beides an der Wiener Volksoper. Ich kann mich noch erinnern, dass ich damals sehr überrascht war, dass die gesamte Oper doch weit mehr umfasst als die Dreiviertelstunde, die mir bereits bekannt war...

Diese Aufnahme habe ich schon lange nicht mehr gehört (nachdem ich den Bericht fertig habe, werde ich wieder einmal hineinhören!), aber ich habe sie noch immer im Kopf und kann die Texte auswendig. Und da sieht man wieder einmal, wie wichtig es ist, Opern nicht nur in Originalsprache zu spielen, sondern auch auf Deutsch! Mit der Muttersprache identifiziert man sich, eine Rusalka oder Jenůfa auf Deutsch geht mir viel mehr nahe als auf Tschechisch. Da kann man hundertmal argumentieren, dass keine Übersetzung dem Original gleichkommt. Oper wird nicht nur für die paar eingefleischten Opernfans gemacht, sondern in erster Linie für die breite Masse der Opernbesucher. Und wenn man als deutschsprachiger Österreicher hört: "Doch kehrst Du zu den Deinen heim, musst Du des Todes Helfer sein. Hast Du vom Menschsein auch genug, bleibt dir nur der Elemente Fluch! Wehe, Rusalka, wehe!", dann geht das viel viel viel mehr ins Herz als wenn man das auf Tschechisch hört (das von Nicht-Slaven oft grauenvoll artikuliert wird) und nur den eingeblendeten deutschen Text mitliest. Oper muss berühren, sie soll nicht nur ein intellektuelles Vergnügen sein. Daher: Opern auch in deutscher Übersetzung! Das ist ganz definitiv und bombensicher gut so, auch wenn die allgemeine Tendenz derzeit in die andere Richtung geht.

Nicht aber an der Wiener Volksoper, wo man sich in der aktuellen Neuproduktion (Premiere 2016) dazu entschlossen hat, in deutscher Übersetzung zu singen, wenn auch mit ein paar Ausnahmen (die Olympia-Arie, Antonias Romanze und das darauffolgende Duett, die Barcarole und Hoffmanns Chant bachique) auf Französisch. Das passt gut, da habe ich nichts dagegen. (Nebenbei: Im neuen Don Giovanni wird ca. alle 10 Sekunden zwischen Deutsch und Italienisch gewechselt, das ist der größte Schmarrn, den es gibt.) Ein Wermutstropfen ist, dass man sich nicht für die übliche Übersetzung entschieden hat, sondern für die von Josef Heinzelmann, die an einigen Stellen recht holprig klingt. Ich habe gar nichts gegen verbesserte Übersetzungen, aber die allermeisten Änderungen sind mir nicht nachvollziehbar, denn ob es heißt "Ah, ich brauch stärkere Getränke! Bringt flammenden Punsch! Bis zum Rausch! Und wer's nicht verträgt, roll unter die Bänke!" oder klassisch "Pfui, dieses Bier ist abscheulich! Bringt flammenden Punsch! Zündet an! Wer zu wenig verträgt, der lieg unterm Tische!", so wie man es im Ohr hat, ergibt doch keinen Unterschied. Aber gut. Mich persönlich stört der von Coppelius gesungene Satz "Ich bringe jemand um", denn obwohl "jemand" ursprünglich nicht dekliniert werden muss, bin ich den seit dem Mittelalter möglichen deklinierten Akkusativ ("jemanden") gewöhnt, der ja sogar historisch inkorrekt ist. Aber das ist mein Privatproblem, sprachlich ist "Ich bringe jemand um" völlig richtig und sogar ursprünglicher.

Die aktuelle Volksopernproduktion ist eine Koproduktion mit der Oper Bonn. Hoffmanns Erzählungen wurde in Wien in letzter Zeit sehr oft inszeniert (zuletzt nur der Olympia-Akt in der Kammeroper kombiniert mit Ravels reizendem L’enfant et les sortilèges), und unangefochtener Spitzenreiter ist die Produktion der Staatsoper von Andrei Șerban. Aber die Volksopernproduktion von Renaud Doucet und André Barbe gefällt mir auch sehr gut. Der Einführungstext auf der Homepage "Offenbach hat den Welterfolg seiner Oper nicht mehr erlebt, ebensowenig wie die Katastrophen, die mit ihrer Aufführungsgeschichte verbunden waren. 1881 ging das Ringtheater in Wien während einer Vorstellung in Flammen auf. Sechs Jahre später vernichtete ein Brand in der Pariser Opéra Comique das Orchestermaterial. War das etwa die Rache des Teufels für die satirische Behandlung seiner Person in Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“?" deutet schon die Inszenierung an, denn der Teufel höchstpersönlich brüllt zu Beginn der Ouvertüre herum, unterbricht das Orchester, empört sich, dass nicht einmal er die Verbreitung dieser Oper aufhalten konnte und endet mit "Aber heute gibt es keine Vorstellung!", worauf das Orchester erneut beginnt, also hat sich der Teufel wieder einmal nicht durchgesetzt. Was mich an der Inszenierung stört, ist die unrichte Atmosphäre. Man könnte sagen, dass die Produktion zwar surreal ist, aber nicht phantastisch, und gerade die phantastische Atmosphäre ist doch erforderlich. Das meiste gefällt mir zwar gut, die Idee mit dem Teufel ist nett, die Dienerfigur ist als bronzener Offenbach kostümiert, Hoffmann bloß mit einem weißen Hemd (er ist ja nicht nur Handelnder in den drei Akten, sondern auch Erzähler der drei Akte, nämlich der Erzähler von Geschichten, die seiner Phantasie entspringen und im wesentlichen die Figur der Stella reflektieren). Gewählt wurde eine Fassung, die von der üblichen Praxis etwas abweicht, zum Beispiel wird das Ende nicht gegeben, in dem sich Stella angewidert vom sternhagelvollen Hoffmann abwendet und lieber mit Lindorf heimgeht, stattdessen stimmen alle Solisten (inkl. Stella und Lindorf) mit dem Chor ein in "Macht die Liebe groß, macht noch größer der Schmerz", also ein positiv-versöhnliches Ende. Ingesamt eine gute (und vor allem repertoiretaugliche) Produktion, auch wenn ich Turandot und Rusalka desselben Regieteams deutlich besser finde.

Vincent Schirrmacher ist das derzeitige Tenor-Aushängeschild der Volksoper, was ich ihm und dem Haus auch herzlich gönne. Der Mann hat ein tolles Material, die Volksoper kann sich glücklich schätzen, einen Tenor mit dieser Prachtstimme im Ensemble zu haben. Das Problem ist nur folgendes: Auch wenn ich mich damit unbeliebt mache, aber Schirrmacher ist genauso wie Andreas Schager ein Operettentenor, der jetzt Opern singt, aber so, dass sie nach Operette klingen. Schirrmacher zeigt sein tolles Material (auch heute zwei imposante hohe Einlagetöne) und geht verschwenderisch damit um, nur klingt eben alles gleich. Völlig egal, welche Rolle er verkörpert oder welche Passage er zu singen hat. Heute wurde "Schamlose Dirne, zum Opfer deiner Perversion wähltest Du mich" mit genau demselben (Nicht-)Ausdruck gesungen wie seine Liebesbekundungen an Antonia. Und das ist definitiv nicht das, was ich mir unter Gesang vorstelle. Dass sich heute auch ein durchgehend heiserer Beigeschmack in die Stimme mischte, hat den Höreindruck seiner Stimmritzenprotzerei noch weiter getrübt. Das kann einer schlechten Tagesform zuzuschreiben sein oder auch stimmlicher Überforderung (der Calaf war keine gute Idee, und ob der Erik kontraproduktiv war, wird sich noch weisen). Rein optisch und darstellerisch war Schirrmacher mit seiner sympathisch-jung-naiven Ausstrahlung allerdings genau richtig. Besser gefallen hat mir sein Gegenspieler, verkörpert vom Hausdebütanten Aris Argiris, den wir Wiener in dieser Rolle schon 2012 im Theater an der Wien gehört haben. Argiris hatte als griechischer Muttersprachler nur ein Problem, nämlich die deutsche Sprache. Bei seinen als Teufel gesprochenen Eingangsworten war er hörbar um gute Artikulation bemüht, sodass kaum Kapazität zur sprachlichen Ausgestaltung blieb. In den darauffolgenden gesungenen Passagen hatte er dieses Problem nicht, und generell ist ihm eine sehr sehr ordentliche Aussprache zu bescheinigen (ganz wenige Fehler, wie zum Beispiel "Schtella" sind verzeihlich). Seine Stimme hat mich entfernt an die von Lado Ataneli erinnert (wo ist der eigentlich hin verschwunden?!). Die Stimme ist kräftig und höhensicher, wird aber besonders der Höhe (zu) straff und ein klein wenig gedrückt geführt, was dem Eindruck aber nicht zum Nachteil gereichte. Dämonie strahlte Argiris nicht gerade aus (eher trockene Gefährlichkeit), das könnte aber auch an seiner Kostümierung (Glatze, Uniform) gelegen haben. Insgesamt ein sehr erfreuliches Hausdebüt, eine Wiederbegegnung wäre nett. Sensationell gut war die Olympia von Beate Ritter, das war wirklich große Klasse. Messerscharfe Koleraturen, hohe Einlagetöne, aber auch alle tieferen Töne ausgezeichnet, und das ganze mit Ausdruck vorgetragen. Perfekt! Ich habe die Olympia-Arie (die Outrage ist nicht ihr, sondern der Inszenierung anzulasten) immer für mühsam gehalten, aber Frau Ritter hat gezeigt, dass sie mit einer tollen Interpretin wirklich Spaß macht. Beate Ritter ist ein Geheimtipp, und dass sie seit der aktuellen Saison nicht mehr im Volksopernensemble ist, sondern an der Oper Stuttgart, ist zwar schön für die Stuttgarter, aber bedauerlich für mich. Gott sei Dank kehrt die Österreicherin noch regelmäßig an ihr ursprüngliches Stammhaus zurück. Eine gute Besetzung war Rebecca Nelsen als Antonia, diese Rolle kommt ihr mehr entgegen als die Traviata. Sehr gut Kristiane Kaiser als Giuletta, wobei sich bloß die Frage stellt, wieso sie nicht als Antonia zu hören war. Sie ist eine sehr gute Giuletta, wäre aber eine ausgezeichnete Antonia. Für eine ausgezeichnete Giuletta hat mir das Dunkel-Verführerische in der Stimme gefehlt, dafür wäre doch Elisabeth Kulman super. Sehr solide Alexander Pinderak in den drei Dienerrollen der Erzählungen Hoffmanns, doch was er beim Couplet des Franz mit seiner Stimme aufgeführt hat, hat mir Halsweh bereitet, bitte die Stimme mehr schonen. Positiv überrascht war ich von Juliette Mars als Muse/Niklaus, die mir bisher weder positiv noch negativ aufgefallen ist; aber heute war ihre Leistung wirklich gut. Dass mir ihre Stimme für einen Mezzosopran viel zu hell klingt, ist nicht meine Schuld - oder die Sängerin ist in Wahrheit eine Sopranistin, woran ich heute gedacht habe, als ich ihre imposanten Höhen vernommen habe. Die Sänger der kleineren Rollen waren großteils gut, es waren das Karl-Michael Ebner, Jeffrey Treganza, Alexandre Beuchat, Yasushi Hirano und Martina Dorak. Aufgefallen ist Stefan Cerny, der als Luther und Crespel super war, er ist der beste mir bekannte jüngere Bassist, ein Juwel im Volksopernensemble. Annely Peebo klang als Stimme der Mutter Antonias wie die Parodie einer Opernsängerin, was für diese Rolle durchaus passt. Es wäre eine Vorstellung mit tollen bis soliden Leistungen gewesen, wenn nicht einer negativ aufgefallen wäre, und das war Ben Connor in der kleinen Rolle des Hermann. Katastrophe. Ich war entsetzt, ich habe gar nicht gewusst, welcher Sänger technisch so dermaßen falsch singt, in der Pause hat es mir ein Blick aufs Programm verraten. Connor klingt mit jedem Mal schlimmer. Er singt alles nach "innen", das tut mir weh, und es geht auf Kosten seiner Lautstärke und - schlimmer - seiner Stimme. Er muss stracks seine Gesangstechnik umstellen, sonst ist die Karriere schneller vorbei, als sie begonnen hat. Wenn man von diesem Totalausfall absieht, war es jedoch eine sehr erfreuliche Vorstellung. Chor und Orchester unter Alexander Joel waren engagiert dabei, bisweilen hätte der Abend ein ganz kleines wenig straffer klingen können (insbesondere das Terzett Mirakel/Antonia/Mutter hing ein bisschen in der Luft, was aber wohl den dort vorhandenen Textunsicherheiten der Sänger als dem Dirigenten anzulasten ist). Die Galerie sehr schlecht besucht, Ende schon um 22:31 (statt wie angekündigt um 22:45).

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