Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

La Sonnambula | Seite 2 | OnlineMerker | Forum

 

 

Anleitung Registrieren: 

Klicken Sie hier rechts unten auf den Button "Registrieren". Sie werden aufgefordert Ihre E-Mail Adresse und einen Benutzernamen einzugeben. Danach erhalten Sie ein E-Mail mit einem Link zum Erstellen des Passwortes. Danach können Sie sich mit Ihrer E-Mail Adresse oder dem Benutzernamen und dem Passwort einloggen. Ihre Profilseite erscheint. Danach gehen Sie wieder auf die Online Merker Forum Seite und sind dann im Forum angemeldet.

 

Dieses Forum ermöglicht in erster Linie an Kultur interessierten Lesern des Online-Merker ihre Meinung auszutauschen und durchaus auch kontroversiell zu diskutieren. Dies soll allerdings in einer höflichen und vernünftigen Umgangsform geschehen. Nicht gestattet sind diskriminierende, rassistische, fremden- und staatsfeindliche Inhalte und Formulierungen. Diese werden ebenso wie persönliche Beleidigungen und Herabwürdigungen anderer Personen vom Moderator gelöscht. Weiters ist das Forum keine Tauschbörse für Ton- und Bildaufnahmen.

Avatar

Bitte denke über eine Registrierung nach
guest

sp_LogInOut Login sp_Registration Registrieren

Registrieren | Passwort vergessen?
Erweiterte Suche

— Forumbereich —




— Übereinstimmung —





— Forum Optionen —





Minimale Suchwortlänge beträgt 3 Zeichen - die maximale 84

No permission to create posts
sp_Feed RSS (Beitrag) sp_TopicIcon
La Sonnambula
1. Februar 2019
23:56
Avatar
dalmont
Member
Members
Forumsbeiträge: 30
Mitglied seit:
28. Januar 2019
sp_UserOfflineSmall Offline

Interessant, wie sich diese Diskussion entwickelt. Krankt sie nicht etwas daran, dass sie sehr abstrakt geführt wird und man nicht weiß, was einzelnen TeilnehmerInnen als geglückte Inszenierung verstehen. Gurnemanz hat einige Regisseur-Namen angeführt, von denen ich auch sehr gute Aufführungen gesehen habe. Konwitschnys „Don Carlos“ möchte ich im Speziellen anführen, weil ich denke, dass er die auf dieser Seite so viel diskutierte Beziehung Posa-Carlos (wie auch alle anderen Beziehungen der Figuren des Stückes zueinander) sehr sehr gut gestaltet hat. Dass es eine sehr innige Beziehung ist, sagen sowohl der Text (Carlos will sich oft in die Arme von Posa „...dans tes bras“ werfen), als auch die Musik: der Terzenschluss des Duetts kehrt genau so als Erinnerungsmotiv mehrmals wieder wie das Fontainebleau-Thema von Carlos und Elisabeth. Große Kunstwerke haben es an sich, dass sie nicht eindimensional sind. Sie lassen erfreulicherweise mehrere Deutungen zu.

Ich kann Gurnemanz’ Überlegungen zum Thema der Inszenierungen fast uneingeschränkt unterschreiben (teile übrigens auch seine Vorliebe für tschechische Komponisten und möchte seine Aufmerksamkeit noch auf Zdenek Fibich lenken, über den ich von ihm noch nix gelesen habe). Was heißt denn traditionell? Die Puccini-Inszierungen der Staatsoper aus den 50ern und 60ern sind doch keine Inszenierungen mehr. Wie auch die anderen aus dieser Zeit, die nur mehr „nach einer Inszenierung von ...“ gespielt werden, der furchtbare „Fidelio“ (zuletzt mit Nilsson als Leonore gesehen), der „Liebestrank“, dessen Premiere mit Gedda und Grist (stimmt das?) sehr bezaubernd war und den ich mir im Vorjahr angeschaut habe, weil ich einmal diesen eitlen Fatzke Grigolo live sehen wollte. Was ist er gegen den wunderbaren Pavarotti in dieser Rolle.

Das sind Schlachtrösser aus Uraltopernzeiten (Und ich will noch eine Aufführung anführen, die ich 69 gesehen habe, als ich aus OÖ nach Wien gestoppt bin: die vor kurzem erwähnte Wallmann - Macht des Schicksals mit: Scheyrer, Cossutta, Cappuccilli, Siepi, Dönch, und der wunderschönen - jetzt fast 96jährigen - Biserka Cvejic) Gute Aufführungen sind, da bin ich felsenfest überzeugt, geprobt. Wird wer vom Abenddiest eingewiesen, entsteht selten was Außerordentliches. Die Leistungen des schönen Jonas haben übrigens darunter bei Werther, Faust und André Chenier – diese Aufführungen habe ich gesehen – sehr gelitten (was beim „Königskinder“-Prinzen in Zürich ganz anders war, da blieb sogar sein spezieller Bergsteigerknoten beim Schuheschnüren in Erinnerung, und da hat er auch die Premiere gesungen).

Der Operdirektor G. Mahler soll gesagt haben, „Tradition ist Schlamperei“, dann heißt wohl „traditionell“ = schlampig. Demnach wären tradionelle Inszenierungen schlampige Inszenierungen, d.h. sie reflektieren zuwenig Text und Musik (und die Zeit in der wir leben). Könnte ich unterschreiben.

Weil mir ein Beispiel grad einfällt: der „Fierrabras“ von Abbado/Berghaus im Theater an der Wien und dann der Staatsoper, und dieselbe Oper vor ein paar Jahren unter Pereira von Peter Stein in Salzburg (2018 dann an der Scala). Vielleicht hat’s wer aus der Community gesehen? Was für ein Unterschied: Genau versus traditionell.

Beim ersten Beispiel ist mir auch der Dirigent in Erinnerung geblieben, weil Abbado und Berghaus das gemeinsam entwickelt haben....

Und jetzt hör ich auf, weil die Frage plötzlich auftaucht, warum war das so? Jedoch: Was will man von einm Blog mehr, als dass er Überlegungen in Gang setzt....

Noch eine Frage an den Gastwirt Gurnemanz: wie kommt man zu Karten im zweistelligen Euro-Bereich, wenn man sich nicht sofort nach der Pressekonferenz dafür interessiert? 

1. Februar 2019
20:51
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 491
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

@57 Es ist leider wirklich eine Tatsache, dass die Begeisterung des Publikums abgenommen hat bzw - viel schlimmer - auf alle Mitwirkenden gleichermaßen verteilt wird, egal wie gut/schlecht wer gesungen hat (Buhrufe zu kriegen ist sicher nicht angenehm, aber mein Gott, das muss man wegstecken, kritisiert wird man halt im Leben.) Ich glaub aber, dass das mit vielen anderen Dingen zu tun hat und nicht mit Inszenierungen. Bei "der Regisseur muss dem Werk dienen" bin ich anderer Meinung - eben weil das Werk ja erst die Aufführung ist. Der Regisseur soll natürlich nicht ziellos irgendeinen Blödsinn auf die Bühne bringen, klar. Aber er darf Werke nicht langweilig inszenieren, damit verkauft er sie unter seinem Wert.

Es gibt (so wie ich das Stück kenne) keinen einzigen Grund, dass Posa schwul sein MUSS, es aber genug Gründe, dass er schwul sein KANN. Redet er ein einziges Mal von Liebe zu einer Frau? Meines Wissens nicht (im Unterschied zu den anderen Männern in Don Carlos). Und ich glaube, dass er für Carlos mehr empfindet als nur Freundschaft. Weil er weiß, dass Carlos es wohl nicht erwidern wird, muss er es verstecken, aber er opfert sich ja quasi für ihn und sagt im Tode Sachen, die nicht mehr nur gute Freundschaft sind. Also für mich ist ziemlich eindeutig, dass er schwul ist.

@48 Damit wollte ich nur ausdrücken, dass es ja nicht Aufgabe eines Regisseurs ist, möglichst einsteigerfreundliche Inszenierungen zu produzieren. Es tut mir leid, dass Ihrem Mann und Ihrem Sohn die Aufführung nicht gefallen hat, aber vielleicht funkt es ja bei einer anderen Produktion? Es ist halt auch eine Sache der Vorbereitung. Wenn man erwartet, das Libretto wörtlich umgesetzt auf der Bühne zu finden, und das dann nicht der Fall ist, ist man wahrscheinlich ratlos. Wenn man aber gesagt bekommt: "Das ist das Libretto, und jetzt schauen wir uns an, wie es der Regisseur auf die Bühne bringt!", dann könnte das eine andere Wirkung haben, denke ich.

@59 Liebe Susana! Jetzt bin ich ratlos, ich kann mich nicht erinnern, geschrieben zu haben, dass die Sache nur schwarz-weiß ist. Natürlich gibt es nicht diese beiden Extreme, ich war nie anderer Meinung! Über die von Ihnen genannte Zauberflöte kann ich nix sagen, weil ich sie nicht gesehen habe. Wer 100-200 Euro für eine Oper ausgibt, ist - ehrlich gesagt - selber schuld. Es gibt ja genügend billige Karten. Und ja, ich frequentiere fast immer den Stehplatz oder den billigsten Sitzplatz, ich sehe aber keinen Grund, wieso ich damit weniger "wert" als jemand, der es sich leisten kann/will, 100 Euro aufwärts hinzulegen. Die Oper könnte sich nur mit Kartenkäufen nie und nimmer subventionieren, Kunst hat sich (in Europa) auch NIE selbst finanziert. Wenn es keine Subventionen gäbe, könnten wir die Oper zusperren.

Und: Ich halte es für absolut komplett unpassend, den Begriff einer Vergewaltigung bei Inszenierungen zu gebrauchen. Eine Vergewaltigung ist etwas ganz Schreckliches, die Opfer sind oft für ihr Leben lang traumatisiert oder brauchen viel Kraft und Hilfe, um da wieder herauszukommen. Wenn Regisseur x in Berlin die Zauberflöte schlecht inszeniert, passiert der Zauberflöte gar nix, weil sie eine Woche später Regisseur y in Hamburg supertoll inszenieren kann. Mir geht das "Das darf man heute nicht mehr sagen weil pöhse und antifeministisch und überhaupt" sehr auf die Nerven. Aber vom Begriff "Vergewaltigung" bitte ich in diesem Kontext wirklich abzusehen. Das ist ein Schlag ins Gesicht gegenüber wirklichen Vergewaltigungsopfern. 

1. Februar 2019
19:24
Avatar
susana
Member
Members
Forumsbeiträge: 95
Mitglied seit:
16. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Gurnemanz sagt
Meine Meinung dazu: Ein Theater ist keine Volkshochschule. Wenn wir immer nur gefällige Kunst produzieren, stirbt die Gattung, weil sie die Menschen nicht mehr erreicht sondern nur langweilt. Das ist so, als würde man nur Traviata, Boheme, Zauberflöte und Parsifal spielen. Mir ist lieber, man rüttelt auf, setzt etwas in Gang, provoziert, macht viel Unsinn, aber auch viel Geniales. (das genaue Gegenteil erleben wir mit Dominique Meyer, wo die - nicht nur - szenische Fadesse herrscht). Und NIEMAND weiß, was Komponisten und Librettisten wirklich gedacht haben, wir werden es nicht herausfinden. Daher ist es egal.

Darüber hinaus glaube ich nicht, dass nur traditionelle Inszenierungen Leute für Opern begeistern können. Mir haben sich viele Werke erst durch unkonventionelle Produktionen erschlossen, und ein Freund, der seit ca 20 Jahren in die Oper geht, hat den Fliegenden Holländer erst durch die Mielitz-Produktion verstanden. Ein anderer, überhaupt nicht opernaffiner, Freund hat den Wunsch geäußert, einmal in Oper zu gehen, dann hab ich auf dem Stehplatz ihn in zwei eher moderne Produktionen mitgenommen - er war sehr angetan und möchte wieder einmal mitkommen.

Nochmals: Ich habe volles Verständnis, wenn man persönlich traditionelle Produktionen lieber hat. Aber bitte erklärt das mit Argumenten.

Hallo Gurnemanz , ich verstehe jetzt nicht wirklich warum alle die jenigen die manche Schwachsinnigkeitem, also Verfremdung des inhalts oder des Textes mit Musik nicht wollen, automatischnur Kostümschinken wollen. Wo genau steht das ???

Ich habe einige Inszenieingen als Positives und als negatives Beispiel schon genannt - kann man ja hier nachlesen.

Es gibt eine Menge "moderne" Inszenierungen die sich des Stoffes, den Sinn der Oper gemeinsam mit dem Text und der Musik annehmen und diese verscuhen zu interpretieren, nur dann ist eine Inszeneirung für mich gut , intereessant und sehenswert.

Veränderungen der Figuren und deren Beziehung zu den anderen Figuren lehne ich ab, Es gibt daher auch keinen Grund warum Posa schwul sein soll (nur als Besipiel) , warum ein Sarastro od eine Königin der Nacht im Bühnengraben singen müssen udn verzerrt auf die Bühen projeziert werden müssen.

Auch nicht warum ein Papageno aussehen soll wie ein Schweineschlachter. sorry das hat mti dem Inhalt nichts zu tun. Alles Beispiele aus aktuellen Inszenieungen.

Und es ist auch alles keine Antwort darauf, wie ich es so oft geschrieben habe, man sollte doch versuchen Opernkarten an Menschen zu verkaufen die dann vielleicht auch wieder kommen wollen. Was bei uns in Wien ja oft merh als 100 Euro fast bi zu 200 Euro sind.

Diejenigen (und bitte das ist nicht abwertend) auf Dienstkarten, Stehplatz oder auf billigstkarten gehen werden den Betrieb nicht wirklich unterstützen. Es sollten auch die teuren Karten verkauft werden. Warum sind denn so viele deutsche Häuse so leer ???

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diejenigen die am meisten für dei Abwechslung sind , diejenigen sind die nichts oder nur minimal etwas bezahlen. Auch das aus meiner langjährigen Erfahrung des Verkaufs.

Ja oper kann sich verändern, kann aktuell sein - aber nie den Bezug zum Text verlieren, sonst würde ich einfach sagen, schreibt doch selbst ein Werk - man sieht ja wie toll die WEiden geworden sind und wie gut verkauft - oder ??? da vergewaltigt man lieber Klassiker die sich nicht wehren können.

Und ja man weiss nicht genau - nicht 100 % was die Komponisten wollten, aber sie lebten in einer Zeit, da weiss man aus Briefwechsel und aus der GEschcihte genug Man muss sich ahlt damit beschäftigen, das tun aber viele Regisseure nicht, da müssten sie ja arbeiten und was dazu lernen. Lieber stülpen sie uns ihren Frust auf die Welt über.. das lehne ich ab, nur das !!!

1. Februar 2019
18:27
Avatar
Tosca
Gast
Guests

Gurnemanz, warum Sie abwertend schreiben, dass ein Theatern keine Volkshochschule sei, verstehe ich eigentlich als Beispiel nicht ganz  Es geht doch darum, daß potenzielle neue Interessenten für die Oper begeistert und nicht verschreckt werden sollen! Wenn man dann öfters in nicht zu verstehende Inszenierungen geht, wird man bald einmal aufgeben und sich bestätigt fühlen, dass so etwas halt nichts für einen ist! In der von mir angesprochenen Fidelio Inszenierung war es ein einfach verwirrend für einen Neuling, ich dagegen habe mich über viele unsinnige Details geärgert und manchmal die Augen geschlossen, um wenigsten von der musikalischen Ausführung etwas zu haben.

Überladene und kitschige Inszenierungen will doch auch niemand mehr haben, aber man sollte nicht stundenlang im Programmheft die Intentionen des Regisseurs lesen müssen, um dann festzustellen daß er dann leider nicht fähig war, diese auch zu vermitteln! Der von Ihnen zitierte Mielitz Holländer ist für mich eigentlich ein Beispiel wo eine etwas andere Interpretation sehr gut und nachvollziehbar gelungen ist. Genauso gibt es konventielle Inszenierungen, die schrecklich sind, z.B. La Forza del Destino in Wien. Eine gute Inszenierung muß packen, faszinieren und mitreißen, und das ist leider sehr oft nicht der Fall, egal ob konventionell oder modern.

1. Februar 2019
18:22
Avatar
Christine
Member
Members
Forumsbeiträge: 88
Mitglied seit:
3. Oktober 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Wenn eine Inszenierung im Sinn des Werkes ist, kann sie durchaus auch "modern" sein. Für mich steht der Regisseur bei einer Oper aber sicher nicht an einer vorderen Stelle. Er kommt nach dem nach dem Dirigenten und den Sängern und sollte eigentlich dem Werk dienen. Als ich in den 70er Jahren begann regelmäßig in die Oper zugehen, war die Begeisterung für vom Großteil des Publikums als gut empfundene Opernabende wesentlich größer als jetzt. Da wollte der Beifall nach Schluss der Vorstellung oft kein Ende nehmen und der Stehplatz hat sich bei den Bravo Rufen heiser geschrien.

Wenn Gurnemanz schreibt, dass Posa nicht schwul sein muss, bin ich aber sehr erfreut! Ich wäre nie darauf gekommen, wie man überhaupt auf so eine Idee kommen kann.

1. Februar 2019
18:04
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 491
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Stimmt wahrscheinlich 😂 Wie gesagt, ich bin für eine Inszenierungsvielfalt! Gerne zahlreiche konventionelle Produktionen, wenn es auch gleichzeitig unkonventionelle gibt. Aber meine Kriterien sind sowieso gut/schlecht und nicht modern/konservativ. 

1. Februar 2019
18:01
Avatar
UwePaul
Member
Members
Forumsbeiträge: 648
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Gurnemaz,

wenn jede Oper konventionell inszniert werden soll, sind alle gleich, höchstens die Kostüme haben andere Farben. Aber dann sind die Experten wieder auf der Palme, wenn z.B. die Lucia in Wien von rechts auftritt und in München von links. Das ist dann wieder große Diskussionen wert :))

1. Februar 2019
17:37
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 491
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Meine Meinung dazu: Ein Theater ist keine Volkshochschule. Wenn wir immer nur gefällige Kunst produzieren, stirbt die Gattung, weil sie die Menschen nicht mehr erreicht sondern nur langweilt. Das ist so, als würde man nur Traviata, Boheme, Zauberflöte und Parsifal spielen. Mir ist lieber, man rüttelt auf, setzt etwas in Gang, provoziert, macht viel Unsinn, aber auch viel Geniales. (das genaue Gegenteil erleben wir mit Dominique Meyer, wo die - nicht nur - szenische Fadesse herrscht). Und NIEMAND weiß, was Komponisten und Librettisten wirklich gedacht haben, wir werden es nicht herausfinden. Daher ist es egal.

Darüber hinaus glaube ich nicht, dass nur traditionelle Inszenierungen Leute für Opern begeistern können. Mir haben sich viele Werke erst durch unkonventionelle Produktionen erschlossen, und ein Freund, der seit ca 20 Jahren in die Oper geht, hat den Fliegenden Holländer erst durch die Mielitz-Produktion verstanden. Ein anderer, überhaupt nicht opernaffiner, Freund hat den Wunsch geäußert, einmal in Oper zu gehen, dann hab ich auf dem Stehplatz ihn in zwei eher moderne Produktionen mitgenommen - er war sehr angetan und möchte wieder einmal mitkommen.

Nochmals: Ich habe volles Verständnis, wenn man persönlich traditionelle Produktionen lieber hat. Aber bitte erklärt das mit Argumenten.

@42 Lieber Michta, ich behaupte ja nicht, dass man Posa als schwul darstellen MUSS. Aber es ist eine Tatsache, dass ein gewisser Prozentsatz an Menschen (also auch Opernfiguren) so ist. Also versteh ich nicht, wieso man das verschweigen soll. Es geht nicht um ein In-den-Vordergrund-Drängen sondern um eine vielschichtige Charakterzeichnung. Und es geht mir ebenso nicht darum, irgendeine Religion zu bevorzugen, mir sind ALLE Religionen unsympathisch. Aber das ist nicht Thema dieses Forums. 

1. Februar 2019
17:10
Avatar
UwePaul
Member
Members
Forumsbeiträge: 648
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Nr. 52

Anmerkung des Moderators: Gelöscht, denn es kann nicht sein, daß man jemanden als "krank" bezeichnet, nur weil er eine nicht genehme Meinung hat.

1. Februar 2019
16:47
Avatar
Michta
Member
Members
Forumsbeiträge: 136
Mitglied seit:
6. März 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Danke Tosca für diese Meldung.  Aber der linken Schickeria, die die Theater zu 95% beherrscht - leider muss ich da wieder politisch werden, weil das ist ja eine Tatsache - sind diese Menschen völlig egal, sie wollen ihre "Botschaften" ( oder das, was sie dafür halten ) postulieren, und was Normales passt nicht in deren Kram. Leider traut sich auch kaum eine nicht linke Regierung dieses Thema anzufassen, weil von den ganzen Staatskünstlern und sonstigen  ( fast hätte ich Parasiten geschrieben, aber das mache ich nicht, weil das ja zensuriert werden würde ) Symphatisanten sofort wieder die Autoritäts - und Nazikeule ausgepackt werden würde - und damit kann man sich alles erlauben, weil man dann ja so "gut" und "unantastbar" wird...

1. Februar 2019
15:57
Avatar
Christine
Member
Members
Forumsbeiträge: 88
Mitglied seit:
3. Oktober 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Tosca, ich habe genau die gleichen Erfahrungen gemacht. Ich hoffe, dass sich eines Tages wieder etwas ändern wird und es modern sein wird, ein Werk so zu interpretieren, dass es den Intentionen seiner Schöpfer, in der Oper Komponist und Librettist, entspricht. Neue Leute sollen neue Opern schreiben mit heutigen Themen, da gibt es ja genug.

1. Februar 2019
15:19
Avatar
susana
Member
Members
Forumsbeiträge: 95
Mitglied seit:
16. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Liebe Tosca, da ich ja seit Jahren in deiser Branche arbeite und mit vielen 1000en  Kunden zu tun habe, und rede ich mit Ihnen auch sehr viel. Es sind Menschen die gerne einmal ins Theater gehen od ab und zu in die Oper! manchmal mit den Kindern, manchmal nur zu zweit oder manchmal auch mit der Mutter etc...

und in 99 der Fälle haben die abstrakten Inszenierungen absolut keinen positiven Eindruck hinterlassen und ähnliches wie Sie es beschreiben als Reaktion. Oftmals - war es dann , ja die Musik war schön - aber wir fanden das Bühenngeschehen dumm, einfältig - und unverständlich etc.

und deswegen versuche ich auch immer wieder auch diese Menschen zu reflektieren, denn es gehen nicht nur die Freaks in die Oper, und gelangweilte Kritiker ,  sondern Menschen die halt ab und zu in die Oper gehen. Viel Geld ausgeben um einen guten, interessanten und relaxten Abend in der Oper zu verbringen.  Die werden aber - soweit ich es in ca 30 Jahren Berufserfahrung immer wieder erlebt habe eher abgestoßen, denn animiert öfters zu gehen .

Aber im Endeffekt interessiert das auch niemanden mehr ... den derzeit wird Oper ja von uns allen bezahlt und niemand musss ein Erfolgsergebnis vorlegen wie es bei guten Managern ist, da Kunst diesem "Erfolg" nicht unterliegt, was sicher auch gut so ist.. und wenn Oper mal eingeht, niemand mehr hngeht, dann ist es eh den meisten egal... also so halt mein persönlciher Eindruck. Danke Tosca für ihre Wortmeldung !!

1. Februar 2019
14:46
Avatar
Tosca
Gast
Guests

Mein Beitrag zu dem Thema Inszenierungen bezieht sich auf den Fidelio in München, den ich mit meinem Mann und meinem Sohn am vergangenen Sonntag besucht habe. Da Beide mit Oper überhaupt nichts zu tun haben, Fidelio noch nie gesehen/gehört haben, war ich neugierig was so völlig unbelastete Menschen zu dieser doch eher abstrakten Inszenierung sagen würden. Um es vorwegzunehmen, sie waren beide eher ratlos, konnten keinen Konnex zu der vorhergelesenen Inhaltsangabe feststellen und waren in der Pause sehr verwirrt. Erschwerend kam hinzu, daß auch wieder alle üblichen Verbindungs-Dialoge weggelassen und Musiknummer an Musiknummer gereiht wurde. Mich hat dieses Weglassen vor einigen Jahren in Salzburg auch schon gestört, aber jemand der die Oper kennt, ärgert sich vielleicht darüber, weiß aber die Zusammenhänge. Offensichtlich ist das aber nicht automatisch erwartbar und zerstört die Intention des Komponisten, was er mit diesem Werk ausdrücken wollte. Jetzt wird oft betont, daß man authentische Inszenierungen auch deswegen nicht mehr darstellen will, weil man neues, junges Publikum in die Oper bringen möchte. Also bei meinen beiden Männern war es ganz anders, sie wären über eine realistische Darstellung sehr erfreut gewesen und hatten es sehr bedauert, den ganzen Abend über herumkrabbelnde Sänger auf einem Stahl-/Plexiglasgerüst beobachten zu müssen, die Musik hat ihnen übrigens gefallen!

1. Februar 2019
11:59
Avatar
zerbino
Gast
Guests

Gurnemanz sagt

Chenier sagt
Werter Gurnemanz, ich meine Inszenierungen, die den musikalischen Ablauf stören, den Inhalt durch Umdeutungen verzerren und das Werk lächerlich machen, das kann man als Opernliebhaber nicht goutieren. Entstauben und in ein zeitgemäßes Korsett bringen, ohne o. a. Bedingungen zu missachten, sei zugelassen.  

Inszenierungen, die den musikalischen Ablauf stören, mag ich auch nicht, da bin ich auf Ihrer Seite! Aber weil wir unterschiedliche Zugänge haben, beurteilen wir das anders. Für mich existiert die Kategorie "Umdeutung" nicht, denn jede Inszenierung ist doch eine Deutung. Weil das Werk ja erst in der Aufführung entsteht, kann man es doch gar nicht umdeuten. In Opern steckt meistens viel mehr als dass es nur eine einzige mögliche Interpretation gibt. Also bin ich neugierig, was mir der Regisseur sagen will. Er darf nur zwei Sachen nicht: Mitwirkenden Schäden zufügen und mich langweilen.

Ich denke, wir alle in diesem Forum sind uns einig, dass nicht alle Regieanweisungen befolgt werden müssen. Wenn zB jemand von links auftreten sollte, kann er das auch von rechts tun. Die Frage ist halt, wie weit man Abweichungen vom Libretto toleriert. Manche sind hier sehr auf das Libretto und auf eine bestimmte Ästhetik festgelegt, anderen (wie zB mir) ist nicht einmal wichtig, ob die Geschichte auf der Bühne dort spielt, wo sie dem Libretto gemäß spielt. Hauptsache, die Produktion regt mich zum Nachdenken über das Werk an. Dann ist das für mich "werktreu" im besten Sinne. Etwas Besseres kann einer Oper doch gar nicht passieren.

Jedenfalls begrüße ich eine Vielfalt an verschiedenen Inszenierungsstilen. Ich kann gut mit ein paar Schenk-, Zeffirelli- und etc. -Produktionen leben, wenn ich gleichzeitig auch welche von Konwitschny, Carsen, Guth etc (oder auch spannenden, weniger bekannten Regisseuren) zur Verfügung habe.  

Das Problem bei all diesen Deutungen - und das impliziert auch die der Geisteswissenschaften (auch an der Uni) - ist, dass man heute selbstverständlicherweise von der Polyvalenz (Vieldeutbarkeit) der Kunstwerke und der Polyfunktionalität (Vielfalt des Lesergeschmacks) ausgeht und damit alles beliebig deutbar macht. Der tiefere Grund dafür ist m.E. , dass man sich nicht mehr die Mühe macht , sich um die schwieriger zu findenden Quellen zu bemühen und alles dem eigenen selbstherrlichen Duktus unterwirft. Ich unterhielt mich gerade mit einer prominenten Regisseurin darüber, die nicht so viel Zeit zu haben, vorgab und deshalb den easy way vorzog und den mit Pseudoargumenten verteidigte. Richtiger ist es, Kunstwerke mit historischem Inhalt auch einmal als Bildungserlebnis zu begreifen und die eigenen selbstverständlichen und leicht begreifbaren Prämissen zu verlassen. Ich erlebe das an der Uni z.B. auch bei der resp. Interpretation, wo jemand von sich so überzeugt ist, dass er quasi von Innen leuchtet, umso mehr, je mehr er wenig oder nichts weiß.

1. Februar 2019
11:46
Avatar
Michta
Member
Members
Forumsbeiträge: 136
Mitglied seit:
6. März 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Ja Alcindo, unglaublich....!

Unglaublich auch welche Absonderungen da von sich gegeben werden. Gott sei Dank hab ich eher selten Zeit hier vorbei zu schauen, da ich recht cholerisch bin, würde ich sonst wohl zu oft "explodieren".Ich würde mich Christine anschliessen, und nur "schliessen", wenn was strafrechtlich relevantes hier kommt. Ansonsten leben wir doch ohnehin in einer kranken Welt, wo uns einzureden versucht wird, was man sagen darf und was nicht - das brauchen wir da eigentlich nicht...!

    Und die unsinnige Diskussion um die schwulen Don Carlo - Figuren,   ja heute ist es ja modern sich demonstrativ zur Schau zu stellen... man könnte doch Norma und Adalgisa lesbisch machen, oder um beim Don Carlo zu bleiben ,  vielleicht den Großinquisitor im Schleierlied sich an Tebaldo vergreifen lassen - dann könnte man den Katholischen auch gleich eins auswischen,.. bissl "Freiheit der Kunst" wird man doch den wohlgebildeten, toleranten und "politisch korrekten Regie-"Künstlern" doch gestatten dürfen..

1. Februar 2019
2:49
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 491
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Chenier sagt
Werter Gurnemanz, ich meine Inszenierungen, die den musikalischen Ablauf stören, den Inhalt durch Umdeutungen verzerren und das Werk lächerlich machen, das kann man als Opernliebhaber nicht goutieren. Entstauben und in ein zeitgemäßes Korsett bringen, ohne o. a. Bedingungen zu missachten, sei zugelassen.  

Inszenierungen, die den musikalischen Ablauf stören, mag ich auch nicht, da bin ich auf Ihrer Seite! Aber weil wir unterschiedliche Zugänge haben, beurteilen wir das anders. Für mich existiert die Kategorie "Umdeutung" nicht, denn jede Inszenierung ist doch eine Deutung. Weil das Werk ja erst in der Aufführung entsteht, kann man es doch gar nicht umdeuten. In Opern steckt meistens viel mehr als dass es nur eine einzige mögliche Interpretation gibt. Also bin ich neugierig, was mir der Regisseur sagen will. Er darf nur zwei Sachen nicht: Mitwirkenden Schäden zufügen und mich langweilen.

Ich denke, wir alle in diesem Forum sind uns einig, dass nicht alle Regieanweisungen befolgt werden müssen. Wenn zB jemand von links auftreten sollte, kann er das auch von rechts tun. Die Frage ist halt, wie weit man Abweichungen vom Libretto toleriert. Manche sind hier sehr auf das Libretto und auf eine bestimmte Ästhetik festgelegt, anderen (wie zB mir) ist nicht einmal wichtig, ob die Geschichte auf der Bühne dort spielt, wo sie dem Libretto gemäß spielt. Hauptsache, die Produktion regt mich zum Nachdenken über das Werk an. Dann ist das für mich "werktreu" im besten Sinne. Etwas Besseres kann einer Oper doch gar nicht passieren.

Jedenfalls begrüße ich eine Vielfalt an verschiedenen Inszenierungsstilen. Ich kann gut mit ein paar Schenk-, Zeffirelli- und etc. -Produktionen leben, wenn ich gleichzeitig auch welche von Konwitschny, Carsen, Guth etc (oder auch spannenden, weniger bekannten Regisseuren) zur Verfügung habe.

1. Februar 2019
0:10
Avatar
alcindo
Member
Members
Forumsbeiträge: 245
Mitglied seit:
27. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Michta schrieb:

Mein Gott, natürlich gibt's auch da abstruse Einzelheiten,  aber beispielsweise was man von der "Forza" in Frankfurt liest, ist das Sch. von Anfang bis Ende....

https://oper-frankfurt.de/de/mediathek/?id_media=169

kommentar ist eigentlich fast ueberfluessig, vom wesentlichen, dem sänger und seiner musik wird konsequent abgelenkt, die oper wird zur show, .................da bekommt man sehnsucht nach der Wallman Forza....sangen ja damals di Stefano,  Bastianini und Antonietta Stella, dirigent war damals Mitropolus. aber selbst das fand damals eine  sonderbare kritik...Hans Weigel, ich glaube in der Kronenzeitung, ueberschrift:  "die Wallmann und der krawallmann"...diStefano war für Weigel ein krawatteltenor und G.Simionato eine "rechte krawattelaltistin"   de gustibus...

wenn man sich dieses video anschaut muss man sich ernsthaft fragen, wie das weitergehen soll .....

31. Januar 2019
14:33
Avatar
Chenier
Member
Members
Forumsbeiträge: 401
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Werter Gurnemanz, ich meine Inszenierungen, die den musikalischen Ablauf stören, den Inhalt durch Umdeutungen verzerren und das Werk lächerlich machen, das kann man als Opernliebhaber nicht goutieren. Entstauben und in ein zeitgemäßes Korsett bringen, ohne o. a. Bedingungen zu missachten, sei zugelassen.

31. Januar 2019
12:57
Avatar
Gurnemanz
Member
Members
Forumsbeiträge: 491
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Werter Chenier! Ich kenne die meisten Diskutanten gar nicht persönlich, kann also auch keine Allianzen bilden. Den UweBerlin verteidige ich, weil er mir die Kritik an ihm sehr sehr weit überzogen scheint.

Was Inszenierungen betrifft, werden wir wohl nicht mehr übereinstimmen - auch in Ordnung! Ich lasse Ihnen Ihre Meinung, aber ich wollte Ihrem Beitrag 26 widersprechen. Ich denke, man kann mir mir schwer absprechen, Musik nicht zu lieben. Aber diskutieren wir lieber über Inhalte als darüber, schlage ich vor.

31. Januar 2019
9:49
Avatar
Chenier
Member
Members
Forumsbeiträge: 401
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Gurnemanz, Sie widersprechen mir mit einem kommentarlosen und unbegründeten "nein" und bilden mit UweBerlin eine unheilige Allianz, so dass er sich bei Ihnen persönlich bedankt. Ich bin betroffen, gerade jetzt, wo wir beginnen, uns gegenseitig wertzuschätzen. Wink

No permission to create posts
Zeitzone des Forums: Europe/Berlin

Am meisten Mitglieder online: 10

Zurzeit Online:
3 Gast/Gäste

Momentan betrachten diese Seite:
1 Gast/Gäste

Top Autoren:

UwePaul: 648

Gurnemanz: 491

Chenier: 401

Lohengrin2: 364

alcindo: 245

HansLick2: 224

Michta: 136

susana: 95

Christine: 88

toni: 64

Mitgliederstatistiken

Gastbeiträge: 73

Mitglieder: 162

Moderatoren: 0

Administratoren: 3

Forumsstatistiken

Gruppen: 1

Foren: 1

Themen: 255

Beiträge: 3984

Neuste Mitglieder:

GasminJ, woodiskingser, Carmen123, Yrik22, prom-electric.ru - AZ-, AlbertP, sermanylticu, emalutunfun, Kerrythido, racligacompding

Administratoren: HaaSon: 2, ac: 50, Moderator 16: 20

 

Diese Seite drucken