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Janáček-Festival 2018 | Seite 2 | OnlineMerker | Forum

 

 

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Janáček-Festival 2018
13. Dezember 2018
9:11
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semjon_kotko
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8. Dezember 2018
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Gurnemanz sagt

Mir hat gut gefallen, dass das Verhältnis Gorjantschikow+Aljeja auch homosexuell gedeutet wurde, was meiner Meinung nach durchaus im Text angelegt, wenn auch nicht ganz offensichtlich ist.

Diese Deutung war doch in Prag in der Inszenierung von Daniel Špinar. In München war Aljeja ein weiblicher (!) Paradiesvogel.

13. Dezember 2018
0:08
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Pieske sagt

Gurnemanz sagt
Schön, dass Sie sich die Káťa Kabanová im Radio angehört haben! Wie hat sie Ihnen gefallen? Mich hat die Inszenierung (von Robert Carsen) sehr beeindruckt, das fällt im Radio leider weg. Hier sehen Sie ein paar Bilder: http://www.ndbrno.cz/oper/7-10.....?idp=17121
 

Hallo Gurnemanz,

eigentlich sind es von Berlin nach Brno nur 550 Kilometer, also auch nicht weiter als München. Der Zug braucht aber doch sieben Stunden, weil er sich durch's Elbtal quält. Man hat aber dafür spektakuläre Aussichten in die Berge.

Die Kabanova im Radio fand ich gut. Ich musste aber feststellen, dass ich entgegen meiner Erinnerung doch kein Libretto in meiner CD-Aufnahme hatte, sodass ich nicht mitlesen konnte. Das schmälerte das Hören dann doch, weil ich mit dem Werk nicht so gut vertraut bin.

Ja, Berlin hat nun eine Janacek-Produktion weniger, wirklich schade. Die Jenufa an der DOB ist schon lange nicht mehr herausgekramt worden und ob die UdL noch einmal das Totenhaus zeigen wird, weiß ich nicht. Ich liebe diese Chereau-Produktion und war bestimmt schon viermal drin. (Die Münchener Castorf-Verwurstung des Totenhauses ist dagegen ein Ärgernis, weil bei ihr so offenbar wird, dass der Regisseur sich nullkommanull für die Musik interessiert und eigentlich gegen sie inszeniert).

Dafür kann ich berichten, dass Rattle neulich mit der Staatskapelle (!) eine wundervolle Glagolitische Messe gegeben hat, mit dem Philharmonischen Chor Brno übrigens. Es war ein großartiger Abend.

Viele Grüße  

Hallo Pieske!

Der Weg ist je bekanntlich das Ziel.. Laugh

Janáček in einer Sprache zu hören, derer man nicht mächtig ist, ohne Möglichkeit, den Text mitzulesen stelle ich mir sehr schwierig vor. Vor allem bei Janáček geht da enorm viel verloren; hier reicht es eben nicht, grob über die Handlung Bescheid zu wissen. Wenn Sie Interesse haben, können Sie sich hier kostenlos einen Klavierauszug herunterladen, der auch die deutsche Übersetzung von Max Brod enthält: https://imslp.org/wiki/K%C3%A1%C5%A5a_Kabanov%C3%A1_%28Jan%C3%A1%C4%8Dek,_Leo%C5%A1%29

Von der Chéreau+Boulez-Totenhaus-Produktion wurde mir schon von vielen Leuten vorgeschwärmt. Wir haben sie 2007 am Theater an der Wien gehabt, das war für mich leider 2 Jahre zu früh... Dafür würde ich jederzeit nach Berlin fahren.

Das Castorf-Totenhaus in München hab ich im vergangenen Juli auch gesehen und hatte keinen so negativen Eindruck. Es ist halt ein typischer Castorf: man müsste es mehrmals sehen, um alles mitzubekommen, weil sich auf der Bühne dauernd mehrere verschiedene Sachen tun. Mir hat gut gefallen, dass das Verhältnis Gorjantschikow+Aljeja auch homosexuell gedeutet wurde, was meiner Meinung nach durchaus im Text angelegt, wenn auch nicht ganz offensichtlich ist. Sonst hat mir die Produktion durchaus gefallen, mich aber nicht begeistert. Können Sie Ihren Eindruck vielleicht etwas näher ausführen, würde mich interessieren!

Ja, die Glagolitische Messe ist super!

12. Dezember 2018
9:08
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Pieske
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5. Dezember 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Gurnemanz sagt

Schön, dass Sie sich die Káťa Kabanová im Radio angehört haben! Wie hat sie Ihnen gefallen? Mich hat die Inszenierung (von Robert Carsen) sehr beeindruckt, das fällt im Radio leider weg. Hier sehen Sie ein paar Bilder: http://www.ndbrno.cz/oper/7-10.....?idp=17121
 

Hallo Gurnemanz,

eigentlich sind es von Berlin nach Brno nur 550 Kilometer, also auch nicht weiter als München. Der Zug braucht aber doch sieben Stunden, weil er sich durch's Elbtal quält. Man hat aber dafür spektakuläre Aussichten in die Berge.

Die Kabanova im Radio fand ich gut. Ich musste aber feststellen, dass ich entgegen meiner Erinnerung doch kein Libretto in meiner CD-Aufnahme hatte, sodass ich nicht mitlesen konnte. Das schmälerte das Hören dann doch, weil ich mit dem Werk nicht so gut vertraut bin.

Ja, Berlin hat nun eine Janacek-Produktion weniger, wirklich schade. Die Jenufa an der DOB ist schon lange nicht mehr herausgekramt worden und ob die UdL noch einmal das Totenhaus zeigen wird, weiß ich nicht. Ich liebe diese Chereau-Produktion und war bestimmt schon viermal drin. (Die Münchener Castorf-Verwurstung des Totenhauses ist dagegen ein Ärgernis, weil bei ihr so offenbar wird, dass der Regisseur sich nullkommanull für die Musik interessiert und eigentlich gegen sie inszeniert).

Dafür kann ich berichten, dass Rattle neulich mit der Staatskapelle (!) eine wundervolle Glagolitische Messe gegeben hat, mit dem Philharmonischen Chor Brno übrigens. Es war ein großartiger Abend.

Viele Grüße

11. Dezember 2018
18:49
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Pieske sagt

Guten Morgen!

Nein, nicht aus Wien, aus Berlin. Ich wollte endlich mal das Janacek-Festival besuchen, aber leider kam mir das tschechische Hundertjahrjubiläum in die Quere. Das Festival wurde ja deswegen auf den November verschoben. Wäre es wie sonst im Oktober gewesen, hätte ich eine ganze Woche bleiben können und mehr Produktionen sehen können. Im November aber ist es bei mir beruflich unmöglich, länger als ein verlängertes Wochenende zu verreisen.

Ich kannte Brno nicht und war sehr angetan. Eine symathische Stadt, in der ich gerne einmal länger verweilen möchte. Deshalb ist das Festival 2020 für mich absolut gesetzt.

Einen kleinen Trost gab es am vergangenen Samstag. Da brachte Deutschlandfunk Kultur die Kabanova-Produktion aus Brno vom Festival!

Die Makropolus-Produktion an der Deutschen Oper Berlin habe ich sehr gemocht, bin mehrmals drin gewesen. Jeweils mit Herlitzius. Aber leider wurde die Produktion nun eingestampft. Keine Ahnung wieso, sie wurde nur ein paar Mal gezeigt.  

Lieber Pieske!

Es freut mich, dass Sie extra aus Berlin gekommen sind. Brünn ist ja von Berlin aus gesehen nicht wirklich ums Eck. Aber Sie brauchen sich nicht zu grämen, denn Osud + Sache Makropulos waren die meiner Meinung die besten Produktionen des Festivals (vlt noch mit Káťa Kabanová und Füchslein). Ja, Brünn/Brno halte ich auch für eine sehr sympathische Stadt. Aber es ist dort leider so wie in Budweis / České Budějovice: Sobald man sich ein paar Meter aus dem sehr schönen Stadtzentrum hinausbewegt, trifft man großteils auf keine schönen Gegenden.

Schön, dass Sie sich die Káťa Kabanová im Radio angehört haben! Wie hat sie Ihnen gefallen? Mich hat die Inszenierung (von Robert Carsen) sehr beeindruckt, das fällt im Radio leider weg. Hier sehen Sie ein paar Bilder: http://www.ndbrno.cz/oper/7-10.....?idp=17121

Ja, die Sache Makropulos an der Deutschen Oper Berlin ist leider weg. Ich wette, das hängt mit dem sehr geringen Publikumsinteresse zusammen (als ich im November dort war, wars extrem schlecht besucht). Leider!

10. Dezember 2018
9:03
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Pieske
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5. Dezember 2018
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Gurnemanz sagt

Sind Sie auch aus Wien angereist?  

Guten Morgen!

Nein, nicht aus Wien, aus Berlin. Ich wollte endlich mal das Janacek-Festival besuchen, aber leider kam mir das tschechische Hundertjahrjubiläum in die Quere. Das Festival wurde ja deswegen auf den November verschoben. Wäre es wie sonst im Oktober gewesen, hätte ich eine ganze Woche bleiben können und mehr Produktionen sehen können. Im November aber ist es bei mir beruflich unmöglich, länger als ein verlängertes Wochenende zu verreisen.

Ich kannte Brno nicht und war sehr angetan. Eine symathische Stadt, in der ich gerne einmal länger verweilen möchte. Deshalb ist das Festival 2020 für mich absolut gesetzt.

Einen kleinen Trost gab es am vergangenen Samstag. Da brachte Deutschlandfunk Kultur die Kabanova-Produktion aus Brno vom Festival!

Die Makropolus-Produktion an der Deutschen Oper Berlin habe ich sehr gemocht, bin mehrmals drin gewesen. Jeweils mit Herlitzius. Aber leider wurde die Produktion nun eingestampft. Keine Ahnung wieso, sie wurde nur ein paar Mal gezeigt.

8. Dezember 2018
7:51
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Pieske sagt

 

Hallo Gurnemanz,

ja, ich sah auch die Makropolus-Produktion. Das war wunderbar. Musikalisch und stimmlich. Aber auch die Regie. Emilia Marty gleich am Anfang so auf die Bühne zu schicken, dass alles Mondäne nur vorgeschoben wirkt und sie eigentlich eine billige Kopie einer Diva - aber auf Gosseniveau - ist, fand ich total überzeugend. Na, und die Wandlung, die sie später nimmt, dieses Ausgemergelte und Glatzköpfige, das machte das Drama dieser Figur noch mal viel deutlicher. Auch hervorragend gespielt.

Es ging mir so wie so oft bei guten Janacek-Produktionen: Ich wäre am liebsten gleich wieder in die Vorstellung gegangen.

Haben Sie auch die Libusa gesehen? Soll toll gewesen sein, wie ich gehört habe.  

Lieber Pieske! Schön, dass wir uns darüber austauschen können! Mir hat die Sache Makropulos auch hervorragend gefallen, mein Höhepunkt des Festivals. Die glatzköpfige Erscheinung der Hauptfigur hat auch mich sehr berührt. Die von Ihnen beschriebene Konzeption ist deutlich besser als mehrere Emilia-Marty-Doubles auf die Bühne zu schicken, wie ich es vor einen Monat in Berlin gesehen habe. Einzig die Videoeinspielungen (die Autofahrt im Gelände) habe ich entbehrlich gefunden. Aber wenns nur das ist..

Nein, Libuša habe ich leider genausowenig wie den Brouček erlebt. Aber die Gelegenheit wird bestimmt noch kommen.

Sind Sie auch aus Wien angereist?

7. Dezember 2018
16:45
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Pieske
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Gurnemanz sagt

Na dann herzlich willkommen im Forum, ich freue mich, dass Sie was dazu geschrieben haben! Ja, Osud hat auch mir super gefallen, die Inszenierung hat mit einfachen Mitteln viel erzeugt. Haben Sie im Rahmen des Festivals nur Osud angehört oder auch andere Stücke?   

 

Hallo Gurnemanz,

ja, ich sah auch die Makropolus-Produktion. Das war wunderbar. Musikalisch und stimmlich. Aber auch die Regie. Emilia Marty gleich am Anfang so auf die Bühne zu schicken, dass alles Mondäne nur vorgeschoben wirkt und sie eigentlich eine billige Kopie einer Diva - aber auf Gosseniveau - ist, fand ich total überzeugend. Na, und die Wandlung, die sie später nimmt, dieses Ausgemergelte und Glatzköpfige, das machte das Drama dieser Figur noch mal viel deutlicher. Auch hervorragend gespielt.

Es ging mir so wie so oft bei guten Janacek-Produktionen: Ich wäre am liebsten gleich wieder in die Vorstellung gegangen.

Haben Sie auch die Libusa gesehen? Soll toll gewesen sein, wie ich gehört habe.

5. Dezember 2018
19:26
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Gurnemanz
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Pieske sagt
Hallo in die Runde, mein erster Beitrag hier. Bin glücklicherweise auf das Forum gestoßen, weil ich nach der Rückkehr aus Brno noch "Redebedarf" zum Festival habe.

Habe auch die Vorstellung von "Osud" aus Ostrava gesehen. Hat mir gut gefallen und die Inszenierung hatte etwas merklich Provinzielles - aber im besten Sinne. Man sah, dass mit wenigen Mitteln eine Geschichte gut erzählt wurde. Auch das ist eine Kunst. Musikalisch sehr überzeugend - und es stimmt, die Hauptsängerin war spitze.  

Na dann herzlich willkommen im Forum, ich freue mich, dass Sie was dazu geschrieben haben! Ja, Osud hat auch mir super gefallen, die Inszenierung hat mit einfachen Mitteln viel erzeugt. Haben Sie im Rahmen des Festivals nur Osud angehört oder auch andere Stücke? 

5. Dezember 2018
15:21
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Pieske
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5. Dezember 2018
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Hallo in die Runde, mein erster Beitrag hier. Bin glücklicherweise auf das Forum gestoßen, weil ich nach der Rückkehr aus Brno noch "Redebedarf" zum Festival habe.

Habe auch die Vorstellung von "Osud" aus Ostrava gesehen. Hat mir gut gefallen und die Inszenierung hatte etwas merklich Provinzielles - aber im besten Sinne. Man sah, dass mit wenigen Mitteln eine Geschichte gut erzählt wurde. Auch das ist eine Kunst. Musikalisch sehr überzeugend - und es stimmt, die Hauptsängerin war spitze.

3. Dezember 2018
1:11
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Pwolf sagt
Ad 26) Das darf einen bei Alvis Hermanis nicht verwundern - ich denke nur an seine unsägliche Parsival-Inszenierung in Wien. Aber auch seine Sprechtheaterregien in Wien fand ich nicht so toll - aber wesentlich besser als Parsival. Beim Sprechtheater in Wien hatte er den Vorteil aktuelle Werke zu inszenieren von denen ich nicht so genau beurteilen konnte, wie das Werk selbst ist.  

Jaa, bei unbekannten Werken hat man es als Regisseur leichter, denke ich. Würde ich die Jenůfa nicht kennen, hätte ich wohl gestern das Werk als langweilig bezeichnet, obwohl es das sicher nicht ist und alles die Regie in Kombination mit unzureichenden Sängern verbrochen hat. 

3. Dezember 2018
1:04
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Gurnemanz
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29. September 2018
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From the House of the Dead war heute in Brünn zu hören, und eben nicht Z mrtvého domu, denn es handelte sich um ein Gastspiel der Welsh National Opera. Die englische Sprache war die erste halbe Stunde irritierend und gewöhnungsbedürftig, danach bin ich damit aber halbwegs zurechtgekommen. Es geht ja darum, Emotionen zu vermitteln, das kann das Englische auch, auch wenn es meiner Meinung nach nicht zu Janáček-Musik passt. Am besten hat mir Mark LeBrocq als Luka Kusmič gefallen, die anderen Sänger ordne ich unter Mittelmaß ein. Tomáš Hanus hat super dirigiert (straff, aber gar nicht gefühllos) das Orchester war sehr gut. Die Inszenierung von David Pountney würde mir überwiegend sehr gut gefallen (besonders gut gelöst finde ich die Identifizierung von Luka als Filka und den Auftritt Goryančikovs in vornehmem Gewand), wenn nicht die Ketten wären, die die Gefangenen tragen: Weil die Bühne fast immer voll war und viel herumgegangen wurde, hat das enormen, vermeidbaren, störenden Lärm erzeugt. Die Aufführung fand in einer Halle des Brünner Messegeländes (Výstaviště) statt, die Akustik war sogar ganz annehmbar, und diesem Stück passt die Atmosphäre einer Mehrzweckhalle.

2. Dezember 2018
21:50
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Pwolf
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18. Oktober 2018
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Ad 26) Das darf einen bei Alvis Hermanis nicht verwundern - ich denke nur an seine unsägliche Parsival-Inszenierung in Wien. Aber auch seine Sprechtheaterregien in Wien fand ich nicht so toll - aber wesentlich besser als Parsival. Beim Sprechtheater in Wien hatte er den Vorteil aktuelle Werke zu inszenieren von denen ich nicht so genau beurteilen konnte, wie das Werk selbst ist.

2. Dezember 2018
12:34
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prof.ON-DO
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19. November 2018
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Ja, alcindo, und nennen tut man das GLOBAL CULTURE !

2. Dezember 2018
10:41
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alcindo
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27. Februar 2018
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ad Gurnemanz:  na dann soll man auch Traviata im Kongo auf russisch spielen, die Elektra auf französisch in Tirol wäre auch sehr interessant und die Jenufa auf arabisch in Japan, vielleicht versteht man das argument jetzt.....

2. Dezember 2018
0:47
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Gurnemanz
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alcindo sagt
ad Gurnemanz.....spricht und singt man jetzt in Tirol und Afrika tschechisch???  

Nein. Aber in Paris spricht man französisch, trotzdem ist La traviata auf Italienisch. In Griechenland spricht man griechisch, trotzdem ist Elektra auf Deutsch. Und in Tirol spricht man deutsch, trotzdem ist La Wally auf Italienisch. Ich verstehe das Argument nicht.

2. Dezember 2018
0:41
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alcindo
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27. Februar 2018
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ad Gurnemanz.....spricht und singt man jetzt in Tirol und Afrika tschechisch???

1. Dezember 2018
23:20
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Werter Toni! Da kann ich nicht zustimmen, ich zähle mich zu den Regietheater-Befürwortern (obgleich der Begriff "Regietheater" natürlich Blödsinn ist), ich schätze gut gemachtes, intelligentes Musiktheater, wie ich es von einigen (nicht allen) Produktionen Konwitschnys, Carsens etc kenne. Es geht mir aber darum, das Werk in seiner Grundaussage zu erhalten, auch wenn eine andere Sichtweise darauf geboten wird als gewohnt.

Konkret: Worum geht es in Jenůfa? Meiner Meinung nach um die Tragödie einer jungen Frau, um die Tragödie einer älteren, scheinbar harten, gläubigen, einsamen, frustrierten Frau, um den Mord an einem neugeborenen Kind und um die Geschichte zweier unterschiedlicher Halbbrüder. DAS macht das Stück aus, es ist meiner Meinung nach egal, ob Jenůfa in Mähren spielt oder in Tirol oder in Afrika, das Ergebnis muss mich insgesamt überzeugen und zum Nachdenken anregen, aber es darf mich nicht langweilen und den Eindruck erwecken, dass der Regisseur damit nichts anzufangen weiß. So war es nämlich heute.

1. Dezember 2018
23:06
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toni
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7. März 2018
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Ich werde nie begreifen und wenn ich 100 Jahre alt werde wieso die Intendanten für viel Geld solche "Regisseure" verpflichten und solche Inszenierungen zulassen wo man oft das Gefühl, das Publikum wird verarscht.

Als ich begonnen habe in die die Oper zu gehen, habe ich mich immer zu Hause mit meinem Reclam Operführer vorbereitet und dann  das beschriebene auf der Bühne wiedergefunden. Heutzutage würde man nach aufgehen des Vorhanges an Hand des Bühnenbildes nicht wissen um welches Stück es sich handelt.

Waren vor einiger Zeit in Graz für eine Carmen Vorstellung mit Martin Mühle. Wenn die Musik nicht gewesen wäre hätte ich gedacht sie spielen so etwas wie Eine Nacht im Museum. Zuerst ist eine Putzfrau mit ihrem Reinigungswagen gekommen und hat sich dann in Folge als Carmen herausgestellt. Niemals wieder werde ich für so eine Lächerlichmachung eines Meisterwerkes der Musikgeschichte Geld ausgeben. Verbrochen hat dies alles ein gewiser Stefan Herheim. Natürlich hat er das Stück zusätzlich bearbeitet und neue Dialoge und Figuren eingefügt um zusätzliches Honarar zu lukrieren.

1. Dezember 2018
21:59
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Teatr Wielki Stanisława Moniuszka, Poznań, Gastspiel in der Janáček-Oper Brno.

Ich hätte nicht gedacht, dass man die Jenůfa ruinieren kann, so klar wie das Stück aufgebaut ist. Alvis Hermanis hat es trotzdem geschafft. Ich würde ihn gern fragen, was er sich gedacht hat oder ob er sich überhaupt etwas gedacht hat. Der erste Akt ist eine konzertante Aufführung mit übertriebenen Kostümen, mit blöder Pantomime im Hintergrund und mit einem Bühnenbild im Alfons-Mucha-Stil, in dem nicht die geringste Stimmung aufgekommen ist, nur Langeweile. Keine Ahnung, was es ausdrücken soll (vielleicht eine psychologische Familienaufstellung?), es ruiniert alles. Der zweite Akt war auch nicht viel besser, wenigstens waren die blöden Kostüme weg, aber Stimmung ist auch keine aufgekommen. Wie der dritte Akt war, weiß ich nicht, weil ich nach dem zweiten die Flucht ergriffen habe.

Leider war auch die musikalische Seite mit Ausnahme des Orchesters nicht ersprießlicher. Ilona Krzywicka (Jenůfa) hat zwar eine schöne Stimme, hat aber entsetzlich falsch gesungen. Wir reden nicht von kleinen Intonationstrübungen sondern von falschen Notenwerten fast im Ganztonbereich. Ausbuhreif! Eliška Weissová als Küsterin war besser, aber nicht viel besser. Sie hat entweder ohrenbetäubend Stimme gegeben oder sehr leise gesungen. Über die anderen Mitwirkenden schweige ich vornehm. Lediglich aus dem Orchester unter Gabriel Chmura war die Tragödie, die Leidenschaft, die Verzweiflung etc zu hören. 

Ich hab 6 Jahre lang keine Aufführung vorzeitig verlassen, aber das heutige Gruselkabinett hätte ich nicht weiter ausgehalten. Mir tun jetzt noch die Ohren weh. Nach der wirklich tollen Sache Makropulos heute eine kalte Dusche. 

27. November 2018
23:10
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Weil ich noch immer nicht genug von Janáček hab, bin ich heute nach München gefahren (schnell und billig von Wien zu erreichen), um dort Jenůfa / Její pastorkyňa zu hören. Jenůfa ist praktisch ein Selbstläufer und zieht auch dann, wenn die Besetzung nicht 1a ist.

Sally Matthews schaut aus wie Angela Denoke, singt aber nicht so gut. Jetzt - eine Stunde nach Ende der Aufführung - habe ich gar keine Erinnerung mehr an ihre Stimme, und auch während der Aufführung wars nicht ganz schlecht, aber eben sehr unspektakulär. Leider hat man sie auch fast gar nicht verstanden. Viel besser war Karita Mattila als Küsterin. Ihre Stimme ist nicht mehr frisch, aber für die Küsterin genau richtig. Ihr gelang ein eindrucksvolles Portrait dieser interessanten Figur, und auch die Aussprache war akzeptabel (lediglich hätte sie am Ende des 2. Aktes nicht so theatralisch in Ohnmacht fallen brauchen). Pavel Černoch hat eine wunderschöne Stimme, aber wäre als Števa besser aufgehoben als als Laca, für den ihm die stellenweise erforderliche stimmliche Durchschlagskraft fehlt. Aber ich mache ihm gar keinen Vorwurf, er hat das beste aus der Lage gemacht, indem er die Rolle mit seiner natürlichen Stimme gesungen hat ohne sie künstlich zu verstellen. Außerdem kann der Laca auch besonnen angelegt werden. Joseph Kaiser war als Števa hingegen fast ein Ausfall, ein Stimmchen, nicht mehr. Für ihr hohes Alter durchaus bemerkenswert Hanna Schwarz als Alte Buryja, und was sich sonst so auf der Bühne getummelt hat (Altgesell, Karolka etc) war weder besonders gut noch besonders schlecht (außer Kristof Klorek, der mir als Richter positiv aufgefallen ist). Simone Young fühlt sich bei Janáček hörbar wohler als bei Wagner, für die Jenůfa (wie auch fürs Totenhaus) passt ihre leicht gehetzte, aber präzise Art. Das Orchester war ziemlich gut. Wie man hört, war es die letzte Aufführung der Inszenierung von Barbara Frey, und dieser Produktion werde ich nicht nachweinen. Die Jenůfa bringt man ja nicht um, auch hier nicht, aber gut realisiert ist die Produktion von 2009 nicht, auch wenn sich die Regisseurin im Interview sehr wohlüberlegt äußert. Das Bühnenbild ist nicht sonderlich einfallsreich, die Massenchoreographie insbesondere im ersten Akt dilettantisch/albern, und die Kostüme sind überhaupt zum Schmeißen (Jenůfa ist im ersten Akt nicht wie eine junge Frau angezogen sondern wie eine ältliche Hausfrau, Laca trägt dafür ein unpassendes Sakko), die Handlung scheint mir ca. in die 1980er-Jahre verlegt (davon kündet beispielsweise ein alter, herumstehender Fernseher), ohne dass das einen Sinn hätte. Teilweise auch unlogisch, zum Beispiel sieht der Altgesell gar nicht, was wirklich passiert, denn er tritt erst viel später auf und schreit dem Laca dann zu: "Du hast es mit Absicht getan!". Insgesamt war der Abend nicht soo schlecht und auf jeden Fall lohnend, aber das Stück hab ich letztes Jahr in Prag viel besser erlebt. Das Publikum zeigte sich sehr angetan und beklatschte alle (außer Joseph Kaiser) lang und begeistert. 

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