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"Inszenierungs-Schrott" | OnlineMerker | Forum

 

 

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"Inszenierungs-Schrott"
14. Dezember 2018
9:53
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Michta
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Forumsbeiträge: 164
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6. März 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Danke Gurnemanz, in ihrem Sinne hab ich es auch gemeint, speziell eben "Notbremse" bzw. eben im Vorfeld sich bissl besser informieren was  der/die vor hat, bevor man den Vertrag unterschreibt.

13. Dezember 2018
23:57
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Pwolf
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Forumsbeiträge: 50
Mitglied seit:
18. Oktober 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Intendanten können schon, wenn sie wollen - aber vielleicht haben sie Angst vor schlechter Presse, denn im Nachhinein ist der Beweis dafür, dass ein gefeuerter Regisseur einen totalen Schwachsinn produziert hätte, schwer zu erbringen. 

Und viele Leute urteilen nach der veröffentlichten Meinung und nicht nach ihrem    eigenen Eindruck. 

Was mich an den Ausspruch einer klugen jungen Schauspielschülerin erinnert, die generell zu zeitgenössischer Kunst meinte, dass sie vieles daran - insbesondere die Rezensionen darüber - an das Märchen von des Kaisers Neuen Kleider erinnere. 

12. Dezember 2018
23:52
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 550
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Michta sagt
Leider machen zu viele mit, aber bis auf wenige ganz "Große" ( im Sinne von Großverdiener - was nicht heißt, dass die die Besten sind ! ) kann es sich ein Künstler heute kaum leisten, mehr als MAXIMAL einmal sich gegen etwas zu wehren. Er ist sonst weg vom Fenster!    Die Intendanten und Regie-Mafia ( von dero Gnaden!  Der Intendanten nämlich, die sich ´ZU WENIG !  sic ! - einmischen, denn manchen Regisseuren gehörte schon nach dem Abliefern des Konzeptes "ein Spitz", wie es so schön auf Wienerisch heißt! ) stellt die sonst sofort kalt, ...! Leider ist es so.  

Werter Michta! Ich stimme Ihnen ja dahingehend völlig zu, dass es Sänger heutzutage sehr schwer haben und es sich leider nicht (so sie nicht zu absoluten Spitzenklasse gehören) leisten können, sich gegen gewisse Behandlungen und Usancen zu wehren, aber wie soll die Einmischung der Intendanten denn konkret funktionieren?

Ich find, wenn ein Intendant mit einem gewissen Konzept nicht einverstanden ist, soll er fürderhin keine Regisseure mehr verpflichten, die solche Arbeiten abliefern, aber Eingriffe in die laufende Regiearbeit halte ich aufgrund der künstlerischen Freiheit des Regisseurs für nicht vertretbar - es sei denn, es geht darum, die Notbremse zu ziehen (zB wäre das beim letzten Wiener Freischütz notwendig gewesen) oder/und Sänger vor bleibenden Schäden zu bewahren.

12. Dezember 2018
10:25
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Chenier
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Forumsbeiträge: 420
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28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Das ist der Punkt der meisten "Neudeutungen", sehe ich auch so: Es fehlt der Respekt, auch vor dem (zahlenden) Publikum, und die "moderne Regie" macht sich über das Werk lustig.

12. Dezember 2018
9:10
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Michta
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Forumsbeiträge: 164
Mitglied seit:
6. März 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Leider machen zu viele mit, aber bis auf wenige ganz "Große" ( im Sinne von Großverdiener - was nicht heißt, dass die die Besten sind ! ) kann es sich ein Künstler heute kaum leisten, mehr als MAXIMAL einmal sich gegen etwas zu wehren. Er ist sonst weg vom Fenster!    Die Intendanten und Regie-Mafia ( von dero Gnaden!  Der Intendanten nämlich, die sich ´ZU WENIG !  sic ! - einmischen, denn manchen Regisseuren gehörte schon nach dem Abliefern des Konzeptes "ein Spitz", wie es so schön auf Wienerisch heißt! ) stellt die sonst sofort kalt, ...! Leider ist es so.

11. Dezember 2018
22:22
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alcindo
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Forumsbeiträge: 256
Mitglied seit:
27. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

ad Uwe:  ein Sänger merkt beim singen fast nie, was neben oder hinter ihm passiert, da die konzentration auf der zu interpretierenden musik liegt. anders, wenn ihn frontal etwas irritiert. nicht alle sänger machen bei jedem unsinn mit...es geht aber nicht nur um hohe gagen.....

11. Dezember 2018
20:56
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UwePaul
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Forumsbeiträge: 762
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

alcindo

Sie mögen vielleicht recht haben, aber eines gebe ich mal zu bedenken, warum machen dann "Stars" wie Domingo oder Netrebko solch Einfälle mit.Denke mal z.B. an den Stölzl Troubador oder Domingo hier an der Staatssoper an den schwachsinnigen Macbeth. Diese Stars machen dann doch wohl aus Geldgier mit??? Bei weniger bekannten Sängern kann ich das vielleicht verstehen, wie gerade bei dem Scala Schwachsinn. Aber die Stars, die ein bisschen "Macht" haben, machen doch alles mit. Also sind es m.E. nicht nur die Regisseure mit ihren teilweise abstrusen Einfällen

11. Dezember 2018
20:37
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alcindo
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Forumsbeiträge: 256
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27. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

was den meisten regisseuren heute fehlt ist nicht nur der Respekt vor dem originallibretto und zt der musik, es ist vor allem der fehlende respekt gegenüber dem wichtigsten auf der bühne, und das wird in der traditionellen oper immer der sänger sein. dessen arbeit wird in vielen fällen erheblich erschwert, sei es durch aktion oder position..und dann wird ohne gnade durch nebensächliche spielastik die konzentration auf den sänger bei seinen wichtigsten stellen gestoert, zb was soll die prozession mit der madonna zur arie der Leonora im 1.akt Troubadour in der WSTO..usw

11. Dezember 2018
19:20
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 550
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29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Tristan62 sagt
Ich habe grundsäötzlich natürlich nichts dagegen, wenn sich Regisseure Gedanken zu einem Stück machen und uns diese dann präsentieren, nur sollte das Werk zumindest in seinen Grundzügen noch erkennbar sein. Auch habe ich nicht selten das Gefühl, daß Regisseure mit den Werken, die sie zu inszenieren haben nichts anzufangen wissen und anstatt das dem Direktor ehrlich zu sagen und den Auftrag zurücklegen, dann irgendwas machen.

Außerdem hat man manches Mal das Gefühl, daß sich Regisseure über Werke oder zumindest einzelne Szenen lustig machen und das dann auch zeigen oder, wenn die Musik eigentlich Ruhe signalisiert auf der Bühne Action sein muß. Dazu gehört z.B. bei Chören, daß die Choristen mithüpfen müssen oder während einer Arie irgendwelche Figuren auf der Bühne herumlaufen, die zu dem Zeitpunkt nichts auf der Bühne verloren haben. Man hat irgendwie das Gefühl, daß es ohne irgend einer Bewegung nicht mehr gehen darf.  

Hier stimme ich zu, mich stört der Drang zu "möglichst viel Action" auch. Zahlreiche Stellen (ein Beispiel stellvertretend für viele andere: "Ach, ich fühl's" aus der Zauberflöte) verlangen unbedingt nach Ruhe und werden durch Action nur gestört. Deshalb nervt es mich auch so, dass die vier Komödianten in Bechtolfs Ariadne exakt in den Schlusstakten von "Es gibt ein Reich" mit ihren Rollern die Stimmung zerstören. Die könnten doch auch ein paar Sekunden später kommen!

Auch dass Regisseure nur Stücke inszenieren sollten, die sie interessieren, unterschreibe ich sofort. Wäre ich ein Regisseur, würde ich (derzeit) auf keinen Fall eine Belcanto-Oper inszenieren. Da kann dann nix Gscheits herauskommen.

Aber jetzt sind wir beim Problem, was "das Werk" ist. Ist Don Carlos die bloße Vertonung des Schiller-Dramas? Ist es die persönliche Tragödie eines Mannes, der eine Frau liebt, die mit seinem Vater verheiratet ist? Ist es das Psychogramm eines einsamen Herrschers? Ist es ein historisches Drama? Ist es ein Eifersuchtsstück Elisabeth-Eboli? Ist es eine Anklage gegen totalitäre Systeme (Inquisition)? Das alles und noch mehr steckt doch irgendwie drinnen. Ich finde, dass ein Werk mehr ist als das, was man im Libretto liest, sondern das, was "hinter" dem Libretto steht. Ich weiß, dass es schwer zu erklären ist und sich etwas komisch anhört. Wieweit man in seiner Toleranz zu gehen bereit ist, ist natürlich individuell verschieden. Ich habe gar kein Problem damit, wenn man "Regietheater" ablehnt oder welche Meinung man auch immer dazu hat. Ich verstehe auch, wenn man das Gefühl hat, die "heile" Opernwelt von früher existiere nicht mehr. Ich finde es aber sehr interessant, sich darüber zu unterhalten!

11. Dezember 2018
19:07
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Tristan62
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Forumsbeiträge: 46
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Ich habe grundsäötzlich natürlich nichts dagegen, wenn sich Regisseure Gedanken zu einem Stück machen und uns diese dann präsentieren, nur sollte das Werk zumindest in seinen Grundzügen noch erkennbar sein. Auch habe ich nicht selten das Gefühl, daß Regisseure mit den Werken, die sie zu inszenieren haben nichts anzufangen wissen und anstatt das dem Direktor ehrlich zu sagen und den Auftrag zurücklegen, dann irgendwas machen.

Außerdem hat man manches Mal das Gefühl, daß sich Regisseure über Werke oder zumindest einzelne Szenen lustig machen und das dann auch zeigen oder, wenn die Musik eigentlich Ruhe signalisiert auf der Bühne Action sein muß. Dazu gehört z.B. bei Chören, daß die Choristen mithüpfen müssen oder während einer Arie irgendwelche Figuren auf der Bühne herumlaufen, die zu dem Zeitpunkt nichts auf der Bühne verloren haben. Man hat irgendwie das Gefühl, daß es ohne irgend einer Bewegung nicht mehr gehen darf.

11. Dezember 2018
18:43
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 550
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Ich freue mich sehr über die zahlreichen Diskussionsbeiträge!

UwePaul sagt
Ja, das ist die Pelly Inzenierung aus Lyon von 2005, nicht die von 2003 aus Lausanne. Tolle Einfälle, tolle Personenregie, allerdings mit einem Nachteil, mit viel Dialogen, vor allem im Venedig Akt dann doch ein bisschen zuviel. Daher fast 4 Std. mit zwei Pausen. Aber trotz der kleinen Einschränkung ein toller Abend  

Den Namen Pellys hab ich positiv in Erinnerung, aber mir will grad nicht einfallen, welche Inszenierung(en) ich von ihm gesehen habe..

susana sagt

Gurnemanz sagt
Da bin ich anderer Meinung. Konwitschny halte ich für einen alten Hasen, der es früher ganz cool gefunden hat, ein bisschen zu provozieren, der aber mittlerweile relativ gemäßigt ist. Ich habe mehrere Inszenierungen von ihm gesehen (La Bohème, La Juive, La Traviata, ...) und war immer begeistert mit Ausnahme des aus meiner Sicht danebengegangenen Totenhauses. Ein Sich-lustig-Machen über das Werk kann ich bei nicht erkennen, ganz im Gegenteil. Das Ballett als Ebolis-Pizza-Traum zu inszenieren ist natürlich ein Sich-Lustig-Machen, aber nicht über das Werk Don Carlos, sondern nur über die (schwache) Ballettmusik. Meiner Meinung nach braucht es gerade Regisseure wie Konwitschny, die versuchen, das, worauf es in dem Stück wirklich ankommt, dem Publikum näherzubringen. Mir persönlich ist er viel lieber als Langweiler wie Marelli oder Bechtolf.

Nein ich bin absolut nicht davon überzeugt, dass es zb Konwitschny braucht um ein Stück dem Publikum näher zu bringen, er stülpt dem Publikum (also den meisten - nicht allen) sein Hütchen seiner Meinung seiner Sicht der Dinge über. Das ist für mich etwas ganz anderes.

Was zum Beispiel soll mir den Don Carlos näher bringen, wenn der Herrscher eines großen Imperiums - wie es Spanien damals war, sich ständig am Boden wälzt ??

Was genau soll mir die Aida bringen, die als Putzfrau arbeitet und der Triumpfmarsch eine Party mit Hütchen ist ?? Verstehe ich da das Problem der beiden betroffenen Staaten viel mehr ?

Was soll ein Wozzeck der sehr reich ist, mit Anzug da steht und ständig darüber redet wie arm er ist und er und  Marie über das Kind reden dass gar nicht vorhanden ist?

Da liegt für mich eine Verfälschung des Inhalts vor. Denn der Text sollte ja wichtig sein - oder ?? Und wenn aber ein Text auf eine Situation hinweist die gar nicht vorhanden ist, ist das für mich Themaverfehlung. In der Schule bekommt man eine schlechte Note, Regisseure dürfen das und werden dafür nicht nur gelobt sondern verdienen damit auch Geld.

bitte nicht missverstehen, ich stehe hier nicht gegen neue Inszenierungen, da gibt es eine Menge an interessante Sichten. Den Blaubart zb in Frankfurt hätte ich gerne erlebt - das war eine ganz neue Sicht ohne aber die Atmosphäre, die Musik und den Inhalt zu verfälschen, od zu verändern oder einseitig zu betrachten.

ich bin davon überzeugt, dass jeder der in die Oper geht an einer Aufführung die allerverschiedensten Gedanken, Empfindungen oder Ansichten hat. Aber ich mag es für mich nicht wenn etwas komplett anderes zu sehen ist was in der Msuik und im Text festgelegt wird oder mir aufgedrängt wird was ich zu denken habe.  

Was Inszenierungen betrifft, so denke ich, dass es eine Sache der subjektiven Erwartungshaltung ist. Natürlich ist es legitim, wenn man das Werk so auf der Bühne erleben möchte wie man es jahrzehntelang getan hat und wie es im Libretto steht; ich möchte aber nicht bloß das auf der Bühne sehen, das ich mir ohnehin denken kann. Ich finde, dass der Regisseur die Aufgabe hat, mir seine persönliche Sicht näherzubringen, das heißt, ich möchte sogar, dass er mir seine Meinung zeigt. Dadurch wird das Stück ja nicht beschädigt, ein anderer Regisseur kann es am folgenden Tag in einem anderen Haus ganz traditionell inszenieren. Ich halte den Begriff "Regietheater" für schlecht, aber so gesehen bin ich ein Anhänger des Regietheaters, schätze aber auch stimmungsvolle und gut gemachte traditionelle Produktionen (zB die von Jean-Pierre Ponnelle).

Konwitschny ist ein sehr erfahrener Theatermann, der definitiv Ahnung von der Materie hat. Natürlich gelingt ihm auch nicht immer alles. Was die Aida betrifft (die ich nicht gesehen habe), hat er ja gesagt, man müsse dem Publikum klarmachen, dass es in diesem Stück nicht hauptsächlich um die Elefanten gehe, das sei vielmehr eine zarte Liebesgeschichte, worauf die Pseudo-Ägypten-Ausstattung aber den Blick verstelle. Seinen Attila und seinen Wozzeck habe ich auch nicht gesehen, aber genau im Don Carlos geht es ja darum, dass der Herrscher eines großen Imperiums ohnmächtig ist und seinen eigenen Sohn einem blinden Greis zur Tötung ausliefert. Und genau dieser blinde Greis ist ja in Wahrheit auch ohnmächtig und nur eines der Rädchen im (Kirchen-)System. (Es hat schon einen Grund, dass die wirklich bösen Figuren bei Verdi Angehörige der Kirche sind.)
Ich persönlich finde nicht, dass es Themenverfehlung ist, wenn ein Regisseur vorrangig auf die Musik hört (dann erst auf den Text), sich Gedanken macht, diese konsequent umsetzt und mich das Resultat überzeugt. Zumindest letzteres unterscheidet Konwitschnys sehr von zahlreichen anderen (zB von Christian Räth und seinem katastrophalen Freischütz).

Nichtsdestoweniger ist es natürlich vollkommen berechtigt, wenn man es bevorzugt, die Stücke traditionell oder gemäßigt modern oder eben "anders" als sie Konwitschny inszeniert, zu sehen (wobei ich ja schon betont habe, dass Konwitschny immer gemäßigter wird). Es geht ja gar nicht darum zu behaupten, welche Herangehensweise besser/schlechter ist, und ich hoffe sehr, hier niemandem etwas unterstellt zu haben. Ich möchte nur Konwitschny verteidigen, der mehr ist als ein billiger Provokateur. Ich schätze seine Arbeiten sehr, dadurch habe ich schon vieles gelernt.

zerbino sagt

Das Ballett im "Don Carlos" ist eine Huldigung an die in der Uraufführung anwesesende Kaiserin Eugenie gewesen, die ein Diadem mit der im Ballett inszenierten berühmten schwarzen Perle um den Hals trug. Daraus ein albernes Kaffeekränzchen zu machen ist einer der vielen Stilbrüche von Konwitschny, der sich immer gerne darauf hinausredet, dass er Schüler der Berghaus war und nicht das oft belächelte schwarze Schaf aus der Familie des als Dirigent berühmten Vaters, den ich an der  Berliner Staatsoper noch erlebt habe.  

Danke für die Information, genau darum geht es mir ja. Das Ballett ist für die Oper überhaupt nicht notwendig, sondern es hat den Zweck einer Huldigung einer längst verstorbenen Kaiserin. Für das heutige Publikum ist das völlig irrelevant. Daher finde ich die Idee so genial, daraus etwas zu machen, das mit dem Stück genausowenig zu tun hat wie die Huldigung einer Kaiserin. Man könnte die Musik auch einfach streichen, aber da finde ich es deutlich besser, sie zu spielen und dafür so zu inszenieren, dass ihre damalige Aussage dem Publikum gezeigt wird.

toni sagt
Regisseure haben anscheinend absolute Narrenfreiheit  

Das stimmt (großteils), aber wo kämen wir hin, wenn wir Regisseuren vorschrieben, was und wie sie zu inszenieren haben? Das würde ich auf keinen Fall wollen. Das erinnert mich an die Carmen-Inszenierung Anfang des Jahres in Florenz, deren Regisseur vom Operndirektor den Auftrag bekommen hat, das Finale zu ändern, sodass Carmen nicht umgebracht wird ("in Zeiten der Frauenmorde darf man ja nicht bei der Ermordung einer Frau klatschen"......). Das - nämlich hauptsächlich den Eingriff des Operndirektors in die Regiearbeit - finde ich bedenklich.

Die Operndirektoren haben noch viel mehr Narrenfreiheit als die Regisseure, und das ist auch viel gefährlicher. Wenn ein Regisseur schlecht inszeniert, passiert eigentlich nichts. Wenn ein Operndirektor einen jungen Sänger im falschen Fach einsetzt, ruiniert er eine Karriere.

10. Dezember 2018
16:18
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susana
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Forumsbeiträge: 99
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16. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Gurnemanz sagt
Da bin ich anderer Meinung. Konwitschny halte ich für einen alten Hasen, der es früher ganz cool gefunden hat, ein bisschen zu provozieren, der aber mittlerweile relativ gemäßigt ist. Ich habe mehrere Inszenierungen von ihm gesehen (La Bohème, La Juive, La Traviata, ...) und war immer begeistert mit Ausnahme des aus meiner Sicht danebengegangenen Totenhauses. Ein Sich-lustig-Machen über das Werk kann ich bei nicht erkennen, ganz im Gegenteil. Das Ballett als Ebolis-Pizza-Traum zu inszenieren ist natürlich ein Sich-Lustig-Machen, aber nicht über das Werk Don Carlos, sondern nur über die (schwache) Ballettmusik. Meiner Meinung nach braucht es gerade Regisseure wie Konwitschny, die versuchen, das, worauf es in dem Stück wirklich ankommt, dem Publikum näherzubringen. Mir persönlich ist er viel lieber als Langweiler wie Marelli oder Bechtolf.

Nein ich bin absolut nicht davon überzeugt, dass es zb Konwitschny braucht um ein Stück dem Publikum näher zu bringen, er stülpt dem Publikum (also den meisten - nicht allen) sein Hütchen seiner Meinung seiner Sicht der Dinge über. Das ist für mich etwas ganz anderes.

Was zum Beispiel soll mir den Don Carlos näher bringen, wenn der Herrscher eines großen Imperiums - wie es Spanien damals war, sich ständig am Boden wälzt ??

Was genau soll mir die Aida bringen, die als Putzfrau arbeitet und der Triumpfmarsch eine Party mit Hütchen ist ?? Verstehe ich da das Problem der beiden betroffenen Staaten viel mehr ?

Was soll ein Wozzeck der sehr reich ist, mit Anzug da steht und ständig darüber redet wie arm er ist und er und  Marie über das Kind reden dass gar nicht vorhanden ist?

Da liegt für mich eine Verfälschung des Inhalts vor. Denn der Text sollte ja wichtig sein - oder ?? Und wenn aber ein Text auf eine Situation hinweist die gar nicht vorhanden ist, ist das für mich Themaverfehlung. In der Schule bekommt man eine schlechte Note, Regisseure dürfen das und werden dafür nicht nur gelobt sondern verdienen damit auch Geld.

bitte nicht missverstehen, ich stehe hier nicht gegen neue Inszenierungen, da gibt es eine Menge an interessante Sichten. Den Blaubart zb in Frankfurt hätte ich gerne erlebt - das war eine ganz neue Sicht ohne aber die Atmosphäre, die Musik und den Inhalt zu verfälschen, od zu verändern oder einseitig zu betrachten.

ich bin davon überzeugt, dass jeder der in die Oper geht an einer Aufführung die allerverschiedensten Gedanken, Empfindungen oder Ansichten hat. Aber ich mag es für mich nicht wenn etwas komplett anderes zu sehen ist was in der Msuik und im Text festgelegt wird oder mir aufgedrängt wird was ich zu denken habe.

10. Dezember 2018
13:30
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zerbino
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Gurnemanz sagt
Da bin ich anderer Meinung. Konwitschny halte ich für einen alten Hasen, der es früher ganz cool gefunden hat, ein bisschen zu provozieren, der aber mittlerweile relativ gemäßigt ist. Ich habe mehrere Inszenierungen von ihm gesehen (La Bohème, La Juive, La Traviata, ...) und war immer begeistert mit Ausnahme des aus meiner Sicht danebengegangenen Totenhauses. Ein Sich-lustig-Machen über das Werk kann ich bei nicht erkennen, ganz im Gegenteil. Das Ballett als Ebolis-Pizza-Traum zu inszenieren ist natürlich ein Sich-Lustig-Machen, aber nicht über das Werk Don Carlos, sondern nur über die (schwache) Ballettmusik. Meiner Meinung nach braucht es gerade Regisseure wie Konwitschny, die versuchen, das, worauf es in dem Stück wirklich ankommt, dem Publikum näherzubringen. Mir persönlich ist er viel lieber als Langweiler wie Marelli oder Bechtolf.

Blöde Frage, aber liegt hier vielleicht eine Verwechslung von Daniel Johannsen (40 Jahre alt) und Daniel Johansson vor?  

Das Ballett im "Don Carlos" ist eine Huldigung an die in der Uraufführung anwesesende Kaiserin Eugenie gewesen, die ein Diadem mit der im Ballett inszenierten berühmten schwarzen Perle um den Hals trug. Daraus ein albernes Kaffeekränzchen zu machen ist einer der vielen Stilbrüche von Konwitschny, der sich immer gerne darauf hinausredet, dass er Schüler der Berghaus war und nicht das oft belächelte schwarze Schaf aus der Familie des als Dirigent berühmten Vaters, den ich an der  Berliner Staatsoper noch erlebt habe.

10. Dezember 2018
13:14
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UwePaul
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Forumsbeiträge: 762
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28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Chenier,

das war gut :-))) Aber ob ich die Dame live hören möchte, wäre für mich trotzdem nicht unbedingt erstrebenswert.

Aber genial fand ich ja auch, wie ihr Foresto die Perlenkette runtereisst und ne halbe Stunde später hat sie sie wieder am Hals baumeln. Juwelier ist der kleine dicke auch noch

10. Dezember 2018
12:41
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Chenier
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Forumsbeiträge: 420
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28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

In Mailand gab es wenigstens eine kleine Dosis BotticelliLaugh

10. Dezember 2018
11:35
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toni
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Regisseure haben anscheinend absolute Narrenfreiheit

10. Dezember 2018
8:47
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UwePaul
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Forumsbeiträge: 762
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28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Oh Gott,

da war ja Mailand das reine Kunstwerk gegen

10. Dezember 2018
8:40
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Chenier
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Forumsbeiträge: 420
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28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Der absolute szenische Tiefpunkt, Christine, war für mich der Attila im Theater an der Wien, da wird Oper nur mehr verar....und das Publikum gleich dazu. In Nürnberg hat er sich im Vorjahr kopiert und das Plagiat sieht dann so aus:

1111028922-wie-eine-wueste-betriebsfeier-mikolaj-zalasinski-ezio-li-mit-nicolai-karnolsky-attila-und-chor-nuernber-ger-staatstheaters-Ei3hz60jDNG.jpgImage Enlarger

Ja, das soll tatsächlich Verdis Attila sein!

9. Dezember 2018
19:27
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UwePaul
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Forumsbeiträge: 762
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28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Ja, das ist die Pelly Inzenierung aus Lyon von 2005, nicht die von 2003 aus Lausanne. Tolle Einfälle, tolle Personenregie, allerdings mit einem Nachteil, mit viel Dialogen, vor allem im Venedig Akt dann doch ein bisschen zuviel. Daher fast 4 Std. mit zwei Pausen. Aber trotz der kleinen Einschränkung ein toller Abend

9. Dezember 2018
18:49
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 550
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29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

UwePaul sagt
Lieber Gurnemaz,

ich meine den,

Daniel Johansson
Opernsänger 
Geboren: 4. August 1980 (Alter 38 Jahre)
der bei uns den Hoffmann singt.... und der wohl auch in Bregenz den Don Jose gesungen hat
aber der andere ist aber auch noch  jung..... nämlich 40

  

Lieber UwePaul! Danke für die Information, alles klar. Mit unter 40 schon solche Rollen zu singen ist wirklich früh. Ich kann mir vorstellen, dass das nicht gut geht. Schade!

Es freut mich aber, dass Sie einen lohnenden Abend mit Hoffmanns Erzählungen gehabt haben! Ich mag dieses Werk sehr, aber es kommt da natürlich stark auf die Inszenierung an. Wir in Wien haben eine meiner Meinung nach ausgezeichnete Produktion von Andrei Serban an der Staatsoper (die jetzt aber schon mehrere Jahre nicht zu sehen war) und an der Volksoper eine haaaalbwegs brauchbare Produktion von Renaud Doucet + André Barbe.

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