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Grüne und Kultur
8. Juli 2020
13:17
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Amfortas
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Forumsbeiträge: 298
Mitglied seit:
25. Oktober 2019
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@mmnischek

Nicht minder problematisch ist es aber, wenn ein Regisseur wie Calixto Bieito die eigenen sexuellen Missbrauchs-Traumatisierungen in seinen Perversions-Orgien auf die Bühne bringt und damit den Werken seine persönlich-psychotischen Vorstellungs-Bilder überstülpt.

Zustimmung! Das mag bei Werken wie "Elektra" vielleicht zu brauchbaren Ergebnissen führen, beim "Parsifal" wirkt es einfach nur deplaziert. Aber auch der Kult um den Opferstatus ist ein typisch linkes Phänomen. Linke beziehen ja ihre ganze Existenzberechtigung aus ihrer Fürsprecherrolle für echte oder vermeintliche Opfer. Das führte in den vergangenen Jahrzehnten dazu, dass das Opfer-Dasein selbst zur Kunst wurde. Das ist in der bildenden Kunst nicht anders. Wer heutzutage Opfer ist, dem wird Respekt gezollt, als wäre es eine Leistung, zum Opfer zu werden. Gleichzeitig müssen immer größere Personengruppen pauschal zu Tätern erklärt werden: die Männer, die Weißen, die Christen usw. Bieitos Inszenierungen sind nur denkbar in einer Kunstszene, in denen man Opfern Privilegien einräumt und in denen die Identitifikation mit Opfern oder die Parteinahme für Opfer moralische Überlegenheit verspricht.

8. Juli 2020
12:46
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mmnischek
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Forumsbeiträge: 241
Mitglied seit:
10. März 2020
sp_UserOfflineSmall Offline

Das ist bei Castorf, Konwitschny und anderen bekennenden Linken anders. Hier wird versucht, unter Missbrauch der Oper die eigene Weltanschauung zu verbreiten.

Nicht minder problematisch ist es aber, wenn ein Regisseur wie Calixto Bieito die eigenen sexuellen Missbrauchs-Traumatisierungen in seinen Perversions-Orgien auf die Bühne bringt und damit den Werken seine persönlich-psychotischen Vorstellungs-Bilder überstülpt. - Dabei wird ihm dann vom Feuilleton Beifall gezollt, das die Skandale schätzt! - Das hat mit Kunst dann nichts mehr gemein, ist Missbrauch der Kunst-Werke zu Voyeurismus und niederer Trieb-Befriedigung!

8. Juli 2020
12:37
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Christine
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Forumsbeiträge: 138
Mitglied seit:
7. September 2019
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Was die Komponisten des 18. und 19. Jahrhunderts betrifft, stimme ich ganz mit Ihnen überein, würde einen Teil des 20. Jahrhunderts dazu nehmen (Puccini, R. Strauss, Cilea, etc). Es gibt auch heute ein Publikum dafür. Auch Sänger und Sängerinnen, aus meiner Sicht nicht mehr so viele früher, aber Häuser wie die Wiener Staatsoper sollten diese Opern gut bis sehr gut besetzen können. Offenbar gibt es aber zu wenig Werke des 20. und 21. Jahrhunderts bei denen sich Regisseure total austoben könnten. Vermutlich hat kaum jemals und wird kaum jemals ein Komponist für einen Regisseur schreiben!

8. Juli 2020
12:32
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Amfortas
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Forumsbeiträge: 298
Mitglied seit:
25. Oktober 2019
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@Gurnemanz

Oder finden die Regiearbeiten des - wenn ich richtig informiert bin - bekennenden Rechten Alvis Hermanis die Zustimmung des konservativen (Merker-)Opernpublikums?

Manche schon - die Mehrheit nicht. Sein Parsifal für die Wiener Staatsoper ist eine Zumutung. Aber seine Regiekonzepte haben nichts mit seiner politischen Gesinnung zu tun. Das ist bei Castorf, Konwitschny und anderen bekennenden Linken anders. Hier wird versucht, unter Missbrauch der Oper die eigene Weltanschauung zu verbreiten. Es handelt sich demzufolge nicht um Kunst sondern um politische Agitation bzw. Propaganda - und zwar auf Kosten der Kunst.

@Christine

Aus den Zeilen von Amfortas habe ich herausgelesen, dass die Grünen kein Interesse an Kultur im allgemeinen hätten.

Das habe ich so nicht gemeint. So lange in unseren Theatern die linksradikalen Machwerke von Elfriede Jelineck, Thomas Bernhard, Peter Turrini oder andere bekennenden Neomarxisten laufen, in denen unsere Gesellschaft als faschistisch, degeneriert und überholt dargestellt wird, gehen die Grünen natürlich gerne dort hinein. Vor allem das Sprechtheater ist zu Echokammern vorkommen, in denen Linke exakt das hören und sehen, was sie sich denken. Wer anders denkt, gilt als reaktioniär oder faschistoid und hat in der heimischen Kunstszene ohnehin keinerlei Chancen. Im Prinzip handelt es sich um jenen elitären Kulturbegriff, den gerade die Linken vorgeben, überwinden zu wollen.

8. Juli 2020
11:48
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alcindo
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Forumsbeiträge: 522
Mitglied seit:
27. Februar 2018
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liebe christine, wie schon einige male gesagt: die grossen komponisten des 18. und 19. jhdts haben Ihre werke meist fuer gute saenger und ein gewisses publikum geschrieben, garantiert nicht fuer regisseure, vor allem nicht fuer solche heutigen zuschnitts....ziemlich sicher haetten die meisten komponisten etwas dagegen, wenn sie ihre ouverturen (preludio, sinfonia...) choreografiert sehen wuerden

8. Juli 2020
11:39
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Christine
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Forumsbeiträge: 138
Mitglied seit:
7. September 2019
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Ein Operndirektor sollte auf verschiedene Vorlieben und Interessen des Publikums Rücksicht nehmen und es wäre schade wenn alle Neuinszenierungen nur in eine Richtung gingen. Bei "geschmacklos und nicht werkgerecht" kann ich mich Toni anschließen. Wie weit das mit einer politischen Einstellung des Regisseurs zusammenhängt, weiß ich nicht, aber ich glaube schon, dass sie einen Einfluss hat. Schade finde ich, dass oft nicht mehr das Werk und seine Interpreten auf der Bühne und im Orchester im Vordergrund stehen, sondern der Regisseur, der dem Publikum seine persönliche Sichtweise nicht mehr nur nahe bringen sondern oft auch aufdrängen will. Es ist ja bemerkenswert, dass Regisseure oft entsetzt sind, wenn sie keinen großen Widerspruch erregen und sich freuen, wenn es diesen Widerspruch gibt. Ich glaube kein Sänger/keine Sängerin auf der Welt möchte ausgebuht oder ausgezischt werden, das gilt auch für Dirigenten und die Künstler im Sprechtheater, die auf der Bühne stehen. Nur die Regisseure freuen sich ...

8. Juli 2020
11:23
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 785
Mitglied seit:
29. September 2018
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Bitte nicht so viel Schwarz-weiß-Malerei. Oder finden die Regiearbeiten des - wenn ich richtig informiert bin - bekennenden Rechten Alvis Hermanis die Zustimmung des konservativen (Merker-)Opernpublikums?

Habe mir die Spielzeit 20/21 angeschaut und fürchte das schlimmste. Neuenfels, Castorf, Biexto, Kosky!

Die Spielzeit 2020/21 ist für mich ein großes Glück - endlich keine langweilig-biederen Inszenierungen mehr, sondern spannende Regisseure, und gleichzeitig gibts die alte Elektra und die alte Nozze di Figaro, außerdem müssen wir uns beispielsweise nicht mehr Waltraud Meier als Klytämnestra anhören, sondern bekommen mit Doris Soffel und Michaela Schuster zwei um Welten bessere Sängerinnen. Bitte mal abwarten, selbst hingehen und sich eine Meinung bilden, bevor man hochnäsig die Nase rümpft.

8. Juli 2020
11:15
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toni
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Forumsbeiträge: 19
Mitglied seit:
28. März 2020
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Ob das was sich heutzutage auf den Opernbühnen abspielt mit links oder rechts zu begründen bin ich mir nicht sicher. Auf alle Fälle ist es meiner Meinung nach sehr oft geschmacklos und absolut nicht werkgerecht.

Habe mir die Spielzeit 20/21 angeschaut und fürchte das schlimmste. Neuenfels, Castorf, Biexto, Kosky!

7. Juli 2020
20:17
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Christine
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Forumsbeiträge: 138
Mitglied seit:
7. September 2019
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Aus den Zeilen von Amfortas habe ich herausgelesen, dass die Grünen kein Interesse an Kultur im allgemeinen hätten. Das kann ich nicht bestätigen.

Das Regietheater gefällr mir nicht. Deswegen weil etwas anders ist oder neu gedacht werden muss, muss es nicht gut sein.

Ich finde es schade, dass so viel neu gedacht werden muss. Weil meistens empfinde ich es dann als schlechter als es vorher war. Und das finde ich schade. Ich möchte Kinder und Enkelkinder für Oper und Kultur begeistern. Das wird immer schwieriger, aber in der Wiener Oper kann man noch Stücke finden, die begeistern können. Es werden - aus meiner Sicht - immer weniger. Das ist schade! Die Ursache sehe ich in einem linksdominierten Zugang zu Kunst und Kultur. Wobei linksdominiert zu diskutieren wäre.

7. Juli 2020
18:39
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HansLick
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Forumsbeiträge: 95
Mitglied seit:
26. Februar 2020
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@ 2 Christine, soviel widerspruch in nur drei zeilen.

nicht so schlim, weil ihre grünen bekannten auch in burg, oper und theater gehen. 

das regietheater ist linksorientiert, die oper wird miteinbezogen.  weil alles neu sein muss. fortschrittlich.

und das finden sie dann doch schade? also doch schlimm genug?

7. Juli 2020
18:01
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Amfortas
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Forumsbeiträge: 298
Mitglied seit:
25. Oktober 2019
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Ganz so schlimm sehe ich das nicht, denn ich kenne Grünwähler die gerne in die Oper oder das Theater gehen. Zerstören werden die Grünen die Kultur nicht.

Das hätten die Nicht-Grünen in Frankreich wahrscheinlich auch nicht geglaubt - und werden jetzt eines Besseren belehrt. Das Vorgehen der Grünen in Frankreich passt jedenfalls bestens zu ihrem sonstigen Verhalten: Die westlich-bürgerliche Kultur, die für waschechte Linke seit Mitte des 19. Jahrhunderts ein Graus ist, soll überwunden werden - durch Klassenkampf, Antiautoritarismus, Genderismus, Multikulti usw. Dabei ist es zweitrangig, durch was unsere Kultur überwunden wird - Hauptsache, sie wird überwunden.

7. Juli 2020
17:02
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Christine
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Forumsbeiträge: 138
Mitglied seit:
7. September 2019
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Ganz so schlimm sehe ich das nicht, denn ich kenne Grünwähler die gerne in die Oper oder das Theater gehen. Zerstören werden die Grünen die Kultur nicht. Aber es stimmt, dass das sogenannte Regietheater ein linksorientiertes Theater ist und das auch die Oper mit einbezieht. Links gilt als fortschrittlich weil alles neu gedeutet wird. Das ist schade!

7. Juli 2020
16:33
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Amfortas
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Forumsbeiträge: 298
Mitglied seit:
25. Oktober 2019
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In Frankreich ist es so weit: Dort wo die Grünen die Kommunalwahlen gewonnen haben, erklärt man der Hochkultur den Kampf. Oper und all das, was gebildete Menschen unter Kultur verstehen, ist Linkslinken immer schon ein Dorn im Auge gewesen. Allenfalls dort, wo man nach der Manier des modernen Regietheaters aus Othello ein Opfer des weißen Rassismus machen konnte, wo man Fidelio in einem nationalsozialistischen Konzentrationslager spielen lassen konnte, wo man den Ring des Nibelungen als marxistische Parabel auffassen konnte oder wo man in anderer Weise der Bevölkerung die Ideologie des Neomarxismus eintrichtern konnte, durfte Hochkultur stattfinden. Aber besser scheint es den Linken doch noch immer, jede Form von Hochkultur ganz abzuschaffen. Sie gilt den Linken als bürgerlich und hat deshalb durch ein neues Menschen- und Kulturbild ersetzt zu werden. Wenn das nicht allmählich und organisch passiert, dann eben mit struktureller Gewalt. Was in der Sowjetunion einst so perfekt funktioniert hat und in China oder Nordkorea immer noch perfekt funtkioniert, kann und soll doch auch jederzeit in Frankreich, Deutschland oder Österreich realisiert werden. Der Hass auf die westliche Kultur, also der Hass auf sich selbst, scheint unseren Linken bestens geeignet, sich als moralisch überlegen darzustellen. Nach dieser Logik hat nur derjenige, der sich mit der Kultur der Sinti, der Afghanen oder der indigenen Südamerikaner befasst, überhaupt begriffen, was Kultur ist. Der Begriff "Kultur" darf allenfalls im Zusammenhang mit Multikultiralismus verwendet werden. Jede Akzentuierung auf die abendländisch Kultur gilt den Anhängern von Marx, Lenin und Mao als chauvinistisch, rechts oder faschistisch. Wer Grüne wählt, entscheidet sich für eine Ideologie, die unsere Kultur ablehnt und die notfalls mit Gewalt durch etwas anderes ersetzen will. Damit zeigt sich, wie fatal es ist, wenn auch in Österreich seit Jahrzehnten der Kulturbetrieb gänzlich in linker Hand ist. Viel von dem, was man als Kulturinteressierter nur als Verfallserscheinung in unseren Kulturinstitutionen erleben kann, ist die logische Konsequenz dieses linken Einflusses.

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