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Frau ohne Schatten
27. Mai 2019
12:56
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Amfortas
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Forumsbeiträge: 45
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7. Mai 2019
sp_UserOfflineSmall Offline

"Vorhang zu" und "Vorhang auf". Oder gibt die Bühnentechnik der Wiener Staatsoper nicht mehr her?

Zunächst möchte ich vorausschicken, dass ich mir die "Frau ohne Schatten" erst in der nächsten Woche ansehen werde und ich deshalb nichts zu dieser Inszenierung sagen kann. Dass man in der Wiener Staatsoper aber offenbar seit mehreren Jahren nicht mehr gewillt ist, die Bühnentechnik so einzusetzen, wie das in anderen Häusern dieses Formates passiert, ist auch mir schon aufgefallen. Schon in der Ring-Inszenierung von Sven Eric Bechtolf, erst recht in seiner Regie der "Cenerentola" stören diese ständigen Zwischenvorhänge. Immer wieder hat man den Eindruck, dass der Routinebetrieb der Staatsoper mit ihren beamten-ähnlichen Arbeitsverträgen nicht gerade geeignet ist, das optimale Maß an Engagment der Mitarbeiter zu fördern. Vieles wirkte schon unter Hollender, nun vor allem aber unter Meyer, unmotiviert, schlampig, halbherzig.

Dass Meyer szenische Fadesse liebt und auf rücksichtslose Art großartige Isnzenierungen (z. B. "Elektra" von Kupfer, "Parisfal" von Mielitz, "Lohengrin" von Kosky) durch Mittelmäßigkeiten ersetzt hat, die einfach nur langweilen, weiß man längst. So hat die Wiener Staatsoper - ich muss Ihnen voll zustimmen - in den letzten Jahren deutlich Niveau verloren, was die Inszenierungen betrifft. Das kann nicht vollständig kompensiert werden durch den Umstand, dass die Wiener Staatsoper sicher weiterhin jenes Opernhaus mit den besten Sängerbesetzungen ist. Auf die weltweit einzigartige Qualität des Orchestern muss man nicht noch einmal hinweisen.

26. Mai 2019
21:57
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semjon_kotko
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In den letzten 20 Jahren habe ich zwölf verschiedene Inszenierungen der wahrlich schwer zu inszenierenden "Frau ohne Schatten" gesehen (darunter auch die im Forum schon mehrfach angesprochene in Frankfurt mit der damals überragenden Silvana Dussmann), und angesichts der bisherigen Erfahrungen mit der Direktion von Dominique Meyer hat es mich nicht wirklich überrascht, dass jene der gestrigen Premiere - trotz des 150-Jahr-Jubiläums - die bisher mit Abstand schlechteste war. Neben vielen anderen Problemen, hat Meyer die Wiener Staatsoper vor allem in szenischer Hinsicht in die völlige Bedeutungslosigkeit manövriert. Bezeichnend, dass die Staatsoper in puncto "Frau ohne Schatten" selbst vom Linzer Landestheater turmhoch in den Schatten gestellt wird.
Etwas irritiert und betroffen war ich dann allerdings schon, als der mir bisher nicht bekannte Regisseur Huguet vor den Vorrang getreten ist und ich erkennen musste, dass er ein Vertreter der jüngeren Generation ist, der aber nicht mehr auf die Reihe bringt als eine derart altbackene, einfallslose und im wahrsten Sinn des Wortes farblose Inszenierung. Was immer genau hinter der "Frau ohne Schatten" stecken mag, welcher interpretatorische Rahmen auch immer gewählt werden mag: Huguet hat sich keinerlei dahingehende Fragen gestellt. Er hat sich damit begnügt, Szenenfolgen eines Märchens zu bebildern, ohne jedoch eine märchenhafte Bildsprache erkennen zu lassen (sonst wimmelt es ja in der Regel auf der Frosch-Bühne von Gazellen und Falken). Auch der Herausforderung, die Geisterwelt von der Menschenwelt abzugrenzen, hat sich Huguet erst gar nicht gestellt. Beide spielen in einer Mischung aus Felsenreitschule und Schmugglerbild aus dem dritten Akt von Carmen. Von den zahlreichen Peinlichkeiten (etwa der Abgang des Jünglings, der sich diskret aber weithin sichtbar im Hintergrund der Bühne davonstiehlt, der lächerliche Schleiertanz der Frauen oder der Thron aus Schuhkartons, der erst zerlegt werden muss, bevor man ihn unterirdisch - aber für alle auf Balkon und Galerie sichtbar - davonschieben kann) spreche ich erst gar nicht. All dies passt besser in die Kellerbühne von Attnang-Puchheim als in die Wiener Staatsoper. Ich wundere mich auch immer wieder, dass solche Lächerlichkeiten im Rahmen eines mehrwöchtigen Probenprozesses nicht beseitigt werden können. Was sich ein Huguet (oder welche/r Regisseur/in auch immer) ausdenkt, ist offenbar sakrosankt und keiner Beratung zugänglich. Oder sind diese Peinlichkeiten nur die Reste einer noch viel größeren Zahl an handwerklichen Unzulänglichkeiten? Die Lichtregie wiederum scheint dem Sparstift zum Opfer gefallen sein. Es gab nicht einmal den Versuch, einen Schatten bzw. fehlenden Schatten zu inszenieren, und ein nahezu unausgeleuchtetes Bühnenbild viereinhalb Stunden völlig grau in grau kann zu einer Belastungsprobe werden. Selbst die Kostüme (die einzigen Farbtupfer dieser Produktion) waren nicht außerordentlich originell. Für Huguet scheint es auch keine andere Möglichkeit eines Szenenwechsels zu geben als "Vorhang zu" und "Vorhang auf". Oder gibt die Bühnentechnik der Wiener Staatsoper nicht mehr her? Ein Begleiteffekt dieser Denkfaulheit bzw. Einfallslosigkeit bestand darin, dass die Kaiserin verloren vor dem geschlossenen Vorhang herumgeistern musste und so eine ihrer größten Szenen verschenkt wurde.
Es war also ein Pyrrhussieg, dass der Nichtkönner Alvis Hermanis nach seinem katastrophalen Parsifal durch einen einfallslosen, konservativen Nobody ersetzt wurde. Hermanis hätte zumindest "Strauss" und "Wien" gegoogelt, und so wie er mittels Googeln von "Wagner" und "Wien" auf Otto Wagner und sein dahingehendes Steinhof-Regiekonzept des Parsifal gestoßen ist, wäre er bei der "Strauss/Wien"-Recherche wohl auf Johann Strauß gestoßen und hätte so vielleicht die "Frau ohne Schatten" im Salon des Prinzen Orlofsky spielen lassen. Unterhaltsamer wäre dies allemal gewesen als das gestrige graue Einerlei.
In puncto SängerInnen beobachte ich amüsiert, dass die bisherigen Merker-RezensentInnen dem Prinzip "alius aliud dicit" folgen 🙂 Da alle vier ausgewiesene KennerInnen sind, wird einmal mehr deutlich, welch großen Spielraum es bei der Bewertung von Stimmen und von Gesangsleistungen gibt. Wolfgang Koch rangiert etwa einmal auf Rang eins von fünf, und einmal an fünfter und letzter Stelle. Ich selbst habe Stemme und Herlitzius - jeweils auf ihre Art und Weise - überragend gefunden: Stemme hat eine zeitlos gültige sängerische Leistung geboten, die sich - auf Schallplatte gebannt - auf ewige Zeiten im Spitzenfeld halten würde. Herlitzius wiederum hat eine "Bühnenshow" geboten, sängerisch und darstellerisch, die keinen Wunsch offen lässt (für die Schallplatte sind ihre Ausbrüche eher nicht geeignet). Nylund ist doch stark abgefallen (darf´s ein bisserl mehr sein?) und kann einer Pieczonka nicht das Wasser reichen. Stephen Gould mit seinen gestemmten Spitzentönen ist ganz einfach nicht mein Fall (also ein eher subjektives Urteil meinerseits), und hinsichtlich Koch schließe ich mich der bisher geäußerten Kritik an.
Angesichts des doch sehr großen Applauses für Thielemann würde mich interessieren, ob die Begeisterten einfach nur ihr - nahezu religiös verehrtes - Idol feierten, oder ob sie tatsächlich dessen kammermusikalische, mehr als getragene Lesart goutierten. Ich war jedenfalls nahezu geschockt nach dem ersten Akt, stand doch bereits zu diesem Zeitpunkt angesichts der Regie und des Dirigats fest, dass der Abend sicher kein Sensationserfolg werden würde. Der Vollständigkeit halber sollte man auch erwähnen, dass der Auftrittsapplaus für Thielemann um 17.30 stärker war als der Schlussapplaus, den er um 22 Uhr entgegen nehmen durfte, die Vorschusslorbeeren also dem Schlussresümee nicht gerecht wurden. Mir wurde jedenfalls "dank" Huguet und Thielemann etwas vor Augen geführt, das mir bei den 30 bisher erlebten Vorstellungen dieses Werks völlig verschlossen geblieben war: nämlich dass auch die "Frau ohne Schatten" gefährliche Längen hat.

26. Mai 2019
18:51
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alcindo
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27. Februar 2018
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ad Gmz: das war 2003 in Frankfurt.....hab sie auch einmal in Wien als Chrysothemis gehoert und da hat sie mir auch nicht gefallen, aber 2003 als Kaiserin war sie erstklassig, habe auch noch eine aufnähme davon, aber das beste damals war Elizabeth Connell

26. Mai 2019
17:10
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Also bitte, die Dussmann hat als Chrysothemis dauernd viel zu hoch gesungen, einfach unerträglich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie als Kaiserin besser war.

26. Mai 2019
15:56
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UwePaul
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28. Februar 2018
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Fr. Marton nicht zu vergessen.....an der DO

26. Mai 2019
15:47
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susana
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16. September 2018
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alcindo sagt
zur Kritik von Th Prohazka: Christel Goltz hat immer die Färberin, und nie die Amme gesungen. das war die Partie von Elisabet Hoengen....und bei beiden hat man den text recht gut verstanden.....eine der besten faerberinnen, die ich gehört habe war Elizabeth Connel in Frankfurt, übrigens mit Silvana Dussmann als sehr guter Kaiserin,. für mich nach Leonie die beste  

Elizabeth Connell war eine ganz großartige Färberin , habe sie einige Male in Berlin in dieser Rolle gehört, auch mit Silvana Dussmann als sehr guter Kaiserin ...

26. Mai 2019
15:33
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alcindo
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27. Februar 2018
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zur Kritik von Th Prohazka: Christel Goltz hat immer die Färberin, und nie die Amme gesungen. das war die Partie von Elisabet Hoengen....und bei beiden hat man den text recht gut verstanden.....eine der besten faerberinnen, die ich gehört habe war Elizabeth Connel in Frankfurt, übrigens mit Silvana Dussmann als sehr guter Kaiserin,. für mich nach Leonie die beste

26. Mai 2019
0:26
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Sa., 25. Mai 2019

Wiener Staatsoper 1999: Frau-ohne-Schatten-Premiere mit Johan Botha, Deborah Voigt, Marjana Lipovšek, Falk Struckmann, Gabriele Schnaut und Wolfgang Bankl unter Giuseppe Sinopoli in einer polarisierenden Inszenierung von Robert Carsen - ich war damals nicht dabei, habe aber den Radiomitschnitt bekommen und finde ihn ganz ausgezeichnet, tolle Sänger mit einem super Dirigat in einer Inszenierung, die ich 2012 kennengelernt und ins Herz geschlossen habe.

Wiener Staatsoper 2019: Frau-ohne-Schatten-Premiere mit Stephen Gould, Camilla Nylund, Evelyn Herlitzius, Wolfgang Koch, Nina Stemme, Sebastian Holecek unter Christian Thielemann in einer stinklangweiligen Inszenierung von Vincent Huguet - und diese Premiere ist ein gutes Beispiel dafür, wie sehr Meyer in seiner mittlerweile knapp 10 Jahre währenden Amtszeit dieses ehemalige Weltklassehaus in die musikalische Mittelmäßigkeit und szenische Bedeutungslosigkeit hineinmanövriert hat. Dem heute anwesenden Nachfolger Bogdan Roščić wünsche ich jetzt schon viel Glück, um frischen Wind in dieses Opernmuseum hineinzubringen.

Aber wir wollen nicht ungerecht sein, denn zwei sehr gute Leistungen gab es ja, und diese kamen von Färberin und Kaiserin. Freilich, Nylund kommt nicht an Voigt heran - aber wir leben im Jahre 2019, es hat wenig Sinn, alles an der Vergangenheit zu messen, denn auch heute gibt es sehr gute Sänger, nur müsste man diese halt auch engagieren... Nina Stemme gab heute ihr internationales Rollendebüt als Färberin, und das war großartig. Ich war zwar nie ein Nina-Stemme-Fan, aber die heutige Färberin hat mich wie auch ihre Götterdämmerungs-Brünnhilde (2014) begeistert: Mit ihrer dunklen und kräftigen Stimme gelingen ihr sowohl dramatische Ausbrüche (die aber gesungen wurden und nicht geschrieen) als auch feine, zarte Passagen - das ist quasi die Quadratur des Kreises, die sie beherrscht. Wunderbar! Ebenfalls sehr gut gefallen hat mir Camilla Nylund in der Rolle der Hauptperson dieser Oper, nämlich als Kaiserin. Ja, ich bin nicht taub für ihre Mängel (die Stimme wird sehr "eng" geführt, hin und wieder falsche Intonation), aber die heutige Leistung hat mir ausgezeichnet gefallen: Ihr zarter und für mich silberner Sopran kommt mit den gemeinen Tücken der Partie (bis zum hohen d!) gut zurande und schafft es, Emotionen zu vermitteln (was eigentlich ein Selbstläufer sein sollte, aber es gibt genügend Kaiserinnen, die einen völlig kalt lassen). Schön, dass sie in der kommenden Spielzeit häufig in Wien zu hören ist, vor allem freue ich mich auf ihre Marschallin! Evelyn Herlitzius ist von der Färberin zur Amme gewechselt - und wäre sie bloß bei der Färberin-Schreckschraube geblieben, für die sie die richtige Schreckschrauben-Stimme besitzt. Aber für die Amme geht sich es eigentlich nicht aus, dafür fehlt ihr das Düstere, das Bedrohliche, das Unheimliche, generell die Tiefe, sie hat dasselbe Problem wie vor ein paar Jahren Deborah Polaski. Freilich, sie schlägt sich wacker und bringt insgesamt eine annehmbare Leistung, aber mit einer wirklich guten Amme gewinnt die Aufführung noch gewaltig. (Live am besten hat mir hier die völlig unbekannte Karin Lovelius gefallen, aber das war halt in der recht kleinen Oper Leipzig, man müsste sie an einem größeren Haus hören - aber wer interessiert ist, bitte auf Youtube stöbern!) Der Kaiser muss eine knappe halbe Stunde lang sauschwere Musik produzieren, und DAS Highlight der laufenden Spielzeit ist die NICHT-Besetzung des Kaisers mit Jonas Kaufmann, die kolportiert worden war. Nun sang Stephen Gould, der zweifelsohne ein toller Sänger ist und sich Verdienste erworben hat, aber als Kaiser ist er einfach nicht ideal, Punkt. Gould hat eine baritonal gefärbte Stimme mit rauchigem Timbre, das zB für den Tannhäuser super passt, aber für den Kaiser braucht man einen Tenor, dessen Stimme in der Höhe Metall hat und strahlt. Gould hat sich im Rahmen seiner Möglichkeiten tapfer geschlagen, nach einem schwachen Beginn (da war er allerdings akustisch gehandicapt) war es eine sehr solide Darbietung. Freilich, jünger wird er nicht mehr, aber es ist derzeit noch vollkommen im Rahmen. Bedauerlicherweise war aber der Barak so, als ob er gar nicht gewesen wäre. Wolfgang Koch hat generell eine Stimme, die für die Wiener Staatsoper zu klein ist über die Jahre nicht besser wird. Was mich an ihm stört, habe ich vor ein paar Wochen anlässlich der Berliner Meistersinger beschrieben, und ich wiederhole mich ungern, daher nur so viel: Er singt alles bar jedes Ausdrucks, völlig gleichgültig, Emotionen werden einfach nicht vermittelt, und das geht als Barak natürlich gar nicht. Wenn ich daran denke, wie viel Ausdruck noch vor zwei Jahren der damals knapp 80jährige Franz Grundheber in jede einzelne Barak-Phrase gelegt hat... Nein, Koch ist kein erster Sänger für ein erstes Haus. Sebastian Holecek war der Geisterbote, und ich frage mich nur: Wieso? Es gibt bei uns genau einen Sänger, der DER Geisterbote ist, und das ist Wolfgang Bankl, jeder andere ist undenkbar. Holecek hatte einen wackligen Beginn (wohl auch wie Gould akustisch gehandicapt) ohne Tiefe, im dritten Akt durfte er dann recht effektvoll herumbrüllen. Naja. Die Sänger der kleinen Rollen (Maria Nazarova, Benjamin Bruns, Monika Bohinec, Samuel Hasselhorn und Thomas Ebenstein) schlugen sich passabel - mit Ausnahme von Ryan Speedo Green, der es schaffte, in der kleinen Rolle des Einarmigen negativ aufzufallen. Und was für eine neue Unsitte ist das, dass die Wächter der Stadt nicht mehr namentlich genannt werden????

Das Hauptproblem, nämlich die Ursache, weshalb die heutige Vorstellung großteils langweilig ausfiel, war der Dirigent. Wenn Christian Thielemann als bester Dirigent des deutschen Faches bezeichnet wird, kann ich über die Unwissenheit derer, die sich so äußern, nur lachen. Hilfe! Das Thielemann-"Geheimnis" ist ein ganz ähnliches wie von Teodor Currentzis: "Anders um jeden Preis!". Ja, es klingt bei den beiden anders als gewohnt, deshalb glauben dann manche, das wäre tolle Interpretation. Nein, ist sie nicht. Thielemann war heute wieder einmal in seiner "Bestform". Der gesamte erste Akt war unerträglich, denn Thielemann ließ das Orchester durchgehend viel zu leise spielen, richtig kammermusikalisch - und was soll das??? Wenn ich Kammermusik hören will, geh ich in den Mozartsaal im Konzerthaus, aber doch nicht in die Frau ohne Schatten, in der der Dirigent kaum etwas falsch machen kann als zu leise spielen zu lassen. Ärgerlich war zudem, dass Thielemann nicht nur im ersten Akt, sondern den ganzen Abend zwischen willkürlichen Tempowechseln, nicht vorhandener Dynamik, wechselnder Lautstärke, sinnlosen Generalpausen und Gestaltung auf Baby-Niveau abwechselte. Ja, er "gestaltet", aber das beschränkt sich darauf, dass da mal die Geigen lauter spielen, dort mal die Bläser vulgär hineinfurzen, dann wieder das Tempo enorm angezogen/gedrosselt wird etc. Und was soll das jetzt?! Die Frau ohne Schatten muss mitreißen, sie muss aufblühen, sie muss berühren - und beim Thielemann ist alles reine Langeweile, mit einigen völlig deplazierten "Gestaltungen". Möge dieser völlig unmusikalische Dirigent in Hinkunft einen weiten Bogen um Wien machen! Gefreut hat mich allerdings, dass ihn jemand (nicht ich) vor Beginn des 3. Aktes mit einem gut hörbaren Buhruf empfangen hat. (Wie der Schlussapplaus ausfiel, weiß ich nicht, da ich gleich nach Verklingen des letzten Tones verschwunden bin.) Immerhin: EIN Positivum gibt es, denn Thielemann ist zu verdanken, dass ungekürzt gespielt wurde.

Und die Inszenierung von Vincent Huguet (Bühnebild von Aurélie Maestre, Kostüme von Clémence Pernoud): Langweilig und bedeutungslos. Huguet hat in einem Interview den bezeichnenden Satz gesagt: "Denn die Oper ist so reich, so vielfältig, so vielschichtig, dass jeder Versuch, sie auf eine Denkschiene zu setzen, einer Reduktion ihrer Ausdruckskraft gleichkommt. Mit nur einer Konzeptidee, nur einem Betrachtungswinkel wird man Frau ohne Schatten nicht gerecht!", und ich bezweifle, dass ihm überhaupt etwas eingefallen ist. Ich wähnte mich im vergangene Jahrtausend, wobei das eine Beleidigung für das vergangene Jahrtausend ist, denn die Carsen-Produktion von 1999 war fortschrittlicher. In Huguets FroSch wird in wallenden Kostümen viel gestanden, viel geschritten, aber wirklich was passieren tut nicht. Insgesamt schaut sie aus wie eine typische McVicar-Produktion, und das hat uns gerade noch gefehlt. Allgemein gibt es viele Berührungen, deren Sinn ich aber oft nicht verstehe, denn Huguet will im ersten Bild wohl nicht Homoerotik zwischen Kaiserin und Amme andeuten? Weiters umfasst die Kaiserin (!) den Leib Baraks während ihres Traumes (der im Hintergrund auch dargestellt wird) längere Zeit richtig zärtlich, aber wieso, das ergibt doch keinen Mehrwert. Der Thron des Kaisers wird vom mittigen Galeriestehplatz gut sichtbar unter der Bühne erst zusammengebaut und dann wieder auseinandergebaut, wie schaut das bitte aus? Gipfel der erwähnten und unerwähnten Seltsamkeiten ist die Inszenierung der Falkenarie des Kaisers samt Cello-Vorspiel: Die Kaiserin tritt auf und befindet sich unter ca. 15 am Boden liegenden toten Männern, von denen sie einen zu sich zieht und lange streichelt - was soll das? Ich verstehe den Sinn nicht. Dass sie zeitweise (v.a. im ersten Bild, das ca. 3 Meter oberhalb des Bodens stattfindet) akustisch unfreundlich ist, gereicht ihr auch nicht zur Ehre. Diese Inszenierung passt perfekt zu Thielemann: Langweile mit einigen seltsamen Momenten, aber insgesamt nichts dahinter.

Summa Summarum: Schade um die ungenützte Gelegenheit! Dass für DIESE Aufführung Sonderpreise (auf den Sitzplätzen die doppelten Preise, bis hin zu 500 Euro in der teuersten Kategorie) verlangt worden, ist nicht zu rechtfertigen. Vor Beginn hielt Dominique Meyer anlässlich des heutigen 150jährigen Jubiläums der Wiener Staatsoper eine 5-6minütige Rede, die so war, als ob sie gar nicht gewesen wäre.

25. Mai 2019
22:31
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Dreamhunter
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Ja, ist bei mir genauso gewesen - war zum ersten Mal dass ich den probierte - leider ein Reinfall....  alle ein oder zwei Minuten wieder geladen...

25. Mai 2019
22:26
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ac
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16. Januar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

An Dreamhunter

 

Auch ich habe Probleme mit dem Live-Stream. Welcher Art sind die Probleme? Bei mir muss sich der Stream  oftmals laden, das ergibt weder Seh - noch Hörgenuss

 

Gruß   Cupak

25. Mai 2019
21:39
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alcindo
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Mitglied seit:
27. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

bin im ausland und habe auf die uebertragung vergessen, hier im forum hat mich jetzt Gmz erinnert und ich bin jetzt in den 3.akt. eingestiegen.....leider höre ich sehr viel vibrato.....an Leonie darf man nicht zurückdenken.......auch nicht an J.King....Berry oder Chr Ludwig oderChr Goltz

25. Mai 2019
20:32
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 614
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Diese kammermusikalische Frau ohne Schatten soll gewaltig sein??? Wobei man gerechterweise sagen muss, dass es nach einem entsetzlich faden ersten Akt jetzt doch ein bisschen Fahrt aufgenommen hat. Naja, mal schauen, wieviele Generalpausen der Thielemann im dritten Akt macht...

25. Mai 2019
20:10
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Dreamhunter
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1) haben andere auch Probleme beim Livestream?

2) Höre mir das jetzt über Ö1 an - bist jetzt gewaltig...

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