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Fledermaus an der Wiener Volksoper | OnlineMerker | Forum

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Fledermaus an der Wiener Volksoper
14. Mai 2022
11:03
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Christine
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22. Januar 2021
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Ich gebe Ihnen hier teilweise recht, Gurnemanz. Die Besetzungspolitik in der Operette ist in der Volksoper in letzter Zeit eher seltsam. Warum Marco di Sapia in für ihn absolut unpassenden Rollen eingesetzt wird, ist für mich nicht erklärlich. Mein erster Frank in der Volksoper war Karl Dönch, der mir damals ausgezeichnet gefallen hat. Er war ein völlig anderer Typ und hier richtig eingesetzt. Dass Herr di Sapia keine schöne Stimme hat, finde ich nicht. Ich habe ihn mit meiner Tochter als Danilo vor wenigen Jahren gesehen und sie war ganz begeistert. Frau Khalil ist mir bisher weder positiv noch negativ aufgefallen. Ich habe nur festgestellt, dass sie in letzter Zeit sehr viel singt. Wenn zum Abschied einer Direktion sechs Künstler den Kammersängertitel bekommen, finde ich das nicht weiter verwunderlich. Wer weiß, wie die neue Direktorin mit so einem Titel umgehen wird?

13. Mai 2022
23:44
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Gurnemanz
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31. Januar 2022
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Do., 12. Mai 2022: WIEN (Volksoper): Johann Strauß Sohn, Die Fledermaus

Aus Gründen, die nur zu einem Teil an mir liegen, ergab es sich, gestern nochmals in die Volksopern-„Fledermaus“ zu gehen (aber ich höre mir neuerdings nicht nur Operetten an, sondern freue mich schon sehr auf Brittens „Tod in Venedig“ an der Volksoper, was mein Saisonhighlight ist, nachdem Zemlinskys „Kleider machen Leute“ bedauerlicherweise abgesagt wurde).

War schon die Vorstellung am 8. April nicht wirklich berauschend, war die gestrige noch deutlich schlechter: Gleich blieben die Leistungen von Günter Haumer (Falke), Annely Peebo (Orlofsky), Gerhard Ernst (Frosch), Gernot Kranner (Blind) und Guido Mancusi (Dirigent), sie haben mir so wie am 8. April gefallen; hinsichtlich Ernst ist zu bemerken, dass er auf die Tatsache anspielte, dass er gestern leider seinen letzten Auftritt als Ensemblemitglied hatte („Wenn ein österreichischer Beamter an seinem letzten Arbeitstag ins Büro kommt, will er seine Ruhe haben“) und ein Telephongespräch mit der neuen Volksoperndirektorin fingierte. Trotzdem sollte man diese blösinnigen Frosch-Witze, die sich obendrein NICHT im Libretto finden, ersatzlos streichen! Und apropos Libretto, was soll es eigentlich, dass der im dritten Akt befindliche Satz „Wie ich sehe, hat es hier schon eine Erkennungsszene gegeben“ regelmäßig von Frank gesagt wird und nicht, wie es das Libretto vorsieht und es auch dramaturgisch besser passt, von Falke?!

Der einzige wirklich gute Sänger war Daniel Schmutzhard als Eisenstein: Mit seinem hell timbrierten und sehr höhensicheren Bariton (es könnte sein, dass er eigentlich eine (Helden-)Tenor stimme hat) sang er die Rolle sehr gut und gestaltete sie recht gut, womit ich meine, dass er die Rolle weniger verblödeln hätte sollen, wobei es sich bei ihm noch in Grenzen hielt: Im Gegensatz zu Marco Di Sapia, der sich von einem passablen Falke früherer Jahre zu einem fürchterlichen Frank entwickelt hat: Er ist einfach komplett fehlbesetzt, denn für den Frank braucht man einen gestandenen (und des Dialekts fähigen) Sänger mit Noblesse, Stil, Eleganz und vielleicht auch gewisser (verborgener) Derbheit, jedenfalls auch feinen Humor: Di Sapia hat das alles gar nicht, er wirkte wie ein Fremdkörper in dieser Rolle, dass seine Stimme auch nicht übermäßig schön ist, machte es nicht besser. Ich verstehe überhaupt nicht, wieso die Volksoper ihn derzeit gerne in einem Fach einsetzt, dem er stilistisch überhaupt gar nicht entspricht (neben dem Frank in der „Fledermaus“ auch als Warlaam in „Boris Godunov“ und als Feri Bácsi in der „Czárdásfürstin“).

Sehr enttäuscht war ich von Kristiane Kaiser (Rosalinde), von der ich mir deutlich mehr erwartet habe: Gestern trat ihre Angewohnheit, mit sehr viel Luft zu singen, sodass vieles irgendwie sehr heiser und nur so angehaucht klingt, stark zutage: Ich glaube, man nennt das „luftige Tongebung“; und Kaiser (oder ihr Gesangslehrer) glaubt irrtümlicherweise offenbar, dass das gute Gestaltung ist – aber auch abgesehen von dieser falschen Gesangstechnik war ich unzufrieden, denn man sollte die Dialogpassagen nicht so undeutlich sprechen (wobei auch ihr Gesang sehr wortundeutlich war) und darf den Czárdás (insbesondere die Schlusspassage) nicht so schlampig singen. Im Vergleich mit der hervorragenden Ulrike Steinsky (die leider nicht mehr die Rollen bekommt, die sie noch singen könnte) vor einem Monat war Kaiser gestern ein sehr starker Qualitätsabfall. Tiefpunkt der Vorstellung war aber Juliette Khalil als Adele: Eine Adele-Sängerin hat viele Stellen, um sich zu profilieren, Khalil konnte keine davon nützen: Ihre Stimme klingt wie die einer schlechten Musical-Sängerin, und darüber hinaus ist es einfach VÖLLIG unpassend, im zweiten Akt an der Stelle, an der sie ihrer Schwester versichern will, dass sie beim Ball als Sängerin eingeführt werden könne, als Beweis für die (Nicht-)Fähigkeit des Singens das Lied „Waunst amoi nu so ham kummst, samma gschiedane Leit“ der österreichischen Band Seiler und Speer (die man NICHT kennen muss, da gibt es viel bessere Austropop-Musiker! Dieses eine Lied hat aber aufgrund der darin enthaltenen Zeile „Letzte Nocht woa a schware Partie fia mi“ einen gewissen Bekanntheitsstatus in Österreich) anzustimmen. Ganz in Ordnung war Mehrzad Montazeri als Alfred, wobei zu sagen ist, dass ich ihn in einer Partie, in der man „richtig“ singen muss und nicht eine Opernsänger-Parodie abliefern darf, keinesfalls hören möchte: Der Mund ist sperrangelweit offen beim Singen, trotzdem hört man ihn in Ensemble nicht, darüber hinaus hat die Stimme nicht wirklich ein Fundament, sondern die Höhen werden halt irgendwie hinausgestemmt und -gepresst. Insgesamt als „Fledermaus“-Alfred akzeptabel, aber sonst nicht.

Im Anschluss an die Vorstellung wurden Peebo und Montazeri zu Kammersängern ernannt, wobei die neuerdings inflationäre Vergabe des Kammersänger-Titels am Ende der Direktion Meyer auffällt: im April Ursula Pfitzner, im Mai Martin Winkler, im Juni Melba Ramos und Vincent Schirrmacher, und gestern eben Peebo und Montazeri. Wenigstens waren die Ansprachen kurz. Die in der Pause ausgeteilten Folder mit Kurzbiographien samt Rollenverzeichnis der zu Ehrenden sind offenbar eilig zusammengestellt, weil bei Peebo der Orlofsky gleich zweimal (!) angeführt war, nämlich fünfmal ab 9. April 1999 und 122mal ab 1. Dezember 1999 – und im Zuge der Ehrung sagte der glücklicherweise bald scheidende Operndirektor, dass es sich heute um den „exakt 130.“ Orlofsky Peebos gehandelt habe, laut ausgeteiltem Blatt war es aber der 129. (5 + 122 = 127; + 1, weil die Liste mit Stand 2. Mai 2022 erstellt wurde, sie aber auch am 3. Mai einen Orlofsky sang) Eine Kleinigkeit natürlich, aber wenn man schon Listen austeilt bzw. Ehrungen verliest, müssen sie korrekt sein. Schade übrigens, dass die Volksoper nicht wie die Staatsoper ein Online-Spielplanarchiv zur Verfügung stellt.

13. April 2022
22:15
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alcindo
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21. Januar 2021
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die ausnahme war der unvergessliche Fred Liewehr, der mit wenig, aber sehr angenehmer stimme und immensem charme sicher am oeftesten den Eisenstein gesungen hat, auch im Bettelstudent war er grossartig....

13. April 2022
19:56
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Toscanini
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Christine sagt

Text und Gesang sind gleichberechtigt, die Operette verlangt gute Sänger und gute Schauspieler, aber es bedeutet, dass die Sänger der Hauptrollen auch gut spielen müssen. Das wird ja zumindest teilweise auch von den Opernsängern viel mehr als früher erwartet.

  

Sie vergessen den Tanz. Operettensänger müssen sich bewegen und tanzen können. Ein bisschen herumwackeln ist zu wenig. Deshalb wurden und werden gewisse Rollen auch eher von Spezialisten bzw. Schauspielern übernommen, weil viele Opernsänger dazu nur selten in der Lage sind. Und zum "gut spielen": Es geht hier auch um das Spielen ohne Musik und um glaubwürdige, längere Dialogstellen. Das ist etwas ganz anderes und deutlich anspruchsvoller als das übliche "Spielen" in Opern. Das verlangt tatsächlich schauspielerische Qualitäten (die Opernsänger in der Regel eben nicht haben, so wie umgekehrt Schauspieler in der Regel nicht unbedingt großartig singen können).

 

alcindo sagt
zu 23:..apropos. dialoge in (spiel)opern oder operetten hat man fast immer zusammengestrichen und oft leicht veraendert, manchmal auch fast weggelassen.

  

Natürlich, dafür gibt es unterschiedliche Gründe: Fremdsprachige Sänger bzw. sonstwie für Dialogstellen unbegabte Gesangssolisten; kürzere Aufführungsdauer; desinteressiertes Publikum, das nur auf die nächste Musiknummer wartet.

13. April 2022
19:42
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Christine
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22. Januar 2021
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Toscanini sagt
Der Frosch entscheidet wesentlich über die Qualität einer Operettenaufführung. Das gilt auch für die Dritter-Akt-Komiker in anderen Operetten.

Das Genre der Operette ist ein integrales Kunstwerk aus Musik, Text, Gesang, Tanz, Schauspiel. Und zwar gleichberechtigt (deswegen ist das Genre so anspruchsvoll). Das Unverständnis für die Operette hat schon zu genügend schlechten "Bearbeitungen", Zweckentfremdungen und Verballhornungen geführt.

 

  

So wesentlich finde ich den Frosch nicht. Da würde mir eine nicht passende Besetzung von Rosalinde, Adele oder Eisenstein weit größeren Ärger bereiten. Ich habe in der Volksoper eine ganze Reihe von Operetten gesehen, vor allem von Johann Strauß, Lehar und Kalman, aber auch von Offenbach, Millöcker, Stolz, Heuberger, Fall, Zeller, Benatzky, Suppé. Und vor langer Zeit auch zwei oder drei Aufführungen im Raimundtheater. Es fallen mir aber nicht viele Operetten mit 3. Akt Komikern ein. Es gibt zwar viele Sprechrollen, die oft von Komikern gespielt wurden, aber das verteilt sich doch auf die gesamte Operette. (Kagler in Wiener Blut, Baron Zeta in der Lustigen Witwe, Enterich im Bettelstudent) oder betrifft einen Akt in der Mitte des Werks (Süffle und Würmchen im Vogelhändler, Oberkellner im Opernball) Im weißen Rössl und in der Frühjahrsparade tritt der Kaiser im letzten Akt auf, aber nicht als Komiker.

Text und Gesang sind gleichberechtigt, die Operette verlangt gute Sänger und gute Schauspieler, aber es bedeutet, dass die Sänger der Hauptrollen auch gut spielen müssen. Das wird ja zumindest teilweise auch von den Opernsängern viel mehr als früher erwartet.

13. April 2022
18:26
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alcindo
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21. Januar 2021
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zu 23:..apropos. dialoge in (spiel)opern oder operetten hat man fast immer zusammengestrichen und oft leicht veraendert, manchmal auch fast weggelassen.

13. April 2022
18:13
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HansLick2
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also ich leg mir gern ein, zwei mal im jahr die STOP fledermaus vom 31.12.1060 auf, könnte jetzt noch mitspielen, nur den wächter handstand müsste ich auslassen und meinrad 3 k, kurz, knapp, klasse.

oder hilde güdens akt 1 auftritt " Adeleee...."

13. April 2022
15:30
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Toscanini
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Dalmont sagt

Die langen Frosch-Szenen, die wir heute in den Theatern sehen, sind Bearbeitungen, meist schlechte und oft peinliche, und haben mit dem Original-Text von R. Genée kaum mehr was zu tun. Sie werden von vielen erwartet. Wenn jemand die Qualität der Aufführung daran messen will, nur zu. Grundsätzlich sollte gelten: auch bei Operetten ist vom Original-Text auszugehen (der zur "Fledermaus" ist im Internet vorhanden). 

 

 

Die Qualität einer Aufführung ist kein Indiz dafür, wie die Aufführung geplant ist bzw. sein sollte oder müsste. Und die tatsächlich nicht selten zu konstatierende mangelnde Qualität einiger Frosch-Darstellungen hat exakt damit zu tun, dass die Relevanz der Szene und ihrer adäquaten Darstellung nicht (an)erkannt wird sowie dass das Bewusstsein insgesamt, was Operette idealerweise sein müsste, nicht vorhanden ist (oder ignoriert wird, etwa aus aufführungspraktischen Gründen). Wenn etwa ein Theater einfach nur irgendjemanden, etwa aus dem Pool der am Haus engagierten oder sonstwie dem Haus verbundenen Kräfte, als Frosch engagiert, weil das am einfachsten und kostengünstigsten ist, was dann ein unbefriedigendes Ergebnis zeitigt, so ist dieses Verhalten dem Theater zuzurechnen, nicht dem konkret aufzuführenden Werk oder dem Genre an sich. An einer schlechten Mozart- oder Verdi-Aufführung sind auch nicht Mozart oder Verdi schuld.

Was den Originaltext betrifft: Es ist absolut richtig und wichtig, den zu kennen. Allerdings weiß man durch die historische Aufführungspraxis, dass eben gerade auch die vorhandenenen Quellen zu entnehmende Praxis und die Aufführungsgeschichte zu berücksichtigen sind. Siehe dazu auch die Fledermaus der Wiener Festwochen vor etlichen Jahren, dirigiert von Nikolaus Harnoncourt und inszeniert von Flimm (der Frosch war damals Erwin Steinhauer, meiner Ansicht nach absolut exzellent). Die heutige Fledermaus ist nicht nur jene der Uraufführungsversion, sondern das Bewusstsein späterer Versionen lebt mit (dazu gehört auch die Fledermaus von Max Reinhardt mit Hans Moser).

13. April 2022
15:02
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Dalmont
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Die langen Frosch-Szenen, die wir heute in den Theatern sehen, sind Bearbeitungen, meist schlechte und oft peinliche, und haben mit dem Original-Text von R. Genée kaum mehr was zu tun. Sie werden von vielen erwartet. Wenn jemand die Qualität der Aufführung daran messen will, nur zu. Grundsätzlich sollte gelten: auch bei Operetten ist vom Original-Text auszugehen (der zur "Fledermaus" ist im Internet vorhanden).  

 

13. April 2022
14:24
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Toscanini
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9. Dezember 2021
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Der Frosch entscheidet wesentlich über die Qualität einer Operettenaufführung. Das gilt auch für die Dritter-Akt-Komiker in anderen Operetten.

Das Genre der Operette ist ein integrales Kunstwerk aus Musik, Text, Gesang, Tanz, Schauspiel. Und zwar gleichberechtigt (deswegen ist das Genre so anspruchsvoll). Das Unverständnis für die Operette hat schon zu genügend schlechten "Bearbeitungen", Zweckentfremdungen und Verballhornungen geführt.

Wer nicht kapieren oder nicht akzeptieren will, wie und was Operette ist, verhält sich ähnlich sinnvoll wie jemand, der verlangt, man solle Opern ohne störenden Gesang aufführen oder die mühsamen Rezitative weglassen.

13. April 2022
13:35
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alcindo
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21. Januar 2021
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Christine, in meiner schul- und studienzeit hatte die VO adaequate besetzungen fuer die Flms: Anton Paulik am pult, Dorothea Siebert, Gerda Scheyrer, Lotte Rysanek spaeter auch Mimi Coertse und Mirjana Irosch als Rosalinde...fuer die braucht man eine erste (opern)saengerin...die angefuehrten damen haben ja auch Butterfly, Donna anna, donna Elvira, Liu, TRov-Leonore an der WStO gesungen....Else Liebesberg, Renate Holm als Adele, Alfred Poell als Falke, Fred Liewehr als Eisenstein, Rudolf Christ als Orlofsky,  Karl Terkal als Alfred waren standardbesetzung, also zt teil mit saengern, die im grossen Haus zur ungefaehr gleichen zeit partien wie den Kalaf, Pinkerton, Turiddu, Mandryka, Germont, Don Giovanni..usw sangen. mit solchen stimmen kann die VO seit langem nicht aufwarten, und alle diese saenger kamen relativ billig, sie waren ja festengagiert, man konnte bei absagen aus dem vollen schoepfen und brauchte nicht wie heute teure gastengagements

mit gruss alcindo

13. April 2022
12:53
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Christine
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22. Januar 2021
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Beim Frosch scheiden sich wohl die Geister. Josef Meinrad war ein großartiger Schauspieler, er wird wohl auch ein sehr guter Frosch gewesen sein. Meinrad, den ich oft im Burgtheater gesehen habe, wird die Rolle sicher nicht verblödelt haben. Mein erster Frosch in der Volksoper war Rudolf Carl, den habe ich "ertragen", hätte aber die Blödeleien nicht gebraucht. Dass das Terzett der beste Teil des 3. Aktes und ein sehr wesentlicher der ganzen Operette ist, das sehe ich genau so wie Dalmont.

Schade, dass die Volksoper die Fledermaus nicht mehr adäquat besetzen kann.

13. April 2022
12:13
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Eeyore
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interessanter Beitrag (nur - bitte - in Zeiten der kulturellen Appropriation geht 'howgh' ja so was von ganz und überhaupt gar nicht....)

ich fand den dritten Akt der Fledermaus generell immer etwas mühsam, so als ob das gesamte Pulver verschossen wurde; ob dies intendiert war, kann ich natürlich nicht sagen

13. April 2022
11:55
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Dalmont
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Gurnemanz‘ Ablehnung des Frosch, wie man ihn seit langem auf den Bühnen erlebt, hat mich zur Reflexion angeregt und ich habe mich etwas auf die Suche gemacht. Denn tatsächlich ist diese ausgedehnte, halblustige kabarettartige Szene am Beginn des dritten Aktes meist etwas mühsam. Nicht zuletzt wegen der tagespolitischen Anspielungen. Man müsste eigentlich gar nicht viel streichen, man müsste dem Frosch nur die Funktion zurückgeben, die er im Original hat. Bei der Uraufführung hat man kaum von ihm Notiz genommen, da war er nur eine komische Charge, der die anderen Personen mit ein paar stehenden Redensarten herein und hinaus begleitet, weshalb man rasch zu der wichtigsten Nummer des dritten Aktes und einer der schönsten der Oper/Operette kommt, dem Terzett. Irgendwann hat sich Alexander Girardi der Figur angenommen und sie zu einem volksschauspielerischen Gustostück nach seiner Manier ausgebaut. Von da an haben sich alle berühmten Volksschauspieler um diese Partie bemüht. Wann daraus die wenig lustige (immer wieder auch peinliche, wie in der Staatsoper) Halbkabarettnummer mit Tagespolitik-Pointen geworden ist, konnte ich nicht feststellen.

Einen großen Schaden hat Girardi allerdings angerichtet: Sein Frosch wurde zum Vorbild für die „Dritte Akt-KomikerInnen“ der silbernen und blechernen Operette, die dieses Genre fast unerträglich machen.

Für Christine: Ich habe gesprochen, howgh!

11. April 2022
10:28
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Gurnemanz
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alcindo sagt
guten abend, Gurnemanz, wenn frau Steinsky den schlusston im Czardas kurz gesungen hat, dann ist das original so notiert. das d ist dort eine achtelnote in einem allegro 2vierteltakt.

Danke für die Information! Das kommt davon, wenn man nicht in den Noten nachschaut, sondern sich auf seine Erinnerungen verlässt, und ich glaubte mich zu erinnern, dass der Schlusston länger ist, aber offenbar habe ich mich geirrt. Danke für die Korrektur!

Zu den übrigen Beiträgen kann ich nur sagen, dass ich in die Oper gehe, um Musik zu hören, und nicht um irgendwelche halblustigen Frosch-Pointen anzuhören: Insofern kann man diese Rolle gerne auf das Allernötigste zusammenstreichen.

Eine neue "Fledermaus" hielte ich an der Staats- wie auch an der Volksoper für so richtig unnötig, es gibt tausende Werke, die man eher herausbringen sollte. (Es sollte mich übrigens nicht wundern, wenn Schmutzhard den Eisenstein singen wird in einer eventuellen Volksopern-Neuproduktion?)

10. April 2022
13:04
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Toni
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Stimmt, da habe ich mich geirrt. Danke Hanslick2

10. April 2022
10:30
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HansLick2
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@ 12 Toni - kleine korrektur, die adele war in der premierenserie rita streich, bald kam dann die rothenberger dazu, plus elfriede ott, gerhard stolze. - gag zum schlussbeifall, meinrad brachte karajan in ketten vor den vorhang.

10. April 2022
1:48
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Dalmont
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Mein erster Frosch an der Volksoper war Richard Eybner, 1960, mit Coertse, Holm, Kuchar, Dönch ecc. als wunderbare InterpretInnen. Intensiv erinnere ich eine Kehlmann Inszenierungen "Fledermaus" am Theater an der Wien, Dirigent Rostropowitsch, Besetzung: Elizabeth Harwood, Reri Grist, Wieslaw Ochmann, Blanche Aubry, Thomas Tipton, Dönch und Kmentt, Frosch: Attila Hörbiger.

Niemand schätzte diese Aufführung. Warum wohl? Das „Wienerische“ an der „Fledermaus“ erfreut nur Uraltestwiener, das „Glücklich ist …. „ hat allerdings ein in Danzig Geborener geschrieben. Wenn ein Triestiner sich nicht an „Il pipistrello“ erfreuen dürfte, weil nicht "Wienerisch???", ein Tscheche nicht an „Netopýr“, weil nicht (verquer) Wienerisch, dann hat diese Komische Oper ohnedies keine Bedeutung. Die hat sie jedoch auch außerhalb des Heurigenwienerischen. Was Rostropowitsch zu belegen versuchte. 

9. April 2022
21:37
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Toni
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Absolut empfehlenswert für die CD Sammlung ist die Fledermausaufnahme vom Silvester 1960 mit Herbert von Karajan als Dirigent.

Hilde Güden als Rosalinde. Habe noch keine Bessere gehört. Einfach grandios.

Eberhard Wächter, Eisenstein, weiters Renate Holm, Erich Kunz, Walter Berry und Giuseppe Zampieri. Was für eine Besetzung.

Josef Meinrad war Frosch, auch nur zum hören ein Vergnügen.

Giuseppe di Stefano war Silvestereinlage im 2. Akt und als Walter Berry ankündigte dass Erich Kunz das Fiakerlied singen wird brandete unglaublicher Applaus auf. Man staunt wie sehr die Lieblinge des damaligen Ensembles gefeiert und geliebt wurden!

9. April 2022
16:44
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flo
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Gerüchteweise soll auch Staatsoper eine neue Fledermaus planen!

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