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Euryanthe im Theater an der Wien
15. Dezember 2018
20:00
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 217
Mitglied seit:
29. September 2018
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Werter Bernadin!

Ich habe Musicals nicht als minderwertiger bezeichnet, sondern als "weniger anspruchsvoll". Dabei bleibe ich, siehe die Ausführungen in meinem Beitrag Nr. 19. Auch wenn man sich den Text von Schlagern anschaut, merkt man, dass da oft ziemlich intelligente Überlegungen drinnenstecken (Beispiele: STS, Hubert von Goisern, Ludwig Hirsch etc. - aber die sind halt intelligent genug, um zu wissen: Wenn man Leute erreichen möchte, muss das über die emotionale Ebene geschehen und nicht über die Moralkeule und den Holzhammer). Also ich bin der letzte, der Populärkultur als minderwertig bezeichnet und sich im Elfenbeinturm versteckt.

Ich denke, man muss auch ein bisschen differenzieren. Man kann sich viele Opern anschauen, um sich vom Alltag zu entspannen, in eine scheinbar heile Welt zu entfliehen oder um die Musik zu genießen. Das finde ich jedoch in keiner Weise minderwertig, denn mir gehen die Leute auf den Zeiger, die sich ob ihres "intellektuellen" Zuganges für besser halten (egal bei welchem Thema). Ich meine aber, dass in den meisten Opern sehr wohl viel mehr als "einfache" Unterhaltung angelegt ist. Die Aufgabe eines Regisseurs ist es meiner Meinung nach, diese Ebenen an die Oberfläche zu bringen, gleichzeitig aber eine stimmungsvolle Inszenierung abzuliefern, die möglichst jeden, der sie anschaut, berührt und zum Denken anregt. Aber klar ist: Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die... eh scho wissen!

bernardin sagt
„La Traviata“ wird nie Unterhaltung werden, denn die Geschichte einer Mittzwanzigerin (ich war einmal an ihrem Grab in Paris), die von Männern benutzt und dann verleugnet, elend zu Grunde geht, kann doch nicht unterhalten. „Rigoletto“ wird nie Unterhaltung werden: ein vergewaltigtes junges Mädchen, das sich für ihren Peiniger opfert , was soll einen da unterhalten? Oder im „Othello“? Dass ein Mann seine Frau erwürgt?

Das sehe ich nicht so. Ich denke, Violetta weiß, worauf sie sich einlässt. Unterm Strich benützt sie den unerfahrenen Alfredo, um ihren nahenden Tod hinauszuzögern. Aber das ist sowieso eine diskussionswürdige Sache.

Vergessen dürfen wir nicht, dass sich Horrorfilme etc großer Beliebtheit erfreuen. Ich glaub, wir Menschen haben einfach ein gewisses Interesse daran, andere leiden zu sehen...

15. Dezember 2018
19:21
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bernardin
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Forumsbeiträge: 19
Mitglied seit:
23. August 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

ad 17) 

Ein paar Überlegungen zu Ihrem Eintrag:

Versuche, die eine dramatische Gattung über eine andere zu stellen, und dann zu sagen, Musical ist minderwertiger als Oper, halte ich für unsinnig. Es gibt wenige Bühnenwerke, die mir aus den letzzten 70 Jahren so unter die Haut gehen, wie Bernsteins „Westside Story“ und wenige, bei denen ich mich so amüsiee wie Porters „Kiss me Kate“ an der Volksoper. Ist natürlich lange her, aber auch „Elisabeth“ war eine tolle Bühnenshow und sogar „Schikaneder“ im Raimundtheater war gut gemacht. Kompositorisch durfte man bei den beiden letztgenannten aber nicht an Bernstein und Porter denken.

Die Frage ist doch: Was ist Unterhaltung? „La Traviata“ wird nie Unterhaltung werden, denn die Geschichte einer Mittzwanzigerin (ich war einmal an ihrem Grab in Paris), die von Männern benutzt und dann verleugnet, elend zu Grunde geht, kann doch nicht unterhalten. „Rigoletto“ wird nie Unterhaltung werden: ein vergewaltigtes junges Mädchen, das sich für ihren Peiniger opfert , was soll einen da unterhalten? Oder im „Othello“? Dass ein Mann seine Frau erwürgt?

Warum geht man dennoch immer wieder hin. Weil halt die Musi so schön ist, aber das ist 150 Jahre nach der Entstehung ja nicht schwer, sie schön zu finden. Und wenn man die dramatische Situation des Werkes in jedem Moment nachvollzieht? Dann hilft die Musik über den tristen Alltag hinweg, denn in Österreich werden so viele Frauen wie nie zuvor gequält und getötet. Unterhaltung ist das alles nicht. Also zur Operette: Das Prachtstück: „Fledermaus“. Die letzte Aufführung, die ich gesehen habe, war vor vielen Jahren in Salzburg. Bei den Festspielen. Eine Aufführung, die vor lauter Publikumstumulten kaum über die Runden gehen konnte (der Sponsor sitzt übrigens heute noch im Häfen). Mir hat sie nicht gefallen, aber mich dazu animiert, mich zu informieren, was Ballettratten sind: Minderjährige Mädels. Da kriegt natürlich die „Fledermaus“ auch einen anderen Geruch...

Was ich meine: Wenn ich nicht an mich heranlasse, was in Werken steckt, dann wird alles zur Unterhaltung, ob Oper, Operette oder Musical. Wenn ich’s genau nehme, dann kann ich mich in keinem Genre zurücklehnen und genießen.

15. Dezember 2018
12:54
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 217
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Danke für die letzten Beiträge, auf die ich gerne eingehe:

Ich denke, ich muss meinen Standpunkt ein wenig präzisieren. Ich möchte Oper wirklich nicht als elitäre und emotionslose Kunst verstehen, die nur einem kleinen, erlauchten Kreis vorbehalten ist. Nein, auf gar keinen Fall! Alles retour, wenn ich diesen Eindruck erweckt habe. Das meine ich überhaupt nicht, Oper muss für alle zugänglich sein, die sich dafür interessieren! (an unsere deutschen Forumsposter: Um 3 Euro oder sogar 1,60 Euro kommt man auf Stehplatz in die Wiener Staatsoper, das ist super!)

Natürlich darf nicht abgestritten werden, dass Oper Gefühle auslöst und Stimmungen erzeugt, das ist ja einer der wichtigsten Gründe, warum sich Leute dafür interessieren. Ich meine nur, dass man die meisten Opern nicht auf eine bloße Gefühlsdarbietung und ein - sorry für den Ausdruck - zirkushaftes "Wer kanns lauter?" reduzieren darf. Damit möchte ich zum Ausdruck bringen, dass natürlich sowohl "Stimmung, Leidenschaft, Feuer, Gefühle" zum Ausdruck gebracht werden sollen, aber sich auch der Regisseur Gedanken über die Botschaft/Aussage des Werks machen soll. Im Optimalfall ist dann beides in der Regiearbeit erkennbar. Ist das für alle eine vertretbare Aussage? (Keinesfalls finde ich Nestroy weniger wert als Goethe, die haben beide ihre Berechtigung!) Es geht keinesfalls darum, sich moralisch oder intellektuell besser zu fühlen oder anderen Leuten eine bestimmte Weltanschauung aufdrängen zu wollen, sondern einfach um ein Ausleuchten der im Stück angelegten Ebenen/Bedeutungen - natürlich nicht unter Weglassung von Stimmung und Gefühlen (aber eben nicht nur einfache Unterhaltung, sondern ich hätte gern, dass einen die meisten Opernaufführungen nicht bloß unterhalten, sondern auch ein bisschen zum Denken/Reflektieren anregen).

Ich bin aber tatsächlich der Meinung, dass Musicals weniger anspruchsvoll sind, auch wenn das womöglich ein Vorurteil ist. Auch ich habe (vorgestern) Wonderful Town in der Volksoper gesehen, da mir Candide von Bernstein gut gefallen hat. Von Wonderful Town war ich sehr enttäuscht, denn mich hat die Musik extrem gelangweilt. Dasselbe Thema kommt xmal, derselbe Song dann mit x Strophen, das war für mich sehr ermüdend. Ich bin mir bewusst, dass die Anforderungen für Sänger in Musicals und Operetten nicht niedrig sind (viel tanzen, sprechen, singen), aber mit Mikrophonen ist es ja eine ganz andere Art des Singens. In der klassischen Gesangsausbildung wird ja wesentliches Augenmerk darauf gelegt, wie man ohne Muskelkaft laute Töne produziert, also quasi ein "auf/mit der Luft Singen" (dafür ist die richtige Körperhaltung und die richtige Atmung wichtig). Bei Mikrophonverstärkung fällt das weg. Einen typischen Musicalsänger würde man ohne Mikrophon wohl nicht hören.

Auch ich gehe nicht nur in die Oper, ich geh auch regelmäßig in den Musikverein, ins Konzerthaus oder ins Ballett (wegen der Musik - derzeit läuft zB an der Volksoper "Märchenwelt Ballett", das sind Mussorgskis Bilder einer Ausstellung und Rimski-Korsakows Scheherazade; ich war gestern, durchaus empfehlenswert, aber für Kinder hergerrichtet mit längeren Sprechtexten zwischendurch). Aber für Musicals kann ich mich kaum erwärmen (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Und danke, Bernadin, für Ihre Darstellung, diesmal bin ich großteils ihrer Meinung! Wenn mir nix dazwischen kommt, werde ich heute nochmals spontan in die Euryanthe gehen, mal schauen!

15. Dezember 2018
11:50
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alcindo
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Forumsbeiträge: 182
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27. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

ad bernardin: ich bin hin und wieder nicht Ihrer meinung, aber beim Fidelio sehr wohl bei Ihnen....ein ganz grosses werk, ich würde es auch auf die Insel mitnehmen.

Verdi wollte beim Troubadour und ähnlichen opern sicher nicht die welt verändern, sondern eine brauchbare plattform für grosse arien und ensembleszenen finden. dafür brauchte es keiner logik und versetzung des sujets in andere zeiten.....apropos zeitversetzung, warum wird immer nach vorne zeitversetzt, und nie nach hinten, was bringt es, ein stück, das original im mittelalter spielt nach ca 1950 zu versetzen?? und wie soll sich das RT weiterentwickeln...viele opern werden dann schwer wieder zu erkennen sein, und der text wird dann oft grotesk erscheinen, weil mit dem auf der Bühne gezeigten nicht uebereinstimmend

15. Dezember 2018
11:48
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susana
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Forumsbeiträge: 41
Mitglied seit:
16. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Gurnemanz sagt : ".....Und eben weil ich der Meinung bin, dass Kunstwerke wie Opern mehr bieten als bloße Unterhaltung, halte ich es ganz im Sinne der Werktreue für die Pflicht des Regisseurs, sich Gedanken zu machen, was denn wirklich den Kern des Werkes ausmacht. Die von ihm gewählte Lösung dem Publikum zu präsentieren, halte ich für seine Aufgabe. Oper ist generell eine etwas anspruchsvollere Unterhaltung - um es ganz grob zu sagen, aber Oper ist meiner Meinung nach anspruchsvoller als Musical und weniger anspruchsvoll als reine Instrumentalmusik. Wenn ein Regisseur ein zu inszenierendes Werk rein auf "Stimmung, Leidenschaft, Feuer, Gefühle" reduziert, ist das für mich gegen die Werktreue, da er das Werk offenbar unter seinem Wert verkauft hat (Ausnahmen bestätigen die Regel, denn bis jetzt habe ich noch keinen tieferen Sinn in Il trovatore entdeckt. Ich vermute, dieses Stück dient hauptsächlich als Vehikel für gute Sänger. Aber ich lasse mich gern eines Besseren belehren.)...."

Ich hake jetzt bei diesem Absatz ein wenig ein.. ich gehe nun seit bald 50 Jahren in die Oper. Und ja ich habe Oper immer als etwas mehr gehalten wie Operette oder Musical... aber warum .. ich stelle mir seit einiger Zeit die Frage ist das wirklich so.. Warum ist Oper über  Operette od dem Musical "erhaben" ..

Wenn man genau hinsieht kann man sehr wohl in Operette od  Musical Gesellschaftskritik, politische Aussagen erkennen, genauso wie Oper - die unterscheiden sich nur vom Stilrichtung der Musik - und jetzt ganz grob gesagt, dass die Sänger im Musical, od auch Operette mit Mikrofon singen müssen um gehört zu werden.

Aber .. und da fang ich jetzt an :  ich habe vor wenigen Tagen Wonderful Town in der Volksoper gesehen, Bernstein - kein besonders starkes Werk, aber - vom Inhalt her ua. auch Gesellschaftskritik vorhanden. Eine .. meiner Meinung nach wirklich sehr sehr gute Personenführung. Ein passendes , sehr praktikabels, abwechslungsreiches Bühnenbild und zum Inhalt passende Kostüme, und sehr sehr gute Darsteller,  einfach gute Typen !! .. wo sieht man das noch in der Oper. Warum muss ich mir dort ständig  (Achtung : Überspitzung!!!) als einziges auf der Bühne ein Bett anschauen in dem die ganze Handlung spielt,  warum gibt es nur noch Menschen in Anzügen oder Unterkleidung ??? die Sänger singen mit Mikrofon, sie spielen singen tanzen ...

Gurnemanz, warum muss Oper die ja angeblcch anspruchsvoller ist deswegen immer hässlich, blutig oder emotionslos sein (da fällt mir eine Marthaler Inszenierung ein - die einem Stück das wichtigste dieses bestimmten Stückes  genommen hat - EMOTION) und da frage ich mich warum muss das sein.. sind wir die im Publikum nicht mehr in der Lage einen Inhalt zu erkennen. Warum muss Oper vorallem hässlich, abschreckend, verstörend sein ?

Warum darf Oper nicht unterhalten, warum darf Oper keine Emotionen haben, keine Leidenschaft ?? genau das ist es ja was uns die jeweilige Musik sagt - und die ist mit dem Text das wichtigste. Warum "reduziert" man Oper wenn man Gefühle Leidenschaft zeigt und unterhält.

Ist nicht jedes Bühnenstück Unterhaltung in verschiedenen Variationen ??? Ist Nestroy daher weniger Wert wie Goethe ??? wobei für mich gesehen Nestroy viel politischer ist als andere Stücke - für mich ist Werktreue nichts verwerfliches sondern ein Arbeiten mit den Unterlagen die uns die Komponisten und Dichter hinterlassen haben. Interpretaion - ja gerne - aber ohne verfälschung, ohne Text Umstellungen, ohne Bühnengeschen dass komplett etwas anderes zeigt. 

Das halt jetzt von einem alten Opernfan der derzeit lieber ins Musical geht weil es dort einfach witziger, netter und unterhaltsamer ist. Und ich habe gelernt zu akzeptieren dass die Sänger mit Mikrofon singen und habe auch vor deren Leistungen große Hochachtung ! Und sehr sehr viel Spaß wie ich es in der Oper schon lange nicht hatte.

(PS Vivaldi war übrigens auch ein köstlicher Abend an der Volksoper!! )

15. Dezember 2018
8:19
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bernardin
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Forumsbeiträge: 19
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23. August 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Das ist wohl eines der ganz fundamental wichtigen Themen. Wenn ich nur die Briefe, die Verdi und Boito oder Strauss und Hofmannsthal während ihrer Zusammenarbeit gemacht haben, nicht zu reden von den Kämpfen von Meyerbeer mit Scribe und vor allem von Wagner mit allen, dann haben alle guten Opernschaffenden sich sehr viele Gedanken über ihr Tun gemacht. Wir, 200, 100 Jahre später müssen halt herausfinden, was uns – in den 50ern und später Geborenen – das sagt (wie auch bei Goethes „Leiden des jungen Werthers“). Die Welt von Verdi ist mir historisch gesehen nicht fremd, aber was sagt sie mir heute noch? Kurz gesagt: viel. Auf den Troubadour bezogen würde ich einer nicht von mir stammenden Aussage zustimmen: Oper ist ein „Kraftwerk der Gefühle“ (copyright A. Kluge), und diese Oper ist es in extremis. Bei uns leidet sie darunter, dass sie von Leo Slezak lächerlich gemacht wurde. Verdi wollte höchstwahrscheinlich extreme emotionale Situationen in Musik setzen und auf die Bühne bringen – ihm war ja eine „erfundene Wahrheit“ interessanter als die triste Realität . 

Jeder Regisseur wird sich doch fragen: wie mache ich die Themen, die den Komponisten in der Vergangenheit wichtig waren, heute auf der Bühne verständlich und setze sie in Bilder um (und jeder Opernkomponist hat n u r an die Bühne gedacht). Und er tut es nicht für die, die eh alles zu wissen glauben. Wobei einen Klavierauszug „lesen“ zu können, doch noch lange nicht heißt, die Noten – geschweige denn eine Partitur - deuten zu können. (In Klammer: woher kommt die so oft geäußerte Meinung, dass die heutigen Regisseure selbiges nicht mehr vermögen? Und wer hat Beweise dafür?).

Werter Gurnemanz, ich stimme Ihnen zu, dass es Konwitschny im Don Carlos genial gelungen ist (spring jetzt gedanklich etwas in den Blogthemen herum). Weil er all die Themen des Stücks - wie Sie sie so gut zusammengefasst haben – aufgegriffen und in Bilder umgesetzt hat, die äußerst viel über die Personen des Werks erzählten. Auf ganz andere Weise macht das Loy, nicht nur in der „Euryanthe“. Nicht ohne Grund war er es, der den fast nicht aufführbaren „Heliane“-Schinken in Berlin zu einem gigantischen Erfolg geführt hat. Und alle Regieführenden werden, wenn sie den Text (Noten+Wort) genau überprüfen auch bei der „Csardasfürstin“ zu erstaunlichen Ergebnissen kommen.

Schließe jetzt, aber etwas will ich noch anfügen: Bin ich wirklich der Einzige, der im „Fidelio“ dann, wenn sich nach einer Viertel Stunde Bratschen und Celli aufteilen und das Quartett einleiten, Gänsehaut bekommt. Ist das nicht eine ganz große musikalische Erfindung?

Und ein PS: BB war die Chiffre für das gegenwärtig regierende Pärchen, was man noch auf den flotten Dreier BBB erweitern könnte. (Ein bisschen Stänkerei muss sein). Die haben aber noch nicht andeuten lassen, dass sie das Radio-Orchester umbringen wollen, das waren Vorgänger-Regierende in Zusammenarbeit mit ORF-Granden.

15. Dezember 2018
0:58
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 217
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29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Michta sagt
Daß ich in Bezug auf Inszenierungen klar mit Alcindo konform gehe, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen. Allerdings bin ich überzeugt, daß sich kein Komponist oder Librettist soviele Gedanken darob gemacht haben, als die Damen und Herren Regisseure hinein  interpretieren glauben zu müssen....  Alles Blabla und seitenlanges Geschwafel in Programmheften interessiert mich - und den Großteil des Publikums - überhaupt nicht! Stimmung, Leidenschaft, Feuer, Gefühle, das mag ich, das kommt primär durch die Musik,  durch eine nackte Bühne oder H&M oder sonstige Alltags Gwandeln sicher nicht!

Diesen Beitrag finde ich sehr interessant und diskussionswürdig! Es kommt natürlich vor, dass ein Regisseur mehr oder etwas anderes in ein Stück hineininterpretiert, das nicht im Stück vorhanden ist: Ich persönlich denke, dass die Csárdásfürstin in erster Linie der Unterhaltung dienen soll. Dass die Handlung am Vorabend des Ersten Weltkriegs angesiedelt ist, ist natürlich durchgehend erkennbar, aber meiner Einschätzung nach war es die Intention des Komponisten, ein Unterhaltungsstück zu schreiben anstatt lang und breit Zeitgeschichte zu thematisieren. Daher müsste ein Regisseur, der den zeitgeschichtlichen Aspekt in den Vordergrund stellen möchte, behutsam vorgehen und sich überlegen, ob er den Bogen nicht zu sehr überspannt. Ein anderes Beispiel sind die Carmina Burana: Es ist bekannt, dass Carl Orff eine kleine Auswahl der vorgefundenen (und damals kaum erforschten) hauptsächlich mittellateinischen Gedichte gekürzt (und zwar so, dass der Sinn teils wesentlich verändert wird), anders angeordnet und mit einer Aussage, die überhaupt gar nicht im Original vorhanden ist, versehen hat (zum Teil aus autobiographischen Gründen). Nichtsdestoweniger gelten seine Carmina Burana als Kunstwerk - obwohl sie alles andere als originalgetreu den vertonten Texten aus dem Mittelalter folgen.

Meiner Meinung nach ist der andere Fall aber viel häufiger. Ich denke, dass die meisten Opernkomponisten ihre Werke nicht bloß auf "Stimmung, Leidenschaft, Feuer, Gefühle" reduziert verstanden wissen wollten. Freilich ist Unterhaltung ein wesentlicher Grund, warum wir alle in die Oper gehen, aber ich bin überzeugt, dass in vielen Werken mehr drinnensteckt als auf den ersten Blick sichtbar. Ich bin mir sicher, dass - um bei der Euryanthe zu bleiben - Weber (als Vertreter der Romantik) mit voller Absicht diese Geschichte vertont hat, um etwas über die seelischen Vorgänge der handelnden Personen zu sagen (Stichwort: Selbstmord in der Familie). Beispiele könnte man unzählige nennen: Verdi hat ganz absichtlich in La Traviata eine Prostituierte zur Hauptfigur einer Oper gemacht und zahlreiche Vaterfiguren unsympathisch/zwielichtig gezeichnet. Mozarts Le nozze di Figaro ist enorm gesellschaftskritisch. Der Text von Strauss' Capriccio verweist mehrmals ganz eindeutig an mehreren Stellen auf Geschehnisse der damaligen Zeit (Jahr 1942 - obwohl die Handlung zu Glucks Zeit angesiedelt ist). Dvořáks Rusalka wurde im Erscheinungsjahr von Freuds Traumdeutung uraufgeführt und ist durchaus durch die Brille der Psychoanalyse lesbar. In den vermeintlich seichten deutschen Spielopern Lortzings steckt Gesellschaftskritik. Es ist schon längst bekannt, dass Volksmärchen mehr sind als Erzählungen ohne Tiefgang, sondern sie vielmehr einen Einblick in die Seele des Menschen bieten und urururalte Erzählstränge weiterführen/variieren (man vergleiche zum Beispiel an die Bedeutung des Körperhaars des Zwergs in Schneeweißchen und Rosenrot mit der Bedeutung des Körperhaars in Samson et Dalila), was natürlich ganz andere Sichtweisen auf Hänsel und Gretel und La Cenerentola zulässt. Weitere Beispiele von Opern lie´ßen sich mühelos anführen.

Und eben weil ich der Meinung bin, dass Kunstwerke wie Opern mehr bieten als bloße Unterhaltung, halte ich es ganz im Sinne der Werktreue für die Pflicht des Regisseurs, sich Gedanken zu machen, was denn wirklich den Kern des Werkes ausmacht. Die von ihm gewählte Lösung dem Publikum zu präsentieren, halte ich für seine Aufgabe. Oper ist generell eine etwas anspruchsvollere Unterhaltung - um es ganz grob zu sagen, aber Oper ist meiner Meinung nach anspruchsvoller als Musical und weniger anspruchsvoll als reine Instrumentalmusik. Wenn ein Regisseur ein zu inszenierendes Werk rein auf "Stimmung, Leidenschaft, Feuer, Gefühle" reduziert, ist das für mich gegen die Werktreue, da er das Werk offenbar unter seinem Wert verkauft hat (Ausnahmen bestätigen die Regel, denn bis jetzt habe ich noch keinen tieferen Sinn in Il trovatore entdeckt. Ich vermute, dieses Stück dient hauptsächlich als Vehikel für gute Sänger. Aber ich lasse mich gern eines Besseren belehren.)

Ist dadurch etwas klarer geworden, was ich meine? (die Frage richtet nicht nur an Sie, sondern an auch alle, die mitlesen) Allerdings bin auch ich der Meinung, dass die Musik wichtiger als die Optik ist. Anders gesagt: Die Augen kann ich zumachen, die Ohren nicht.

Michta sagt
In "Heute" , zwar nicht als "Kultutblatt" zu apostrophieren, wurde gar am Tag der Premiere  ein Foto des "Startenor Norman Reinhardt" - weiss nicht einmal wie man den schreibt - publiziert.....     Was ich da alles versäume...  

Ja, dass mit Attributen wie "Startenor" regelrecht um sich geworfen wird, ist eine ärgerliche Tatsache. Aber wenn man bedenkt, wer aller schon zum "Star" erklärt wurde, braucht man das ohnehin nicht ernstnehmen.

alcindo sagt
lieber Gurnemanz, ist auch gut, dass wir verschiedene Masstaebe zu Inszenierungen anlegen, kommt oft auf das alter und auf die praktische Erfahrung mit dem Thema an. das Klavier ist ja nicht so abgedroschen im Fundus des RT, aber das Bett...und nackt singen ist auch nicht der wunschtraum der meisten Sänger, kann auch zu schweren Problemen...verkuehlungen..fuehren, schluss endlich werden so sänger bald nicht mehr nach ihrer stimme sondern nach ihrer wirkung als nackter ausgesucht

mit gruss alcindo  

Ja, das nackte Auftreten finde ich auch sehr problematisch, aber ich weiß nicht, wie es zustandegekommen ist. Wenn es dem Sänger freigestellt wurde und er ohne Konsequenzen befürchten zu müssen, ablehnen hätte können, ist alles in Ordnung. Aber wenn nicht, ist es eine Frechheit dem Sänger gegenüber, denn minutenlang nackt zu singen gehört definitiv nicht zu seinen Aufgaben. Es ist richtig, dass Sänger (leider) oft nach ihrem Äußeren ausgesucht werden, aber so weit, dass ihre nackte Performance entscheidet, wirds ja doch nicht kommen, denk ich. Dennoch steht das Äußere heutzutage zu Unrecht im Vordergrund (nix für ungut, aber niemand kann mir erzählen, dass Jonas Kaufmann ausschließlich aufgrund seiner gesanglichen Fähigkeiten eine Weltkarriere macht).

 

Noch etwas zum konkreten Thema "Euryanthe im Theater an der Wien": Mir wurde berichtet, dass die Nacktheit des Lysiart dessen Verletzlichkeit betonen soll. Naja.

14. Dezember 2018
12:00
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alcindo
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lieber Gurnemanz, ist auch gut, dass wir verschiedene Masstaebe zu Inszenierungen anlegen, kommt oft auf das alter und auf die praktische Erfahrung mit dem Thema an. das Klavier ist ja nicht so abgedroschen im Fundus des RT, aber das Bett...und nackt singen ist auch nicht der wunschtraum der meisten Sänger, kann auch zu schweren Problemen...verkuehlungen..fuehren, schluss endlich werden so sänger bald nicht mehr nach ihrer stimme sondern nach ihrer wirkung als nackter ausgesucht

mit gruss alcindo

14. Dezember 2018
10:20
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Michta
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6. März 2018
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Daß ich in Bezug auf Inszenierungen klar mit Alcindo konform gehe, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen. Allerdings bin ich überzeugt, daß sich kein Komponist oder Librettist soviele Gedanken darob gemacht haben, als die Damen und Herren Regisseure hinein  interpretieren glauben zu müssen....  Alles Blabla und seitenlanges Geschwafel in Programmheften interessiert mich - und den Großteil des Publikums - überhaupt nicht! Stimmung, Leidenschaft, Feuer, Gefühle, das mag ich, das kommt primär durch die Musik,  durch eine nackte Bühne oder H&M oder sonstige Alltags Gwandeln sicher nicht!

  In "Heute" , zwar nicht als "Kultutblatt" zu apostrophieren, wurde gar am Tag der Premiere  ein Foto des "Startenor Norman Reinhardt" - weiss nicht einmal wie man den schreibt - publiziert.....     Was ich da alles versäume...

14. Dezember 2018
1:48
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Gurnemanz
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Lieber Alcindo! Ich respektiere, dass wir beide unterschiedliche Maßstäbe für eine Inszenierung haben. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Euryanthe im weißen Raum mit Bett, Sesseln und Klavier gar nicht zu einer traditionellen Vorstellung der Oper passt. Das ist jedoch nicht das, was mich gestört hat, ich war mit der (in meinen Augen) kompletten Einfallslosigkeit (alles nach Schema F des "Regietheaters") und mit der großen Langeweile unzufrieden.

13. Dezember 2018
18:09
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alcindo
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lieber Gurnemanz, wenn ich das foto von der Euryanthe mit dem spitalsbett vorne rechts sehe muss ich doch an den türkisen rahmen beim Velazquez denken. der passt genauso wie das bett zur musik von Weber

13. Dezember 2018
16:30
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Gurnemanz
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Lieber Alcindo! Das finde ich nicht. Ich denke, dass man bildende Kunst nicht mit Theater vergleichen kann.

Ein Velázquez-Portrait ist, wie es ist, es ist ein abgeschlossenes Kunstwerk. Eine Oper oder ein Theaterstück kann gar nicht abgeschlossen sein, weil es ja in jeder Aufführung auf Grundlage des Librettos und der Partitur neu entsteht und jederzeit anders realisiert werden kann (was nicht der Fall ist, wenn man ein Gemälde übermalt, es also unwiderruflich beschädigt).

Natürlich sollte man Werke der bildenden Kunst optimal ausstellen, also gut ausleuchten. 

13. Dezember 2018
14:43
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alcindo
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lieb er Gurnemanz:  aus heutiger sicht müsste man auch einen Velazquez mit einer ledsparlampe beleuchten und mit einem türkisen plastiklahmen versehen

13. Dezember 2018
13:21
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Gurnemanz
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Chenier sagt
Das klingt alles weder szenisch noch musikalisch überzeugend, ich glaube, das lasse ich aus.  

Lieber Chenier! Viel versäumen Sie ja meiner Meinung nach nicht. Aber das Stück an sich ist es schon wert, es jedenfalls einmal gehört zu haben. Wenn Ihnen der Freischütz gefällt, kann ich mir gut vorstellen, dass Sie mit der Euryanthe auch Vergnügen haben werden!

13. Dezember 2018
13:19
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Gurnemanz
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Lieber Alcindo! Ich denke, das muss man differenzierter betrachten. Den Willen des Komponisten werden wir nicht mehr herausfinden (es sei denn, wir können ihn noch fragen), und die Rahmenbedingungen sind heute anders als zur Entstehungszeit des Werkes. Insofern könnte ich mir vorstellen, dass so mancher Komponist dankbar wäre, wenn die Aussage seines Werkes in den heutigen Kontext übertragen wird und für heutige Zuschauer verständlich gemacht wird.

Ich denke, man darf eine Inszenierung nicht nach einem oder wenigen Bildern beurteilen, aber mich hats gestern jedenfalls gar nicht überzeugt. 

13. Dezember 2018
13:16
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Chenier
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Das klingt alles weder szenisch noch musikalisch überzeugend, ich glaube, das lasse ich aus.

13. Dezember 2018
13:11
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alcindo
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lieber Gurnemanz, habe gerade ein bild von der Euryanthe gesehen, so schön, wieder ein spitalsbett im Deutschen wald....war hoffentlich auch irgendwo ein koffer auf der buehne, ja aber schrecklich wichtig ein nackt singender saenger...das ist es wovon die meisten sänger träumen

gruesse alcindo

13. Dezember 2018
12:11
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alcindo
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27. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

zu den inszenierten ouvertüren im allgemeinen: ich glaube  nicht, dass irgendeiner der grossen opernkomponisten einverstanden gewesen wäre, wenn seine "symphonischen" - fast alle barockopern haben "sinfonias"......einleitungen szenisch untermalt wuerden. bei den meisten(ital) opern finden Sie in der partitur die anmerkung "si alza il sipario"......also der komponist legt fest, wann es auf der Bühne los geht... und nicht der regisseur, der meist nicht italienisch  oder nicht notenlesen kann.  das werk des Komponisten besteht seit vielen Jahren und wird weiter bestehen, die deutungen der meisten regisseure finden oft schnell den weg in die entsorgung, sind also schon aus ökonomischen gründen bedenklich

13. Dezember 2018
3:01
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Gurnemanz
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29. September 2018
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Werter Bernadin! Das ist ein Missverständnis, ich habe nie etwas gegen Ihre Beiträge generell gesagt. Es ist einmal nur darum gegangen, dass Sie manche meiner Aussagen ganz anders interpretiert haben als ich sie gemeint habe. Aber das ist Schnee von vorgestern. Ich freue mich über Ihren jetzigen Beitrag zur Euryanthe!

Vorweg, ich werde vermutlich ohnehin noch einmal gehen, aber alle anderen Euryanthe-Termine liegen für mich sehr ungünstig. Naja, mal schauen!

Wir sind ja einer Meinung, dass es am besten ist, die Geschichte nicht im Mittelalter spielen zu lassen sondern eine andere Lösung zu finden. Auch ich halte den psychologischen Zugang für am besten, mich hat das Ergebnis aber, wie Sie gelesen haben, nicht überzeugt. Richtig, es war nicht die ganze Ouvertüre inszeniert, aber ich hab ja geschrieben "ein inszeniertes Vorspiel", was ja durchaus der Wahrheit entspricht. Nicht dass ich eine inszenierte Ouvertüre generell für schlecht halte, aber ich hatte den Eindruck, dass Loy im folgenden einen typischen Loy-Einfall an den nächsten reiht ohne sich ein konkretes Konzept zu überlegen. Aber Ihr Beitrag zeigt, dass man es auch anders empfinden kann, was mich anspornt, mir nach Möglichkeit Zeit für einen weiteren Besuch zu nehmen und meinen Ersteindruck zu überprüfen.

Obgleich mir die Inszenierung wichtig ist, steht für mich unbestritten die musikalische Umsetzung im Mittelpunkt. Wenn ein Sänger technisch komplett unbedarft singt, kann mich seine noch so gute schauspielerische Leistung nicht darüber hinwegtrösten.

Wer ist übrigens BB?

13. Dezember 2018
1:58
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bernardin
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Ich halte „Euryanthe“ für ein Schlüsselwerk der deutschen Opernentwicklung, mit zum Großteil grandioser Musik (Jägerchöre und anderes Zeitgebundende, wie Wagners Brautchor im „Lohengrin“ , kann ich auch hier nicht leiden , aber es hat meist eine Funktion im Werk). „Euryanthe“ stammt aus einer Werkstatt-Zeit, aus der sich Spitzenwerke entwickelt haben, diese Werkstattzeiten halte ich jedoch für äußerst interessant. Dass dramaturgische Probleme im Sinne einer wie immer gedachten „Bühnenlogik“ bei „Euryanthe“ vorhanden sind, wer wollte das leugnen. Aber wie Loy das gelöst hat, fand ich grandios. Das emotionale Desaster der Personen in das Private zu verlegen – auch im Bühnenraum, der nun nix genuin Neues war – und Singschauspieler/innen dafür zu interessieren, die das umsetzen wollen und können, ist die beste Lösung, die ich kenne (heute war es die dritte Inszenierung, die ich von dieser Oper gesehen habe, nach einer konzertanten Aufführung, in der ich noch die wunderbare Teresa Stich-Randall erleben durfte). Wenn Ihnen so vieles nach einem Dezennium Opernleidenschaft auf der Bühne bekannt vorkommt, was soll ich nach 50 Jahren sagen? Es gibt ja nicht ununterbrochen Neues. Aber der Raum war heute in den Proportionen wunderbar, das Bett eben kein Spitalsbett, die Farben waren exquisit aufeinander bezogen. Die Ouverture war nicht inszeniert, sondern – Sie entschuldigen wenn ich da widerspreche - nur in einem entscheidenden kurzen Teil vor dem, was die Musikwissenschaftler Durchführung nennen, werden die Konstellationen der Personen sehr schlüssig dargelegt. Ich habe den ganzen Abend Loys in der Ouverture vorgeführten Bühnen-Setzung der Figuren sehr gut nachvollziehen können. Es war alles sehr schlüssig. Und da Oper musikalisches Theater ist, möchte ich auch die Leistungen nach diesen beiden Komponenten bewerten, aber keine Zensuren erteilen. Natürlich war der Adolar nicht Gedda, aber es waren doch alles exorbitant gute Sing-Darsteller. Eglantine ist ja wie Ortrud (Wagner der große Fladerer) fast nicht zum Dersingen: Herlitzius in Dresden war damals kaum auszuhalten. Hauptbeteiligter gestern war wohl dieses wunderbare ORF-Orchester. (Es möge- darf man das verlangen? – auch unter BB überleben dürfen).

Ich weiß, Sie mögen meine Einträge nicht, aber ich möchte Sie einladen, Webers „Euryanthe“ nicht nach einer ersten Begegnung abzuschreiben. Vielleicht lassen Sie sich auf das Werk und diese Zwischenzeitromantik noch einmal ein....

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