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Don Giovanni, von Mozart/ Da Ponte/ Kosky/ Serebrennikov an der Staatsoper | Seite 3 | OnlineMerker | Forum

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Wir überprüfen nun die Möglichkeit eines Forums, bei dem man die Wortmeldung zuerst dem Moderator senden muss, der dann darüber entscheidet, ob der Beitrag den Forumsregeln entspricht und der nur selbst online stellen kann. Ob wir da fündig werden und uns das leisten können oder wollen, werden wir ohne jeden Zeitdruck entscheiden.

Aber das  widerspräche meiner Mentalität, denn das Freie Wort ist für mich ein hohes Gut. Schade dass es soweit kommen musste!

Ich bedanke mich bei den Diskutierern, die stets fair waren und unschuldig an der Einstellung sind. Mit den ganz wenigen "Verursachern" möchte ich aber keinen weiteren Kontakt haben und bitte dies zu respektieren. 

Mit Grüßen

Anton Cupak, Herausgeber Online-Merker

 

 

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Don Giovanni, von Mozart/ Da Ponte/ Kosky/ Serebrennikov an der Staatsoper
17. Dezember 2021
9:49
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copy
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Forumsbeiträge: 156
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25. Januar 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Geschätzte Christine, 

sie schreiben: "Den Vergleich der Befürworter von Inszenierungen wie jener des Parsifal mit den Coronademonstrierern finde ich einigermaßen bizarr." Da haben Sie meinen Text missverstanden. Ich habe lediglich einen Besucher gefragt, der das derzeitige Kulturgeschehen in der Oper mit einem "großen Plan" dahinter interpretiert, ob er das auch aso meint wie die Demonstranten, die hinter COVID einen "großen Plan" vermuten. Und zu den parteipolitischen Äußerungen von Ihnen: Ich kann zwischen den schwarzen, türkisen, roten und grünen "Kulturministern" keinen großen Unterschied erkennen. Für alle Regierungen der letzten 30 Jahre war die Kultur ein lästiges und teures Anhängsel. Absolut bei Ihnen bin ich hinsichtlich der Skepsis, in welche Richtung sich künftige Live-Kulturbesuche entwickeln.

16. Dezember 2021
21:56
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Christine
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Forumsbeiträge: 517
Mitglied seit:
22. Januar 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Den Vergleich der Befürworter von Inszenierungen wie jener des Parsifal mit den Coronademonstrierern finde ich einigermaßen bizarr. Wenn jemandem der Parsifal oder der Don Giovanni in der derzeit in der Staatsoper präsentierten Form nicht gefällt, ist das eine Sache. Wenn jemand das Gesundheitssystem gefährdet, eine andere. Ich glaube auch nicht, dass viele der Leute, die auf der Straße demonstrieren, jemals in der Oper waren. Aber viele Opernbesucher haben vermutlich noch nie demonstriert, ich zähle mich dazu. Dass die Sozialdemokratie eher wenig für die Hochkultur übrig hatte, ergibt sich aus ihrer Geschichte. Einer der engsten Mitarbeiter des späteren Bundespräsidenten Heinz Fischer, Bruno Aigner, hat seinerzeit gegen Karajan demonstriert. In den letzten Jahren hat sich außerdem einiges geändert. Zuerst die Theater und später die Opernhäuser sind dazu übergegangen Inszenierungen zu zeigen, die das eher bürgerliche Publikum nicht mehr erfreuen sondern provozieren sollten. Im Burgtheater begann es mit Claus Peymann, in der Josefstadt mit Herbert Föttinger und in der Oper im Lauf der Zeit von Jan Holender.

Copy war vom Parsifal sehr angetan, ebenso seine Sitznachbarin. Einigen hat es nicht gefallen und andere sind erst gar nicht hingegangen. Man wird sehen, wie sich das weiter entwickeln wird

16. Dezember 2021
19:02
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Toscanini
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Forumsbeiträge: 115
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9. Dezember 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Chenier sagt
Das meiste ist zwar absurder Unsinn, aber nicht jeder Deutungsversuch außerhalb eines verordneten Meinungsbildes ist "Verschwörungstheorie". Es gibt leider keine Diskussionskultur im Sinne der klassischen Dialektik und es wird nur noch versucht, Thesen respektive Antithesen durchzubringen und auf der Strecke bleibt die Synthese. Eine signifikante Abbildung dieser Polarisierung ist der aktuelle Zustand der gespaltenen Gesellschaft, wobei die Risse immer tiefer werden.

  

Ich denke, dass die Wiedergabe des Gesprächs durch copy es durchaus möglich macht, hier an Verschwörungstheorien zu denken. Und ich bin nicht der Ansicht, dass die Beschuldigung anderer Menschen als "Kulturverbrecher" als wesentlicher Schritt zu gepflegter Diskussionskultur zu betrachten ist. Mein Interesse an privater Kommunikation mit solcherart sich äußernden Personen ist gleich null und ich würde auch allen davon abraten (nicht immer ist das mögliche Aggressionspotential genau einschätzbar). Provokationen - die dann wieder die von Ihnen erwähnte Spaltung und Polarisierung zur Folge haben - werden oft am besten ignoriert. Nicht selten geht es dabei weniger um Kommunikation oder Diskussion, sondern um das Ausleben einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung (daher auch die öffentlich wirksame, völlig übertriebene Abwertung anderer Menschen). Grundsätzlich würde ich Ihnen jedoch zustimmen, dass gegenwärtig eher keine Blütephase der Diskurskultur festzustellen ist.

16. Dezember 2021
18:46
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Toscanini
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Forumsbeiträge: 115
Mitglied seit:
9. Dezember 2021
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copy sagt
Werter Maestro Toscanini! Ich halte es halt immer noch mit dem wienerischen "durchs Reden kommen d'Leut z"samm". Ich denke Dialogfähigkeit darf nie verloren gegen, allerdings überraschte mich diese Diskussion wirklich sehr. Es ist ja nichts dagegen zu sagen, wenn jemand mit der Inszenierung nichts anfangen kann und - auf meine Frage warum man eigentlich hier sei - mir antwortet, mann wolle doch die Musik live hören. Ja, akzeptiere ich. Mache ich auch in manchen Fällen, wenn mir die szenische Umsetzung nichts sagt, ich das Werk aber hören möchte. Was noch in vielen Fällen dazukommt ist ein gewisses Überlegenheitsgefühl, mir wurde etwa vorgeworfen, dass ich gewisse Inszenierungen Karajans nicht kenne (aufgrund meines "jungen" Alters von 66 Jahren ;-)). Oder man stellt überhaupt Besucher von Opernaufführungen über andere Leute. Mir wurde etwa entgegengehalten, dass man es als Beleidigung auffasst in die Nähe der Samstagdemonstranten gebracht zu werden. Denn das ist - und jetzt wörtliches Zitat - "linker und rechter Pöbel, der niemals in die Oper geht". Worauf ich nur entgegnen konnte: "Sind Sie sich da wirklich so sicher?" Aber lassen wir es dabei bleiben, sind halt aso die jungen (und alten) Leut!

  

Sehr geehrter copy, vielen Dank für Ihre freundliche Antwort! Ihre Dialogfähigkeit ist wirklich respektabel und vorbildlich. Ich gratuliere Ihnen ganz herzlich zu etwas, das ich als Fundament bürgerlicher Kultur und Zivilisation bezeichnen würde. Zugleich bin ich da selbst deutlich rigider, sobald ich Formen von Aggression entdecke, die ich als unangemessen empfinde (selbstverständlich kann es vorkommen, dass sich jemand über etwas erregt zeigt oder sich aufregt, ohne dass dies gleich pathologisiert werden muss). Persönliche Angriffe auf andere Menschen, auch verbaler Natur, sind für mich der erste Schritt zu einer möglichen Eskalation. Dann kann man deeskalieren - wie Sie es zum Beispiel getan haben -, allerdings kann man dabei auch scheitern oder sogar die Lage weiter zu spitzen (weil etwa manche Personen überhaupt jede andere Ansicht schon als Angriff interpretieren). In diesem Fall muss man wissen, worauf man sich einlässt. Ich rate grundsätzlich davon ab, unnötigerweise den eigenen negativen Stresslevel zu erhöhen. Der Preis, der dafür zu zahlen ist - mit Auswirkungen auf die Blutwerte bis hin zu erhöhter Schlaganfallgefahr - ist es meistens nicht wert. Ich denke, dass es sicher auch kein Zufall ist, dass gar nicht wenige Protagonisten der österreichischen Politszene mehr oder minder ausgeprägte Anzeichen von Abusus unterschiedlicher Art zeigen, der dann als falsch verstandene Form der "Stressbewältigung" dienen soll. Nachsatz: Innerhalb gewisser Grenzen ist der Streit über Inszenierungen natürlich völlig legitim, nur vor Mord- und Bombendrohungen möge man sich dann doch hüten! 😉 Beste Grüße und auf Wiederlesen!

16. Dezember 2021
16:51
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Chenier
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Forumsbeiträge: 642
Mitglied seit:
28. Februar 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Das meiste ist zwar absurder Unsinn, aber nicht jeder Deutungsversuch außerhalb eines verordneten Meinungsbildes ist "Verschwörungstheorie". Es gibt leider keine Diskussionskultur im Sinne der klassischen Dialektik und es wird nur noch versucht, Thesen respektive Antithesen durchzubringen und auf der Strecke bleibt die Synthese. Eine signifikante Abbildung dieser Polarisierung ist der aktuelle Zustand der gespaltenen Gesellschaft, wobei die Risse immer tiefer werden.

16. Dezember 2021
16:40
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copy
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Forumsbeiträge: 156
Mitglied seit:
25. Januar 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Werter Maestro Toscanini! Ich halte es halt immer noch mit dem wienerischen "durchs Reden kommen d'Leut z"samm". Ich denke Dialogfähigkeit darf nie verloren gegen, allerdings überraschte mich diese Diskussion wirklich sehr. Es ist ja nichts dagegen zu sagen, wenn jemand mit der Inszenierung nichts anfangen kann und - auf meine Frage warum man eigentlich hier sei - mir antwortet, mann wolle doch die Musik live hören. Ja, akzeptiere ich. Mache ich auch in manchen Fällen, wenn mir die szenische Umsetzung nichts sagt, ich das Werk aber hören möchte. Was noch in vielen Fällen dazukommt ist ein gewisses Überlegenheitsgefühl, mir wurde etwa vorgeworfen, dass ich gewisse Inszenierungen Karajans nicht kenne (aufgrund meines "jungen" Alters von 66 Jahren ;-)). Oder man stellt überhaupt Besucher von Opernaufführungen über andere Leute. Mir wurde etwa entgegengehalten, dass man es als Beleidigung auffasst in die Nähe der Samstagdemonstranten gebracht zu werden. Denn das ist - und jetzt wörtliches Zitat - "linker und rechter Pöbel, der niemals in die Oper geht". Worauf ich nur entgegnen konnte: "Sind Sie sich da wirklich so sicher?" Aber lassen wir es dabei bleiben, sind halt aso die jungen (und alten) Leut!

16. Dezember 2021
14:38
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Toscanini
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Forumsbeiträge: 115
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9. Dezember 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

copy sagt
Geschätzter Dalmont! Interessante Beobachtung gestern in der zweiten Parsifal-Pause, nachdem in den Applaus hinein der Ruf erschallte: "Kulturverbrecher"! Ich sprach einige Unterstützer dieser Meinung darauf an, warum dies heute ein Verbrechen sein soll, immerhin eine gewaltige Anschuldigung. Antwort: Das ist ja gesteuert, man will die Hochkultur umbringen, daran ist der Roscic Schuld, der hat einen Auftrag, das ist ein Roter. Mein Einwand: Auch Holender war ein Roter und außerdem geben die staatlichen Stellen doch 100e Millionen für eben diese Hochkultur aus, warum sollte das ein Umbringen sein? Gegenrede: Man will ja mit der Oper auch Kohle machen! Ich: Ist ihnen entgangen, dass diese ein Zuschussbetrieb ist. Darauf erneut: Ja, aber da steckt mehr dahinter, das ist gesteuert! Mein letzter (humoristisch gemeinter) Konter: Das ist aber auch die Argumentation der Samstags-Demonstranten gewesen! Meine Lektion gelernt: In Zeiten wie diesen macht man keine Scherze und bestätigt am besten Vorurteile. Aber Hopfen und Malz ist nicht verloren, denn zurück am Sitzplatz fragt mich meine Nachbarin, eine feine Dame: "Sind Sie auch der Meinung dies sei ein Kulturverbrechen? Weil ich finde die Aufführung sehr interessant und spannend!" Ich bin beruhigt, es geht auch anders! Und ja, ich fand diese Live-Premiere spannend, aufwühlend und noch dazu musikalisch phänomenal, was auch der Schlussapplaus bestätigte. Da waren die Protestierer schnell zur Garderobe geflüchtet. 

  

Bizarr. Mit solchen Leuten würde ich mich freiwillig eher nicht unterhalten. Da hat schon eine Verhärtung bzw. Radikalisierung des eigenen Standpunktes stattgefunden, die meiner Erfahrung nach vernunftgeleitete und logischer Argumentation zugängliche Kommunikation außerhalb eines therapeutisch-klinischen Kontexts stark erschweren. Als Vorwürfe verwendete Begriffe wie "Verbrecher" und "Lügner" sind da nicht selten typische Schlüsselbegriffe (während man sich selbst gerne "verfolgt" und "bedroht" wähnt). Das Problem ist, dass solche - vielleicht ja gut gemeinten - Gesprächsversuche mitunter von der verbalen in die physische Ebene wechseln können, selbst wenn man das für sich selbst ausschließen würde. Das möge man sich also sehr gut überlegen, meistens ist der dafür zu entrichtende Preis samt etwaiger juristischer oder medizinischer Konsequenzen für Normalbürger schlicht zu hoch.

16. Dezember 2021
12:46
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copy
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Forumsbeiträge: 156
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25. Januar 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Geschätzter Dalmont! Interessante Beobachtung gestern in der zweiten Parsifal-Pause, nachdem in den Applaus hinein der Ruf erschallte: "Kulturverbrecher"! Ich sprach einige Unterstützer dieser Meinung darauf an, warum dies heute ein Verbrechen sein soll, immerhin eine gewaltige Anschuldigung. Antwort: Das ist ja gesteuert, man will die Hochkultur umbringen, daran ist der Roscic Schuld, der hat einen Auftrag, das ist ein Roter. Mein Einwand: Auch Holender war ein Roter und außerdem geben die staatlichen Stellen doch 100e Millionen für eben diese Hochkultur aus, warum sollte das ein Umbringen sein? Gegenrede: Man will ja mit der Oper auch Kohle machen! Ich: Ist ihnen entgangen, dass diese ein Zuschussbetrieb ist. Darauf erneut: Ja, aber da steckt mehr dahinter, das ist gesteuert! Mein letzter (humoristisch gemeinter) Konter: Das ist aber auch die Argumentation der Samstags-Demonstranten gewesen! Meine Lektion gelernt: In Zeiten wie diesen macht man keine Scherze und bestätigt am besten Vorurteile. Aber Hopfen und Malz ist nicht verloren, denn zurück am Sitzplatz fragt mich meine Nachbarin, eine feine Dame: "Sind Sie auch der Meinung dies sei ein Kulturverbrechen? Weil ich finde die Aufführung sehr interessant und spannend!" Ich bin beruhigt, es geht auch anders! Und ja, ich fand diese Live-Premiere spannend, aufwühlend und noch dazu musikalisch phänomenal, was auch der Schlussapplaus bestätigte. Da waren die Protestierer schnell zur Garderobe geflüchtet. 

16. Dezember 2021
11:05
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Dalmont
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Forumsbeiträge: 313
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22. Januar 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Querido Alcindo, es geht nicht ums Gefallen… was hat es aus gelöst in mir, warum geht man denn sonst ins Theater? Warum gehen Sie in ein Opernhaus? Der sehr viel jüngere Kosky kennt „Teorema„ Sie hoffentlich auch?

16. Dezember 2021
10:31
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alcindo
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Forumsbeiträge: 837
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21. Januar 2021
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caro Dalmont, die  violett oder braun lackierten fingernaegel haben mich ich keiner hinsicht alteriert, ich habe mir nur erlaubt zu bemerken, dass sie gut zur aesthetik des regisseurs passen, genauso wie die H/M-kostuemierung, insgesamt  hab ich das 2mal erwaehnt...fuer Sie so oft?? uebrigens  habe ich noch einiges anderes ueber diese produktion geschrieben. dass Ihnen diese inszenierung gefallen wuerde war mir schon klar.  wie "kollege" Chenier schon bemerkte, wir haben schon viel schlimmeres gesehen......und mit informationen aus dem Falter kann ich nicht dienen

16. Dezember 2021
1:40
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Dalmont
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Forumsbeiträge: 313
Mitglied seit:
22. Januar 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

ad 58) Vorbemerkung zu den Anmerkungen zur „D. Giovanni“-Kritik, von der Sie meinen, dass sie auf den Punkt gebracht war:

  • Man kann auch eine Kritik einer Fernsehübertragung schreiben, wieso denn nicht? Da wird im TV etwas für ein Zigfaches der TheaterbesucherInnen aufbereitet, und das entzöge sich jeder Kritik? Wie ich dem heutigen „Falter“ entnehme, haben wir Fernseherer beim „Macbeth“ aus der Scala etliches an Effekten gesehen, das den Leuten im Saal vorenthalten worden ist.
  • Das ewige Gejammere, die so „objektiven“ Merker-Redakteure würden immer ausgeschlossen und benachteiligt: Wie geht die Fabel mit dem Fuchs und den Trauben? Die Stellung in der Öffentlichkeit muss man sich erkämpfen, sie sich selbst zuschreiben funktioniert nicht.

Als ich die ersten Bilder vom Scenario für den neuen „Don Giovanni“ sah, fühlte ich mich sofort an den so grandiosen Pasolini-Film „Teorema“ erinnert.

Die TV-Übertragung der Premiere hab ich nicht gesehen, dafür die erste Vorstellung vor Publikum am Montag.

Kosky leugnet es nicht: er hat sich von der erotisch aufgeladenen Zentralfigur dieses Films "Teorema" inspirieren lassen, und er tat Recht: Don Giovanni verändert jede Figur, die mit ihm Kontakt hat, in ihren Grundkoordinaten ebenso, wie der Terence Stamp in Pasolinis Film. Antworten, auf welche Weise, muss jede(r) für sich finden, vor allem die Frauen, denn sie werden in der Oper am meisten verunsichert (Zerline jedenfalls schreit um Hilfe am Ende des 1. Aktes).

Ich persönlich bin überzeugt, dass es Don Giovannis aggressive Sexualität ist, die so anziehend wirkt und auch die Männer nicht unbeeinflusst lässt. (Nur nebenbei: natürlich hat man die kurze Arie, in der sich D.Giovanni freut, seinem Register bald neue Namen zuführen zu können, im das Sexuelle verdrängenden Wien zur fledermausigen „Champagnerarie“ umbenannt: „Champagner hat’s verschuldet….“ Wie doof) Dass ältere Herren Bewegungen jüngerer Männer, die nicht ihrem stocksteifen Bewegungsrepertoire entsprechen als tuntig bezeichnen, wurde übrigens dem Zeffirelli Don Giovanni Theo Adam von der Wiener Kritik damals bei der Premiere angelastet. Jaja, D. Giovanni fordert auch die Mannsbilder erotisch heraus! Und da Alcindo sich so oft über die lackierten Fingernägel des Leporello alterierte: Einem „Falter“ – Artikel vor kurzem entnahm ich, dass das junge Männer jeglicher geschlechtlichen Identität heute so machen. Muss das ein Regieeinfall gewesen sein? Vom 2. Rang hat man davon nix gesehen. Alcindo, die Zeiten ändern sich, in jeglicher Hinsicht.

Dass das junge Sängerensemble am Montag meine Erinnerungen an Wächter/Kurz/Holecek/Schreier/Coertse/Lipp/Sciutti/Ridderbusch (meine erste D.Giovanni-Staatsopern-Besetzung) nicht verdängen konnte, laste ich ihnen nicht an. Es waren im Schnitt 20, 30, 35 Jahre jüngere Leute als ich, und deren sängerische und schauspielerische Präsenz auf der Bühne war umwerfend. Und das fast voll besetzte Haus hat das honoriert. Nicht nur aus dem Grund, den Christines Kritikerfavorit insinuierte, sondern weil sie mit ihren Persönlichkeiten da waren. Und wie!

 

PS: Gestern im „Parsifal“ war es ein bisschen anders, da haben mich die filmischen und performance-Assoziationen an Brus und Pasolinis „Salò“ erinnert, und das bringt mich zum Verstummen. Wiewohl die ästhetische Behauptung zum Werk insgesamt grandios war.

15. Dezember 2021
14:49
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Chenier
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Forumsbeiträge: 642
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28. Februar 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Und selbst die Tatsache, dass es auf den Bühnen aktuell Schlimmeres gibt, macht diese Inszenierung nicht wirklich gut. Ich warte einmal auf den Live-Eindruck für einen abschließenden Befund.

15. Dezember 2021
14:15
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Christine
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Forumsbeiträge: 517
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22. Januar 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Die Kritik von Manfred A. Schmid bringt es auf den Punkt, vor allem was die Konzeption des Regisseurs zur Interpretation des Don Giovanni betrifft. Es ist ihm dazu nichts Passendes eingefallen und was herauskam, war nicht gut! Genau so sehe ich es auch.

14. Dezember 2021
20:40
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Toscanini
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Forumsbeiträge: 115
Mitglied seit:
9. Dezember 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Die bisherige Diskussion zeigt aus meiner Sicht sehr gut, warum dieses Stück bis heute so fasziniert und warum Auffführungen begeistern, verärgern, polarisieren. Und es zeigt sich auch, dass hier musikalische und szenische Interpretation sehr wichtig sind. Man kann dieses Stück nicht einfach so "spielen, wie es in der Partitur steht". Es müssen ein paar grundlegende Fragen beantwortet und Entscheidungen getroffen werden, die von der persönlichen Sicht auf das Werk abhängen. Das Publikum kann das dann mögen oder nicht.

14. Dezember 2021
20:14
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Christine
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Forumsbeiträge: 517
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22. Januar 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Wann gilt eine Inszenierung als völlig missglückt? Vermutlich nur dann, wenn sie niemandem gefällt. das wird bei "modernen" Inszenierungen kaum der Fall sein. Bestimmte Regisseure haben immer ihre Fans.

14. Dezember 2021
16:04
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MRadema796
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Forumsbeiträge: 422
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20. Januar 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Zerlina ist m. E. durchaus in verschiedene Richtungen interpretierbar. Wenn man annimmt, dass sie nicht völlig bescheuert ist, kann man ein gewisses Maß an Berechnung verbunden mit vorgetäuschter Empörung für möglich halten. Muss man natürlich nicht. Da ich die Inszenierung nicht gesehen habe, kann ich nicht beurteilen, ob das bei Kosky gelungen ist. Nach dem Offenbach-Orpheus in Salzburg und der Agrippina in München kann ich mir allerdings nur schwer vorstellen, dass diese Kosky-Inszenierung völlig missglückt sein kann.

13. Dezember 2021
21:53
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alcindo
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Forumsbeiträge: 837
Mitglied seit:
21. Januar 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

hab ich leider nie live erlebt, er sang es nur kurze zeit in Wien

13. Dezember 2021
20:59
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schusterklareh
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Forumsbeiträge: 70
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3. August 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Hallo, Alcindo, was halten Sie eigentlich von Confused Ghiaurov als Don?

13. Dezember 2021
13:44
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alcindo
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Forumsbeiträge: 837
Mitglied seit:
21. Januar 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

wie gesagt, dfie dunkel lackierten fingernaegel passen genau zur aethetik von Kosky, auch sonst spielt der Leporello manchmal etwas tuntig.....von wegen Zerlina: die hat in dieser inszenierung absolut nichts dagegen, sie provoziert eher, deshalb sind die hilferufe verwunderlich...da ponte und Mozart haben sich da wohl geirrt...oder irrt Kosky?

13. Dezember 2021
13:17
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Chenier
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Forumsbeiträge: 642
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28. Februar 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Auch Kleinvieh macht Mist, alcindo, und die Summe der Kleinigkeiten führt in Summe zu großen Verzerrungen. Aber Sie haben schon recht, es geht um das übergeordnete Ganze und holistisch ist diese Inszenierung ein Schmarren, doch komparativ durchaus erträglich. Die szenischen Erwartungen des Publikums nehmen offensichtlich in dem Ausmaß ab, wie die Perversitäten auf der Bühne zunehmen. Gewohnheitseffekt könnte man zu dem sinkenden Anspruchsniveau auch sagen oder Bevorzugung des kleineren Übels.

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