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Der österreichische Kulturbetrieb in deutscher Hand | OnlineMerker | Forum

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Der österreichische Kulturbetrieb in deutscher Hand
26. Mai 2022
8:43
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ac
Administrator
Forumsbeiträge: 138
Mitglied seit:
16. Januar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Der Moderator hat mir vorgestern mitgeteilt, dass er nun endgültig genug hat.

Ich respektiere seinen Wunsch und bin auf der Suche nach seinem Nachfolger. Das könnte in diesem Fall sogar eine Juristin sein, der Oper "so etwas von wurscht ist" und die nicht die Absicht hat, über Löschungen zu diskutieren. Vielleicht ist das die letzte Rettung des Forums!

A.C.

25. Mai 2022
21:15
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 77
Mitglied seit:
31. Januar 2022
sp_UserOfflineSmall Offline

Toscanini sagt

Wenn Sie meine Ausführungen als "dumpfe Ahnung" abkanzeln und mir "versteckten Hass auf Deutsche" andichten zu müssen glauben, können Sie das ab jetzt alleine weiter tun. Ich kommunizieren grundsätzlich nicht mit Leuten, die bei sachlichen Diskussionen sofort auf die persönliche Ebene umsteigen. Ein solches Niveau und ein solches Milieu interessieren mich nicht. Der Dialog ist hiermit beendet.

Schade. Wäre, weil Ihnen vom User Ramon sehr differenziert und aufwendig geantwortet wurde, eine interessante Diskussion geworden, aber Sie haben sich unelegant aus der Debatte zurückgezogen.

25. Mai 2022
19:30
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Toscanini
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Forumsbeiträge: 113
Mitglied seit:
9. Dezember 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Ramon sagt
Sehr geehrter Toscanini,

Der Rest ist dumpfe Ahnung, haltloses Meinen und Hörensagen.
"Sie missbrauchen das Thema der Notsituation von Menschen, um Ihren dahinter versteckten Hass auf Deutsche als berechtigte Sozialkritik zu maskieren"?

 

Wenn Sie meine Ausführungen als "dumpfe Ahnung" abkanzeln und mir "versteckten Hass auf Deutsche" andichten zu müssen glauben, können Sie das ab jetzt alleine weiter tun. Ich kommunizieren grundsätzlich nicht mit Leuten, die bei sachlichen Diskussionen sofort auf die persönliche Ebene umsteigen. Ein solches Niveau und ein solches Milieu interessieren mich nicht. Der Dialog ist hiermit beendet.

25. Mai 2022
18:51
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Ramon
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Forumsbeiträge: 22
Mitglied seit:
28. September 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Sehr geehrter Toscanini,

Die Zahl der "leitenden Stellen" ist nicht gering. Sie beginnt bei den Intendanten, geht weiter über Dramaturgie, Technik, Bühnenbild, Licht, Kostüm, Ballett/Choreografie bis hin zu den jeweiligen Büros und teils fixen, teils temporären Stäben von Mitarbeitern.

Dass die überwiegende Zahl der Direktionen (zumindest in Wien) nicht in deutscher Hand liegt, habe ich bereits gezeigt. Wie die Situation bei den hierarchisch unmittelbar darunter liegenden Positionen aussieht, weiß ich nicht und ich gehe davon aus, dass auch Sie über keine fundierten Zahlen betreffend der dort vorherrschenden Nationalitäten verfügen. Auch nicht, ob gegebenenfalls jeweils ein(e) besser qualifizierte(r) österreichische(r) Kandidat(in) nicht zum Zug kam; oder nicht eine gleiche Anzahl an Österreichern vergleichbare Positionen im Ausland bekleiden. Der Rest ist dumpfe Ahnung, haltloses Meinen und Hörensagen.

Ein "internationaler Vergleich" wäre natürlich sehr gut, ebenso wie der Blick "über den Tellerrand der eigenen Staatsgrenze". Aber hier geht es praktisch immer nur um Leute aus Deutschland und die von Kiel bis Passau dominierende Theaterästhetik, die seit etlichen Jahren auf Österreich ausgeweitet wurde.

Fürs Sprechtheater besitzt die Muttersprache keine ganz nebensächliche Bedeutung, darum ist der Kreis der Anwärter für entsprechende Posten eben leider (vielleicht unberechtigterweise) auf nur wenige Länder begrenzt. Aber ja, mehr Schweizer(innen) und Südtiroler(innen) bitte. Ansonsten siehe oben.

Beim Musiktheater haben wir jetzt neben einem Österreicher immerhin eine Niederländerin und einen Norweger in den leitenden Positionen. Für die Erkundung anderssprachiger Aufführungsformen dürfen wir uns über ein großartiges Festival wie die Wiener Festwochen freuen.

Ich weiß wirklich nicht, was daran so lustig sein soll, über Arbeitslose oder/und deren staatliche Betreuung billige Witze zu machen.

Ich empfinde Ihre Unterstellung, mein Kenntlichmachung Ihrer absurden Themenverquickung für ebensolches wäre ein billiger Witz auf Kosten in Not geratener Menschen, als untergriffig. Es geht auch andersherum. Wie wäre es zum Beispiel damit: "Sie missbrauchen das Thema der Notsituation von Menschen, um Ihren dahinter versteckten Hass auf Deutsche als berechtigte Sozialkritik zu maskieren"?

Es gibt kein Theater, dass "besser als sein Ruf" ist, denn - alter Theatergrundsatz - das Publikum hat immer Recht. Ein sich leerendes Theater ist Theater mit mangelnder Akzeptanz, aus welchem Grund auch immer.

Das scheint mir eine arg verkürzte Sichtweise. Es wäre immerhin denkbar - und das trifft für den Falle des Volkstheaters meines Erachtens nach zu - dass das konstante Schlechtreden des Theaters, d.h. dessen medial vermittelt schlechter Ruf (zusammen mit anderen Gründen wie des großen Konkurrenzangebotes in Wien) Menschen vom Besuche abhielt bzw. ihnen ein für den Nichtbesuch mitentscheidender Faktor war, die die Aufführungen eigener Anschauung nach eventuell für gut befunden hätten. Ich selbst gehöre dazu; aus Gründen, die nichts mit einem Urteil über die dortige künstlerische Qualität zu tun haben, war ich während Badoras Zeit nur ein einziges Mal im Volkstheater (schon unter Schottenberg sehr selten) und was ich damals zu sehen bekam, war sehr gut. Über die künstlerische Qualität von Voges Intentanz lässt sich sowieso angesichts der außergewöhnlichen Umstände auch über die Analyse seiner Auslastungszahlen jetzt noch nichts gültiges sagen. Soviel Vorschussvertrauen darf ruhig sein.

Im übrigen weigere ich mich, Auslastungs- und Verkaufszahlen für ein bei Beurteilung künstlerischer Leistungen entscheidendes oder auch nur relevantes Kriterium zu akzeptieren.

Es gibt unterschiedliche lokale und regionale und nationale Geschmäcker, Eigenheiten, Moden, Mentalitäten usw.

Ich bestreite nicht, dass es solche gibt, nur, dass sie eine Naturgröße darstellen, sondern oft sehr kurzfristigen Veränderungen, Adaptierungen und Imitierungen unterliegen.

Und offen gesagt: Falls jemand glaubt, in Deutschland oder bei Deutschen gäbe es keine "Freunderlwirtschaft", dann wünsche ich noch eine gute Nacht und weiter schöne Träume! Nur in Österreich glaubt man, das sei eine österreichische Spezialität", aber in diesem Land liebt man es, über sich selbst zu schimpfen, solange man nicht ahnt, dass es anderswo durchaus ähnlich läuft.

Ehrlich gesagt, ich weiß auch nicht, ob es in Österreich so läuft. Tendenziell wird jedoch jede missliebige Bestellung durch Verweis auf das Naheverhältnis der bestellten Person zu einer Partei, einer Landeshauptperson, etc. diskreditiert. Ein kleines Land wie Österreich, in dem gefühlt jeder jeden kennt und jeder schon mal mit jedem zusammengearbeitet hat oder auf dem selben Fest war, scheint mir auch anfälliger für derlei. Das ist jedenfalls nicht mein Punkt. Ich stelle lediglich in den Raum, dass der Rückgriff auf auswärtige Kandidaten ein probates Mittel zur Prävention mindesten einer schiefen Optik, eventuell sogar gewisser Kompetenzüberschreitungen sein kann.

 

Mich stört an dieser Diskussion der latent chauvinistische Unterton. Wir erfahren gerade, dass die ehemals für selbstverständlich genommenen Errungenschaften friedlichen internationalen Zusammenlebens und gegenseitiger Sympathien wieder zu bröckeln beginnen. Wenn in dieser Situation ein eine andere Nation weitgehend unsachlich abwertendes Thema wie dieses hier auftaucht, werde ich hellhörig.

Über Sachfragen wie Grillparzer- und Nestroyabholde Spielpläne können wir hingegen gerne diskutieren.

25. Mai 2022
17:31
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Chenier
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28. Februar 2021
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Klar, die Musik verbindet und ist eine global homogene Sprache, aber Operndirektoren singen selten und nur in Ausnahmefällen, während in den Meetings meist gesprochen wird und native Speakers gewisse Vorteile haben, bei aller Sprachkenntnis.

25. Mai 2022
16:38
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Lohengrin2
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Forumsbeiträge: 1046
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20. Januar 2021
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In der internationalen Opern- und Konzert-Welt sprechen ALLE mehrere Sprachen, da spielt die Herkunft eine untergeordnete Rolle. Beim Sprechtheater ist das natürlich schwerwiegender......

25. Mai 2022
16:07
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Chenier
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Forumsbeiträge: 637
Mitglied seit:
28. Februar 2021
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Es ist ja völlig logisch, dass zwischen Österreich, Deutschland und auch der Schweiz  aufgrund der trennenden Sprache, die letztlich verbindet, selbst im Kulturbereich gewisse Affinitäten bestehen. Italiener, Spanier, Engländer oder Franzosen tun sich da schwerer, wobei ja zuletzt auch über Meyer als WSO-CEO heftig gemeckert wurde, was aber nicht unbedingt kongruent mit Franzosen-Bashing sein muss. Eben, diese Problemzone, die eigentlich keine ist, kann man ausblenden.

25. Mai 2022
15:50
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Lohengrin2
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Forumsbeiträge: 1046
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20. Januar 2021
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Die Opernwelt ist international, ebenso das Konzertleben. Es sollen immer die Besten engagiert werden! Herkunft und Nationalitär ist weitrangig.

Wie lange muss man in Ö sein, um als ÖsterreicherIn zu gelten? Zubin mehta hat seine musikalische Prägung in Wien erhalten, ist er "Österreicher" im diskutierte Sinn? Gustav Mahler ist keineswegs im Österreich der heutigen Ausdehnung geboren, damals wars Österreich... Mozart ist ausserhalb Österreichs im Sinne des seinerzeitigen Staatsgebietes auf die Welt gekommen.....
Wie engstirnig sind solche Überlegungen!

Ein in Österreich ausgebildeter russischer Jude leitet die Berliner Philharmoniker. Wenn man dort so kleinlich denken würde, hätte der Berliner Thielemann (nach dem Briten Rattle !) übernehmen müssen....

usw.

25. Mai 2022
15:27
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Toscanini
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Forumsbeiträge: 113
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9. Dezember 2021
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Ramon sagt
Sehr geehrter Toscanini,

Das Argument mit den steuerzahlerfinanzierten Arbeitsplätzen ist gerade im Kulturbereich weitgehend absurd. Erstens sprechen wir hier von einer sehr geringen Zahl an leitenden Stellen h künftig auch woanders umsehen.

  

Lieber Ramon, das ist leider falsch. Die Zahl der "leitenden Stellen" ist nicht gering. Sie beginnt bei den Intendanten, geht weiter über Dramaturgie, Technik, Bühnenbild, Licht, Kostüm, Ballett/Choreografie bis hin zu den jeweiligen Büros und teils fixen, teils temporären Stäben von Mitarbeitern. Dazu kommen Praktikanten. Nicht wenige hier tätige Leute sitzen in Kommissionen, die über Berufungen neuer Intendanten entscheiden, da wählen sie dann wieder Leute, die sie gut kennen, damit sie bei anderen Gelegenheiten von diesen Gefälligkeiten bekommen usw. Letzteres ist auch der Grund für die jüngsten Theaterbestellungen in Wien. Österreicher haben da immer weniger zu melden, und zumeist fachlich ahnungslose Politiker nicken immer das ab, was (deutsche) Experten ihnen vorfabulieren.

Ramon sagt
entscheidende Stellen mit den auch im internationale Vergleich bestgeeigneten Personen zu besetzen, nicht bloß jenen, die über den richtigen Reisepass oder ein genehmes Geburtsland verfügen. Von dem fürs Publikum künstlerischen Mehrwert, den es bringt, mit über den Tellerrand der eigenen Staatsgrenze hinausblickenden Perspektiven konfrontiert zu sein, ganz zu schweigen.

Ein "internationaler Vergleich" wäre natürlich sehr gut, ebenso wie der Blick "über den Tellerrand der eigenen Staatsgrenze". Aber hier geht es praktisch immer nur um Leute aus Deutschland und die von Kiel bis Passau dominierende Theaterästhetik, die seit etlichen Jahren auf Österreich ausgeweitet wurde, weil Österreich gut zahlt und die einschlägigen Stellen in Deutschland knapper wurden. Also: gerne internationaler, aber schlichter Import deutscher Hausmannskost nach Österreich ist für mich nicht "international", sondern provinziell. Ansonsten müssten ja auch die Theater in London, Paris, Prag, Budapest, Kopenhagen, Brüssel, New York, Madrid, Stockholm, Mailand usw. alle mit deutschen Intendanten und Regisseuren prall gefüllt sein, weil das doch die "bestgeeigneten" sind ... was sie eben dann doch nicht sind, wie die Praxis zeigt.

Ramon sagt
Aber gut, Sie können dem Besetzungsbüro der Wiener Staatsoper ja vorschlagen, sie mögen ihre Arbeit künftig ans AMS auslagern.

  

Ich weiß wirklich nicht, was daran so lustig sein soll, über Arbeitslose oder/und deren staatliche Betreuung billige Witze zu machen. Leute, die Arbeit suchen und Familie haben, die nicht einfach so von Österreich nach Deutschland auswandern können, finden das wohl auch nicht besonders amüsant. Von freiberuflich tätigen Menschen ganz zu schweigen. Gerade stellt die Inflation ein immer stärkeres soziales und immer mehr auch existentielles Problem dar. Mit etwas Empathie schafft man es zu akzeptieren, dass es Leute gibt, die nicht so oder gar nicht abgesichert sind, die noch arbeiten und verdienen müssen und nicht irgendwo mit einer üppigen Pension sitzen, die Familie haben und Versorgungspflichten, die an Österreich als Wohnsitz und Arbeitsplatz mehr oder minder gebunden sind.

Ramon sagt

Das Beispiel Volkstheater ist ein sehr unglücklich gewähltes; auch unter Badora war das Theater besser als sein Ruf. Die insgesamt schwierige Situation des Volkstheaters (Renovierung, Konkurrenzsituation in Wien) an einzelnen Person festzumachen greift meines Erachtens viel zu kurz.  Voges übernahm dann ein marodes Haus zu einer für Theaterbetriebe insgesamt sehr ungünstigen Zeit. Ihm jetzt schon irgendeinen Vorwurf zu machen ist perfide und zeugt mehr von unbedingtem Willen, hier jemanden scheitern sehen zu wollen als von sachlichem Urteil.

Es gibt kein Theater, dass "besser als sein Ruf" ist, denn - alter Theatergrundsatz - das Publikum hat immer Recht. Der alte Theaterfuchs Peymann hat sich täglich Besucherzahlen und die Applauslänge durchgeben lassen. Ein sich leerendes Theater ist Theater mit mangelnder Akzeptanz, aus welchem Grund auch immer. Voges wurde  von niemandem gezwungen, das Volkstheater zu übernehmen. Er ist für dieses Haus verantwortlich, vom ersten bis zum letzten Tag. Er hat sich übrigens nicht für das VT beworben, sondern wurde von der Wiener Kulturstadträtin eingeladen und dann bestellt. Jene, die sich tatsächlich die Mühe einer Bewerbungen samt eingereichten Konzepten gemacht hatten, gingen alle leer aus (soviel zum Thema "perfide").

Ramon sagt
Bleibt das Argument mit der Kenntnis und dem Eingehen auf lokale Besonderheiten, die von auswärtig Engagierten angeblich nicht zu leisten ist.

  

Es gibt unterschiedliche lokale und regionale und nationale Geschmäcker, Eigenheiten, Moden, Mentalitäten usw. Das zu bestreiten, zeugt nicht von "Internationalität", sondern von Ahnungslosigkeit. Alle Versuche, das zu ändern oder zu ignorieren, waren mit Scheitern verbunden. Und, offen gesagt: Wenn ich mich in Italien aufhalte, bin ich hinsichtlich Kunst, Gastronomie, Kleidung, Gebräuchen, Humor usw. an Italienern und Italienischem interessiert, nicht an Deutschem oder Englischem oder Österreichischem. Und selbst dieses "Italienische" ist noch viel zu grob, weil Mailand anders ist als Florenz oder Palermo.

Ramon sagt
Und noch ein letztes: die Besetzung von Stellen mit heimischem Personal birgt einerseits immer die Gefahr der Freunderlwirtschaft, andererseits einer - nennen wir es österreichische Schlampigkeit in Auslegung der eigenen Befugnisse und Pflichten. Wir hatten in Wien in jüngster Zeit mit Noever, Husslein und Matt drei, vorsichtig ausgedrückt, wenig ruhmreich aus dem Amt geschiedene österreichische Museumsdirektoren (was auch immer an den jeweiligen Vorwürfen rechtlich drangewesen sein mag). Da kann man es den bei Postenbesetzungen Verantwortlichen nicht verargen, wenn sie sich künftig auch woanders umsehen.

    

Noever, Husslein, Matt waren - überhaupt nicht vorsichtig gesagt - drei absolut exzellente Museumsleiter, die alle ihre Spuren in Wien hinterlassen und viel Positives bewirkt haben. Über Menschliches will ich mich hier nicht äußern, da sind Fehler oder Irrtümer sicher keine Spezialität dieser drei Personen oder gar der Österreicher an sich. Und offen gesagt: Falls jemand glaubt, in Deutschland oder bei Deutschen gäbe es keine "Freunderlwirtschaft", dann wünsche ich noch eine gute Nacht und weiter schöne Träume! Nur in Österreich glaubt man, das sei eine österreichische Spezialität", aber in diesem Land liebt man es, über sich selbst zu schimpfen, solange man nicht ahnt, dass es anderswo durchaus ähnlich läuft. Viel Spaß beim Erleben der Realität im deutschen Kulturbetrieb, aber auch in Frankreich oder Italien läuft das so. Nur die angelsächsische Welt möchte ich ausklammern, weil hier auch Sponsoren und Mäzene sowie grundsätzlich private Geldgeber mit ihrem Geschmack teils heftig mitreden.

25. Mai 2022
13:51
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Lohengrin2
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20. Januar 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Empfehle der Frau Christine, diese in Wien vermisste Stimmung in Reichenau und auf dem Semmring zu geniessen....

25. Mai 2022
13:41
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Christine
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Forumsbeiträge: 510
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22. Januar 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Es gibt heute im Kurier einige Leserbriefe zum Artikel von Thomas Trenkler, die sich seiner Meinung anschließen. Dass es bei österreichischen Direktoren zu einer Freunderlwirtschaft käme, wie Sie, Ramon, vermuten, ist typisches Österreich Bashing. Ich weiß nicht, wie viel Freunderlwirtschaft es z.B. in der Ära Karajan oder Seefehlner in der Staatsoper gegeben hat und ob diese negative Auswirkungen auf den Spielplan und die Zuschauerzahlen hatten. Und ob es bei Direktoren aus dem Ausland diese Netzwerke nicht gibt. Beim Theater kommt noch die Bedeutung der deutschen Sprache dazu und die weitgehende Vernachlässigung österreichischer Autoren wie Grillparzer, Nestroy, Raimund, Bahr usw. Von Schnitzler wird in Wien immer wieder "Das weite Land" gespielt und von Mal zu Mal kommt weniger wienerische Stimmung der Jahrhundertwende auf.

25. Mai 2022
13:30
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MRadema796
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Forumsbeiträge: 416
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20. Januar 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Chenier sagt
Was ist unter einem "massenkompatibleren Programm" zu verstehen? Das, was der Mehrheit gefällt?

Gut Frage. Was soll denn das Ziel sein, das durch Entlassen Deutscher und Ernennung Österreichischer Theaterleiter erreicht wird? Ich werde aus den bisherigen Ausführungen nicht schlau. Österreichische Schauspieler können womöglich auch "Schreien und Kreischen", Deutsche Theaterleiter womöglich auch Schauspieler engagieren, die nicht "Schreien und Kreischen".

25. Mai 2022
9:56
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Lohengrin2
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Forumsbeiträge: 1046
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20. Januar 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Danke !!!

25. Mai 2022
9:23
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Ramon
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Forumsbeiträge: 22
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28. September 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Sehr geehrter Toscanini,

Das Argument mit den steuerzahlerfinanzierten Arbeitsplätzen ist gerade im Kulturbereich weitgehend absurd. Erstens sprechen wir hier von einer sehr geringen Zahl an leitenden Stellen (mit entsprechend geringem Einfluss auf die Arbeitslosenquote und jeweils nur einem sehr kleinen Kreis an qualifizierten Bewerbern) und zweitens sollte es sich eine selbsterklärte Kulturnation wie Österreich (die noch dazu von der internationalen Strahlkraft ihrer Kulturinstitutionen profitieren möchte) angelegen sein lassen, entscheidende Stellen mit den auch im internationale Vergleich bestgeeigneten Personen zu besetzen, nicht bloß jenen, die über den richtigen Reisepass oder ein genehmes Geburtsland verfügen. Von dem fürs Publikum künstlerischen Mehrwert, den es bringt, mit über den Tellerrand der eigenen Staatsgrenze hinausblickenden Perspektiven konfrontiert zu sein, ganz zu schweigen.

Aber gut, Sie können dem Besetzungsbüro der Wiener Staatsoper ja vorschlagen, sie mögen ihre Arbeit künftig ans AMS auslagern.

Das Beispiel Volkstheater ist ein sehr unglücklich gewähltes; auch unter Badora war das Theater besser als sein Ruf. Die insgesamt schwierige Situation des Volkstheaters (Renovierung, Konkurrenzsituation in Wien) an einzelnen Person festzumachen greift meines Erachtens viel zu kurz.  Voges übernahm dann ein marodes Haus zu einer für Theaterbetriebe insgesamt sehr ungünstigen Zeit. Ihm jetzt schon irgendeinen Vorwurf zu machen ist perfide und zeugt mehr von unbedingtem Willen, hier jemanden scheitern sehen zu wollen als von sachlichem Urteil.

Bleibt das Argument mit der Kenntnis und dem Eingehen auf lokale Besonderheiten, die von auswärtig Engagierten angeblich nicht zu leisten ist. Hier haben wir es mit einem Henne und Ei Problem zu tun, denn natürlich gibt es keine absoluten autochthonen und unveränderlichen Voraussetzungen (die es gar noch zu pflegen und bewahren gälte) sondern solche entstehen immer erst in Wechselwirkung mit einem Angebot. Ich könnte eine Kritik gelten lassen, die ein gewisses pflegenswertes lokales Repertoire (Nestroy, Raimund, Grillparzer etc. um nur die naheliegensten zu nennen) vernachlässigt sieht; solche Programmierung lässt sich aber mitnichten so ohne weiters an der Nation der entscheidenden Personen festmachen

Und noch ein letztes: die Besetzung von Stellen mit heimischem Personal birgt einerseits immer die Gefahr der Freunderlwirtschaft, andererseits einer - nennen wir es österreichische Schlampigkeit in Auslegung der eigenen Befugnisse und Pflichten. Wir hatten in Wien in jüngster Zeit mit Noever, Husslein und Matt drei, vorsichtig ausgedrückt, wenig ruhmreich aus dem Amt geschiedene österreichische Museumsdirektoren (was auch immer an den jeweiligen Vorwürfen rechtlich drangewesen sein mag). Da kann man es den bei Postenbesetzungen Verantwortlichen nicht verargen, wenn sie sich künftig auch woanders umsehen.

25. Mai 2022
9:00
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Chenier
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Forumsbeiträge: 637
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28. Februar 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Was ist unter einem "massenkompatibleren Programm" zu verstehen? Das, was der Mehrheit gefällt? Das wäre dann wenigsten ein demokratieaffiner Abstimmungsprozess für das, was die Mehrheit möchte. Die Antithese dazu: Das "minderheitskompatible Programm", das die Majorität ablehnt. So einfach ist das.

25. Mai 2022
8:16
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MRadema796
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Forumsbeiträge: 416
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20. Januar 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Macht denn der österreichische Theaerleiter Martin Kusej das, was der Kurier sich von den Österreichern erhofft? Hier im Forum ist ja zumindest seine Tosca bei den meisten nicht gut ankommen. Da fallen mir doch tatsächlich mehrere Deutsche Theaterleiter ein, die ein massenkompatibleres Programm machen. Vielleicht sollte man sich die Bewerber mal unabhängig von ihrer Nationalität genauer anschauen.

24. Mai 2022
23:42
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Dalmont
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Forumsbeiträge: 309
Mitglied seit:
22. Januar 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Es wäre schön, könnte man erfahren, wen die p.t. Diskutant/innen als Österreicher akzeptieren möchten.

Geht Dr. Roščić, der mit zehn nach OÖ kam, schon als solcher durch? Bin ich einer, der mit fünf Jahren entsalvangisiert und zum (Ober)Österreicher (mit slawischenen Namen) gemacht wurde und mich als österreichischer Staatsbürger verstehe.

Ich beutel mich nicht, wenn ich das Metropolitan Museum of Art in New York besuche und entdecke, dass dort Max Hollein Direktor ist und kein WASP.

Wo gehört der in La Spezia geborene Markus Hinterhäuser hin, dessen Vater (einer meiner Lehrer an der Wiener Universität) ein Franke und kein Österreicher war?

Wer nach 1954 war Österreicher als Direktor am Burgtheater, seit 1982 war die Staatsoper bis auf drei Jahre nicht in "österreichischer" Hand.

Ist bei Kay Voges nicht interessanter, was er in die Wege leitet, als dass er aus Nordrhein-Westfalen kommt? Wer, der sich über ihn aufregt, war schon in letzter Zeit im Volkstheater. 

Worauf soll sich das Musiktheater Linz beziehen, wenn es der Forderung nach regionaler Bezugnahme jenes Foranten, der den Namen des emilianischen Dirigenten angenommen hat, folgen will? Nur Wilhelm Kienzl spielen, der in Waizenkirchen auf die Welt gekommen ist?

Was für absurde Diskussionen (assurdissmi passte besser) hier im Forum immer wieder angezettelt werden. 

24. Mai 2022
23:27
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alcindo
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Forumsbeiträge: 816
Mitglied seit:
21. Januar 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

kann mich bei Toscanini anschliessen und gratulieren

24. Mai 2022
20:32
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Toni
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Forumsbeiträge: 71
Mitglied seit:
11. März 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen Toscanini, DANKE!

24. Mai 2022
18:50
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Lohengrin2
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Forumsbeiträge: 1046
Mitglied seit:
20. Januar 2021
sp_UserOfflineSmall Offline

Es würde ja auch niemand auf die Idee kommen, in Barcelona, Brüssel, Rom oder Paris eine Currywurstbude wie in Berlin zu errichten - denn man würde ihm sagen, dass es bereits lokale Spezialitäten gibt, die noch dazu deutlich wohlschmeckender sind .

Pizzerien haben wir genug, Dönerbuden auch, die müssen wohl jetzt zugesperrt werden..........

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