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Cosi fan tutte in Salzburg | OnlineMerker | Forum

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Cosi fan tutte in Salzburg
12. August 2020
18:25
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Lohengrin2
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28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Zu Anfang wurde genau das behauptet: erste Frau am Pult. Mit der Zeit und heftiger Kritik und entsprechenden Beweisen wurde differenzirter formuliert.....

12. August 2020
18:18
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2020Loldi
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Mitglied seit:
25. Februar 2020
sp_UserOfflineSmall Offline

zu 20) Eduard Paul

 

Es geht nicht um die erste Frau am Pult in Salzburg, sondern um die erste, die eine Premiere dirigieren  "durfte". Sehr bemerkenswert, nach 99 Jahren. Jedensfalls war es eine Freude, ihr zuzusehen, soweit das möglich war. Das Hören kann ich nicht so gut beurteilen.

Ich finde, alle drei Referenzvorstellungen  ( Jedermann, Cosi, Elektra ) waren  linear bis trübsinnig , zumindest auf dem Bildschirm, so wollten es die Gründerväter sicher nicht . Wenn ich allein an den Tanz von Frau Stemme an der METals Elektra denke..

12. August 2020
16:06
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michael koling
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Mitglied seit:
17. Juni 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

@Pwolf

Das ist jetzt natürlich SEHR subjektiv; aber Herr Currentzis ist für mich wahrlich kein Maßstab - und schon gar nicht für Mozart. Maßstäbe sind für mich Krips oder Böhm oder (in der nicht so langen Vergangenheit) Harnoncourt. Ich gebe schon zu, meine Vorstellungen, wie Mozart klingen soll, sind vor allem durch diese drei Herren geprägt worden und auch durch die SängerInnen, die ihnen zur Verfügung gestanden sind. Die meisten (also nahezu alle mit Ausnahme von Schwarzkopf) habe ich ja auch auf der Bühne erlebt. 

Diese "Cosi" war, soweit das in den Übertragungen hörbar war, anständig. Nicht weniger, und schon gar nicht mehr. War sie auch festspielwürdig ? Darüber kann, darf und soll durchaus engagiert diskutiert werden. Ich hätte mir einen anderen Ferrando vorstellen können (zB. Mauro Peter), ich hätte mir auch einen anderen Alfonso vorstellen können und auch bei den Damen bin ich nicht überzeugt, dass es auch innerhalb der Reisebeschränkungen die eine oder andere Alternative gegeben hätte. Dass es manchmal nicht traditionell mozartisch klang, ist aber nach meinem Empfinden nicht den SängerInnen und auch nur bedingt der Dirigentin anzurechnen, sondern ist primär ein Resultat der Regie.    

11. August 2020
16:37
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Pwolf
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Natürlich kann man diese Aufführung nicht vergleichen mit Böhm, Janowitz, Fassbaender, Grist, Schreier, Prey, Dieskau/Panerai meinen persönlichen Bestaufführungen von Cosi fan tutte (nicht nur in Salzburg).

Das lag nach meinem Eindruck vom Arte-Stream vor allem an dem doch eher hausbackenen Sängerensemble, die zwar ganz ordentlich sangen aber halt nicht mehr.

Das Dirigat kann ich nicht wirklich beurteilen, nur das Resultat desselben. Die Tempi waren großteils durchaus in Ordnung, aber seit einiger Zeit wird Mozart teilweise wieder wesentlich romantischer dirigiert, als dies vor einigen Jahren noch denkbar war. Offensichtlich gehört Frau Mallwitz auch zu dieser Fraktion, die Mozart "gefühlsbetonter" interpretieren. Das führt dann zu den zahlreichen Temporückungen, Ritardandi und endlosen Fermaten. Ich habe mich noch nicht wirklich daran gewöhnt. Handwerkstechnisch dürfte das Dirigat aber sehr gut gewesen sein, denn Orchester, Solisten und Chor haben wirklich perfekt zusammengespielt, obwohl dies durch die oftmaligen Tempoänderungen nicht leichter wurde.

Ich habe diese Tempoänderungen auch im letzten Herbst bei den Mozartopern im Konzerthaus unter Currentzis festgestellt und für mich pesönlich waren die Zerdehungen der besonders affektgeladenen Phrasen/Übergänge etc. einfach zu lang, sodass die Spannung für mich verlorengeht.

Diese extrem zurückgenommenen Tempi können - wenn überhaupt - nur funktionieren, wenn auf der Bühne Ausnahmesänger(innen) stehen, die auf eine endlose Fermate eine Phrase folgen lassen (können), die einem ob ihrer Schönheit einfach den Atem raubt. Die haben in Salzburg jedenfalls gefehlt.

Was mich aber unlängst wieder staunen ließ ist, wie sehr auch Harnoncourt bei seinen letzten Mozartdirigaten tlw. Tempi für einzelne Phrasen zurückgenommen hat, was in früheren Zeiten nie der Fall war. Ist mir nur jetzt im nachhinein aufgefallen, damals habe ich es nicht beachtet.

10. August 2020
17:09
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alcindo
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Forumsbeiträge: 553
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27. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

also,ich kann mich der kritik von Hrn Prochaska so ziemlich anschliessen. auf dem originalplakat der Cosi kann man lesen:  Cosi fan tutte ossia la sc.., so machen..., die schule der... und darunter "KOMISCHES SINGSPIEL" in zwei aufzuegen...die musik ist von Wolfgang Mozart-----vom komischen singspiel war hier nichts uebrig geblieben. mich stoeren auch die farben, hauptsaechlich schmutzigweiss, schwarz und grau...die musik klingt mir anders;  Despina verkleidet sich, warum tun die liebhaber das nicht??? auch das viele gerenne und auf den boden werfen geht auf die nerven und hat mit "komisch" wenig zu tun. es fehlen nur noch tablets und rauchen wie in der Elektra. zu den saengern, da ist eduard paul relativ mild, die F singt oft "dick" und immer wieder unter dem ton, D hat eine schoene stimme, nur das schnelle vibrato, das ihr eigen ist wird manchmal zum klirrfaktor, fuer Mozartgesang nicht das ideale, F hat eine gut ausgebildete tenorstimme, singt sehr intonationsrein aber sein timbre ist im grunde sehr 2.klassig G hat mir stimmlich sehr gut gefallen, nur warum hat er fast immer die haende in den hosentaschen? D und DA auch nicht wirklich umwerfend. an so viele auffuehrungen zt auch im repertoire mit stimmen wie Schwarzkopf, Gueden, Della Casa, Popp, Ludwig, Fassbaender, Nafe, Wunderlich, Dermota, Winbergh, Schreier, Berry, Prey....usw soll man besser nicht zurueck denken. und das eine jahrhundertauffuehrung??

wikipedia zeigt fuer cosi fan tutte das originalplakat

10. August 2020
16:28
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Lohengrin2
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Forumsbeiträge: 1130
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28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Freuen wir uns über den Erfolg, vermeiden wir aber ungerechtfertigte Verzückungen, sonst verliert auch ein Festival, wie es Salzburg hat, an Glaubwürdigkeit

Bitte "hatte" sagen!!!

 

Jugendbonus: Schuen braucht den nicht, ist allerdings auch schon 36; in der Rolle hat er unter Harnoncourt 2014 debutiert.....

10. August 2020
15:55
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Eduard Paul
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Forumsbeiträge: 29
Mitglied seit:
21. März 2020
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Mein Eindruck vom "Hauspatschenkino" (2 x)

ganz so streng kritisiere ich nicht wie Herr Prochazka, fand aber auch viel, viel nicht festspielwürdig.Besonders die 3 Damen wiesen Mängel auf ( keine bruchlosen Stimmregister(F), "zittriges" Vibrato,(D) unschönes, scharfes Timbrer(Dp) - bei den Herren war es besser.....Versöhnlich war, daß die Besetzung "in sich" stimmte und man, außer bei Alfonso,bei strengerer Kritik ,den Bonus eines Jugendkredites einräumen konnte. Ob das aber für die "weltbesten Festspiele" genügt ? Lauf Medien handelt es sich ja um eine "Jahrhundertproduktion"

 Nicht ganz nachvollziehen kann ich, warum man die Dame am Pult ( im übrigen NICHT die erste Dirigentin in Salzburg die Oper dirigiert, wie es ununterbrochen heißt) als DIE Entdeckung preist. Zugegeben Lockerheit ( "swinging style"), vertretbare Tempi und sichtlich  eine Freude am Musizieren waren vorhanden...aber das war's auch. Wo blieben die Ecken und Kanten ? Cosi ist keine seichte Verwechslungskomödie, sondern teilweise ein tiefsinniges Wechselspiel der Gefühle mit erahnbaren bösen Folgen..das alles ist ja in der Musik hörbar...und gibt allen Charaktären eine weitere Dimension..Die Einstudierungen der Rezitative sind der Prüfstein, vor allem die der Accompagnati und die waren flach und eindimensional. Was spielt sich nicht da alles ab bei der 2.Arie der Fiordiligi("Ei parti, ...senti! ...Ah no....Per pieta ben mio....).??.man höre sich da einmal die Einstudierungen eines Karl Böhm's an: auch kein Südländer, sondern ein grantelnder Grazer.......was sich aber da abspielt ( klar: er hatte eine Schwanzkopf zur Hand)-warum ist diese künstlerisch-dramaturgische Ensthaftigkeit verloren gegangen und wird ersetzt durch Herumrasen (action) aber nicht durch musikdramatische Intensität..?.bei Mozart unabdingbar.Sicher schwierig für eine noch so junge, charismatische Dame die nötige Autorität und den dafür verlangten Respekt der gesamten Kollegschaft ( inkl., Orchester) zu erhalten.....Ein Faktum, das mit fortlaufendem Alter besser wird.

Freuen wir uns über den Erfolg, vermeiden wir aber ungerechtfertigte Verzückungen, sonst verliert auch ein Festival, wie es Salzburg hat, an Glaubwürdigkeit

9. August 2020
9:55
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MRadema796
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22. Mai 2020
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Lohengrin2 sagt
Wieviele schauen sich schon solche Gespräche an?
  

Das verdichtete Transkript können Sie hier lesen (sicher in deutlich weniger als 60 min):

https://www.salzburgerfestspie.....-tutte.pdf

Ich empfehle generell und im Besonderen, einen Blick auf den öffentlichen Pressebereich der Salzburger Festspiele zu werfen. Da ich generell die sehr teuren Programmbücher in Salzburg nicht mehr kaufe, sind diese Art produktionsbegleitenden Dokumente für mich sehr willkommen.

Dass die Produktion explizit als "Neuproduktion" ohne Hinweis auf die Herkunft beworben wird - wie von Lohengrin2 zitiert - halte ich denn allerdings auch für eher fragwürdig.

9. August 2020
9:23
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dalmont
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28. Januar 2019
sp_UserOfflineSmall Offline

ad 16)

Ganz einfach, weil meinem Empfinden nach der Wagner-Tenor Jon Vickers mit den stilistischen Anforderungen der opéra comique „Carmen“ überhaupt nicht zurande kam (wie ja auch Karajan bei dieser Oper beispielsweise nicht mit Cluytens konkurrieren kann), selbst wenn man akzeptiert, dass in Italien oder Deutschland „Carmen“ immer viel schwerblütiger und veristisch-dramatisch interpretiert wird, als in Frankreich. Aber auch der „italienische“ „Carmen“-Stil liegt Vickers nicht, weshalb mir das Anhören manchmal zur Ohrenqual wurde.

 

ad 13)

Danke dafür, Lohengrin 2, dass Sie meinen Überlegungen zu „Così fan tutte“ was abgewinnen konnten.

Meine Anmerkungen zum „Gemerkere“ (ich habe nicht Gemeckere geschrieben, obwohl sich schon in Wagners „Meistersinger“-Singschul die Begriffe etwas annähern) hätte ich wohl anders formulieren sollen. Ich habe schon verstanden, was Sie meinten. Ich bin nur der Überzeugung, dass in Zeiten, in denen Marketing alle Bereiche, sogar die Politik bestimmt, es mir müßig müßig zu sein scheint, Redlichkeit einzufordern. Also nehme ich das ganze mediale Getue nicht mehr zur Kenntnis und kümmere mich nur um die Aufführungen selbst.

9. August 2020
9:10
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prof.ON-DO
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27. Mai 2020
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Letzteres ist allerdings die BESTE Frage SEIT MONATEN hier !

8. August 2020
20:49
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Karl
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7. August 2019
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"Vickers ist allerdings fast nicht mehr anzuhören"

wieso?

8. August 2020
20:29
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Lohengrin2
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28. Februar 2018
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habs vor 12 Jahren inszeniert......

Deshalb könnte es für Salzburg doch eine neue Inszenierung sein. Zahlreiche Regisseure machen einzelne Werke öfter.

Jedenfalls hat die Festspielleitung immer von Neuinszenierung gesprochen...... (Wieviele schauen sich schon solche Gespräche an?)

Webseite der Salzburger Festspiele, Stand heute:

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791)

Così fan tutte

ossia LA SCUOLA DEGLI AMANTI

Dramma giocoso in zwei Akten KV 588 (1790)
Libretto von Lorenzo Da Ponte
Fassung für die Salzburger Festspiele 2020 von Joana Mallwitz and Christof Loy

Neuinszenierung
8. August 2020
19:58
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MRadema796
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22. Mai 2020
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Alberich sagt
Die Übernahme der Alt-Produktion war schon in Ordnung, Rätsel gibt die Geheimnistuerei darüber auf

Ich sehe keine Geheimnistuerei. Im Pressegespräch wird das (mindestens) 3x erwähnt:

"Ich hab's vor 12 Jahren inszeniert"
... "wie bei meiner damaligen Inszenierung" ...
"Ihre Cosi fan tutte ist seit 2008 in Frankfurt im Spielplan"

Dass es keine 1:1-Übernahme sein kann, ergibt sich aus den zahlreichen Kürzungen. Dass es nicht komplett neu konzipiert sein kann, ergibt sich aus der Kürze der Vorbereitungszeit.

8. August 2020
7:57
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Lohengrin2
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28. Februar 2018
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Lieber Damlont; schöne Reflexion über Cosi; vielen Dank dafür.

Eines haben Sie (jedenfalls was mich betrifft) nicht verstanden: "das Gemeckere" richtete sich nicht gegen "Wiederverwertung" an sich, sondern gegen das falsche Spiel, das die hochgejubelte Festspiel-Leitung mit dem Publikum treibt. Da wird für teures Geld neue Ware angepriesen, der gut zahlende Kunde bekommt Abgetragenes. Das muss ja deshalb nicht schlecht sein.......... Sagen muss mans halt!

Frau Präsidentin und Herr Intendant haben noch nicht begriffen, dass Sparsamkeit und Pragmatismus am rechten Ort derzeit in Kurs kommende Werte sind. Das Presse-Geprahle mit 200 (zum Teil 250 ?) Arbeitsstunden für die zwei Fähnchen der Buhlschaft ist kontraproduktiv, ein Verweis auf das Wiederaufnehmen einer stimmigen Inszenierung hätte Größe gezeigt.

Man/frau wird sehen, wie der Zirkus in Salzburg (und anderswo) weitergeht.

8. August 2020
0:39
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dalmont
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28. Januar 2019
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Christof Loys inszenatorische Absicht bei der Salzburger „Cosi fan tutte“ stelle ich in eine Reihe mit der von Michael Haneke im Theater an der Wien und der von Giorgio Strehler zur Eröffnung des neuerbauten Piccolo Teatro in Mailand: Mit guten jüngeren Sängern (Frauen immer mit gemeint), die auch darstellerisch begabt sind, die Geschichte glaubhaft zu erzählen. Eine Geschichte, die ja absurd zu sein scheint, wenn man sie mit Logik erklären möchte, und die sehr erdenschwer wird, wenn sie lebenserfahrene Erwachsene singen und darstellen. Das genialst komponierte emotionale Durcheinander können einem höchstwahrscheinlich wirklich nur Sänger vermitteln, die möglichst nahe an jenem Alter sind, an dem selbiges meist passiert.

War die jetzige Salzburger Aufführung stimmig? Ich denke schon. Sie hat doch viel von dem rüber gebracht, worum es in der Oper geht, auch das gefährliche Spiel, das D.Alfonso treibt und das sich gegen ihn selbst richtet. Dass keine Ablenkung durch Bühnenbild und Kostüme da war, hat der Aussage nur gut getan, so konnte man sich auf das Wesentliche konzentrieren. Wie auch immer die beiden Herren sich verkleiden, ob osmanisch oder nicht: Der Identitätswechsel wird ja nur glaubhaft, wenn man ins Kalkül zieht, dass die beiden jungen Frauen die „Schule der Liebenden“ bewusst mitbesuchen, was wieder die Männer nicht abgneissen.

Meine erste „Cosi fan tutte“-Aufführung in Salzburg war die von Muti/Hampe mit den sehr stimmigen Bildern von Mauro Pagano. Sie war sehr schön anzusehen und anzuhören, aber damit schwindelte man sich auch darüber hinweg, wovon das Stück handelt.

Die vielen Striche (auch innerhalb von Nummern) schmerzten sehr, haben vor allem Ferrando sehr zugestutzt, denn erst mit seiner zweiten Arie und der Cavatine „Tradito, schernito“ wird er zu einem sehr komplexen Charakter. Der Ferrando dieser Aufführung hatte zwar wenig Ausdrucksvaleurs, den Verzicht auf diese Musikstücke ließ das dennoch nicht verschmerzen.

Musikalisch könnte man noch manches beckmessern, aber das fällt nicht unbedingt ins Gewicht, wenn die Aussage im Sinne Mozarts stimmt. Und die so überirisch schöne Musik lässt einen ohnedies vergessen, dass die tiefen Töne der Fiordiligi manchmal fahl klangen.

Es leben die emotionalen und erotischen Verwirrungen! Zur Tragödie wird ein solches „dramma giocoso“ ja nur dann, wenn eine von „Vernunft“ geleitete bürgerliche Moral dieses Verwirrspiel bändigen will. Was sagt einem in dieser Hinsicht die C-Dur Schlusssequenz?

 

Zwei Anmerkungen zu mehrfach aufgetauchten Merkereien im Zusammenhang der Aufführungen in Salzburg:

- Mag nicht jemand recherchieren, wieviel Loy wirklich gekriegt hat? Die immer wiederkehrenden Mutmaßungen und Insinuationen führen ja nicht weiter. Haben die PT Kritiker der Mehrfachverwertung ähnliche Maßstäbe auch bei den Firmen Ponelle, Zeffirelli, Schenk angestellt und ähnliche Fragen gestellt? Oder geht’s wieder einemal nur um ein Bashing eines jüngeren, klugen und sehr einfühlsamen Regisseurs, der nicht zur von vielen vertretenen Online-Merker-Mainstream-Ästhetik passt? Viele der Forumsskribenten mutieren ja dann zur bekrittelten Jubelpresse, wenn sie ihre nostalgischen Erwartungen erfüllt sehen. (Las ich nicht vor kurzem im Tageskommentar: „Nostalgie ist langweilig"?)

- Die ständigen Verweise darauf, dass die Salzburger „Cosi fan tutte“ großsprecherisch vermarktet wurde. No mei, jeder Kramer lobt sei Woar. Wie werden einem die „Shows“ (!) von MET und Covent Garden angepriesen, und dann sind sie – hauptsächlich in NYNY – oft abgestandenes Mittelmaß. Ich kenne die Frankfurter Oper, habe aber Loys „Cosi fan tutte“-Inszenierung dort nicht gesehen. Das große Festspielhaus ist ein ganz anderer Raum. Mich hat manches in der Personenführung an den zehn Jahre später entstandenen Münchner „Figaro“ gemahnt, aber gute Regisseure haben eben eine eigene Handschrift.  

Und zum Schluss: Es passt zwar nicht zu Mozarts „So“, aber dennoch zu Salzburg:

Vor kurzem wurde auf ORF III Karajans „Carmen“ Film nach seiner Festspiele-Aufführung mit Bumbry, Freni, Vickers und Diaz aus den 60ern gebracht. Die Aufführung wirkt heute fast lächerlich, dieser Pseudo-Realismus, dieses (bis auf Bumbry und Freni, die wie ich denke ihre Partien sowohl gesanglich als auch darstellerisch wunderbar erfüllten, Vickers ist allerdings fast nicht mehr anzuhören) Herumgeschleiche der Solisten und Massen auf der Bühne, ohne erkennbaren Sinn und merkbare Aussage. Karajan war halt kein Regisseur, und er hat manche Werke, scheint mir, auch musikalisch missverstanden: „Carmen“ ist kein präveristischer Reisser und vor allem keine Grand opéra – Halévy hat schon gewusst, warum er die Rezitativ-Fassung an der Opéra nicht aufführen ließ. Dass es viel besser und werkentsprechener geht, hat Abbado ein Jahrzehnt später mit Berganza, Cotrubas, Domingo und Milnes in Schottland (bald darauf am Uraufführungsort) bewiesen. Ich bin sehr froh, den Film gesehen zu haben, keine Frage, ein interessantes Zeitdokument, mehr aber auch nicht, allen Hochjublerinnen zum Trotz (wozu auch die österreichische Gerlach gehört. Warum müssen manche Opernübertragungsmoderatorinnen so unterträglich sein?)

7. August 2020
11:37
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Alberich
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Richtig! Die Übernahme der Alt-Produktion war schon in Ordnung, Rätsel gibt die Geheimnistuerei darüber auf - und macht erst recht neugierig.

Interessant ist, dass die Jubelpresse das entweder nicht gewusst oder es bewusst verschwiegen hat.

Die Frage ist, ob die Altproduktion als Neuproduktion eingekauft wurde, denn das geht die Steuerzahler schon etwas an. Natürlich musste die Produktion neu einstudiert und geprobt, die spärliche Szenerie der großen Bühne angepasst werden - und das will honoriert sein. Wurde aber auch Idee und Konzeption zweimal zum Vollpreis verkauft?

Das ist es, was hinterfragt wurde!

7. August 2020
10:09
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Lohengrin2
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28. Februar 2018
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Die Kommentatoren, die kritisieren, dass Loy die Produktion aus Frankfurt übernommen hat, kann ich nicht ganz nachvollziehen.

Es wurde auch nicht die Übernahme an sich kritisiert, sondern der Verkauf der Mogelpackung einer angeblichen Neunszenierung. Vielmehr ist die Salzburger Cosi ein zweiter Aufguss der Frankfurter Erstausgabe. Selbst wenn einige Details (nach 12 Jahren) etwas anders herauskamen, die Grund-Konzeption ist gleich. Da wäre es allemal ehrlicher gewesen, die "Quelle" nicht zu verschweigen......

7. August 2020
9:15
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MRadema796
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22. Mai 2020
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Eduard Paul sagt
hallo liebe Forumgemeinde

irgendwelche Reaktionen auf diese "Cosi" ??? der ORF, die Printmedien überbieten sich ja -und nennen diese eine "Jahrhundertproduktion"

bezieht sich diese Bezeichnung auf "100 Jahre Salzburger Festspiele" oder auf eine tatsächlich so tolle Vorstellung ???

Mich hat die zweite Aufführung ziemlich begeistert, aber der Begriff Jahrhunderproduktion bezieht sich wohl doch eher auf das Alter der Festspiele. Die Kommentatoren, die kritisieren, dass Loy die Produktion aus Frankfurt übernommen hat, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Der Ausgangspunkt von Loy in seiner Anfangszeit war, Opern in einer Art Probensituation zu zeigen, also im Prinzip ohne Bühnenbild und Kostüme (wie zum Beispiel "Les Contes d'Hoffmann" in der nachgebauten Kantine der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf), da er festgestellt hat, dass das Darestellerische so intensiver zur Geltung kommt. Das bedeutet, dass das Bühnenbild und die Kostüme, die man sieht, bei ihm oft keine große Bedeutung haben. Somit kann man daraus, dass die neuen Produktionsfotos fast genauso aussehen wie die aus Frankfurt nicht den Schluss ziehen, dass es die selbe Inszenierung ist. Es kommt auf die darstellerischen Details an. Man müsste also die Videos im Detail vergleichen. Ich weiß nicht, ob das schon jemand gemacht hat. Das große Festspielhaus ist für diese Art Kammerspielansatz m. E. eher weniger geeignet, und ich frage mich, warum man die einen größeren Raum fordernde Elektra in die kleine Festspielreitschule, die klein besetzte Kammerspiel-Cosi aber in das Große Festspielhaus beordert hat. Beim Anschauen fand ich es ungemein anstrengend, die ganze Zeit auf eine weiße oder zumindest sehr helle Fläche schauen zu müsssen, auf der die dunkleren Sänger und deren Aktionen oft nur schwer zu erkennen waren.

Davon abgesehen ist die Bezeichnung "100 Jahre Salzburger Festspiele" wohl falsch, da es bereits 101 Jahre sind, es sei denn man nimmt das Kriegsjahr 1944 raus, in dem es nach meinem Kenntnisstand nur eine Generalprobe gab.

 

Renate Wagner schrieb:

Nachdem arte darauf gekommen ist, dass Österreich zu Europa gehört, was bei der Live-Übertragung der Premiere („Kann in ihrem Land nicht empfangen werden“ – warum? Keine Begründung) noch nicht der Fall war...

 

Anscheinend hat in Österreich Takt1 zum Teil Exklusivrechte. Die Streamen jeden Tag etwas aus Salzburg. Die m. E. bisher spannenste Aufführung haben sie allerdings ausgelassen: "In vain" von Haas. Darüber habe ich bisher noch nichts gelesen außer einer Ankündigung in der Kleinen Zeitung am 4. August. Wenn die Hundertschaft der sich gegenseitig hochjubelnden Opernpresse dort auch mal hingegangen wäre, wären vielleicht einige der Lücken am zweiten Abend leer geblieben.

5. August 2020
19:59
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niklausvogel
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Eduard Paul sagt
hallo liebe Forumgemeinde

irgendwelche Reaktionen auf diese "Cosi" ??? der ORF, die Printmedien überbieten sich ja -und nennen diese eine "Jahrhundertproduktion"

bezieht sich diese Bezeichnung auf "100 Jahre Salzburger Festspiele" oder auf eine tatsächlich so tolle Vorstellung ??? - Ich höre aber auch Stimmen ( die tatsächlich im Haus auf Zahlkarten der Vorstellung beiwohnten), die nicht soooo überschwänglich klingen ( ua unsere tüchtige RW und auch die Meinung der Zeitung "Die Presse".)... überwiegt die Anerkennung über den Mut, in einer so kurzen Zeit diese "Cosi" zustande gebracht zu haben, überwiegt der Jugendkredit, den man einem jungen Ensemble entgegenbringt ? oder entspricht es der Tatsache, so einer künstlerischen, einmaligen Produktion beigewohnt zu haben

Was stimmt jetzt  wirklich ?  

ein "wirklich stimmen" wird´s wohl nicht geben, aber eine meinung können sie schon haben (auch ohne den befehl von frau obersturmlehrerin): wie hss so richtig bemerkte, war die cosi am so im kabelnetz frei empfangbar; man musste also nicht allen möglichen stream-empfehlungen nachhetzen-dass die in-szene-setzung offenbar niemanden vom hocker und in die schreibstube geworfen hat stimmt nachdenklich. dass die in-(welche auch immer) szene setzung schon in in frankfurt gezeigt wurde, ist auch nicht neu. ein vergleichsweise junges ensemble purzelt, stolpert und liegt auf wenigen stufen - freistunde bodenturnen. wenn die desillusionierende optik wegfällt, kann man einen schönen mezzo hören (heutzutage auch schon selten, da sonst oft faule sorane), eine junge fiordiligi (die tiefe wird hoffentlich noch kommen), einen timbrelosen tenor mit kleinen höhenzwickungen (warum alfonso beim "odem der liebe" gar so bitterlich schluchzt, sooo schlimm war´s ja auch nicht, eine pieps-despina, einen-wie heißt es so schön-unauffällig ergänzenden alfonso, ja und dann-wie schön sich herr schuen auch entwickelt hat - ein zuzelnder guglielmo geht halt nicht. das durfte höchstens corelli, und der hat sich den ingrimm vom kesting zugezogen. die panegyriker der medien haben imo tief in den topf des jugendbonus, endlich wieder irgendwas,hurra wir leben noch - gegriffen. eine jahrhunderttat war´s nur nach dem kalender.
ps wenn hss meint man müsse frau gerlach halt in kauf nehmen - der mann hat leicht lachen! wenn man die mute-taste zu spät erwischt, kann es durchaus sein, dass man vor der gorgo zu stein erstarrt-und dann gnade gott!
gruß, nicki

5. August 2020
16:11
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Lohengrin2
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