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Barbaja und das Teatro San Carlo
7. April 2019
14:19
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dalmont sagt
Und dass die Brüder Jussen als einzige Zugabe einen fugierten Bach-Choral gespielt haben, spricht natürlich für die Musikalität der Burschen. Dass ich deren Namen nicht kannte, verweist höchtswahrscheinlich auf eine Ignoranz meinerseits.

Es gehört nicht zum Thema und ich möchte nicht abschweifen, aber dazu kurz eine Anmerkung: Das hat nichts mit Ignoranz zu tun, denn die beiden sind ja derzeit erst im Kommen. Am 30. Jänner haben sie im Schubert-Saal ein Klavierkonzert gegeben, bei dem ich zwar nicht dabei war (mittwochs um 12:30 habe ich anderes zu tun als ins Konzert zu gehen), aber von dem mir aus sehr zuverlässiger Quelle eine ganz hervorragende Leistung berichtet wurde, die auch für auffallend starke Begeisterung gesorgt hat. Daher habe ich mir vorgenommen, die beiden bei nächster Gelegenheit anzuhören. Es freut mich, dass Sie bereits die Gelegenheit dazu hatten.

7. April 2019
12:14
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Das, was ich schreibe, endet in einer Frage an Frau Dr. Wagner. Ich kann leider nicht souverän mit den Möglichkeiten, die Internetforen bieten, umgehen, vielleicht gäbe es ja eine Möglichkeit, die Frage direkt an Frau Dr. Wagner zu stellen. Eine Antwort müsste ja auch nicht hier erfolgen, vielleicht lässt sich Renate Wagner zu einem kleinen Feuilleton auf ihren eigenen Seiten inspirieren.

Es geht um folgendes:

Ich habe gerade ihre Rezension des Barbaja-Buches gelesen und die hat mir große Lust auf das Werk gemacht, weil ich mir viele Antworten auf Fragen erwarte, die ich mir oft gestellt habe. Es ist ja in allen Programmhefttexten zu Werken aus Barbajas Zeit zu lesen, dass er er zeitweilig Wien, Mailand und Neapel gemeinsam leitete. Wie das in Postkutschenzeiten funktionieren konnte, das möchte ich wissen und ich denke, das Buch wird diese Fragen klären.

In der Rezension spricht Renate Wagner vom „gloriosen Teatro San Carlo (das, nach Bränden immer wieder aufgebaut, noch heute steht und blüht)“.

Meine Frage bezieht sich auf das Wort „blüht“. Renate Wagner hat ja mehr Vergleichsmöglichkeiten als unsereins, und obwohl ich immer, wenn ich in Neapel bin ins San Carlo gehe (und dort von Konzert, Ballett, Oper halbszenisch, Oper szenisch) etliches gesehen habe, konnte ich nie den Eindruck gewinnen, dass das San Carlo „blüht“.

Ich will jetzt nicht die Qualität der Aufführungen ansprechen, es war die Atmosphäre, die mir vermittelte, dass da nix mehr blüht. Tiefpunkt war in dieser Hinsicht die „Traviata“-Aufführung im vergangenen Jahr. Der Barpianist in der Cafeteria mit scheußlichsten Plastikstühlen quälte einen vor der Vorstellung mit „O sole mio“ und „Nel mare luccica...“. Während der Vorstellung (das Haus war zu 4/5 voll) standen zwei junge Leute links und rechts vor dem Orchestergraben und sind sofort losgestartet, wenn die Besucher in den Parterrelogen zu tratschen begannen, weil ihnen fad war (es waren auch Schulklassen da, aber nicht nur die Schüler haben getratscht), oder wenn in den Parterre-Reihen mit Blitz fotografiert oder leise telefoniert wurde. Das Abstellen ging natürlich nicht ganz geräuschlos vor sich. Offensichtlich ist nicht nur Trump unfähig, sich länger als ein paar Minuten auf etwas zu konzentrieren.

Da wirkte der drohend erhobene Gehstock einer sehr elegant gekleideten alten Napoletanerin mit einem steifen Bein, die offensichtlich eine Karte in der Mitte einer Reihe gekauft hatte, geradezu sympathisch und wie aus einer de Filippo-Komödie stammend. Sie hat uns nämlich aus unseren Plätzen vertrieben und so doch noch ihren Ecksitz ergattert. Über das verdutzte Gesicht des vertriebenen Engländers, der den Eckplatz gekauft hatte, muss ich jedesmal lachen, wenn ich daran denke.

Für mich war das alles eher ein Symbol für einen Niedergang einer einst reichen Opernkultur in Italien, die sich jetzt hauptsächlich auf die Blockbusters reduziert, Werke, die auch Touristen, die sonst nie in eine Oper gehen, kennen und deshalb auch bei ihren Städtereisen „mitnehmen“, ohne größeres Interesse zu zeigen oder zumindest Mindeststandards von Anstand und Rücksichtnahme einzuhalten.

Jetzt ist mein Eintrag wieder sehr viel länger geworden, als ich wollte. Ich hoffe, ich konnte Dr. Wagner verständlich machen, wozu ich gerne ihre Überlegungen auf ihren Seiten lesen würde.

 

Und weil jetzt eh alles schon so lang geworden ist, noch ein paar Sätze zu etwas nicht die Oper Betreffendem:

Ich wurde gestern eingeladen, ob ich nicht in der Umgebung von Göttweig ein bisschen wandern möchte, und wenn Interesse bestünde, es gäbe auch ein Konzert im Schloß Walpersdorf. Ich wusste weder, wer spielt noch was, aber solche Konzerte in alten Gemäuern mag ich sehr gern, weil es so viele wunderbare junge Musikerinnen und Musiker gibt, die man da hören kann.

Diesmal war es ein junges holländisches Brüderpaar, das nach Mozart und der wunderbaren f-moll-Fantasie Schuberts für vier Hände, „La Valse“ und „Sacre du Printemps“ auf zwei Klavieren gespielt hatte, auf Bösendorfern noch dazu. Das Konzert war unbeschreiblich gut, grandios und virtuos. Ich bin noch immer hin und weg von der unglaublichen Präzision des Spiels, von den Klavierglissandi in la „Valse“ und der hämmernden Rhythmik und Motorik des „Sacre du Printemps“, die sich in das Gehirn einschweißt.

Und dass die Brüder Jussen als einzige Zugabe einen fugierten Bach-Choral gespielt haben, spricht natürlich für die Musikalität der Burschen. Dass ich deren Namen nicht kannte, verweist höchtswahrscheinlich auf eine Ignoranz meinerseits. Was der Nachmittag aber wieder einmal gezeigt hat: Opernmusik macht ein Viertel dieses wunderbaren Kosmos unserer europäischen Musikkultur aus. Und ein dreiminütiger fugierter Bach-Choral stinkt in nix gegen viel polulärere Opernarien ab.

Und damit: satis für heute, danke für Ihre Geduld, wenn Sie bis hierher gelesen haben. Gestern im Konzert hat uns auch einer der Brüder nach „Sacre du Printemps“ für die Aufmerksamkeit bei dem langen und auch heute noch als Komposition herausfordernden Stück gedankt. Wir hätten nicht husten können, denn das Spiel der beiden hat allen den Atem genommen.

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