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Autoren warnen vor Zensur und Berufsverboten
26. Juli 2020
10:35
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Moderator 16
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Forumsbeiträge: 53
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28. Februar 2018
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Ich habe lange zugesehen. Mittlerweile ist dieser Thread wieder in die leidige rechts/links-Diskussion abgeglitten, sodaß er geschlossen wird.

26. Juli 2020
10:13
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dalmont
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28. Januar 2019
sp_UserOfflineSmall Offline

Ad 20)

Es hätte mich gewundert, wenn Amfortas etwas anderes als den Blog eines total Rechten angeführt hätte:

Man muss nur ein bisschen herumklicken, um zum programmatischen Pamphlet des Jürgen Fritz-Blog zu gelangen und zum ideologischen Substrat dieses Forums. Die Arbeit lohnt.

Unter der Überschrift „Der Kampf für rechts muss intensiviert werden“ legt er mit dümmlicher Arroganz sein präpotent unreflektiertes euro- und egozentristisches nationalradikales Weltbild dar, das im Vorvorgestern und Gestern stecken geblieben ist.

(Zitat: „Wenn jemand euch als „rechts“ zu stigmatisieren sucht, wobei er das natürlich pejorativ meint und euch damit einschüchtern, ausgrenzen oder mundtot machen möchte, dann sagt: „Ich bin nicht rechts, ich bin rechtsradikal. Ich bin so rechts, dass ich links schon fast wieder rauskomme.“ – Frage: Wäre das dann nicht der Nationalsozialist?)

Und wenn man Fritzens angebotene Links weiter vorfolgt, landet man sehr schnell nicht bei dem selbstverliebt-kokett geschriebenen „rechtsradikal“ sondern bei den politisch Rechtsradikalen, bei gesperrten Twitter-Accounts (warum wohl?), und Seiten und Organisationen, die vom deutschen Verfassungsschutz beobachtet werden, und hoffentlich macht auch das auch der österreichische.

Und natürlich hält Fritz Jürgen auch das turbokapitalistische System hoch, es geht ja auf Kosten derer, die seit der mit dem Vertrag von Torremolinos begonnenen Aufteilung der Welt unter der europäischen Kultur leiden.

Es ist auch nicht weiter verwunderlich, warum dieser Ex-Lehrer in seinem radikal rechten Netzwerk nicht reflektiert, warum sein seit alters her so ethnisch durchmischtes ‚Volk’ den Aphorismus eines Österreichers: „Der Weg der neuern Bildung geht von Humanität durch Nationalität zur Bestialität“ nicht beherzigen wollte und es zuließ, dass aus seinem ‚Volk’ der ‚Dichter und Denker“ zweimal ein „Volk der Richter und Henker“ mit einem „Schmückedeinheim“ als Bildung (ebenfalls von einem Österreicher formuliert) wurde, ein erklecklicher Teil seines ‚Volkskörpers’ nix daraus gelernt hat, womöglich auch nix dagegen hätte, wenn man bestimmten Gruppen wieder die Schädel einschlüge, weil sie überzeugt sind, dass es Menschen und Untermenschen gibt. Im besagten Pamphlet ist oft von Oben und Unten die Rede, und es ist anzunehmen, dass Fritz den Untern Dantes „Inferno“ zugedacht hat.

Es ist betrüblich, dass der Online-Merker mittlerweile auch zu diesem Netzwerk gezählt werden muss. Denn der Link-Weg des Jürgen Fritz Blogs führt in extremis zu Christchurch, Halle und Hanau.

Hauptsache, man kann den Anfang einer Goethe-Hymne in Stammbücher schreiben: „Edel sei der Mensch, hülfreich und gut...“ Was Goethe damit sagen wollte, wen kratzt das schon.

Wie grämlich all das...

24. Juli 2020
11:22
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mmnischek
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Forumsbeiträge: 241
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10. März 2020
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Die Gesellschaft reibt sich auf in immer neuen Kollektiven

Unsere westliche Lebensweise scheint zu regredieren: weg vom Ideal des autonomen, selbstbestimmten, aufgeklärten Individuums und wachen Staatsbürgers hin zum Stammesdenken und zur Bildung von Horden mit gefeierten Anführern.

 

https://www.ulrike-ackermann.de/2020/07/20/das-kulturmagazin-mit-politikprofessorin-ulrike-ackermann-2/

https://www.nzz.ch/meinung/die-gesellschaft-reibt-sich-auf-in-immer-neuen-kollektiven-ld.1565101

Es gab im erschrockenen Schweigen und Stillstand während der Corona-Krise für einen Moment die Hoffnung auf ein Ende polarisierender Debatten und stattdessen die Besinnung auf das, was wichtig ist. Das sind natürlich auch Zustände anhaltender Diskriminierung und fortwährenden Rassismus, auf die unter anderem die «Black Lives Matter»-Bewegung aufmerksam macht.

Doch der Protest ist längst aus dem Ruder gelaufen und favorisiert besonders im akademischen und im kulturellen Feld Forderungen, die am Fundament und am Selbstverständnis unserer freiheitlichen Ordnung rütteln. Sie knüpfen an ideologische Prämissen an, die schon länger die Selbstzweifel hinsichtlich der Erfolgsgeschichte unserer Zivilisation schürten und teilweise in einen westlichen Selbsthass mündeten. Er ist nicht nur rechten und linken Rändern eigen, sondern zunehmend auch in Universitäten, Redaktionsstuben und Kulturinstitutionen beheimatet. Und dies in einer Situation, in der die über Jahrhunderte mühsam errungenen westlichen Freiheiten und Lebensweisen weltweit unter immer stärkeren Druck geraten sind. In den USA und Europa werden von Demonstranten nicht nur Südstaatengeneräle und Profiteure des Kolonialismus und des Sklavenhandels vom Sockel gestürzt. Der militante Bildersturm macht auch vor Christoph Kolumbus oder Winston Churchill nicht halt.

Man will es allen recht machen

Der antirassistische Furor erinnert in seiner Rigidität an den Tugendterror der Jakobiner in der Französischen Revolution, die mit allem Alten brechen und das Vergangene radikal ausmerzen wollten. Bereits seit einigen Jahren tobt dieser Kulturkampf, der immer aberwitzigere Züge annimmt. Historische Bücher werden umgeschrieben, weil das Wort «Negerkönig» anstössig ist. Die Diskurspolizei ist auch an den Universitäten unterwegs. Alte Filme werden aus dem Verkehr gezogen, weil sie aus heutiger Sicht rassistisch sind. Berühmte Bilder werden abgehängt, weil sie sexistisch seien – obwohl sie doch gerade historisch bezeugen, was sich über die Jahrhunderte weiterentwickelt hat.

Es sind Eingriffe zugunsten eines vermeintlich gerechten, politisch korrekten Regimes, das es jeder Ethnie, jedem Geschlecht und jeder Religion recht machen will. Der Wunsch nach Eindeutigkeit und Einheitlichkeit, nach Reinheit und Reinigung hat sich in unterschiedlichen gesellschaftlichen Feldern ausgebreitet. Verletzte Gefühle einer Gruppe wiegen plötzlich schwerer als die Prinzipien und die Ausübung der Kunst-, Wissenschafts- und Meinungsfreiheit. Obwohl doch gerade sie Antrieb und Resultat eines jahrhundertelangen Kampfes waren und als hohe Güter unsere Lebensweise auszeichnen.

Inzwischen steht auch schon der Aufklärer Immanuel Kant wegen Rassismus am Pranger, weil er in seinen Frühschriften wie andere seiner Zeitgenossen die weisse «race» als vollkommenste der Menschheit ansah. Eine «Kritik der weissen Vernunft» wird deshalb angemahnt. Doch dem späteren Kant verdanken wir gerade die wegweisende Definition von Mündigkeit und die Entfaltung dessen, was die Würde des einzelnen Menschen ausmacht.

Eigentlich begann es im Zuge der neuen sozialen Bewegungen ab den 1970er Jahren durchaus emanzipatorisch. Mutig schlossen sich Frauen und soziale Minderheiten zusammen, um für ihre Rechte einzutreten. Sie machten auf historische und gegenwärtige Benachteiligungen aufmerksam und begehrten auf gegen Sexismus und Rassismus. Doch dann breitete sich mit dem Lob der kulturellen Vielfalt und Differenz ein ideologisch gewordener Multikulturalismus aus, der die freiheitlichen Errungenschaften der westlich-europäischen Zivilisation zunehmend relativierte. Immer neue soziale Gruppen, die sich als Opfer von gesellschaftlicher Diskriminierung verstanden, entwickelten ihre jeweils unterschiedlichen Opfernarrative und forderten besondere Rechte für sich. Eine regelrechte Opferkonkurrenz entstand. Ihr jeweiliger Bezugspunkt ist eine kollektive Identität, die abgeleitet wird aus realer oder vermeintlicher Benachteiligung, der Erfahrung von Unterdrückung oder Verfolgung, die teilweise Jahrhunderte zurückliegen: Frauen, sexuelle Minderheiten, die LGBT-Community, Migranten, ethnische und religiöse Minderheiten. Es geht dabei um Wiedergutmachung erfahrenen Leids und den Wunsch nach sozialer und kultureller Wertschätzung.

Neue soziale Bewegungen

Inzwischen scheint unsere Gesellschaft allerdings auf eine frühere Stufe ihrer Entwicklung zu regredieren, weg vom Ideal des autonomen, selbstbestimmten, aufgeklärten Individuums und wachen Staatsbürgers hin zum Stammesdenken und zur Bildung von Horden mit gefeierten Anführern. In den sich selbst bestätigenden Communitys, verstärkt durch die neuen Medien, ist ein besorgniserregender Rückfall in den Tribalismus zu beobachten. Die Gesellschaft zersplittert in immer neue Kollektive, die für ihre partikularen Gruppeninteressen kämpfen.

Die Identitätspolitik der Rechten favorisiert einen Kollektivismus, der sein Heil in der ethnischen Homogenität der Volksgemeinschaft sieht und die universalistischen Prinzipien der Aufklärung verwirft. Antiwestlich und antiliberal geriert sich aber auch eine Identitätspolitik von links, die an den Hochschulen und im Kulturbetrieb Raum gegriffen hat.

.......

Entstanden ist daraus über die Jahrzehnte eine ausgeprägte Identitätspolitik, die ausdrücklich die jeweils kollektive religiöse, kulturelle, sexuelle und ethnische Zugehörigkeit ins Zentrum stellt. Nicht für Individuen werden Rechte eingefordert, sondern für die jeweiligen Opferkollektive, die Sonderrechte beanspruchen, um bisherige gesellschaftliche und historische Benachteiligung zu kompensieren. Aus den ehemals emanzipatorischen Bestrebungen sind identitäre Communitys entstanden, die ihre Anliegen ideologisiert haben und einen moralisierenden Feldzug gegen die sogenannte Mehrheitsgesellschaft führen.

Polarisierung durch Täter- und Opferkategorien

Wenn ständig in Täter- und Opferkategorien gedacht und agitiert wird, schwindet der gesellschaftliche Zusammenhalt immer mehr und leistet weiterer Polarisierung Vorschub.

Paradoxerweise wird der wohlfeile Antikolonialismus und Antirassismus selbst rassistisch, wenn er die ethnische Herkunft und die Hautfarbe zum essenziellen, identitätsstiftenden Zugehörigkeitskriterium der von der Mehrheitsgesellschaft vorgeblich diskriminierten Opferkollektive macht.

Erschreckend sind zudem die Rigidität und die Wut, die den Wunsch nach Reinigung begleiten: Sprache, Geschichte, Bücher, Plätze, Erinnerung sollen von allem Bösen gesäubert werden. Das ursprüngliche Ansinnen ist totalitär geworden und wäre letztlich eine Entsorgung der Vergangenheit.

Der «Schuldkomplex» (Pascal Bruckner) verleitet angesichts der Greuel des Kolonialismus und der Sklaverei die Mehrheitsgesellschaft zu paternalistischer Überkompensation gegenüber den nachgeborenen «Opfern» – angetrieben vom Wunsch, die Schuld zu tilgen. Vermeintliche Täter und vermeintliche Opfer bleiben so in einer reziproken, komplizenhaften Dynamik gefangen, die einer sachlichen Aufarbeitung der Geschichte im Wege steht.

Die Erfolgsgeschichte der westlichen Zivilisation hat uns über die Jahrhunderte den besten Lebensstandard, den wir je hatten, beschert, Partizipation und Freiräume erweitert. Freilich begleitet von grauenhaften Kämpfen, Katastrophen, Diktaturen, kolonialen Verbrechen, vielen Irrtümern und Inkonsequenzen. Wir können diese widersprüchliche Geschichte nicht glattbügeln oder retuschieren. Wir müssen mit ihr leben. Denn Immanuel Kant wusste: «Aus so krummem Holze, als woraus der Mensch gemacht ist, kann nichts ganz Gerades gezimmert werden.»

22. Juli 2020
1:05
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mmnischek
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NEW YORK TIMES

Kolumnistin kündigt wegen "antiliberaler Stimmung"

Hans Ulrich Gumbrecht im Gespräch mit Eckhard Roelcke

https://www.deutschlandfunkkultur.de/new-york-times-kolumnistin-kuendigt-wegen-antiliberaler.1013.de.print?dram:article_id=480724

Sieht die "New York Times" in einer Galaxie, die mit den Alltagssorgen der meisten Menschen nichts zu tun habe: Bari Weiss.
 

Bari Weiss verlässt die "New York Times", weil sie gemobbt und als Rassistin bezeichnet worden sei: Selbstzensur sei dort zur Norm geworden. Auch der Literaturwissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht sieht eine "Verengung der intellektuellen Kultur".

Es brodelt bei der "New York Times": Erst kündigt nach einem umstrittenen Gastbeitrag der Chef der Meinungsseite, jetzt verlässt unter lautstarkem Protest die Kolumnistin Bari Weiss [https://www.nytimes.com/by/bari-weiss] die Zeitung. In einem offenen Brief an den Herausgeber hat sie ihren Schritt begründet.

Darin klagt sie über das illiberale Umfeld in der Redaktion, über eine "Selbstzensur", die zur Norm geworden sei. Die "New York Times" werde mehr und mehr zum Leitmedium derer, "die in einer weit entfernten Galaxie leben, einer Galaxie, die mit den Alltagssorgen der meisten Menschen nichts zu tun hat".

Es gibt eine Verengung der intellektuellen Kultur

Auch der deutsch-amerikanische Literaturwissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht beklagt eine Stimmung der "programmatischen Intoleranz" in den USA. Der emeritierte Professor der Stanford University sieht dieses illiberale Klima sowohl an Hochschulen als auch in Privatunternehmen wie der "New York Times". Natürlich habe die Zeitung das Recht, ihren Angestellten bestimmte Grenzen zu setzen: "Aber es gibt eine Verengung der intellektuellen Kultur und das ist zu kritisieren."

Ausgegangen sei diese Entwicklung von den Universitäten, sagt Gumbrecht. Dort herrsche das Gebot politischer Korrektheit: "Man könnte das so beschreiben, dass eine sozialdemokratisch- ökologische Meinung für die einzig mögliche gehalten wird, und alles andere ist gefährlich und extremistisch."

.......

Diese Tendenz habe sich nach der Ermordung von George Floyd und den darauf folgenden Protesten verstärkt. ...

Intoleranz als Ersatzhandlung

Gumbrecht beschreibt die "programmatische Intoleranz" als "Ersatzhandlung": "Um sich selbst dann immer am Abend auf die Schulter klopfen zu können und zu sagen, 'Ich bin aber kein Rassist', und 'Ich engagiere mich gegen Rassismus', obwohl man in seinem Alltag keine Rassisten trifft."

Er lebe seit 30 Jahren in den USA und schätze die amerikanische Streitkultur, sagt der Literaturwissenschaftler. Diese müsse sich jetzt dadurch bewähren, dass Einspruch gegen Einschränkungen des Denkens erhoben werde: "Ich habe noch nicht aufgegeben."

21. Juli 2020
13:40
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mmnischek
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Vielen Dank, Amfortas, für den hochinteressanten Artikel! - Ich habe ihn mit großem Interesse und Gewinn gelesen!

21. Juli 2020
9:42
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Amfortas
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Sind die Gedanken wirklich noch frei?

 

"Der Fanatismus der einzig zugelassenen Meinung macht die Korridore des Sagbaren immer schmaler. Wirklicher Dissens ist kaum noch gefragt. Dafür sehen wir zunehmend mangelnde Neugier, den Verzicht auf ein Denken ohne Geländer, Diskursverweigerung als Absage an die Aufklärung und eine Moralisierung der Diskurse. Man müsste diesem Unfug laut und in großer Zahl entgegentreten. Und im Namen der Freiheit schwungvoll nicht nur trial, sondern auch error verteidigen. Die Tugendwächter sind Spukgestalten. Nackte Kaiser. Eingeschüchtert können aber nur die werden, die sich einschüchtern lassen."

(aus "Sind die Gedanken wirklich noch frei?" von Thomas Schmid)

Link zum Artikel: https://juergenfritz.com/2020/07/20/sind-die-gedanken-wirklich-noch-frei/

20. Juli 2020
10:47
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Amfortas
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@mmnischek

Intoleranz ist längst nicht mehr ein Merkmal der Rechten.

Intoleranz war nie nur ein Merkmal der Rechten. Waren die linken Bolschewiki in der Sowjetunion tolerant? Waren Lenin und Stalin tolerant? Waren die linken Maoisten in China tolerant, die roten Khmer, die SED-Schergen in der DDR? Sind die linken Regierungen in Nordkorea, China, Kuba, Venezuela heute tolerant? Die Linken schreiben sich die Toleranz zwar immer auf die Fahnen, aber sie endet ganz schnell dort, wo es gilt, Kapitalisten, Liberale, Konservative, Rechte zu tolerieren - eigentlich immer dann, wenn es gilt, Nicht-Linke zu tolerieren. Toleranz ist nichts anderes als ein Lippenbekenntnis der Linken. In Wahrheit waren und sind die Linken auf ganzer Linie intolerant. Wenn man illegale Masseneinwanderung toleriert, spricht das nicht für eine durchgehende Toleranz, wenn man gleichzeitig jeden, der auf die damit verbundenen Probleme hinweist, als Rassisten denunziert. Es ist völlig naiv, anzunehmen, dass Anhänger einer Klassenkampf-Ideologie irgendetwas mit Toleranz zu tun hätten.

Es fehlt nicht mehr viel, dann ist die größte Errungenschaft der Studentenbewegung von 1968 rückabgewickelt: die demokratische Teilhabe aller Menschen am öffentlichen Diskurs.

Wenn man überhaupt von "Errungenschaften" durch die Studentenbewegung sprechen kann, dann ist die demokratische Teilhabe aller Menschen am öffentlichen Diskurs sicher nicht eine ihrer Errungenschaften. Denn auch diese Bewegung war durchdrungen von Intoleranz gegenüber allem, was nicht auf ihrer Linie war. Die Massenmorde der RAF oder der Roten Brigaden wären nicht denkbar gewesen, ohne dass die Achtundsechziger den entsprechenden ideologischen Boden dafür bereitet hätten. Seit sich die Achtundsechziger in den geisteswissenschaftlichen Instituten unserer Universitäten, den Redaktionsstuben unserer Medien und den Kulturinstitutionen eingenistet haben, ist Schluss mit der Teilhaber aller. Die Achtundsechziger haben etwas beendet, was zwischen 1945 und Mitte der 60er-Jahre in weiten Teilen bereits realisiert war. Ja, die Achtundsechziger haben die Emanzipation der Frauen befördert - keine Frage. Gleichzeitig haben sie kräftig dazu beigetragen, dass in Sachen Ungleichbehandlung das Pendel ins andere Extrem ausgeschlagen ist und sich in der Öffentlichkeit stehende Frauen nun mit dem Totschlagargument des Sexismus gegen jede Kritik immunisieren konnten. Ja, die Achtundsechziger haben wichtige Beiträge dazu geleistet, dass die alten Nazis aus den Führungsämtern in den Universitäten, Gerichten, Parteien und Ämtern entfernt werden konnten. Aber seit sie selbst darüber entscheiden, wer bei den Meinungsmachern Einfluss bekommt und wer nicht, hat die meinungsbildende Branche einen ganz gewaltigen Linksdrall.

Jürgen Fritz brachte das Problem auf den Punkt: "Sie [die Linken] müssen anfangen, Menschen unter Druck zu setzen, die einfach nur auf Missstände hinweisen. Sie müssen versuchen, ihre Kritiker zu diskreditieren, zu stigmatisieren, auszugrenzen und zu diffamieren. Kurzum sie müssen zu Gewaltmenschen und zu Unterdrückern werden. So sie sich einen Hauch von Humanismus bewahrt haben, tun sie das „nur“ mit psychologischer Kriegsführung, ansonsten auch mit brachialer physischer Gewalt bis hin zu Gulags und Massenmord, siehe Stalin, siehe Mao, siehe Nordkorea, siehe die Kommunistische Partei in China, siehe Vietcong (die Nationale Front für die Befreiung Südvietnams), siehe Pol Pot und die die Roten Khmer usw. usf.." (aus "Warum Sozialisten mit der Zeit stets ihre Moralität einbüßen")

Klima, das den „freien Austausch von Informationen und Ideen, den Lebensnerv einer liberalen Gesellschaft“ von Tag zu Tag „mehr eingeengt“.

Dieses Klima der Intoleranz war das teilweise sogar dezidiert formulierte Ziel der Achtundsechziger. Mit dem von Rudi Dutschke geforderten "Marsch durch die Institutionen" sollte genau das erreicht werden: eine Vormachtstellung der Linken und eine Diskriminierung aller Nicht-Linken.

17. Juli 2020
17:08
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mmnischek
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MEINUNGSFREIHEIT

15. Juli 2020, 12:44 Uhr

Maulhalten statt mitreden: Warum Intellektuelle jetzt vor „Atmosphäre der Zensur“ im linksliberalen Milieu warnen

 

Intoleranz ist längst nicht mehr ein Merkmal der Rechten. Jetzt haben Intellektuelle aus aller Welt einen Brandbrief veröffentlicht, in dem sie von einem Klima der Ausgrenzung sprechen. Das Problem: Für viele ist die Identität inzwischen wichtiger als das Argument.

VON JOHANNES BRUGGAIER

https://www.suedkurier.de/ueberregional/kultur/maulhalten-statt-mitreden-warum-intellektuelle-jetzt-vor-atmosphaere-der-zensur-im-linksliberalen-milieu-warnen;art10399,10563497

Es fehlt nicht mehr viel, dann ist die größte Errungenschaft der Studentenbewegung von 1968 rückabgewickelt: die demokratische Teilhabe aller Menschen am öffentlichen Diskurs. Ohne Ansehen ihrer sozialen Herkunft, ihres Bildungsstands oder ihres Einkommens.

.......

Anders als so lange zuvor sollte nicht mehr die persönliche Identität über den Ausgang eines solchen Diskurses entscheiden, weder ein Doktor- noch Adelstitel, auch nicht eine Position als Lehrer, Pfarrer oder Bürgermeister. Nein: Einzig und allein aufs beste Argument kam es nun an. Diese scheinbare Selbstverständlichkeit steht jetzt infrage. Was zählt, ist nicht mehr das Argument. Sondern wer es hervorbringt.

Zu Beginn sah es noch so aus, als sei diese Tendenz allein am rechten Rand der Gesellschaft zu besichtigen: Anhänger von Verschwörungstheorien, die noch den stichhaltigsten Einwand dadurch zu entkräften verstanden, dass sie seinen Absender als Mitverschwörer für befangen erklärten. Medien berichten über den Klimawadel? Kein Wunder: Sind schließlich Teil der grünen Mafia! Sie berufen sich auf wissenschaftliche Studien? Die Forscher sind ja auch gekauft! Mit welcher Vehemenz sich ganz ähnliche Mechanismen inzwischen auch auf der linken, sich für liberal haltenden Seite der Gesellschaft etabliert haben, beunruhigt nun Intellektuelle auf der ganzen Welt. In einem offenen Brief warnen des Extremismus bislang unverdächtige Persönlichkeiten wie die „Harry-Potter“-Autorin Joanne K. Rowling, der Linguist Noam Chomsky und weitere prominente Autoren wie Salman Rushdie oder auch Daniel Kehlmann vor einem Klima, das den „freien Austausch von Informationen und Ideen, den Lebensnerv einer liberalen Gesellschaft“ von Tag zu Tag „mehr eingeengt“.

Die Verfasser sprechen von „Intoleranz gegenüber Andersdenkenden“, „öffentlicher Anprangerung und Ausgrenzung“ sowie der „Tendenz, komplexe politische Fragen in moralische Gewissheiten zu überführen“. Von radikalen Rechten hätten sie nichts anderes erwartet, schreiben sie, zunehmen breite sich diese „Atmosphäre von Zensur“ auch „in unserer Kultur“ aus. Anlass war die Kündigung eines Redakteurs der New York Times nach einem umstrittenen Meinungsstück.

.......

„Wir lehnen jedes Ausspielen von Gerechtigkeit gegen Freiheit ab“, schreiben die Verfasser des Manifests gegen die Intoleranz. „Das eine ist nicht ohne das andere zu haben.“ Die Antwort aus dem Internet kam so prompt wie erwartbar: Es gehe den Autoren ja nur darum, ihre Privilegien zu verteidigen.

15. Juli 2020
15:39
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mmnischek
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Ein falscher Tweet - und du bist weg?Freie Rede braucht auch offene Ohren

Statt wie inzwischen üblich missliebige Stimmen auszugrenzen oder zu „canceln“, sollten viel mehr Stimmen als bisher gehört werden
Von Timothy Garton Ash
- Timothy Garton Ash ist Professor für Europäische Geschichte an der Universität Oxford und Autor von „Redefreiheit: Prinzipien für eine vernetzte Welt“ (Hanser, 2016).
 
https://plus.tagesspiegel.de/redeverbote-und-cancel-culture-freie-rede-braucht-auch-offene-ohren-22992.html
  • Wer kann was noch sagen, ohne mit Konsequenzen bis hin zum Jobverlust rechnen zu müssen?

Ein Offener Brief zur Verteidigung robuster Debatten hat selbst eine robuste Debatte ausgelöst, inklusive eines Gegenbriefes. Gut so. Wir müssen die freie Rede verteidigen, sie aber auch für jene ausweiten, die weniger oft gehört werden.

Mehr als 150 hauptsächlich nordamerikanische Autoren, Akademiker und Journalisten haben einen offenen Brief unterzeichnet, der im „Harper’s Magazine“ und zeitgleich in der „Zeit“ veröffentlicht wurde.

Darin unterstützen sie die „Proteste gegen Rassismus und für soziale Gerechtigkeit“, warnen aber gleichzeitig vor den abschreckenden Effekten einer neuen Zensurkultur, die sich in „Intoleranz gegenüber Andersdenkenden, öffentlicher Anprangerung und Ausgrenzung“ manifestiert.

.......

Die Unterzeichner haben recht. Ein anstößiger Tweet, eine wirklich krasse Bemerkung, ein Literaturzitat, das den Rassismus oder Sexismus seiner Zeit enthält, und du bist weg vom Fenster - entlassen oder zumindest freigestellt.

... Freie Rede braucht beides - Mund und Ohr. Es geht um die Rechte und Bedürfnisse von Sprechern, aber auch von Zuhörern. Mahatma Gandhi hat bemerkenswert darüber gesprochen, dass man versuchen soll, die Ohren der Menschen zu öffnen. Der beste Weg ist es, selbst offene Ohren zu haben.

.......

Das ist die Welt, die wir jetzt brauchen: eine Welt mit freier Rede, die einiges aushält, aber auch mit aufmerksamem und unvoreingenommenem Zuhören.

 

10. Juli 2020
13:43
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Chenier
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mmnischek. es ist ja schon Verschwörungstheorie, wenn man über den Tellerrand schaut und Zusammenhänge nicht so deutet und interpretiert, wie von der veröffentlichten Meinung vorgegeben und angeordnet.

10. Juli 2020
12:28
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Amfortas
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@dalmont

O mein geliebter psicoanaloidaler Stalker, was hassen Sie an sich so sehr, dass Sie es auf mich übertragen müssen?

Ihre Küchenpsychologie amüsiert mich immer wieder. Ich hasse gar nichts - erst recht nicht an mir. Ich mag jene zum Totalitarismus tendierende Ideologie nicht, der Sie anhängen, die uns hier Anlass zu Diskussion gab und deren Denkregeln Sie immer wieder verteidigen. Deshalb findet vieles, was Sie schreiben, meine Kritik. Ihrer Logik zufolge wäre jeder Antifaschist ein vor Selbsthass triefender Psychopath. Und das werden Sie doch nicht behaupten wollen - oder? 😉 Aber wer mich kritisiert, muss damit rechnen, selbst kritisiert zu werden. Und immerhin waren Sie es, der in diesem (und vielen anderen Threads) mit einer meiner Äußerung nicht einverstanden war und dies zum Anlass nahm, zur Argumantatio ad personam zu wechseln. Einseitige Empfindlichkeiten sind hier deplaziert. Wer austeilt, muss einstecken können. Im Gegensatz zu Ihnen greife ich aber Ihre Äußerungen auf und hänge mich nicht an Ihrem Privatleben auf. Aber als Linker sind Sie es natürlich gewöhnt, jede Kritik an Ihrer Denkweise zu pathologisieren. Das ist ja auch der Ausgangspunkt unserer Diskussion hier: Wer das linke Multikulti-Projekt kritisiert, ist ein Rassist. Wer Frauen kriktisiert, ist ein Sexist. Wer Ehrenmorde und muslimischen Terror kritisiert, ist ein Islamophobiker. Wer die Einschränkung der Bürgerrechte in der Corona-Ära kritisiert, ist ein Verschwörungstheoretiker. Wer Linke kritisiert, ist ein Neonazi. Wer es bedenklich findet, dass 55 % aller Gefängnisinsassen in Österreich Ausländer sind, ist ausländerfeindlich. Usw. usw. Diesen bequemen Weg, sich gegenüber Kritik zu immunisieren, sind Sie und Ihre Genossen konsequent gegangen. So sehr, dass Ihnen wohl im Laufe der Zeit völlig entfallen ist, dass es sich dabei um Selbstbetrug handelt.

Woraus schließen Sie, dass ich Bekannte aus den oberen Zehntausend habe?

Weil Sie nicht müde werden, sich hier damit zu brüsten, wem aller Sie im Laufe Ihres Lebens über den Weg gelaufen sind, wem Sie vorgestellt wurden, wen Sie aller kennen, mit wem Sie aller irgendwo gewesen sind und mit wem Sie anregende Gespräche geführt haben. Kaum einer Ihrer Beiträge kommt ohne solche Hinweise aus. Dass Sie auch dabei eine Tendenz haben, etwas zu dick aufzutragen, ist bekannt.

Noch immer besteht die Gefahr, dass aus den "Dichtern und Denker" Richter und Henker werden.

Diese Gefahr bestand niemals. Diejenigen, die wirklich gedacht (und vielleicht sogar gedichtet) haben, wurden nicht zu Henkern. Es waren jene, die eine antiliberale Gesinnung hatten, jene die glaubten, die Masse stehe über dem Inividuum. Jene also, die eine Art hatten die Welt zu sehen, die der Ihren in vielem ähnelt. Die Corona-Pandemie zeigt uns doch, wer bereit ist, blind den Mächtigen zu gehorchen, hart erkämpfte Rechte freiwillig abzugeben, zum willfährigen Mitläufer zu werden: diejenigen, die NICHT denken wollen. Wenn Sie allerdings unterstellen, dass Deutsche oder Österreicher den Hang zum Faschismus in den Genen haben, dann sollten Sie auch offen zu Ihren rassistischen Resentiments stehen. Was Sie von den Weißen halten, haben Sie andernorts ja schon eindrucksvoll erläutert und wahrscheinich dabei angenommen, Sie würden als selbsternannter Fürsprecher für die weniger Erfolgreichen automatisch moralische Überlegenheit erlangen. Dabei war's nur widerlicher Rassismus - mit umgekehrten Vorzeichen zwar, aber dennoch Rassismus.

Wenn ich Schwänke aus meinem Leben erzähle, dann hat das vor allem den Sinn, dass die Leser meiner Einträge mein Geschriebenes besser einordnen können ...

Glaub' ich nicht. Es hat eher den Sinn, sich selbst zu beweihräuchern. Wo Sie gerade sitzen, wenn Sie einen Beitrag für dieses Forum schreiben, ist völlig belanglos und interessiert auch niemanden. Wem Sie gerade vor einer Stunde über den Weg gelaufen sind, ebenso wenig. Über wessen Gräber Sie in Paris spazieren, wo Sie glauben, inspirierende Luft einatmen zu können - all das ist völlig nebensächlich bei unseren Diskussionen. Sie wollen sich als weitgereister, erfahrener, gebildeter und offener Mensch präsentieren. Vieles von dem, was Sie schreiben, hat nicht das geringste mit dem Diskussionthema zu tun. Es hat einzig den Zweck, Ihre Bildung und Erfahrung zur Schau zu stellen - sich also zu exhibitionieren und narzisstisch aufzutanken. Mann muss keine großen tiefenpsychologischen Kenntnisse haben, um das zu durchschauen. Sogar Ihre Kenntnisse auf diesem Gebiet dürften dazu ausreichen.

10. Juli 2020
2:21
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mmnischek
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Verschwörungstheorie und Verschwörungsmythos

 
VON TOMAS SPAHN - Do, 9. Juli 2020
 

Dieser postdemokratische deutsche Staat der dritten Dekade nach dem Beitritt der Länder der ehemaligen DDR zur BRD wandelt sich selbst zur verschwörungstheoretischen Republik.

.......

Er bedarf der Verschwörungstheorien nicht zuletzt auch deshalb, um seine eigenen Verschwörungstheorien als Nicht-solche erkennen zu lassen.

Es ist der totale Staat, der im Sinne des deutschen Denkers Carl Schmitt alle Weisheit, alle Erkenntnis, und damit all das, was er als Wahrheit behauptet, für sich beansprucht.

Es ist der totale Staat, der unweigerlich in die faschistische Diktatur führt, weil er jegliche Abweichung von der regierungsamtlich verordneten „Wahrheit“ als Spaltertum verurteilt, welches, weil es „die Menschen gegeneinander aufbringt“, letztlich der apokalyptische Bote eines drohenden Armageddon ist, den es mit allen, wirklich allen Mitteln zu vernichten gilt.

Es ist der totale Staat, der sich die Ideale der Demokratie und der pluralistischen Meinungsvielfalt und Gewaltenteilung nur noch als Negligé überwirft, um seinen faschistisch-totalitären Anspruch der allein glücklich machenden Einheitsmeinung zu camouflieren.

https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/spahns-spitzwege/die-angst-der-herrschenden-vor-dem-armageddon/

10. Juli 2020
2:11
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mmnischek
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»Widerstand darf nicht in Zwang ausarten«

VON MATTHIAS NIKOLAIDIS - Mi, 8. Juli 2020
 

In der Auseinandersetzung mit einem neu-autoritären Zeitgeist finden sich plötzlich auch die Linken und Liberalen dort, wo einst die Konservativen waren: außerhalb des zugelassenen Meinungsspektrums. Ein Offener Brief von über 150 Intellektuellen nimmt Stellung gegen die »Cancel-Culture«.

Man sagt, was heute in Amerika in Mode ist, wird bald auch bei uns ankommen. Nun bleibt die Frage ob es sich wirklich nur um eine Mode handelt bei dem, was gerade in den Zeitungen, Verlagen und Universitäten der USA vor sich geht. Dass es sich tatsächlich um epochale Geschehnisse handelt, kann jedenfalls niemand mehr ausschließen. Epochal – das hieße, dass die heute angestoßenen Neuerungen nicht nur bleiben werden, sondern auch ein neues Zeitalter begründen, das einen anderen Charakter trägt als der Abschnitt zwischen Zweitem Weltkrieg und Heute.
 
... Erstmals sind es nicht einzelne vom Hof gejagte Konservative oder auch Liberale, sondern eine ganze Batterie von meist liberalen oder sogar linksgerichteten Intellektuellen, die eine Pathologie unseres Zeitalters nachzeichnen, unter ihnen die Schriftsteller Louis Begley, Jeffrey Eugenides, J. K. Rowling und Salman Rushdie, der linke Linguist Noam Chomsky, der Politologe Francis Fukuyama, nicht zu vergessen Garry Kasparow und Wynton Marsalis. Sogar CNN-Moderator Fareed Zakaria trägt den Brief mit, um nur die allerbekanntesten Namen zu nennen.
 
Am Ursprung des Briefs steht der Autor und Publizist Thomas Chatterton Williams, Sohn eines Schwarzen und einer Weißen, der in seinem Buch Self-Portrait in Black and White für die Ablegung der eindeutigen Rassenidentitäten plädierte. Williams, durchaus eine Stimme aus dem liberalen Establishment, hält zwar auch Donald Trumps »Illiberalismus« für eine Gefahr, so wie es auch im ersten Absatz des Briefes deutlich wird. Doch die »Korrektur von Trumps Übergriffen darf keine Überkorrektur werden, die die Grundsätze, an die wir glauben, unterdrückt«.

 

.......

... Das Ertragen von Unterschieden weiche damit einer gewollten »ideologischen Einförmigkeit«. Und gestärkt würden so die »Kräfte des Illiberalismus«, die man ohnehin weltweit auf dem Vormarsch sieht. Hier fällt auch der Name Donald Trump, der eine »echte Gefahr für die Demokratie« darstellen soll. Doch der »Widerstand« gegen ihn dürfe nicht selbst in »Dogma oder Zwang« ausarten. Ein intolerantes Meinungsklima kann nicht zur »demokratischen Inklusion« führen.

.......

Im Detail kritisieren die Autoren eine wachsende »Intoleranz für andere Meinungen« und die Tendenz, auf komplexe politische Fragen mit »blindmachender moralischer Gewissheit« zu antworten. Schließlich beklagen sie eine »Welle der öffentlichen Beschämung und des Ostrazismus« – also der Exilierung bis dahin verdienter Mitglieder verschiedener Organisationen, wie man sie zuletzt bei einigen einflussreichen Journalisten gesehen hatte. Dagegen sei die »robuste, ja beißende Gegenrede« von allen Parteien zu ertragen. An die Stelle einer solchen Toleranz der Differenz treten aber, gemäß den Autoren, immer öfter eilfertige und strenge Strafen, mit denen man auf »wahrgenommene Überschreitungen in Sprache und Denken« reagiere. Die konkreten Beispiele öffnen noch einmal die Büchse der Pandora, die tatsächlich schon fast leergeräumt am Boden liegt: Herausgeber werden für umstrittene Meinungsstücke gefeuert, Bücher wegen angeblichen Mangels an »Authentizität« nicht herausgegeben, Journalisten dürfen nicht über bestimmte Themen schreiben, Professoren nicht bestimmte Autoren vor ihren Schülern zitieren. Ein Forscher sei sogar entlassen worden, weil er eine von Fachkollegen geprüfte (»peer-reviewed«) Arbeit verschickt habe.

Die Folgen aller dieser Maßnahmen seien: Die Grenzen des Sagbaren werden enger, Autoren, Künstler und Journalisten vermeiden Risiken, indem sie sich in vorauseilendem Gehorsam zahmer ausdrücken, den angenommenen »Konsens« befolgen. Schon mangelndes Engagement für den »guten Zweck« kann da schon zu einer Einbuße an allgemeiner Akzeptanz führen. In diesen Worten erkennt man den sozialen Mechanismus des »virtue signalling« wieder.

Der Schlüsselsatz steht im dritten und letzten Absatz des Briefes: »Schlechte Ideen werden durch Offenlegung, Streit und Überzeugung besiegt, nicht indem man sie verschweigt oder wegwünscht.«

.......

Meinungsunterschiede müssten möglich sein, ohne gleich berufliche Konsequenzen erwarten zu müssen. Im letzten Satz des Briefs verdichtet sich dieses Bekenntnis zur offenen Debatte zu einer Definition der schreibenden Profession: »Wenn wir nicht das verteidigen, von dem unsere Arbeit abhängt, sollten wir nicht erwarten, dass die Öffentlichkeit oder der Staat das für uns tut.«

Und die Arbeit der Schreibenden hängt offenbar in grundlegender Weise von der Freiheit ab. Wenn Autoren, Journalisten und Universitätslehrer dagegen ihre eigene Freiheit immer weiter einschränken, ob in vorauseilendem Gehorsam oder weil sie dem Druck von außen nachgeben, wird niemand das retten, was ihnen wichtig ist.

.......

... Einige Unterzeichner haben ihre Unterschrift – folgend auf die öffentliche Kritik – auch schon wieder zurückgezogen und damit im Grunde den Anlass des Briefes bestätigt. ...

https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/aus-aller-welt/offener-brief-fuer-die-offene-debatte/

9. Juli 2020
18:40
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dalmont
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Ach Gotterle Chenier, was wollten Sie sagen? Wem ans Bein pinkeln? Der Mikrobe? Wer ist die Mikrobe und was heißt Rentnerstress? Bleiben Sie daheim und hören Sie Bach, dann gehen Sie Ihrer Umwelt nicht auf den Keks (was Rentnerstress meist bedeutet).

9. Juli 2020
17:44
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Chenier
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Sinnlos, Amfortas, erklären Sie einer Mikrobe die Kernphysik, Sie werden scheitern.

Sorry für die Kürze der Wortmeldungen, aber ich muss schon wieder weg, der Stress des Rentners.

9. Juli 2020
17:37
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dalmont
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O mein geliebter psicoanaloidaler Stalker, was hassen Sie an sich so sehr, dass Sie es auf mich übertragen müssen?

Lieber Amfortas, wo kann man den Parsival finden, den Sie brauchen um Ihre Wunden zu schließen? NB nicht Parsifal.

Ich muss Sie aber jetzt schon fragen: Woraus schließen Sie, dass ich Bekannte aus den oberen Zehntausend habe? Habe ich nicht, sieht man von den Freunden aus dem verarmten Hochadel ab, aber auch davon habe ich nie geschrieben.

Worin besteht meine Gefährlichkeit? Wenn man das deutsche Bildungsbürgertum als Fokus nimmt, bin ich sehr „gebildet“, aber Bildung ist ja ganz was anderes, das müssten Dottore Psicoanalitico eigentlich wissen. Noch immer besteht die Gefahr, dass aus den "Dichtern und Denker" Richter und Henker werden. 

Wenn ich Schwänke aus meinem Leben erzähle, dann hat das vor allem den Sinn, dass die Leser meiner Einträge mein Geschriebenes besser einordnen können, das muss niemand kommentieren. Müssten Herr Dr. Analitico wissen.

Was Sie , Dott. Anala..geschafft haben: mit Christine über ihre Aussagen in Kontakt zu treten. Ich habe das Gefühl, dass sie sich meine Überlegungen anhören würde, ohne mich (ein bürgerlicher Grüner) sofort negativ einzuschachteln, wie Sie Herr Dott. Anal. Psic. das ständig tun. 

9. Juli 2020
10:26
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Amfortas
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@dalmont

Ich kenne niemand auf der Liste außer Kehlmann ...

Sie überschätzen meist Ihre Allgemeinbildung! Von Katha Pollitt, Salman Rushdie oder Dael Orlandersmith noch nie etwas gehört? Schwer zu glauben angesichts der Selbstbeweihräucherung Ihrer humanistischen Bildung.

ja, wir wollten und durften damals akademisch streiten und haben das auch getan, obwohl ewiggestrige ...

Ja, damals durfte man noch streiten auf den Unis. Die ewiggestrigen ....löcher, die heute das Sagen in den Unis haben, die Alt-68er also, verunmöglichen es. Wer anders denkt als sie, hat das Maul zu halten oder damit zu rechnen, als Faschist denunziert und diskreditiert zu werden.

Vorlesungen im NIG 1-er immer wieder gestört haben ...

Heute werden die Vorlesungen von Alice Schwarzer gestört, weil sie es gewagt hatte, das islamische Kopftuch zu kritisieren. Ganz nach dem Motto: Wer den Islam kritisiert, muss ein Nazi sein - und Nazis haben auf Unis nichts zu suchen. Ja, so einfach gestrickt sind heute die Studenten - zumindest die Linkesaktivisten unter ihnen. Statt zuzugeben, dass mit Multikulti ein weiteres linkes Gesellschaftsexperiment Schiffbruch erlitten hat, verbietet man einfach die Diskussion darüber. Das antiautoritäre Verblödungsprojekt, das die 68er initiiert haben, trägt Früchte, genau so wie der "Marsch durch die Institutionen", mit dem sich die Linken zu den Meinungsbildern gemacht haben und dessen fatale Auswirkungen wir heute erleben.

Jetzt, über 90 Jahre alt hält Chomsky Trump für den gefährlichsten Menschen der Welt.

... und befindet sich damit zu 100 % auf Linie mit dem politisch korrekten Meinungsmainstream in Europa.

weltoffener a (llwissender) A (=Analytiker)

Sie - nicht ich - haben das Bedürfnis, die Leser des Merker-Forums permanent mit Ihrer (bei genauerer Betrachtung gefährlichen Halb)Bildung, Ihrer Lebenserfahrung, Ihren zahlreichen Bekannten aus den oberen Zehntausend zu beeindrucken und glauben offenbar, damit mehr zu bewirken als gähnende Langeweile. Sie vertragen es natürlich nicht, wenn ich mich abfällig über den Sozialismus äußere und mich wenig beeindruckt zeige angesichts ihrer Reisebereichte. Aber wenn Sie aufmerksam auch andere als Ihre eigenen Beiträge lesen, dann sollten Sie feststellen, dass noch nie jemand auf die Schwänke aus Ihrem Leben weiter eingegangen ist. Sie langweilen nur.

Und wer irgendwas im Kurier, der ja mittlerweile unter der Fuchtel der Basti-Ziehmutter Salomon steht, ernst nimmt, ist selber schuld.

Praktisch alle größeren Zeitungen haben von den drakonischen Maßnahmen der Ärztekammer berichtet, die jenen Ärzten drohen, die man nicht auf Linie bringen kann. Auch im Fernsehen kann man die Vorgehensweise schon seit Monaten verfolgen. Statt die Realität auszublenden, sollten Sie sich seriös informieren.  Augen zu halten - Ohren zuhalten - Mund zuhalten ... das mag geholfen haben, um die Verbrechen Ihrer Gesinnungsbrüder im ehemaligen Ostblock, in Kambodscha, China, Kuba oder Nordkorea auszublenden. Aber die ganze Ausblenderei hat halt doch immer den Nachteil, dass einem die Wirklichkeit abhanden kommt.

9. Juli 2020
10:12
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Christine
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Dieses Schreiben sollte im Forum nicht wieder mit dem Kurier Artikel in Verbindung gebracht werden, sonst landen wir wieder bei Corona. Die Unterzeichner sind mir bis auf wenige Ausnahmen unbekannt. Dass man heute nicht mehr so frei sprechen kann wie noch in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts ist ja evident. Sehr schnell wird etwas als rassistisch, diskriminierend, rechts- oder linksradikal, intolerant, engstirnig,  usw. bezeichnet. Ob das in den sogenannten demokratischen Ländern mit den Regierungen zusammenhängt, bezweifle ich. Viel eher mit sogenannten Experten.

9. Juli 2020
9:34
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dalmont
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ad 3)

Ich kenne niemand auf der Liste außer Kehlmann, dessen Bücher ich aber nicht gelesen habe, die sehr schätzenswerten Margret Atwood und Michael Ignatieff, und Noam Chomsky, dessen linguistische Theorien zu meiner Studienzeit in den 70ern äußerst kontroversiell diskutiert wurden (ja, wir wollten und durften damals akademisch streiten und haben das auch getan, obwohl ewiggestrige .... löcher Vorlesungen im  NIG 1-er immer wieder gestört haben. Jaja, die teutsche und nordische Philologie damals!).

Jetzt, über 90 Jahre alt hält Chomsky Trump für den gefährlichsten Menschen der Welt. Er - (Chomsky, nicht T.) gilt – horribile dictu (sorry, das ist nicht teutsch, aber die Dr.in Herausgeber kann es sicher allen einteutschen) – als L...!

Wer außer unser so weltoffener a (llwissender) A (=Analytiker) wird „das Rätsel lösen“? (=teutsch und Schreyfritz-Zitat)?

Und wer irgendwas im Kurier, der ja mittlerweile unter der Fuchtel der Basti-Ziehmutter Salomon steht, ernst nimmt, ist selber schuld. Mit ihrem Vorgänger ließ es sich nämlich auch trefflich streiten...

9. Juli 2020
8:16
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Amfortas
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@Chenier

Ich kenne einige ärztliche Berufskollegen, die in den letzten Monaten nur deshalb gewaltige rechtlichliche Probleme bekommen haben, weil sie es gewagt hatten, den von der Regierung vorgegebenen Meinungs-Mainstream zu hinterfragen. Dabei reicht es schon, etwas in der Öffentlichkeit zu sagen, was diesem Mainstream widerspricht. Wer die 100.000 Toten anzweifelte, die Kurz prognostiziert hatte, lief Gefahr, seine Zulassungt als Arzt zu verlieren. Selbst Kollegen, deren Prognosen sich im Nachhinein als richtig herausgestellt haben, befinden sich in Gefahr. Wir bewegen uns mit großen Schritten in Richtung einer Gesundheitsdiktatur. Ungemütliche Denker stören da nur. In Österreich sind derzeit obrigkeitshörige Mitläufer gefragt. Widerstand leisten wir hingegen brav an Nazi-Gedenktagen - gegen ein Regime, das es seit 75 Jahren nicht mehr gibt. Dann gehen wir abends mit dem erhebenden Gefühl schlafen, moralisch in der Nähe der Geschwister Scholl zu sein. Und am nächsten Morgen zeigen wir unsere Nachbarn an, die es gewagt haben, ohne Maske in einen Bus zu steigen. Schöne neue Corona-Welt ...

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