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Andrea Chénier an der Wiener Staatsoper | Seite 3 | OnlineMerker | Forum

 

 

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Andrea Chénier an der Wiener Staatsoper
7. Januar 2019
20:31
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 437
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Schön, dass eine interessante Diskussion entstanden ist!

@2: Danke für Ihre netten Worte! Und gleich willkommen im Forum!
Was Inzenierungen betrifft, zähle ich mich zu den Anhängern des sogenannten Regietheaters (auch wenn ich diesen Begriff für sinnlos halte, denn jede Inszenierung hat Regie, egal ob sie von Zefirelli oder von Bieto stammt), ich schätze aber auch gut gemachte traditionelle Produktionen (deshalb trauere ich der wunderbaren Sanjust-Ariadne nach, die durch einen Bechtolf-Schmarrn ersetzt worden ist). Ich habe ja geschrieben: Ich mag Otto-Schenk-Produktionen normalerweise ÜBERhaupt nicht. Aber den Andrea Chénier finde ich akzeptabel. Das Stück wird weder lächerlich gemacht und unter seinem Wert verkauft (siehe Schlaues Füchslein) noch veralbert (siehe Komödien) So sehe ich das, die Inszenierung ist akzeptabel und passt. Eine Neuproduktion würde ich nicht wollen.
Bei "die Oper kann man nehmen, wie sie ist" muss man, denke ich, aufpassen. Wie ist "die Oper" denn? Die Oper entsteht ja erst durch die unwiederholbare Realisierung in der Aufführung. Ich habe meinen gestrigen Chénier-Bericht keinesfalls als Plädoyer für Otto Schenks Operninszenierungen gemeint, sondern ich wollte nur festgestellt haben, dass ich mit dieser Schenk-Inszenierung gut leben kann. Auch das "Schwelgen in den alten Zeiten" war von mir leicht ironisch gemeint (Da auch ich offenbar schon zu den Leuten gehöre, die behaupten, dass früher alles besser gewesen sei ist ja nicht ganz ernst gemeint).
Dass jüngere Leute oft ins Musical gehen, ist (leider) wahr. Aber Leute, die sich für Klassische Musik interessieren, wird es immer geben. Ich kenne allerdings auch Leute, die sowohl in die Oper als auch ins Musical gehen. Ich persönlich kann Musicals wenig abgewinnen, dafür schätze ich immer mehr klassische Konzerte.
Was den Green anbelangt, sind wir dafür komplett einer Meinung. Da gibts in der "Provinz" viel bessere Nachwuchsbassisten. Der Begriff Bashing ist aber auch mit Vorsicht zu genießen, denn keiner weiß, was dieses Wort genau besagt. Das führt leicht dazu, dass eine legitime Meinungsäußerung als Bashing abqualifiziert wird und somit nicht beachtet wird. Da muss man achtgeben, die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut.
Davon unabhängig: Danke für Ihren wirklich netten Beitrag!

@3: Ich war von Kunde sehr enttäuscht, ich habe mir mehr erwartet, Salsi hingehen war für mich ein ganz unbeschriebenes Blatt. Ich bin gespannt, was Sie über die Aufführung am Freitag sagen! Vielleicht gehe ich am Freitag auch nochmals, das wird sich erst spontan entscheiden.

@4: Danke für Ihre SEHR wertvollen Informationen!! Ich stimme Ihnen auf Punkt und Beistrich zu. GENAUSO sehe ich das auch.
Dieser Youtube-Kanal ist sehr interessant! Dem werde ich mich in naher Zukunft näher widmen.

@5+8: Das stimmt, ich würde wirklich gerne wissen, was am Wiener Staatsopernensemble so toll sein soll. Ja, Bankl, Pecoraro, Hangler, Park und Bohinec sind super, ein paar Neuzugänge (Vörös + P. Kellner) vielversprechend. Aber sonst? Wirklich gute Leute sind mittlerweile meines Wissens nicht mehr im Ensemble (unter anderem Kulman, Eiche, Ernst, Bruns - oder ist der Bruns noch im Ensemble?). Im Staatsopernensemble gibts Leute, die anderswo nicht einmal einen Vertrag als Chorsänger bekämen!! Und Ihr Beitrag Nr. 8 trifft den Nagel auf den Kopf hinsichtlich der derzeitigen Barbiere-Besetzung. Da bringen mich keine 10 Pferde dorthin. Aber es werden halt lauter Touristen drinnen sein, die alles ganz supertoll und soooo witzig finden werden -> Applaus -> passt. Tja.

@7: Ich habe nirgendwo Botha als idealen Ch´enier bezeichnet. Wie denn auch, wenn ich bis vorgestern keinen anderen gehört habe? Aber weil ich eben (bis vorgestern) keinen anderen kenne, identifiziere ich Botha mit dieser Rolle, und sind wir ehrlich: Derzeit (ich rede nicht von den Sängern vergangener Tage, die hier genannt wurden, die ich zum Teil von Aufnahmen kenne und mir wirklich gut gefallen) gibt es in stimmlicher Hinsicht meines Wissens keinen Interpreten, der Botha in dieser Rolle ansatzweise das Wasser reichen könnte. Mag sein, dass er im deutschen Fach besser war, aber das würde ich gar nicht so sehen, war zum Beispiel sein Tannhäuser wirklich sooo überragend gut? Ich denke nicht. Leider haben wir seinen Tristan nicht mehr erlebt, der war ja für 2019 (?) geplant. Ich habe Botha auch als wunderbaren Cavaradossi in Erinnerung (auch wenn er beim La vita mi costasse gekieckst hat).
Wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass Kunde mittlerweile in einem Alter ist, in dem es stimmlich schnell vorbei sein kann und in dem es stark auf die Tagesform ankommt. Dass er letztes Jahr großartig gewesen sein soll, glaube ich gerne. Aber gestern wars wirklich nicht gut, er hat dank guter Technik den Abend noch halbwegs geschafft. Vielleicht sollte ich ja doch am Freitag nochmals gehen? Aber mal schauen...
Vergleiche mit Sängern früherer Tage finde ich sehr interessant, aber man darf davon nicht ableiten, dass früher alles besser war. Früher wurden halt nur die wirklich guten Sänger aufgenommen, heutzutage jeder Mist. Und die Erinnerung verklärt auch vieles. Gut, dass daher viel nachhörbar ist (auch die Probleme frühere Sänger, kein Zweifel).

7. Januar 2019
16:27
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Michta
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Forumsbeiträge: 133
Mitglied seit:
6. März 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Ad Marion:        Wie Sie mir aus der Seele sprechen - grazie mille!  

PS: Habe erst jetzt die Besetzung des "Barbiere" gesehen:  eigentlich unfassbar, ein Konglomerat vom "Ensemble", nicht einmal geschenkt brauche ich das. Wer gab sich da aller die Klinke in die Hand in ALLEN Rollen des Barbier...!   Jetzt verkommt das Stück  , wie aúch zumeist der "Elisir" zu einer Beschäftigungstherapie für die Fixen.... traurig!

7. Januar 2019
16:13
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UwePaul
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Forumsbeiträge: 587
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Ich kann mir die schlechte Einschätzung von Gurnemaz auch nur mit einem schlechten Abend erklären. Immerhin stehen Menschen auf der Bühne und keine Automaten. Wie sicherlich allen Opern- und Stimmenfans bekannt ist, verzichten manche auf eine Ansage.

Ich habe ihn vor einem guten Jahr 3 oder 4 mal als Jean de Leyde gehört und fand ihn großartig. Lediglich der Premierenabend war ein bisschen wacklig.

Das Botha das Non plus Ultra gewesen sein soll, kann ich mir auch nicht vorstellen. Habe ihn allerdings auch nur in "deutschen" Rollen gehört.

Diese Vergleiche mit Schallplattenaufnahmen finde ich völlig daneben.

7. Januar 2019
16:11
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HansLick2
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Forumsbeiträge: 224
Mitglied seit:
14. März 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

@ michta: ich hätte meinerseits auch LIVE noch corelli, bergonzi, tucker anzufügen!

sonst bin ich mit ihrer liste mehr als einverstanden.

7. Januar 2019
16:00
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Michta
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Forumsbeiträge: 133
Mitglied seit:
6. März 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Nach langer Zeit war ich auch wieder mal drin, und es wurde tatsächlich nicht das erhoffte Fest. Positiv überraschte mich der Sopran  - also "scharf" war da gar nix, mit Verlaub!  - hatte sie jahrelang nicht mehr gehört. Bissl mehr italienische Diktion vielleicht, aber das ist Beckmesserei, endlich eine Stimme und kein unterbesetztes Stimmerl, wie heute ja schon fast üblich geworden. Auch Salsi konnte sehr positiv punkten, eigentlich die beste Rolle , die ich von ihm bis jetzt hörte ( vom Valentin in "Margarethe" angefangen.... ). Bei der Bewertung der Nebenrollen stimme ich mit Frau Wagner völlig überein.... die stellen für mich - im Gegensatz zu manchen Rezensenten, die immer so über die Nebenrollen und das "Ensemble" schwärmen - meistens Schwavchpunkte dar und ich bin immer erstaunt wie kleine Häuser "in der Provinz" dagegen gut aufgestellt sind!   Leider hatte Kunde tatsächlich keinen guten Tag, und konnte nur sein unglaubliches Können (ist ja auch eine Kunst ) demonstrieren. Leider fehlte der Glanz, das Volumen ( die Stimme trägt sonst viel besser ), selbst die Höhen ( seine Stärke) mussten "erzeugt" werden... tja alle sind Menschen  ( sogar Marcel Hirscher ! ) , und so hoffen wir auf die nächsten Abende.

     Ok, wenn Sie , Gurnemsanz , nur Botha live in der Partie gehört haben und ihn damit identifizieren, so kann ich es verstehen, dass sie ihn angehört haben. Ich hätte mir Bonisolli, Bartolini, Mauro, Ciannella, Giacomini, Encinas, Domingo, Carreras  etc. angehört, die ich in der Partie gehört habe, Botha konnte da mit keinem mithalten - er war im deutschen Fach weit besser aufgehoben! 

7. Januar 2019
10:51
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lavoce
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Forumsbeiträge: 28
Mitglied seit:
11. Oktober 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Eine Überlegung zu den Fehlbesetzungen: ich beobachte seit Jahren,wie sehr sich der Klang der Sänger verändert hat. Von Individualität keine Spur. Zu viel Vibrato (alle möglichen Arten von Tremolo), hohle,kernlose Stimmen,die nicht die Durchschlangskraft besitzen über das Orchester zu kommen,dafür aber forcieren.Man nennt sie "zu klein".Man hört immer wieder: Verdi Baritöne gibt es nicht mehr, bei den Tenören ist das  traurige Liedchen angestimmt "er hat zwar kein hohes C,aber ", die Sopranhöhe ist schrill und Bässe gibt es sowieso so gut wie keine mehr.Überspitzt gesagt,aber es ist etwas dran,glaube ich.

Man hört die Stimmdefizite und schlussfolgert: zwar eine tolle Technik,aber eine schlechte Tagesverfassung usw. Das ist ein Wiedersprcuh.

Fehlbesetzungen finden überall statt.Nicht nur an der STOP Wien.Trotz Überangebotes der Sänger am Sängermarkt.Heutzutage gibt es viele Stars,aber sehr wenige gute Sänger.Meiner Meinung nach sind die Gründe vielschichtig,aber einer der Hauptgründe ist die Tonträgerindustrie.Vor Jahren warnte der verstorbene Tenor J.Wottrich,dass die Stimmen zunehmend nur noch nach dem Kriterium "angenehm zum aufnehmen" selektinoniert werden.Digital aufnehmen.

Eine gute Opernstimme ist laut und hat viele Obertöne.Ist individuell und penetrant.Direkt und klar. Nicht leicht aufzunehmen.

Wie viele heutige Stimmen haben eine direkte Attacke? Gute Artikulation? Große Dynamikbreite? Ich weiß.Man relativiert alles.Und verweist,daß sowas in der Oper nicht möglich ist.Ich sage es:nicht mehr.Aber es gab Zeiten,wo die Sänger laut,verständlich, interessant und entspannt geklungen haben. Das war in der Zeit,wo LIVE Musik im Vordergrung stand.Und keine Streams mit Mikophonen.

(Ich hörte N.Gedda mit 67 .Er hatte damals zwar nicht mehr die Kraft eines 30 jährigen,dafür aber immer noch seinen charakteristischen Klang und eine Elleganz des Tones.Das werde ich nie vergessen.)

Für alle,die Interesse an der Oper haben,empfehle ich einen YOUTUBE Kanal. Die Problematik hier wird sehr einfach gezeigt.Auch für ungeschulte Ohren.Außerdem bin ich der Meinung,daß die Zuhörer zu den Experten gehören.Experten der Wahrnehmung.Die aus der Intuition und Liebe entsteht.

 

https://www.youtube.com/channel/UCZmPxGnYwbE-mrhuI0UivHQ

 

Gruß,lavoce

7. Januar 2019
10:42
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Chenier
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Forumsbeiträge: 368
Mitglied seit:
28. Februar 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

Danke, lieber Gurnemanz, für den ausführlichen Bericht. Das klingt ja alles wenig überzeugend, schade. Es ist zu hoffen, dass sich alle Beteiligten bis zum 11. steigern, was ich zumindest von Speedo nicht wirklich erwarte, aber der ist in dieser Oper eh nur eine Randfigur.

Ganz kann ich ja nicht glauben, was Sie über Kunde und Salsi schreiben, 2 von mir hochgeschätzte Protagonisten. Und bei aller Wertschätzung für Botha, aber das war nie seine Paraderolle, wobei er mich in keiner italienischen Rolle wirklich überzeugen konnte. Wagner und Strauss waren immer seine absoluten Stärken.

7. Januar 2019
8:55
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Marion
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Gurnemanz sagt
So., 6. Jänner 2019

Um mit den erfreulichen Dingen fortzusetzen: Ich mag Otto-Schenk-Produktionen normalerweise ÜBERhaupt nicht. Aber den Andrea Chénier finde ich akzeptabel. Das Stück wird weder lächerlich gemacht und unter seinem Wert verkauft (siehe Schlaues Füchslein) noch veralbert (siehe Komödien), sondern Otto Schenk erzählt einfach die Geschichte so, wie sie im Libretto steht. Ich denke, stark anders kann man das Werk nicht inszenieren, was will man da groß interpretieren? Die Produktion ist repertoiretauglich, die Bühne ist nicht überladen, sondern mit wenigen Requisiten versehen (im zweiten Bild zum Beispiel ein umgestürzter Wagen, der als Versteck dient), die Massenszenen passen, die Arien können sich ungestört entfalten. Passt also, diese Inszenierung würde ich gerne behalten. Eine ausgefeiltere Personenregie einer eventuellen Neuproduktion würde sich im Repertoire bald abschleifen. Allerdings sollte man die Pause zwischen erstem und zweiten Bild streichen, dann wäre der Abend um eine knappe halbe Stunde kürzer.

Ryan Speedo Green hat das Kunststück geschafft, in der kleinen Rolle des Schmidt einen negativen Eindruck zu hinterlassen. Was qualifiziert ihn für die Staatsoper?

So, und jetzt hör ich mir die Botha-Andrea-Chénier-Aufnahme an und schwelge in den alten Zeiten!  

 

Ihr Eintrag ist interessant , ich war nicht in der Vorstellung, kenne aber die Oper und die Inszenierung sehr gut. Somit ein paar allgemeine Worte die nicht direkt zur Aufführung gehören

Mir ist von den Eintragungen bewusst , dass Sie lieber Gurnemanz recht jung zu sein scheinen. Und somit finde ich es toll wie sehr sie sich für Oper interessieren und leidenschaftlich sind.

Umso amüsanter (in positiver Richtung) finde ich ihren Eintrag über Otto Schenk. Ja viel verurteilt von den jungen und den progessiven dieser Branche. Nur er hat etwas das sie richtig beschreiben, es braucht keine riesen Interpretation um eine Oper auf die Bühne zu bringen. Sie haben jetzt verstanden was Regisseure wie Otto Schenk mit ihrer Arbeit für die Oper bringen können. hier kann man die Oper genauso nehmen wie sie ist, ich muss mich nicht durch 1000 Sinnlosigkeiten ablenken lassen.

Sie haben es also nun verstanden, was uns "alten" den "verzopften" Opernfreunden so wichtig war. Oper pur zu erleben ohne "Haudrauf" interpretationen, ohne "Holzhammer" und ohne weissen Wänden oder grau in grau Anzügen oder Betten oder Koffer auf der Bühne.

Oper ist eine alte Kunst, die Musik aus einem anderen Jahrhundert und das ist ein Fakt da muss man einfach nicht Gewalt versetzen in ein anderes Jahrhundert. Damit macht man Oper nur lächerlich, was ja für viele bereits so ist. Ein Fakt , die alten wollen nicht wegen dem vielen Blödsinn nicht mehr in die Oepr gehen, die meisten jüngeren finden den Weg nicht , weil es meist ohnhin unverständlich ist was auf der Bühne passiert und mit der Musik aus den vorigen Jahrhunderten nicht zusammenpasst. Die sind lieber im Musical, dort gibts flottere Musik und meist auch flotte witzige oder einfach auch passende Inszenierungen oder "Keule"

zu Spedo Green - JA Vollkommen richtig !!!!!  .. egal wann ich den sehe und höre  er ist einfach nur grottenschlecht - dass er nun den Basilio singen soll finde ich persönlich grauselig.. wenn ich denke welche wirklichen "Asse" das mal gesungen haben .. allein dass der in das Kostüm reinschlüpft in dem mal Nicolai Ghiaurov war finde ich fast unerträglich.. Sorry ich mache bei Sänger Bashing nicht gerne mit, aber der ist für mich eine der größten Fehlbesetzungen in der Männerriege  in der Wr Staatsoper seit vielen Jahren (bei den Damen gibts ja auch einiges.. ua Nafornita..)

und für einen jungen Menschen wie Sie es wohl sind - klingt das recht interessant, dass Sie in alten Zeiten schwelgen. Können Sie dabei nun verstehen, dass man nach fast 50 Jahren Opernbesuche auch ab und zu in der Vergangenheit schwelgen muss wenn man diese Langeweile auf der Bühne miterlebt....

Danke für die Mühe des Berichtes.

6. Januar 2019
23:14
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Gurnemanz
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Forumsbeiträge: 437
Mitglied seit:
29. September 2018
sp_UserOfflineSmall Offline

So., 6. Jänner 2019

Keine andere Oper ist für mich so eng mit Johan Botha verbunden wie Andrea Chénier. Ich habe diese Oper bisher zwar erst fünfmal life gesehen, aber jedesmal mit ihm in der Hauptrolle. Da auch ich offenbar schon zu den Leuten gehöre, die behaupten, dass früher alles besser gewesen sei, wollte ich mir das Stück eigentlich nie wieder anschauen, um mir die Eindrücke nicht zu zerstören. Aber natürlich ist so eine Überlegung Blödsinn (die Welt verändert sich, auch wir verändern uns), und heute war es Gregory Kunde, dessentwegen ich mirs wieder einmal angeschaut habe. Und das Stück hat mir deutlich besser gefallen als ich es in Erinnerung gehabt hatte! Es ist mehr oder weniger Verismo, hat zwischendrin schöne Arien, viel Ensemble, recht passable Handlung, dankbare Partien (die wohl nicht allzu schwierig sind, denn es gibt keine langen Soloszenen à la Siegmund und Bacchus), die Musik finde ich recht annehmbar, das Stück bietet interessante Einblicke in die Geschichte und vor allem in die Abgründe des Menschen. Insofern kann ich mirs alle paar Jahre guten Gewissens anhören.

Um mit den erfreulichen Dingen fortzusetzen: Ich mag Otto-Schenk-Produktionen normalerweise ÜBERhaupt nicht. Aber den Andrea Chénier finde ich akzeptabel. Das Stück wird weder lächerlich gemacht und unter seinem Wert verkauft (siehe Schlaues Füchslein) noch veralbert (siehe Komödien), sondern Otto Schenk erzählt einfach die Geschichte so, wie sie im Libretto steht. Ich denke, stark anders kann man das Werk nicht inszenieren, was will man da groß interpretieren? Die Produktion ist repertoiretauglich, die Bühne ist nicht überladen, sondern mit wenigen Requisiten versehen (im zweiten Bild zum Beispiel ein umgestürzter Wagen, der als Versteck dient), die Massenszenen passen, die Arien können sich ungestört entfalten. Passt also, diese Inszenierung würde ich gerne behalten. Eine ausgefeiltere Personenregie einer eventuellen Neuproduktion würde sich im Repertoire bald abschleifen. Allerdings sollte man die Pause zwischen erstem und zweiten Bild streichen, dann wäre der Abend um eine knappe halbe Stunde kürzer.

Die Sänger betreffend gibt es allerdings wenig Erfreuliches zu berichten. Gregory Kunde war mein Grund hinzugehen, doch ich wurde bitter enttäuscht. 2012 hatte ich ihn zuletzt gehört, und seitdem ist halt doch eine Weile vergangen. Ich habe zwar in den letzten Tagen ein paar neuere Kunde-Aufnahmen auf Youtube gehört, die mir ausgezeichnet gefallen. Aber Kunde wird im kommenden Monat 65 Jahre alt und ist somit in einem Alter, in dem es (insbesondere als Tenor) stark auf die Tagesform ankommt. Und wenn man es positiv sehen will, war bloß die Tagesform heute ganz schwach. Im Laufe des Abends konnte er sich zwar (gering) steigern, aber gut ist was ganz anderes. Dass ich permanent Botha im Ohr und vor Augen hatte, ist nicht zwar seine Schuld. Aber Kundes Stimme war heute nur mehr rudimentär vorhanden. Sie ist für die Staatsoper zu klein, hat ein nicht unbeträchtliches Tremolo, und zeitweise muss Kunde stark auf die Stimme drücken, dass überhaupt was aus seinem Mund herauskommt. Dank sehr guter Technik hat er den Abend noch halbwegs hinter sich gebracht. Natürlich möglich, dass es bloß ein rabenschwarzer Tag war, wenngleich viel wahrscheinlicher, dass dieses heutige Wiener Rollendebüt einige Jahre zu spät gekommen ist. Luca Salsi ist zwar zwanzig Jahre jünger, besitzt aber eine mittlerweile ausgeschrieene Stimme. Zu Beginn hat er mir ja sogar recht gut gefallen, aber im Laufe des Abends war für mich immer deutlicher eine harte, rauhe, unflexibel geführte Stimme zu hören, die teilweise ungenau eingesetzt wurde. Freilich: Laut wars, aber das ist halt nicht alles, was man als Carlo Gérard braucht. Salsi ist sozusagen fast die tiefe Ausgabe von Andreas Schager. Unter den Hauptrollen hat mir Tatiana Serjan als Maddalena am besten gefallen. Freilich, mitunter tönte sie recht scharf, sodass ich mich eher in Macbeth als in Andrea Chénier wähnte, aber das war locker im Rahmen. In den Duetten hat sie den Kunde großteils zugedeckt, und das war gut so. Andrea Chénier besteht ja auch aus zahlreichen Nebenrollen, und das Ensemble zog sich gemischt aus der Affäre. Boaz Daniel als Roucher hat mir sehr gut gefallen: Er hat zwar ein bisschen zu viel Vibrato, aber für diese weder kleine, noch große Rolle passt er genau richtig. Sehr gut war Wolfgang Bankl als Mathieu, auch wenn ich da natürlich an Alfred Šramek denke. Bankl hat seine beste Zeit zwar zweifellos hinter sich, was ihn aber nicht daran hindert, in bestimmten Rollen ausgezeichnete Leistungen zu bringen. Thomas Ebenstein war ein guter Spitzel. Virginie Verrez hat mir als Bersi überhaupt nicht gefallen. Marcus Pelz (Haushofmeister+Dumas) und Lydia Rathkolb (Gräfin) waren rollendeckend. Zoryana Kushpler war die Madelon und ist damit offenbar schon im Altersfach angekommen, was ich wohlwollend registriert habe. Igor Onishchenko hat als Pietro Fléville zwar schön gesungen, aber VIEL zu leise, man hat ihn am Galeriestehplatz kaum vernommen. Benedikt Kobel war der Abbé. Kein Kommentar. Alexandru Moisiuc war zwar auch nicht besser als Kobel, darf als Fouquier Tinville aber ungemütlich klingen. Ryan Speedo Green hat das Kunststück geschafft, in der kleinen Rolle des Schmidt einen negativen Eindruck zu hinterlassen. Was qualifiziert ihn für die Staatsoper? Das Dirigat von Frédéric Chaslin kann ich nicht beurteilen, dazu kenne ich das Stück zu schlecht.

So, und jetzt hör ich mir die Botha-Andrea-Chénier-Aufnahme an und schwelge in den alten Zeiten!

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